15.11.2009

1.03 Schatten I

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (SG-27)
Genre: humor, scifi, action
Rating: PG
Author's Note: Wenn auch eigentlich recht früh so wollte ich doch einmal mein Dreiergespann ein wenig genauer unter die Lupe nehmen in dieser Geschichte. Ohne jetzt zuviel zu spoilern weise ich doch darauf hin, was Vashtu und Dorn wahrzunehmen scheinen.



„SG-15, willkommen zurück!“ General Landry nickte zu den vier Männern hinauf, die gerade durch das Stargate gekommen waren. Zwei von ihnen schleppten ein schweres Gerät, das in beruhigenden Farben leuchtete.
„Sir!“ Major Collins salutierte vor dem Leiter des SGC und gab seinen Männern ein Zeichen, das Gerät abzustellen.
Landry musterte den Kasten interessiert, sah dann den Leader des Teams wieder an. „Das ist das geheimnisvolle Gerät, das Sie auf Y2M-772 gefunden haben?“
Collins nickte. „Wie besprochen haben wir es mitgebracht.“
„Ist es aktiviert?“
Collins sah sich jetzt ebenfalls um und zuckte mit den Schultern. „Ehrlich gesagt, wir haben keine Ahnung, Sir. Die Bewohner von Y2M-772 sagen, es würde immer so aussehen. Sie haben auch nicht die blaßeste Ahnung, was es bewirken könnte, Sir.“
Landry musterte den großen Kasten.
Seit Vashtu Uruhk ihr eigenes Team leitete, wenn auch eher schlecht als recht, war dies das erste Mal, daß SG-15 zumindest etwas anderes nach Hause brachte als Ärger. Er mußte zugeben, in den letzten paar Wochen hatte er beinahe schon bereut, die Antikerin aus dieser Gruppe herausgenommen zu haben. Dr. Harper, ein Anthropologe, leistete einfach nicht das gleiche wie sie. Aber vielleicht war es diesmal das etwas unkonventionelle Herbringen wert, wer konnte das schon sagen.
„Gut. Major, ich erwarte Sie morgen früh pünktlich zur Einsatzbesprechung. Ruhen Sie sich jetzt aus.“
Wieder salutierte der junge Soldat, dann gab er seinen Männern ein Zeichen, daß sie wegtreten konnten.
Landry blieb nachdenklich im Gateroom zurück.
Er konnte nur hoffen, daß dieses merkwürdige Gerät tatsächlich ungefährlich war. Andererseits war es eigentlich SG-27, das immer den Ärger anzog. Und Vashtu Uruhk und ihre Chaotentruppe würden erst morgen wieder zum Dienst erscheinen - nach zwei Wochen in einem Überlebenscamp.
Landry nickte den Marines zu, die die Rampe hinaufstiegen und den Kasten bargen, um ihn in eines der Labore zu bringen. Er verließ den Gateroom und verschwand in seinem Büro, um einen Anruf zu tätigen.

***

„Wie konnten Sie nur so unverantwortlich mit der Gesundheit Ihrer Männer hausieren gehen!“ Dr. Lam, die Chefärztin des SGC, blitzte die etwas größere Antikerin zornig an.
Vashtu hob die Brauen. „Unverantwortlich?“ echote sie verständnislos.
„Dr. Wallace wird für die nächste Woche nicht zum Dienst erscheinen. Wie auch immer, er hat sehr üble entzündete Stellen an Beinen und Füßen. Damit kann er nicht arbeiten und hat Schmerzen. Schlimme Schmerzen. Ich habe ihn nach Hause geschickt.“
Vashtu hob eine Hand und neigte ratlos den Kopf. „Moment, Doktor. Dr. Wallace hat was?“ Verständnislos blinzelte sie.
„Er muß sich einiges an Blasen gelaufen sein während Ihres Aufenthaltes in diesem Camp. Er behauptet, Ihnen das auch mitgeteilt zu haben, doch Sie waren es, die ihn nicht gehen ließ.“ Lam versuchte sie niederzustarren.
Vashtu kreuzte die Arme vor der Brust und preßte die Kiefer aufeinander. „Er hat mir gesagt, er sei umgeknickt, nicht mehr und nicht weniger. Sergeant Dorn hat ihm einen Verband angelegt und ist bei ihm geblieben, während Dr. Babbis und ich die Übung fortsetzten. Wenn er sich irgendwo Blasen gelaufen hat, dann sicher nicht in diesem Überlebenscamp. Er war dreiviertel der Zeit im Sanitätszelt.“
Lam funkelte sie immer noch an. „Er sagte etwas von einem Gewaltmarsch, zu dem Sie ihn gezwungen hätten.“
„Gewaltmarsch!“ Jetzt mußte sie doch schmunzeln. „Dr. Lam, er mußte nur von einer Baracke zur Kantine, mehr nicht. Den Weg schafft er selbst hier, und hier muß er noch Treppen steigen. Tut mir leid, aber ich sehe mich nicht in der Pflicht, Doc. Was auch immer er Ihnen für einen Bären aufgebunden hat, mit dem Camp hat das nichts zu tun. Außerdem hatte er noch das ganze Wochenende Zeit, sich diese Blasen zu laufen.“
„Dr. Wallace sagt da etwas anderes.“
„Kann ich mir vorstellen.“ Vashtu beruhigte sich immer mehr, beschloß, das ganze mit Humor zu nehmen und drehte sich zu ihrem Schreibtisch um. „Wenn Sie mir nicht glauben wollen, ich habe hier noch die Aufstellungen und Anwesenheitslisten des Teams. Doc, glauben Sie mir, wo auch immer Wallace sich verletzt hat, es war nicht im Überlebenscamp.“
„Und Dr. Babbis?“
Vashtu, die gerade die Berichte einsammelte, runzelte die Stirn und drehte sich wieder zu der Ärztin um. „Er hat sich ganz gut geschlagen.“
„So gut, daß er jetzt ebenfalls auf der Krankenstation ist.“ Lam schien zu triumphieren.
Vashtu zog die Brauen zusammen, ließ die Papiere Papiere sein und nickte. „Gut, ich komme mit. Die Erklärung hätte ich wirklich gern gehört“, entschloß sie sich.
„Wollen Sie ihn auch noch einschüchtern, ehe er seine Aussage macht?“
„Nein, ich würde gern wissen, was die beiden an diesem Wochenende angestellt haben, daß sie sich jetzt einhellig krank melden wollen.“ Vashtu atmete tief ein, um sich zu beruhigen. Dabei hatte sie geglaubt, zumindest Babbis gegenüber wäre das Eis endlich gebrochen. „Ich werde nicht einen Ton sagen, meinetwegen verstecke ich mich auch hinter irgendeiner Wand, damit er mich nicht sehen kann.“
Lam musterte sie aufmerksam von Kopf bis Fuß und schien zu überlegen. Dann nickte sie. „Also gut, dann kommen Sie eben mit.“
„Ich muß nur kurz dem General ...“
„Lassen Sie das mal meine Sorge sein, Miss Uruhk.“ Lam wandte sich ab und verließ das Büro wieder.
Vashtu zögerte noch einen Moment, dann folgte sie der Ärztin durch die Gänge und Treppen zur Krankenstation.
Viel schien hier im Moment nicht los zu sein. In einem kleinen Nebenraum saßen einige Schwestern und eine blonde Frau in einem Arztkittel und tranken Kaffee. Ansonsten war es erstaunlich ruhig.
Vashtu folgte Lam zu einem Untersuchungstisch, auf dem Babbis mit hängendem Kopf saß und die Beine baumeln ließ.
„Sie warten hier“, wandte die Ärztin sich wieder an sie und trat vor.
Babbis hob den Kopf. Sein Blick schien verschleiert, doch dann klärte er sich wieder, als er sie sah. Kurz kniff er die Lippen aufeinander und verzog das Gesicht zu einem gequälten Lächeln. „Miss Uruhk.“
Vashtu nickte nur und kreuzte die Arme vor der Brust.
Äußerlich war nichts festzustellen. Was auch immer Babbis' Problem war, zu sehen war jedenfalls nichts, einmal abgesehen von seiner schmerzverzerrten Miene.
„Was für ein Problem haben Sie?“ wandte Lam sich an den jungen Wissenschaftler.
Babbis verzog wieder das Gesicht und hob eine Hand an seine Schläfe.
Vashtu richtete sich auf. Ihre Augen wurden schmal.
„Kopfschmerzen und Übelkeit. So schlimm war es noch nie“, nuschelte Babbis.
Kopfschmerzen?
Lam schien ebenfalls etwas anderes erwartet zu haben, umfaßte sein Handgelenk und maß seinen Puls. Dann runzelte sie die Stirn und zückte einen Leuchtstift aus ihrer Kitteltasche, um ihm damit in die Augen zu leuchten.
Babbis gab einen Schmerzenslaut von sich und wandte sich ab.
Vashtu wurde nun doch unruhig. Nicht daß sie an eine ernsthafte Erkrankung glaubte, aber er schien tatsächlich unter irgendetwas zu leiden.
„Haben Sie heute schon etwas gegessen?“ erkundigte Lam sich.
Ein kurzes Kopfschütteln, begleitet von einem leisem Stöhnen.
Lam nickte, drückte ihren Patienten sanft auf den Tisch zurück. Sofort kam wieder ein schmerzerfülltes Stöhnen, als Babbis direkt in eine der Leuchtstoffröhren blicken mußte. Er wandte den Kopf ab, hielt die Augen geschlossen.
„Was hat er?“ fragte Vashtu nun doch besorgt.
Lam drehte sich zu ihr um und musterte sie nachdenklich. „Also gut. Zumindest an seinem Zustand scheinen Sie keine Schuld zu tragen, Miss Uruhk“, antwortete sie dann endlich, öffnete einen Medikamentenschrank und holte etwas daraus hervor.
„Und was hat er jetzt?“
Wieder ein Stöhnen von Babbis.
„Wie es aussieht, haben wir es hier mit einer ganz normalen und alltäglichen Migräne zu tun, Miss Uruhk. Nichts lebensgefährliches, wenn es behandelt wird.“
„Migräne?“ fragten die Antikerin und der Wissenschaftler ungläubig im Chor.
Lam drehte sich um, eine Spritze in der Hand, und nickte. „Migräne. Eine leichte und kurzzeitige Entzündung der Nervenstränge des Gehirns. Hatten Sie schon öfter solche Anfälle, Dr. Babbis?“
Der Angesprochene stöhnte leise vor sich hin und hielt sich eine Hand über die Augen. Dann schüttelte er sehr langsam den Kopf. „Noch nie so schlimm“, antwortete er und begann zu würgen.
Vashtu griff sich eine der Nierenschalen, die auf einem Tisch neben ihr lagen, trat an den Tisch und stützte seinen Kopf, während er Magenflüssigkeit erbrach.
Dr. Lam runzelte kurz die Stirn, wandte sich dann aber wieder ihrer Tätigkeit zu und verabreichte die Injektion.
„Und was können wir tun?“ fragte die Antikerin.
„Es auskurieren lassen, mehr nicht. Ich habe Ihnen ein starkes Schmerzmittel gespritzt, Dr. Babbis“, wandte Lam sich wieder an den Wissenschaftler. „Und ich würde gern ein CT vornehmen. Die Erforschung der Migräne steckt immer noch in den Kinderschuhen. Es ist schon ein Wunder, daß sie inzwischen als Krankheit anerkannt ist.“
Babbis nickte schwach und wischte sich über den Mund.
„In ein oder zwei Tagen ist es wieder vorbei, keine Sorge.“

***

General Landry rieb sich die Schläfen. Ein feiner Schmerz zuckte durch seine Augenbrauen. Nur ein feiner Schmerz, nichts weiter.
Doch er fühlte sich seltsam schlapp und erschöpft. Dabei konnte er sich das nicht erklären. Möglicherweise lag es ja an der Impfung, die ihm letzte Woche verabreicht worden war.
Landry beugte sich wieder vor und ließ die Hände sinken. Er öffnete die Augen und betrachtete die Papiere vor sich auf dem Schreibtisch.
Sie wollten ihm nichts sagen. Es erschien ihm plötzlich alles nutzlos, was er hier tat. Warum sich eigentlich Gedanken darüber machen, was da draußen im Weltall vor sich ging? Es brachte doch nichts. Die Erde sollte sich nicht einmischen, sondern sich um sich selbst kümmern.
Landry seufzte wieder, versuchte erneut, den kurzen Bericht von Collins zu lesen. Da nahm er etwas aus den Augenwinkeln wahr. Nur einen Moment lang, so daß er selbst zweifelte.
Als er aufblickte, war da nichts. Aber ... Er war sicher, er hatte einen Schatten gesehen. Einen Schatten, der ihm wirklich sehr bekannt vorgekommen war.
Landry griff nach seiner Kaffeetasse und nahm einen großen Schluck.
Sein Herz klopfte zum Zerspringen. Nur das jetzt nicht! Nicht jetzt!
Wieder ein Schatten, deutlicher diesmal. Eine Gestalt, dunkel und schwarz vor den grauen Wänden.
Landry setzte sich mit einem Ruck auf und atmete tief ein.
Der Schatten war verschwunden.

***

„Serge! Gut, daß ich Sie treffe.“
Dorn drehte sich zu seiner Leaderin um und nickte. „Morgen.“
Die Antikerin lächelte ihn an, winkte ihm dann, ihr in ihr Büro zu folgen. „Ich soll für Landry noch Berichte über das jeweilige Abschneiden meines Teams anfertigen“, erklärte sie, während sie auf ihren Schreibtisch zuhielt. „Und ich würde gern mit Ihnen über Ihr Ergebnis sprechen.“
Dorn folgte ihr stumm, stellte sich dann an der Seite ihres Schreibtisches neben ihr auf und hob die Brauen, als er das Chaos sah, was sich darauf ausbreitete.
Vashtu lächelte entschuldigend, kramte in den Papieren herum. „Dr. Wallace ist übrigens für eine Woche krank geschrieben“, berichtete sie ihm, zog dann einen Leistungstest aus dem restlichen Stapel und las ihn kurz durch. Dann landete das Papier auf der anderen Seite und sie kramte weiter.„Krank?“ Dorn runzelte die Stirn.
„Dr. Lam hat er gesagt, ich habe ihn zu einem Gewaltmarsch gezwungen.“ Ein neuer Bogen Papier, der unter dem Stapel hervorgezogen wurde.
„Er ist doch nur einmal mit im Gelände gewesen.“
Vashtu nickte, richtete sich wieder auf und hielt ihm das Blatt hin. „Hier, das hat der Drill-Sergeant aufgezeichnet. Können Sie damit etwas anfangen?“
Dorn nickte, nahm ihr das Blatt ab. Dann aber erstarrte er und wich zurück. Das Papier flatterte auf den Boden.
Vashtu runzelte die Stirn. „Was ist los?“ Sie bückte sich und hob den Bericht wieder auf, las ihn dann selbst noch einmal aufmerksam durch. „Also, für Ihr Alter haben Sie doch beachtlich abgeschnitten, Serge. Ich weiß gar nicht, was Sie wollen.“ Sie sah wieder auf.
Dorn starrte sie entgeistert an. Das Gesicht des alternden Marines war bleich, seine grauen Augen hatten sich geweitet.
„Serge? Alles in Ordnung mit Ihnen?“ Sie legte das Papier zurück auf ihren Schreibtisch und trat vorsichtig einen Schritt näher.
Dorn keuchte, wich einen Schritt zurück. Dann klärte sein Blick sich plötzlich wieder. Verwirrt schüttelte er den Kopf. „Verzeihung, Mam. Wo waren wir?“
Vashtu betrachtete ihn mißtrauisch von der Seite. „Ist Ihnen nicht gut, Dorn?“
Er sah sie verwirrt an, schüttelte den Kopf. „Alles in Ordnung, Mam.“ Er leckte sich nervös über die Lippen. „Der Bericht, Mam?“
Vashtu beäugte ihn immer noch mißtrauisch, nickte aber. „Okay“, sie zog dieses Wort in die Länge und wandte sich von ihm ab, um wieder nach dem Papier zu greifen.
Im nächsten Moment fand sie sich in einem Klammergriff wieder. Vor Überraschung knickten ihr die Knie weg und sie japste nach Luft.
„Dorn!“ keuchte sie und versuchte sich zu befreien, ohne ihre Fremdzellen einzusetzen. Dann erstarrte sie, als sie seinen Unterarm in ihrem Genick fühlte. „Kommen Sie zu sich, Marine!“
„Du bleibst hier, hast du das verstanden? Du gehst nicht wieder weg“, knurrte Dorn dicht an ihrem Ohr und verstärkte seinen Griff.
Vashtu hatte Mühe, Luft zu holen. Der alte Soldat würgte sie und hielt sie in einem unbarmherzigen Griff. Wenn sie ihn nicht verletzen wollte, konnte sie nichts tun.
„Dorn ...!“

***

„Keine Sorge, es wird nicht wehtun.“ Dr. Lam lächelte.
Babbis warf ihr einen skeptischen Blick zu, schloß dann die Augen.
Er war so müde, doch es war eine falsche Müdigkeit, das spürte er auch. Es war nicht dieses wohlige Hinübergleiten in einen erholsamen Schlaf, sondern eine von innen suggerierte Müdigkeit, die seine Gedanken lähmen wollte.
„Es kann Ihnen auch nichts passieren. Leiden Sie unter Klaustrophobie?“
Babbis schüttelte benebelt den Kopf und öffnete den Mund. Doch die Antwort wollte nicht kommen.
Lam drückte noch einmal seine Hand. „Gleich wissen wir mehr, Dr. Babbis. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.“
Wieder nickte er, schon halb weggedöst.
Er spürte schon nicht mehr, wie die Bahre, auf der er lag, in den Computertomografen gezogen wurde. Und er sah auch nicht, wie Dr. Lams Gesicht sich plötzlich vor Angst verzerrte.

