11.09.2009

Vashtu II

Jetzt

Nach ihren Worten stand er einen Moment lang steif da, nur seine Augen bewegten sich, glitten über ihren Körper. Sie fühlte diese Blicke wie feine Nadelstiche auf sich, richtete sich noch mehr auf und kreuzte die Arme vor der Brust.
„Eine Wächterin, soso ..."
Vashtu betrachtete ihn wieder, wie er gespielt lässig auf der anderen Seite des Gitters stand, ein verwegenes, aber auch unsicheres Lächeln auf den Lippen. Doch den Blick aus seinen Augen vermied sie.
„Wenn ich zu lange ... wenn ich die Zellen in mir zu lange aktiviert halte, steigen Aggressionen in mir auf, die ich nur mit Mühe beherrschen kann. Dann übernimmt der Instinkt meine Handlungen", erklärte sie.
Sheppard nickte nachdenklich, kreuzte die Arme vor der Brust und neigte den Kopf fragend. „Aber ... eine Antiker? Ich bin mir nicht sicher ..." Auch er wich ihren Augen aus, wie sie feststellte.
„Ich lebe seit mehr als zehntausend Jahren, Lt. Colonel Sheppard", erklärte sie, hob die Hände. „Ich sah, wie Atlantis unterging, ich erlebte mit, wie alle anderen meines Volkes sich von hier durch das zurückzogen, was Sie Stargate nennen. Lange befand ich mich in Stasis, dann wachte ich wieder auf. Ich konnte spüren, wie die Energie ... Ihre ZPMs, sich immer mehr entluden, bis ihr kamt."
Sheppard runzelte die Stirn, sagte aber nichts.
Vashtu schüttelte den Kopf. „Ich wollte mit Ihnen sprechen, darum sorgte ich dafür, daß ihr mich wahrnehmt. Ich wollte wieder unter anderen sein. Lange Zeit war ich allein, schon bevor Atlantis verlassen wurde."
Colonel Sheppard musterte sie genau. „Teyla sagte mir, Sie seien nicht das, was wir dachten. Woher soll ich jetzt wissen ... Ich meine, Sie sind so jung. Sie sehen zumindest recht jung aus."
Vashtu lächelte. „Danke." Sie neigte den Kopf ein wenig. „Um zu verstehen, warum das so ist, sollte ich meine Geschichte erzählen, Lt. Colonel Sheppard. Aber ich kann Ihnen versichern, einen Teil der Wahrheit kennen Sie bereits."
Er sah sie nachdenklich an. „Sie sehen nicht aus wie ein Wraith."
„Weil ich keiner bin. Ich war eine Antikerin, wie ihr uns nennt. Durch ein Experiment wurde ich zu dem, was ich nun bin. Nur der Rat erkannte es nicht an. Ich mußte andere Wege beschreiten. Wollen Sie die Geschichte hören?"
Sie sah die Neugier in seinen Augen. Er war offen ihr gegenüber, nicht von Vorurteilen zerfressen. Sie spürte deutlich, er wollte ihr eine Chance geben. Und damit hatte sie vielleicht tatsächlich das Ende erreicht. Vielleicht würde ihr Plan doch noch aufgehen.
„Wo haben Sie so zu kämpfen gelernt? Keinem meiner Männer wurde ein wirkliches Leid angetan, niemand wurde tatsächlich verletzt, bis auf Teyla. Und sie besteht darauf, daß sie ausgerutscht sei und Sie ihr helfen wollten", fragte er.
Vashtu schloß kurz die Augen, atmete tief und bewußt ein. „Ich hatte eine lange Zeit, um zu dem zu werden, was ich nun bin, Lt. Colonel."
Sheppard musterte sie wieder, vermied aber, wie auch sie, ihr noch einmal in die Augen zu sehen. Ein kleiner Ruck schien durch seinen Körper zu gehen, dann setzte er sich vollkommen unvermutet auf den Boden vor ihrer Zelle.
„Wenn die Geschichte wirklich so lang ist, dann sollten wir es uns ein bißchen gemütlicher machen. Kaffee?"

Vashtus Geschichte

Meine Familie war angesehen. Immer wieder durften wir für den Rat Dinge erforschen. Wir waren Wissenschaftler, wie ihr heute sagt. Unsere Forschung diente dazu, den anderen das Leben angenehm zu gestalten und sie vor Krankheiten zu schützen.
Es war nicht leicht. Ich kann mich noch daran erinnern, als Kind auf einem Planeten aufgewachsen zu sein. Doch dann kamen die Wraith und wir flohen nach Atlantis. Der Rat gewährte uns die Möglichkeit, unsere Forschungen weiter zu führen. Wenn es anders gekommen wäre, wäre mein Vater vielleicht sogar eines Tages Mitglied dieses Rates geworden, Bestrebungen dazu gab es.
Wir, das waren meine Eltern, Gilgak mein Vater und Meoch meine Mutter, und mein Bruder Enkil. Unser Familienname lautete Uruhk.
Als ich älter wurde, wurde ich Wissenschaftlerin, trat damit in die Fußstapfen meiner Eltern, ebenso wie Enkil.
Dann kam der Tag, an dem ich mit meinen Eltern zusammen nach Nasra ging, einem Waldplaneten. Wir erhofften dort zumindest Bestandteile zu finden. Bestandteile für ein Medikament gegen die Seuche, denn der Rat überlegte bereits, Atlantis aufzugeben.
Ob die Wraith wirklich wußten, daß einige von uns dort waren oder ob es nur Zufall war, kann ich nicht sagen. Wir wurden überfallen und gefangen genommen. Und meine Mutter ... Ein Wraith nährte sich vor den Augen meines Vaters und mir an ihr, saugte sie vollkommen aus.
Ein Kriegsschiff aus Atlantis kam uns zu Hilfe, ehe man uns fortschaffen konnte. Wir kehrten nach Atlantis zurück, doch mein Vater war verändert.
Sie müssen wissen, Lt. Colonel, wir waren an für sich ein friedliebendes Volk. Wir wollten diesen Krieg nicht und es gab wenige echte Schlachten. Wir gingen den Wraith lieber aus dem Weg, versteckten uns in der versenkten Stadt und hofften, daß wir überlebten.
Mein Vater aber ... Er hatte meine Mutter sehr geliebt. Als er hat mitansehen müssen, wie ihr das Leben ausgesaugt wurde, als er ihre Schreie hörte ... Nun, mir ging es ähnlich wie ihm. Er war besessen davon, die Wraith ein für allemal zu vernichten. Er wollte eine perfekte Waffe schaffen, etwas, daß die Wraith auf einen Schlag vernichtete.
Wir wußten einiges über unsere Gegner, und so machten wir uns daran. Uns war klar, daß wir die beste Chance hatten, wenn wir uns ihrem Genom zuwandten. Wer letztendlich auf die Idee gekommen ist, das ganze an uns selbst anzuwenden, den perfekten Krieger zu schaffen ... ich weiß es nicht mehr. Irgendwann wandten wir uns von der Waffe ab, um eine andere zu entwickeln.Material hatten wir, mit dem wir arbeiten konnten. Wir wußten von den Iratus-Käfern, aus denen sich die Wraith entwickelt hatten. Und dort war auch unser Ansatz.
Lt. Colonel, Sie können sich nicht vorstellen, was für ein Gefühl es war, als wir dachten, wir hätten es geschafft.
Mittels der kombinierten Genome von Wraith, Iratus und uns Antikern selbst hatten wir da etwas, eine Gentherapie, wie Sie es heute nennen würden. In Simulationen und einigen Zellexperimenten funktionierte die Therapie, vollkommen ohne Nebenwirkungen. Das Ergebnis war erstaunlich: Ein Individuum, das mit unglaublichen regenerativen Kräften ausgestattet war, sich aber nicht zu nähren brauchte, sondern weiterhin normale Nahrung zu sich nehmen konnte, wenn auch ... Nun, inzwischen weiß ich, ich brauche mehr Nahrung als ein normaler Mensch.
Mein Vater ging zum Rat, erbat sich die Genehmigung für erste Experimente an einem Individuum. Und der Rat stimmte zu. Sie waren interessiert an einem Krieger, der den Wraith gewachsen war.
Mein Bruder Enkil meldete sich freiwillig und unterzog sich der Therapie. Zunächst schien auch alles wie simuliert zu funktionieren. Er blieb weiter, wer er war, nur verfügte er über wesentlich mehr Kraft, brauchte weniger Schlaf, konnte härter arbeiten. Seine Ausdauer war erstaunlich.
Doch dann ...Wenn ich behaupten würde, er wurde zu einem Wraith, wäre das nicht richtig. Er verlor auch nicht wirklich den Verstand. Aber er wurde unberechenbar und aggressiv. Und irgendwann ... Er war auch in diesem Käfig, Lt. Colonel.
Ich besuchte ihn oft, sah zu, wie er immer mehr degenerierte. Irgendwann erkannte er mich nicht mehr, versuchte mich anzugreifen.
Der Rat zog seine Einwilligung zurück, erklärte das Experiment für gescheitert.
Aber ich ...
Es hatte in allen Versuchen und Simulationen funktioniert. Warum verwandelte Enkil sich aber in eine Bestie? Warum konnte er das Gen plötzlich nicht mehr kontrollieren?
Ohne das Wissen des Rates arbeitete ich weiter. Mein Vater war in einen anderen Teil der Stadt versetzt worden, wir sahen uns kaum noch.
Ich kann Ihnen nicht sagen, warum ich so besessen war. Vielleicht waren es wirklich die Schreie meiner sterbenden Mutter, die mich bis in den Schlaf verfolgten. Vielleicht die Augen von Enkil, deren Verstand immer mehr erlosch.
Und dann verstand ich das Problem. Unsere Proben, mit denen wir die Tests durchgeführt hatten, waren weiblich. Das Genom von Frauen verfügt über größere regenerative Kräfte als das von Männern. Nur eine Frau konnte die Therapie unbeschadet überstehen.
Ein anderer Wissenschaftler half mir, und ich sprach dem Rat vor. Ich wollte ein weiteres Experiment wagen, einen weiteren Kanidaten, eine Frau, für den Test. Doch der Rat lehnte ab. Ich war verzweifelt.
Und in meiner Verzweiflung griff ich zu dem letzten Mittel, um zu beweisen, daß unsere Forschungen nicht umsonst gewesen waren: Ich selbst unterzog mich der Therapie und wurde zu dem Hybridwesen, das ich noch heute bin.
Wieder sprach ich beim Rat vor, ich sagte ihnen, was ich getan hatte und wie es auf mich wirkte. Und der Rat ... Es wurde entschieden, mich wegzusperren. Unter strenger Aufsicht durfte ich an meinen sonstigen Experimenten arbeiten, aber ich durfte den Flügel der Stadt nicht mehr verlassen, durfte keinen Kontakt zu anderen aufnehmen.
Die Pläne zur Evakuierung liefen bereits im vollen Gange, doch ich stand nicht mit auf der Liste. Ich sollte hier bleiben, eingeschlossen in ein Untergeschoß, und auf meinen Tod warten.
Und wieder trat der andere Wissenschaftler an mich heran. Den Namen kennen Sie. Es war Janus.
Er wollte mir die Flucht ermöglichen und organisierte ein Schiff. Auf einem anderen Planeten wäre ich sicher, meinte er. Und so ... eines Tages stieg ich in einen der Gleiter, die Sie Puddlejumper nennen.
Doch ich kam nicht weit. Die Belagerung war undurchdringlich. Ich schoß Wraith-Jäger ab, hetzte sie vor mich her, doch immer mehr erschienen. Man ließ mich nicht gehen. Es war ein Gemetzel.
Schließlich kehrte ich zurück in die Stadt, mir blieb keine andere Wahl. Meine versuchte Flucht war bemerkt worden und ich danach noch schärfer bewacht. Dennoch gelang es Janus immer wieder, in Kontakt mit mir zu treten.
Einige Male gelang es uns zunächst sogar noch, mich auf ein Wraith-Schiff zu schmuggeln. So lernte ich den Nahkampf. Ich tötete viele von ihnen, auch einige ihrer Königinnen.
Für mich war das die Bestätigung. Ich hatte richtig gehandelt. Das Gen funktionierte. Ich konnte kämpfen wie kein anderer. Ich konnte die Wraith zwar nicht endgültig zurück-, aber ihnen standhalten. Wenn es mehr wie mich gegeben hätte, hätten wir vielleicht eine Chance gehabt.
Doch irgendwann kam dem Rat zu Ohren, daß ich trotz allem immer noch aus meinem Gefängnis entkam, daß ich verantwortlich war für die Gemetzel auf den Schiffen. Man stellte mich unter schwerere Bewachung und verschloß die Tür zu dem Bereich, in dem ich mich aufhielt.
Fort konnte ich nicht, auf Ihren Heimatplaneten auch nicht. Das Gate wurde streng bewacht, die Hangar inzwischen ebenso.
Ich weiß nicht, wie es Janus gelang, doch immer wieder kam er zu mir. Gemeinsam arbeiteten wir einen anderen Plan aus.
Wenn ich schon nicht mit den anderen gehen durfte, sollte ich zumindest versuchen, solange wie möglich zu überleben und die Stadt zu schützen.
Janus ermöglichte mir Zugriff auf die Hauptcomputer. Ich besaß zwar nur Sicht, konnte keine Programme ändern oder neu schreiben, aber ich war auf dem laufenden. Und er brachte mir eine Stasiskammer.
Ich habe in Ihren Protokollen gelesen, seit sie hier angekommen sind. Ich weiß inzwischen, daß Janus noch einen zweiten Trumpf hatte und mir deshalb dieses Überleben ermöglichte. Er wußte, ich war nicht wie Enkil geworden. Ich konnte das Gen beherrschen, an dem mein Bruder gescheitert war. Vielleicht hoffte er, wie ich es jetzt tue, daß Sie das ebenfalls erkennen und mir eine zweite Chance geben würden.
Irgendwann war ich allein auf Atlantis, zumindest dachte ich das. Mittels der Scanner konnte ich beobachten, wie die Wraith irgendwann abzogen. Ich hoffte, daß mein Volk zurückkehren würde, doch das tat es nicht. Und so ... irgendwann begab ich mich in Stasis, weil ich die Einsamkeit nicht mehr ertragen konnte. Einige Male in dieser langen Zeit erwachte ich für kurze Zeit, um zu kontrollieren, ob es inzwischen neues Leben auf diesem Planeten gab. Doch nichts geschah, nur die ZPMs entluden sich immer mehr.
Und dann ... betraten Sie die Stadt und Atlantis erwachte aus seinem langen Schlaf. Und die Stadt weckte mich. Zunächst wußte ich nicht, was ich tun sollte, so beobachtete ich weiter Ihr Vorgehen und Ihren Umgang mit Atlantis. Doch ... ich weiß nicht, ob Sie wissen, was Einsamkeit ist, Lt. Colonel. Ich wollte wieder unter meinesgleichen sein, wollte wieder ein Leben. Und so faßte ich den Plan, Sie auf mich aufmerksam zu machen.
Doch als dieser Mann in mein Labor trat ... Er war eine Gefahr für mich. Die Wraith-Zellen in mir waren wach. Ich kämpfte mit ihm und schlug ihn nieder. Verstehen Sie mich recht, ich wollte ihn nicht verletzen, doch ich hatte Angst. Ich wollte Kontakt zu Ihnen, doch nicht so. Man sollte mir zuhören, einmal sollte man mir zuhören!
Ich bin bereit, mich von Ihren Wissenschaftlern untersuchen zu lassen. Und ich bin bereit, bis zu einer endgültigen Entscheidung hier zu bleiben. Aber ich möchte Sie um eines bitten, Lt. Colonel Sheppard. Wenn man sich gegen mich entscheidet, gewähren Sie mir einen Gang durch das Tor. Ich werde nie wieder Atlantis betreten oder Kontakt zu Ihnen suchen. Ich werde mich vor Ihnen verstecken und verschwunden sein. Von mir droht keine Gefahr, und was geschehen ist ... Sie nannten es einen Fehlstart, und ich möchte mich dessen anschließen."

