26.11.2009

Sturmfront II

Vashtu rappelte sich auf und bemerkte, wie sehr das DHD sie doch vor den Winden geschützt hatte, als eine Bö sie fast wieder umwarf. Sie machte Babbis ein Zeichen, kam wieder auf die Beine und rannte geduckt, an seiner Seite, zurück hinter das Stargate, wo sie zumindest noch ein wenig Schutz vor dem Sturmwind fanden.
„Das DHD ist vollkommen in Ordnung", rief sie ihm über das Tosen zu. „Daran liegt es nicht."
„Habe ich doch gesagt."
Vashtu verzog das Gesicht, blickte wieder zum Himmel hinauf. Tiefschwarze Wolken rasten über den Horizont auf sie zu, fast ständig erleuchtet durch die Blitze, die sich in ihnen sammelten.
„Welche Möglichkeiten haben wir noch?"
Babbis zuckte mit den Schultern. „Keine. Die Sturmfront ist zu breit, wir beide würden es nie schaffen, ihre Randzonen zu erreichen. Sie allein, wenn Sie Ihre Fremdzellen aktivieren, schon."
Sie blitzte ihn unwillig an. „Wir gehen zusammen oder gar nicht, verstanden?"
Babbis schüttelte den Kopf. „Dann werden wir beide getötet werden, Miss Uruhk. Tut mir leid, aber so ist es."
Sie lehnte sich gegen den Sockel des Tores und schlug den Kragen ihrer Hemdjacke hoch. „Was erwartet uns?"
„Oh, wenn der Wind uns nicht erledigt, können wir im extremen Starkregen ertrinken, vom Blitz getroffen, von riesigen Hagelkörnern erschlagen oder von Tornados zerfetzt werden. Sie können es sich gern aussuchen."
„Dann ziehe ich das Überleben vor, danke."
Der nächste Regenschauer prasselte auf sie nieder.
Mißmutig starrte sie vor sich hin.
„Das werden wir aber nicht, solange wir in uns in der Zerstörungszone aufhalten. Tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, aber wir befinden uns hier in extremer Gefahr!"
Sie warf ihm einen Blick zu, kreuzte die Arme vor der Brust und kauerte sich noch mehr zusammen. „Wir können nicht vom Gate weg, solange nicht sicher ist, ob uns das SGC nicht hier herausholen kann."
Babbis tippte wieder auf seinem Palmtop herum, hielt es ihr hin. „Dann sollte das Center sich besser beeilen. Uns bleiben noch knapp 50 Minuten, ehe der Sturm uns erreicht."
Sie sah eine Uhr, die rückwärts in einem Countdown ablief, auf dem winzigen Bildschirm ticken. Verständnislos sah sie auf. „Soll das heißen ... ?"
Babbis nickte. „Das sind bis jetzt nur die Ausläufer."

***

„Das ergibt keinen Sinn!" Der Lieutenant warf den Ausdruck frustriert zur Seite. Wallace griff ihn sich und ging die Analyse noch einmal sehr sorgfältig durch.
„Sehen Sie irgendeine Form von Wurmloch?"
Wallace las sehr aufmerksam, sah dann schließlich wieder hoch und betrachtete das Tor. „Beide Gates sind aktiviert und können deshalb nicht angewählt werden. Hier steht nichts von einem Wurmloch", entgegnete er.
Der andere sah ihn entgeistert an. „Aber die Gates sind nur aktiviert, wenn ein Wurmloch zwischen ihnen existiert."
Wallace blinzelte, befeuchtete mit der Zunge seine Lippen und ging die Daten noch einmal durch. „Vielleicht nicht immer. Offensichtlich besteht noch eine gewisse Art von Verbindung zwischen uns und P4X-392, und genau darum sind beide Gates noch aktiviert. Das Wurmloch ist zusammengebrochen, das ist richtig, aber da scheint es noch irgendetwas zu geb..." Sein Kopf ruckte hoch. Konzentriert starrte er das Sternentor an. „Der Blitz!"
„Was?"
Wallace kam mit einem Ruck wieder auf die Beine. „Sie haben die enorme Energieleistung dieses Blitzes in den Daten nicht miteinbezogen. Sir, tut mir leid, aber auf einer Farm rechnet man jedes Jahr auch mit einem gewissen Ausfall. Diese extremen Werte, das war kein normaler Blitz."
„Das kann ich Ihnen bestätigen. Was da aus dem Tor kam, hat das gesamte Wurmloch ausgefüllt." Der Lieutenant nickte. „Aber der Blitz kann kein Wurmloch aufbauen, Dr. Wallace. Das ist unmöglich!"
Der junge Wissenschaftler blätterte noch einmal im Statusbericht, griff sich schließlich den Taschenrechner, der neben dem Lieutenant lag und begann zu rechnen.
„Das ist vollkommen unmöglich, Dr. Wallace. Tut mir leid."
„Ist es nicht!"

***

„Wir müssen hier verschwinden!"
Vashtu schüttelte stur den Kopf und dachte nach.
Es gab eine Lösung, es gab immer eine Lösung! Sie übersahen irgendetwas. Da war etwas, und es lag direkt vor ihren Augen. Nur sahen sie es nicht. Sie konnte es fühlen.
„Hören Sie, wenn wir nicht zumindest versuchen, Deckung zu finden, werden wir in dreißig Minuten in unsere Einzelteile zerlegt."
Ein erster Hagelschauer ging auf sie nieder. Babbis hielt sich schützend einen seiner Laptops über den Schädel und beugte sich über sie. Sie sah, mit welcher Wucht der Sturm an ihm zerrte und packte unvermittelt seinen Arm.
„Wir gehen hier nicht weg, bis wir sicher sind, daß Cheyenne-Mountain uns nicht zurückholt. Wenn die jetzt ein Wurmloch öffnen, müssen wir so schnell es geht durch, sonst wird das Center komplett auf den Kopf gestellt", brüllte sie ihn an.
„Sie werden uns nicht rauswählen können. Wahrscheinlich hat der Stripe mehr Schaden angerichtet, als wir denken. Warum würden sie sich sonst soviel Zeit lassen?"
Vashtu preßte die Lippen aufeinander und biß darauf. Mit der freien Hand wischte sie sich über das nasse Gesicht.
„Wir müssen hier weg!"
Verstehen blitzte in ihren Augen auf. Sie öffnete den Mund etwas, sah Babbis einen Moment lang an, dann hob sie den Blick und blinzelte in den Himmel. Doch sie achtete weder auf die Hagelkörner, noch auf die Wolken oder das Wetterleuchten. Ihr Blick richtete sich auf das Tor, das sich über ihr erhob.
Mit einem Ruck zog sie Babbis zu sich. „Sie sagen, wir befinden uns mitten in der Zerstörungsschneise?"
Der Wissenschaftler nickte.
„Und Sie sagen, das hier sind immer noch die Ausläufer?"
Wieder ein Nicken.
Die Antikerin nickte nach oben. „Warum steht das Stargate dann immer noch?"
„Was?" Babbis sah sie entgeistert an.
Sie beugte sich dicht über sein Ohr, zog einmal kurz die Nase hoch und brüllte: „Ich frage mich, warum das Stargate die Zerstörungsschneise seit Jahrtausenden übersteht."
Verstehen blitzte in Babbis' Augen auf. „Sie meinen ..."
Vashtu nickte. „Wir haben etwas übersehen. Und wir können nur hoffen, daß der Stripe es nicht beschädigt hat. Hier muß es einen Schutzschild geben!"

***

Wallace ging seine Berechnungen zum xtem Mal durch und notierte sich immer wieder seine Ergebnisse.
„Das kann nicht sein!" Der Lieutenant schüttelte den Kopf. „Irgendwo liegt ein Fehler, Dr. Wallace, und ..."
Die Tür öffnete sich und Landry trat ein. „Etwas neues?"
„Ich habe alles jetzt viermal nachgerechnet, Ihnen sogar ..." Wallace blickte auf und schloß den Mund. Seine Kiefer knallten mit einem dumpfen Laut aufeinander, als er den General sah.
Landry musterte ihn und runzelte die Stirn.
So kannte er Wallace gar nicht. Bisher hatte er den jungen Wissenschaftler immer als sehr schüchtern und zurückhaltend empfunden. Aber gerade ... Da war wilde Entschlossenheit in seinem Blick gewesen, und ein Mut, den man ihm sonst nicht zugetraut hätte.
„Sir, nichts neues. Tut mir leid", meldete der Lieutenant und schüttelte den Kopf. „Ich lasse noch einmal alle Statusberichte ..."
„Die wieder das gleiche sagen werden, verdammt!" Wallace richtete seine ganze Konzentration wieder auf einen Ausdruck, tippte mit einem Finger immer wieder darauf. Die Anwesenheit des SGC-Leiters schien er plötzlich wieder vergessen zu haben. „Ich habe Ihnen doch gesagt, was geschehen ist! Warum wollen Sie mir nicht glauben?"
Der Lieutenant warf Landry einen entschuldigenden Blick zu. „Tut mir leid, Sir."
Landry hob eine Hand und fixierte Wallace. „Was ist Ihrer Meinung nach geschehen, Dr. Wallace? Haben Sie vielleicht eine Lösung?"
Der junge Mann blickte auf, und Landry ging auf, wie jung er wirkte. Zwar war er gut sieben Jahre älter als Babbis, aber um sein Selbstbewußtsein schien es alles andere als gut bestellt. Und diese Unsicherheit verlieh ihm immer wieder das Aussehen eines Schuljungen.
„Ich ... ich ..." Nervös zuckte seine Hand zum Schreibtisch und stieß eine Kaffeetasse um. Klirrend fiel diese zu Boden und zerschellte. Wallace wurde puterrot. „Tut mir leid, Sir", murmelte er verlegen.
„Wie lautet Ihre Lösung, Dr. Wallace?" fragte Landry im ruhigen Ton.
„Der Blitz, Sir." Wallaces Stimme war kaum zu hören bei diesen Worten. „Die Energie des Megablitzes hat das Wurmloch zusammenbrechen lassen. Gleichzeitig aber hat er eine Verbindung zum Planeten hergestellt. Miss Uruhk und Dr. Babbis können zwar nicht hindurch, aber ..." Er stockte und verstummte dann.
„Aber?" Landry trat interessiert näher, während der Lieutenant wieder entschieden den Kopf schüttelte.
„Nun ..." Wallace nagte an seiner Unterlippe und trommelte mit den Fingern auf seinem Oberschenkel herum. „Wenn ich recht habe, dann ... dann müßten wir in Funkkontakt mit ihnen treten können."
„Vollkommener Unsinn!" Der Lieutenant schüttelte den Kopf.
„Haben wir das denn schon versucht?" wandte Landry ein.
Beide Männer blickten verständnislos auf. „Wie?"
„Haben wir versucht, ob wir in Kontakt mit ihnen treten können?"
Der Wissenschaftler und der Militär starrten sich verständnislos an, dann schüttelten sie die Köpfe.
„Dann versuchen wir es jetzt", entschied Landry.

***

Vashtu kauerte sich immer mehr zusammen. Der tosende Wind und der wieder einsetzende Regen wollten auch noch den letzten Rest Wärme aus ihrem Körper ziehen. Ihre Hand hatte sich in Babbis Arm verkrampft, doch der Wissenschaftler schien dies gar nicht zu bemerken. Er lag direkt neben ihr, seine Lippen waren blau und seine Augen halb geschlossen. Allmählich kamen ihr nun doch Zweifel, ob sie es lebend von diesem verdammten Planeten schaffen würden.
„Miss Uruhk? Können Sie mich hören?"
Sie blinzelte verständnislos und hob mit großer Anstrengung den Kopf. Nein, es war kein Wurmloch eingegangen. Sie begann, Stimmen zu hören.
„Miss Uruhk, SG-27-Teamleader", sagte die Stimme von General Landry wieder, begleitet von statischem Rauschen. „Können Sie mich hören? Melden Sie sich!"
Babbis drehte langsam den Kopf und sah sie an. Offenbar hatte er die gleiche Halluzination wie sie.
Die gleiche Halluzination?
„Sir?" Mit steifen Fingern hatte sie die Com-Taste ihres Funkgerätes gedrückt.
„Miss Uruhk, es tut gut, Ihre Stimme zu hören", sagte Landry deutlich erleichtert.
Verwirrt blickte sie sich wieder um. „Danke, Sir. Das gleiche behaupte ich auch. Aber ... wie ist das möglich?"
„Nun, wie es aussieht hat es einen Fehler mit dem Wurmloch gegeben. Sie werden sicher ebenfalls den Blitz gesehen haben, der mitten in den Ereignishorizont einschlug."
Sie nickte eifrig. „Ein Stripe, Sir. Ein Superblitz."
„Tja, wie es aussieht, hat dieser Stripe das Wurmloch zusammenbrechen lassen, aber die Verbindung wurde nicht gekappt. Wie geht es Ihnen?" fragte der General.
Vashtu blinzelte die Regentropfen aus den Augen und wischte sich mit der freien Hand das kurze Haar zurück. „Durchgefroren und naß bis auf die Haut, Sir. Dr. Babbis neben mir rechnet fest mit seinem Tod."
„Sie kennen doch die Devise, Miss Uruhk. Wir lassen niemanden zurück."
Sie nickte, ihre Gesicht verzog sich zu einem Lächeln.
„Wie ist die Lage bei Ihnen?"
Sie blinzelte in den Himmel hinauf. „Stürmisch, Sir. Eine Wettervorhersage möchte ich allerdings nicht treffen. Könnte nicht gut für uns aussehen."
„Dann halten Sie noch ein kleines bißchen aus. Wir arbeiten an einer Lösung. SGC Ende." Ein deutliches Knacken in der Leitung.
Vashtu und Babbis sahen sich groß an.

***

General Landry runzelte die Stirn. „Sie wollen was?"
Wallace und der Lieutenant sahen sich kurz an und nickten in plötzlicher stiller Eintracht. „Wir müssen das Gate entladen, um die Verbindung zu lösen", erklärte Wallace. „Durch die extremen Werte, als der Blitz durch das Wurmloch hier einschlug, brach dieses zwar zusammen, aber die Energiesignatur blieb bestehen. Darum können wir weder rauswählen noch angewählt werden. Es besteht immer noch eine Verbindung mit P4X-392, nur können wir diese nicht nutzen, um Miss Uruhk und Dr. Babbis zurückzuholen. Eines der Tore muß manuell entladen werden. Dann reißt die Verbindung automatisch ab und wir können neu wählen."
Landrys Blick glitt zu dem Lieutenant. „Und Sie bestätigen das?"
Der Militär nickte. „Wir haben alles mindestens dreimal überprüft, Sir. Die Daten stimmen. Wenn es uns gelingt, die Verbindung manuell zu trennen, können wir den Rest von SG-27 zurückholen."
Landry überlegte. „Was ist nötig, um das Gate zu entladen?"
„Wir brauchen ..." Der Lieutenant stockte, blickte etwas hilflos zu dem Wissenschaftler. Der zuckte mit den Schultern.
„Wir brauchen einen Blitzableiter, Sir."

***

„Nun, Miss Uruhk. Ich hätte da eine Bitte an Sie beide. Kann Babbis mithören?"
Der nickte nur. Seine Zähne klapperten.
„Ja, Sir, das kann er. Was sollen wir tun?"
Der Wind heulte durch das Stargate, irgendwo grollte der Donner.
„Der Stripe blockiert beide Tore, Miss Uruhk. Wir müssen diese Verbindung kappen, damit wir Sie beide wieder zurückholen können. Wir brauchen etwas, womit wir diese Entladung herbeiführen können."
„Einen Blitzableiter, Sir?" Vashtu hob die Brauen. Inzwischen mußte sie brüllen, um sich über den Lärm des Sturmes verständlich zu machen.
„Ja, Sie haben schon verstanden. Fällt Ihnen irgendetwas ein?" Die Störungen in der Übertragung wurden wieder stärker.
Vashtus Blick blieb an dem Laptop hängen, mit dem Babbis sich vorhin vor dem Hagel geschützt hatte. Er besaß ein Metallgehäuse. Vielleicht würde er auch leiten.
„Möglicherweise, Sir. Machen Sie sich bereit."
„Gut, wir warten."
„Was haben Sie vor?" ließ Babbis sich endlich vernehmen.
„Ich baue einen Blitzableiter, sobald ich Sie irgendwie gesichert habe." Vashtu kramte in den Taschen ihrer Hemdjacke und beförderte ein kurzes Stück Seil daraus hervor. „Binden Sie sich am DHD fest. Der Sturm ist inzwischen zu stark."
Babbis schüttelte den Kopf. „Ich helfe!"
Sie zögerte. Sie bezweifelte, daß Babbis wirklich helfen konnte. Der Wind toste inzwischen so stark um sie her, daß selbst sie Schwierigkeiten haben würde. Doch dann las sie die Entschlossenheit in seinem Gesicht.
„Also gut", brüllte sie über den Sturm hinweg. „Wir brauchen jedes bißchen Metall und Kabel, das wir finden können."
Babbis nickte, rappelte sich auf und wurde fast sofort wieder von den Beinen gefegt.