***

Als Vashtu wieder zu sich kam, fand sie sich auf ihrem angeknacksten Besucherstuhl wieder. Sie konnte sich kaum bewegen. Irgendetwas schnürte in ihre Glieder und auch ihren Körper.
Sie blinzelte und hielt den Kopf gesenkt.
Kabel? Wieso Kabel?
Ein Ruck ging durch ihren Körper, als diese Kabel festgezogen wurden. Endlich spürte sie die Anwesenheit von einem zweiten, direkt hinter ihr. Dorn!
Vashtu hob den Kopf, drehte sich, soweit sie konnte. „Verdammt, Serge! Was ist denn mit Ihnen los?“ fuhr sie den Marine an, der immer noch damit beschäftigt war, ihre Fesseln zu verknoten.
Sie ruckte gegen die Kabel an, die sie an den Stuhl banden, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. „Dorn! Was ist los mit Ihnen, Mann? Machen Sie mich auf der Stelle wieder los!“
„Du bleibst hier, meine Kleine, hörst du? Niemand wird dich finden. Du wirst nicht wieder diesem ... diesem Saddam in den Rachen geworfen.“ Dorns Stimme klang merkwürdig, als sei er Millionen von Lichtjahren entfernt von hier.
Vashtu runzelte die Stirn. Saddam? Was zum ... ?
Der Krieg gegen den Irak! Verdammt, verdammt, verdammt! Was hatte Dorn mit diesem Krieg zu tun?
Sie warf einen sehnsüchtigen Blick auf das Chaos auf ihrem Schreibtisch. Irgendwo dort lag auch die Akte von Dorn. Und im Moment wünschte sie sich, sie hätte sie gelesen.
„Cindy, deine Mum, können wir nicht wieder zurückholen. Aber dich lasse ich nicht noch einmal weg, hörst du? Du bleibst hier!“ Dorn richtete sich auf und sah auf sie hinunter. Sein Blick wirkte benebelt, als stünde er unter ... unter Drogen?
Vashtu holte tief Luft. Wenn es ihr so nicht gelang, den Marine zur Vernunft zu bringen, würde sie sich etwas anderes einfallen lassen müssen.
„Sergeant Dorn, als Ihre Vorgesetzte befehle ich Ihnen ...!“ Weiter kam sie nicht, dann hatte Dorn ihr schon ein Taschentuch in den Mund gestopft.
War er denn verrückt geworden? Was sollte das?
Dorns Finger strichen liebkosend über ihr Gesicht. „Laurie, meine Kleine, du mußt das verstehen, hörst du? Ich lasse dich nicht wieder gehen.“ Tränen standen in seinen Augen.
Vashtu starrte ihn an. Allmählich begann sich ein Bild in ihrem Geist festzusetzen.
„Ich hätte dich nie in die Army eintreten lassen dürfen, meine Kleine, nie!“ Dorn zog die Nase hoch. „Aber jetzt machen wir beide das anders, ja? Diesmal nutzen wir unsere Chance. Ich lasse dich nicht wieder in diesen idiotischen Krieg ziehen, nie wieder.“
Okay, wenn er es im Guten nicht vertrug, dann eben anders.
Vashtu war noch immer von der plötzlichen Intimität verwirrt, und das Bild in ihrem Kopf wollte nicht so recht verschwinden. Sie schwor sich, daß sie, sobald sie diesen Irrsinn beendet hatte, Dorns Akte sehr aufmerksam lesen würde. Wer auch immer diese Laurie gewesen war, sie hatte ihn offensichtlich stark beeinflußt.
„Deine Mum würde sich freuen, wenn du an ihr Grab kommen würdest, meine Kleine“, flüsterte der Marine mit tränenerstickter Stimme. „Sie konnte diese Nachricht nicht ertragen, die der Kerl mit dem ganzen Lameta gebracht hat. Aber das wird nicht wieder geschehen, hörst du? Diesmal bleibst du bei mir.“ Er umarmte sie.
Vashtu spannte sich an und riß überrascht die Augen auf, als Dorn seinen Kopf an ihrer Schulter vergrub. Einen Atemzug lang zögerte sie, doch sie war sich klar darüber, daß sie jetzt die beste Chance hatte.
Gott sei Dank hatte sie bis jetzt noch keinen wirklichen Ersatz für den von Wallace demolierten Stuhl gefunden und ihn nur notdürftig geflickt. Es würde sie keine allzu große Anstrengung kosten, sich zu befreien - hoffte sie zumindest. Aber erst einmal Dorn.
Vashtu spannte die Kiefer an und wappnete sich. Dann hob sie den Kopf so weit in den Nacken wie möglich, konzentrierte sich auf ihre Fremdzellen und knallte ihm ihr Kinn an die Schläfe. Autsch! Der Mann hatte einen harten Schädel!
Dorn hob den Kopf, seine Augen schwammen in Tränen, sein Blick war unstet.
Vashtu stemmte sich gegen die Fesseln, hielt die Wraith-Zellen aktiv und knallte ihm noch einmal ihren Schädel gegen seinen. Stirn traf auf Stirn. Dorn gab ein Grunzen von sich, versuchte sich aufzurichten, dann sackte er weg.
Vashtu schüttelte den Kopf. Das würde eine Beule geben. Mühsam spuckte sie das Taschentuch wieder aus, richtete sich so weit auf, wie es ging und ließ sich dann mit ganzer Wucht wieder auf den Stuhl fallen. Ein gemeines Knacken sagte ihr, daß sie auf dem richtigen Weg war. Noch einmal richtete sie sich auf, knallte die Stuhlbeine hart auf den Betonboden und verlor fast das Gleichgewicht, als die Sitzgelegenheit unter ihr auseinanderbrach.
Wieder spannte sie die Muskeln an und riß an den letzten Fesseln, die noch fest saßen. Die Kabel sprangen auseinander.
Vashtu rieb sich die Handgelenke, schüttelte sich die letzten Reste ihrer Fesseln von den Füßen und sah stirnrunzelnd zu dem bewußtlosen Dorn hinunter.
Was war nur in ihn gefahren?

***

Als Babbis wieder zu sich kam, lag er noch immer in der düsteren Röhre des CTs auf dem einfahrbaren Tisch. Ein Dämmerlicht beleuchtete das Innere nur schwach, doch ausreichend, daß er sehen konnte, was sich um ihn her befand.
„Hallo?“ rief er schwach.
Keine Antwort.
Babbis sah sich wieder um. In der Röhre war nicht genug Platz, damit er sich selbst befreien konnte. Und außerdem ... Wie lange war er weg gewesen? Hätte Dr. Lam ihn nicht schon längst wieder aus dem CT befreien sollen?
„Hallo! Ich bin hier. Hallo?“
Nichts rührte sich.
Babbis schluckte. Die Röhre schien immer enger zu werden.

***

Vashtu schlich vorsichtig über den Gang. Von irgendwo hallten Schreie her, immer wieder rannten Angehörige des SGCs in wilder Flucht an ihr vorbei und mehrmals hatte sie bereits den verschiedensten Waffenmündungen ausweichen müssen.
Ihr erster Weg war der zu General Landrys Büro gewesen, doch der Aufzug war blockiert und vor der Tür zum Treppenhaus hatte sich eine Menschentraube gebildet. Als sie es bei einer der Waffenkammern versuchte, sah es dort nicht viel anders aus. So trug sie jetzt nur eine Zat bei sich. Immerhin etwas und zusätzlich die Sicherheit, daß sie mit dieser Waffe auch betäuben konnte.
Vashtu drückte sich eng an die Wand, als aus einem Quergang einige fliehende Menschen in heller Aufregung stürzten, doch niemand beachtete sie.
Sie wollte ihr Glück jetzt in der Krankenstation versuchen. Vielleicht würde sie dort noch das eine oder andere nützliche finden und möglicherweise auch jemanden, der noch nicht wahnsinnig geworden war.
Das allerdings beschäftigte sie. Warum schien das ganze Stargate-Center plötzlich irr geworden zu sein, nur sie nicht? Und warum so plötzlich? Heute vormittag waren alle noch relativ normal.
Sie schlich weiter, warf immer wieder Blicke über die Schulter, um sicherzugehen, daß sich auch niemand anschleichen konnte an sie.
Die Tür zur Krankenstation stand sperrangelweit offen.
Vashtu stockte in ihrem Schritt und runzelte die Stirn. Das sah nicht gut aus. Aber sie mußte es zumindest versuchen.
Sie stellte sich neben die Tür, drückte sich an die Wand und lugte vorsichtig um die Ecke.
Auf dem ersten Blick war nichts zu sehen, wohl aber zu hören. Irgendjemand wimmerte. Die Beleuchtung schien stellenweise ausgefallen.
Vashtu zögerte, trat dann aber doch, die Zat vor sich gestreckt und entsichert, über die Schwelle.
Die Leuchtstoffröhren waren teils zerschlagen worden, teils hingen sie noch an einzelnen Kabeln von der Decke und flimmerten. Das Notlicht hatte sich eingeschaltet und tauchte den Raum in ein unstetes Dämmerlicht.
Das Wimmern wurde lauter.
Vorsichtig ging die Antikerin weiter, die fremdartige Waffe noch immer entsichert und nach vorn gestreckt.
Da! Unter einer der noch stehenden Pritschen. Der Rest lag, zerwühlt, zerschlitzt und vollgesogen mit allen möglichen flüssigen Medikamenten, auf dem Boden, wie auch Injektionsbestecke, Nierenschalen und andere Gerätschaften. Tabletten knirschten unter den Stiefeln der Antikerin.
Vashtu trat beherzt näher, ließ sich vorsichtig auf die Knie nieder, die Zat zu Boden gerichtet. Die blonde Ärztin, die heute morgen noch so angeregt mit den Krankenschwestern geschwatzt hatte, starrte sie mit großen, verängstigten Augen an. Ihre Wimperntusche war verlaufen und hatte Falten in ihr Gesicht gezeichnet.
„Alles in Ordnung.“ Vashtu hob vorsichtig die Hand und sah die Fremde eindringlich an. An ihrem Kittel war ein metallenes Namenschild, doch in dem flackernden Dämmerlicht fiel es ihr schwer, es zu entziffern. „Alles in Ordnung, Dr. ... Evans. Ganz ruhig.“
Die Blonde starrte sie immer noch an, ihre Augen rollten.
„Ich tue Ihnen nichts, hören Sie? Ich möchte nur wissen, was hier los ist“, fuhr Vashtu mit so ruhiger Stimme wie möglich fort.
Dr. Evans keuchte, dann schoß sie plötzlich vor, die Hände zu Klauen gebogen. Die Antikerin wich zurück. Die Zat schien sich von selbst hochzureißen und einen einzelnen Schuß abzugeben. Dr. Evans sank zusammen.
Vashtu holte tief Atem, richtete sich dann wieder auf und sah sich ratlos um.
Niemand mehr da. Alle Betten waren leer, weder ein Arzt noch ein Pfleger waren zu sehen. Soviel zu möglichen ...
Vashtu hob lauschend den Kopf. War da nicht eine schwache Stimme? Sie neigte leicht den Kopf und runzelte die Stirn.
Ja, da war eine Stimme, ein Rufen, fast schon ein Kreischen. Aber es klang noch relativ normal entgegen dem, was sie auf den Gängen erlebt hatte.
Also ein weiterer Versuch.

***

Babbis war inzwischen der Verzweiflung nahe und glaubte, keine Luft mehr zu bekommen. Die Röhre schien immer enger zu werden und ihm zusätzlich den Atem abzuschnüren. Er wollte nur noch hier heraus, solange es noch ging, doch er konnte sich kaum bewegen.
Dazu kam, daß die Medikamente in seinem Inneren immer noch hervorragend wirkten. Zwar war sein Adrenalinspiegel derart angestiegen, daß er wohl in der nächsten Zeit kein neues Nickerchen mehr machen würde, aber er fühlte sich noch immer benebelt, auf eine heimtückische Art, der er lieber entkommen wäre.
„Hilfe!“ rief er schwach, immer und immer wieder. Auch wenn er inzwischen der Meinung war, er sei der letzte Mensch im ganzen SGC.
Dann aber sprang plötzlich der Motor der Liege an. Er konnte das Summen hören, dann ging ein Ruck durch seinen Körper.
Babbis hätte heulen können vor Freude. Es war tatsächlich doch noch jemand gekommen! Doch das Gesicht, was ihn schließlich erwartete, als er ganz aus dem CT glitt, mit dem hätte er nie im Leben gerechnet.
„Miss Uruhk!“
Die Antikerin hielt eine Zat auf ihn gerichtet und musterte ihn aufmerksam, als würde sie etwas erwarten. Ihre Augen glitzerten kalt.
Babbis stemmte sich ächzend hoch. Die Kopfschmerzen hatten etwas nachgelassen, aber dafür war sein Körper jetzt steif wie ein Brett. Stöhnend rieb er sich über die Stirn, sah dann wieder auf.
„Können Sie das nicht lassen?“ beschwerte er sich. „Ich wäre dadrin beinahe erstickt. Denken Sie wirklich, ich wolle Sie jetzt auch noch angreifen?“
Die Antikerin blinzelte, richtete sich langsam auf und senkte die Waffe. „Sie sind also noch Sie selbst.“ Sie seufzte.
Babbis runzelte die Stirn. „Natürlich bin ich ich selbst. Was für eine dämliche Frage.“
Vashtu zog eine kurze Grimasse und wandte sich ab. Aufmerksam sah sie sich in dem Raum um, in dem sie sich befanden. „Wir müssen hier verschwinden. Wir sind hier nicht sicher“, sagte sie schließlich. „Wie geht es Ihrem Kopf?“
„Offensichtlich besser als Ihrem.“ Babbis ließ sich vorsichtig vom Tisch gleiten. Ihm war schwindlig und er stöhnte leise auf.
Sofort fuhr Vashtu wieder zu ihm herum, die Zat halb erhoben.
„Könnten Sie es vielleicht unterlassen, ständig mit irgendwelchen Waffen auf mich zu zielen?“ beschwerte Babbis sich. „Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, mein Gehirn würde mit einem Strohhalm ausgesaugt.“
Ihre Mundwinkel zuckten amüsiert und sie nickte. „Gut.“ Doch in ihren Augen konnte Babbis deutliche Besorgnis lesen.
Was war hier los?
„Können Sie laufen?“
Wieder rieb er sich den Kopf, diesmal aber die rechte Schläfe. „Ja, ich kann laufen“, grummelte er und tat einen schwankenden Schritt.
Die Antikerin seufzte. „Hören Sie, ich kann nicht uns beide schützen und Sie auch noch schleppen, dafür sind Sie zu ... zu groß. Sie werden allein gehen müssen. Wir brauchen einen sicheren Unterschlupf, von wo aus wir operieren können.“
„Hä?“ Babbis drehte sich wieder zu dem Apparat herum, in dem er bis jetzt gelegen hatte. Hatte er nicht irgendetwas von einer möglichen Strahlenverseuchung gehört, die durch einen zu langen Aufenthalt in einem CT hervorgerufen werden konnte.
„Oh mein Gott! Ich werde sterben!“
„Das werden wir alle, selbst ich ... irgendwann.“ Vashtu trat näher und packte ihn am Arm. „Kommen Sie, Babbis. Wir müssen hier verschwinden, ehe die anderen wiederkommen und uns hier vielleicht noch beide einsperren.“
„Sie verstehen nicht. Die Strahlung dieses Kastens kann ...“ Babbis stockte, als er, von der Antikerin einfach mitgezerrt, die Krankenstation betrat. „Was ist hier los?“
„Gute Frage. Das wüßte ich auch gern.“ Unbarmherzig zog sie ihn weiter. „Los jetzt!“

TBC ...