Sheppard hatte sich die ganze Geschichte genau angehört, nagte jetzt nachdenklich an der Innenseite seiner Unterlippe. Die Beine hatte er halb angezogen und seine Arme locker darauf gestützt, sein Blick ging ins Leere.
Vashtu schwieg, sah ihn nur an und wartete.
Sein Blick klärte sich endlich wieder, er sah zu ihr, und diesmal trafen sich ihre Blicke wieder, wenn auch nur für eine Sekunde, ehe er den Kontakt abbrach. Sein Gesicht war sehr ernst.
Vashtu hatte sich auf der anderen Seite des Käfigs ebenfalls irgendwann niedergelassen, saß ihm im Lotossitz gegenüber. Ihr Gesicht war offen, ihre Worte klangen ehrlich.
Sheppard nickte, rappelte sich auf und trat an den Käfig heran. Noch einmal musterte er sie genau und nachdenklich. Dann sagte er: „Nenn mich John."

Etwas später

„Sie wollen was?" Dr. Elisabeth Weir starrte Sheppard einen Moment lang verblüfft an, dann schüttelte sie den Kopf. „Kommt nicht in Frage."
Sheppard beugte sich über den Schreibtisch, die Hände auf die ihm zugewandte Kante gestützt. „Elizabeth, ich bitte Sie. Vashtu hat schon genug mitgemacht. Das letzte, was sie jetzt braucht, ist es, noch einmal eingesperrt zu werden, noch dazu an der Stelle, an der ihr Bruder wahrscheinlich starb."
Weir schüttelte den Kopf. „John, sehen Sie denn überhaupt noch klar? Sie selbst waren es doch ..."
„Da kannte ich die Hintergründe noch nicht", fiel Sheppard ihr ins Wort, richtete sich wieder auf.
„Und jetzt kennen Sie sie? Sie kennen eine nicht überprüfte Geschichte, die Ihnen jemand aufgetischt hat, der zunächst als eine Bedrohung auftrat. Und Sie wollen diesen jemand freilassen?"
„Unter Aufsicht stellen", korrigierte Sheppard sofort, blickte kurz zur Seite und nagte an seiner Unterlippe. „Vielleicht ist Vashtu die Antwort auf unsere Fragen. Vielleicht ..." Er schloß den Mund.
Weir schüttelte immer wieder den Kopf. „Das kann ich nicht zulassen, und Sie wissen das. Diese Vashtu bleibt, wo sie ist, bis wir mehr Antworten haben. Eine unbewiesene Geschichte von ihr selbst kann mich nicht überzeugen."
Sheppard fuhr herum und hob den Arm. Mit der Hand wies er in die ungefähre Richtung, in der der Abschnitt der Stadt lag, in dem die Fremde bis jetzt gewesen war. „Dann lassen Sie ihre Angaben doch überprüfen, Elizabeth! Dann schicken ein paar Techniker dahin, die sich ihr Labor ansehen. Und lassen Sie in den Datenbanken der Stadt suchen. Es wird Aufzeichnungen geben, davon bin ich überzeugt. Aber ich werde nicht zusehen, wie wir sie weiter quälen! Sie selbst hat zugestimmt, sich untersuchen zu lassen. Schicken wir Beckett zu ihr und lassen sie dann unter Aufsicht in die Stadt. Wir müssen es ihr ja nicht gestatten, in wichtige Bereiche einzudringen."
Weir sah ihn überrascht an. „Sie glauben ihr."
Sheppard atmete tief ein, sein Blick war fest. „Ja, ich glaube ihr, und zwar jedes Wort." Er kreuzte die Arme vor der Brust. „Wissen Sie, was sie mich gefragt hat? Ob ich Einsamkeit verstehen könnte. Und das kann ich, wahrscheinlich sogar besser, als Sie denken. Und genau darum werde ich sie aus diesem Käfig holen!"
„Wir sind für die Sicherheit dieser Stadt und ihrer Bewohner verantwortlich, Sie und ich, John", mahnte Weir an. „Vashtu hat Sie offensichtlich tief beeindruckt. Aber ich kenne auch die Berichte. Sie waren vom ersten Moment an beeindruckt. Vielleicht nicht nur das. Vielleicht hat sie Sie beeinflußt. Und aus genau diesem Grund kann ich nicht zulassen, daß sie frei in der Stadt herumläuft."
Sheppards Augen blitzten. „Warum sprechen Sie dann nicht selbst mit ihr? Warum hören Sie sich ihre Geschichte nicht selbst an? Wenn Ihnen so viel an der Sicherheit der Stadt und den Bewohnern gelegen ist, warum wollen Sie dann einem dieser Bewohner weiter die Freiheit vorenthalten?" Er schüttelte erhitzt den Kopf, beugte sich wieder vor. „Elizabeth, ich bitte Sie! Geben sie Vashtu eine Chance, sie hat sie verdient. Hören Sie sie an, und ich bin sicher, Sie werden sehr überrascht sein." Er schloß den Mund, zögerte einen Moment. „Ich bin sicher, sie hält noch irgendetwas zurück. Sie hat mir Vertrauen geschenkt, und jetzt möchte sie eine Bestätigung, daß dieses Vertrauen nicht umsonst gewesen ist. Wenn wir sie freilassen, unter Aufsicht stellen und ihr ein bißchen Freundschaft und Verständnis geben, bin ich sicher, da kommt noch etwas. Sie weiß Dinge, die wir nicht einmal ahnen. Sie war eine Top-Wissenschaftlerin, ehe sie dieses unselige Experiment wagte. Sie hat für den Rat gearbeitet, war an einem Mittel gegen die Seuche beteiligt. Ich möchte gar nicht wissen, welche Dinge durch sie noch ans Licht kommen könnten - wenn wir ihr jetzt etwas Vertrauen schenken."
Weir senkte den Blick. „Das kann ich nicht."
Sheppard hob seufzend den Kopf in den Nacken, starrte zur Decke.
„Warum will sie so unbedingt untersucht werden, haben Sie sich das nicht einmal gefragt? Warum ist sie plötzlich so kooperativ?"
Sheppard senkte den Kopf wieder, ließ die Arme zu beiden Seiten seines Körpers locker nach unten fallen und sah Weir an mit einem Blick, den sie noch nie bei ihm gesehen hatte. „Können Sie sich vorstellen, wie es ist, so lange Zeit eingesperrt zu sein? Können Sie sich vorstellen, niemanden zu haben, der Ihnen helfen kann? Und können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn dann plötzlich jemand auftaucht und nur eine dünne Wand zwischen Ihnen und diesem anderen ist? Eine Wand, die Sie vielleicht einreißen könnten, wenn Sie sich kooperativ zeigen? Wenn Sie sich öffnen und dem anderen Dinge zugestehen, die Ihnen vielleicht unangenehm sind, die Ihnen aber weiterhelfen könnten?"
Weir sah ihn forschend an. War da Schmerz in seinen Augen? Ein Schmerz, der ihr unbekannt war, der so tief in ihm brannte, daß er ihn noch niemanden hatte sehen lassen?
Sheppard wandte den Kopf und sah zu den Fenstern hinaus. Seine Stirn umwölkte sich. „Ich kann es nicht ganz, aber zum Teil. Und genau aus diesem Grund will ihr ihr eine Chance geben. Sie ist weder ein Wraith noch eine Bedrohung, davon bin ich überzeugt. Und wenn Sie nicht bereit sind, ihr etwas Vertrauen zu schenken, ich bin es. Ob nun mit oder ohne Ihre Zustimmung, Elizabeth, ich werde sie freilassen. Die Frage ist nur, tue ich es hier oder lasse ich mir eine Adresse von ihr geben und schicke sie durch das Gate. Und hier wäre sie uns meiner Meinung nach weit nützlicher als auf irgendeiner, vielleicht inzwischen leeren Welt." Er kniff die Lippen aufeinander, als müsse er sich noch einen letzten Satz verkneifen.
Weir beugte sich vor, stützte die Arme auf ihren Schreibtisch, eine Hand legte sie an ihre Lippen.
So hatte sie John Sheppard wirklich noch nie gesehen. Und das sollte diese Fremde ausgelöst haben? Konnte sie in der wenigen Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, tatsächlich einen solchen Einfluß auf ihn ausgeübt haben? War es möglich, daß sie ihn so gründlich an der Nase herumgeführt hatte, um zu erreichen, was immer sie wollte?
Weir runzelte die Stirn.
Sheppard stand starr da, blickte noch immer aus den Fenstern in den Gateroom hinaus.
Sie vertraute ihm und seinem Urteil eigentlich. Er mochte sich schon einige Male geirrt haben, aber im allgemeinen besaß er ein Gespür dafür, was richtig und was falsch war. Nur leider wollte er nur zu gern immer wieder mit dem Kopf durch die Wand. Und ihr gelang es nicht immer, ihn daran zu hindern.
Irrte er sich jetzt? Bildete er sich nur ein, daß diese Vashtu ihre Freundschaft suchte? Oder ...
„Nehmen Sie Beckett und lassen Sie sie untersuchen. Sollte Carson nichts finden, steht Vashtu unter Ihrer Aufsicht, Colonel", entschied Weir endlich.
Wenn es möglich war, leuchteten seine Augen, als er sich mit einem breiten Grinsen wieder zu ihr umdrehte. Er nickte, und voller Energie wollte er zur Tür hinaus.
„Aber, John", fügte Weir noch an, sah ihm noch einmal ins Gesicht. „Wenn Sie sich irren, werden Sie persönlich die Verantwortung tragen, haben Sie verstanden? Sollte Vashtu sich als Bedrohung herausstellen, werde ich Sie dafür belangen und an die Erde melden."
Sheppard nickte eifrig, ehe er den Raum verließ. Weir meinte, ein kurzes „Danke" in der Luft hängen zu hören.

Einige Stunden später

Vashtu blickte auf, als Sheppard den Raum wieder betrat. Sie spürte sofort, daß da noch jemand bei ihm war, ein anderer, dessen Verbindung zu ihr aber längst nicht so stark war wie die erste. Sie runzelte die Stirn, als sie erkannte, daß dieser sich sogar gegen das wehrte, was ihm gegeben worden war.
„Vashtu?" Sheppard blickte um die Ecke.
Sie erhob sich, lächelte ihn an.
Sheppards Augen strahlten. „Ich bringe jemanden mit." Mit diesen Worten winkte er jemanden, der noch in der Finsternis stand und nun etwas schüchtern daraus auftauchte. Der andere ...
„Das ist Dr. Beckett", stellte Sheppard ihn vor. „Wenn er sein Okay gibt, darfst du gehen."
„Dr. Beckett." Sie neigte grüßend den Kopf.
„Öffnen."
Dieser Dr. Beckett schien unsicher, sehr unsicher. Seine Augen zuckten nervös, und seine Hände umklammerten krampfhaft die Tasche, die er mit sich trug.
Vashtu neigte den Kopf leicht zur Seite. Sie konnte fühlen, wie das Kraftfeld erlosch. Unwillkürlich trat sie, jetzt selbst etwas unsicher, einen Schritt zurück.
„Sollten wir sie nicht betäuben?" fragte Dr. Beckett in diesem Moment.
„Das ist nicht nötig, Doc", antwortete Sheppard, trat als erster in den Käfig.
Vashtu sah ihm entgegen, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf Dr. Beckett.
Irgendwie ... er war ihr sympatisch. Deutlich kleiner als Sheppard, etwas untersetzt. Sein Gesicht wirkte offen und freundlich.
Jetzt trat er sichtlich nervös ebenfalls in den Käfig, ging langsam an Sheppard vorbei. Der hatte die Arme vor der Brust gekreuzt und beobachtete aufmerksam alles weitere.Vashtu atmete einmal tief ein, dann trat sie dem Doktor entgegen.
Beckett sah sie an wie die Maus die Schlange, schluckte einige Male. „Dann ... ich muß." Verlegen blickte er sich um, stellte die Tasche schließlich auf den Boden und beugte sich darüber.
Vashtu erhaschte einen Blick auf vertrautes. Spritzen, Nadeln und noch einiges. Lächelnd krempelte sie den Rest ihres Ärmels über den Ellenbogen, spannte die Muskeln an.
„Ich werde zunächst etwas Blut abnehmen", erklärte Beckett und erhob sich. Erstaunt riß er die Augen auf, als sie bereits soweit bereit stand und ihm ihren Arm hinhielt.
„Das ist kein Problem, Doktor", sagte sie lächelnd. „Ich kann mir die Nadel auch selbst setzen."
„Ich ..." Beckett schüttelte verdattert den Kopf.
„Ich habe doch gesagt, es ist kein Problem", ließ Sheppard sich vernehmen.
„Wenn Sie das Blut untersuchen, werden Sie veränderte Genstränge finden, Doktor. Sollte das ein Problem sein, ich kann Ihnen gern meine Unterlagen zur Verfügung stellen. Mutationen gab es, meines Wissens, nicht. Falls sich doch etwas finden sollte, wäre ich sehr dankbar, wenn Sie mich informieren würden. Vielleicht könnten wir dann gegensteuern."
Beckett starrte sie immer noch an. „Wie ... ?"
„Sie war bei den Antikern Wissenschaftlerin, Doc", erklärte Sheppard. „Sie selbst hat das veränderte Gen geschaffen, das sie trägt."
Beckett drehte sich halb um, daß er zwischen ihnen beiden stand. Irritiert sah er immer wieder von einem zum anderen. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf sie.
„Sie waren Wissenschaftlerin?"
Vashtu nickte, band sich nun selbst den Arm ab. „Bei ihnen heißt es, glaube ich, Gentechnikerin. Aber das ist lange her."
Becketts Gesicht verzog sich zu einem kameradschaftlichem Lächeln. „Wirklich? Ich arbeite selbst auf diesem Gebiet. Und, ich muß zugeben, seit wir hier sind, bin ich mit seinem Arbeiten erstaunlich weit gekommen. Vielleicht möchten Sie später einen Blick darauf werfen."
Über die Schulter des Arztes konnte Vashtu Sheppard beobachten, der ungeduldig dastand, das Gewicht immer wieder von einem Bein auf das andere verlagerte. Beckett redete weiter, während er ihr endlich Blut abnahm.
„Diese Sache ist höchst interessant. Woran haben Sie zuletzt gearbeitet?" Beckett zog die Nadel aus ihrem Arm, drückte die winzige Wunde mit einem Tupfer ab.
Vashtu spannte die Muskeln wieder an und hob den Arm. „Nahrungsersatz. Wir hatten zwar das Tor, aber die Wraith wußten, daß wir darauf angewiesen waren, Nahrung von außen zu holen. Mein Auftrag war es, die verschiedenen pflanzlichen Restbestandteile des Salzwassers auf ihren Nährwert hin zu untersuchen und gegebenenfalls anzureichern, um daraus Nahrung zu gewinnen."
Beckett nickte anerkennend. „Ein weites Feld, und sicher nicht ganz einfach. Immerhin standen Sie hier ziemlich unter Druck damals, nicht wahr?"
Sheppard sah sie nachdenklich an, eine Frage in den Augen.
Vashtu nickte ihm stumm als Antwort zu. „Nicht ganz einfach, das gebe ich zu. Aber nicht wirklich ausfüllend. Immerhin hatte ich noch genug Zeit, um meine eigenen Forschungen an der Gentherapie fortzuführen."
Beckett schloß seine Tasche wieder. „Ich würde mich gern weiter mit Ihnen darüber unterhalten, Vashtu. Und ich denke, in den nächsten Tagen werden wir noch einige Zeit mit Gesprächen verbringen, wenn Sie möchten."
„Was soll das heißen?" Sheppard trat vor.
Beckett drehte sich zu ihm um. „Nun, das heißt, daß sie leider noch einige Zeit in Quarantäne bleiben muß, ehe ..."
„Sie sollten sie untersuchen und Ihr Okay geben, damit ich sie unter meine Aufsicht stellen kann", entgegnete der Colonel hitzig.
„Solange wir nicht wissen, ob nicht vielleicht doch eine Bedrohung durch sie erfolgt, entschuldigen Sie, Vashtu, werde ich sie nicht in die Stadt lassen, Colonel." Beckett blieb fest.
Sheppards Augen flammten auf. „Das ist ..."
„John!" Vashtu fing seinen Blick ein, schüttelte energisch den Kopf. „Ich habe gesagt, ich warte. Und ein paar Tage kann ich durchaus noch überstehen."
Sheppard sah sie an, die Kiefer fest aufeinander gepreßt, dann senkte er den Blick.
Beckett dagegen starrte sie entgeistert an, dann glitt sein Blick zu dem Colonel hinüber, ging dann wieder zwischen ihnen hin und her. Schließlich nickte er verstehend und leicht schmunzelnd, nahm seine Tasche.
„Ich möchte mit Ihnen sprechen, Colonel", sagte er, als er den Käfig wieder verließ.
Sheppard sah wieder Vashtu an, die seinen Blick erwiderte, langsam den Kopf schüttelte. „Es wird gehen", wisperte sie schließlich.
Er öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen, dann aber wandte er sich abrupt ab und verließ ebenfalls den Käfig, folgte Beckett auf dem Fuße.
„Was sollte das gerade?" fuhr er den Mediziner an, kaum daß sie um die Ecke des Ganges waren.
Beckett blieb stehen, sah zu ihm hoch. „Dr. Weir rief mich an und übertrug mir die Entscheidung, Colonel. Und ich werde sie nicht eher aus der Quarantäne entlassen, als daß ich genau weiß, was in ihr vorgeht."
„Sie sollten einen Blick auf sie werfen und sie dann an mich überstellen, Doktor. So war es abgemacht!" entgegnete Sheppard wütend. „Ich lasse mich nicht übergehen."
Beckett sah ihn an, reckte sich dann. „Und was soll ich Ihrer Meinung nach jetzt sagen? Daß ihr Blut rot wie unseres ist? Colonel, Sie wissen doch sehr genau, daß ich noch gar nichts sagen kann, noch rein gar nichts. Abgesehen von der einen oder anderen Kleinigkeit."
„Ich werde sie nicht in diesem Käfig lassen. Sie ist keine Gefahr!" Sheppard reckte sein Kinn vor.
„Sie wird auch nicht hier bleiben. Ich überstelle sie in den Überwachungsraum. Dort haben wir sie unter Kontrolle und sie kann sich ein wenig an die Umgebung und die Menschen hier gewöhnen. Denn, auch wenn es Ihnen vielleicht entgangen ist, diese Vashtu ist in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht gerade sehr erfahren. Nach allem, was Sie mir bereits erzählten, war sie schon bevor Atlantis verlassen wurde eingesperrt. John, zehntausend Jahre. Wir wissen nicht, was eine so lange Einsamkeit in einem Menschen anrichten kann, erst recht nicht wenn dieser Mensch ein Antiker ist. Wir müssen sie langsam an andere Individuen gewöhnen. Wenn wir sie jetzt in die Stadt lassen, erleidet sie vielleicht einen Kulturschock. Ich werde auf jeden Fall Dr. Heightmeyer zu ihr schicken."
Sheppard biß sich auf die Lippen, seine Hände verkrampften sich immer wieder zu Fäusten. Doch er nickte.