***

„Machen Sie sich bereit." Landry starrte das Gate an.
Hoffentlich würde es den beiden da draußen gelingen, was er von ihnen verlangt hatte. Aber die Zeit reichte einfach nicht, um den Blitzableiter des Komplexes bis hier herunter zu schalten. Ihnen war keine andere Wahl geblieben, so unwohl er sich dabei auch fühlte.

***

„Das Gehäuse leitet nicht!" kreischte Babbis.
Vashtu blinzelte das Wasser aus den Augen und betrachtete, was sie zusammengesammelt hatten. Gut drei Meter Kabelstränge, eine Rolle Isolierband und drei Laptops hatten sie in den Windschatten des DHDs retten können, ehe auch noch die letzten beiden Koffer mit Babbis' Ausrüstung ein Raub des Sturmes hatten werden können.
„Das Kabel reicht nicht", brüllte sie zurück. „Ich brauche noch mindestens zwei Meter, sonst findet die Entladung zu nahe am Tor statt und könnte das DHD zerstören."
Babbis' Augen zuckten ziellos umher und er schnippte mit den Fingern.
Vashtu schüttelte den Kopf und griff sich einen der Laptops.
„Was haben Sie vor?"
„In den Dingern gibt es doch Kabelverbindungen, oder?" Sie zückte ihr Messer und begann, am Gehäuse herumzuhebeln.
„Haben Sie eine Ahnung, wie teuer diese Rechner sind?"
„Fällt Ihnen was besseres ein?"
Babbis starrte sie einen Moment lang an, dann schüttelte er den Kopf, griff sich ebenfalls einen Laptop und tastete an seiner Überlebensweste herum.
„Wie lange noch?" brüllte Vashtu über den Sturm hinweg.
Kurz blickte Babbis auf seine Armbanduhr und blinzelte sich das Regenwasser aus den Augen. „Eine viertel Stunde."
Das würde knapp werden.

***

„Sir, wir sind soweit." Die Stimme war kaum zu verstehen. Die Antikerin brüllte in ihr Funkgerät, doch gleichzeitig toste der Sturmwind in das kleine Mikro und statische Störungen knisterten.
Landry seufzte erleichtert. „Gut. Wir machen uns bereit für Ihre erneute Einwahl."
„Sir, mit Verlaub", mischte sich eine zweite Stimme ein, die von Babbis, „es ist Wahnsinn! Wer auch immer das Gate berührt, wird zu Toast werden. Sie sollten besser versuchen, den internen Blitzableiter zu verwenden."
„Das hätten wir auch, wenn wir genug Zeit gehabt hätten", entgegnete Landry. „Sie müssen vorsichtig sein und das beste hoffen."
„Ich werde das tun, Sir", brüllte nun wieder Vashtus verzerrte Stimme über den Lautsprecher. „Ich habe die höheren Überlebenschancen."
Landry nickte nur und blickte zu dem Notfallteam, das sich bereits im Gateroom eingefunden hatte.

***

Mühsam kämpfte Vashtu sich auf das Tor zu, rollte das Kabel hinter sich her.
„Sie sind wahnsinnig! Wenn das Gate tatsächlich noch geladen ist ..."
Sie schüttelte nur unwillig den Kopf. „Gehen Sie zum DHD und verstecken sich dort. Das wird wahrscheinlich einer der sichersten Orte sein, Babbis."
Der Wissenschaftler sah sie groß an. „Sie werden die volle Ladung abbekommen, wenn Sie das Tor berühren. Sie können sterben!"
Vashtu schluckte Regenwasser, prustete dann und schnaubte sich die Nasenlöcher frei. „Ich kann das überstehen, glauben Sie mir. Aber Sie sind ungeschützt, Babbis!"
Er sah sie zweifelnd an, dann nickte er.
„Wie lange noch?" brüllte sie ihn an.
„Nicht einmal fünf Minuten."
Sie kniff die Lippen fest aufeinander. „Gehen Sie zum DHD!"
Mühsam stapfte sie vorwärts, das Kabel weiter hinter sich herziehend.
Babbis hatte recht, und sie wußte es. Sie konnte durchaus sterben, wenn sie die volle Ladung erwischte. Sie mußte vorsichtig sein und hatte keine Zeit. Irgendwie mochte sie dieses Timing nicht sonderlich.
Vorsichtig näherte sie sich dem Tor, während wieder ein neuer Hagelschauer über ihr niederging und der Wind mit einer Macht an ihrem Körper riß, die sie niemals für möglich gehalten hatte. Der Himmel über ihr war inzwischen tintenschwarz, nur vom Wetterleuchten unsicher beleuchtet. Donner und Wind grollten um sie her und ließen ihre Ohren schmerzen.
Auf den Knien robbte sie bis vor das Gate, sah hoch.
Wenn es einen Schutzschild gab, hatte der sich bis jetzt nicht aktiviert. Und das bedeutete, entweder hatte sie sich geirrt, oder er war durch den Stripe beschädigt worden.
Ein bescheidener Tag in ihrem Leben!
Sie holte tief Atem, zog das Kabel an sich heran und zögerte noch einen Moment.
Wenn sie in Berührung mit der Spannung kam, würde sie die volle Wucht zu spüren bekommen. Entweder sie verbrannte auf der Stelle oder ihr Herz blieb stehen. Aber sie mußte es riskieren.
Noch einmal wischte sie sich mit der freien Hand über das Gesicht, dann hob sie die mit dem Kabel und drückte dieses fest gegen das Metall des Tores.
Ein Blitz schoß daraus hervor, traf ihre Hand und ließ sie vor Schmerz brüllen. Sie konnte fühlen, wie die Spannung sich in ihren Körper fraß und einen Weg nach draußen suchte.
Dann wurde ihr schwarz vor Augen.

***

„Miss Uruhk, können Sie mich hören?" Landry runzelte die Stirn und horchte. Nichts als Rauschen war seine Antwort. „Miss Uruhk?" fragte er noch einmal, dann drehte er sich zu dem Techniker um und sah ihn an.
„Gate frei. Einwahl von außen läuft", meldete der.
In schneller Folge rasteten die Chevrons ein, das Wurmloch öffnete sich.
„Kennung SG-27", meldete der Techniker.
Landry stand am Fenster der Kontrollzentrale und starrte hinaus in den Gateroom.
Den beiden war es tatsächlich gelungen, die Verbindung zu kappen. Die Frage war nur, konnten sie es noch schaffen, durch das Sternentor zu reisen, ehe der Sturm sie endgültig mitriß. Beide hatten sie die ganze Zeit in ihre Funkgeräte gebrüllt, ein deutliches Zeichen dafür, daß sie ihre eigenen Stimmen nicht mehr verstehen konnten.
Eine Gestalt tauchte aus dem Ereignishorizont auf. Eine gebeugte Gestalt, schlacksig und unbeholfen wirkend. Sie ging rückwärts und tief gebeugt, zerrte einen Körper hinter sich her. Regen prasselte aus dem Tor heraus, Sturmwind heulte durch den Gateroom.
„Wurmloch schließen!" brüllte Dr. Babbis, nachdem er die Antikerin endlich ganz aus dem Ereignishorizont herausgezogen hatte. Beinahe sofort brach die Verbindung ab. Der Alarmton änderte sich.
Babbis richtete sich schnaufend auf und blickte sich um. „Ihr Herz ist stehen geblieben."

***

Ein Niesen war das erste, was Landry hörte, als er die Krankenstation betrat. Schmunzelnd trat er an dem Sichtschutz vorbei und fand die drei männlichen Mitgliedern von SG-27 einträchtig um ein Bett versammelt.
„Naja, und dann habe ich mir die Diagnoseberichte angesehen", berichtete Wallace gerade der Gestalt im OP-Kittel, die auf der Pritsche lag.
„Ihnen geht es offensichtlich schon wieder recht gut, Miss Uruhk", meldete Landry sich zu Wort.
Die Antikerin blickte auf, verzog das Gesicht und zog die Nase hoch. „Das nächste Mal lasse ich Sie einen Blitzableiter in einem Sturm bauen, Sir", sagte sie heiser.
Landry trat an das Bett heran. „Aber Sie haben es geschafft, Miss Uruhk."
Sie nickte.
Wieder ein Niesen, dann ein deutlich hörbares Schnaufen. „Ich habe mir sicher eine Lungenentzündung geholt." Babbis' Stimme klang wehleidig.
Vashtu drückte ihren Kopf zurück in das Kissen. „Wann darf ich aufstehen, Sir?"
„Haben Sie eine dringende Verabredung?" Landry schmunzelte.
„Mir ist langweilig." Die Stimme der Antikerin klang düster.
Landry schmunzelte. „Nun, wenn es so ist. Ich kann Ihnen gern einen Rechner herbringen lassen. Dann können Sie Dr. Babbis bei seiner Doktorarbeit helfen."
Vashtu sah ihn mißtrauisch an. „Wie bitte?"
Hinter Landry erklang ein dumpfes Schnaufen. Der General nickte.
„Der Grund, warum Sie diesen Planeten besuchten, war die Doktorarbeit von Dr. Babbis. Sie wissen doch, daß er diesen Titel eigentlich noch nicht trägt."
Vashtu schürzte die Lippen und kreuzte die Arme vor der Brust. In ihren Augen stand etwas, was Landry im Moment nicht wirklich lesen wollte. Doch ihm war klar, daß Babbis in nächster Zeit ... Nun, einige weitere Erziehungsmaßnahmen würden ihm sicher nicht schaden.
„Wird schon, Mam", meldete Dorn sich zu Wort.
Dr. Marnie Evans, die Ärztin, die Vashtu betreute, kam heran. „So geht es aber nicht. Die Patientin ist noch zu schwach, um ... General, Sir, ich muß Sie leider bitten ..."
„Ich habe Hunger", ließ Vashtu sich plötzlich vernehmen. „Ich hätte gern ein dickes Steak mit Pommes frites und eine Riesen-Limo dazu."
„Ich ..." Marnie Evans blinzelte verständnislos. „Wir werden sehen, was wir tun können."
Landry klopfte der Antikerin auf den Arm. „Ich werde Ihnen Ihr Steak besorgen, Miss Uruhk, keine Sorge. Ruhen Sie sich jetzt etwas aus."
Sie verzog das Gesicht, winkte dann aber ihren beiden anderen Teammitgliedern, die sich dezent zurückziehen wollten.
Dann wandte sie sich wieder dem Leiter des SGC zu: „Wallace sagte mir, Sie hätten zugestimmt, daß er helfen durfte."
Landry zögerte, nickte dann aber. „Ich habe mich da an etwas erinnert und dachte, ich sollte vielleicht auf Sie hören."
Die Antikerin lächelte. „Danke, Sir."
„Ich habe zu danken, Miss Uruhk. Sie haben gute Arbeit geleistet, wirklich sehr gute Arbeit."
Babbis kam, im Schlepptau von Marnie Evans, wieder zurück und redete auf die Ärztin ein.
„Ach, Sir." Vashtu richtete sich auf und räusperte sich. Ihre Stimme klang immer noch rauh.
Landry hob fragend die Brauen und sah zu Babbis hinüber, der urplötzlich verstummt war.
Die Antikerin fixierte den Wissenschaftler sehr genau, während sie ihre nächsten Worte sprach: „Das nächste Mal, wenn Dr. Babbis eine Doktorarbeit schreiben möchte, warnen Sie mich bitte vor, Sir. Dann nehme ich mir Urlaub."
Babbis' Gesicht wurde puterrot.

ENDE

22.11.2009

1.04 Sturmfront I

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (SG-27)
Genre: humor, scifi, action
Rating: PG


Vashtu Uruhk schattete mit einer Hand ihre Augen ab gegen den Wind, der an ihr zerrte und Tränen in die Augen trieb. Sie stand irgendwo auf einer flachen Ebene, mitten im nirgendwo. Und am Himmel, scheinbar zum Greifen nahe, wölbten sich die größten Wolkenmassive, die sie je gesehen hatte.
„Ich bin da", schrie sie in ihr Funkgerät und nahm sich den Rucksack ab.
„Ist Ihnen etwas dazwischen gekommen?" hörte sie die knisternde Antwort von Dr. Peter Babbis. „Wir anderen sind schon längst fertig."
Sie blinzelte die ersten Regentropfen aus den Augen und wandte sich ab vom Wind. „Tja, dann hätten Sie mich ja nicht drei Meilen in die Ebene schicken müssen. Das dauert seine Zeit, vor allem, wenn man gegen dieses Lüftchen ankämpfen muß."
„Naja, gut. Ich habe mich da wohl etwas zu sehr auf Ihr Super-Genom verlassen", antwortete Babbis.
Vashtu kauerte sich zusammen, als eine heftige Bö an ihr zerrte und von ihrem Platz vertreiben wollte. „Was jetzt?" schrie sie in den Äther.
„Oh ja. Natürlich!" Babbis schien aufzugehen, daß er ihr immer noch keine Anweisungen gegeben hatte. „Nehmen Sie bitte den Geschwindigkeitsmesser und halten ihn in den Wind."
Vashtu runzelte die Stirn, zog das Gerät jedoch aus dem Achselholster hervor. Der Regen nahm zu. Erste Blitze zuckten über den Himmel.
Sie drehte sich um, kauerte sich so gut es ging zusammen und hielt das pistolenartige Gerät in die Höhe. Sie drückte den Auslöser und wartete. „Aktiviert."
Es dauerte einige Sekunden, bis die erlösende Antwort kam: „Gut. Dann bauen Sie jetzt bitte das Gerät auf, daß in Ihrem Rucksack steckt."
Vashtu knurrte einen Fluch in ihrer Muttersprache und kämpfte mit den bereits feuchten Verschlüssen des Rucksacks, nachdem sie den Geschwindigkeitsmesser wieder verstaut hatte.
„Sind Sie soweit?"
„Nein, verdammt! Und es würde schneller gehen, wenn Sie mich nicht ständig fragen würden." Der Regen nahm immer mehr zu und machte ihr die Sache nicht unbedingt leichter.
Schließlich aber hielt sie das koffergroße Gerät in Händen, der Rucksack jedoch wurde sofort weggeweht. Blinzelnd sah sie ihm nach. Den würde sie so schnell nicht wiedersehen.
„Ich habe es. Was jetzt?"
„Stellen ... Boden." Die Leitung knisterte heftig, und atmosphärische Störungen würden einen weiteren Funkkontakt bald so gut wie unmöglich machen.
Vashtu stellte das Gerät auf den Boden. „Fertig, und jetzt?"
„... metallener Schalter ... Seite."
Sie betrachtete den Apparat forschend, bis sie den kleinen Kippschalter fand und betätigte. Ein Licht blinkte auf.
„Da leuchtet jetzt was."
„G... Sie ... draufdrücken ..."
Vashtu seufzte und betätigte auch diesen Schalter. Über den Sturm meinte sie, ein Klicken zu hören. „Was jetzt?"
„Fertig ... zurück ...gate." kam Babbis abgehackte Stimme über den Lautsprecher.
Natürlich. Danke, das hätte er ihr auch vorher sagen können.
Mit einem zweifelnden Blick zum Himmel richtete sie sich wieder auf und joggte zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war.
Glücklicherweise half ihr jetzt der Wind, gegen den sie noch vor wenigen Minuten hatte ankämpfen müssen, so daß sie wesentlich schneller voran kam als vormals. Der Sturm jagte sie vor sich her, so daß sie einige Male Mühe hatte, sich nicht von den Beinen reißen zu lassen.
Endlich kam das Stargate in Sicht.
Vashtu seufzte erleichtert, beschleunigte ihre Schritte noch. Kurz darauf war sie bei ihren Männern angekommen. Wieder warf sie zweifelnde Blicke gen Himmel. Die Wolkengebirge hatten sie fast erreicht.
„Zurück zum SGC! Wallace, wählen Sie uns ein und geben Ihren Code durch", befahl sie, griff nach ihrer Wasserflasche, um sich den, vom Schreien trockenen Mund anzufeuchten.
Der junge Wissenschaftler tat wie ihm geheißen. Kurz darauf baute sich ein Wurmloch auf.
Vashtu erleichterte zusehenst. Sie kannte Stürme wie diesen von ihrer Heimat Atlantis. Und sie legte keinen großen Wert darauf, noch unbedingt hier zu sein, wenn er richtig losbrechen würde. Die Orkanböen, die an ihr rissen, und der wieder einsetzende Regen waren ihr schon mehr als genug.
„Bestätigung vom SGC", rief Wallace über den Sturm hinweg.
„Abmarsch!" Sie wies auf das Gate.
Sergeant Dorn, der dem Wurmloch am nächsten stand, marschierte zuerst hindurch, ihm folgte dichtauf Wallace.
Babbis war noch damit beschäftigt, seine Geräte zusammenzupacken. Seufzend griff Vashtu sich einen seiner Koffer und wies auf das Tor. „Machen wir, daß wir hier wegkommen, Doc", sagte sie. Die Worte wurden ihr von den Lippen gerissen und fortgeweht.
Babbis schien aber auch so verstanden zu haben, was sie sagen wollte. Er verschloß den letzten Koffer und erhob sich.
Vashtu warf noch einen Blick zum Himmel. Und da sah sie es auf sie herunterkommen. Sie warf sich nach vorn und riß den Wissenschaftler mit sich zu Boden, während ein gewaltiger Blitz, der gewaltigste, den sie je gesehen hatte, direkt über ihnen hinwegzischte und in das Wurmloch einschlug. Ein gewaltiger Donner folgte dem Einschlag, Funken sprühten aus dem Tor, als sie wieder aufblickte. Dann verlosch das Wurmloch.