13.11.2009

Der Planetenkiller II

Vashtu bemerkte erst, als sie den Jumper in den Gateroom schweben ließ, wie eng es hier war. Ihr war ein wenig unbehaglich zumute, kontrollierte noch einmal sicherheitshalber die Anzeigen, um sicherzugehen, daß sie den Gleiter auch nicht gegen eine Wand fahren würde.
„Miss Uruhk, Sie haben grünes Licht.“
Sie biß sich auf die Lippen und wählte mit dem Jumper-DHD die Adresse von R3Y-775 ein und wartete, bis das Wurmloch sich aufgebaut hatte, ehe sie langsam und sorgfältig näher an das Tor glitt. Der Autopilot übernahm die Steuerung. Seufzend lehnte sie sich zurück und ließ sich von der Erde zum Planeten am anderen Ende des Wurmlochs schicken, ehe sie die Steuerung wieder an sich brachte und eine Schleife flog, um an Höhe zu gewinnen.
„Faszinierend!“ Sage, der neben ihr auf dem Copilotensitz saß, starrte aus dem Fenster. „Sind Sie früher oft geflogen?“
Sie starrte auf die Hologrammanzeigen vor sich. „Solange es ging“, antwortete sie ausweichend. Schließlich wußte sie seit gestern, daß der Professor über sie nicht informiert war. Und sie wollte ihm nicht sagen, was es mit ihr auf sich hatte.
Um ehrlich zu sein, war sie im Moment fast soweit, daß sie am liebsten den Jumper genommen, ein anderes Gate angewählt und einfach verschwunden wäre. Seit sie auf der Erde angelangt war, war sie auf nichts als Widerstand getroffen, und allmählich überstieg dieser ihre Geduld. Sie wollte doch nur ein Leben, etwas, was ihr vor zehntausend Jahren nicht vergönnt gewesen war. Sie wollte Freunde, wenn sie schon keine Familie mehr hatte, sie wollte Vertrauen.
Aber immer nur Maßregelungen, unfähige Mitmenschen, viel zu lange sogar nicht einmal Zugang zum Tor. Es war fast ebenso schlimm wie damals auf Atlantis, als sie unter der Aufsicht des Rates stand.
Sie dachte kurz an das geheimnisvolle Gerät, da sprang der Bildschirm vor ihr auch schon um. Irgendwie schien es ihr einen Moment lang, als summe der Jumper ihr beruhigend zu. Das hatte er auch schon getan, als sie die Maschinen gestartet hatte.
„Ich werde mich vorsichtig annähern“, erklärte sie Sage. „Falls es die ... Waffe ist, die diesen Planeten in Stücke geschnitten hat, sollten wir es nicht darauf ankommen lassen. Wir sind zwar noch in den oberen Atmosphärenschichten, aber ...“
„Ist gut.“
Sie konzentrierte sich auf dieses finstere Etwas, das vor ihr schwebte. Der Bildschirm zoomte heran, so daß sie jede Kleinigkeit erkennen konnte.
Es sah aus wie eine Schachtel. Kein Schmuck, keine Verzierungen. Nur dieser schwarze Kasten, der da fast im Weltraum schwebte.
Sie stellte die Anzeigen um und las aufmerksam die Meldungen. „Keine Energiesteigerungen. Es sieht aus, als sei das Gerät abgeschaltet. Hoffen wir das beste.“
War es diesen Jumperflug tatsächlich wert, ihr Team aufs Spiel zu setzen? War dieser Kasten da vor ihr es wert?
Vashtu hielt von sich selbst als Wissenschaftlerin nicht sonderlich viel, doch sie wußte, sie konnte es mit ihrem Allgemeinwissen schon recht gut mit den heutigen Menschen aufnehmen. Sicher, sie war damals auf Atlantis einer mehr oder weniger geregelten Arbeit nachgegangen, hatte für den Rat, und damit auch für ihr Volk gearbeitet an Nahrungsersatzstoffen. Kein sonderlich ausfüllendes Thema, wenn man sie fragte.
Die Gentherapie, die sie sich selbst verabreicht hatte, hatte eigentlich ihr Vater entwickelt. Sie hatte ihr nur den letzten Schliff gegeben. Darin war sie immer gut gewesen, die Fehler anderer aufzuspüren und zu korrigieren. Aber vielleicht hätte sie schon vor zehntausend Jahren anders entscheiden sollen? Vielleicht hätte sie sich nicht auf Janus' Plan einlassen sollen? Vielleicht hätte sie sich für eine letzte Selbstmordmission auf eines der Wraith-Schiffe begeben sollen?
Der Jumper summte wieder leise.
Sie riß sich aus ihren Gedanken, wechselte wieder die Anzeige, während sie vorsichtig auf das Gerät zuhielt.
Soetwas hatte sie noch nie gesehen. Es wirkte nicht, als sei es von ihrem Volk erbaut, auch die Waffen der Goa'uld sahen anders aus. Zumindest die, die sie bis jetzt hatte sehen dürfen.
„Eigenartig. So etwas kenne ich nicht“, murmelte Sage neben ihr.
Sie ließ sich nichts anmerken, drosselte die Geschwindigkeit weiter hinunter.
Fliegen, das war schon immer ihr Traum gewesen. Seit sie das erste Mal in einem der Gleiter gesessen hatte, die die Menschen heute Puddlejumper nannten. Nachdem sie zum ersten Mal ein solches Gerät geflogen hatte, war schnell klar gewesen, daß sie eine Begabung für diese Maschinen hatte. Das hatte sie auch schon auf der Erde beweisen dürfen.
Sie wußte nicht, wer auf Atlantis in seinen Berichten über ihre Flugkünste geschrieben hatte. Irgendwie glaubte sie, es sei der Colonel gewesen. Zumindest war er sehr beeindruckt gewesen, nachdem sie einen Wraith-Aufklärer mit einem beschädigten Jumper zerstört hatte. Die AIs der Maschinen reagierten meist wohlwollend auf ihre Wünsche, wie sie es auch bei Sheppard taten. Die irdischen Fluggeräte dagegen ... Nun, zumindest half zureden.
Der Jumper stoppte.
Vashtu strich zärtlich mit dem Daumen über den Steuerknüppel.
„Okay, das Team soll sich bereit machen und in die Kanzel kommen“, sagte sie nach hinten gerichtet, wo sich SG-4 befand.
Die Männer kamen nach vorn, und sie ließ die Tür zwischen Cockpit und Passagierraum zugleiten.
„Bin bereit.“ meldete sich kurz darauf eine Stimme.
Sie nickte, ließ die Atemluft im Passagierabteil abpumpen und öffnete die Ladelucke.
War es all das hier wert gewesen? War es es wert, daß sie jetzt die Karriere von drei anderen riskiert hatte?
Vashtu meinte, einen kurzen mentalen Stupser zu spüren, hob eine Braue. Doch dann bemerkte sie nichts mehr.
Wenn sie sich nicht am Riemen riß, würde nicht nur sie darunter zu leiden haben. Und das nagte mehr an ihr, als sie eigentlich zugeben wollte. Die ganze Wahrheit, die Landry ihr gestern zu schlucken gegeben hatte, war ein zu großer Brocken für sie.
Sie wußte, wenn man ihren Leuten eine echte Chance einräumte, würden sie sie vielleicht doch zu nutzen wissen, zumindest hoffte sie das. Vor allem in Babbis hatte sie recht große Hoffnung. Nicht nur, daß er vom Wesen Rodney McKay ähnlich war, er war wirklich intelligent. Darum hatte sie ihn ja auch bei der Wanderung gestern mitgenommen. In ihm steckte Potenzial, er konnte groß werden, wenn man ihn ließ.
Nur leider war er ein schwieriger Charakter. Sie hatte gehofft, ihn halbwegs im Griff zu haben. Überließ man ihn sich selbst und gab ihm etwas zum Nachdenken, würde man recht schnell eine Antwort von ihm bekommen. Unter Druck neigte er etwas zur Hysterie, gab sich dann plötzlich aber auch wieder kühl und abgeklärt.
Sie dachte an die erste Mission zurück. Zunächst war sie nur verärgert gewesen über ihn und seine Art. Doch dann hatte sie etwas an ihm wahrgenommen, das ihr Interesse weckte. Und genau darum hatte sie ihn gestern dabei haben wollen. Und genau darum hatte sie Landry angelogen. Sicher, sie selbst hatte sich auch befleißigt gefühlt, etwas über dieses Phänomen herauszufinden, aber sie hatte eben auch Babbis eine Chance geben wollen.
Warum hatte sie ihm gestern abend nicht zugehört? Sein Lösungsansatz wäre sicher interessant gewesen.
„Noch immer keine Reaktion von dem Ding“, murmelte sie, als sie einen fragenden Blick auf sich ruhen fühlte.
„Bin gleich da“, meldete Corey Higgins, der Leader von SG-4.
Nein, ihr Team war kein Totalausfall, zumindest glaubte sie das nicht. Zu Wallace konnte sie eigentlich nicht wirklich viel sagen, ihn hatte sie noch nicht gut genug kennen gelernt. Aber Dorn und Babbis waren definitiv das eine oder andere wert. Dorn durch seine Erfahrung, Babbis gerade auch durch seine Jugend.
Sie war nun einmal hier, auf der Erde im 21. Jahrhundert, sie konnte nicht mehr zurück in das Atlantis ihrer Tage. Sie mußte nun einmal mit dem leben, was sie vorfand. Aber ihrer Gruppe pure Inkompetenz zu bescheinigen und sie abschieben zu wollen ... Nein, das hatte wirklich keiner verdient.
Vashtu fiel plötzlich etwas ein. Eine Kleinigkeit, die sie bisher noch nicht wirklich geklärt hatte: Bei ihrem ersten Einsatz auf dem Planeten des Warlords Bull dem Schlächter, hatte sie ihre P-90 zurücklassen müssen, weil sie nicht mehr viel Munition besaß. Als sie dann aber zu ihrem Team zurückkehrte, waren Schüsse aus eben dieser Waffe abgegeben worden. Dorn konnte es nicht gewesen sein, er hatte sein bewährtes Sturmgewehr benutzt, das hatte sie auch gesehen. Wallace kam für sie eigentlich auch nicht in Frage, nachdem sie ihn einmal auf dem Schießstand gesehen hatte. Da blieb eigentlich nur Babbis, der wie gelähmt am Abhang gehockt hatte, als sie die Senke endlich wieder betreten hatte.
Konnte er auf der einen Seite so abgebrüht sein und auf andere, Feinde, schießen, dann aber plötzlich wieder den hilflosen Wissenschaftler spielen? Sie wußte es nicht, doch irgendwie schien das zu ihm zu passen.
Der Jumper begann wieder leise zu summen.
Vashtu konzentrierte sich auf die Anzeigen vor sich, las sie mit wenig Interesse. Mehr als zu warten blieb ihr nicht. Ihr traute man inzwischen auch nicht mehr.
„Komme zurück.“
Sie nickte, bereitete sich vor.
Das Cockpit war eng, mit drei recht breitschultrigen Soldaten, dem Professor und ihr besetzt. Irgendwie freute sie sich inzwischen doch wieder auf den Rückflug, auch wenn er wesentlich länger sein könnte.
Keine Extra-Touren mehr!
Sie wartete, bis Higgins im Jumper war, dann ließ sie wieder Sauerstoff in das Abteil fließen und öffnete kurz darauf, als der Druck wieder ausgeglichen war, die Verbindungstür. Sie nahm Fahrt auf und steuerte den Gleiter zurück zum Tor, während der Professor bereits eifrig nach hinten eilte, um sich die Beute näher anzusehen.
„Wir beide haben es nicht leicht, was?“ wisperte sie dem Puddlejumper zu. Und wieder ertönte von irgendwo her ein beruhigendes Summen.

***

„Nun komm schon endlich!“ Babbis winkte seinem Kollegen und schlich sich in das Labor, gegenüber dem Lagerraum, in dem die beiden auf der Erde stationierten Jumper aufbewahrt wurden.
Wallace zögerte, blickte sich noch einmal um, dann aber tat er einen schnellen Schritt und schloß die Tür hinter sich.
„Was willst du denn hier?“ zischte er.
Babbis schaltete das Licht an und deutete auf den schwarzen Kasten, der auf einem Untersuchungstisch stand. „Da ist es. Das, was wir gemessen und berechnet haben. Das Ding hat Miss Uruhk heute von R3Y-775 geholt.“
Wallace zögerte, trat aber schließlich näher an den Kasten heran und musterte ihn interessiert. „Keine Öffnung, soweit festzustellen ist.“
Babbis glitt näher heran und beugte sich über das fremdartige Gerät. „Und trotzdem besteht der Verdacht, daß diese Apparatur für die Zerstörung von R3Y-775 verantwortlich ist. Und ich will herausfinden warum.“
Das, was die Antikerin gestern zu ihm gesagt hatte, nagte immer noch an ihm. Und jetzt wollte er ihr beweisen, daß ihr Vertrauen auch gerechtfertigt war und er durchaus mehr als nur heiße Luft produzieren konnte. Dieses Gerät sollte sein Studienobjekt sein. Er mußte nur schneller als Uruhk und Sage sein, dann hatte er eine Chance, endlich vom SGC ernst genommen zu werden.
Wallace tippte vorsichtig mit der Fingerspitze gegen den Kasten. „Fühlt sich warm an“, murmelte er.
„Würdest du sagen, daß es von den Antikern ist?“ Babbis holte seinen Palm-Top hervor und begann heftig zu tasten, um seine ersten Eindrücke festzuhalten.
„Sieht nicht so aus.“ Wallace blickte etwas ratlos zu ihm hinüber. „Was hast du vor?“
„Ich will Miss Uruhk beweisen, daß sie recht hat“, antwortete Babbis gedankenverloren. „Weißt du, sie ... Ach, nicht so wichtig.“
„Aber wir dürfen überhaupt nicht in der Anlage sein!“ Wallace sah sich nervös um. „Wenn wir nun irgendetwas falsch machen ...“
Babbis blickte auf. „Blödsinn. Wir passen auf, dann passiert nichts.“ Er schürzte die Lippen und schnippte mit den Fingern. „Sag mal, hast du dieses Gen?“
Wallace starrte ihn verblüfft an, schüttelte dann den Kopf. „Nein, warum?“
Babbis zuckte mit den Schultern.
Das allerdings ärgerte ihn. Er hätte gern einen Blick auf den Detektor geworfen, wenn dieser die Daten dieses Kastens las. Sicher würde die Antikerin nicht bemerken, wenn er sich das Gerät nur kurz auslieh - wenn sie es nicht wirklich die ganze Zeit am Körper trug wie diese merkwürdige Kette mit dem großen bläulich schimmernden Kristall.
Er blickte sich in dem Labor um und fand schließlich, was er suchte. Ein Spannungsmesser lag auf einem vollgerümpelten Tisch in der Ecke. Vielleicht gelang es ihm ja auf diese Weise, etwas herauszufinden.
„Nichts anfassen.“ Er hetzte hinüber und kramte das Gerät unter den anderen Werkzeugen hervor.
„Peter?“
„Sekunde.“ Ungeduldig zog er an dem Kabel.
„Peter!“
Ein durchdringendes Piepsen folgte auf den entsetzten Ausruf.
Babbis wirbelte herum und hielt den Atem an.
Der schwarze Kasten hatte sich von dem Tisch erhoben, rotierte nun um sich selbst. Giftig grüne Kabelstränge leuchteten durch das Gehäuse, und mit einem gemeinen Ticken schien sich etwas zu lösen in seinem Inneren.
„Was hast du wieder angestellt?“ Er stürzte zurück zum Tisch, versuchte, das Gerät mit den Händen einzufangen und schrie auf.
Die Oberfläche war heiß, brennend heiß.
„Was machen wir jetzt?“ Wallaces Stimme klang kleinlaut.
Babbis fuhr herum, nahm seinen Palm-Top wieder an sich und packte den anderen am Arm. „Erst einmal raus hier. Dieser Krach wird sicher nicht unbemerkt geblieben sein. Dann überlegen wir, wie wir diesen Schlamasel lösen können.“
Er hetzte zur Tür, öffnete sie und stürmte aus dem Labor hinaus. Da hörte er Schritte vom anderen Ende des Ganges.
Wallace immer noch hinter sich herziehend, raste er zur anderen Seite und stürzte in den Lagerraum. Schnell und so leise wie möglich schloß er die Tür hinter ihnen und lehnte sich mit keuchendem Atem dagegen.
„Und jetzt?“
Babbis biß sich auf die Lippen und horchte nach draußen. Da waren Stimmen, direkt auf dem Gang. Vielleicht wollte jemand zu den Jumpern.
Da fiel ihm das sanfte Licht auf, das diesen Raum beleuchtete. Stirnrunzelnd drehte er sich um und sah die Heckklappe des vorderen Jumpers, aus der ein sanfter Schimmer den Raum beleuchtete.
Wallace sah ihn groß an und folgte ihm kleinlaut, als er auf den Gleiter zuging, schließlich einstieg und sich aufmerksam umsah.
Ein leises, beruhigendes Summen drang an seine Ohren. Es schien aus dem Cockpit zu kommen.
Babbis staunte nicht schlecht. Es war das erste Mal, daß er einen atlantischen Puddlejumper von innen sah. Sonderlich komfortabel schien er zwar nicht zu sein, aber annehmbar. Die Bänke waren platzsparend an den Wänden angebracht, unter der Decke verlief offensichtlich ein Teil der Elektronik, mittels Klappen abgeschirmt. Ein schmaler Durchgang blieb in das Cockpit, der offensichtlich verschlossen werden konnte. Ein riesiges Frontfenster zog sich über die gesamte obere Fläche, während ein DHD in der Mitte der andersartigen Konsole leicht schimmerte.
Vorn war weniger Licht. Und eben das Summen.
Babbis runzelte die Stirn und schlich weiter, in den Durchgang hinein. Dann blieb er wie angewurzelt stehen und betrachtete die Gestalt, die auf dem Pilotensitz saß, den Kopf auf die Konsolen gesunken, ein Arm darunter. Vashtu Uruhk.
Plötzlich sprang die Beleuchtung wieder an, das beruhigende Summen schwoll etwas an und bekam einen anderen Klang.
Die Antikerin blinzelte verschlafen, richtete sich auf und gähnte. Mit beiden Händen fuhr sie sich durch ihr Haar, doch viel brachte das nicht.
„Miss Uruhk?“
Babbis sah, wie sie eine Sekunde erstarrte. Dann drehte sie sich langsam zu ihm um und sah ihn fragend an. „Was ... ? Wo kommen Sie denn her?“
„Ich ... wir ...“ Er zögerte, sah sie weiter an. Ihr Arm hatte die Haut ihrer Wange gerötet, das dunkle Haar war vom Schlaf an einer Seite etwas an den Kopf geplättet. Doch die ersten Strähnen lösten sich bereits wieder. Bald würde sie wieder aussehen wie mitten in einem Hurrikan.
In ihre lebhaften Augen trat ein wissendes Licht. „Sie haben etwas angestellt.“ Mit einem Ruck erhob sie sich, sah ihn an.
Babbis ging plötzlich auf, daß das Summen wieder verstummt war.
„Was ist passiert?“
„Wir wollten uns diesen Planetenkiller ansehen“, antwortete Wallace aus dem Abteil.
Die Antikerin wich zurück, das Gesicht mit einer fassungslosen Miene. „Jetzt sagen Sie mir bitte nicht ...“ Sie verstummte, hob flehend die Hände.
Babbis wußte nicht, was er sagen sollte, sah sie nur weiter an.
Ihre Augen weiteten sich. „Oh nein!“ entfuhr es ihr.
„Es war ein Unfall“, murmelte er.
Vashtu seufzte, sah kurz zur Kanzel hinaus. „Was ist passiert?“ wollte sie dann schließlich wissen.
„Äh, naja ... ich weiß es nicht. Der Kasten schwebte plötzlich und gab Geräusche von sich.“
„Er schwebte.“ Es klang nicht wie eine Frage. Verständnislos sah sie ihn an.
Babbis hob die Hände. „Ich habe das Ding nicht angerührt. Wallace stand am Tisch. Ich suchte etwas, womit ich es untersuchen konnte.“
Das Entsetzen wich Verärgerung. „Hat man Ihnen nicht klar und deutlich mitgeteilt, daß Sie nichts mehr mit der Sache zu tun haben?“
Babbis hob vorsichtig die Schultern. „Ich ... ich wollte helfen.“
Die Antikerin biß sich auf die Lippen, wieder glitt ihr Blick ins Leere. Dann nickte sie. „Kommen Sie, sehen wir uns den Schlamasel an, den Sie angerichtet haben.“
Gemeinsam gingen sie zur Tür zurück. Vashtu öffnete sie wie selbstverständlich, sie durfte ja auch hier sein, und ging hinüber in das Labor. Dabei aber sah sie sich aufmerksam um, winkte ihren beiden Begleitern schließlich, daß die Luft rein wäre und wartete, bis sie wieder in den anderen Raum geschlüpft waren, ehe sie ihnen folgte.
Der Kasten rotierte immer noch um sich selbst, das Ticken war inzwischen eindringlicher geworden. Und da war etwas oben an dem Kubus. Es sah fast aus wie ein Deckel.
Vashtu trat an das Ding heran und betrachtete es genau. Dann zog sie ihren Detektor aus der Tasche und schaltete ihn ein. Ihre Augenbrauen flogen Richtung Haaransatz, als sie die Werte betrachtete.
„Donnerwetter!“ Babbis reckte den Hals und betrachtete ebenfalls die Anzeige.
Das Energievolumen stieg immer mehr.
Sie steckte das Gerät wieder ein.
„Was haben Sie angefaßt?“ fragte sie schließlich.
„Ich habe ... gar nichts!“ Wallace sah sie verzweifelt mit geballten Fäusten an. „Ich habe nur einmal kurz meinen Finger darauf gelegt, mehr nicht.“
Skeptisch sah sie den jungen Wissenschaftler an, drehte sich dann zu Babbis um, der sich eifrig Notizen auf seinem Palm-Top machte. „Und Sie?“
Babbis reagierte einen Moment lang nicht, bis sie ungeduldig gegen das kleine Gerät in seinen Händen schlug, nicht fest, aber ausreichend, daß er in seiner Konzentration gestört wurde. „Was haben Sie angefaßt?“
„Ich habe nur versucht, es wieder auf den Tisch zu stellen. Ist verteufelt heiß.“
Die Antikerin nickte und sah sich den leuchtenden Kasten ratlos an.
Sie hatte immer noch keine Ahnung, mit was sie es zu tun hatten. Nur eine kleine, aber behaarliche Stimme sagte ihr, sie solle die Beine so schnell in die Hand nehmen, wie sie nur könne. Das Ticken behagte ihr vor allen Dingen nicht, ebensowenig wie die fremdartigen giftgrünen Zeichen auf dem Kasten.
„Kommt es von Ihrem Volk?“ fragte Babbis aufgeregt.
„Nein. Diese Technik kenne ich nicht.“ Vorsichtig näherte sie sich dem Kasten, prallte dann aber zurück, als eine Entladung sie traf. Nicht schwer, aber immerhin ausreichend, um Respekt vor dem Ding zu haben.
Wieder holte sie ihren Detektor hervor und betrachtete die Anzeigen. Dann ging ihr auf, was hier gerade geschah.
„Das Ding wird sich selbst zerstören!“
Babbis und Wallace starrten sie entsetzt an.
„Scheiße!“ entfuhr es ersterem endlich.
Vashtu sah sich in fliegender Hast nach irgendetwas um, womit sie dieses Ding hier entfernen konnte. Anzufassen wagte sie es nicht. Dann kam ihr ein Gedanke.
Sie fischte einen Metallstab aus einem Haufen Schrott und tippte den Kasten damit an. Sofort glühte das Ende rot auf.
Gut, was auch immer es war, es war heiß. Soviel stand fest. Und wenn sie nicht sah, daß sie es so schnell wie möglich von hier entfernte, konnte der gesamte Komplex in die Luft fliegen.
„Tür öffnen, schnell!“
Wie eine Billiardkugel schob sie den Kasten mit der Stange vor sich her, zurück in das Jumperlager. Dort verfrachtete sie es in den ersten, in dem sie geschlafen hatte und drehte sich um. „Und Sie beide, Sie verschwinden, so schnell es geht, klar?“
Die beiden Wissenschaftler nickten.
„Wir reden noch darüber.“ Damit schloß sie die Hecklucke, sprang auf den Pilotensitz.