Einige Tage später

Dr. Weir stand oben auf der Galerie und sah hinunter auf die Gestalt, die auf dem Bett saß, die Beine angezogen, und offensichtlich in einem Buch las. In frischer Kleidung, einem neuen Haarschnitt und sauber wirkte Vashtu selbst auf sie vollkommen normal. Dennoch bereitete ihr das Auftauchen dieser Frau viele Sorgen.
„Ah, Elizabeth, schön, Sie zu sehen."
Weir blickte auf und nickte Beckett zu, der gerade auf die Galerie getreten war, einen Stapel Papiere in den Händen. „Carson. Ich wollte mir einmal selbst unseren unverhofften Gast ansehen."
Beckett nickte verständnisvoll, stellte sich neben sie und blicke hinunter.
„Liest sie tatsächlich?" erkundigte Weir sich.
„Oh ja, das tut sie", antwortete Beckett. „Das Buch hat sie von Colonel Sheppard. Sie liest sehr interessiert, offensichtlich gefällt es ihr."
Weir nickte skeptisch. „Dann ist er also hier gewesen."
Beckett lächelte. „Oh, er ist fast jeden Tag hier, nach seinem Dienst. Meist eine Stunde, manchmal etwas länger, manchmal etwas kürzer. Die beiden haben sich offensichtlich viel zu erzählen."
Weir nickte, runzelte leicht die Stirn. „Und was sagen Sie zu ihr?"
Becketts Lächeln vertiefte sich. „Meine Tests sind so gut wie abgeschlossen. Und, bis auf das, was sie selbst zugibt, habe ich nichts gefunden. Dr. Heightmeyers Bericht dürften Sie ja bekommen haben. Auch sie attestiert ihr eine gute geistige Gesundheit. Sie leidet eben nur an der langen Einsamkeit, darum bemühen wir uns, ihr Kontaktpersonen zur Seite zu stellen. Der Colonel ist geradezu ... Nun ja, wie gesagt, die beiden haben viel miteinander zu besprechen."
Weir nickte wieder, ihre Hände glitten über das Metallgestränge der Galerie. „Rodney ist immer noch mit den Auswertungen der Daten in ihrem ... Labor beschäftigt. Wie es aussieht, hat sie auch hier die Wahrheit gesagt. Sie hatte Zugriff auf den Hauptrechner, aber keine Möglichkeit, ihn irgendwie zu manipulieren." Sie schüttelte den Kopf.
Beckett sah sie besorgt an. „Aber etwas bereitet Ihnen Kopfschmerzen. Was ist es?"
„Sheppards Vernarrtheit in diese Frau, die bereitet mir Sorgen." Sie seufzte. „Ich frage mich, was da vor sich geht. Er ist nicht wie sonst. Man könnte den Eindruck gewinnen, er ..." Sie schüttelte den Kopf.
Beckett nickte. „Sie sollten sich darum keine Sorgen machen, Elizabeth", antwortete er. „Ich glaube im Gegenteil, Vashtu tut dem Colonel gut. Er kommt mehr aus sich heraus als bisher. Und ... da kommt er übrigens."
Weir richtete sich wieder auf, sah nach unten.
Tatsächlich hatte sich gerade die Tür geöffnet und Colonel Sheppard betrat den Raum, eine Kiste unter dem Arm. Vashtu blickte auf, und sie lächelte.
Weir runzelte die Stirn.
Sheppard ließ sich auf der im Raum stehenden Sitzgruppe nieder und öffnete den Karton. Dann begann er, ein Schachspiel aufzubauen. Vashtu trat interessiert näher, betrachtete ihn aufmerksam dabei.
„Das ist interessant. Sie sollten es sich ansehen, Elizabeth. Dann werden Sie vielleicht verstehen, warum ich keine Bedenken habe." Beckett nickte lächelnd.
Weir blickte ihn fragend an. „Was meinen Sie?"
Vashtu ließ sich jetzt auf der anderen Seite des Spielbrettes nieder. Sheppard hatte den ersten Zug.
„Seit ein paar Tagen bringt der Colonel dieses Spiel mit. Sie spielen ... Oh, ich glaube, gewonnen hat noch keiner von ihnen, seit Vashtu Schach verstanden hat."
Weir runzelte die Stirn, blickte wieder nach unten und beobachtete eine Weile das Spiel.
„Das ist nicht möglich!" entfuhr es ihr endlich. „Haben wir Aufnahmen davon?"
Beckett nickte. „Sie spielen genau gleich. Ständig gibt es ein Remis nach dem anderen. Sie denken gleich, wie eine Person, nur eben in zwei Körpern", erklärte er. „Zu Anfang gewann Sheppard noch, doch bereits ab der dritten Partie gibt es diese Konstellation. Sie können nicht gegeneinander gewinnen, es sei denn, einer von ihnen läßt es zu."
Vashtu zog den schwarzen Läufer, schlug damit Sheppards Turm. Der wiederum nahm ihren Springer. Die Partie näherte sich ihrem Ende, einem Ende, das nur auf eines hinauslaufen konnte: ein Remis.
Weir schüttelte den Kopf. „Soetwas habe ich noch nie gehört. Das ist unmöglich!" entfuhr es ihr.
Beckett zuckte mit den Schultern. „Ich kann Ihnen nichts anderes sagen. Aber nach Vashtus Geschichte habe ich mir soetwas bereits gedacht. Sie beide sind etwas unkonventionell. Ein merkwürdiger Zufall, aber geistig scheinen sie tatsächlich auf genau der gleichen Ebene zu stehen, einmal abgesehen von Vashtus etwas höherem Entwicklungsstand. Es ist, als seien sie geistig verbunden." Er betrachtete die beiden dort unten noch einmal sehr genau. „Und ich denke, genau dieser Umstand hat den Colonel so für Vashtu eingenommen. Er ist fasziniert von ihr, das gebe ich zu, aber es ist auch umgekehrt. Er ist inzwischen zu ihrer Bezugsperson geworden, ihm vertraut sie am meisten. Wenn wir Sheppard jetzt verbieten, sich weiter mit ihr zu treffen, könnte das auf ihren Geisteszustand Auswirkungen haben. Und genau darum würde ich mich an Ihrer Stelle in die Situation fügen. Ändern können Sie sie sowieso nicht mehr."
Das Remis war da. Keiner der beiden Spieler konnte noch vor oder zurück. Ein Patt.
Sheppard lachte, lehnte sich entspannt zurück.
Weir atmete tief ein. „Und Sie sagen, es besteht keine Notwendigkeit mehr, sie hier festzuhalten?"
„Vom medizinischen Standpunkt aus nicht."
Weir konnte nicht aus ihrer Haut, sie machte sich Sorgen um Sheppard. Er war anders als sonst. Schon allein diese Beobachtung, wie er dort so merkwürdig entspannt bei dieser Fremden saß, wie er mit ihr lachte und Scherze machte. Etwas war eigenartig an dieser Sache.
„Wenn Sie mich fragen, lassen Sie sie unter Aufsicht in die Stadt, Elizabeth. Wenn sie etwas zu verbergen hat, werden wir es ohnehin erst erfahren, wenn es soweit ist. Wenn sie Geheimnisse hat, wird sie sie uns auf diesem Wege nicht verraten."
„Könnte sie Atlantis schaden?" Weirs Fingerknöchel wurden weiß, so fest umspannte sie das Geländer.
Beckett neigte den Kopf, drückte die Papiere, die er schon die ganze Zeit mit sich herumtrug, fester an den Körper. „Die Geräte reagieren selbstverständlich auf sie und wir haben nicht die leiseste Ahnung, zu was ihr Geist fähig ist. Aber ... Ich glaube nicht, daß sie eine Gefahr für Atlantis darstellt. Bisher war sie mehr als kooperativ und hat alles mit sich machen lassen. Sie will einfach nur Anschluß. Wir könnten eine Menge von ihr lernen, Elizabeth."
„Mir bereitet es Sorge, daß sie erst jetzt aufgetaucht ist. Warum nicht schon eher. Mehr als genug Möglichkeiten dazu hatte sie."
Beckett warf ihr einen langen Blick zu. „Wirklich?"

TBC ...

10.09.2009

Vashtu I

TV-Serien: Stargate: Atlantis
Genre: adventure, scifi
Rating: M
Zeitleiste: Diese Fanfiktion spielt innerhalb der zweiten Staffel Stargate: Atlantis
Author's Note: Nicht daß ich mich wieder mit fremden Federn schmücke! Teile der Charakterisierung sowie des Handlungsverlaufs wurden mit einer anderen Dame besprochen und festgelegt. Da die gute ja immer so gern auf ihr Recht pocht also: ich bin für ca. die Hälfte der Storyline verantwortlich und die dumme Tippse, die das ganze aufgeschrieben hat. Den weitaus größeren und kreativeren Teil der Verantwortung liegt bei einer Dame, die sich Arielen, Kris oder Crystal Sun nennt (übrigens einschließlich Vashtus Charakterisierung!).
Kommentare sind (wie immer) erwünscht!


Jetzt

Lt. Colonel John Sheppard betrat den abgedunkelten Raum, nickte dem Wächter grüßend zu und sah sich um. Die indirekte Beleuchtung sorgte dafür, daß die Dunkelheit noch undurchdringlicher wirkte, die Schatten noch drohender. Und in der Mitte, dort woher das Licht zu kommen schien, befand sich der Käfig.
Sheppard erinnerte sich an andere Gelegenheiten, bei denen er hier gewesen war. Gelegenheiten, die nicht sonderlich angenehm waren - weder für ihn noch für die, die in diesem Käfig gesessen hatten.
Er trat vorsichtig an die Gitterstäbe heran, wohl wissend, daß diese selbst den Wraith standhielten, und betrachtete den jetzigen Insassen.
„Hallo", begrüßte er die Gefangene.
Die Frau drehte sich zu ihm um. Dunkle Augen trafen auf seine, schienen seinen Blick einen Moment lang zu bannen, ehe sie ihn wieder frei gaben. Ein beinahe schüchternes Lächeln erschien auf ihren Lippen, während sie langsam näher an die Gitterstäbe trat. Ein Lächeln, das so gar nicht zu dem passen wollte, was in den letzten sechs Stunden passiert war.
Sheppard zögerte einen Moment, versucht, vor der Fremden zurückzuweichen. Dabei hämmerte er sich in sein Hirn, daß es hier ein Kraftfeld gab. Ein Kraftfeld, das einen Wraith abhalten konnte. Er war sicher.
„Tut mir leid ... wegen dem hier und so", fuhr er fort.
Die Fremde sah ihn immer noch an, wandte sich dann ab und nickte. „Es ist nicht eure Schuld. Manchmal ..." Sie unterbrach sich.
Sheppard fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar, brachte es dabei nur noch mehr in Unordnung. „Klassischer Fehlstart, würde ich behaupten", sagte er mit einem schiefen Grinsen, stützte die Hand auf seiner Hüfte ab. „Und wenn wir uns jetzt in Ruhe unterhalten können, können wir uns auch vorstellen. Ich bin Lt. Colonel John Sheppard, militärischer Leiter hier."
„Vashtu Uruhk."
Er stutzte. „Vashtu?"
Sie drehte sich wieder zu ihm um und nickte stumm.
Sheppard zögerte wieder, verlagerte das Gewicht von einem Bein auf das andere. „Es ist das erste Mal, daß wir einen Namen erfahren von einem von euch."
Vashtu sah ihn fragend an. „Einem von uns? Sie gehören doch auch zu diesem Uns, warum also sollte ich meinen Namen nicht nennen?"
„Moment mal." Sheppard trat näher an den Käfig heran, sein Gesicht war sehr ernst geworden. „Ich gehöre sicher nicht zu euch, ganz sicher nicht. Ich bin kein Wraith."
Vashtu sah ihn einen Moment lang wirklich verblüfft an, dann begann sie zu lachen, laut und schallend - und sehr angenehm. Ein Gelächter, das ihn anstecken wollte, ein Gelächter, eigentlich voller Humor, doch jetzt gewürzt mit einer gehörigen Portion Sarkasmus.
„Ich ein Wraith?" Vashtu trat an die Gitterstäbe, grinste ihn voll bitterem Hohn an. „Es stimmt, ich trage Wraith-Zellen in mir, aber aus einem anderen Grund als ihr offensichtlich denkt. Ich bin eine Antikerin, Lt. Colonel Sheppard. Diese Stadt ist meine Heimat, seit mehr als zehntausend Jahren. Ich wuchs hier auf und habe an einem Experiment teilgenommen, das mich zu dem machte, was ich jetzt bin: nahezu unsterblich und voller Kraft. Ich sollte die letzte Waffe gegen die Wraith sein, Colonel, und Atlantis vor ihnen schützen."