***

Wallace und Dorn starrten hoch zum Gate und konnten nicht glauben, was sie da gerade gesehen hatten. Eine gewaltige Entladung hatte im Dach des Gaterooms eingeschlagen, dann war das Wurmloch in sich zusammengefallen. Und sie beide waren die einzigen, die auf der Erde angekommen waren.
Entgeistert wechselten sie einige Blicke, ehe ihnen aufging, daß sich eine Tür hinter ihnen geöffnet hatte. General Landry stand darin und sah sie forschend an.
„Was ist passiert?" verlangte er zu wissen.
Wallaces Augen zuckten nervös, immer wieder leckte er sich die Lippen.
„Sie waren direkt hinter uns, Sir", sagte Dorn. Zum ersten Mal zitterte seine Stimme ein wenig. „Sieht aus, als habe das Wurmloch eine Störung gehabt."
„Oh mein Gott!" Wallaces Augen wurden groß.
Landry blickte die Rampe nach oben, doch jetzt schwieg er.

***

Mühsam kämpfte Vashtu sich wieder auf die Beine und blinzelte sich die Regentropfen aus den Augen. „Was war das?" rief sie über den Sturm hinweg.
„Ein Stripe", brüllte Babbis zur Antwort.
Sie runzelte die Stirn und neigte den Kopf verständnislos zur Seite.
Babbis blinzelte ebenfalls Regentropfen aus seinen Augen, wischte sich mit beiden Händen über den Kopf, um sein Haar nach hinten zu kämmen. „Ein Megablitz. Soetwas löst sich normalerweise Richtung Weltraum. Aber hier besteht die Gefahr, daß sie auf dem Boden einschlagen."
Vashtu nickte endlich verstehend und stapfte, gegen die heftigen Böen ankämpfend, zum DHD. „Wir müssen hier weg. Ich wähle neu ein. Halten Sie Ihr GDO bereit."
Babbis nickte und zog ein kleines Gerät aus seiner Jackentasche.
Vashtu drückte die Chevrons für die Erde. Doch als sie ihre Anwahl bestätigen wollte, brach das Gerät den Vorgang ab. Sie blinzelte wieder, wischte sich mit dem Jackenärmel über die Augen und versuchte es erneut.
„Was ist los?"
Wieder brach das DHD den Vorgang ab.
„Es klappt nicht." Verwirrt trat sie von der Anlage zurück.
Babbis kam heran, versuchte nun seinerseits sein Glück, doch wieder brach das Gate die Verbindung ab.
„Was machen wir jetzt?" schrie Vashtu über den Sturm hinweg, duckte sich, als über ihr wieder Blitze durch die Atmosphäre zuckten.
Babbis schüttelte verständnislos den Kopf. „Keine Ahnung. Meines Wissens ist soetwas noch nie vorgekommen."
„Hat denn schon einmal ein solcher Megablitz in ein Wurmloch eingeschlagen?"
Babbis warf ihr einen irritierten Blick zu, der ihr Antwort genug war. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Himmel, der sich immer mehr verdunkelte.
„Okay, sieht aus, als hätten wir ein Problem."

***

„Also, jetzt noch einmal der Reihe nach." Landry faltete die Hände vor sich auf dem Tisch und sah die beiden Mitglieder von SG-27 ernst an. „Was ist passiert?"
Dorn wechselte einen Blick mit Wallace, nickte ihm dann zu.
Der junge Wissenschaftler zog die Schultern hoch und schien in seinem Stuhl versinken zu wollen. Doch er begann zu berichten: „Wie besprochen sind wir nach P4X-392, um dort die Meßgeräte aufzustellen. Sie hatten Dr. Babbis ja grünes Licht für diese Mission gegeben."
Landry nickte. „Energiegewinnung aus Megastürmen. Ich erinnere mich."
Wallace schluckte. „Wir stellten die Geräte auch auf. Dr. Babbis war noch damit beschäftigt, seine Meßsonden zu kalibrieren und wir warteten auf Miss Uruhk. Als sie dann kam, gab sie mir den Befehl, sofort die Erde anzuwählen und abzurücken."
Landry richtete sich auf. „Und warum mußten Sie auf Miss Uruhk warten?"
„Weil Babbis sie drei Meilen in die Ebene hinaus geschickt hat", antwortete Dorn ruhig.
„Ja, ihre Sonden sollten als zusätzliche Einheiten dienen, um die Wucht des Sturms zu berechnen. Unsere Plätze waren alle näher am Tor gelegen, so daß wir wesentlich eher fertig waren."
Landry runzelte die Stirn. „Aber Miss Uruhk wußte doch, was da auf sie zukam. Sie wird sich doch beeilt haben."
Wallace lächelte schief. „Sir, mit Verlaub, aber ich glaube, Dr. Babbis hat sich da ein wenig verrechnet. Der Sturm war fast über uns, als wir abrücken wollten. Er war aber der Meinung, uns blieben noch mindestens drei Stunden, als wir auf dem Planeten ankamen."
Landry bemühte eine Liste. „Und sie waren ... 45 Minuten dort." Als er wieder aufblickte, konnte man deutlich eine gewisse Unruhe in seinem Gesicht lesen.
„Miss Uruhk mußte gegen den Sturm laufen, sie brauchte zu lange", bemerkte Dorn.
Wallace nickte wieder. Rote Flecken bildeten sich auf seinen Wangen und verliehen ihm erst recht das Aussehen eines Schuljungen.
„Und was geschah, nachdem Miss Uruhk wieder zurück war?" forschte Landry weiter.
„Wie gesagt, sie gab mir den Befehl die Erde anzuwählen und wollte abmarschieren. Sie war unruhig, Sir. Immer wieder sah sie zum Himmel hinauf. Dorn ging als erster, ich hinter ihm. Und eigentlich hätten Dr. Babbis und Miss Uruhk direkt hinter mir sein müssen ... Nein, Babbis räumte noch seine letzten Sachen zusammen." Wallace schluckte wieder. „Als wir auf der Erde ankamen, gingen wir weiter die Rampe herunter. Und da zuckte dieser ... dieser Blitz hinter uns durch das Tor und schlug in die Decke ein."
Landry nickte, überflog weitere Listen, blätterte kurz im Statusbericht.
„Sir, mit Verlaub, wollen Sie Uruhk und Babbis nicht zurückholen?" ließ Dorn sich vernehmen.
Landry zögerte, legte dann die Hefter zur Seite und sah auf. „Das würde ich ja sehr gern, Sergeant", antwortete er. „Aber ich fürchte, so einfach wird das nicht. Die Chevrons rasten nicht ein und das Gate öffnet sich nicht."
Dorn ruckte hoch, Wallace sank noch mehr auf seinem Stuhl zusammen.
Landry brachte den alten Soldaten mit einem Blick wieder dazu, sich niederzulassen. „Ruhig, Marine. Wir arbeiten an dem Problem. Glauben Sie mir, wir holen die beiden wieder her."

***

Vashtu behielt mißtrauisch den Himmel im Auge, während sie sich zusammenkauerte. Der Regen hatte wieder nachgelassen, nachdem sie beide naß bis auf die Haut waren, doch der Sturmwind peitschte noch immer über sie hinweg und ließ sie zusätzlich auskühlen.
„Wir sollten uns einen sicheren Platz suchen", rief sie Babbis zu.
Der hatte sein Palmtop gezückt und war nun offensichtlich dabei, irgendetwas zu berechnen. Etwas verwirrt blickte er auf und sah sie an.
„Wir können die Umgebung des Gates nicht verlassen", fuhr die Antikerin fort. „Wenn die Erde uns anwählt, müssen wir so schnell wie möglich zurück, ehe noch so ein ... ein Stripe einschlägt."
Babbis runzelte die Stirn. „Ich glaube, Sie haben unser Problem noch nicht ganz verstanden, Miss Uruhk", antwortete er ebenso laut. „Wir können nirgendwo hin. Wir sind hier nirgends sicher, es sei denn, Sie haben eine ausreichende Menge Sprengstoff dabei, damit wir in tiefere Gesteinsschichten eindringen können. Und selbst da ..."
„Was soll das heißen?" brüllte sie ihn nieder.
Babbis' Gesicht verzog sich unwillig, dann aber nickte er. „Dieser Sturm tobt seit Jahrtausenden über den Planeten. Und er gewinnt mit jeder Umwanderung immer mehr an Kraft. Was hier auf uns zukommt, ist die totale Zerstörung, nicht mehr und nicht weniger."
Sie sah ihn verständnislos an. „Ich kenne Megastürme, Babbis. Über Atlantis kommt einer diese Sorte jede Generation."
Babbis beugte sich vor und schüttelte den Kopf. „Ich habe die Berichte von Dr. McKay gelesen, Miss Uruhk. Und ich kann nur sagen, was Sie auf Atlantis vielleicht erlebt haben, ist ein laues Lüftchen gegen das, was hier auf uns zukommt."
Ihr Gesicht wurde ernst. „Wie meinen Sie das?"
„Sehen Sie hier irgendwo Vegetation?"
Verständnislos blickte sie sich um, schüttelte schließlich den Kopf.
Babbis nickte. „Weil der Sturm die obersten Erdschichten regelmäßig abträgt, darum gibt es keine Pflanzen hier. Er reißt den Mutterboden mit sich. Über dem Ozean gewinnt er immer mehr an Kraft, die er dann auf dem Land abläßt. Der wird nicht abflauen, Miss Uruhk, sondern nur noch heftiger wüten."
Ihre Augen weiteten sich, ihr Gesicht wurde starr.
„Sie haben mit Ihren zusätzlichen Gensträngen vielleicht eine Chance, wenn Sie sich nicht in der Vernichtungsschneise aufhalten. Ich dagegen ..." Er hielt seinen Handcomputer hoch. „Ich werde Ihnen meine Aufzeichnungen mitgeben, sobald ich meine Berechnungen abgeschlossen habe. Ich bin sicher, das wird helfen, die Energieprobleme auf der Erde zu lösen."
In Vashtus Augen flammte Wut auf. „Ich lasse niemanden zurück!" herrschte sie ihn an und erhob sich. Gegen den heftigen Wind ankämpfend stapfte sie wieder zum DHD und ließ sich davor nieder. Mit einer Taschenlampe begann sie, unter dem Gerät etwas auszuleuchten.
Babbis beobachtete sie einige Momente, ehe er ihr folgte. Neugierig ließ er sich auf ein Knie nieder und reckte den Hals. „Was wollen Sie tun?"
„Was ich schon die ganze Zeit über tun wollte. Ich kontrolliere das DHD auf eventuelle Beschädigungen. Leuchten Sie mir." Entschieden drückte sie ihm die Lampe in die Hand und kroch unter das Wahlgerät.
„Das wird nichts bringen. Der Blitz schlug in das Gate ein, nicht ins DHD."
Ungeduldig machte sie ihm Zeichen, wohin er ihr leuchten sollte. „Es besteht, wie Sie sicherlich wissen, ein Zusammenhang zwischen dem Gate und dem DHD, Dr. Babbis. Kommt es zu einer Überlastung des Tores, leitet es diese in das Anwahlgerät weiter." Sie zog einen Kristall aus seiner Halterung, steckte ihn dann aber frustriert wieder an seinen Platz.
Babbis ging auf, daß diese Kristalle ähnlich aussahen wie der, den sie immer an einer Kette um den Hals trug. Was es mit dem wohl auf sich hatte?
„Es sieht alles normal aus. Ich kann keinen Schaden entdecken." Sie sah zu ihm hoch.
„Ich habe doch gesagt, daß wahrscheinlich das Tor beschädigt ist, nicht das DHD", entgegnete Babbis wieder.
Vashtu knallte den Hinterkopf auf die durchweichte Erde, kniff die Lippen aufeinander und kontrollierte die Kristalle noch einmal.

***

„Colonel Carter steht leider nicht zur Verfügung. Sie ist gestern mit SG-1 zu einer strenggeheimen Aufklärungsmission aufgebrochen und wir können momentan keinen Funkkontakt zu ihr herstellen."
Der Techniker lehnte sich zurück und kreuzte die Arme vor der Brust. „Tut mir leid, Sir, aber ich kann Ihnen da auch nicht weiterhelfen."
„Was sagt die Analyse?" Landry sah angespannt in den Gateroom hinaus. Einige Arbeiter waren damit beschäftigt, das Schott in der Decke aufzuschweißen. Der Blitz hatte die Luke zu einem Klumpen verschmolzen. Stahltropfen lagen auf dem Betonboden.
„Es kommen merkwürdige Werte, Sir." Der Mann drehte sich um und sah etwas ratlos aus. „Es liegt keine Fehlfunktion vor. Dafür aber ..." Er stockte, als sich die Tür öffnete.
Landry drehte sich stirnrunzelnd um und sah Wallace in dem geöffneten Durchgang stehen, das Gesicht kalkweiß, die Lippen entschlossen zusammengekniffen.
„Ich sagte doch, Sie können sich ausruhen, Doktor", wandte der General sich an den jungen Mann.
Der trat entschlossen näher. „Sir, ich möchte helfen."
„Dann sollten Sie uns jetzt arbeiten lassen, Dr. Wallace. Wir werden Miss Uruhk und Dr. Babbis wieder zurückholen, keine Sorge."
Wallace sah ihn flehend an, schwieg jetzt aber.
„Ich möchte diesen Meterologen hier haben, mit dem Babbis zusammengearbeitet hat. Wir brauchen einen genaueren Zeitrahmen", wandte er sich an einen Offizier. Der nickte und verließ die Kommandozentrale.
„Sir!"
Landry wandte sich wieder Wallace zu. Leicht verärgert sah er den jungen Mann an. „Doktor, bitte lassen Sie uns arbeiten, damit helfen Sie uns und dem Rest Ihres Teams am meisten."
Wallace starrte ihn nur an.
Landry schob den jungen Wissenschaftler ungeduldig zur Seite, beugte sich über den Bildschirm. „Lassen Sie das Diagnoseprogramm noch einmal durchlaufen. Wir haben noch eine knappe Stunde, wenn es nach den Berechnungen von Dr. Babbis geht. Spätestens dann möchte ich die beiden wieder wohlbehalten im Torraum sehen."
„Sir, ich habe das Diagnoseprogramm schon zweimal durchlaufen lassen", entgegnete der Techniker. „Diese Werte sind bestätigt."
„Dann starten Sie es noch ein drittes Mal. Das ergibt keinen Sinn." Landry richtete sich wieder auf und fand Wallace neben sich, der ihn immer noch anstarrte. „Was gibt es denn noch?"
Der junge Mann atmete einige Male tief ein und ballte die Hände zu Fäusten. „Sir, ich bin in genau zwei Dingen gut: Der Bestimmung und Optimierung von Nutzpflanzen und dem Umgang mit modernen Rechnern. Ich möchte helfen, und ich habe gehört, daß Lt. Colonel Carter zur Zeit nicht zur Verfügung steht."
Landry hob die Brauen.
Wallace, diese wandelnde Katastrophe, sollte er an den Rechner lassen, der mit dem Sternentor verbunden war? Was konnte er denn daran anrichten?
„Sir, mit Verlaub, aber ich bin bereits mehrmals in die geheimen Dateien des Pentagons eingedrungen. Wenn jemand außer Lt. Colonel Carter Miss Uruhk und Dr. Babbis zurückholen kann, Sir, dann bin ich es!" Wallace schien über den Mut seiner Worte selbst erstaunt, schrumpfte vor den Augen des SGC-Leiters zu einem Häufchen Elend zusammen.
Landry zögerte, sah wieder hinaus in den Gateroom und dachte nach.
Er dachte an ein Gespräch mit Vashtu Uruhk, daß sie vor noch nicht allzu langer Zeit geführt hatten. Ein Gespräch, das für die Antikerin fast mit einem Rauswurf geendet hatte. Und eines war ihm von dieser Unterredung im Gedächtnis haften geblieben, weil es ihn selbst verblüfft hatte: Ihre Bitte, ihrem Team zu vertrauen, so wie sie es tat.
„Also gut. Setzen Sie sich mit dem Lieutenant zusammen und versuchen Sie herauszufinden, was mit dem Gate nicht stimmt. Wir haben noch drei weitere Teams draußen, und die würden sicher auch gern zurück zur Erde. Denken Sie daran, Dr. Wallace."