***

Eine Vene auf Landrys Stirn zuckte, als er sie versuchte niederzustarren.
„Und es hatte natürlich auch gar nichts damit zu tun, daß sich zwei Mitglieder Ihres Teams just zu dem Zeitpunkt in dieser Anlage aufhielten, als Sie sich den Jumper 'ausgeliehen' und die Waffe durch das Gate gebracht haben, richtig?“
Vashtu nickte. „Ja, Sir. Es war meine Schuld. Ich wollte noch etwas an der Mine arbeiten. Dabei muß ich den Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst haben. Ich hatte keine Zeit, irgendjemanden zu informieren.“
„Eine Mine also, soso. Und seit wann wissen Sie das?“
„Seit dem Moment, als sie losging, Sir.“ Sie zuckte mit den Schultern und zog ein schuldbewußtes Gesicht.
Landry beugte sich über seinen Schreibtisch. „Miss Uruhk, Sie sind eine schlechte Lügnerin.“
„Sir, ich kann Ihnen nichts anderes sagen als das, was geschehen ist. Wenn jemand aus meinem Team zufällig in der Anlage war, so weiß ich nichts davon. Ich hatte alle Hände voll zu tun.“
„ R3Y-775 kann nicht mehr angewählt werden. Wir haben also nicht die blaßeste Ahnung, was passiert ist. Sie haben uns eine wichtige Waffe gekostet, Miss Uruhk, eine verdammt wichtige Waffe!“
Vashtu senkte den Kopf. „Ja, Sir, das ist mir klar.“ Sie seufzte schwer. „Wenn Sie also beschließen, mich nach Antarktica zu schicken, möchte ich Sie wenigstens bitten, SG-27 nicht aus dem aktiven Dienst ausscheiden zu lassen. Niemand außer mir trägt die Schuld an dem, was geschehen ist, Sir.“
Sie fühlte Landrys Blick auf sich, sank noch tiefer in den Stuhl hinein.
„Das einzige, was ich Ihnen glaube ist, daß Sie diese sogenannte Mine fortgeschafft haben, Miss Uruhk. Aber gut, wenn Sie so unbedingt die Konsequenzen tragen wollen ...“ Landry griff nach seinem Telefon und wählte eine Nummer.
Vashtu seufzte schwer, knetete mit den Händen ihre Knie.
Aus der Traum. Aber vielleicht hatte sie zumindest eines geschafft: Das ihr Team weiterhin Einsätze auf Fremdwelten ausführen konnte.
„Sir, hier Landry, SGC. Es gab einen Zwischenfall, an dem Miss Uruhk beteiligt war ...“

***

Als Vashtu gut eine Stunde später ihr Büro betrat, blieb sie wie erstarrt stehen und sah in drei sehr ernste Mienen.
Dorn saß auf dem Stuhl vor ihrem Schreibtisch, Wallace auf dem alten, zerschlissenen Sofa, das sie aus einem der Lagerräume erbeutet hatte und Babbis, offenbar mit einer unruhigen Wanderung beschäftigt gewesen, starrte ihr aus der Mitte des Raumes entgegen.
Vashtu schloß leise die Tür hinter sich, betrachtete ihren zusammengewürfelten Haufen mit leicht geneigtem Kopf, die Arme vor der Brust gekreuzt.
„Es war meine Schuld, Miss Uruhk“, meldete Wallace sich schließlich zu Wort. „Ich wollte nur sagen ...“ Er verstummte unter ihrem eindringlichen Blick.
Vashtu nickte langsam, ging dann zu ihrem Schreibtisch und ließ sich dahinter nieder. Sehr konzentriert begann sie, in einer Schublade zu kramen.
„Was geschieht jetzt?“ ließ Dorn sich vernehmen.
Vashtu richtete sich wieder auf, fixierte nun Dorn. Der hielt ihrem Blick stand. Dann begann er breit zu grinsen.
Babbis trat zögernd näher. „Miss Uruhk, es tut mir leid.“
Sie sah ihn kurz an, schob dann die Schublade wieder zu und faltete die Hände auf der Arbeitsfläche. „Es wird sich in Zukunft einiges ändern, meine Herren“, sagte sie mit fester Stimme.
Babbis schluckte. „Antarktica, Mam?“
Sie sah ihn noch einmal kurz an, hob dann stolz den Kopf. „Und wenn ich sage, es wird sich einiges ändern, dann meine ich das auch so. Wallace, Sie werden nie, nie, niemals wieder irgendein außerirdisches Gerät anfassen, es sei denn, ich persönlich erlaube es Ihnen. Verstanden?“
Der Wissenschaftler nickte mit puterrotem Gesicht.
Vashtu wandte sich wieder Babbis zu. „Dr. Babbis, erwische ich Sie noch einmal außerhalb Ihres Dienstes in dieser Anlage, schleife ich Sie persönlich zu General Landry. Und sollte Ihnen noch einmal in den Sinn kommen, eine außerirdische Technologie erforschen zu wollen, fragen Sie zunächst einmal mich.“
Babbis nickte stumm.
Vashtu wandte sich jetzt Dorn zu. „Serge, für Sie tut es mir ehrlich leid. Aber auf Ihren wohlverdienten Ruhestand müssen Sie wohl noch ein bißchen warten. Aber lassen Sie niemals wieder diese beiden Herren aus den Augen, nie wieder! Sollten sie noch einmal so etwas auch nur in Erwägung ziehen, haben Sie meine Erlaubnis, die beiden mit Waffengewalt davon abzuhalten.“
Dorn lehnte sich amüsiert zurück. „Schon klar, Mam.“
Vashtu erhob sich, fixierte noch einmal jeden des Teams einzeln. „Sollte soetwas noch einmal vorkommen, und das können Sie alle ruhig wissen, wird SG-27 aufgelöst und ich sitze auf Antarktica. Und wenn es einen Kontinent auf der Erde gibt, den ich ganz sicher nicht betreten möchte, ist es dieser. Eine letzte Chance bleibt uns also noch, und ich denke, wir alle wollen sie nutzen.“ Sie schwieg, sah wieder von einem zum anderen. „Damit auch das klar ist, ich werde nie wieder irgendeinen Fehler von einem von Ihnen auf meine Kappe nehmen. Niemals, verstanden? Wer von jetzt an Fehler macht, hat selbst dafür gerade zu stehen.“
Über Babbis' Gesicht huschte ein Lächeln. „Dann bleiben Sie also bei uns?“
Vashtu nickte ernst. „Ja, ich bleibe, zumindest noch. General Landry und ich sind überein gekommen, daß wir vier die nächsten Wochen nutzen werden, um uns besser auf zukünftige Aufgaben vorzubereiten. Wir sollen ein Team sein, keine Chaotentruppe, so der Wortlaut des General. Ich hoffe, daß ist bei Ihnen allen angekommen. Sobald sicher ist, daß wir, und zwar wir alle, soweit sind, werden uns neue Fremdwelteinsätze übertragen werden. Wir werden also wieder durch das Stargate gehen dürfen. Aber zunächst einmal werden wir trainieren und uns besser kennenlernen - in einem Überlebenscamp der Army.“
Ein Stöhnen von den beiden Wissenschafltern, dann aber Ruhe.
Sie setzte sich wieder und sah noch einmal in die Runde.
Wallace schien erleichtert zu sein, Babbis strahlte und Dorn schmunzelte sie an.
„Dann machen Sie sich bereit. Morgen früh geht es los. Weggetreten!“

ENDE

08.11.2009

1.02 Der Planetenkiller I

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (SG-27)
Genre: humor, scifi, action
Rating: PG
Author's Note: In der zweiten SG-27-Story ging es mir darum, die Interaktion der einzelnen Mitglieder des Teams zu zeigen und Vashtus andere Seite zu zeigen. Sie ist ja nicht nur Kämpferin, sondern auch Wissenschaftlerin, und hier wird ihre Neugier geweckt. Zudem beginne ich damit, "mein" Stargate vorzubereiten. Also, etwas, was hier vorkommt, sollte man sich vielleicht merken *zwinker*.