6 Stunden früher

„McKay, was gibt es?" Sheppard nahm mit Schwung die letzten Stufen, nickte Dr. Elizabeth Weir kurz grüßend zu.
Rodney McKay, leicht untersetzt und etwas verschwitzt, tauchte unter der Konsole des Hauptrechners auf und kreuzte die Arme vor der Brust. Sein Gesicht nahm einen hochmütigen Ausdruck an, als er bemerkte, wer dem Lt. Colonel auf dem Fuß gefolgt war.
„Wir haben eine rätselhafte Anzeige im Lebenszeichendetektor", erklärte er, wischte mit einer Hand durch die Luft, als wolle er eine Fliege verscheuchen.
Sheppards Augenbrauen zogen sich gen Haaransatz. Nun kreuzte auch er die Arme vor der Brust und in seinen Augen lag ein Hauch von Schalk. „Tatsächlich ... interessant", meinte er nur.
„Rodney, kommen Sie zum Punkt", wandte nun Dr. Weir ein. „Sie haben uns hergerufen, weil Sie etwas wichtiges gefunden haben. So sagten Sie jedenfalls." Sheppard blieb stumm, nickte aber zustimmend.
McKay atmete einmal tief ein, seine Brust hob sich.
Ronon, der sich hinter dem Lt. Colonel aufgebaut hatte, knurrte etwas unverständliches. Zwei Techniker wechselten vielsagende Blicke.
„Wir haben eine Störung - oder hatten - oder ... Kurz gesagt, ich bin da auf etwas gestoßen", begann McKay jetzt mit einer weitausholenden Erklärung.
„Wir haben/hatten eine Störung?" Sheppard neigte den Kopf leicht nach vorn. „Und?"
McKays Gesicht verzog sich, als habe er in eine Zitrone gebissen. „Ich wollte an den Detektoren arbeiten, um die Einstellungen verfeinern zu können. Nun, und dabei sind wir auf etwas gestoßen, das uns allen wohl bisher entgangen ist."
„Wir." Sheppards Stimme klang trocken. Kurz sah er sich um, hob die Brauen wieder.
McKay schien sich, wie ein Hahn auf dem Misthaufen, aufzuplustern. „Ich."
„Habe ich Ihnen nicht gesagt, Sie sollen Ihre Finger von den Detektoren lassen, solange wir nicht genau wissen ..."
„Ich weiß genau, was ich tue", fiel McKay Weir ins Wort.
Die Expeditionsleiterin kreuzte die Arme vor der Brust und beugte sich leicht nach vorn. „Das haben Sie schon öfter gesagt. Was ist passiert?"
McKay wandte rasch den Blick ab, zu rasch für Sheppards Geschmack, doch noch hielt er sich zurück.
„Wie es aussieht, ist noch etwas in Atlantis. Nur können wir es nicht wirklich orten. Das heißt, orten können wir das Signal schon, nur scheint es immer wieder ..."
„Was können Sie orten, Rodney?" mischte Sheppard sich ein und schnitt dem aufgeregten Wissenschaftler das Wort damit ab, wofür er von diesem einen verärgerten Blick erntete.
„Wir sind uns nicht sicher, aber es könnte immerhin sein."
Sheppard beobachtete seinen Gegenüber weiter. McKay war nervös, sehr nervös. Kein gutes Zeichen.
„Was haben Sie gefunden, Rodney?" fragte Dr. Weir nun wieder. Ronon knurrte erneut etwas.
McKay wand sich sichtlich, preßte die Lippen aufeinander. Erst als Sheppard drohend einen Schritt vortrat hob er die Hand.
„Es sieht aus, als hätten wir noch einen Wraith in der Stadt."
Das saß!
Sheppard prallte zurück wie vor eine Wand gelaufen, Dr. Weir, die gerade wieder hatte etwas sagen wollen, blieb der Mund offen stehen.
McKay baute sich, und sein angeschlagenes Selbstvertrauen, jedoch schnell wieder auf. „Das Problem, das ich habe, ist einfach: Mal ist der Wraith da, mal wird ein Mensch angezeigt. In ein und dem gleichen Raum. Ein solches Phänomen dürfte es eigentlich nicht geben, schon gar nicht mit den doch technisch sehr ausgereiften Detektoren der Antiker. Dennoch bleibt es ein Rätsel. Ich denke, es liegt an der Kalibrierung der Detektoren. Wahrscheinlich haben sie sich selbstständig in den letzten zehntausend Jahren verstellt, wodurch ..."
„Ein Wraith? Hier?" Sheppard atmete einige Male tief ein. „Wo?"
„Die Sache ist die, daß es sich bei seinem Aufenthaltsort um einen Abschnitt handelt, den wir bisher noch nicht erschlossen haben. Er sollte, laut Plan, erst nächsten Monat genauer durchsucht werden. Wir haben also so gut wie keine Ahnung, ob ..."
„Wo?" Wieder ein drohender Blick von Sheppard.
„Wie kommt es, daß wir ihn erst jetzt bemerken?" fragte Dr. Weir irritiert. „Es hätte doch schon längst irgendeine Meldung geben müssen."
„Der Bereich war bis jetzt abgeschottet. Offensichtlich wurde der Wraith bei der Belagerung ..."
„Wo, zum Teufel, finden wir diesen verdammten Wraith, McKay!" Sheppards Stimme erhob sich bei diesen Worten erstaunlich wenig für die gewaltigen Gefühle, die gerade in ihm hochkochten.
McKay schien tatsächlich den Kopf einzuziehen. „Im südlichen Abschnitt. In einem Raum nahe der Flutmarke."
Sheppards Blick glitt von dem Wissenschaftler ab und zu der Anzeige hin. Aufmerksam studierte er einen Moment lang den Lageplan, bis er fand, was er suchte. Ein kleines, blinkendes Licht, das in einer ungesunden Farbe immer wieder aufleuchtete.
„John?"
Sheppard starrte weiter auf die Anzeige, während ihm tausend Gedanken durch den Kopf gingen, sich in seinem Hirn ein gewisser Plan festsetzte. Dann drehte er sich herum, seine Hand fuhr hoch und aktivierte sein Sprechfunkgerät. Den Blick ließ er bei seinen Befehlen auf Dr. Weir gerichtet.
„Ein Dutzend Männer zu mir, schwere Bewaffnung." Er sah die Leiterin einen Moment lang an, dann nickte er, drehte er sich herum und wollte gehen. Doch dann stockte er, wandte sich erneut dem Raum zu. Seine Augen glitten suchend über die Anwesenden.
„Wo ist Ronon?"

5 Stunden früher

Sheppard gab Handzeichen, hob seine Waffe.
Herzukommen war noch die leichteste Übung gewesen. Doch wenn sie hinter der geschlossenen Tür tatsächlich ein Wraith erwartete ... er hatte so seine Erfahrungen mit diesen Grünhäuten. Und eigentlich legte er keinen Wert darauf, diese Erfahrungen noch zu vertiefen.
Auf der anderen Seite stand klar und deutlich die Sicherheit von Atlantis. Er als militärischer Leiter war verpflichtet, die wissenschaftliche Expedition zu schützen und zu unterstützen. In diesem Fall dürfte es allerdings eher das erstere sein. Niemand sollte zu Schaden kommen, wenn es sich verhindern ließ.
Sheppard warf kurz einen Blick zurück auf den finsteren Gang, durch den sie gekommen waren. Weit hinten flackerte eine Lampe, ansonsten war es dunkel. Mit seinem tragbaren Lebensdetektor war er gerade noch einmal sicher gegangen, daß, was auch immer sich in diesem Raum befinden sollte, auch wirklich drin war und sich nicht etwa bereits über die verzweigten Gänge davongemacht hatte.
Merkwürdig war es allerdings schon. Sie schienen sich hier in einem Teil der Stadt zu befinden, der durch das Kraftfeld nicht so sehr geschützt worden war wie der Rest der gigantischen Anlage. Am Ende des Ganges moderte eine Metalltür vor sich hin und hing schief in ihrer Schiene. Der Gang, den sie entlanggekommen waren, war mit Mooskissen und wenig dekorativen Flechten an den Wänden geschmückt. Überall konnte man Wasserrinnen auf dem Metall erkennen. Dies war wirklich der erste Teil von Atlantis, dem man sein Alter zumindest ansatzweise ansah.
Sheppard warf wieder einen Blick auf das Handgerät und preßte die Lippen aufeinander. Natürlich, zwei Anzeigen.
Sheppard steckte das kleine Gerät wieder in die Brusttasche seiner Überlebensweste, nickte Lt. Davids zu. Mit leisem Klicken entsicherten sich die Waffen.
Sheppard atmete noch einmal tief ein, biß sich auf die Lippen. Dann hob er die Linke und gab erneut Zeichen. Sofort nahmen die Marines Aufstellung zu beiden Seiten der Tür.
„Colonel", zischte Teyla ihm über die Schulter hinweg zu.
Davids starrte ihn an.
„Was?" Sheppard war ungeduldig. Er wollte diese Sache endlich aus der Welt schaffen. Einen Wraith in Atlantis zu haben war eine unangenehme Angelegenheit.
„Ich fühle nichts", wisperte Teyla ihm zu.
Sheppard stutzte, ließ die Hand sinken und drehte den Kopf. „Wie bitte?"
Teyla nickte zur Tür. „Es gibt keinen Wraith da drin, Colonel Sheppard", wiederholte sie.
„Sir?"
Sheppard runzelte die Stirn. „Keinen Wraith? Aber ..."
Hatte er stumm genickt? Oder hatte Davids eigenmächtig gehandelt. Sheppard wußte es selbst nicht mehr zu sagen in dem Chaos, das folgte. Eines allerdings mahnte er sich sofort an: Wer auch immer seine Gesten falsch verstanden hatte, würde noch die Folgen tragen.
Die Tür wurde geöffnet, einer der anderen Soldaten war es offensichtlich gewesen, und die ersten des kleinen Trupps stürmten den Raum. Nur Sekundenbruchteile später hörte man ihre Schmerzensschreie und ein feines Zischen in der Luft.
„Verdammt!"
Sheppard preschte vor, als Schlußlicht des Trupps statt als deren Anführer. Und jetzt sah er sie das erste Mal:
Schnell, präzise und grazil schoß die Gestalt durch den Raum, eine lange Stange in den Händen. Dunkles Haar wirbelte um ein blaßes Gesicht, die Kleidung wirkte verblichen und alt. Zielsicher traf die antiquierte Waffe, die sie in Händen hielt, einen weiteren Mann im Nacken, krachte auf sein Genick, daß er fiel wie ein gefällter Baum. Dann schien auch sie Sheppards Anwesenheit zu bemerken, blieb wie erstarrt stehen und erwiderte seinen Blick.
Für den Colonel war es, als sei plötzlich die Zeit stehen geblieben. Woran es lag, konnte er selbst nicht genau sagen. Dieser Blick traf ihn mit einer Wucht, der er kaum gewachsen war. Die fremden, dunklen Augen weiteten sich etwas, wie vor Überraschung.
Eine Sie. Eine Frau.
Sheppard begriff nicht wirklich, was um ihn herum geschah. Seine Welt schien plötzlich nur noch aus den Augen dieser Frau zu bestehen. Und irgendwie gewann er in dieser Ewigkeit den Eindruck, auch sie würde nicht anders empfinden. Ihre Blicke klebten wie die Seidenfäden eines Spinnennetzes aneinander, und keiner von ihnen schien sich wirklich losreißen zu können - oder zu wollen?
Dann brach die Fremde den Bann, wirbelte herum, ließ den Stab noch einmal tanzen, um ihn dann, wie einen Speer, zu werfen. Die Waffe knallte gegen das raumhohe bunte Fenster ... und bohrte ein Loch in das Material.
„Stehenbleiben!" rief jemand.
Die Fremde warf noch einen Blick zurück. Sheppard wurde es heiß und kalt. Noch immer war ihm, als sei er an der Stelle festgeklebt und paralysiert. Er konnte nur beobachten.
Sie nahm Anlauf, gerade als einer der Marines seine Waffe hob, und sprang. Das Fenster zerbarst endgültig und ließ ihre schlanke Gestalt wie durch einen brennenden Reifen hinaus auf die Außenverkleidung der Stadt gleiten ... und dann war es vorbei.
Sheppard blinzelte, während noch die letzten Scherben zu Boden rieselten. Benommen trat er an das zerstörte Fenster, starrte hinaus und sah die Brandung, die sacht gegen die schwimmenden Fundamente von Atlantis schwappte.
„Was ... was war das?" flüsterte er.
Von der Fremden war nichts zu sehen, sie war verschwunden.
„John, ist alles in Ordnung?"
Sheppard schüttelte den Kopf, um die letzten Reste dieser seltsamen Benommenheit abzustreifen, drehte sich wieder herum.
„Was auch immer es war, es ist uns entkommen", murmelte er.
Sheppard riß sich zusammen, wechselte kurz einen Blick mit Teyla, die noch immer an der Tür stand, das Gewehr im Anschlag. Dann sah er zu Boden.
Vier seiner Truppe lagen da, und noch ein fünfter, gewaltiger Leib: Ronon Dex.
„Ich hätte es mir denken können", seufzte Sheppard, kniete sich neben dem gewaltigen Krieger nieder und fühlte nach seinem Puls.
„John, alles in Ordnung?" meldete sich wieder Dr. Weir über Funk.
Ronon lebte, und auch die anderen Männer schienen lediglich bewußtlos zu sein, neben der Erfahrung der Tracht Prügel ihres Lebens.
Sheppard erhob sich seufzend wieder, betrachtete seine verbliebenen Männer. Dabei fiel ihm etwas auf: kein einziger Schuß war gefallen. Sie hatte Ronon als Aufwärmtraining benutzt und dann mit den anderen weiter gemacht. Und sie ließ alle, einschließlich des Einzelkämpfers Ronon, mehr als blaß aussehen.
Nachdem ihm dies klar geworden war, aktivierte er endlich sein Funkgerät. „Alles in Ordnung, Elizabeth, soweit man es sagen kann. Die ... der ... das Ding ist uns allerdings entwischt. Wir brauchen ein medizinisches Notfallteam ... und jede Menge Kopfschmerztabletten. Und falls Sie einen Glaser zur Hand haben ..." Er richtete seinen Blick wieder auf das zerstörte Fenster.
Er mochte die bunten Fenster von Atlantis, umso mehr tat es ihm leid, wenn eines zerstört wurde. Das allerdings war nicht oft der Fall. Ehrlich gesagt, ausgerechnet er selbst hatte eines zerschlagen, ansonsten schienen ihnen selbst Kugeln und Energiewaffen wenig auszumachen. Nun ja, das von ihm zerschlagene Fenster war zumindest kein buntes gewesen ...
„Was ist passiert?" wiederholte Dr. Weir.
„Das Ding ist klüger und will sich nicht so einfach einfangen lassen. Eine Ortung von Rodney wäre jetzt genau richtig", antwortete er, erinnerte sich seines kleinen Detektors und zog ihn wieder aus der Tasche. Stirnrunzelnd betrachtete er die Anzeige, hob dann den Kopf und musterte jeden einzelnen der noch stehenden Truppe.
„Wir teilen uns auf und versuchen, es aus seinem Versteck zu treiben. Zweierteams", befahl er. „Und ich würde diesem Ding gern noch ein oder zwei Fragen stellen, wenn möglich. Ein typischer Wraith ist das jedenfalls nicht. Also seht zu, daß ihr es nur betäubt."