TBC ...

21.11.2009

Schatten III

„Die Luft ist rein.“ Vorsichtig schob Vashtu ihren Kopf durch die Tür, ließ die Zat gleich folgen, rutschte dann schließlich vollständig in ihr Büro. Stirnrunzelnd bemerkte sie, daß Dorn verschwunden war.
Babbis folgte ihr, jetzt ebenfalls ein Zak'Ni'Tel in den Händen. Als er den zerbrochenen Stuhl auf dem Boden sah, stöhnte er vorwurfsvoll auf. „Was haben Sie mit dem armen Dorn gemacht?“
Vashtu griff sich ihre Überlebensweste, nachdem sie aus der Armeejacke geschlüpft war und warf sie sich über. „Gar nichts. Ich glaube, ich habe mehr abbekommen als er“, knurrte sie und schloß die Weste, daß sie eng an ihrem Körper saß. Dann nahm sie sich wieder die Zat, während sie mit der Rechen in ihre Brusttasche griff und den Detektor hervorholte.
Babbis wandte sich endlich von den Trümmern ab und trat an ihre Seite, während sie aufmerksam die Anzeigen las.
„Sind Sie sicher, Sie schaffen das? Ich meine ... Mittlerweile haben Sie mich schon mindestens ein halbes Dutzend Mal mit einer Sagengestalt verwechselt“, fragte er.
Vashtu warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Wenn ich Sie nicht mehr vor Augen habe, wird es wahrscheinlich besser werden“, entgegnete sie, drehte sich dann um.
Aufmerksam linste Babbis über ihre Schulter und beobachtete die Anzeigen. „So ein Teil muß doch einfach ...“ Er verstummte, als er wieder einen warnenden Blick von ihr erntete. „Kann ich vielleicht einmal halten?“
„Das bringt Ihnen nichts, Doc.“ Die Antikerin schüttelte den Kopf. „Diese Geräte funktionieren nur, wenn man das ATA-Gen trägt, das habe ich Ihnen doch schon einmal erklärt.“
Babbis' Blick wurde immer flehender. „Aber Sie wissen doch gar nicht, ob ich es nicht habe. Ich habe mich noch nicht testen lassen.“
„Sie haben es nicht, glauben Sie mir.“ Mit einem Stöhnen drehte sie sich zu ihm um und hielt ihm den Detektor hin.
Babbis nahm es - und augenblicklich verlosch der kleine Bildschirm. Mit großen, ungläubigen Augen starrte er auf den nun nutzlosen Apparat.
„Ich habe doch gesagt, Sie haben das Gen nicht. Ich kann das spüren.“ Die Antikerin entwand ihm den Detektor, und sofort blinkten wieder einige Punkte über den Bildschirm.
„Das ist ...“ Babbis verstummte und kniff die Lippen fest aufeinander.
Vashtu konzentrierte sich wieder auf die Anzeigen, drehte sich ganz allmählich mit dem Detektor in der Hand um die eigene Achse. Dann steckte sie den Apparat wieder ein, sah ihn auffordernd an. „Wenn ich das richtig abgelesen habe, ist der Bestäuber in einem der Labore in der Nähe des Jumperlagers. Ich werde es mir schnappen, in einen Jumper verfrachten und durch das Tor zurückschicken.“
Babbis sah sie forschend an, doch im Moment schien sie sich im Griff zu haben. Dann nickte er. „Gut, ich tausche die Luftfilter, damit die Pollen aus der Anlage verschwinden. Wollen wir hoffen, daß es klappt.“
Vashtus Augen blitzten. Sie eilte zu ihrem Schreibtisch, zog eine Schublade auf und griff hinein. Dann kehrte sie zu ihm zurück und hielt ihm eine kleine, viereckige Brosche hin, die metallen glänzte. „Das sind Kommunikatoren meines Volkes. Damit dürften wir auch für hiesige Funkverbindungen lautlos sein, können uns aber verständigen.“
Vorsichtig griff Babbis nach dem winzigen Gerät und betrachtete es skeptisch. „Aber ...“
„Die reagieren auf jeden.“ Vashtu steckte sich ihren Knopf an das Revers der Weste, tippte einmal mit dem Finger darauf. „So aktiviert man es. Dann können Sie meine Stimme hören. Falls irgendetwas sein sollte.“
„Funktionieren die wirklich noch?“ Babbis machte sich jetzt seinen am Kragen seiner Hemdjacke fest.
Vashtu nickte. „Sie wurden in Antarktica gefunden, im Eis eingefroren. Ich sollte sie untersuchen und habe festgestellt, daß sie tatsächlich noch funktionieren. Müssen wohl die ganze Zeit deaktiviert gewesen sein.“ Sie glitt mit einigen fließenden Bewegungen zur Tür, drehte sich dann noch einmal zu ihm um. „Viel Glück.“

***

Babbis schlich sich langsam durch die Gänge. Er mußte nahe an den Ausgang des Berges heran, um an die Luftaustauschfilter zu gelangen. Zum Glück schienen sich hier kaum Betroffene aufzuhalten. Aber er wagte gar nicht, sich vorzustellen, wo die, die auf dieser Ebene gewesen waren, wohl jetzt sein mochten. Vielleicht hatten die Pollen inzwischen sogar schon Cheyenne-Mountain verlassen?
Er schluckte, spähte vorsichtig um eine Ecke des Ganges, dann schlich er weiter.
Kommunikationsgeräte der Antiker. Einen Energiedetektor. Was konnte diese Vashtu Uruhk eigentlich noch alles aus ihrem Hut zaubern? Und was wußte sie tatsächlich? War sie wirklich so klug?
Babbis wußte es nicht. Aber er kannte zumindest die Ergebnisse diverser Tests, denen sie unterzogen worden war, als sie von Atlantis hierher kam. Diese Frau hatte einen IQ, der kaum noch meßbar war. Ihr Gehirn arbeitete so schnell und präzise, daß es schwerfiel, ihr überhaupt zu folgen. Und ihre Reaktionen erfolgten meist so schnell, daß sie die Informationen kaum hatte verarbeiten können.
Und diese Frau hatte sich noch zusätzlich aufgeputscht mit einer Gentherapie, die ihr Kraft und Ausdauer verlieh, nebenbei auch noch fast unglaubliche regerenerative Kräfte. Eine Killermaschine auf zwei Beinen, noch dazu eine, der man es nicht ansah.
Und trotzdem ...
Babbis atmete tief ein. Da war die Tür! Dort mußte er hinein. Doch davor standen zwei Wachen.
Ob die auch ... ?
Er rief sich zur Ordnung. Natürlich waren sie auch in ihren Halluzinationen gefangen. Er war bisher noch niemandem begegnet, dem es nicht so gegangen wäre. Also mußten auch die beiden da vorne eine Portion der Pollen abbekommen haben.
Zwei auf einen Streich, würde ihm das gelingen?
Unwillkürlich blitzte das schmale Gesicht seiner Teamleaderin vor seinem geistigen Auge auf. In ihren Augen stand eine gewisse Bewunderung. „Nicht schlecht, Doc, gar nicht schlecht.“ Anerkennend nickte sie.
Babbis schüttelte den Kopf, um die Erinnerung zu vertreiben.
Das war im Überlebenscamp gewesen. Sie beide waren allein losgezogen, Dorn bei dem verletzten Wallace zurückgeblieben. Und die Antikerin hatte ihn tatsächlich gelobt, nachdem sie beide eine gegnerische Truppe komplett aufgemischt hatten. Sie war es gewesen, die die meisten Treffer zu verzeichnen hatte, aber er ...
Okay, wenn er flüchtende Marines in einem Manöver treffen konnte, dann konnte er auch zwei Wachen vor einer Tür ausschalten.
Babbis hob die Zat und entsicherte sie.

***

Vashtu folgte den Anzeigen des Detektors, blieb schließlich vor einer Tür stehen und sah sich aufmerksam um. Sie traf kaum noch auf Widerstand. Die meisten Anwesenden schienen sich inzwischen in irgendwelchen Räumen versammelt zu haben. Wozu, das wußte sie allerdings nicht. Aber ihr war, nachdem sie die Menschen in mehreren beobachtet hatte, klar, worum sie sich scharrten: Die Lüftung.
Die Pollen mußten bereits in der Klimaanlange stecken. Sie konnte nur hoffen, daß Babbis mit seinem Plan Erfolg haben würde.
Ein Wispern in ihrem Schädel.
Unwillig schüttelte sie den Kopf und öffnete die Tür. Ein sanftes Leuchten glitzerte durch den Spalt.
„Collins, du Idiot!“ zischte sie und trat ein.
Der Kasten war größer, als sie ihn in Erinnerung hatte. Wie sollte sie das Ding allein irgendwohin schleppen und gleichzeitig mit einer Waffe ihren Weg sichern?
Vashtu trat zögernd näher und betrachtete die Apparatur stirnrunzelnd.
Enkils mißgestalteter Kopf lugte um die Ecke.
„Nein!“ Sie schüttelte sich wie ein nasser Hund, um diese Halluzination wieder loszuwerden. Es gelang ihr nicht sofort.
Dann ballte sie die freie Hand zur Faust und öffnete die Augen wieder.
Das schwarze, verkrümmte Etwas, daß vor zehntausend Jahren einmal ihr Bruder gewesen war, fauchte sie an.
Er hatte ihr nie etwas getan. Nie! Im Gegenteil, als man sie beide zusammen einsperrte, war er ihr aus dem Weg gegangen, hatte seine letzten Kräfte mobilisiert, um sich nicht auf sie zu stürzen, wie der Rat es vielleicht geplant hatte.
„Enkil!“ Sie trat näher und hob den Kopf. Unwillkürlich fiel sie in ihre Muttersprache zurück. „Hilf mir, bitte. Ich kann deine Kraft jetzt brauchen.“
Die riesigen schwarzen Augen starrten sie mit einem eigenartigen Wissen an. Noch einmal fauchte der Schatten. Sie griff in die schwarze Maße, die früher einmal ihr Bruder gewesen war. Wie Rauch verstob die Erscheinung.
Vashtus Lippen bebten. Tränen standen in ihren Augen.
„Enkil!“

***

Babbis schoß und hetzte gleichzeitig aus seiner Deckung. Dann blieb er plötzlich abrupt stehen.
War da nicht irgendeine Anweisung gewesen? Gab es nicht irgendetwas, was er beachten mußte im Umgang mit einer Zat?
„Miss Uruhk?“ Er klopfte auf die Brosche und betrachtete die beiden Soldaten, die zusammengesunken vor der ersehnten Tür lagen.
Sie meldete sich, jedoch in einer fremden Sprache, die er nicht verstand. Babbis seufzte und deaktivierte den Kommunikator wieder. Na toll! Hoffentlich hatte sie es zumindest geschafft, dieses Gerät irgendwie von der Erde zu schaffen.

***

Vashtu runzelte die Stirn. „Babbis?“ fragte sie, klopfte ungeduldig wieder mit einem Finger auf das Gerät, doch es folgte keine Antwort. „Stimmt etwas nicht? Babbis?“
Ungeduldig schüttelte sie den Kopf, als er sich immer noch nicht meldete und steckte die Goa'uld-Waffe weg. Sie würde es doch wohl allein machen müssen. Hoffentlich gelang es ihr wenigstens, das Ding bis zum Jumperlager zu bringen.
Ächzend hob sie die Kiste an einer Seite hoch und schleifte sie hinter sich her bis zum nächsten Gang. Dort stellte sie den Apparat erst einmal ab und sah sich vorsichtig um. Der Gang war frei. Wieder hob sie ein Ende des Gerätes an und zerrte es weiter. Die schabenden Geräusche, die sie dabei verursachte, gingen ihr durch Mark und Bein, doch verhindern konnte sie sie nicht. Der Bestäuber war zu sperrig, um ihn auf den Armen zu tragen.
Nach einigen weiteren Abzweigungen kam sie beim Jumperlager an und öffnete die Tür. Es war stockdunkel. Sie tastete ein wenig, bis sie den Lichtschalter fand. Dann stöhnte sie auf.
Der zweite Jumper war verschwunden. Und der erste ...
Sie seufzte und drehte sich um. Also den langen Weg.

***

Babbis kramte in dem Werkzeuggürtel herum, den er sich besorgt hatte. Dabei betrachtete er die Filteranlage und Belüftung. Er war sich nicht so ganz sicher, ob es ihm wirklich gelingen würde, das zu tun, was er vorhatte. Aber ihm blieb auch kaum eine andere Wahl.
Seufzend machte er sich daran, die ersten Verschraubungen zu lösen und die Kabel freizulegen.
Plötzlich fühlte er sich wirklich sehr allein.

***

Vashtu schoß, dann lugte sie wieder um die Ecke und nickte befriedigt. Den Bestäuber hinter sich herschleifend trat sie in den Gateroom und zerrte das Gerät so schnell wie möglich die Rampe hoch. Dann richtete sie sich stöhnend auf und rieb sich das Kreuz.
Und jetzt?
Sinnend blickte sie das deaktivierte Gate an und kniff die Lippen aufeinander. Zumindest war die Iris nicht eingeschaltet. Das hätte dann übel enden können, da sie den Code zu deren Aktivierung nicht kannte.
Sie umrundete den Bestäuber und joggte dann die Rampe wieder hinunter. So schnell wie möglich öffnete sie die Tür des Kontrollraumes. Walter, der Techniker, der für die Schaltungen des Stargates verantwortlich war, hing leblos auf seinem Stuhl, ansonsten war der Raum leer.
Vashtu runzelte die Stirn und schlich sich an den Militär. Vorsichtig fühlte sie seinen Puls und nickte befriedigt, als sie einen starken und normal erscheinenden Herzschlag fühlte. Dann schob sie den Bewußtlosen mitsamt Stuhl etwas zur Seite und konzentrierte sich auf die Eingabe. Gut, daß sie ein relativ gutes Gedächtnis hatte und sich noch an die Worte erinnerte.
Die Chefrons rasteten eins nach dem anderen ein, dann entstand das Wurmloch.
Vashtu richtete sich befriedigt auf und aktivierte noch einmal ihr Kommunikationsgerät. „Doc, ich habs geschafft. Wäre schön, wenn Sie jetzt auch soweit wären.“

***

Babbis zuckte zusammen, als er plötzlich die vertraute Stimme hörte. Dann seufzte er erleichtert. Sie sprach wieder verständlich.
„Ich bin gleich soweit. Noch ein paar Minuten“, antwortete er.

***

Vashtu nickte, verließ den Kontrollraum wieder, sprang dann aber zurück, als sie das harte Trommeln und die Einschläge einer Projektilwaffe sah und hörte.
Wer ... ?
Mit einer fließenden Bewegung zückte sie die Zat und entsicherte sie. Dann nahm sie hinter der Tür Deckung und wartete.
„Komm schon, komm!“ hörte sie eine bekannte Stimme.
Landry?
Vashtu stöhnte. Auch das noch. Jetzt mußte sie auch noch gegen den Leiter des SGC antreten? Das konnte doch nur übel für sie enden.
Seufzend fügte sie sich in ihr Schicksal. Vorsichtig spähte sie um die Ecke, was ihr gleich wieder mit einer weiteren Salve gedankt wurde.
Okay, dann also die andere Richtung.
Sie ließ sich in die Knie sinken und krabbelte auf die andere Seite der Tür, um sich dort wieder aufzurichten. Und wieder lugte sie vorsichtig um die Ecke.
Da!
Die Antikerin atmete tief ein und hob die Zat.
Wenn schon, dann aber richtig.
Sie sprang vor, wirbelte in den Gang hinaus und begann zu schießen. Kugeln pfiffen ihr um die Ohren, ein oder zwei trafen sie sogar, ließen sie stolpern. Blitzschnell aktivierten sich die Fremdgene in ihr und trugen sie nur noch schneller voran.
Dann warf sie sich nach vorn, rollte sich über die rechte Schulter ab und kam kniend wieder hoch, die Goa'uld-Waffe im Anschlag, und drückte einmal ab.
Seufzend sank sie in sich zusammen und schüttelte den Kopf.
„Doc, ich hoffe, Sie sind soweit“, sagte sie resignierend in ihren Kommunikator und kam wieder auf die Beine, um den Gateroom zu betreten.
„Ja, wir können.“
Im Gehen rieb sie sich den Oberschenkel, trabte dann leicht humpelnd die Rampe hoch. „Okay, ich entsorge jetzt den Bestäuber.“
Sie griff sich das eine Ende des Gerätes und schleifte ihn zum Ereignishorizont, rückte den gewaltigen Kasten zurecht und ruckte ihn schrittweise in das Gate hinein.
„Mit Dank zurück!“ rief sie, ehe das Wurmloch sich wieder auflöste.
Dann fühlte sie einen leichten Sog und drehte sich um.