Die Sonne schien warm vom Himmel, eine sanfte Brise strich über die Wiesen und ließ die Blätter an den Bäumen rauschen. Nicht weit entfernt wiegte sich das fast reife Korn im Wind. Eine schmale, unbefestigte Straße wand sich durch dieses Idyll. Tiefe Wagenspuren hatten sich in die, von der Sonne gebleichten Erde gegraben.
Über diese Straße wanderten zwei Gestalten, die so gar nicht in diese Landschaft zu passen schienen: Ein schlacksiger Mann in Militärjacke, der einen Rucksack auf dem Rücken trug und dadurch leicht nach vorn gebeugt ging, was ihm das Aussehen eines stacksenden Storchs verlieh. Und eine schlanke Frau in Schnürstiefeln, Militärhose und einem schwarzen T-Shirt, worüber sie eine Überlebensweste trug. Eine P-90 hing von der Weste, auf der sie beide Arme locker gestützt hatte. Auf ihrer Nase saß eine dunkle Sonnenbrille und die Brise strich durch ihr wirres kurzes Haar, zerzauste es mit der Sanftheit eines Liebhabers noch weiter.
Vashtu Uruhk reckte das Kinn in die milde Luft und ging mit halbgeschlossenen Augen entspannt weiter. „Ich liebe das einfach: Die Sonne scheint, eine laues Lüftchen weht dir um die Nase und du kannst einfach entspannen. Vielleicht sollte ich auf diesem Planeten meinen Urlaub verbringen.“ Sinnend lächelte sie, ließ mit ihren schmalen Augenschlitzen den Weg vor ihnen jedoch nicht aus den Augen.
„Ich habe empfindliche Haut“, murrte Dr. Peter Babbis an ihrer Seite, ruckte an den Gurten des Rucksacks. „Bestimmt pellt sich bald meine Nase.“
„Kommen Sie, Dr. Babbis, so furchtbar ist es hier nun auch wieder nicht. Wir hätten es schlimmer treffen können als den Antanern einen Teil ihrer Ernte abzuschwatzen.“
Babbis knurrte etwas unverständliches. „Warum haben Sie mich eigentlich mitgenommen?“
Vashtu grinste. „Sollte ich etwa Wallace mitnehmen?“
„Er ist der Agrarwissenschaftler, nicht ich.“
Sie nickte. „Aber bei ihm besteht immer die Gefahr einer Katastrophe, Dr. Babbis. Bei Ihnen habe ich da etwas mehr Vertrauen. Sie können nur unausstehlich sein.“
Babbis starrte sie einen Moment lang sprachlos an, dann reckte er den Hals. „Ich bin nicht unausstehlich, sondern nur gewissenhaft und ehrlich.“
Vashtus Mundwinkel zuckten. „Natürlich, Doc.“
„Sie benehmen sich schon wieder ...“
„Danke für das Kompliment.“ Sie grinste wieder breit.
Die Straße verlief nun eine sanfte Steigung hinauf. Dahinter, so hatte man ihnen mitgeteilt, sollte das Dorf der Antaner liegen.
„Wollen Sie eigentlich nicht wieder Ihren komischen Apparat herausholen?“ Babbis reckte den Hals.
„Meinen Energiedetektor? Wozu?“ Sie atmete die frische, würzige Luft tief ein. „Auf dieser Welt leben Menschen, die sich gerade auf dem Stand des Mittelalters bewegen. Ich rechne nicht mit einer großen Energiequelle. Sie etwa?“ Sie warf ihm einen scheelen Blick zu.
Babbis kniff die Lippen zusammen.
Vashtu blickte wieder nach vorn. „Natürlich, in der Pegasus-Galaxie gibt es die Genii, die sich nach außen auch wie im Mittelalter benehmen“, warf sie ihm den nächsten Brocken hin.
„Genii?“
Vashtu nickte. „Aber da es keine Wraith in der Milchstraße gibt, dürfte die Gefahr relativ klein sein, hier auf irgendwelche verborgenen Techniken zu stoßen.“
„Sie wollen mich wieder einmal auf den Arm nehmen.“ Babbis schnaubte.
Vashtus Brauen zuckten, doch jetzt schwieg sie und ging entspannt weiter, die Steigung hinauf.
„Was hat es mit diesem Detektor eigentlich auf sich? Warum machen Sie ein so großes Geheimnis daraus?“ bohrte Babbis weiter.
„Weil er aus Atlantis ist, deshalb. Und jetzt können sie zu Landry gehen und mich verpetzen. Ich habe ihn eingesteckt, als ich herkam. Meines Wissens sind die einzigen Detektoren auf der Erde in den Händen der Wissenschaftler, die die Geräte auseinandernehmen. Und genau darum lasse ich meinen gern mein Geheimnis sein. Sie hätten ihn eigentlich gar nicht sehen sollen, Doc.“ Sie schob sich die Sonnenbrille auf die Nasenspitze und blinzelte ihm verschwörerisch zu. „Anfangen können Sie sowieso nichts mit ihm. Er funktioniert nur bei Menschen, die das ATA-Gen tragen - und bei Antikern.“
„Und woher wollen Sie wissen, ob ich nicht auch das Gen trage?“ brauste Babbis auf.
Vashtu grinste, schob die Sonnenbrille wieder vor die Augen. „Haben Sie sich testen lassen?“
Babbis verstummte plötzlich.
Vashtu nickte, reckte ihr Kinn wieder gen Himmel. „Na also. Wie groß ist denn die Chance, daß Sie dieses Gen tragen? Meines Wissens nicht sehr groß. Ihr Menschen mögt ...“ Unvermittelt brach sie ab und hob den Arm.
„Ich habe mich nicht testen lassen, weil ich bisher keine Zeit dafür hatte.“
Unwillig schüttelte sie den Kopf und starrte nach vorn, den Arm noch immer zur Seite ausgestreckt, um Babbis aufzuhalten.
„Was ist denn?“ fragte der ungeduldig, richtete seinen Blick jetzt ebenfalls nach vorn.
„Das i s t ungewöhnlich“, sagte Vashtu ruhig und musterte das gewaltige Nichts, das sich vor ihnen ausbreitete.
Dort, wo ihrer Info nach hätte das Dorf der Antaner sein sollen, schien der Planet wie abgeschnitten. Sie konnte direkt in den Weltraum hineinsehen. Wenn sie sich über die Kante beugte, dessen war sie sicher, würde sie bis zum Kern blicken können, lehnte sie sich nur weit genug nach vorn. Es war, als habe jemand ein gewaltiges Stück aus diesem Himmelskörper geschnitten. Ein ziemlich gewaltiges Stück.

***

„Wozu brauchen Sie denn einen Geologen, Miss Uruhk?“ General Landrys Stimme klang mißtrauisch.
Vashtu verzog das Gesicht, kreuzte nachdenklich die Arme vor der Brust. „Tja, wie soll ich das sagen? Es gibt hier eine etwas merkwürdige Anomalie, Sir. Und die würde ich gern untersuchen lassen.“
„Sie sollen mit den Antanern einen Handel abschließen, Miss Uruhk, und nicht im Gestein wühlen“, entgegnete Landry.
Vashtu musterte das aktivierte Sternentor. Wenn er sie jetzt nur nicht von hier abzog! Sie wollte selbst herausfinden, was dieses Phänomen ausgelöst hatte. Und sie ahnte, wenn sie jetzt mit der Wahrheit herausrückte, würde sie schneller wieder auf der Erde sein, als ihr lieb war.
„Sagen wir, die Antaner haben mich auf diese Anomalie aufmerksam gemacht, Sir.“ Sie verzog das Gesicht wieder wegen der dicken Lüge, die sie ihm da gerade aufgetischt hatte. „Und wir würden gern herausfinden, um was es sich handelt.“
„Lügen Sie mich an, Miss Uruhk?“ Landrys Stimme klang weiter mißtrauisch.
„Ich doch nicht, Sir!“ Sie kreuzte zwei Finger hinter ihrem Rücken und bemerkte Dorns amüsierten Blick.
Der Marine hatte es sich neben dem Gate gemütlich gemacht und sich jetzt während ihres Funkkontaktes interessiert aufgesetzt. Wahrscheinlich hörte er jedes Wort mit.
Landry seufzte. „Um was für eine Anomalie handelt es sich?“
Vashtu zögerte. Jetzt durfte sie keinen Fehler machen, sonst landete sie schnurstracks wieder auf der Erde. „So eine Art Einschlag, Sir. Keine Ahnung, was das war.“
„Soso, Sie wissen also nicht, was auf einem Planeten einschlagen kann, wie?“
„Ein Asteroid war es nicht, Sir, soviel kann ich sagen. Und eben deshalb würde ich das gern von einem Geologen überprüfen lassen. Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben, Sir, General, Sir.“
„Also gut, ich schicke Ihnen Professor Sage. Er wird in einer knappen Stunde eintreffen. Können Sie damit leben?“
Vashtu grinste breit. „Ja, Sir.“
„Und in fünf Stunden möchte ich Sie, Ihr Team und den Professor gern wohlbehalten und gesund wieder hier im SGC sehen, Miss Uruhk. Ist auch das angekommen?“
„In fünf Stunden kehren wir zurück, Sir, verstanden. Uruhk Ende.“ Sie unterbrach die Verbindung des Stargate und seufzte erleichtert.
„Ganz schön dicke Lüge, Mam“, ließ Dorn sich vernehmen.
Sie warf dem Marine einen Blick zu. „Was wäre denn passiert, wenn ich die Wahrheit gesagt hätte, Serge? Man hätte uns sofort zurückbeordert.“
Dorn nickte stumm.
„Landry traut uns nichts zu, das ist eine Tatsache. Und ich würde gern etwas an unserem Ruf im SG-Center arbeiten“, setzte sie hinzu.
Dorn hob die Brauen.
„Ich weiß, was Sie denken. Unsere beiden Anhängsel ... wo sind die eigentlich?“ Forschend blickte sie sich um, fand die beiden Wissenschaftler schließlich am Rande eines Feldes und seufzte erleichtert.
„Wallace ist nicht von dieser Welt“, bestätigte Dorn ruhig.
„Und Babbis leidet unter einem etwas übersteigerten Selbstwertgefühl, wenn Sie mich fragen. Aber leider kenne ich jemanden, den diese Diagnose ebenfalls trifft - im noch schlimmeren Maße.“ Sie setzte ihre Sonnenbrille wieder auf und blinzelte in den Himmel hinein. „Solange ich ihn in meinem Team habe, kann ich ihn vielleicht ein bißchen stoppen. Dann wird er nicht ganz so unausstehlich wie McKay.“ Sie blickte auf ihre Armbanduhr und kontrollierte noch einmal den Sonnenstand. „Wir haben noch fast den ganzen Tag. Ich gehe schon einmal vor und sehe mir diese Sache noch einmal an, Serge. Wenn der Professor kommt, schicken Sie ihn mir bitte nach.“
Dorn brummte zustimmend.

***

Vorsichtig näherte sie sich der Bruchkante, lugte hinüber und betrachtete das schwarze Nichts des Weltalls unter sich. Mit der Lampe der P-90 versuchte sie, etwas Licht in das dunkle Gestein zu bringen, aber dafür hatte sie definitiv den falschen Platz gewählt. Sie konnte kaum etwas sehen, abgesehen davon, daß diese Kante scharf geschnitten wie mit einer Rasierklinge war.
Sich auf die Lippen beißend trat sie einen Schritt zurück, harkte die Waffe wieder ein und holte den Detektor aus ihrer Brusttasche. Vashtu hob überrascht die Brauen, als das Gerät plötzlich wie irr begann zu piepen und einen riesigen Energiekleks anzeigte - über ihr.
Wo kam denn eine solche Anzeige her? Noch dazu auf einer Welt, deren einzige Bewohner noch nicht einmal das Schießpulver erfunden hatten.
Sie legte den Kopf in den Nacken und blickte gen Himmel, kniff die Augen zusammen. War da nicht ein ein finsterer Punkt im schwarzen Weltraum? Sie hob den Detektor und richtete ihn auf den vermeintlichen Flecken. Und tatsächlich sprang das kleine Antikergerät darauf an.
Gut, da oben war also die Energiequelle. Das allerdings war ein kleines Problem, denn sie war hier unten. Und dieser Punkt sah nicht so aus, als käme er auf gutes Zureden zu ihr hinunter.
Voller Sehnsucht dachte Vashtu an den Puddlejumper, der, in seine Einzelteile zerlegt, in einem Lagerraum des SGC stand. Oder noch besser, an die reich gefüllte Base auf Atlantis. Was würde sie jetzt nicht darum geben, wenigstens ein Fluggerät zu haben, und sei es nur eine F-302!
Seufzend steckte sie den Detektor wieder ein und hockte sich hin, so nahe an der Abbruchkante wie möglich. Mit den Fingern fuhr sie vorsichtig über die Kante. Ein absolut sauberer Schnitt, als hätte den Planeten, wie ein irdischer Apfel, ein Messer geschnitten. Weder konnte sie eine Verbrennung erkennen noch erfühlen. Es war, als sei ungefähr ein Viertel des Himmelskörpers einfach ... ja, was?
Als sie Schritte hinter sich hörte, erhob sie sich wieder und drehte sich stirnrunzelnd um. „Professor Sage?“ fragte sie, als sie den Mann in mittleren Jahren sah, der über die Straße zu ihr hochkeuchte.
Der nickte, wischte sich mit einem Tuch über die schweißbedeckte Stirn. „Sehr erfreut. Wir kennen uns, glaube ich, noch nicht.“
Sie trat näher, nahm ihn den Gerätekoffer ab, den er offensichtlich vom Gate bis hierher geschleift hatte. „Sie hätten Sergeant Dorn oder Dr. Babbis mitnehmen sollen“, tadelte sie ihn sanft, stellte den Koffer an einer relativ ebenen Stelle ab.
Sage musterte sie stirnrunzelnd. „Sie habe ich wirklich noch nie gesehen. Wo ist denn Ihre Uniform?“
Vashtu lächelte verschmitzt. „Ich gehöre nicht zum Militär, Professor, zumindest nicht richtig. Ich habe keinen Rang. Vashtu Uruhk, sehr erfreut.“ Sie hielt ihm ihre Rechte hin.
„Gleichfalls, gleichfalls.“ Sage ergriff ihre Hand und schüttelte sie. Angenehm überrascht stellte sie fest, daß er einen festen, aber nicht zu festen Druck auf ihre Finger ausübte. Seine Handfläche war zwar etwas feucht, aber immerhin hatte er den Koffer bis hierher geschleppt.
Jetzt pulte der Professor eine Brille aus seiner Brusttasche und setzte sie sich auf die Nase. „Und was für eine Ano...“ Ihm blieb der Mund offen stehen, als sie einen Schritt zur Seite trat.
„Ich würde sagen, entweder da hatte jemand einen riesigen Hunger oder wir haben es hier mit einer Technologie zu tun, die ich nicht kenne“, sagte sie, drehte sich jetzt ebenfalls wieder um und betrachtete das Nichts, das sich bis in weite Fernen erstreckte. „Und ich kenne vieles, Professor, das können Sie mir glauben.“
„Wie ist das möglich?“ Sage blinzelte einige Male und schüttelte den Kopf. Staunend trat er näher an die Abbruchkante heran und sah nach unten. „Unglaublich!“
„Vielleicht hat auch ein Schüler ein Modell für die Schule gebraucht?“ Vashtu kratzte sich hinter dem Ohr. „Wie auch immer, die Antaner mitsamt ihrem Dorf sind weg, und darüber hinaus alles bis hinunter zum Kern. Über ein Viertel dieses Planeten ist verschwunden. Und ich habe keine Ahnung, wie und warum. Und darum habe ich Sie verlangt, Professor.“
Sage drehte sich zu ihr um. „Bis zum Kern?“ fragte er entgeistert.
Sie nickte, trat wieder vorsichtig an die Kante heran und deutete nach unten. „Wenn Sie genau hinsehen, können Sie das schwache Leuchten wahrnehmen. Ich schätze, diese Katastrophe ist noch nicht allzu lange her. Der Planet ist nicht einmal aus seiner Bahn gekommen, und die Atmosphäre scheint zwar dünner zu werden, ist aber noch weitestgehend intakt.“
„Aber er wird instabil werden.“ Sage wandte sich ab und trat zu seinem Koffer.
„Davon ist auszugehen, Professor.“ Vashtu sah wieder zweifelnd in den Himmel und versuchte, das schwarze Ding wiederzufinden, daß sie mittels Detektor aufgespürt hatte.
„Dann bleibt uns nicht viel Zeit.“
„Stimmt.“ Zweifelnd betrachtete sie den Sonnenstand.