Kurz darauf

Sheppard erhob sich mit erstarrtem Gesicht, blickte sich in der ihn umgebenden Dunkelheit aufmerksam um. Dann kniete er sich noch einmal neben die daliegende Gestalt, griff nach dem Gewehr. Stirnrunzelnd stellte er fest, daß auch hier wieder die Munition fehlte.
Zwei weitere Marines hatte er in der letzten halben Stunde gefunden. Damit war seine Truppe inzwischen auf fünf zusammengeschrumpft. Und wenn es so weiterging ...
„Colonel?"
Sheppard blieb weiter am Boden, aktivierte sein Funkgerät. „Was gibt es, Teyla?" flüsterte er.
„Wir haben hier ... McCullock und Davids sind bewußtlos," antwortete Teylas Stimme in seinem Ohr.
Sheppard kam mit einem Ruck wieder auf die Beine, sah sich noch einmal aufmerksam um, ehe er seine P-90 wieder hob und noch einen Kreis mit der kleinen Lampe beschrieb, die vorn auf dem Lauf angebracht war. Er fühlte sich beobachtet, konnte jedoch nichts ausmachen.
„Sind die Waffen der beiden noch geladen?" fragte er schließlich.
Teyla schwieg, und das ziemlich lange. Er fühlte sich ein wenig allein hier, und er wurde allmählich wütend. Was auch immer dieses Ding war, diese Frau, sie schaltete einen nach dem anderen von seinen Männern aus, nahm ihnen die Munition ab und ließ sie ohnmächtig liegen.
Ein Katz-und-Maus-Spiel, nur hatte Sheppard gerade nicht das Gefühl, er sei die Katze.
„Nein, die Waffen wurden entladen", antwortete Teyla endlich.
Sheppard zog den Lebenszeichendetektor aus seiner Brusttasche, musterte die Anzeige.
Wenn er nicht etwas unternahm, würde dieses Ding bald die ganze Gruppe außer Gefecht gesetzt haben. Solange er zumindest den Detektor besaß, war er nicht ganz blind. Dennoch ... Er blickte auf. Hier unten kannte er sich definitiv nicht aus, das Ding dagegen schon.
Sheppard entschied sich
Teyla, ich möchte, daß Sie zurückgehen zur Treppe", befahl er leise. „Und nehmen Sie die verbliebenen Männer mit. Wir brauchen hier unten Verstärkung und, vor allem, mehr Licht, geben Sie das bitte an Dr. Weir weiter. Und jemand soll die Bewußtlosen einsammeln."
„Was haben Sie vor?"
Sheppards Gesicht war sehr ernst, als er antwortete: „Einen Partisanen erledigt man am besten als Partisan. Wenn es es so haben will, spielen wir eben ein bißchen Guerilla. Sheppard Ende." Damit hob er die Waffe wieder an die Schulter, hielt sich auch den Detektor in Sichthöhe und ging los.

Sie stand in der Finsternis, gleich außerhalb der Reichweite der Lampe an der fremden Waffe. Sie musterte ihn genau. Er besaß da etwas, was die anderen nicht besessen hatten. Etwas, das ihr gefährlich werden konnte.
Vorsichtig trat sie noch einen Schritt zurück.
Was war er?
Sie hatte ihn gefühlt, schon seit er hier angekommen war. Wie die Stadt, die diese Neuankömmlinge Atlantis nannten. Als sie sich gegenüberstanden, hatte ihr Instinkt reagiert, nicht ihr Denken. Und das hätte sie vielleicht beinahe mehr gekostet, als sie zu geben bereit war.
Und dennoch ...
Da war etwas, etwas zwischen ihnen. Ein Band, zwar schwach, aber es war vorhanden. Allerdings war sie sich nicht sicher, ob er dieses Band ebenfalls so fühlte wie sie.
Er benutzte den Detektor, den Detektor, der nur auf Wesen wie sie reagieren würde. Den Detektor, der sie aufspüren konnte. Sie mußte etwas dagegen unternehmen!
Leise wie eine Katze zog sie sich zurück.
Wenn es ihr möglich war, würde sie noch immer ihren Plan verfolgen. Sie brauchte nur eine günstige Gelegenheit ...

Teyla sah zu dem jungen Marine auf, der bei ihr stand. „Was meint er damit?"
Richardson zuckte mit den Schultern und grinste verlegen. „Wir sollten tun, was er will."
Teyla war unruhig, aber sie nickte. „Helfen Sie mir, dann nehmen wir zumindest Davids mit."

Die Anzeige begann plötzlich zu flackern.
Sheppard blieb stehen, ließ die Waffe sinken und schüttelte das Handgerät ein paarmal. Doch es nützte ihm nichts. Wieder begann der winzige Bildschirm deutlich zu flackern, im nächsten Moment erlosch die Anzeige.
Ein Fluch steckte in seiner Kehle, doch er unterdrückte ihn, während er das Gerät wieder in seine Tasche zurückschob.
Dann eben anders.
„McKay, sind Sie da?"
Er setzte sich wieder in Bewegung.
„Was wollen Sie denn noch?" tönte es aus dem Funkgerät. Sheppard zischte, da ihm dieses Geräusch plötzlich viel zu laut erschien.
„Leise, Rodney, leise!" Er schwenkte die P-90 herum, weil er glaubte, aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrgenommen zu haben. Doch es war nur Wasser, das leise die Wand herunterfloß und einen Teil des Lichts reflektiert hatte. „Können Sie mich noch orten?"
„Natürlich kann ich das!" Wenn McKay dachte, er hätte die Stimme gesenkt, bei ihm kam sie immer noch sehr laut an.
„Dann tun Sie das - aber leise!"
„Ach, jetzt brauchen Sie plötzlich doch meine Hilfe?"
Vor seinem geistigen Auge konnte Sheppard McKay deutlich sehen, wie er sich hinter dem Terminal aufplusterte. Er biß sich auf die Lippen. Er würde keinen Vorteil abgeben, solange er ihn noch hatte.
„Wo ist Ihr Wraith?" fragte er statt dessen.Vor ihm flackerte etwas unregelmäßig auf.
Sheppard beschleunigte seine Schritte, blieb dann stehen und besah sich den Schlamasel.
Das Ding hatte sich an den Leitungen zu schaffen gemacht. Eine Abdeckung war entfernt und die Kabel zum Großteil gekappt worden. Zwei leuchtende Drähte lagen direkt auf der Wand.
Sheppard fluchte unterdrückt.
„Wir haben immer wieder Störungen, aber ja, ich kann Sie orten. Den Wraith allerdings ... Da muß noch eine Störung vorliegen", erklärte McKay jetzt.
Sheppard ließ die Waffe wieder sinken, in seinem Gesicht arbeitete es und er holte, um sich zu beruhigen, immer wieder tief Atem durch die Nase.
Dieses Ding war intelligent. Wahrscheinlich waren es die mit der Wand verbundenen Drähte, die die Signale störten. Und wahrscheinlich war deshalb auch sein Handgerät ausgefallen.
„Wo ist der Wraith?" fragte er wieder.
„Nun, sehen Sie, die Sache ist die ..."
„Ich habe keine Zeit für Ihre Spielchen, McKay!" Sheppard spannte die Kiefer an, starrte starr auf einen Fleck an der Wand. „Mein Gerät funktioniert nicht, dieses ... dieses Ding schaltet einen von meinen Männern nach dem anderen aus. Ich habe keine Zeit, mich mit Ihnen über Ihre Probleme zu unterhalten. Wo ist der Wraith auf der Anzeige?" Es kostete ihn ziemliche Mühe, nicht in das Funkgerät zu brüllen.
Vor seinem geistigen Auge tauchte ein breit grinsender, sehr mit sich zufriedener McKay auf bei dessen nächsten Worten: „Oh, nun ja. Dann brauchen Sie mich also tatsächlich, wie es aussieht."
„Wo ist der Wraith?"
„Sehen Sie, diese Angelegenheit ist nicht ganz so einfach. Wie gesagt, wir haben ein Problem mit den Sensoren", fuhr McKay fort. „Der Wraith ... nun, er erscheint mal als Wraith und mal als Mensch auf dem Bildschirm. Meistens, natürlich, nachdem er Ihre Leute gefunden hat."
Sheppard dachte nach. Das würde zumindest zu Teylas Wahrnehmung passen. Aber wie sollte das möglich sein?
Ein kurzes Stück den Gang weiter hoch sah er etwas.
„Und einige Male ist weder Wraith noch Mensch zu sehen." McKay schien ganz in seinem Element zu sein.
Sheppard schlich zu der Stelle, wo ihm etwas aufgefallen war. Ein Teil der Wandverkleidung hatte sich verschoben.
„Sie sagten, mal ist er gar nicht da?"
Vorsichtig beugte er sich vor. Mit der Mündung der Waffe schob er ein Stück Wandverkleidung zur Seite. Dahinter lag ein enger, finsterer Gang, der sich
Eines mußte er seinem unbekannten Gegner lassen, er, beziehungsweise sie, kannte sich in diesem Teil der Stadt sehr gut aus. Etwas zu gut, für Sheppards Geschmack. Dennoch war diese Guerilla-Taktik, die das Ding anwandte, hervorragend. Schnell und effektiv zuschlagen und sofort wieder verschwinden.
Aber wozu die Munition? Warum nahm dieses Ding die Munition, aber nicht die Waffen mit? Was hatte das zu bedeuten?
„Ein Teil der Wandverkleidung wurde abmontiert. Dahinter ist ein Gang. Ich denke, er ist für die Sensoren taub, und darum taucht der Wraith bei Ihnen nicht auf, Rodney", flüsterte er endlich ins Mikrofon.
Er mußte die Klevernis schon anerkennen. Wer oder was es auch immer war, was sie dort in dem Raum an der Flutlinie aufgescheucht hatten, es dachte offensichtlich militärisch. Und wenn er der Gejagte wäre, dann würde er als nächstes ...
Sheppard richtete sich zu seiner vollen Größe auf.
War es möglich, die Sensoren komplett abzuschalten? Dann wäre er absolut blind, noch dazu in einem Teil der Stadt, den er nicht kannte, und der sich an der einen oder anderen Stelle wohl auch von den anderen unterschied.
„Nun, es ist möglich, daß die Dämmung der Gänge, die ja selbst den Energieentladungen eines Megablitzes standhalten, die Sensoren stören. In diesem Fall würden wir keine Meldung mehr von dem Wraith bekommen."
Er mußte die Stadt schützen. Außerdem, und das gestand er sich gern selbst ein, fühlte er einen gewissen Reiz, sich dieser Herausforderung zu stellen. Und solange die Sensoren in der Kommandozentrale noch funktionierten ...
„Haben Sie den Wraith jetzt auf der Anzeige, McKay?" fragte Sheppard.
„Ja, er befindet sich eine Etage über Ihnen in einem Quergang zur Rechten."
Sheppard grinste, schob das Teilstück zur Seite und schlüpfte in den engen Gang.

Teyla mühte sich mit dem nicht gerade leichten Davids ab, während Richardson, der junge Marine, der bei ihr gewesen war, ihren Rückzug nach hinten sicherte.
Ihr war merkwürdig zu Mute. Irgendetwas stimmte hier nicht, das spürte sie deutlich. Dabei war sie sich nicht sicher, ob Dr. McKay sich nicht vielleicht geirrt hatte. Was immer in dem Raum an der Flutlinie gewesen war, es hatte nichts mit den Wraith zu tun. Eher schien es ihr, als haben sie ein Feuer entfacht, dessen sie jetzt nicht mehr Herr werden konnten.
Und der Colonel machte es jetzt gerade auch nicht einfacher. Statt mit ihnen zu kommen, wollte er sich wieder einmal dem Gegner allein stellen. Dabei hatte Sheppard, und das hatte sie sehr wohl bemerkt, extrem auf diesen Gegner reagiert. Er war einen Moment lang vollkommen steif gewesen, als sei er zu Stein geworden. Und sie hatte auch nicht das bewundernde Blitzen in seinen Augen übersehen, als er sich betrachtete, was dieses Fremde angerichtet hatte.
Ein dumpfer Schlag erklang hinter ihr. Teyla fuhr zusammen, beschleunigte ihre Schritte noch.
„Hier Teyla", rief sie in ihr Funkgerät. „Colonel Sheppard erbittet Verstärkung, so schnell wie möglich!"

Sheppard drückte sich an der Wand entlang, rutschte vorsichtig Schritt für Schritt weiter, um keinen Lärm zu machen.
„Sie ... sie sind ... Sie müßten ihn sehen, Colonel!" McKay rief es so aufgeregt ins Funkgerät, daß Sheppards Ohr zu klingeln begann. „Sie laufen direkt nebeneinander her!"
Er stoppte, lenkte das Licht seiner P-90 zur Seite und lauschte.

Auf der anderen Seite der Wand blieb sie stehen wie erstarrt, horchte aufmerksam.
Nichts.

„Sind Sie sicher?" zischte er ins Mikro.
„Der Wraith steht direkt neben Ihnen. Sind Sie blind?" rief McKay.

Stimmen, nein, eine Stimme.Sie trat einen Schritt zurück und betrachtete die Wand.

Sheppard trat einen Schritt zurück und betrachtete die Wand. Ein kühles Lächeln legte sich auf seine Lippen.
Da war es also, sieh an.

Sie schmunzelte.
So nahe waren sie sich jetzt also. Katzengleich glitt sie wieder an die Wand heran und lauschte.