***

„Nun, Dr. Babbis, wie ich hörte, geht es Ihnen wieder besser.“
Der junge Wissenschaftler sah auf und bekam große Augen. „Sir, General, Sir ...“ Ihm blieb der Mund offen stehen.
Landry trat um die tragbare Trennwand herum und lächelte auf ihn nieder. „Ich muß Ihnen wohl meinen Dank aussprechen, Doktor. Was Sie und Miss Uruhk da geleistet haben ...“
Babbis ruckte hoch. „Wie geht es ihr?“ fragte er sofort.
Landry hob beschwichtigend die Hand. „Es geht ihr wieder gut. Offensichtlich war sie die einzige, die sich gegen die Halluzinationen wehren konnte, die uns andere außer Gefecht gesetzt haben. Dr. Lam meinte, das läge vielleicht ebenfalls an ihrer Gehirnaktivität.“
Babbis seufzte erleichtert und ließ sich wieder in die Kissen sinken.
„Was Sie mir aber über Ihren Zustand gesagt hat ... Dr. Babbis, das SGC schuldet Ihnen viel. Aber Ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen ...“ Landry schüttelte den Kopf.
Babbis rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht. „Wird schon, Sir“, murmelte er verlegen.
„Das hoffe ich. Sie haben nur zwei Augen, Dr. Babbis, und die werden Sie wohl auch noch beide brauchen, wie ich es sehe.“
Babbis verzog unwillig das Gesicht.
„Eine Fehlsichtigkeit ist kein Grund, gleich den Kopf hängen zu lassen. Wie gesagt, Sie sollten sich wirklich überlegen, ob Sie sich weiter weigern wollen, sich eine Brille zu besorgen.“
Babbis nickte nachdenklich, dann blickte er wieder auf. „Sir, Sie sagten, das SGC schuldet mir etwas?“
Landry schien überrascht, hob die Brauen. „Ja?“
Ein unsicheres Lächeln erschien auf dem Gesicht des jungen Mannes. „Ich habe in den Berichten der anderen Teams etwas gefunden, Sir. Und ich wollte fragen ...“
Landry zog sich einen Stuhl herbei und ließ sich darauf nieder. „Was haben Sie gefunden?“
Babbis strich nervös mit den Händen über die Bettdecke. „Nun ja, Sir. Sie wissen doch, daß ich zur Zeit an meiner Doktorarbeit in Mathematik arbeite. Aufgrund der Berichte aus Atlantis habe ich das Thema der Superstürme gewählt. Und SG-17 hat vor einem halben Jahr einen Planeten besucht, auf dem ein solcher seit Jahrtausenden tobt. Ich würde gern ... wenn Sie erlauben ... Ich meine ...“ Er stockte, straffte die Schultern und hob den Kopf. „Sir, wenn es uns möglich wäre, aus diesen Stürmen Energie zu beziehen, wären wir für alle Zeiten unsere Versorgungssorgen los. Darum möchte ich bitten, SG-27 zu diesem Planeten zu senden, damit ich dort Messungen vornehmen kann für meine Arbeit, Sir.“ Leise Zweifel blitzten in seinen Augen.
Landry musterte ihn genau, dann holte er tief Atem. „Ich warte noch auf den abschließenden Bericht Ihres Teamleaders, Dr. Babbis, ehe ich SG-27 wieder in den aktiven Dienst stellen kann. Und wenn Sie mir glaubhaft versichern können, keine Katastrophe anzurichten ... Möglicherweise überlege ich es mir - wenn Sie und Dr. Wallace wirklich jeden Befehl, den Miss Uruhk ihnen gibt, genauestens befolgen.“
Babbis nickte strahlend. „Ja, Sir!“

***

Der kurzgeschnittene Rasen glich dem eines gewaltigen Parks. Hier und da standen kleine Baumgruppen und lockerten das ansonsten strenge Bild wieder auf.
Vashtus Blick glitt über die Reihen um Reihen von Grabsteinen, dann senkte sie den Kopf und atmete tief ein.
Da, dort wo sie, ihren Informationen nach, ihr Ziel finden sollte, stand eine einsame, leicht gebeugt wirkende Gestalt in der Uniform der Marines. Einsam und allein stand diese Gestalt da, wirkte vollkommen von allen verlassen.
Vashtu rammte entschlossen ihre Hände in die Taschen ihrer Fliegerjacke und ging weiter. Erst bei den beiden Gräbern blieb sie stehen und las die Inschriften.
„Es tut mir leid, Mam“, sagte eine leise Stimme nach einer kleinen Weile.
Die Antikerin kniff die Lippen zusammen und beugte sich vor, ihre Linke wieder aus der Tasche ziehend. Vorsichtig befestigte sie einen kleinen metallenen Gegenstand an dem Grabstein, richtete sich dann wieder auf.
„Es muß Ihnen nicht leid tun, Serge“, sagte sie tonlos, schüttelte den Kopf. „Mir sollte es leid tun. Ich habe ...“ Sie stockte und blickte auf.
Dorn sah sie an. Und in seinem Blick las sie etwas, was sie zuletzt vor mehr als zehntausend Jahren in den Augen eines anderen hatte lesen können: in denen ihres Vaters.
Ein schüchternes Lächeln glitt über ihr Gesicht, dann bot sie dem alternden Marine ihren Arm. Stumm harkte er sich bei ihr unter. „Darf ich Sie zu einem Kaffee einladen, Mam?“
Die beiden gingen. Zurück blieb, einsam leuchtend, ein winziges holografisches Bild von einer lächelnden jungen Frau mit kurzen blonden Haaren, das vor dem Grabstein mit der Inschrift „Laurell Dorn, geliebte Tochter und tapfere Pilotin“ in der Luft schwebte.

ENDE

17.11.2009

Schatten II

Vashtu richtete sich wieder auf, drehte ihren Arm im Gelenk ein paarmal, blickte dann stirnrunzelnd auf den Wissenschaftler nieder, der sie angegriffen hatte.
„Sie hätten schießen können.“ Mit einem verärgerten Blitzen in den Augen drehte sie sich zu Babbis um.
Der stand, noch immer vollkommen verdattert, in der Tür, vor seinen Füßen die Zat.
„Mann, kommen Sie endlich rein!“ Sie winkte ihm, trat dann einen drohenden Schritt auf ihn zu. Babbis brachte sich tatsächlich mit einem beherzten Anlauf in Sicherheit, hielt noch immer den Wissenschaftler im Auge, der ohnmächtig am Boden lag.
Vashtu lugte vorsichtig den Gang hinauf und hinunter, zog dann die Tür zu und schloß den Riegel. Seufzend drehte sie sich wieder um und betrachtete den Raum.
„Ich dachte, der würde Sie umbringen“, brachte Babbis schließlich hervor.
„Das dachte ich einen Moment lang auch.“ Vashtu griff nach der Goa'uld-Waffe und harkte sie in ihren Gürtel.
„Okay, wie ich es sehe, haben wir alles, um erst einmal herausfinden zu können, was hier los ist. Das heißt ... hat der Rechner eine Verbindung zum Hauptcomputer?“ Sie stützte sich mit beiden Händen ab und zog sich auf den großen Schreibtisch in der Mitte des Raumes. Auffordernd sah sie Babbis an.
Der zögerte lange, dann drehte er sich aber doch um und tippte etwas ein. „Nicht auf alle Programme“, gestand er dann. „Aber was wollen Sie denn tun?“
Vashtu knetete wieder ihre Schulter. Der Kerl hatte ihr fast den Arm abgerissen. Die Wraith-Zellen taten zwar ihre Arbeit, aber so schnell waren selbst sie nicht. „Wie ich schon sagte, herausfinden, was hier los ist. Irgendeine Idee?“
Babbis zuckte mit den Schultern und ließ sich auf einen der Bürostühle nieder. „Fragen Sie mich das, wenn dieses Zeug aus meinem Kreislauf verschwunden ist“, murmelte er und rieb sich wieder die Schläfe.
„Noch Schmerzen?“ Die Stimme der Antikerin klang mitfühlend.
Babbis schüttelte den Kopf. „Nein, nicht wirklich. Nur ... es fühlt sich an, als hätte ich statt eines Gehirns einen riesigen Wattebausch im Kopf.“
Vashtu hob die Brauen, sah dann wieder zu dem Wissenschaftler hinüber. Nachdenklich schürzte sie die Lippen.
„Gut, lassen Sie uns das ganze einmal in Ruhe durchgehen.“ Babbis hob den Kopf und gestikulierte mit Armen und Händen. „Ich denke, wir beide sind uns darüber einig, daß heute morgen noch alles normal lief, oder?“
Vashtu nagte an ihrer Unterlippe. „Stimmt. Es muß so gegen Mittag gewesen sein, als ...“ Sie hörte einfach auf zu reden und starrte angestrengt vor sich hin.
„Wann sind Sie heute gekommen?“ bohrte Babbis weiter.
Die Antikerin riß sich aus ihren Gedanken und musterte ihn interessiert. Er schien irgendetwas zu ahnen. Vielleicht war es ein Fehler, doch sie beschloß, ihm jetzt einfach zu trauen.
„Ich kam so gegen neun hier an“, erklärte sie. „Hat ein bißchen länger gedauert, der eine Truck kam heute morgen nicht.“
Babbis blinzelte irritiert. „Truck?“
Sie nickte. „Ja, der Milchwagen. Muß heute wohl Verspätung gehabt haben.“
„Milchwagen?“ Babbis starrte sie an. „Was für ein Milchwagen? Bekommen Sie jetzt auch Halluzinationen, wie die da draußen?“
Vashtu stutzte. „Nein, ich komme mit meinem Skateboard.“
Babbis klappte das Kinn herunter. Einen Moment lang sah er die Antikerin nur groß an, dann schien er sich wieder zu fassen. „Sie kommen mit einem ... Skateboard zur Arbeit?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht bis Cheyenne-Mountain, Doc. Und für ein Skateboard brauche ich keinen Führerschein.“
„Sie haben keinen Führerschein?“
Sie schüttelte wieder mit dem Kopf. „Nein. Wozu auch? Ich mag Autos nicht sonderlich. Sie stinken und machen Lärm.“
Babbis starrte sie noch immer groß an. „Sie kommen mit einem Skateboard zur Arbeit, weil Sie Autos nicht mögen? Wie?“
Wieder ein Schulterzucken, begleitet von einem leicht verzerrten Gesicht. „Ich hänge mich an Busse und Trucks, teils fahre ich auch - abends meist. Da geht es ja fast nur bergab. Macht Spaß, wirklich. Sollten Sie auch mal versuchen.“
Babbis nickte mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck. „Aber Ihnen ist schon klar, daß Sie das eigentlich nicht dürfen?“
„Skateboard fahren?“
Hilflos rang er die Hände und schüttelte den Kopf. „Sich an andere Fahrzeuge hängen mit einem Skateboard, das ist verboten.“
Vashtu hob eine Braue und sah ihn ungläubig an. Dann schien ihr plötzlich etwas aufzugehen. „Deshalb wartet der MP am Tor schon immer mit einem Umschlag!“
„Hä?“
Jetzt sah sie wirklich etwas zerknirscht aus und lugte ihn unter ihrem fransigen Pony an. „Naja, ein paarmal war die Highway-Patrol hinter mir, als ich hier ankam. Da habe ich noch die Abkürzung über den Highway genommen.“
Babbis glaubte sich in einem schlechten Film. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Gerade hatte er doch noch eben diese Frau gesehen, wie sie einen irren Angreifer bekämpfte und ihn bewußtlos schlug. Und eben diese Frau weigerte sich, einen Führerschein zu machen, hängte sich an andere Verkehrsteilnehmer und kam mit einem Skateboard zur Arbeit. Diese Frau da vor ihm, eine Antikerin! Eine Frau, die von einer Sekunde zur anderen zu einer Killermaschine mutierte und dann plötzlich eine besessene Wissenschaftlerin wurde.
Babbis schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
„Stimmt etwas nicht?“ Vashtus Stimme klang immer noch unschuldig. War sie sich denn wirklich nicht bewußt, was sie da gerade von sich gegeben hatte?
Babbis hob die andere Hand zu einer beschwichtigenden Geste. „Kommen wir auf das eigentliche Thema zurück. Sie waren also, wie auch immer, so gegen neun hier.“
Vashtu nickte. „Ich war gerade mit einem Anruf fertig, als Dr. Lam reinkam und mir sagte, daß Wallace sich krank gemeldet habe.“
„James hat sich krank gemeldet? Ich dachte, seine ganzen Wehwehchen seien kuriert gewesen?“
Vashtus Brauen zuckten und sie nickte leicht. „Also haben Sie beide das Wochenende nicht zusammen verbracht. Mir kam schon der Verdacht, als Dr. Lam meinte, Sie würden sich auch noch krank melden.“
„James war auf der Farm seiner Eltern, soweit ich weiß. Er sollte sich irgendeinen Befall an den Maispflanzen ansehen.“
Nachdenklich ließ Vashtu ihre Beine baumeln und starrte sie an. „Dr. Lam hat er gesagt, ich hätte ihn zu einem Gewaltmarsch gezwungen. Seine Füße seien grün und blau gewesen, meinte sie.“
„Wir kennen doch beide James.“ Babbis lächelte halb.
„Stimmt.“ Die Antikerin nickte. „Aber daß er lügt, daß hätte ich nicht von ihm angenommen.“
„Um an eine kostenlose Untersuchung zu kommen, schätze ich. Mich würde es nicht wundern, wenn irgendetwas anderes bei einer näheren Betrachtung seiner Leiden herauskäme ... Gewaltmarsch, sagten Sie?“ Babbis schnippte mit den Fingern. „Haben Sie eigentlich schon einmal ein Maisfeld im Mittleren Westen von nahem gesehen?“
Sie zuckte mit den Schultern und stellte fest, daß jetzt alle Schmerzen vergangen waren. „Bisher bin ich noch nicht dazu gekommen. Irgendwann würde ich mir schon einmal Ihr Land ansehen. Aber ...“
„Mit einem Skateboard werden Sie da nicht weit kommen“, beeilte Babbis sich zu versichern, nachdem ihm merkwürdige Visionen vor sein inneres Auge gekommen waren. Zumindest hatte er endlich eine Erklärung dafür, warum in ihrem Büro immer ein Skateboard an der Wand lehnte.
Vashtu sah ihn irritiert an. „Ich dachte da eher an eine Sportmaschine“, wandte sie ein.
Babbis wischte diesen Einwand mit einer Handbewegung weg, ehe er sich auch darüber den Kopf zerbrechen konnte. „Also, weiter im Text: Sie kamen mit Dr. Lam auf die Krankenstation ... Mh, ich bin so um halb zehn gekommen und habe mich sofort dort gemeldet. Da war Lam gerade auf dem Sprung zu Ihnen.“
Die Antikerin nickte wieder. „Ich bin noch etwas bei Ihnen geblieben, bis das Mittel wirkte“, fügte sie hinzu.
Babbis sah sie etwas hilflos an. Er hatte keine wirkliche Erinnerung mehr daran, wie lange sie bei ihm geblieben war oder nicht. Er wußte erst wieder weiter, als er kurz zu sich gekommen war, um in das CT zu klettern.
„Es mag ungefähr zehn gewesen sein, als ich losging. General Landry hatte mich ausrufen lassen“, fuhr Vashtu fort. „Er wollte, daß ich die Berichte des Drill-Sergeants und meine eigenen Beobachtungen des Teams zusammenfasse zu einer Bewertung. Ihre ist übrigens gar nicht so übel, Doc. Sie haben sich ganz gut geschlagen. Nur an Ihrer Hysterie müssen wir noch etwas arbeiten.“
„Wann sind Sie zurück in Ihr Büro gegangen?“ Babbis ließ sich jetzt nicht mehr ablenken. Er hielt sich mit einer Hand die Schläfe und schnippte mit der anderen nervös.
Vashtu runzelte unwillig die Stirn. „Das muß kurz nach elf gewesen sein. Da traf ich dann Dorn. Und dann ...“ Sie seufzte mit schuldbewußter Miene.
„Der Sergeant?“ Babbis blickte auf. „Und dann ist etwas passiert?“
Vashtu nagte wieder an ihrer Unterlippe. „Er hat mich angegriffen“, antwortete sie nachdenklich und zog die Schultern hoch. „Erst habe ich es mir gefallen lassen. Aber dann ... äh, ging es mir zu weit. Er hat mich offensichtlich mit jemandem verwechselt.“
Babbis starrte sie groß an.
„Er ist unverletzt. Naja, vielleicht eine Beule an der Stirn.“ Wieder dieser schuldbewußte Blick.
Babbis seufzte. „War er von Anfang an ... wahnsinnig?“
Die Antikerin schüttelte den Kopf. „Nein, erst unterhielten wir uns. Wir sprachen darüber, daß ich Landry eine Beurteilung geben sollte. Ich wollte, daß er sich sein Ergebnis ansieht. Als er es in der Hand hatte, drehte er plötzlich durch.“
Babbis nickte, klopfte jetzt mit den Fingern auf seinem Oberschenkel herum.
Vashtu sandte ihm einen entnervten Blick. „Und?“
Babbis' Blick glitt ins Leere. „Also spätestens nach elf Uhr heute vormittag drehte ganze Cheyenne-Mountain plötzlich durch. Die Frage ist immer noch warum. Und, wie können wir das herausfinden?“ Er sah sie wieder an. „Und warum ausgerechnet wir beide nicht betroffen sind.“
Vashtu sah ihn skeptisch an. Dann hob sie das Kinn, in ihren Augen leuchtete Begreifen. Einhellig wandten beide sich wieder dem bewußtlosen Wissenschaftler zu.