***

„Wie bitte?“ General Landry blickte verwirrt von einem zum anderen. Dann verfinsterte sich sein Gesicht. „Miss Uruhk!“
So unschuldig wie möglich blickte sie auf. „Sir?“
Wütend starrte der Leiter des SGC sie an. „Sie haben mich angelogen, Miss Uruhk. Sie haben mich willentlich angelogen.“
Vashtu biß sich auf die Lippen und senkte den Blick. „Sir, wenn ich erklären dürfte ...“
„Dürfen Sie nicht. SG-27 ist aus dieser Sache raus, auf der Stelle!“
„Ich fürchte, General, das wird nicht so einfach sein“, warf Professor Sage ein. „Wie ich schon sagte, wir brauchen einen der Puddlejumper von Atlantis, um an den Auslöser des Phänomens heranzukommen. Und meines Wissens ist der einzige Mensch, der diese Geräte wirklich bedienen kann, Miss Uruhk.“
Landry starrte sie nieder, so daß sie kaum wagte, den Kopf wieder zu heben.
„Es wird sich jemand anderes finden. Die Gate-Bridge ist einsatzbereit, wenn auch nicht bequem. Wir lassen jemanden von Atlantis kommen“, sagte der General bestimmt.
„Miss Uruhk ist aber bereits eingearbeitet“, wandte Sage ein. „Sie hat sehr gut mit mir zusammengearbeitet und kennt sich in der Materie offenbar gut aus. Ich fände es bedauerlich, wenn ich das jetzt mit jemand anderen wiederholen müßte.“
Landrys Augen wurden schmal, seine Brauen schoben sich noch mehr zusammen.
„Ich bin Wissenschaftlerin, General“, wagte Vashtu endlich zu bemerken. „Sie kennen doch meine Akte.“
„Allerdings ...“
Das war der einzige Pluspunkt, den sie vorweisen konnte. Und sie konnte nur hoffen, daß Landry doch einlenkte.
„Wir haben nicht viel Zeit, General“, wandte Sage ein, „die Atmosphäre des Planeten wird immer instabiler. Bald wird er aus seiner Bahn gerissen, dann werden wir gar nichts mehr finden, weil wir schlichtweg nicht mehr zu ihm kommen werden. Wir sollten die wenige Zeit nutzen, die uns noch bleibt.“
Landry richtete sich auf, starrte immer noch die Antikerin an. „SG-4 wird die Sicherung übernehmen, Professor“, entschied er. „SG-27 wird auf der Stelle vom Planeten abgezogen, ehe noch ein Unglück geschieht.“
Vashtu kniff die Lippen zusammen und nickte.
Genau, wie sie es erwartet hatte. Landry traute ihren Männern noch weniger zu als sie selbst. Sie glaubte zwar nicht, daß sie es mit ihrer Lüge noch wesentlich schlimmer gemacht hatte, aber auch nicht wirklich besser. Sie hatte gehofft, Landry würde einlenken, wenn er die Daten, die Sage und sie gesammelt hatten, sehen würde. Sie wollte wieder nach R3Y-775 und dieses was-auch-immer finden und untersuchen. Sie hatte andere Methoden als die Menschen auf der Erde, und vielleicht ...
„Sir!“ Sie hob den Kopf und erwiderte sein Starren. „Wenn ich mich nicht sehr irre, ist mein Team zufällig über etwas gestolpert, daß uns im Kampf gegen die Ori behilflich sein könnte. Vielleicht handelt es sich um eine Waffe, die stark genug ist, gegen sie zu bestehen.“
Landrys Starren verwandelte sich in Verwirrung. „Was wollen Sie damit sagen?“
„Bis jetzt haben Sie nur mich und den Stuhl auf Antartica, Sir. Das bißchen anderes, was es gibt, können wir nicht ernst nehmen. Aber mit diesem ... diesem Planetenkiller ... Er war stark genug, um irgendwie ein Stück aus R3Y-775 herauszuholen. Was würde er dann erst mit einem Schiff der Ori anrichten? Soweit ich feststellen konnte, handelt es sich um eine relativ kleine Einrichtung, eine Waffe im Taschenformat sozusagen. Und wir wissen nicht, ob sie vielleicht noch aktiviert ist. Was wollen Sie also tun, um sie einzusammeln? Professor Sage braucht einen Assistenten, und wir brauchen einen Kampfpiloten, um an diese Waffe heranzukommen. Wollen Sie das wirklich riskieren?“ Sie hob die Brauen.
Landry sah sie weiter an. „Sie wollen damit sagen ... ?“
„Ich bin prädestiniert, Sir, das will ich damit sagen. Fragen Sie auf Atlantis, wen sie wollen, lesen Sie die Berichte über meinen Aufenthalt dort. Ich kann mit einem Jumper umgehen wie vielleicht noch Lt. Colonel Sheppard inzwischen. Ist diese Waffe noch aktiviert, riskiert der mögliche Pilot sein Leben. Jumper sind nicht so wendig wie eine F-302, Sir. Man muß schon sehr gut mit ihnen umgehen können, um mit ihnen auch nur in die Nähe dieses Dings zu kommen.“
„Soso, Sie sind also die beste Wahl.“
Vashtu nickte. „Und mein Team kennt sich bereits auf dem Planeten aus.“ Sie beugte sich vor, faltete die Hände vor sich auf dem Tisch und streckte die Arme weit von sich. „Sir, ich habe ja gar nichts dagegen, wenn Sie ein zweites Team zur Verstärkung mitschicken. Aber geben Sie SG-27 doch wenigstens eine Chance. Ich habe meine Männer im Griff, glauben Sie mir.“
Landry drehte sich zu Sage um. „Würden Sie uns bitte allein lassen, Professor?“
Der nickte, wischte in aller Eile seine Unterlagen zusammen und verließ dann den Besprechungsraum.
Landry wandte sich wieder Vashtu zu, fixierte sie ernst. „SG-27 wurde reaktiviert, weil die Erde Sie braucht, Miss Uruhk“, erklärte er. „Ich denke, Ihnen ist inzwischen klar geworden, daß diese ganze Sache mit Ihrem Team nichts weiter als eine Beschäftigungstherapie für Sie ist. Sergeant Dorn sollte eigentlich in den Ruhestand gehen, ehe General O'Neill an mich herantrat mit dem Vorschlag, Ihnen ein eigenes Team zuzugestehen. Dr. Babbis und Dr. Wallace sollten auf andere Einrichtungen verteilt werden und nie wieder durch das Stargate treten.“
Vashtu senkte den Blick und nickte.
„Was diese Gruppe unter Colonel Sheppard geleistet hat, war schlichtweg eine Katastrophe. Was Sie bisher als Leader gezeigt haben, halte ich für Ihr eigenes Tun, vielleicht mit der Hilfe von Sergeant Dorn, aber keinesfalls als Teamwork wie es bei den anderen SG-Einheiten der Fall ist. Sie sind auch weiterhin der Grund, warum SG-27 bestehen bleibt, aber, und das bei allem Respekt Ihrem Geschlecht und Ihrer Art gegenüber, ich werde nicht zulassen, daß Babbis oder Wallace sich in eine so wichtige Sache einmischen und wieder alles zunichte machen, haben Sie das verstanden? Dieses Team existiert nur wegen Ihnen. Und, und das sage ich Ihnen jetzt zum ersten und letzten Mal, Miss Uruhk, sollten Sie sich noch einmal auch nur die kleinste Kleinigkeit leisten, sei es Fehlverhalten wie heute oder schlichtweg Versagen, werde ich Sie nach Antarktica schicken und das Team endgültig auflösen. Haben Sie das verstanden?“
Vashtu hatte bei seinen Worten den Kopf wieder gesenkt, starrte auf ihre gefalteten Hände. Nervös knabberte sie an ihrer Unterlippe und nickte schließlich.
Landry lehnte sich wieder zurück und seufzte. „Gut, dann haben wir das geklärt. Und jetzt zu Ihrem Vorschlag: Ich werde Sie Professor Sage als Begleitung und Assistentin mitgeben. Sie werden Ihren Puddlejumper bekommen und diese Waffe, oder was immer es ist, einsammeln und zur Erde bringen. Aber das werden Sie allein tun, haben Sie das verstanden? Ihr Team ist raus aus dieser Sache. R3Y-775 wird außer Ihnen niemand mehr aus SG-27 betreten. Und Sie werden genau das tun, was der Professor Ihnen sagt. Ein noch so kleiner Fehler und Sie können Ihre Sachen packen und reisen nach Antarktica ab.“
„Ja, Sir.“ Vashtus Stimme klang heiser.

***

Babbis lief durch die Gänge, bis er schließlich vor der gesuchten Tür ankam. Er war wütend. Ohne nähere Begründung hatte man sie von R3Y-775 zurück auf die Erde beordert, gut zwei Stunden, nachdem Miss Uruhk mit Professor Sage das Tor durchtreten hatte. Und alles, was er inzwischen wußte war, daß sie bis auf weiteres außer Dienst gestellt waren.
Was hatte die Antikerin jetzt wieder angestellt? Von Dorn wußte er, daß sie wohl General Landry angelogen und so Zeit geschunden hatte. Aber irgendetwas mußte geschehen sein, daß man SG-27 jetzt komplett abzog. Dabei hatte er einige wichtige Daten gewinnen können und sich auf seine erste richtige wissenschaftliche Arbeit gefreut.
Ohne zu klopfen riß Babbis die Tür auf und rauschte in das Büro seiner Teamleaderin. Als er die Tür wieder schloß, klirrte das Milchglas.
Vashtu saß brütend an ihrem Schreibtisch, die Füße auf der Arbeitsfläche, die Arme vor der Brust gekreuzt. Jetzt blickte sie auf, doch ihre Augen wirkten noch ein wenig verschleiert.
„Was soll das?“ herrschte Babbis sie an, marschierte mit geballten Fäusten auf sie zu. „Was haben Sie getan?“
In ihrem Gesicht zuckte ein Muskel, doch sie sagte nichts, sah ihn nur an.
Babbis nahm vor ihr Aufstellung. Seine Kiefer mahlten. „Ich weiß, daß Sie sich insgeheim über uns lustig machen, Miss Uruhk. Aber das geht zu weit! Gerade hatte ich einige Daten gewonnen, dann werden wir abgezogen und außer Dienst gestellt. Ich bin hier als Wissenschaftler eingestellt, nicht zu Ihrer Belustigung!“
Sie sah ihn nachdenklich an, schwieg aber noch immer.
Das brachte ihn noch weiter gegen sie auf. „Oh ja, ich weiß. Die große, ach so intelligente Antikerin! Sie wissen wahrscheinlich schon wieder alles und haben es dem General mit dem netten Vermerk weitergegeben, was für Dummköpfe Sie doch in Ihrem Team haben! Aber ich lasse das nicht mit mir machen, Miss Uruhk, ich nicht!“
„Der größte Dummkopf bin immer noch ich.“
Allein der dumpfe Klang ihrer Stimme reichte, um Babbis stocken zu lassen. Ungläubig sah er sie an. „Was?“
Sie wandte den Blick von ihm ab, starrte wieder ins Nichts. „Gehen Sie, Babbis, lassen Sie mich bitte allein.“
Er war verwirrt.
Eigentlich war er hergekommen, überzeugt davon, daß sie ihn schon wieder ausgebootet hatte mit ihrem verfluchten, überlegenen Gehirn. Er hatte erwartet, daß sie ihn breit grinsend erwarten und sich über seine Langsamkeit lustig machen würde. Statt dessen fand er jetzt aber eine vor sich hinbrütende und zweifelnde Antikerin vor. Wie paßte das zusammen?
„Haben Sie nicht gehört? Lassen Sie mich bitte allein.“ Sie preßte kurz die Lippen aufeinander, starrte weiter dumpf vor sich hin. Endlich nahm sie die Füße vom Tisch, setzte sich gerade hin, die Hände auf die Lehnen gestützt. Ihre Finger gruben sich in das brüchige Leder. „Ich werde Ihnen und den anderen Bescheid geben, sobald ...“ Sie stockte, erhob sich und trat auf die andere Seite des Schreibtisches. Dort blieb sie, die Arme wieder gekreuzt, stehen und starrte auf die Wand.
„Was ist passiert?“ Babbis starrte sie immer noch an.
Irgendwie wollte diese Vashtu Uruhk nicht so zu der passen, die noch vor ein paar Stunden scherzhaft ihren Urlaub auf R3Y-775 plante. Oder zu der ernsthaften Wissenschaftlerin, deren Neugier befriedigt werden sollte und deshalb ihren Vorgesetzten anlog. Und diese Wandlung war beängstigend.
Ihr Rücken spannte sich an, dann senkte sie den Kopf. „Bitte gehen Sie, Dr. Babbis.“
Babbis öffnete den Mund, schloß ihn dann wieder und kniff die Lippen aufeinander.
Plötzlich ging ihm auf, daß sie sich oftmals hinter ihrem Humor versteckte. Sie wirkte zwar sehr offen, ihr Spott war ätzend und traf immer genau die richtige Stelle, aber von sich selbst hatte sie bisher recht wenig preisgegeben. Und das lag nicht daran, daß sie sich erst kurz kannten. Sie war schon knapp ein Jahr auf der Erde, und soweit er wußte, pflegte sie kaum Kontakte zu anderen, es sei denn hier im Stargate-Center. Der einzige, der offenbar etwas enger mit ihr befreundet war, war der Asgard Hermiod.
Und gerade jetzt schien sie einen Freund zu brauchen. Einen echten Freund, nicht einen Schachpartner. Jemanden, mit dem sie reden konnte.
Babbis wandte sich ab.
„Sie sind bis auf weiteres beurlaubt, wie auch die anderen vom Team.“ Ihre Stimme klang heiser bei diesen Worten.
Babbis blickte wieder auf. „Und Sie?“
Sie hob ihre Schultern, als erwarte sie einen Schlag, sagte aber nichts. Blieb einfach in dieser verkrampften Haltung stehen.
Babbis war das Antwort genug. „Der General ist hinter Ihre Lügen gekommen. Deshalb wurden wir abgezogen“, sagte er, beobachtete ihre Reaktion auf seine Worte und nickte schließlich. „Es hat Ärger gegeben.“
Sie drehte sich wieder um und sah ihn an. Ihre Augen schienen zu sprechen, doch er verstand ihre Sprache nicht.
Schweigen senkte sich über das Büro und drückte die beiden Anwesenden nieder. Es dauerte lange, sehr lange. Doch irgendwo in sich spürte Babbis, daß er jetzt besser den Mund halten und ihr Zeit geben sollte.
„Macht SG-27 noch einen Fehler, wird das Team aufgelöst und ich nach Antarktica geschickt“, sagte sie schließlich.
Babbis' Augen weiteten sich. „Was?“
Sie nickte. „Der General sagte es mir beim Briefing. Sie haben recht, er hat meine Lügen sehr schnell durchschaut, wahrscheinlich schon als ich sie aussprach. Und er gab mir zu verstehen, daß SG-27 nur besteht, solange ich im SGC bin. Werde ich versetzt, werden die Teammitglieder außer Dienst gestellt oder auf andere Einrichtungen verteilt. Dieses Team wurde nur zusammengestellt, um mich zu beschäftigen, Dr. Babbis, da ich der Erde nicht konform genug bin, man aber nicht auf mich verzichten kann.“ Ihr Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. „So sieht es aus. Ihr seid meine ... Beschäftigungstherapie.“ Das letzte Wort spuckte sie aus wie einen Fluch.
Babbis leckte sich über die Lippen und sah zur Seite. Er wußte nicht, was er sagen sollte.
„Ich habe Vertrauen in mein Team. Ich weiß, ich mache viele Fehler, aber ich habe Vertrauen“, fuhr Vashtu leise fort. „Ich wollte nur eine Chance für uns alle. Landry sollte uns ernst nehmen. Statt dessen aber habe ich das Team in große Gefahr gebracht, und das tut mir leid. Ich wollte nur erreichen, daß Sie und Wallace eine Chance bekommen, daß auch ich eine Chance bekomme.“ Ihre Brauen zogen sich zusammen. „Natürlich bin ich auch eine Kriegerin, ich mußte es sein in meiner Zeit. Aber ich bin auch Wissenschaftlerin, Dr. Babbis. Und dieses Phänomen erregte meine Neugier. Ich wollte es erforschen. Aber dabei habe ich nicht an die Konsequenzen gedacht.“
Babbis blickte wieder auf, sah ihr in die Augen.
Sie vertraute auf ihr Team. Sie vertraute auf ihn. Sie hatte ihm das Leben gerettet, sie hatte ihrer aller Leben gerettet! Sie hatte sich selbst in Gefahr gebracht, war verwundet worden, um ihr Team zu schützen und alle heil zur Erde zu bringen.
„Ich ...“ Babbis schloß den Mund. Seine Wut war so gründlich verraucht, daß er auch nicht einmal die Asche noch finden konnte. Statt dessen war etwas anderes an ihre Stelle getreten. Ein winziges Pflänzchen: Er wollte auch ihr vertrauen. Er wollte, daß sie stolz auf ihn würde sein können in Zukunft.
Sie sah ihn noch immer schweigend an.
Babbis nickte schließlich, senkte den Blick. „Ich ... ich gehe dann mal.“
„Tun Sie das.“

TBC ...

04.11.2009

Das beste Team der Milchstraße II

Jetzt

„Mam!“
Sie hörte ein Rumpeln, wandte sich von Babbis ab und kroch den Abhang vorsichtig wieder hinauf. Dorn hatte seinen Feldstecher gezückt und beobachtete etwas, was am Gate vor sich ging.
„Sieht übel aus.“
Sie zückte ihr Fernglas und hielt es sich wieder vor die Augen.
Den Weg entlang, den sie vorhin zu Bulls Unterkunft genommen hatten, rumpelte jetzt ein Karren, gezogen von vier Rindern, die hintereinander gespannt waren.
Vashtu betrachtete das, was sich auf diesem Gefährt befand.
Daß es sich um eine Waffe handelte, war unschwer zu erkennen. Nur hatte sie soetwas bisher noch nicht gesehen.
„Was ist das?“ zischte sie Dorn zu.
„Eine Flag der Goa'uld.“
Sie nickte, stellte ihren Feldstecher schärfer. „Sieht aufgemotzt aus“, murmelte sie dann, tippte dem Militär auf die Schulter und ließ sich an seiner Seite ein Stück hinunterrutschen.
„Übel, Mam.“ Dorn nickte andächtig.
„Was ist denn los? Was ist das für ein Krach?“ fragte Babbis.
Vashtu rammte unwillig den Kopf auf die sandige Erde und runzelte die Stirn. Dann zwang sie sich nachzudenken.
Wenn sie die Waffe nicht ausschalten konnten, sah es wirklich sehr übel für sie aus. Dann war das Gate endgültig für sie gesperrt. Und die Frage war, ob eine eventuelle Verstärkung durchkommen würde. Oder würde Landry sie hier zurücklassen?
Nein, das glaubte sie nicht. Und im Moment fühlte sie sich in ihrem Stolz auch verletzt. Auf Verstärkung warten ... Nicht solange sie noch hoffen konnte, es auch allein zu schaffen.
Die Frage war allerdings, inwieweit sie es allein schaffen konnten. Bei sich selbst und dem Serge hatte sie weniger Bedenken. Er war ein alter Soldat, der sich vielleicht auf eine ruhige Gruppe gefreut hatte, aber immerhin wußte, was er tat. Aber die beiden Wissenschaftler ... Nun ja, der eine Wissenschaftler. Wallace fiel jetzt wohl endgültig aus.
Sie sah Babbis nachdenklich an, drehte sich dann zu Dorn um. „Kommen Sie hier ein paar Minuten allein klar?“
Der Sergeant sah sie mit einem amüsierten Zug um die Lippen an. „Wenn's sein muß.“ Er nickte.
Sie lächelte, griff nach ihrer P-90 und kontrollierte das Magazin. Mit einer Hand tastete sie nach dem Reservemagazin, dem letzten, das ihr noch geblieben war. Dummerweise hatte sie den Rucksack mit der restlichen Ausrüstung zurücklassen müssen.
„Passen Sie auf die beiden auf.“
Vorsichtig kroch sie den Abhang wieder hinauf, linste kurz über die Krone und ließ sich dann zur Seite herunterrollen bis zu einem Dornengestrüpp. Dann machte sie sich auf den Weg.