„Sagen Sie mir sofort, wenn der Wraith stehenbleibt oder die Richtung wechselt. Er ist hinter einer Wand", wisperte er in das Funkgerät, trat wieder direkt an das Hindernis zurück.
Am anderen Ende japste es aufgeregt.
Sheppard schob sich weiter vorwärts, hielt jetzt die Lampe verdeckt. Ganz sicher wollte er nicht, daß dieses Ding noch einmal entkam.
Da vorn! Da war ein Durchgang.

Zeitgleich glitt sie eng an die Wand geschmiegt und lauschend weiter, sah sich aufmerksam um.

Sheppard ging weiter, sein Puls beschleunigte sich.
Wer war jetzt Jäger, wer Gejagter? Er würde dieses Ding stellen und einem vermasselten Tag zumindest ein gutes Ende geben.

In dem schwachen Dämmer, der vielleicht sogar durch die Lampe an seiner Waffe verursacht wurde, sah sie die offenstehende Tür. Geräuschlos entfernte sie sich von der Wand.
Noch war es nicht soweit.

Vor dem Durchgang blieb Sheppard wieder stehen, lehnte sich gegen die Wand und lauschte angestrengt, die Waffe erhoben. Dann sprang er plötzlich vor, wirbelte durch den Durchgang und zielte ... auf nichts!
„Rodney!" Er stieß diesen Namen aus wie einen Fluch.

Teyla sah vor sich die verbogene Tür auftauchen, fühlte, wie ihr ein Stein vom Herzen fiel. Beinahe hatte sie gedacht, sie würde es nicht mehr schaffen.
„Weiter, weiter", drängte sie den noch immer sehr benommenen Davids vor sich, während sie selbst Richardson fast hinter sich herschleifte.

„Sie müssen die Treppe nach unten nehmen", beharrte McKay energisch.
Sheppard blickte skeptisch nach oben.
Er befand sich in einem schmalen Raum, einem Treppenhaus. Aus der Dunkelheit unter ihm schlängelte sich eine enge Wendeltreppe zur Decke hinauf, wo sie in der Finsternis verschwand.
Wenn er seinem Instinkt traute, sollte er dort hinauf. Zumindest würde er das tun. Er würde immer höher hinauf, in der Hoffnung, einen Lift oder Hauptgang zu finden. Sein unbekannter Gegner dagegen bewegte sich zielstrebig immer weiter nach unten.
„Sind Sie sich wirklich sicher?" flüsterte er, den Blick weiter an die Treppe nach oben gerichtet.
„Ja", kam es prompt entrüstet zurück.
Sheppard zögerte immer noch, blickte weiter nach oben.
Er hatte McKay schon erlebt, wenn dieser sicher war. Sicher war man dann jedenfalls nicht immer.
„Sind Sie sicher, daß Sie sich sicher sind?"
„Ja." McKay klang gereizt.
Sheppard seufzte.
Also würde er seinem Instinkt nicht nachgeben, sondern tiefer in die Eingeweide von Atlantis eindringen.
Vorsichtig nahm er die Treppe in Angriff, leuchtete, soweit das schmale Gewölbe es möglich machte, nach unten. Doch die engen Windungen ließen nicht wirklich zu, daß er etwas sah.Nach ungefähr zwanzig Stufen stoppte er.
Irrte er sich, oder wurden seine Hosenaufschläge gerade ...
Er leuchtete seine Füße an.Bis zu den Knöcheln stand er in dunklem, öligem Wasser.
Mit versteinerter Miene aktivierte Sheppard sein Mikro wieder. „Rodney, wohin bewege ich mich gerade?" Ein düsterer Verdacht war ihm gekommen.
„Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen nach unten gehen", antwortete der untersetzte Wissenschaftler aufgebracht.
Sheppard trat eine Stufe höher, schüttelte sich das Wasser von den Stiefeln und wartete.
„Warum gehen Sie nach oben? Da ist der Wraith nicht!"
Er ließ die Lampe über die schwarze Brühe streifen und wünschte sich einen Moment lang McKay hierher. Dieser kleine Ignorant hatte ihn in die falsche Richtung geführt.
„Rodney, könnte es sein, daß Sie bei Ihrer Kallibrierung einen Fehler gemacht haben?" Noch blieb er ruhig.
„Natürlich nicht!"
Sheppard nickte. Er fühlte, wie gerechter Zorn an ihm zu nagen begann. „Nun, dann sollten diesem Wraith ganz schnell Kiemen wachsen, denn hier steht alles unter Wasser. Und, falls Sie das interessiert, ich BIN nach unten gegangen!"
„Oh."
„Ja, oh. Könnte es sein, daß sie das Modell der Stadt auf den Kopf gestellt haben bei Ihrer Kallibrierung? So sieht es nämlich für mich aus. Und danke, daß Sie mich in die Irre geführt haben. Sheppard Ende." Er riß sich das Funkgerät vom Ohr und stopfte es in eine der vielen Taschen seiner Überlebensweste.
Dann drehte er sich mit wütend blitzenden Augen um, stapfte die enge Treppe wieder nach oben und schaltete sein Funkgerät vollkommen aus.

Teyla war gerade damit beschäftigt, Richardson in eine angenehmere Lage zu drehen, als sie das Geräusch hörte. Mit der Schnelligkeit einer erfahrenen Kriegerin fuhr sie hoch und wirbelte herum, um den sanften Druck eines Stockes an ihrer Kehle zu fühlen.
Die Fremde stand vor ihr, sah sie aufmerksam an. Dann lächelte sie und hob den Stab. „Sei gegrüßt."

Sheppard war sich sicher, wieder auf der ursprünglichen Ebene angekommen zu sein und hielt sich jetzt in die Richtung der halb zerstörten Tür. Immer noch sicherte er nach allen Seiten, tat vorsichtig einen Schritt nach dem anderen.
Wenn er dieses Ding wäre, würde er versuchen, durch eben diese Tür zu entkommen und in die zentraleren Bereiche der Stadt vorzudringen. Nachdem seine anderen Pläne gescheitert waren, würde er jetzt also Wache halten und darauf warten, daß Verstärkung und ein Reparaturstrupp eintraf, damit sie zumindest etwas Licht in diese Finsternis bringen konnten. Er war sich sicher, sobald dieser Teil wieder mit Energie versorgt wurde, würde es ihnen gelingen, dieses Ding zu stellen. Solange sie aber im Dunkeln tappten ...
Er hätte viel früher daran denken sollen. Die Lantianer hatten sicher nicht ohne Grund diese Tür vor diesem Bereich angebracht und verriegelt.
Dann hörte er den Schrei, erkannte Teylas Stimme.
Nein!
Sheppard vergaß alle Vorsicht, rannte los, drückte sich durch den schmalen Spalt der Tür und kam wieder in dem Saal heraus, der auf belebtere Ebenen führte.
Mit einem Blick hatte er erfaßt, was er glaubte, sehen zu müssen.
„Der Eindringling ist an uns vorbei gekommen. Sofort alles abriegeln!" befahl er, während er auf die am Boden liegende Teyla zustürzte.
Davids und ein Junge, der gerade von der Erde gekommen war, lagen an der anderen Seite an die Wand gelehnt, Teyla dagegen am Ende der Treppe, versuchte sich aufzurappeln.
„Teyla!" Sheppard ließ sich auf die Knie fallen, legte ihr eine Hand auf die Schulter.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht blickte die junge Frau zu ihm auf. „Colonel, ich ... ich bin ausgerutscht. Mein Fuß."
Sheppard tastete sein Teammitglied mit den Augen nach weiteren Verletzungen ab, konnte aber nichts erkennen. Darum wandte er sich dem gewiesenen Glied zu.
Merkwürdigerweise hatte schon jemand das Schnürband gelockert. Es sah aus, als habe derjenige sogar bereits versucht, den Stiefel vom Fuß zu ziehen. Aber wer?
„Colonel ... John. Tun Sie ihr nichts. Sie ist nicht, was wir dachten", sagte Teyla in diesem Moment keuchend und legte ihm eine Hand auf den Arm.
Sheppard sah sie irritiert an, bemerkte, daß sie seinen Blick gar nicht erwiderte. Statt dessen sah Teyla die Treppe, die sie offensichtlich hinuntergestürzt war, hinauf bis zur nächsten Zwischenetage. Zögernd folgte er ihrem Blick und richtete sich verblüfft auf.
Sie stand dort, sah auf ihn hinunter. Sie sah nur ihn an. Und in ihren Augen ...
Eine Energieentladung traf sie, riß ihren Körper herum. Wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte, sank die Fremde bewußtlos zu Boden.
Sheppard holte tief Atem.

TBC ...

30.08.2009

Keine Angst vor großen Tieren

TV-Serie: Stargate: Atlantis
Genre: humor
Rating: G
Zeitleiste: Diese Fanfiktion spielt nach der Episode 5.02 Der Keim.
Author's Note: Während der Feier zum Staffelbeginn haben eine Freundin (hallo Kat, wo ist dein Küchenlatein?) und ich eine kleine Challenge beschlossen zum Thema "John und Rodney heißen Woolsey auf ihre ganz eigene Art willkommen". Einzige Voraussetzung war es, dieses Willkommen freundlich zu gestalten. Diese kleine Fic war meine Antwort.
Kommentare sind erwünscht!


"Mr. Woolsey, darf ich kurz stören?" John hatte sein strahlenstes Lächeln aufgesetzt, als er das Büro des neuen Expeditionsleiters betrat.
Richard Woolsey hatte sich hinter einem Berg von Akten verschanzt als erwarte er in nächster Zeit einen Überraschungsangriff aus Richtung Kontrollraum. Nun lugte er vorsichtig über den gewaltigen Stapel Papiere (Personalakten und -einsatzpläne, -berichte, Aufstellungen und Listen aller möglicher und unmöglicher Dinge, Kurzabrisse diverser Forschungsberichte, usw.) hervor und betrachtete den strahlenden John mit einem gewissen Argwohn.
"Colonel, was kann ich für Sie tun?"
Johns Lächeln verrutschte minimals, als ein kurzer Schmerz durch seinen Brustkorb jagte. An eben jener Stelle, an dem einer der Auswüchse der ehemals mutierenden Chefärztin ihm (mal wieder) eine Rippe gebrochen hatte.
"Och, nichts weiter."
Woolsey nickte und runzelte jetzt die Stirn. "Hat Dr. Keller Sie bereits entlassen?" fragte er.
Das Lächeln verlor etwas an Strahlkraft und John rutschte so elegant und beiläufig wie möglich auf den Besucherstuhl auf dieser Seite des Schreibtisches.
"Nun ... äh ... sozusagen."
Woolsey stutzte. Nun, da sein Blickfeld nicht mehr allein von seinem militärischen Leiter ausgefüllt war wurde er darauf aufmerksam, daß sich vor seiner Bürotür die Nummer zwei des Duos Infernale herumtrieb: Rodney McKay, der sichtlich ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat.
Sofort war Woolseys Argwohn geweckt. "Sie sind ein schlechter Lügner, Colonel", wandte er sich aber wieder an John.
Der sah ihn mit der Miene purster Unschuld an, um gleich wieder zu grinsen. "Ich bin eigentlich wegen etwas anderem hier", erklärte der Luftwaffenoffizier endlich.
Aha, also irgendein Attentat.
Woolsey war vorgewarnt. Immerhin hatte er sich nicht ganz umsonst durch vier Jahre Einsatzberichte gerade zum Thema AR-1 oder "die Sheppard-McKay-Katastropheneinheit" gewühlt. Irgendwas heckten die beiden aus, dessen war er sicher.
"Und was wollen Sie?"
Johns Grinsen verstärkte augenblicklich seine Voltzahl. "Sie an eine Tradition erinnern und diese mit Ihnen gemeinsam durchzuführen."
Woolsey stutzte, doch dann kehrte sein Argwohn zurück.
Die beiden wollten also irgendeinen Scherz auf seine Kosten durchziehen. Gut, daß er gewarnt war!
"Was für eine Tradition?" fragte er, dieses Mal jedoch deutlich zögernd.
"Naja, eine sozusagen liebgewonnene Tradition. Es war Dr. Weirs erster Außenwelteinsatz, ebenso wie der erste von Sam. Da wäre es doch eigentlich allmählich wirklich an der Zeit, daß auch Sie ein Zeichen setzen, denken Sie nicht?"
Er sollte durch das hiesige Sternentor gehen? Wahrscheinlich auf irgendeinen Planeten, den die Herren Sheppard und McKay ausgesucht hatten und auf dem eines der atlantischen Malps stand. Und damit würden sie dann die ganze Stadt unterhalten ...
Woolsey fühlte ein gewisses Magengrimmen allein bei der Vorstellung, wie die beiden wohl seine Autorität untergraben würden, wenn er es zuließe.
Andererseits aber wollte er den Atlantern zeigen, daß auch er durchaus Mensch und erst in zweiter Linie Bürokrat war. Und deshalb ...
"Von welchem Einsatz sprechen Sie? Ich kann das nachlesen, Colonel."
John schüttelte den Kopf. "Das waren keine Einsätze, Mr. Woolsey. Sehen Sie es als ... eine Art Feuertaufe an."
Sollte er das tatsächlich wagen? Sollte er das bißchen Autorität, das er möglicherweise ausstrahlte, tatsächlich aufs Spiel setzen für nichts und wieder nichts?
Andererseits ... Elizabeth Weir war eine große Anführerin gewesen, und Sam Carter stand ihr eigentlich in nichts nach. Und nun er, Richard Woolsey, den die Atlanter als Sprachrohr der verhaßten IOA kennengelernt hatten.
Richard beschloß, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wenn er zeigte, daß er Humor hatte, dann würde er es vielleicht leichter haben, sich als Expeditionsleiter zu behaupten.
"Wann geht's los?" sprang er ins kalte Wasser.
Wenn er nicht immer noch angeschlagen wäre, John wäre in diesem Moment aufgesprungen wie ein Flummi. So aber begnügte er sich mit einem weiteren Grinsen und erhob sich etwas steif. "Jetzt, wenn es Ihnen paßt?"
Passen tat es ihm im Moment eigentlich gar nicht, aber ...Richard seufzte ergeben und erhob sich. "Aber Sie sollten sich schonen, Colonel. Möglicherweise sollte jemand anderes mich begleiten. Vielleicht ... Dr. McKay?"
"Oh, keine Bange. Das ist nicht gefährlich." John machte eine einladende Geste und humpelte ihm dann mit tapferer Miene nach, als Woolsey sein Büro verließ.
"Chad, M7G-763 anwählen", kam der Befehl von McKay, kaum daß Richard und John das Büro verlassen hatten.
"Ich heiße immer noch Chuck", grummelte der Tortechniker, tat aber wie ihm geheißen und wählte das Gate an.
Richard hielt für eine Sekunde wirklich den Atem an, als er sah, wie sich das Wurmloch etablierte. Und gleichzeitig wurde er sich der Blicke der Stammbesatzung nur allzu deutlich, die sich geradezu in seinen Rücken bohren wollten. Neidische Blicke, eigenartig.
"Viel Spaß!" rief ihnen Radek Zelenka nach, der plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, oben an der Treppe aufgetaucht war.
Geleitet von den Herren Sheppard und McKay fühlte Richard sich zwar nicht unbedingt sicherer, allerdings doch nicht mehr ganz so einsam wie bisher. Und so, das schlimmste befürchtend, trottete er den beiden hinterher in den Gateroom hinunter. Die beiden Marines, die Torwache hielten, salutierten. Und dann ... passierte Richard Woolsey zum ersten Mal, seit er Atlantis leitete, den Ereignishorizont und wurde in das Wurmloch gezogen, um ...
... sich auf einer saftig grünen Wiese voller bonbonfarbenen Blumen wiederzufinden, noch immer Sheppard und McKay vor sich.
Richard schloß geblendet die Augen, schützte sie dann mit einer Hand.
Auf keinen Fall wollte er als zu klägliche Figur eingehen in die Analen von Atlantis.
Doch statt des erwarteten Spottes und höhnischen Gelächters fühlte er einen warmen Atem an seiner erhobenen Hand, kurz darauf eine weiche, sich eigenartig schuppig anfühlende Schnauze.
Unwillkürlich riß Richard die Augen auf und starrte ... in ein paar rehbraune, tassengroße Augen, die sein Starren sanft erwiderten. Und diese riesigen Augen gehörten in einen noch mächtigeren Schädel, der in einem einzelnen, rötlich gefärbten Horn mündeten.
Richard blieb der Mund offen stehen.
John kehrte zurück an seine Seite und klopfte ihm die Schulter. "Keine Angst. Nach dem ersten Schreck erkennt man leicht, wie sanft sie eigentlich sind."
Woolsey starrte noch immer in die riesigen Augen. "Das ist ... das ist ..."
"Das ist Mimmy, und sie ist ein Dinosaurier." Nun kehrte auch McKay zurück, strahlend wie ein kleines Kind und ein anderes, deutlich kleineres Exemplar dieser Spezies im Schlepptau. "Und das ist Trudy, Mimmys Tochter. Ich habe sie selbst von Hand aufgezogen", stellte er nicht ohne Stolz in der Stimme vor.
John klopfte Richard wieder kameradschaftlich die Schulter. "Wir dachten, es sei der richtige Antrittsbesuch für Sie. Immerhin müssen Sie sich wegen uns mit den Großen Tieren anlegen. Dann brauchen Sie auch keine Angst mehr vor großen Tieren zu haben. Diese hier sind ganz lammfromm."
Wie um wirklich noch den Beweis für seine Worte erbringen zu müssen, kletterte John zwar langsam und steif, aber doch mit viel Routine, auf Mimmys Rücken.
"Wenn man den ersten Schrecken erst einmal hinter sich hat, erkennt man, daß diese Dinos quasi überdimensionale Hauskatzen sind", erklärte Rodney und hielt Richard seine Rechte hin. "Willkommen in der Pegasusgalaxie!"
Mimmys große Augen schienen Richard zuzuzwinkern, während der immer noch um Fassung rang. Doch er schlug ein, noch immer ungläubig staunend.
Aber, so mußte Richard Woolsey sich eingestehen, jetzt hatte er endlich eine Erklärung dafür, warum Elizabeth Weir damals so vehement einen Paläontologen für ihre Expedition hatte haben wollen. Er nämlich würde so schnell wie möglich ebenfalls einen anfordern ...