***

„Streichen Sie den Abstrich auf den Träger.“ Vashtu hielt Babbis einen Q-Tip hin, griff sich das Klebeband.
„Was wollen Sie dem armen Kerl denn noch antun?“
Unwillig schüttelte sie den Kopf, riß ein kleines Stück von dem Klebeband ab und betupfte damit kurz den Laborkittel des Bewußtlosen. Das hatte sie im Fernsehen gesehen, in irgendeiner dieser Serien, die sie meist bei ihren Internetsitzungen nebenher laufen ließ. Gut, da hatte man durchsichtiges Klebeband benutzt, aber leider hatte sie solches gerade nicht zur Hand.
„Sie haben hier nicht irgendwo eine Spritze gefunden, oder?“ Hoffnungsvoll drehte sie sich um.
Babbis starrte sie entgeistert an. „Eine Spritze? Wozu das denn?“
„Um ihm Blut abzunehmen.“ Vashtu tastete über ihre Kleidung. Dumm, ihre Überlebensweste hatte sie in ihrem Büro gelassen. Aber fand sich nicht auch ... Das Namensschild!
Eifrig machte sie sich daran, die Metallklammer zu lösen.
„Ich brauche noch einen Objektträger!“
Sie rollte den Bewußtlosen, und inzwischen gefesselten, Mann auf die Seite und stach mit der Nadel des Namensschildes in seinen Finger. Dann nahm sie Babbis den Objektträger ab und strich vorsichtig einen Tropfen Blut darauf.
„Okay, das ist jetzt alles, was wir tun können.“ Sie drehte sich um. „Es sei denn, Sie legen Wert darauf, auch noch Urin und Kot zu untersuchen.“
„Das wird nicht nötig sein.“ Babbis wandte sich mit bleichem Gesicht ab und ging zurück zu dem zweiten, kleineren Schreibtisch.
Vashtu folgte ihm mit ihrer letzten Trophäe, um sie zu präparieren.
„Und was machen wir, wenn er zu sich kommt?“ fragte Babbis.
„Nichts.“ Vashtu zuckte mit den Schultern und beugte sich über das Mikroskop, den Objektträger mit dem Blutstropfen unter der Linse.
„Sehen Sie etwas?“
Sie verschob die Linse auf eine höhere Stärke und sah stirnrunzelnd in das Gerät hinein. „Wenn es ein Virus ist, wird er wahrscheinlich zu klein sein, um ihn mit diesem antiquierten Ding sehen zu können“, murmelte sie und schüttelte enttäuscht den Kopf. „Nichts zu finden. Geben Sie das nächste her ... den Abstrich.“
Geschickt löste sie den ersten Objektträger, legte ihn beiseite und nahm sich einen neuen.
„Sie machen das nicht zum ersten Mal“, stellte Babbis fest.
Konzentriert nickte sie. „Ich habe in meiner Zeit sehr viel mit Geräten gearbeitet, deren Sinn und Zweck dem eines Mikroskops entspricht“, antwortete sie, beugte sich noch tiefer, als wolle sie sich das Auge ausstechen und drehte an der Schärfe der Einstellung herum. Dann hob sie stutzend den Kopf und runzelte die Stirn.
„Versuchen Sie es einmal“, sagte sie dann und trat beiseite. Mit einem neuen Q-Tip bewaffnet näherte sie sich wieder ihrem Testobjekt.
„Das sind Pollen“, sagte Babbis hinter ihr. „Wo kommen die denn her? Wir haben hier doch Luftaustauschfilter von draußen.“
Vorsichtig bohrte Vashtu den Q-Tip in eines der Nasenlöcher des Wissenschaftlers, drehte ihn über die Schleimhaut und zog ihn wieder heraus. „Gute Frage“, murmelte sie dabei und kehrte zum Tisch zurück, um einen neuen Objektträger zu präparieren. Dann hielt sie ihn Babbis hin. „Überprüfen!“
Der nickte, legte ihn ein und beugte sich wieder über die Linse. „Eindeutig. Pollen. Aber woher kommen die?“
Vashtu runzelte die Stirn und rieb darüber. Kurz war es ihr gewesen, als zucke ein Schmerz durch ihre Brauen. „Keine Ahnung. Von außen jedenfalls nicht. Nicht in dieser Menge.“
Sie fühlte Babbis' forschenden Blick auf sich und sah auf. „Was?“
„Fühlen Sie sich gut?“
Sie nickte. „Wird schon gehen. Als nächstes sollten wir ...“
„Als nächstes sollten wir beide uns testen, ob wir auch diese Pollen in uns tragen. Dann hätten wir zumindest eine Antwort auf die dringendste Frage“, fiel Babbis ihr ins Wort und hielt ihr einen Q-Tip hin.
„Ich soll ... ?“
„Ich auch.“
Ein skeptischer Blick von ihr, doch schließlich griff sie nach dem Wattestäbchen und steckte es sich in die Nase, rieb es dann auf einen Objektträger und hielt diesen Babbis hin, der das gleiche getan hatte.
„Oho!“ murmelte der junge Wissenschaftler, als er sich über seine Probe gebeugt hatte. „Mist! Ich auch!“
Vashtu atmete tief ein. „Okay, und warum wirkt es bei Ihnen dann nicht?“
„Gute Frage.“ Babbis schob ihre Probe unter die Linse und beugte sich wieder darüber. „Scheiße!“ entfuhr es ihm.
Vashtu war sofort alarmiert. „Was ist los?“
Babbis sah auf, starrte sie an. „Okay, bleiben Sie ruhig, ja? Das hat noch gar nichts zu sagen.“
„Was ist los, Doc?“ wiederholte sie, schob ihn dann unwirsch an die Seite und beugte sich ihrerseits über die Linse. Schluckend sah sie wieder auf.
„Dorn würde sagen, das ist übel“, versuchte Babbis sich an einem Scherz.
Vashtu runzelte die Stirn. „Aber ... Wie kann das sein? Ich habe wesentlich mehr Pollen in meinen Nasenschleimhäuten als Sie, aber bemerke davon nichts. Wie ... ?“ Wieder ein kurzes Stechen. Sie senkte unbewußt den Kopf und kniff die Augen zusammen.
Schon wieder dieses nervtötende Fingerschnippen. Als sie aufblickte, sah sie, wie Babbis ziellos den Raum abmaß.
„Wie kann es sein, daß ich nichts bemerke, aber die Pollen, die doch wohl für dieses Chaos verantwortlich sind, in mir trage?“ Ihr Blick glitt ziellos hin und her. „Wir brauchen eine Bestätigung.“
„Ihr Gehirn!“ Abschließendes Fingerschnippen. Triumphierend drehte Babbis sich wieder zu ihr um und grinste sie an. „In Ihrem Gehirn sind mehr Teile aktiv als in unserem. Wahrscheinlich braucht die Substanz länger, ehe Sie Halluzinationen bekommen.“
Vashtu kreuzte die Arme vor der Brust und sah ihn kalt an. „Sie machen uns beiden gerade richtig Mut, Doc, wissen Sie das? Wenn ich auch noch ausfalle, bleiben Sie allein übrig. Und Sie stehen unter Drogen. Außerdem wissen wir noch nicht, ob diese Pollen etwas damit zu tun haben. Wir brauchen weitergehende Tests.“
Babbis sah sich in dem Labor um. „Und wie wollen Sie sonst erklären, was hier vor sich geht?“
„Das ist zu einfach!“
„Sagt die Frau, die mit einem Skateboard zur Arbeit kommt.“
„Das hat nichts hiermit zu tun, Babbis.“
„Hat es vielleicht doch. Wenn wir nachweisen können, daß diese Pollen Hallozinogene in sich tragen, haben wir den Beweis.“
„Schön, wir haben dann aber immer noch nicht geklärt, woher sie stammen.“
„Von außen jedenfalls nicht. Das heißt, sie müssen durch das Stargate gekommen sein. Und das bedeutet ...“ Babbis schloß den Mund und sah sie groß an.
Vashtu nickte. „Ganz genau. Ich bin mit keiner außerirdischen Pflanze in Berührung gekommen. Und ich bin auch nicht durch das Gate gegangen. Streichen Sie Ihre Theorie.“
„Wir sollten weiter testen. Wir haben die Pollen.“
Vashtu seufzte. „Und weiter? Wie sollen wir die Luft hier austauschen, ohne alle umzubringen? Und das auch noch in relativ kurzer Zeit, falls ich auch noch wegtreten sollte?“
Ein kühler Luftzug streifte sie in diesem Moment und ließ sie nach oben blicken.
„Die Lüftung!“

***

„Es sind Hallozinogene.“ Babbis seufzte. „Noch dazu wohl ziemlich üble.“ Er sah auf und musterte die Antikerin, die brütend, die Beine angezogen, auf dem Schreibtisch saß und vor sich hinstarrte. „Tut mir leid, aber soweit ich mich auskenne, und Chemie ist nun wirklich nicht mein Spezialgebiet, ist das wirklich ziemlich übel. Das einzig gute ist, sobald die Pollen vom Körper abgebaut worden sind, lassen auch die Halluzinationen nach.“
Vashtu rührte sich nicht, starrte weiter vor sich hin.
„Hören Sie mir eigentlich zu? Miss Uruhk?“ Babbis trat um den Tisch herum, auf dem er seine Experimente durchgeführt hatte, und stellte sich vor ihr auf, versuchte ihren Blick einzufangen.
Plötzlich blickte sie auf, sah ihn an. Ihre Augen weiteten sich und sie sprach etwas in einer fremden Sprache.
„Auch das noch!“ seufzte der junge Mann, packte die Frau bei den Schultern und schüttelte sie. „Hallo! Ich brauche Sie jetzt hier, Miss Uruhk! Reißen Sie sich zusammen!“
„Enkil?“ Sie blinzelte, ihr Blick klärte sich wieder. Stutzend sah sie ihn an. „Babbis!“
„Genau der. Und ich könnte Ihre Hilfe gebrauchen.“
Die Antikerin blinzelte, wandte dann ihre Aufmerksamkeit dem Tisch zu. Sie schien ihn gar nicht mehr wahrzunehmen, streckte die Beine aus und sprang elegant von ihrer Sitzgelegenheit herunter, um sich die Ergebnisse anzusehen. „Violett, ist das schlecht?“ Fragend sah sie auf.
Babbis nickte. „Ganz genau, es ist schlecht. In den Pollen sind Halluzinogene, ziemlich üble sogar.“
Vashtu atmete tief ein. Ihr Gesicht war ernst. „Okay, es ist schlecht. Und was können wir jetzt tun?“
„Gute Frage. Wir müssen die Quelle der Pollen finden und ausschalten, und wir müssen verhindern, daß die Pollen weiter durch die Luft schwirren.“
Vashtu kreuzte die Arme wieder vor der Brust und nickte, nachdenklich an ihrer Unterlippe knabbernd.
Babbis rieb sich wieder die Schläfe. „Das Schmerzmittel läßt, glaube ich, langsam nach. Wie spät haben wir es?“
Kurz blickte die Antikerin auf ihre Armbanduhr. „Halb sechs am Abend. Bald dürfte es auffallen, daß die Tagesschicht nicht nach Hause kommt.“
Babbis nickte, sah auf den Computer, der immer noch unschuldig auf dem Schreibtisch stand. „Okay, dann sehen wir doch nach, ob wir dadrin nicht was finden.“
„Die Daten sind doch im Hauptrechner“, wandte Vashtu ein.
Babbis schüttelte unwillig den Kopf und tastete heftig. Dann trat er vom Bildschirm zurück und las angestrengt.
„Können Sie schlecht sehen?“ Vashtu war seine merkwürdige Haltung aufgefallen.
„Geht schon. Liegt wahrscheinlich an der Migräne.“ Babbis konzentrierte sich wieder auf den Bildschirm. „Moment ... Ein Team kam gestern zurück. Wenn wir bedenken, daß diese Seuche heute ausgebrochen ist ...“
„Es ist keine Seuche, Doc.“
„Jaja, das, was auch immer, heute ausgebrochen ist, kann das eigentlich nur eines bedeuten ...“
„Wieso haben Sie von hieraus Zugriff auf SG-Daten?“
Babbis schüttelte ungeduldig den Kopf. „SG-15. Sagt Ihnen das was?“
Vashtu hob abrupt den Kopf, ihre Augen weiteten sich wieder. „Oh ja, das sagt mir allerdings viel. Haben sie etwas mitgebracht?“
„Steht hier nicht. Sie haben Kontakt zu den Frandern gesucht, wer auch immer das ist.“
Vashtu stöhnte auf. „Doch nicht diese Blumenkin...“ Sie schloß den Mund.
Babbis fuhr herum und sah sie mißtrauisch an. „Was?“
„Oh nein!“ Vashtu beugte sich über den Tisch und ließ den Kopf sinken. „Oh, bitte, nein! So dämlich kann doch selbst Collins nicht sein!“
„Was?“
Sie neigte leicht den Kopf, schüttelte ihn dann. „Die Frandern sind ein kleines Volk, das überaus glücklich auf seinem kleinen, niedlichen Planeten lebt. Wir hatten Erstkontakt während meiner Zeit in SG-15“, begann sie zu berichten, hielt den Kopf weiter gesenkt. „Leomar, der Anführer, zeigte mir ein Gerät, ein Gerät meines Volkes. Einen Bestäuber, um genau zu sein. Dieses Gerät beten die Frandern an und fühlen sich glücklich, wenn sie in seine Nähe kommen. Ich bin damals nicht zu nahe heran gegangen, weil ich nicht wußte, womit es gefüllt war.“
„Einen Bestäuber?“
Etwas hilflos blickte sie auf. „Y2M-772 war früher wohl ein Wüstenplanet, hatte aber eine angenehme Atmosphäre. Grund genug für mein Volk, da ein bißchen nachzuhelfen. Ein Bestäuber bläßt Pollen und Samen in die Luft, damit sie sich auf natürlichem Wege verteilen können. Eigentlich Pollen und Samen, die auf anderen Planeten gesammelt wurden. Aber wenn ein Gerät so lange eingeschaltet ist wie dieses, saugt es sich die notwendigen Bestandteile aus der Luft und ...“
„Bläst sie konzentriert wieder aus. Das Ding pimpt die Samen auf, richtig?“
Die Antikerin nickte.
Babbis seufzte, drehte sich wieder zum Bildschirm um.
Terraforming, na toll! Was hatte diese Antikerin noch alles zu bieten? Was konnte sie eigentlich nicht? Schon wieder fühlte er sich hilflos ihrem Wissen gegenüber. Schon wieder ließ sie ihn ... dumm aussehen.
Aber ...
„Enkil?“
Wieder drehte er sich zu ihr um und sah sie stirnrunzelnd an. „Was haben Sie eigentlich mit dieser Sagengestalt?“ fragte er unwirsch.
Wieder ein Blinzeln, gefolgt von einem leichten Kopfschütteln. „Ich fürchte, bei mir geht es jetzt auch los, Babbis. Was auch immer Sie vorhaben, wir sollten es schnell tun.“

TBC ...