Was im Hauptquartier weiter geschah

Als Vashtu herumfuhr, sah sie als erstes einen Riesen mit wirren roten Vollbart und schwarz-glänzenden Augen, der eine zappelnde Gestalt am Kragen gepackt hielt. Dann erst ging ihr auf, daß die Tür, die vorher nach hinten geführt hatte, nicht mehr da war. Sie lag am Boden, und der Riese stand auf ihr. Als letztes registrierte sie, wer die Gestalt war, die da so hilflos zappelte: Babbis!
Ehe sie überhaupt begriffen hatte, was sich da abspielte, hatte sie bereits ihre Beretta im Anschlag.
„Keine Bewegung“, hörte sie Dorn von der Tür grollen und war beeindruckt, wie tief und entschlossen seine Stimme klang.
Wallace taumelte jetzt hinter dem Riesen durch die Türöffnung. Er wirkte benommen.
Vashtu legte sehr sorgfältig auf den Eindringling an. „Laß den Mann los!“ befahl sie mit kalter Stimme.
Bull, der Rothaarige konnte nur Bull sein, so wie die anderen vor ihm zurückwichen, schüttelte Babbis gründlich durch.
„Laß den Mann los!“ Vashtus Stimme klang wie Eis.
Wallace taumelte auf sie zu. Sie nickte ihm kurz, damit er aus ihrer Schußlinie verschwand. „Zum Sergeant, los!“ befahl sie ihm.
Wallaces Blick schien sich zu klären. Er starrte sie einen Moment lang an, dann änderte er tatsächlich seine Richtung.
Bull schien endlich zu registrieren, daß er nicht allein war. Er musterte sie von oben bis unten. Sein Gesicht verzog sich zu einem hämischen Grinsen. Mit einem Ruck zog er Babbis an sich heran.
Vashtu trat vorsichtig, Schritt für Schritt, näher. „Ich sagte, du sollst den Mann loslassen. Er gehört zu mir.“
„Willst du auf mich schießen, kleine Frau?“ Bull lachte verächtlich.
„Dorn, wir gehen zum Stargate zurück“, sagte Vashtu betont ruhig und sachlich. „Nehmen sie Wallace mit. Babbis und ich kommen gleich nach.“
„Mam.“
Sie hörte, wie sich die Außentür öffnete. Den Blick noch immer unverwandt auf Bull gerichtet, die Beretta im Anschlag.
„Zum letzten Mal, laß den Mann los, dann wird niemand verletzt und wir gehen“, sagte sie.
Babbis schien allmählich zu verstehen, was vor sich ging. Seine albernen Versuche, sich von Bull zu lösen, stellte er ein. In seinen Augen stand Angst.
„Das wagst du nicht, kleine Frau. Du wirst nicht deinen eigenen Mann erschießen.“
Vashtu lächelte kalt. „Sicher?“
Sie zog den Abzug durch und riß im gleichen Moment die Waffe nach unten. Die Beretta bellte einmal kurz, dann folgte unmittelbar der Schrei. Bull führte auf einem Bein einen irren Schmerzenstanz auf.
Vashtu nutzte die momentane Verwirrung, hetzte die letzten Schritte vor und riß Babbis los, während sie mit der geballten Faust, in der sich der Lauf der Beretta befand, so daß ihn der Griff treffen mußte, auf Bulls Magen einschlug. Der Riese klappte zusammen wie ein Taschenmesser.
„Raus hier!“
Sie wirbelte herum, Babbis im Schlepptau und raste los.

Jetzt

Vashtu glitt durch die Büsche näher auf den ihr am nächsten stehenden Mann zu.
Sie mußte vorsichtig sein, weil die Wachen vor dem Tor in Sichtweite voneinander standen. Aber sie hatten nur diese Chance. Das Geschütz war zu gut bewacht, das würde sie allein nicht schaffen. Und Dorn konnte sie nicht von den beiden Wissenschaftlern abziehen, so gern sie es auch getan hätte. Sie mußten jetzt durch das Tor, ehe es zu spät war.
Als sie in der günstigsten Position war, tastete sie nach der Zat, die sie erbeutet hatte. Die vertrauteren Waffen von der Erde machten zuviel Krach.
Die Handwaffe war nicht mehr da. Sie mußte sie verloren haben.
Vashtu unterdrückte einen Fluch, tastete statt dessen nach dem Messer und zog es.
Dann duckte sie sich so tief wie möglich, versenkte die Klinge unter ihrer Hand. Unvermittelt sprang sie den Mann von hinten an, schlug mit dem Knauf auf seinen Hinterkopf.
Mit einem leisen Stöhnen sank er zu Boden. Eilig zerrte sie ihn in das Gebüsch zurück und wartete.
Nichts.
Vashtu atmete tief ein, huschte im Schutz der Büsche weiter, so tief gebeugt, wie es nur ging. Ihre relative Größe kam ihr dabei ganz gut zu statten. Vor allem unterschätzten mögliche Angreifer sie nur zu gern.
Der nächste in der Reihe.
Vashtu beobachtete ihn genau, sah sich dann aufmerksam um, das Messer wieder in der Hand. Sie kauerte sich zusammen, um genug Schwung zu holen, und schnellte hoch.
Und in diesem Moment drehte der Wächter sich um.
Vashtu sah das Licht der Waffe, fühlte Hitze an ihrem Arm, wurde zurückgerissen und herumgeschleudert.
Verdammt!
„Hier sind sie, hier!“
Sie fluchte in ihrer Muttersprache, glitt zurück in den Schatten und trat den Rückzug an, während sie die Schritte der anderen Wächter hörte, die sich ihrer Stellung näherten. Sie gab eine Salve von Schüssen nach hinten ab, um ihren Rückzug zu sichern, und schlug einen Bogen um dem Hügel mit der Senke.
Wo war sie unvorsichtig gewesen? Warum hatte dieser Idiot sich nur so plötzlich umgedreht?
Sie wußte es nicht, doch sie schätzte, sie hatte zu lange gezögert.
Im Schutz des Hügels kroch sie wieder zu ihrer Stellung zurück, ließ sich in die Senke rollen und mußte einen Schmerzenslaut unterdrücken, als sie auf ihrem verwundeten Arm zu liegen kam.
„Zwei ausgeschaltet.“ Dorns Stimme klang beeindruckt.
Babbis sah sie groß an, als sie sich, ihren Arm haltend, wieder aufrappelte. „Aber leider einen Anschlußtreffer“, knirschte sie, kroch zu dem Sergeant hinauf. „Haben sie bemerkt, wohin ich verschwunden bin?“
Dorn schüttelte den Kopf.
„Sie sind verletzt!“ entfuhr es Babbis endlich.
Dorns Interesse richtete sich sofort auf ihren Arm. Sie winkte ab. „Nur ein Streifschuß. Das wird schon.“
Der Sergeant griff in seine Überlebensweste und zog einen Verband daraus hervor. „Lassen Sie mal sehen.“ Ohne auf ihren Einwand zu achten, packte er ihren Arm und schob den Ärmel hoch.
Vashtu, die jetzt die Verletzung selbst ansehen konnte, mußte leider zugeben, daß ein Streifschuß etwas anders aussah. Ihr Oberarm wies eine häßliche Verbrennung auf, in deren Mitte sich eine ordentliche Fleischwunde befand. Der Knochen schimmerte an einer Stelle hervor.
Ohne ein Wort zu verlieren band Dorn ihr den Verband über die Wunde, zog ihn so fest er konnte, ohne die Blutzufuhr abzuschnüren.
„Und was machen wir jetzt?“ ließ Babbis sich vernehmen.
Vashtu bewegte den Arm ein wenig. Es ging. Und sie konnte fühlen, wie ihre Wraith-Zellen bereits die Arbeit aufnahmen. Die Wunde prickelte. Binnen relativ kurzer Zeit würde sie sich regeneriert haben. Und dann mußte sie sehen, wie sie ihre Leute hier herausbrachte.
„Noch drei Stunden“, sagte Dorn.
Vashtu warf ihm einen bösen Blick zu. „Wir brauchen keine Verstärkung. Irgendetwas fällt uns schon ein.“
Dorn zuckte mit den Schultern, kroch den Abhang wieder hinauf, um seine Wache erneut aufzunehmen.
Vashtu tastete vorsichtig über den Verband. Die Schmerzen hatten bereits nachgelassen. Dann spürte sie Babbis' Blick auf sich und sah auf. „Was?“
Der Wissenschaftler wies auf ihren Arm. „Das sieht böse aus.“
Sie zuckte mit den Schultern. Vor zehntausend Jahren, als sie sich auf Wraith-Schiffe geschmuggelt hatte, die Atlantis belagerten, hatte sie mehr einstecken müssen. Ein- oder zweimal hatte sie selbst gezweifelt, ob sie wieder nach Hause kommen würde. Dagegen war das hier einfach nur lächerlich.
Es ärgerte sie, daß ihr Plan nicht funktioniert hatte. Irgendeinen Fehler hatte sie begangen, aber sie wußte immer noch nicht welchen.
Sie wandte sich um, ohne Babbis weiter zu beachten, und kroch an die Seite von Dorn.
„Sie bringen die Flag in Stellung.“
Vashtu beobachtete das Treiben am Tor mit ihrem Feldstecher, biß sich auf die Lippen. Irgendetwas mußte ihr doch einfallen. Irgendetwas mußte dieses Monster von einer Waffe doch abhalten können!
„Meinen Sie, das Ding kann überhaupt noch schießen? Sieht ziemlich fremdartig aus“, murmelte sie, den Blick noch immer auf die Waffe gerichtet.
„Schätze schon. Sieht nicht aus, als hätten sie am Rohr herumgefummelt.“
Vashtu drehte sich wieder auf den Rücken, starrte in den Himmel hinauf.

Nach der Flucht

„Sie haben auf mich geschossen!“ warf Babbis ihr vor.
Vashtu lugte um den Felsen herum, hinter dem sie Schutz gesucht hatte. Dorn und Wallace lagen hinter einem anderen, in Rufweite.
„Wie konnten Sie soetwas tun? Sie hätten mich treffen können! Sie benehmen sich wie Colonel Sheppard!“ wütete Babbis weiter.
„Das letzte nehme ich als Kompliment“, knurrte sie, drehte sich zu dem Wissenschaftler um. „Ich hatte nicht Sie im Visier, falls Sie das tröstet.“
Babbis starrte sie einen Moment lang nach Luft schnappend an, dann verfinsterte sich sein Gesicht. „Ich dachte, unter der Leitung einer Frau, die keinen militärischen Hintergrund hat, könnte ich besser arbeiten. Aber das scheint eine Fehleinschätzung gewesen zu sein. Sie benehmen sich wie ... wie ...“
Sie beugte sich vor, funkelte ihn an. „Vielleicht sollte ich Sie das nächste Mal zurücklassen, Babbis!“ zischte sie.
Der Wissenschaftler zuckte zurück.
Sie nickte. „Dann halten Sie jetzt endlich Ihren Mund und lassen mich nachdenken.“ Sie spähte wieder um die Ecke und erstarrte.
Oh nein! Weit über zwanzig Männer verließen das Gebäude und schwärmten aus.
Wenn sie bis jetzt vielleicht noch gehofft hatte, sie könnte die Lage irgendwie wieder einrenken, damit war es vorbei. Das sah eher nach einem kleinen Krieg aus.
„Was haben Sie angestellt, Babbis?“ Sie klopfte auf ihr Funkgerät. „Rückzug zum Gate, Dorn. Und nehmen Sie Wallace und Babbis mit. Ich decke uns nach hinten.“

Jetzt

Da war doch etwas gewesen. Sie hatte doch etwas gesehen.
Vashtu starrte in den wolkenverhangenen Himmel, bis es ihr einfiel: Der Frachter!
Sie gab Dorn ein stummes Zeichen und rutschte an seiner Seite wieder in den Kessel zurück.
Babbis und Wallace blickten auf, sagten aber nichts.
„Was haben wir noch an Munition?“ fragte Vashtu leise.
Dorn kramte in seinen Taschen und zauberte noch zwei Reservemagazine für sein Sturmgewehr hervor, außerdem noch ein Magazin für seine Handwaffe und vier Granaten.
Vashtu breitete ihrerseits die mageren Reste vor sich auf dem Boden aus. Ihr wurde schnell klar, daß sie die P-90 wohl oder übel zurücklassen mußte, harkte sie aus und legte sie Dorn hin. Der schob ihr dafür das Ersatzmagazin der Handwaffe hin. Die Granaten teilten sie unter sich auf.
„Was planen Sie denn jetzt wieder für einen Irrsinn?“ ließ Babbis sich endlich vernehmen.
Dorn blickte sie ebenfalls fragend an, sagte aber nichts. Doch in seinen Augen stand wieder sehr deutlich Belustigung.
Vashtu brachte die beiden Granaten noch unter, ehe sie aufblickte. „Bull hat doch das Schiff. Und das wird bestimmt Waffen an Bord haben.“
„Lernen Sie denn nicht dazu? Sie sind schon verwundet!“ Babbis wies auf ihren verbundenen Arm.
Vashtu zog eine Braue hoch. „Das ist nicht schlimm.“
„Oh ja, natürlich!“ Babbis schnaubte und kreuzte die Arme vor der Brust.
Er w a r eine jüngere Ausgabe von McKay. Anders konnte sie sich ihn nicht erklären.
„Das wird nicht leicht, Mam.“ Dorns Stimme drückte nun doch leichten Zweifel aus.
Vashtu zog ihren Detektor aus der Tasche und schaltete ihn ein. Stirnrunzelnd las sie die Daten ab.
„Was ist das?“ Babbis reckte den Hals.
Sie stopfte das kleine Gerät wieder in ihre Brusttasche. „Nichts von Bedeutung. Dorn, Sie halten die Stellung. Versuchen Sie weiterhin, nicht aufzufallen und passen Sie auf. Wenn ich in zwanzig Minuten nicht zurück bin ... Ich komme zurück.“ Sie richtete sich ein wenig auf, zögerte dann aber und drehte sich noch einmal um. „Was war das für ein Ding?“
„Goa'uld Frachter“, kam die einsilbige Antwort von Dorn.
Vashtu nickte, dann glitt sie wieder aus dem Kessel heraus. Ihr Arm schmerzte nun endgültig nicht mehr.

Während der Wanderung

„Willkommen. Ich bin Loyla, fünfte Ehefrau von Bull dem Schlächter.“ Die dunkelhaarige, schlanke Frau neigte den Kopf.
Vashut tat es ihr nach und lächelte. „Ich danke dir für dein Willkommen.“
Loyla musterte sie interessiert, hob dann den Arm zu einer einladenden Geste. „Bull wird jeden Moment eintreffen. Seid solange meine Gäste.“
Babbis und Wallace sahen sich interessiert um, Dorn wirkte etwas gelangweilt. Vashtu ließ sich bis zu ihm zurückfallen. „Passen Sie auf die beiden auf, ja?“ wisperte sie.
Der Marine nickte stumm, sein Sturmgewehr als Armstütze mißbrauchend, und wanderte stoisch weiter. Doch Vashtu entging nicht, daß er die beiden Wissenschaftler nicht mehr aus dem Auge ließ.
Sie beschleunigte ihre Schritte wieder und schloß zu Loyla auf. Diese lächelte ihr freundlich entgegen.
„Du bist eine schöne Frau. Allein das wird Bull betören. Eine gute Wahl von eurem Anführer“, sagte sie.
Vashtu runzelte die Stirn. „Ich bin eigentlich nicht hierher gekommen, um mit Bull anzubändeln. Ich soll hier Verhandlungen über eine Waffe führen, die er aufgetrieben hat“, entgegnete sie. Sie wußte, würde sie jetzt die Augen schließen, würde sie Lt. Colonel John Sheppard aus der Finsternis hinter ihren Lidern auftauchen sehen. Und solange er dort war ...
Loyla nickte. „Verstehe, du bist gebunden.“ Sie zögerte kurz, ehe sie fortfuhr: „Dennoch wird Bull sicher eher auf euer Angebot eingehen als wäre dieser Major Limes wiedergekommen.“
Vashtu hob die Brauen.
Sie hätte wirklich die Akte lesen sollen statt nur den Kopf. Irgendwie schien ihr eine Menge entgangen zu sein.
„Entschuldigung, Loyla“, hörte sie plötzlich die Stimme von Wallace hinter sich, „dieses Getreide, es sieht fast aus wie Weizen. Aber es scheint mir dennoch keines zu sein. Wie hoch sind denn die Erträge?“
Die Fremde schien überrascht und wandte sich dem Wissenschaftler zu.
Vashtu seufzte, froh darüber, nicht weiter über ihr Unwissen nachgrübeln zu müssen. Statt dessen ließ sie sich wieder etwas zurückfallen, um an Dorns Seite weiterzugehen und sich einmal die Umgebung genauer ansehen zu können.
„Ein bißchen nicht von dieser Welt, dieser Wallace“, stellte Dorn fest.
Vashtu nickte und beobachtete die beiden, die inzwischen in eine rege Diskussion vertieft waren. Babbis ging kurz hinter ihnen, schien jedes Wort genau anzuhören.
In diesem Moment verdunkelte ein großer Schatten den Himmel.
Vashtu blickte irritiert auf und sah ein Schiff, dunkel gegen die dichten Wolken, über ihnen dahinfliegen. Ein Schiff, wie sie es noch nicht wirklich gesehen hatte. Sie erinnerte sich nur an irgendwelche Pläne, die ihr irgendwann einmal vorgelegt worden waren.
„Cool!“ entfuhr es ihr.
Dorn folgte ihrem Blick. „Goa'uld Frachter“, bemerkte er desinteressiert.