29.08.2009

Der Golf(ball)krieg

TV-Serie: Stargate: Atlantis
Genre: humor
Rating: G
Zeitleiste: Diese Fanfiktion spielt innerhalb der dritten Staffel.
Author's Note: Zu dieser kurzen Story gibts sogar doppelt was zu erzählen. Zunächst sollte ich wohl anmerken, daß ich ja nur und ausschließlich die dumme Tippse bin. Die ruhmreiche Idee stammt von einer noch ruhmreicheren Superautorin, die früher einmal ... sagen wir, mittlerweile gehört sie für mich zum Triumvirat des Schreckens. Wer so schnell die Seiten wechselt, dem gebürt auch dieser Titel. Und da sie sich ja soo gern die Arbeiten anderer ans Revers heftet ...
Story Nr. 2 bezieht sich ebenfalls auf das Triumvirat des Schreckens, und es geht um niemand anderen als Euer Prestilenz persönlich! Werte Dame unterstellt mir nämlich, ich hätte die Story von ihr geklaut. Tja, dann sollte sich wohl a) jemand an die wahre Autorin wenden und b) einmal bedenken, daß ich genau EINMAL sogar zwei Storys gelesen - und kommentiert - habe. Ein Fehler, für den ich dann eine nette Mail des Admins erhielt. Werte SuperMod, ich weiß, es ist schwer, wenn man in einem anderen fremdsprachigen Land lebt (was den anderen ja immer wieder gern bei allen günstigen und ungünstigen Gelegenheiten unter die Nase gerieben wird), aber möglicherweise sollte man doch einmal das Gehirn ein bißchen lüften. Nein, ich kenne deine Story nicht, und ich lege keinen Wert darauf, sie zu lesen!
Kommentare sind (wie immer) erwünscht!


Seit Jahrzehnten schon zog der sanfte Riese durch den Ozean, hing seinen Gedanken nach und filterte die Kleinstlebewesen aus dem salzigen Wasser. Stets ruhig auf seinem Kurs bleibend schlug er sacht mit seiner Schwanzflosse, träumte vor sich hin und sinnierte über die philosophischen Fragen seiner Art.
So war es auch heute. Die Sonnenstrahlen brachen sich im Wasser und ließen Lichtreflexe auf seinem narbigen Rücken tanzen, während er ruhig dahinzog, allein mit sich selbst und seinen Gedanken.
Plomp!
Ein kleines, rundes Etwas glitt neben ihm in die Tiefe, eine Kette von Luftblasen hinter sich herziehend.
Was mochte das sein?
Der Riese hielt an und sann dem Ding nach, das da auf den Meeresgrund gesunken war.
Plomp!
Ein weiteres Ding sank in die Tiefe.
Der Riese dachte nach, dann zog er seine Bahn sanft nach unten, dem Grund zu und verfolgte dieses zweite Ding.
Er hatte erfahren, daß dieses rätselhaften Gebilde, das Jahrtausende lang auf dem Meeresboden gelegen hatte, neue Bewohner beherbergte. Eine Stadt sei es, so sagte man unter seinesgleichen. Eine Stadt der Flossenlosen.
Ein weiteres, helles, rundes Ding sank zu Boden. Und jetzt sah er eine Menge dieser Etwase dort liegen.
Was mochte das sein? Wollten die Floßenlosen sich etwa bei seinem Volk einführen und gaben ihnen Nahrung?
Sich dicht über dem Meeresboden haltend sammelte der Riese einige dieser Dinger ein und schloß sein gewaltiges Maul. Seine Kiefer krachten aufeinander, dann spie er, was auch immer es war, angewidert wieder aus.
Ekelhaft! Nein, das war sicher keine Nahrung, ganz sicher nicht.
Plomp!
Wieder kam eines dieser Dinger herunter, legte sich zu den anderen.
Was machten die Floßenlosen denn nur da oben? Warum warfen sie diese kleinen runden Dinger ins Wasser?
Er beschloß nachzusehen und glitt wieder nach oben gen Wasseroberfläche.
Plomp! Plomp! Plomp!
In rascher Reihenfolge trafen drei dieser merkwürdigen Geschosse seine dicke Haut, kaum daß er nur noch gut einen Meter von der Oberfläche seines Elementes entfernt war.
Das war nicht nett! Wenn man sich neu irgendwo einführte, dann sollte man sich den älteren Bewohnern gegenüber auch sehr umsichtig zeigen.
Plöpf!
Das nächste Etwas traf seine Atemöffnung und verstopfte sie für einen kurzen Moment. Erst als er die Wasseroberfläche durchbrach und schnaubte, glitt das Ding heraus.
Wollten sie ihn umbringen?
Nein, das sicher nicht. Aber offensichtlich bedachten die Flossenlosen nicht recht, was sie taten.
Wer es so wollte, der sollte seine eigene Medizin zu schlucken bekommen ...

***

„Der Hüftschwung ist in diesem Sport alles!" Lt. Colonel John Sheppard hob seinen Schläger und holte weit aus. „Achtung, jetzt genau aufpassen!" Er zwinkerte Linda, der neuen Krankenschwester, verschwörerisch zu, dann ließ er den Schläger niedersaußen und drosch den Golfball in den Ozean hinein.
„Das war ... ein sehr guter Schlag, Colonel", lobte die dralle blonde Schönheit etwas hilflos.
„Nicht wahr." Sheppard griff sich einen neuen Ball und legte ihn auf dem Plastikgrün zurecht. „Ein Hole-in-One, würde es jetzt heißen. Aber Sie müssen genau aufpassen." Wieder holte er Schwung.
Dann jedoch hielt er irritiert inne, als etwas gegen das metallene Außengerüst von Atlantis zu schlagen schien. Ein dumpfer Laut war zu hören.
„Was war denn das?"
Die Krankenschwester sah ihn nur hilflos an.
Plöp!
Das klang schon näher.
Sheppard trat vorsichtig an die Flutkante heran und runzelte die Stirn.
Was ging denn hier plötzlich vor?
Etwas schoß, direkt neben seinem hervorlugenden Kopf, in die Luft und zischte an seinem Ohr vorbei. Hart knallte es gegen die Wand neben der Tür.
„Was ... ?"
Er drehte sich um, als er eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm. Ein Golfball kam auf ihn zugekullert. Aber es war nicht der, den er gerade auf das Grün gelegt hatte.
„Wie ... ?"
Ein weiterer Schuß, diesmal ein Treffer. Ein weiterer Ball schoß aus dem Wasser herauf und knallte hart gegen seine Schulter. „Autsch!"
Entrüstet drehte er sich wieder um, rieb sich die Schulter und funkelte die Wasseroberfläche an.
Ein weiterer Ball knallte gegen die Außenverkleidung der Stadt.
„Rein! Los, rein!" Sheppard fuhr wieder herum und gab Linda Zeichen, daß sie verschwinden sollte.
Da prasselte auch schon eine ganze Kanonade Golfbälle auf ihn nieder.
Sheppard hielt sich schützend die Hände vor das Gesicht, trotzdem knallte einer der Bälle hart gegen seine Stirn und ließ ihn nach hinten torkeln. Benommen tat er einige Schritte und griff nach seiner Golftasche.
Die nächste Salve knallte gegen die Außenwände der Stadt und traf ihn im Rücken. Gerade noch schaffte er es bis zur Tür, dann brach er zusammen.

***

Dr. Rodney McKay stand draußen auf der Ballustrade und blinzelte in die Nachmittagssonne, während er ein Gerät in den lauen Wind hielt, um neue Messungen vorzunehmen. „Mittels der Windkraft könnte es uns gelingen, noch ein bißchen mehr Energie zu gewinnen", erklärte er dabei Dr. Radek Zelenka, der, einen Laptop in den Händen, an der Wand lehnte und die Sonne genoß.
Der Tscheche blinzelte träge hinter seinen Brillengläsern hervor. „Das hatten wir schon besprochen, Rodney", murmelte er, tippte ein bißchen auf dem Gerät herum. Dabei behielt er einige Techniker im Auge, die ein Stück weiter entfernt am Geländer lehnten und sich angeregt unterhielten. Seufzend wandte er sich wieder McKays Forschungen zu.
Plöp!
„Was war das denn?" McKay drehte sich verwirrt zu ihm um.
Zelenka starrte auf eine bestimmte Stelle unweit seines Kopfes. Von dort schien das Geräusch gekommen zu sein. Dann senkte er den Kopf und betrachtete verdutzt einen Golfball, der träge zurück zum Geländer rollte.
Plöp! Plöp!
Die Techniker zogen plötzlich die Köpfe ein.
Weitere Bälle hagelten auf sie nieder.
McKay duckte sich hinter das Geländer. „Was geht denn hier vor?" rief er.
Zelenka schaltete nun ebenfalls, ließ sich auf die Knie nieder und begann zurück zur Tür zu kriechen.
Eine weitere Salve Golfbälle ging auf sie nieder, knallte hart gegen die Außenwände und rollte dann zurück, um wieder in die Tiefe zu stürzen.
McKay stöhnte schmerzerfüllt auf, als einer der herbeifliegenden Bälle ihn in die Seite traf, und machte, daß er seinem Kollegen hinterherkam.

***

„Ich war von Anfang an dagegen, daß Sie Ihren Abschlag an den Piers trainieren, John." Elizabeth Weir beugte sich über den Tisch und stützte beide Hände auf die Kante. „Jetzt haben wir ein Problem."
John Sheppard saß, sich die dicke Beule an der Stirn haltend und einen Eisbeutel im Genick, wie ein Häufchen Elend auf seinem Stuhl. „Aber ich habe doch gar nichts getan!" verteidigte er sich lahm. „Es sind doch nur Golfbälle."
„Die offensichtlich die hier lebenden Lebewesen verärgert haben. John, Sie haben deren Umwelt verschmutzt."
Der militärische Leiter rieb sich den lädierten Kopf. „Wissen wir denn überhaupt, ob es diese ... diese Fische sind?" grummelte er mißlaunig.
„Mit ziemlicher Sicherheit ja, wenn Sie sich dieses Bild ansehen." Rodney McKay schob ihm seinen Laptop hin und starrte den anderen mit verkniffener Miene an. Ein wunderbares Veilchen blühte an seinem rechten Auge.
Sheppard warf einen halben Blick auf den Bildschirm. Ein riesiger dunkler Schatten umschwamm die Stadt. Ein Schatten, dessen Form er kannte.
Seufzend nahm er sich den Eisbeutel aus dem Nacken und legte ihn vor sich auf den Tisch. „Okay, gut", murmelte er schuldbewußt, „ich bin schuld an dieser Misere. Und was soll ich jetzt tun?"
Weir richtete sich wieder auf. „Sie wissen nicht ganz zufällig, wieviele Golfbälle Sie schon ins Meer geschossen haben?"
Sheppard zog eine hilflose Grimasse und zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich", gab er zu.
Weir seufzte und betrachtete ihren militärischen Leiter als sei er ein ungezogenes Kind, das sie zu maßregeln hatte. Und, ehrlich gesagt, so fühlte sie sich im Moment auch.
„Wollen wir hoffen, daß es noch nicht zuviele waren", sagte sie. „Dann geht ihm vielleicht bald die Munition aus und wir können uns wieder außerhalb der Stadt bewegen. Und Sie, John, Sie werden nie wieder auch nur einen Golfschläger in die Hand nehmen, solange Sie in dieser Stadt sind."
Sheppard nickte. „Ich habe Lorne und seine Leute angewiesen, die Bälle aufzusammeln, die bisher nicht wieder ins Meer gefallen sind." Unter seinem strubbeligen Haarschopf sah er auf. „Ich habe Schutzkleidung für sie geordert."
Weir nickte. „Gut." Dann stutzte sie. „Was für Schutzkleidung?"
Sheppard warf einen langen Blick auf McKay. „Äh, Eishockey-Panzer und -helme."
McKay blickte verständnislos auf.
Weir seufzte.
Warum wurde sie das Gefühl nicht los, es hier mit einem Haufen kleiner Kinder zu tun zu haben?