15.11.2009

1.03 Schatten I

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (SG-27)
Genre: humor, scifi, action
Rating: PG
Author's Note: Wenn auch eigentlich recht früh so wollte ich doch einmal mein Dreiergespann ein wenig genauer unter die Lupe nehmen in dieser Geschichte. Ohne jetzt zuviel zu spoilern weise ich doch darauf hin, was Vashtu und Dorn wahrzunehmen scheinen.



„SG-15, willkommen zurück!“ General Landry nickte zu den vier Männern hinauf, die gerade durch das Stargate gekommen waren. Zwei von ihnen schleppten ein schweres Gerät, das in beruhigenden Farben leuchtete.
„Sir!“ Major Collins salutierte vor dem Leiter des SGC und gab seinen Männern ein Zeichen, das Gerät abzustellen.
Landry musterte den Kasten interessiert, sah dann den Leader des Teams wieder an. „Das ist das geheimnisvolle Gerät, das Sie auf Y2M-772 gefunden haben?“
Collins nickte. „Wie besprochen haben wir es mitgebracht.“
„Ist es aktiviert?“
Collins sah sich jetzt ebenfalls um und zuckte mit den Schultern. „Ehrlich gesagt, wir haben keine Ahnung, Sir. Die Bewohner von Y2M-772 sagen, es würde immer so aussehen. Sie haben auch nicht die blaßeste Ahnung, was es bewirken könnte, Sir.“
Landry musterte den großen Kasten.
Seit Vashtu Uruhk ihr eigenes Team leitete, wenn auch eher schlecht als recht, war dies das erste Mal, daß SG-15 zumindest etwas anderes nach Hause brachte als Ärger. Er mußte zugeben, in den letzten paar Wochen hatte er beinahe schon bereut, die Antikerin aus dieser Gruppe herausgenommen zu haben. Dr. Harper, ein Anthropologe, leistete einfach nicht das gleiche wie sie. Aber vielleicht war es diesmal das etwas unkonventionelle Herbringen wert, wer konnte das schon sagen.
„Gut. Major, ich erwarte Sie morgen früh pünktlich zur Einsatzbesprechung. Ruhen Sie sich jetzt aus.“
Wieder salutierte der junge Soldat, dann gab er seinen Männern ein Zeichen, daß sie wegtreten konnten.
Landry blieb nachdenklich im Gateroom zurück.
Er konnte nur hoffen, daß dieses merkwürdige Gerät tatsächlich ungefährlich war. Andererseits war es eigentlich SG-27, das immer den Ärger anzog. Und Vashtu Uruhk und ihre Chaotentruppe würden erst morgen wieder zum Dienst erscheinen - nach zwei Wochen in einem Überlebenscamp.
Landry nickte den Marines zu, die die Rampe hinaufstiegen und den Kasten bargen, um ihn in eines der Labore zu bringen. Er verließ den Gateroom und verschwand in seinem Büro, um einen Anruf zu tätigen.

***

„Wie konnten Sie nur so unverantwortlich mit der Gesundheit Ihrer Männer hausieren gehen!“ Dr. Lam, die Chefärztin des SGC, blitzte die etwas größere Antikerin zornig an.
Vashtu hob die Brauen. „Unverantwortlich?“ echote sie verständnislos.
„Dr. Wallace wird für die nächste Woche nicht zum Dienst erscheinen. Wie auch immer, er hat sehr üble entzündete Stellen an Beinen und Füßen. Damit kann er nicht arbeiten und hat Schmerzen. Schlimme Schmerzen. Ich habe ihn nach Hause geschickt.“
Vashtu hob eine Hand und neigte ratlos den Kopf. „Moment, Doktor. Dr. Wallace hat was?“ Verständnislos blinzelte sie.
„Er muß sich einiges an Blasen gelaufen sein während Ihres Aufenthaltes in diesem Camp. Er behauptet, Ihnen das auch mitgeteilt zu haben, doch Sie waren es, die ihn nicht gehen ließ.“ Lam versuchte sie niederzustarren.
Vashtu kreuzte die Arme vor der Brust und preßte die Kiefer aufeinander. „Er hat mir gesagt, er sei umgeknickt, nicht mehr und nicht weniger. Sergeant Dorn hat ihm einen Verband angelegt und ist bei ihm geblieben, während Dr. Babbis und ich die Übung fortsetzten. Wenn er sich irgendwo Blasen gelaufen hat, dann sicher nicht in diesem Überlebenscamp. Er war dreiviertel der Zeit im Sanitätszelt.“
Lam funkelte sie immer noch an. „Er sagte etwas von einem Gewaltmarsch, zu dem Sie ihn gezwungen hätten.“
„Gewaltmarsch!“ Jetzt mußte sie doch schmunzeln. „Dr. Lam, er mußte nur von einer Baracke zur Kantine, mehr nicht. Den Weg schafft er selbst hier, und hier muß er noch Treppen steigen. Tut mir leid, aber ich sehe mich nicht in der Pflicht, Doc. Was auch immer er Ihnen für einen Bären aufgebunden hat, mit dem Camp hat das nichts zu tun. Außerdem hatte er noch das ganze Wochenende Zeit, sich diese Blasen zu laufen.“
„Dr. Wallace sagt da etwas anderes.“
„Kann ich mir vorstellen.“ Vashtu beruhigte sich immer mehr, beschloß, das ganze mit Humor zu nehmen und drehte sich zu ihrem Schreibtisch um. „Wenn Sie mir nicht glauben wollen, ich habe hier noch die Aufstellungen und Anwesenheitslisten des Teams. Doc, glauben Sie mir, wo auch immer Wallace sich verletzt hat, es war nicht im Überlebenscamp.“
„Und Dr. Babbis?“
Vashtu, die gerade die Berichte einsammelte, runzelte die Stirn und drehte sich wieder zu der Ärztin um. „Er hat sich ganz gut geschlagen.“
„So gut, daß er jetzt ebenfalls auf der Krankenstation ist.“ Lam schien zu triumphieren.
Vashtu zog die Brauen zusammen, ließ die Papiere Papiere sein und nickte. „Gut, ich komme mit. Die Erklärung hätte ich wirklich gern gehört“, entschloß sie sich.
„Wollen Sie ihn auch noch einschüchtern, ehe er seine Aussage macht?“
„Nein, ich würde gern wissen, was die beiden an diesem Wochenende angestellt haben, daß sie sich jetzt einhellig krank melden wollen.“ Vashtu atmete tief ein, um sich zu beruhigen. Dabei hatte sie geglaubt, zumindest Babbis gegenüber wäre das Eis endlich gebrochen. „Ich werde nicht einen Ton sagen, meinetwegen verstecke ich mich auch hinter irgendeiner Wand, damit er mich nicht sehen kann.“
Lam musterte sie aufmerksam von Kopf bis Fuß und schien zu überlegen. Dann nickte sie. „Also gut, dann kommen Sie eben mit.“
„Ich muß nur kurz dem General ...“
„Lassen Sie das mal meine Sorge sein, Miss Uruhk.“ Lam wandte sich ab und verließ das Büro wieder.
Vashtu zögerte noch einen Moment, dann folgte sie der Ärztin durch die Gänge und Treppen zur Krankenstation.
Viel schien hier im Moment nicht los zu sein. In einem kleinen Nebenraum saßen einige Schwestern und eine blonde Frau in einem Arztkittel und tranken Kaffee. Ansonsten war es erstaunlich ruhig.
Vashtu folgte Lam zu einem Untersuchungstisch, auf dem Babbis mit hängendem Kopf saß und die Beine baumeln ließ.
„Sie warten hier“, wandte die Ärztin sich wieder an sie und trat vor.
Babbis hob den Kopf. Sein Blick schien verschleiert, doch dann klärte er sich wieder, als er sie sah. Kurz kniff er die Lippen aufeinander und verzog das Gesicht zu einem gequälten Lächeln. „Miss Uruhk.“
Vashtu nickte nur und kreuzte die Arme vor der Brust.
Äußerlich war nichts festzustellen. Was auch immer Babbis' Problem war, zu sehen war jedenfalls nichts, einmal abgesehen von seiner schmerzverzerrten Miene.
„Was für ein Problem haben Sie?“ wandte Lam sich an den jungen Wissenschaftler.
Babbis verzog wieder das Gesicht und hob eine Hand an seine Schläfe.
Vashtu richtete sich auf. Ihre Augen wurden schmal.
„Kopfschmerzen und Übelkeit. So schlimm war es noch nie“, nuschelte Babbis.
Kopfschmerzen?
Lam schien ebenfalls etwas anderes erwartet zu haben, umfaßte sein Handgelenk und maß seinen Puls. Dann runzelte sie die Stirn und zückte einen Leuchtstift aus ihrer Kitteltasche, um ihm damit in die Augen zu leuchten.
Babbis gab einen Schmerzenslaut von sich und wandte sich ab.
Vashtu wurde nun doch unruhig. Nicht daß sie an eine ernsthafte Erkrankung glaubte, aber er schien tatsächlich unter irgendetwas zu leiden.
„Haben Sie heute schon etwas gegessen?“ erkundigte Lam sich.
Ein kurzes Kopfschütteln, begleitet von einem leisem Stöhnen.
Lam nickte, drückte ihren Patienten sanft auf den Tisch zurück. Sofort kam wieder ein schmerzerfülltes Stöhnen, als Babbis direkt in eine der Leuchtstoffröhren blicken mußte. Er wandte den Kopf ab, hielt die Augen geschlossen.
„Was hat er?“ fragte Vashtu nun doch besorgt.
Lam drehte sich zu ihr um und musterte sie nachdenklich. „Also gut. Zumindest an seinem Zustand scheinen Sie keine Schuld zu tragen, Miss Uruhk“, antwortete sie dann endlich, öffnete einen Medikamentenschrank und holte etwas daraus hervor.
„Und was hat er jetzt?“
Wieder ein Stöhnen von Babbis.
„Wie es aussieht, haben wir es hier mit einer ganz normalen und alltäglichen Migräne zu tun, Miss Uruhk. Nichts lebensgefährliches, wenn es behandelt wird.“
„Migräne?“ fragten die Antikerin und der Wissenschaftler ungläubig im Chor.
Lam drehte sich um, eine Spritze in der Hand, und nickte. „Migräne. Eine leichte und kurzzeitige Entzündung der Nervenstränge des Gehirns. Hatten Sie schon öfter solche Anfälle, Dr. Babbis?“
Der Angesprochene stöhnte leise vor sich hin und hielt sich eine Hand über die Augen. Dann schüttelte er sehr langsam den Kopf. „Noch nie so schlimm“, antwortete er und begann zu würgen.
Vashtu griff sich eine der Nierenschalen, die auf einem Tisch neben ihr lagen, trat an den Tisch und stützte seinen Kopf, während er Magenflüssigkeit erbrach.
Dr. Lam runzelte kurz die Stirn, wandte sich dann aber wieder ihrer Tätigkeit zu und verabreichte die Injektion.
„Und was können wir tun?“ fragte die Antikerin.
„Es auskurieren lassen, mehr nicht. Ich habe Ihnen ein starkes Schmerzmittel gespritzt, Dr. Babbis“, wandte Lam sich wieder an den Wissenschaftler. „Und ich würde gern ein CT vornehmen. Die Erforschung der Migräne steckt immer noch in den Kinderschuhen. Es ist schon ein Wunder, daß sie inzwischen als Krankheit anerkannt ist.“
Babbis nickte schwach und wischte sich über den Mund.
„In ein oder zwei Tagen ist es wieder vorbei, keine Sorge.“

***

General Landry rieb sich die Schläfen. Ein feiner Schmerz zuckte durch seine Augenbrauen. Nur ein feiner Schmerz, nichts weiter.
Doch er fühlte sich seltsam schlapp und erschöpft. Dabei konnte er sich das nicht erklären. Möglicherweise lag es ja an der Impfung, die ihm letzte Woche verabreicht worden war.
Landry beugte sich wieder vor und ließ die Hände sinken. Er öffnete die Augen und betrachtete die Papiere vor sich auf dem Schreibtisch.
Sie wollten ihm nichts sagen. Es erschien ihm plötzlich alles nutzlos, was er hier tat. Warum sich eigentlich Gedanken darüber machen, was da draußen im Weltall vor sich ging? Es brachte doch nichts. Die Erde sollte sich nicht einmischen, sondern sich um sich selbst kümmern.
Landry seufzte wieder, versuchte erneut, den kurzen Bericht von Collins zu lesen. Da nahm er etwas aus den Augenwinkeln wahr. Nur einen Moment lang, so daß er selbst zweifelte.
Als er aufblickte, war da nichts. Aber ... Er war sicher, er hatte einen Schatten gesehen. Einen Schatten, der ihm wirklich sehr bekannt vorgekommen war.
Landry griff nach seiner Kaffeetasse und nahm einen großen Schluck.
Sein Herz klopfte zum Zerspringen. Nur das jetzt nicht! Nicht jetzt!
Wieder ein Schatten, deutlicher diesmal. Eine Gestalt, dunkel und schwarz vor den grauen Wänden.
Landry setzte sich mit einem Ruck auf und atmete tief ein.
Der Schatten war verschwunden.

***

„Serge! Gut, daß ich Sie treffe.“
Dorn drehte sich zu seiner Leaderin um und nickte. „Morgen.“
Die Antikerin lächelte ihn an, winkte ihm dann, ihr in ihr Büro zu folgen. „Ich soll für Landry noch Berichte über das jeweilige Abschneiden meines Teams anfertigen“, erklärte sie, während sie auf ihren Schreibtisch zuhielt. „Und ich würde gern mit Ihnen über Ihr Ergebnis sprechen.“
Dorn folgte ihr stumm, stellte sich dann an der Seite ihres Schreibtisches neben ihr auf und hob die Brauen, als er das Chaos sah, was sich darauf ausbreitete.
Vashtu lächelte entschuldigend, kramte in den Papieren herum. „Dr. Wallace ist übrigens für eine Woche krank geschrieben“, berichtete sie ihm, zog dann einen Leistungstest aus dem restlichen Stapel und las ihn kurz durch. Dann landete das Papier auf der anderen Seite und sie kramte weiter.„Krank?“ Dorn runzelte die Stirn.
„Dr. Lam hat er gesagt, ich habe ihn zu einem Gewaltmarsch gezwungen.“ Ein neuer Bogen Papier, der unter dem Stapel hervorgezogen wurde.
„Er ist doch nur einmal mit im Gelände gewesen.“
Vashtu nickte, richtete sich wieder auf und hielt ihm das Blatt hin. „Hier, das hat der Drill-Sergeant aufgezeichnet. Können Sie damit etwas anfangen?“
Dorn nickte, nahm ihr das Blatt ab. Dann aber erstarrte er und wich zurück. Das Papier flatterte auf den Boden.
Vashtu runzelte die Stirn. „Was ist los?“ Sie bückte sich und hob den Bericht wieder auf, las ihn dann selbst noch einmal aufmerksam durch. „Also, für Ihr Alter haben Sie doch beachtlich abgeschnitten, Serge. Ich weiß gar nicht, was Sie wollen.“ Sie sah wieder auf.
Dorn starrte sie entgeistert an. Das Gesicht des alternden Marines war bleich, seine grauen Augen hatten sich geweitet.
„Serge? Alles in Ordnung mit Ihnen?“ Sie legte das Papier zurück auf ihren Schreibtisch und trat vorsichtig einen Schritt näher.
Dorn keuchte, wich einen Schritt zurück. Dann klärte sein Blick sich plötzlich wieder. Verwirrt schüttelte er den Kopf. „Verzeihung, Mam. Wo waren wir?“
Vashtu betrachtete ihn mißtrauisch von der Seite. „Ist Ihnen nicht gut, Dorn?“
Er sah sie verwirrt an, schüttelte den Kopf. „Alles in Ordnung, Mam.“ Er leckte sich nervös über die Lippen. „Der Bericht, Mam?“
Vashtu beäugte ihn immer noch mißtrauisch, nickte aber. „Okay“, sie zog dieses Wort in die Länge und wandte sich von ihm ab, um wieder nach dem Papier zu greifen.
Im nächsten Moment fand sie sich in einem Klammergriff wieder. Vor Überraschung knickten ihr die Knie weg und sie japste nach Luft.
„Dorn!“ keuchte sie und versuchte sich zu befreien, ohne ihre Fremdzellen einzusetzen. Dann erstarrte sie, als sie seinen Unterarm in ihrem Genick fühlte. „Kommen Sie zu sich, Marine!“
„Du bleibst hier, hast du das verstanden? Du gehst nicht wieder weg“, knurrte Dorn dicht an ihrem Ohr und verstärkte seinen Griff.
Vashtu hatte Mühe, Luft zu holen. Der alte Soldat würgte sie und hielt sie in einem unbarmherzigen Griff. Wenn sie ihn nicht verletzen wollte, konnte sie nichts tun.
„Dorn ...!“

***

„Keine Sorge, es wird nicht wehtun.“ Dr. Lam lächelte.
Babbis warf ihr einen skeptischen Blick zu, schloß dann die Augen.
Er war so müde, doch es war eine falsche Müdigkeit, das spürte er auch. Es war nicht dieses wohlige Hinübergleiten in einen erholsamen Schlaf, sondern eine von innen suggerierte Müdigkeit, die seine Gedanken lähmen wollte.
„Es kann Ihnen auch nichts passieren. Leiden Sie unter Klaustrophobie?“
Babbis schüttelte benebelt den Kopf und öffnete den Mund. Doch die Antwort wollte nicht kommen.
Lam drückte noch einmal seine Hand. „Gleich wissen wir mehr, Dr. Babbis. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.“
Wieder nickte er, schon halb weggedöst.
Er spürte schon nicht mehr, wie die Bahre, auf der er lag, in den Computertomografen gezogen wurde. Und er sah auch nicht, wie Dr. Lams Gesicht sich plötzlich vor Angst verzerrte.