Jetzt

Vorsichtig schlich sie sich an die geöffnete Ladeluke des Frachters heran, preßte sich dann eng gegen das kühle Metall und lauschte. Hier draußen war nur eine Wache aufgestellt gewesen, doch die hatte sie rasch und geräuschlos ausgeschaltet.
Sie hob die Beretta und rutschte langsam näher an die Luke heran. Von drinnen waren Stimmen zu hören. Eine, dann eine zweite. Ansonsten Stille.
Mit zwei Leuten würde sie fertigwerden. Und dieses Mal würde sie keinen Fehler machen. Sie war weit genug vom Sternentor entfernt, um schießen zu können, ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und selbst wenn die Schüsse gehört würden, wären Bulls andere Männer nicht so schnell bei ihr.
Sie zückte wieder den Detektor und betrachtete die Anzeige.
Nein, es waren drei, soweit sie feststellen konnte. Der letzte befand sich tiefer im Inneren des Schiffes. Aber auch das dürfte kein Problem sein.
Sie steckte den Detektor wieder ein, ging in Position. Die Stimmen waren deutlich näher. Sie linste kurz um die Ecke, um den genauen Standort zu überprüfen. Dann holte sie tief Atem und wirbelte nach vorn, in das Schiff hinein und schoß.
Der erste fiel, ohne überhaupt eine Chance zu haben, der zweite wollte wohl tiefer ins Schiff eindringen, jedenfalls erwischte sie ihn in der Drehung. Er schlug hart auf und blieb liegen.
Vashtu glitt vorsichtig weiter, suchte sich an den Wänden Deckung.
Irgendwo würde der dritte Mann sein, aber sie hatte jetzt keine Zeit, sich mit dem Detektor um ihn zu sorgen. Sie würde sich einfach auf ihren Instinkt verlassen müssen.
Langsam schlich sie weiter, sich eng an die Wand drückend, bis zum nächsten Durchgang. Dabei fiel ihr auf, wie verwinkelt dieses Schiff war. Hatte Bull daran auch herumgespielt oder sahen die Frachter der Goa'uld immer so aus?
Als sie durch den Durchgang hechten wollte, traf sie ein Schlag von der Seite, ließ sie beinahe zurücktaumeln. Blitzschnell hatten die Wraith-Zellen reagiert und ihr zusätzliche Standfestigkeit verliehen.
Abwehrend hob sie den Arm, leider den stärkeren linken, und mußte mit Rechts zuschlagen. Doch damit hatte der Angreifer wohl gerechnet. Er versetzte ihr einen tiefen Schnitt am Arm. Die Klinge prallte gegen den Knochen und die Waffe fiel ihr aus der Hand. Dann traf ihr Fausthieb, warf ihn zurück.
Vashtu dachte gar nicht an die Wunde, stürzte hinterher und trat zu, gerade als der Fremde eine Zat auf sie richten wollte. Sie hörte die Knochen in seiner Hand bersten, als ihr bestiefelter Fuß ihn traf. Die Waffe wurde ihm aus der Hand geschlagen und er blieb wimmernd liegen.
Sie packte ihn am Kragen und riß ihn hoch. „Waffen! Gibt es hier Waffen?“ schrie sie ihn an, zog ihn noch höher.
Dem Mann ging plötzlich auf, daß seine Füße kaum noch den Boden berührten. Entsetzt schrie er jetzt erst recht, nachdem er einen Blick in ihr Gesicht geworfen hatte.
Vashtu preßte die Lippen fest aufeinander und schüttelte ihn einmal kräftig durch. „Gibt es hier Waffen?“
„Ein Geschütz“, wimmerte der Fremde. „Vorn auf der Brücke.“
Sie lächelte zufrieden und stieß ihn von sich. Er krachte gegen die Wand und rutschte diese bewußtlos herunter.
Sie blickte sich um, hob dann schließlich die Waffen auf. Aufmerksam betrachtete sie dann die Anzeige auf dem Detektor, doch sie konnte nichts feststellen. Dann schlich sie weiter und betrat einen neuen Raum.
Ein großes Außenfenster, eine Steuerkonsole ... Das mußte die Brücke sein.
Vashtu steckte den Detektor wieder ein und begab sich zum Pilotensitz, betrachtete ihn kritisch.
Wie flog man so ein Ding? Es schien nicht auf ihre Gedanken zu reagieren wie die Puddlejumper auf Atlantis. Auf der anderen Seite hatte sie auch schon ein irdisches Flugzeug steuern dürfen, einen Jäger, dessen Typenbezeichnung ihr gerade nicht einfiel. Naja, sie war in einem Simulator geflogen, wenn sie genau sein wollte.
Ein Schlag traf sie in den Rücken, ließ sie nach vorn taumeln, ehe sie sich wieder fangen konnte und herumwirbelte.
Der Mann stand hinter ihr, einen langen Stab in den Händen, dessen beide Enden mit unterschiedlichen Gewichten bewehrt zu sein schienen. Eine Stabwaffe!
Vashtu brachte sich rasch außer Reichweite der Energiewaffe, warf sich nach vorn und versuchte, das Mittelstück zu fassen zu kriegen. Es war der Mann, den sie gerade niedergeschlagen hatte. Er mußte doch nicht so hart auf die Wand aufgekommen sein, wie sie gedacht hatte und war wieder zu sich gekommen.
Vashtu rang mit ihm um die Waffe. Ihr kam ihre fremdartige Kraft ein wenig zu gute, doch viel half es im Moment nicht. Immer wieder versuchte er, an den Auslöser der Waffe zu kommen und sie wegzuschieben. Ihr Blick wurde kalt, als sie die fremden Gene wieder bewußt zu steuern begann und ihrem Körper noch mehr Kraft zugeführt wurde.
Sie riß ihm den Stab aus den Händen und stieß mit dem kleineren Ende zu. Um ganz sicher zu gehen jagte sie ihm noch einen Energiestoß hinterher, ehe sie sich aufrichtete und wieder sie selbst wurde.
„Cool!“ Beeindruckt betrachtete sie die fremdartige Waffe. Kein Wunder, daß man ihr diese bisher nicht zugestanden hatte. Auf einem anderen Planeten, bei einer ihrer ersten Missionen, hatte sie zum Spaß mit einigen Jaffa einen kleinen Wettkampf abgehalten, mit Stäben, nicht mit Waffen. Sie kannte die Berichte ihrer Teammitglieder nicht, doch sie wußte, danach war das Thema Stabwaffe nie aufgegriffen worden.
Ihr Team!
Sie nahm die Waffe mit, betrachtete wieder den Pilotensitz, ließ sich schließlich etwas skeptisch darauf nieder und versuchte zunächst, das Schiff mit ihren Gedanken zu starten. Nein, das gelang nicht wirklich.
Dann also anders.
Sie tastete ein wenig herum, ehe sie fand, was sie suchte. Die Triebwerke sprangen an. Die Steuerelemente schienen ihr sehr simpel, sie würde wenig Probleme bekommen. Sie mußte nur noch die Waffe finden.
Der Reihe nach versuchte sie die verschiedenen Schalter und Knöpfe, die sie vor sich sah, bis sich ein gleißender Energiestrahl in die Bäume vor dem Schiff fraß.
Keine Zieleinrichtung?
Vashtu runzelte die Stirn.
Bull schien auch an diesem Schiff etwas herumgebaut zu haben. Entweder sie fand das Programm nicht, oder er hatte es schlicht vergessen und vertraute darauf, daß sein Pilot und Schütze gut genug zielen konnte. Das sollte ihr auch gleich sein.
Sie ließ das Schiff vom Boden abheben, schloß die Hecklucke und beschleunigte in Richtung ihrer Männer.

Vor einer Stunde

Ihr Herz klopfte schneller, als sie den Torraum betrat, in dem der Rest von ihrem Team bereits auf sie wartete, und auch General Landry.
Lächelnd grüßte sie und nickte ihrem Team zu.
Ihre erste Mission, und sie wollte dafür sorgen, daß es keine Zwischenfälle gab. Sie würden herausfinden, ob dieser Bull der Schlächter ein Mitglied der Lucian Alliance war, sich diese merkwürdige Waffe ansehen, die er gefunden haben wollte und ohne weitere Verzögerung wieder zurückkehren. Zeitlimit vier Stunden. Das dürfte reichen.
Landry sah sie lächelnd an und reichte ihr die Hand. „Ich wünsche Ihnen viel Glück, Miss Uruhk. Und denken Sie daran: Keine Extra-Touren. Rein, handeln und wieder raus.“
„Wird schon schiefgehen, Sir“, antwortete sie. „Ich denke nicht, daß wir Probleme bekommen werden.“
Landrys Brauen hoben sich. „Sie haben die Akte nicht gelesen, nicht wahr?“

Jetzt

Ihr Team lag unter Beschuß. Irgendjemand hatte sie entdeckt.
Vashtu biß sich auf die Lippen. Die Angreifer waren zu nahe, sie würde die Waffe des Frachters nicht gebrauchen können dafür. Aber sie konnte zumindest die Flag ausschalten.
Sie machte einen Probeanflug, konzentrierte sich genau auf das Ziel. Das mußte reichen. Aus den Augenwinkeln sah sie, daß das Geschütz sich auf sie ausrichtete.
Okay, dann mußte dieser Schuß ein Treffer werden. Dieses Schiff war alles andere als wendig. Wenn sie mehr als einen Versuch brauchte ...
Sie flog eine Kurve, hielt sie so eng wie möglich und nahm wieder Fahrt auf. Dann konzentrierte sie sich auf die Waffe, die sie unter Beschuß nehmen wollte. Der vordere Lauf begann aufzuglühen.
Sie pendelte, so gut es ging, den Frachter auf eine gerade Linie ein, legte den Finger an den Schalter.
Wie weit reichten diese Goa'uld-Waffen wohl? Sie hatte keine Ahnung.
Männer versammelten sich um die Flag und nahmen sie unter Beschuß. Netter Versuch!
Sie drückte ab. Augenblicklich flammte ein Energieblitz vor ihr auf und brannte sich in die festgetretene Erde vor dem Tor. Rasch zog sie den Frachter wieder hoch und drehte noch eine Kurve. Um ganz sicherzugehen.
Sie hatte getroffen! Doch ihre Männer lagen immer noch unter Beschuß.
Vashtu fluchte, beschleunigte wieder, in der Hoffnung, die Angreifer weglocken zu können, doch die hatten sich offensichtlich auf die leichtere Beute versteift. Und sie konnte nicht schießen, ohne ihr Team zu gefährden.
Ein kurzes Stück in den Wald hinein landete sie, kümmerte sich nicht um die Bäume, die sie mit ihrem Manöver fällte und zerquetschte. Eilig sprang sie aus dem Pilotensitz und rannte los, während die Ladelucke hinten sich langsam absenkte.
Was konnte sie tun? Das Weglocken schien ja nicht geklappt zu haben. Also mußte sie anders vorgehen.
Im Lauf kontrollierte sie ihre Ausrüstung und bemerkte, daß sie die Stabwaffe zurückgelassen hatte. Eine Chance weniger. Aber ob sie mit dem Ding wirklich so präzise auf Anhieb schießen konnte ... ? Dafür hatte sie die Zat und die Beretta - und die beiden Granaten. Ein Plan nahm in ihrem Kopf Gestalt an.

***

Kurz darauf gab sie rasch nacheinander einige Schüsse ab und wartete. Wenn sie auch nur ein paar von den Angreifern fortlocken konnte ...
Tatsächlich erschienen drei Mann, bewaffnet mit futuristisch anmutenden, umgebauten Goa'uld-Waffen in den Händen an der Stelle, an der sie die Leuchtfackel plaziert hatte.
Vashtu huschte durch das Unterholz zurück, hockte sich hinter einen Felsen und hielt die Luft an. Eine Millisekunde später detonierten die beiden Granaten, die sie nahe bei der Fackel im Boden vergraben hatte. Sie glaubte, Schreie gehört zu haben, doch dann war nichts anderes mehr als Stille.
Vorsichtig lugte sie um den Felsen herum. Von Bulls Männern war nichts mehr zu sehen, nur ein relativ tiefer Krater, aus dem noch Rauchschwaden aufstiegen. Letzte Brocken aufgerissene Erde fielen zu Boden.
Hinter sich hörte sie wieder das Rattern des Sturmgewehrs und das hellere Bellen ihrer P-90, huschte zurück zu dem niedrigen Hügel und sah die beiden letzten Männer dort, die versuchten, das Versteck zu stürmen. Sie hatten sich hinter dem Dornenbusch verschanzt.
Die P-90 war inzwischen verstummt, doch das Sturmgewehr feuerte noch immer.
Vashtu zog sich hinter einen Baumstamm zurück und bedachte kurz die Lage. Dann stürzte sie vor, riß die Zat hoch und sprang auf die Angreifer zu. Die beiden wurden nach einigen in die Leere gehenden Schüssen getroffen und sanken bewußtlos zusammen.
Sie konnte ihren Sturz nicht richtig auffangen und knallte hart mit der Schulter auf. Die Waffe entglitt ihr und sie biß die Zähne fest aufeinander und kniff die Augen zusammen. Erst nach zwei oder drei Atemzügen wagte sie es, die Lider wieder zu heben und besah sich den Schlamasel.
Dorn hatte sich aufgerichtet und sah zu ihr hinunter. Anerkennend nickte er.
Vashtu rollte sich seufzend auf den Rücken und starrte in den Himmel hinauf. Zumindest hatten sie ein Schiff erbeutet ...

Drei Stunden später

Wallace stützend und düster vor sich hinbrütend trat Vashtu als erste durch das Tor, fand sich auf der Rampe im Stargate-Center wieder, wo sie ein erwartungsvoll dreinblickender General Landry erwartete.
Ein Sanitäter-Team stand bereit, wie sie es verlangt hatte, nahm ihr jetzt den doch recht schweren Wissenschaftler ab und ließ sie unverrichteter Dinge stehen.
„Nun, Miss Uruhk“, wandte Landry sich an sie, „haben Sie etwa den Ori allein den Krieg erklärt?“
Vashtu sah ihn einen Moment lang dumpf an. Ihre Kiefer mahlten vor unterdrückter Wut.
„Nein, Sir“, antwortete sie endlich. „Wie verabredet haben wir mit den Unterhändlern Bulls Kontakt aufgenommen. Doch Dr. Wallace verärgerte Bull den Schlächter, so daß uns weitere Verhandlungen leider nicht mehr möglich waren. Bull nahm Dr. Babbis als Geisel, doch es gelang, ihn aus dessen Gewalt zu befreien. Wir wollten durch das Gate zurückkehren zur Erde, doch dieses war inzwischen von seinen Leuten umstellt, so daß wir Deckung suchten. Dabei fiel Dr. Wallace in eine Senke und verstauchte sich den Knöchel. Bull ließ währenddessen eine Goa'uld-Flag gegen uns auffahren, die wir ausschalten mußten, um an das Tor zu gelangen. Mithilfe eines älteren Frachters schalteten wir das Geschütz aus und konnten Bulls Männer außer Gefecht setzen. Seine Mitgliedschaft in der Lucian Alliance dürfte damit bestätigt sein. Ein zweites Schiff startete, als wir uns wieder dem vereinbarten Verhandlungsort nähern wollten. Die Gespräche über die angebliche Superwaffe sind damit gescheitert ... und die Waffe selbst zerstört. Es handelte sich um nichts anderes als eine umgebaute Goa'uld-Flag, Sir.“
Landry sah sie an, als erwarte er noch etwas. Als sie schwieg nickte er. „Bull konnte entkommen?“ fragte er.
Vashtu zögerte, atmete tief ein. „Nein, Sir, er kam bei einer Detonation ums Leben, bei der auch die Flag zerstört wurde.“
Landry sah sie forschend an, dann trat er zur Seite. „Ich erwarte Ihren Abschlußbericht, Miss Uruhk. Ich denke, Sie wissen, was jetzt geschehen wird.“
Antarktica!
Vashtu nickte mit zusammengepreßten Lippen und senkte den Kopf.
Ihre erste Mission war in einem Desaster geendet. Sie war als Leader gescheitert und würde wohl auch keine zweite Chance erhalten. Selbst wenn man ihr ein, bis auf Dorn, sehr bescheidenes Team gegeben hatte.
Mit schweren Schritten ging sie die Rampe hinunter, den Kopf weiter gesenkt.
Sie hatte soviele Pläne und Träume gehabt, war so voller Enthusiasmus gewesen. Sicher, SG-27 mochte nicht das beste Team der Milchstraße sein. Aber sie hatte zumindest ab und an das Gefühl gehabt, sie hätte ihrer Männer im Griff. Wenn man ihr mehr Zeit einräumen würde ...
„General, Sir“, meldete sich plötzlich Babbis zu Wort, „ich weiß nicht genau, was gerade vorfällt. Aber ich weiß, daß es nicht die Schuld von Miss Uruhk war, daß die Mission scheiterte. Als Anführerin hat sie sich sehr gut geschlagen.“
Überrascht sah Vashtu auf und drehte sich halb um. Babbis erwiderte ihren Blick nervös, knetete seine Hände. Auf seinem Gesicht waren hektische Flecke.
Landry drehte sich zu ihr um und lächelte sie amüsiert an. „Wer sagt denn, daß die Mission gescheitert ist? Ich erwarte Sie zum Briefing, sobald Dr. Wallace wieder einsatzfähig ist, Miss Uruhk.“
Ungläubig starrte sie den Leiter des Stargate-Centers an.

ENDE