Einige Wochen später

Vorsichtig öffnete Sheppard die Tür und lugte mit langem Hals hinaus auf den Pier.
Alles ruhig, gut.
Langsam trat er auf den Ausleger der Stadt, sah sich noch einmal aufmerksam um.
Nichts.
Er nickte, drehte sich um und holte seine Golftasche. Dann legte er sehr sorgfältig das Plastikgrün aus und plazierte einen Ball darauf.
Seit einer Woche war es zu keinen neuen Attacken seitens des Meeresbewohners gekommen. Und wenn er die Menge an aufgesammelten Golfbällen bedachte, die sich mittlerweile in seinem Büro in einem Sack sammelte, dürften es so ziemlich alle gewesen sein. Dem Wal war also schlichtweg die Munition ausgegangen.
Sheppard richtete sich auf, nahm seinen Schläger zur Hand und konzentrierte sich. Dann holte er Schwung und drosch den Ball auf das stille, blaue Meer hinaus.
Ging doch. Der Wal schien verschwunden zu sein.
Sheppard holte einen neuen Ball aus seiner Hosentasche und legte ihn bereit. Dann richtete er sich auf und pendelte den Schläger ein.
In diesem Moment traf ihn ein gewaltiger Schwall eiskaltes Wasser und etwas schlug hart gegen die Außenwand der Stadt. Als er hochblickte, sah er einen grauen Rücken, der langsam wieder in der Tiefe versank. Eine gewaltige Schwanzfloße winkte ihm mahnend zu.
Sheppard zog die Nase hoch und wischte sich mit der Hand über das nasse Gesicht. Dann rammte er seinen Schläger wieder in die Tasche.
„Schon gut! Ich hab's verstanden!" rief er dem gewaltigen Meeresbewohner nach.

27.08.2009

Wahrer Glaube

TV-Serie: Stargate SG-1
Genre: oneshot, drama
Rating: M
Zeitleiste: Diese Story spielt innerhalb der Folge 14.10 Daniel, der Prior und soll den inneren Kampf, den Daniel mit Adria und Merlin um sein eigenes Handeln ausficht beschreiben. Ich nehme mir dabei die Freiheit, gerade die Szene ein wenig umzustellen und sie dem Refrain des Liedes Personal Jesus anzugleichen.
Author's Note: Dieser Oneshot wurde seinerzeit für eine FF-Challenge geschrieben. Obwohl eigentlich alle Leser(abgesehen von mir selbst) der festen Überzeugung waren, daß diese kurze Fic gewinnen müßte, landete ich auf dem letzten Platz. Die Begründung? OOC und Thema verfehlt durch das Auftauchen von Merlin, der ja seit 10.11 Die Suche 2 tot sei. Tja, ob dieser Oneshot wirklich so grottenschlecht ist, dürfen jetzt und hier die Leser entscheiden.
Wie immer gilt: Kommentare sind willkommen!


>Das ist wahrer Glaube ...<
Dieses unablässige Wispern in seinem Hirn, die Geschichten, das Lächeln, die sanften Augen, die unverhohlene Bewunderung ...
Daniel war am Ende seiner Kräfte. Er konnte einfach nicht mehr. Der Kampf gegen Adria hatte ihm das letzte abverlangt, ebenso wie die ständige Anwesenheit eines zweiten in seinem Geist ihn allmählich an sich selbst zweifeln ließ.
„Die Frage sollte doch anders gestellt werden, oder nicht?" Adria beugte sich vor.
Daniel stöhnte innerlich auf.
Er wollte hier heraus. Diese Folter war wesentlich erfolgreicher als alles, was er in all den Jahren vorher je erlebt hatte. Das, wogegen er jetzt antreten mußte, benötigte all seine Kräfte. Und die konnte er nicht geben, nicht solange er noch einen zweiten Geist in dem seinen beherbergte.
>Strecke nur deine Hand aus und berühre sie - die Verkörperung des Wahren Glaubens ...<
„Als Narom um die Erlösung seiner Qualen bat, was geschah ihm da?" gurrte Adria ihm ins Ohr. Stille, mädchenhafte Bewunderung lag in ihren sanften, dunklen Augen.
Daniel schluckte, kämpfte um seine Stimme und hob den Kopf. „Die Ori machten ihn zu ihrem ersten Prior", antwortete er. Und plötzlich war sie da, die Angst. Sie würde doch wohl nicht ... ?
„Aber Dareem verweigerte sich ihnen später", rutschte es ihm vollkommen unvermittelt heraus.
>Die Orici ist der wahre Glaube. Berühre sie.<
Adria lächelte in ihrer eigenartigen Unschuld. Es fiel so unglaublich schwer, sich sie als Gefahr für die Milchstraße - ach was, für das ganze Universum!, vorzustellen. Sie war auf der einen Seite so verführerisch in ihren Reizen, auf der anderen Seite aber ...
Daniel kämpfte weiter. Und kurz verstummte die Stimme in seinem Kopf.
'Vertrau mir', mischte sich dafür plötzlich jemand anderes ein. 'Vertrau mir endlich!'
Merlin!
Adria lächelte verführerisch.
Das undeutliche Wispern wollte einen Moment lang wieder zunehmen und die Kontrolle über seinen Kopf zurückgewinnen.
Daniel kämpfte weiter, ließ aber eine winzige Ecke seines Geistes gewähren. Die Ecke, aus der ihm die Gedanken Merlins entgegenstrahlten.
'Ich habe einen Plan. Laß es zu, Daniel Jackson. Auch wenn du bereits aufgestiegen warst, du kannst das hier schlichtweg nicht gewinnen. Nicht gegen jemanden wie sie.'
Aber was sollte er dann tun? Es einfach weiterhin geschehen lassen wie bisher?
Daniel erinnerte sich an kaum etwas, seit er auf diesem Planeten gegen Adria gekämpft ... und verloren ... hatte. Merlin übernahm ihn immer wieder und er konnte sich nicht dagegen wehren.
Die wispernde Stimme in seinem Kopf wurde wieder deutlicher.
'Es ist die ihre', merkte der Antiker in seinem Inneren an. 'Laß mich tun, was ich tun kann, Daniel Jackson. Wenn ich die Waffe bauen kann und sie durch das Supergate schicke ...'
Durch das ... Supergate?
„Du bist wirklich klug, Daniel Jackson", lenkte Adria ihn in diesem Moment ab.
Daniel glaube, sie müsse den kalten Schweiß sehen, der innerlich seine Stirn hinabrann.
'Ja, wir müssen die Galaxie der Ori erreichen, um die Waffe einzusetzen', merkte die Stimme in seinem Inneren an. 'Konzentriere dich jetzt, Daniel Jackson. Konzentriere dich!'
Wenn das mal so einfach wäre ...
>Wahrer Glaube ...<
War es wirklich das, worum es ging? Irgendetwas in ihm verneinte das ganz vehement. Aber in den letzten Tagen, Wochen ... Monaten (?) war irgendwie alles durcheinandergeraten.
„Erzähl mir mehr, Daniel Jackson." Adria lehnte sich vor. Der Ausschnitt ihres atemberaubenden Kleides ließ tief blicken.
Daniel schluckte wieder, wenn auch nicht aus dem Grund, den die Orici vielleicht annehmen könnte.
Sie flirtete mal mehr, mal weniger geschickt mit ihm, versuchte ihm den Kopf zu verdrehen. Aber ... war das, was sie damit erreichte, wirklich mit echter, wahrer Liebe zu vergleichen? Doch wohl eher nicht.
'So ist es', meldete Merlin sich wieder zu Wort. 'Und tief in dir weißt du das auch. Darum ... ich bin stärker als du. Laß es mich übernehmen.'
Daniels Blick irrte durch die Kabine, blieb an einem der Fenster hängen. Leer starrte er in die Schwärze des Alls hinaus.
Und wenn es doch nicht so einfach wäre!
'Es ist so einfach, wenn ... Überlaß es mir und wappne dich, Daniel Jackson', wisperte die Stimme in seinem Inneren.
Daniel starrte weiter aus dem Fenster in die Schwärze hinaus.
>Ergreif deine Chance. Finde den Wahren Glauben!<
Plötzlich ruckte sein Kopf herum, in seinen Augen stand Entschlossenheit. „Hiob wurde von Gott geprüft, indem dieser ihn seinem eigenen Widersacher auslieferte", sagte er mit fester Stimme. „Jonas sah die Zerstörung von Tyros voraus, wollte sie jedoch nicht predigen und floh ... um von einem gewaltigen Fisch verschluckt und dort wieder entlassen zu werden, wohin er gehörte. DAS ist der Glauben, den viele als den Wahren bezeichnen würden."
Adria zuckte sichtlich zurück.
'Was tust du?' Merlins gedankliche Stimme klang verblüfft.
„Buddha kehrte nach Jahren der Wanderschaft in seine Heimatstadt, dort wo er alles zurückgelassen und aufgegeben hatte, zurück. Er war diesem Weg immer ausgewichen, bis es kein Entkommen mehr gab. Doch die meisten begegneten ihm, dem ehemaligen Prinzen, mit dem Respekt, den er als Prophet verdiente. Und selbst als seine Frau ihm seinen Sohn, den er noch nie gesehen hatte, brachte mit anklagenden Worten, nahm er sich voller Erbarmen des Jungen an", fuhr Daniel fort. „Das ist wahrer Glauben in den Augen von vielen."
Merlin schwieg nachdenklich, Adria starrte ihn an.
Die Stimme! Sie war verstummt!
Nein, ging ihm auf. Verstummt war sie nicht, aber ... sie lauschte. Lauschte dem, was er zu sagen hatte.
„Jesus ging in die Häuser der Zöllner, ließ seine Füße von Huren waschen und nahm sich derer an, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt lebten. Als die Trauergemeinde an ihm vorbeizog unter Heulen und Zähneklappern, sagte er, Lazarus solle sich von seinem Totenbett erheben - und er tat es!" Daniel fühlte sich zum ersten Mal seit wer wußte wie langer Zeit wieder als Herr seines eigenen Körpers. „Das ist wahrer Glaube in den Augen von vielen."
„Die Ori lehren ..."
„An dem Tag, an dem der Weltenträumer sich erhebt und das Meer aus Milch zu Sahne und Butter schlägt, an diesem Tag wird Shiva sich erheben und die Menschen trafen für all das schlechte Karma, das sie angehäuft haben. Und dann wird sich Kali an seine Seite stellen und ihre Kinder an ihm rächen." Daniels Stimme gewann an Kraft.
DAS war wahrer Glaube! Das war es, woran er glaubte: Die Freiheit zu glauben.
„Das ist wahrer Glaube in den Augen von vielen!"
„Das Buch des Ursprungs lehrt da anderes", entgegnete Adria. Ein listiges Lächeln legte sich um ihre Lippen. „Ihr seid einer Irrlehre mit einigen erstaunlichen Wahrheiten erlegen, Daniel Jackson. Aber auch nicht mehr."
'Ich verstehe!' Endlich begriff Merlin, was er wollte. 'Ich werde dich nicht enttäuschen, Daniel Jackson.'
Hoffentlich ... Er fühlte, wie seine Kräfte wieder schwanden. Seine eigene Überzeugung hatte ihm noch einmal die Kraft gegeben, die er brauchte für diesen letzten Akt. Danach ... nun, er würde sehen.
'Du sollst wissen, daß ich es auf mich nehme', wisperte die Stimme in seinem Inneren. 'Du wirst schlummern für die Zeit ... und dann erwachen und der sein, der du immer gewesen bist. Du bist ein erstaunlicher Mensch, Daniel Jackson.'
„Jeder trägt den Wahren Glauben tief in sich." Er fühlte, wie er wieder schwächer wurde. Die Stimme in seinem Inneren, die Stimme, die diese Unsinnigkeiten wisperte, gewann wieder an Stärke. Und er fühlte den Antiker, wie er ihm sein Lager bereitete.
Würde es lange dauern?
Daniel war klar, daß er sehr wahrscheinlich auf der anderen Seite eines Wurmloches, abgeschnitten von allem und jedem, aufwachen würde. Doch das war ihm gleich. Er hatte noch etwas zu sagen. Etwas wichtiges, ehe es ihn wieder in die Dunkelheit hinabziehen würde.
„Wahrer Glaube ist etwas, was nicht erzwungen werden kann, Adria. Ich glaube, daß hat dir nur noch niemand erklärt", fuhr er fort. „Jeder ist seine eigene Erlösung, das lehrte bereits Buddha, und vor ihm andere, ebenso wie nach ihm viele es lehrten. Blinder Gehorsam sogenannter Götter gegenüber ist der falsche Weg. Die Ori nutzen ihre Anhänger, um sich selbst auf dem Stand der Aufgestiegenen zu halten, und das weißt du auch verdammt genau! Das ist nichts, was irgendjemand erleiden sollte. Einige mögen das Potenzial besitzen, selbst aufzusteigen, so wie einige Religionsstifter auf der Erde es sicher getan haben. Ihnen diese Möglichkeit zu entziehen ist das größte Verbrechen, schlimmer als das, was die Antiker uns angetan haben mögen in euren Augen. Wir sind jeder unser eigener Religionsstifter, auch wenn du es nicht hören magst. Die Zeiten sind, Gott sei Dank, vorbei, in denen man in der freien Welt aufgrund seiner Religion verfolgt wurde."
Adria richtete sich auf, sah zu ihm hinunter. „Ich dachte, du seist endlich bereit, deine Fehler einzusehen, Daniel Jackson", sagte sie mit hochmütiger Stimme. „Du hast das Buch des Ursprungs gelesen, ebenso wie wohl viele Werke der Irrglauben deines Planeten oder der anderer. Und warst nicht du es, der mit Mut und Leidenschaft gegen diese anderen, inzwischen weitestgehend besiegten Feinde, antrat."
Sha'ri!
Allein die Erinnerung schnitt sein Herz in zwei Teile.
'Noch ein wenig, gib mir noch ein kleines bißchen Zeit', wisperte Merlin in ihm.
Daniels Wangenmuskeln spannten sich vor Anstrengung an. Von unten herauf sah er Adria an. „Die Goa'uld verlangten, angebetet zu werden, ohne auch nur in die Nähe der Macht eines Aufgestiegenen geraten zu können. Nein, dein Vergleich hinkt. Was ist Wahrer Glaube, Adria? Was?"
„Nicht das, was dein Jesus, dein Buddha oder dein Shiva, geschweige denn dieser Hiob, dir erzählt haben. Wahrer Glaube ist mit Macht verbunden."
„Macht, die die Ori und du dazu nutzen, sich selbst am Leben und in der Existenz zu halten. Nein, Adria, der Wahre Glaube, der kommt aus dem Herzen, nicht aus dem Verstand. Das Herz will lieben, es will hassen, es will leben! Und darum ist jeder sein eigener Erlöser, gleich welcher Religion er angehört."
'Interessante Aspekte, die du aufwirfst', merkte Merlin plötzlich an. 'Doch nun ...'
„Nein!" Daniel stand mit einem Ruck auf den Beinen. „Die Geschichte meines Planeten hat mehr als deutlich gezeigt, wohin erzwungener Glauben führt. Und aus genau diesem Grund wirst du mich auch nicht überzeugen können, Adria. Das Buch des Ursprungs ist ein Buch voller einfacher Weisheiten, um einfache Menschen zu überzeugen. Aber was tust du mit jemandem, der all diese Religionen studiert hat? Willst du mich wirklich töten? Warum hast du es nicht schon längst getan? Liegt es vielleicht daran, daß ..."
'Genug!'
>Wahrer Glaube wird durch die Orici verkörpert. Sie ist es, die die Erlösung bringt.<
Das letzte, was Daniel sah, waren Adrias glitzernde Augen, als sie sich urplötzlich über ihn beugte, dabei war ihm nicht einmal klar gewesen, daß er wohl wieder zu Boden gesunken war. Dann kam da nur noch ein Gedanke:
„Wahrer Glaube ..."