***

Als Vashtu wieder zu sich kam, fand sie sich auf ihrem angeknacksten Besucherstuhl wieder. Sie konnte sich kaum bewegen. Irgendetwas schnürte in ihre Glieder und auch ihren Körper.
Sie blinzelte und hielt den Kopf gesenkt.
Kabel? Wieso Kabel?
Ein Ruck ging durch ihren Körper, als diese Kabel festgezogen wurden. Endlich spürte sie die Anwesenheit von einem zweiten, direkt hinter ihr. Dorn!
Vashtu hob den Kopf, drehte sich, soweit sie konnte. „Verdammt, Serge! Was ist denn mit Ihnen los?“ fuhr sie den Marine an, der immer noch damit beschäftigt war, ihre Fesseln zu verknoten.
Sie ruckte gegen die Kabel an, die sie an den Stuhl banden, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. „Dorn! Was ist los mit Ihnen, Mann? Machen Sie mich auf der Stelle wieder los!“
„Du bleibst hier, meine Kleine, hörst du? Niemand wird dich finden. Du wirst nicht wieder diesem ... diesem Saddam in den Rachen geworfen.“ Dorns Stimme klang merkwürdig, als sei er Millionen von Lichtjahren entfernt von hier.
Vashtu runzelte die Stirn. Saddam? Was zum ... ?
Der Krieg gegen den Irak! Verdammt, verdammt, verdammt! Was hatte Dorn mit diesem Krieg zu tun?
Sie warf einen sehnsüchtigen Blick auf das Chaos auf ihrem Schreibtisch. Irgendwo dort lag auch die Akte von Dorn. Und im Moment wünschte sie sich, sie hätte sie gelesen.
„Cindy, deine Mum, können wir nicht wieder zurückholen. Aber dich lasse ich nicht noch einmal weg, hörst du? Du bleibst hier!“ Dorn richtete sich auf und sah auf sie hinunter. Sein Blick wirkte benebelt, als stünde er unter ... unter Drogen?
Vashtu holte tief Luft. Wenn es ihr so nicht gelang, den Marine zur Vernunft zu bringen, würde sie sich etwas anderes einfallen lassen müssen.
„Sergeant Dorn, als Ihre Vorgesetzte befehle ich Ihnen ...!“ Weiter kam sie nicht, dann hatte Dorn ihr schon ein Taschentuch in den Mund gestopft.
War er denn verrückt geworden? Was sollte das?
Dorns Finger strichen liebkosend über ihr Gesicht. „Laurie, meine Kleine, du mußt das verstehen, hörst du? Ich lasse dich nicht wieder gehen.“ Tränen standen in seinen Augen.
Vashtu starrte ihn an. Allmählich begann sich ein Bild in ihrem Geist festzusetzen.
„Ich hätte dich nie in die Army eintreten lassen dürfen, meine Kleine, nie!“ Dorn zog die Nase hoch. „Aber jetzt machen wir beide das anders, ja? Diesmal nutzen wir unsere Chance. Ich lasse dich nicht wieder in diesen idiotischen Krieg ziehen, nie wieder.“
Okay, wenn er es im Guten nicht vertrug, dann eben anders.
Vashtu war noch immer von der plötzlichen Intimität verwirrt, und das Bild in ihrem Kopf wollte nicht so recht verschwinden. Sie schwor sich, daß sie, sobald sie diesen Irrsinn beendet hatte, Dorns Akte sehr aufmerksam lesen würde. Wer auch immer diese Laurie gewesen war, sie hatte ihn offensichtlich stark beeinflußt.
„Deine Mum würde sich freuen, wenn du an ihr Grab kommen würdest, meine Kleine“, flüsterte der Marine mit tränenerstickter Stimme. „Sie konnte diese Nachricht nicht ertragen, die der Kerl mit dem ganzen Lameta gebracht hat. Aber das wird nicht wieder geschehen, hörst du? Diesmal bleibst du bei mir.“ Er umarmte sie.
Vashtu spannte sich an und riß überrascht die Augen auf, als Dorn seinen Kopf an ihrer Schulter vergrub. Einen Atemzug lang zögerte sie, doch sie war sich klar darüber, daß sie jetzt die beste Chance hatte.
Gott sei Dank hatte sie bis jetzt noch keinen wirklichen Ersatz für den von Wallace demolierten Stuhl gefunden und ihn nur notdürftig geflickt. Es würde sie keine allzu große Anstrengung kosten, sich zu befreien - hoffte sie zumindest. Aber erst einmal Dorn.
Vashtu spannte die Kiefer an und wappnete sich. Dann hob sie den Kopf so weit in den Nacken wie möglich, konzentrierte sich auf ihre Fremdzellen und knallte ihm ihr Kinn an die Schläfe. Autsch! Der Mann hatte einen harten Schädel!
Dorn hob den Kopf, seine Augen schwammen in Tränen, sein Blick war unstet.
Vashtu stemmte sich gegen die Fesseln, hielt die Wraith-Zellen aktiv und knallte ihm noch einmal ihren Schädel gegen seinen. Stirn traf auf Stirn. Dorn gab ein Grunzen von sich, versuchte sich aufzurichten, dann sackte er weg.
Vashtu schüttelte den Kopf. Das würde eine Beule geben. Mühsam spuckte sie das Taschentuch wieder aus, richtete sich so weit auf, wie es ging und ließ sich dann mit ganzer Wucht wieder auf den Stuhl fallen. Ein gemeines Knacken sagte ihr, daß sie auf dem richtigen Weg war. Noch einmal richtete sie sich auf, knallte die Stuhlbeine hart auf den Betonboden und verlor fast das Gleichgewicht, als die Sitzgelegenheit unter ihr auseinanderbrach.
Wieder spannte sie die Muskeln an und riß an den letzten Fesseln, die noch fest saßen. Die Kabel sprangen auseinander.
Vashtu rieb sich die Handgelenke, schüttelte sich die letzten Reste ihrer Fesseln von den Füßen und sah stirnrunzelnd zu dem bewußtlosen Dorn hinunter.
Was war nur in ihn gefahren?

***

Als Babbis wieder zu sich kam, lag er noch immer in der düsteren Röhre des CTs auf dem einfahrbaren Tisch. Ein Dämmerlicht beleuchtete das Innere nur schwach, doch ausreichend, daß er sehen konnte, was sich um ihn her befand.
„Hallo?“ rief er schwach.
Keine Antwort.
Babbis sah sich wieder um. In der Röhre war nicht genug Platz, damit er sich selbst befreien konnte. Und außerdem ... Wie lange war er weg gewesen? Hätte Dr. Lam ihn nicht schon längst wieder aus dem CT befreien sollen?
„Hallo! Ich bin hier. Hallo?“
Nichts rührte sich.
Babbis schluckte. Die Röhre schien immer enger zu werden.

***

Vashtu schlich vorsichtig über den Gang. Von irgendwo hallten Schreie her, immer wieder rannten Angehörige des SGCs in wilder Flucht an ihr vorbei und mehrmals hatte sie bereits den verschiedensten Waffenmündungen ausweichen müssen.
Ihr erster Weg war der zu General Landrys Büro gewesen, doch der Aufzug war blockiert und vor der Tür zum Treppenhaus hatte sich eine Menschentraube gebildet. Als sie es bei einer der Waffenkammern versuchte, sah es dort nicht viel anders aus. So trug sie jetzt nur eine Zat bei sich. Immerhin etwas und zusätzlich die Sicherheit, daß sie mit dieser Waffe auch betäuben konnte.
Vashtu drückte sich eng an die Wand, als aus einem Quergang einige fliehende Menschen in heller Aufregung stürzten, doch niemand beachtete sie.
Sie wollte ihr Glück jetzt in der Krankenstation versuchen. Vielleicht würde sie dort noch das eine oder andere nützliche finden und möglicherweise auch jemanden, der noch nicht wahnsinnig geworden war.
Das allerdings beschäftigte sie. Warum schien das ganze Stargate-Center plötzlich irr geworden zu sein, nur sie nicht? Und warum so plötzlich? Heute vormittag waren alle noch relativ normal.
Sie schlich weiter, warf immer wieder Blicke über die Schulter, um sicherzugehen, daß sich auch niemand anschleichen konnte an sie.
Die Tür zur Krankenstation stand sperrangelweit offen.
Vashtu stockte in ihrem Schritt und runzelte die Stirn. Das sah nicht gut aus. Aber sie mußte es zumindest versuchen.
Sie stellte sich neben die Tür, drückte sich an die Wand und lugte vorsichtig um die Ecke.
Auf dem ersten Blick war nichts zu sehen, wohl aber zu hören. Irgendjemand wimmerte. Die Beleuchtung schien stellenweise ausgefallen.
Vashtu zögerte, trat dann aber doch, die Zat vor sich gestreckt und entsichert, über die Schwelle.
Die Leuchtstoffröhren waren teils zerschlagen worden, teils hingen sie noch an einzelnen Kabeln von der Decke und flimmerten. Das Notlicht hatte sich eingeschaltet und tauchte den Raum in ein unstetes Dämmerlicht.
Das Wimmern wurde lauter.
Vorsichtig ging die Antikerin weiter, die fremdartige Waffe noch immer entsichert und nach vorn gestreckt.
Da! Unter einer der noch stehenden Pritschen. Der Rest lag, zerwühlt, zerschlitzt und vollgesogen mit allen möglichen flüssigen Medikamenten, auf dem Boden, wie auch Injektionsbestecke, Nierenschalen und andere Gerätschaften. Tabletten knirschten unter den Stiefeln der Antikerin.
Vashtu trat beherzt näher, ließ sich vorsichtig auf die Knie nieder, die Zat zu Boden gerichtet. Die blonde Ärztin, die heute morgen noch so angeregt mit den Krankenschwestern geschwatzt hatte, starrte sie mit großen, verängstigten Augen an. Ihre Wimperntusche war verlaufen und hatte Falten in ihr Gesicht gezeichnet.
„Alles in Ordnung.“ Vashtu hob vorsichtig die Hand und sah die Fremde eindringlich an. An ihrem Kittel war ein metallenes Namenschild, doch in dem flackernden Dämmerlicht fiel es ihr schwer, es zu entziffern. „Alles in Ordnung, Dr. ... Evans. Ganz ruhig.“
Die Blonde starrte sie immer noch an, ihre Augen rollten.
„Ich tue Ihnen nichts, hören Sie? Ich möchte nur wissen, was hier los ist“, fuhr Vashtu mit so ruhiger Stimme wie möglich fort.
Dr. Evans keuchte, dann schoß sie plötzlich vor, die Hände zu Klauen gebogen. Die Antikerin wich zurück. Die Zat schien sich von selbst hochzureißen und einen einzelnen Schuß abzugeben. Dr. Evans sank zusammen.
Vashtu holte tief Atem, richtete sich dann wieder auf und sah sich ratlos um.
Niemand mehr da. Alle Betten waren leer, weder ein Arzt noch ein Pfleger waren zu sehen. Soviel zu möglichen ...
Vashtu hob lauschend den Kopf. War da nicht eine schwache Stimme? Sie neigte leicht den Kopf und runzelte die Stirn.
Ja, da war eine Stimme, ein Rufen, fast schon ein Kreischen. Aber es klang noch relativ normal entgegen dem, was sie auf den Gängen erlebt hatte.
Also ein weiterer Versuch.

***

Babbis war inzwischen der Verzweiflung nahe und glaubte, keine Luft mehr zu bekommen. Die Röhre schien immer enger zu werden und ihm zusätzlich den Atem abzuschnüren. Er wollte nur noch hier heraus, solange es noch ging, doch er konnte sich kaum bewegen.
Dazu kam, daß die Medikamente in seinem Inneren immer noch hervorragend wirkten. Zwar war sein Adrenalinspiegel derart angestiegen, daß er wohl in der nächsten Zeit kein neues Nickerchen mehr machen würde, aber er fühlte sich noch immer benebelt, auf eine heimtückische Art, der er lieber entkommen wäre.
„Hilfe!“ rief er schwach, immer und immer wieder. Auch wenn er inzwischen der Meinung war, er sei der letzte Mensch im ganzen SGC.
Dann aber sprang plötzlich der Motor der Liege an. Er konnte das Summen hören, dann ging ein Ruck durch seinen Körper.
Babbis hätte heulen können vor Freude. Es war tatsächlich doch noch jemand gekommen! Doch das Gesicht, was ihn schließlich erwartete, als er ganz aus dem CT glitt, mit dem hätte er nie im Leben gerechnet.
„Miss Uruhk!“
Die Antikerin hielt eine Zat auf ihn gerichtet und musterte ihn aufmerksam, als würde sie etwas erwarten. Ihre Augen glitzerten kalt.
Babbis stemmte sich ächzend hoch. Die Kopfschmerzen hatten etwas nachgelassen, aber dafür war sein Körper jetzt steif wie ein Brett. Stöhnend rieb er sich über die Stirn, sah dann wieder auf.
„Können Sie das nicht lassen?“ beschwerte er sich. „Ich wäre dadrin beinahe erstickt. Denken Sie wirklich, ich wolle Sie jetzt auch noch angreifen?“
Die Antikerin blinzelte, richtete sich langsam auf und senkte die Waffe. „Sie sind also noch Sie selbst.“ Sie seufzte.
Babbis runzelte die Stirn. „Natürlich bin ich ich selbst. Was für eine dämliche Frage.“
Vashtu zog eine kurze Grimasse und wandte sich ab. Aufmerksam sah sie sich in dem Raum um, in dem sie sich befanden. „Wir müssen hier verschwinden. Wir sind hier nicht sicher“, sagte sie schließlich. „Wie geht es Ihrem Kopf?“
„Offensichtlich besser als Ihrem.“ Babbis ließ sich vorsichtig vom Tisch gleiten. Ihm war schwindlig und er stöhnte leise auf.
Sofort fuhr Vashtu wieder zu ihm herum, die Zat halb erhoben.
„Könnten Sie es vielleicht unterlassen, ständig mit irgendwelchen Waffen auf mich zu zielen?“ beschwerte Babbis sich. „Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, mein Gehirn würde mit einem Strohhalm ausgesaugt.“
Ihre Mundwinkel zuckten amüsiert und sie nickte. „Gut.“ Doch in ihren Augen konnte Babbis deutliche Besorgnis lesen.
Was war hier los?
„Können Sie laufen?“
Wieder rieb er sich den Kopf, diesmal aber die rechte Schläfe. „Ja, ich kann laufen“, grummelte er und tat einen schwankenden Schritt.
Die Antikerin seufzte. „Hören Sie, ich kann nicht uns beide schützen und Sie auch noch schleppen, dafür sind Sie zu ... zu groß. Sie werden allein gehen müssen. Wir brauchen einen sicheren Unterschlupf, von wo aus wir operieren können.“
„Hä?“ Babbis drehte sich wieder zu dem Apparat herum, in dem er bis jetzt gelegen hatte. Hatte er nicht irgendetwas von einer möglichen Strahlenverseuchung gehört, die durch einen zu langen Aufenthalt in einem CT hervorgerufen werden konnte.
„Oh mein Gott! Ich werde sterben!“
„Das werden wir alle, selbst ich ... irgendwann.“ Vashtu trat näher und packte ihn am Arm. „Kommen Sie, Babbis. Wir müssen hier verschwinden, ehe die anderen wiederkommen und uns hier vielleicht noch beide einsperren.“
„Sie verstehen nicht. Die Strahlung dieses Kastens kann ...“ Babbis stockte, als er, von der Antikerin einfach mitgezerrt, die Krankenstation betrat. „Was ist hier los?“
„Gute Frage. Das wüßte ich auch gern.“ Unbarmherzig zog sie ihn weiter. „Los jetzt!“

TBC ...