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01.08.2009

Das Artefakt VII

Aufzeichnung eines Funkkontaktes zur ehemaligen Atlantis-Basis, weitergeleitet via Daedalus (Übersetzung von Dr. Daniel Jackson):

Helia: Ich hörte, du würdest noch leben. Ich konnte es nicht glauben, aber dieser Mr. Woolsey sagte es mir während der Verhandlungen.
Vashtu: Verräter!
Helia: Oh, du weißt also bereits, was ich von dir will. Erstaunlich ...
Vashtu: Oh nein, ich bin keine Verräterin, Verehrteste. Leider hat Moros mich vergessen, nachdem endgültig beschlossen wurde, Lantia aufzugeben. Dummerweise konnte ich überleben. Ob er sich vielleicht verrechnet hat ... ?
Helia: Wie kannst du es wagen, du ... du ...
Vashtu: Sprich dich ruhig aus, Schätzchen.
Helia: Ich werde veranlassen, daß du so schnell als möglich ausgeliefert wirst, Vashtu Uruhk. Ich werde dich auf keinen Fall auf einem Planeten mit den Tauben lassen. Wer weiß, was du unter ihnen noch anrichten wirst!
Vashtu: Frag Woolsey, der kann dir die eine oder andere Schote erzählen. Und Auslieferung klingt gar nicht gut. Helia, wie wärs mit einem Powerdrink, der regt dein Hirn vielleicht ein bißchen an. Es gibt nicht mehr viele von uns. Wir sollten mit den Menschen zusammenarbeiten statt uns zu vergraben.
Helia: Die Argumente der Familie Uruhk klingen selbst nach zehntausend Jahren noch ignorant und zu einfach. Wir werden die Bedrohung bekämpfen, die die Tauben offensichtlich auch nicht in den Griff bekommen haben.
Vashtu: Upps!
Helia: Was?
Vashtu: Höre ich da einen gewissen „ich brauche deine Ergebnisse"-Unterton heraus?
Helia: Ich brauche deine Ergebnisse nicht, Vashtu Uruhk. Falls du es vergessen hast, ich besitze die uneingeschränkte Macht über Lantia.
Vashtu: Dumm nur, daß ich die Paßwörter für die wichtigen Bereiche geändert habe ...
Helia: Du bluffst!
Vashtu: Laß es drauf ankommen. Du kriegst weder meine Ergebnisse noch die Unterlagen von Janus oder meines Vaters. Das einzige, was ich dir ans Herz lege sind die delikaten Moose, angereichert mit der DNA einiger artfremder Spezies. Du darfst also die Hungernden speisen, aber mehr auch nicht.
Helia: Lantia ist auch deine Heimat.
Vashtu: Sekunde, laß mich das jetzt bitte genießen, ja?
Helia: Was genießen?
Vashtu: Den Moment, bevor du mich auf Knien anflehst, die Therapie offenzulegen.
Helia: Du irrst dich.
Vashtu: Schätzchen, vertrau mir, da muß schon ein wenig mehr kommen als das, was du bisher vorgebracht hast. Ich erwarte mindestens eine Entschuldigung.
Helia: Darauf allerdings wirst du lange warten müssen. An meiner Meinung hat sich nichts geändert.
Vashtu: Weißt du was? Ich hab das gewußt. Echt, ich hab das wirklich gewußt. Und genau darum habe ich die Erde um Hilfe gebeten. Und aus genau diesem Grund bin ich jetzt auf Thera und du hockst in Lantia und kochst im eigenen Saft. Dumm gelaufen, Helia.
Helia: Die Tauben werden schon noch verstehen, daß sie jemandem wie dir nicht trauen können. Du bist besser dort aufgehoben, wo du offensichtlich ausgebrochen bist. Und sollte sich bestätigen, was du ...
(undeutliche Stimmen im Hintergrund)
Vashtu: (alarmiert) Sag mir nicht, daß da gerade ein Asuranerschiff auf Lantia zufliegt.
Helia: Unsere erste Waffe gegen die Wraith trifft ein, du hast recht. Und ich bin zuversichtlich, daß sie, kombiniert mit der zweiten, einiges bewirken wird. Wir waren schon immer die Überlegenen, Vashtu Uruhk. Daran hat auch die offensichtliche Vermischung unseres Blutes mit Tauben wenig geändert.
Vashtu: Okay, jetzt laß uns unsere Meinungsverschiedenheiten mal hintenanstellen. Mit einem hast du recht: Lantia IST meine Heimat - und die wüßte ich gern in EINEM Stück. Also blas diese Sache ab! Laß die Asuraner um aller Weisheit Willen nicht näher an den Planeten heran!
Helia: Glaubst du etwa immer noch die Spukgeschichten, die die Alten uns früher erzählten? Vashtu Uruhk ...
(wieder undeutliche Stimmen im Hintergrund, dann bricht das Gespräch ab)
Vashtu: Helia? Helia? Sag mir jetzt nicht, du hast die Asuraner durchgelassen. Helia?

***

SGC, vier Wochen später:

„Gott sei Dank ist Ihnen nichts passiert, Jack!" Landry atmete auf und lehnte sich zurück.
O'Neill winkte ab. „Nachdem ich von Sheppard gehört habe, daß er nur mit einer Handvoll Leute gekommen war, war mir klar, daß wir da lebend rauskommen würden", erklärte er lässig und setzte sich leise stöhnend. „Die Knochen werden auch immer älter", bemerkte er dabei.
Landry nickte, klopfte nachdenklich mit den Fingern einen Takt auf eine Akte. „Was machen wir jetzt mit Sheppard? Eigentlich müßte die Air Force ihn rausschmeißen. Er hat eine klare Befehlsverweigerung begangen."
„Hab ich öfter, ist nicht so dramatisch, wie es sich anhört." O'Neill grinste breit über die Miene, die sein Gegenüber zog. „Nein, nein, ich werde mein Gewicht in die Waagschale werfen - und ich schätze, auch der gute Woolsey wird mitziehen, denn ich weiß etwas über ihn, was ihm ziemlich peinlich ist." Wenn möglich, wuchs das Grinsen noch ein bißchen in Richtung Ohren. „Sheppard ist genau da richtig, wo er sich jetzt herumtreibt. Lassen wir ihn auf Atlantis. Der Junge muß dort erst einmal ein bißchen aufräumen, ehe er sich wieder einnisten kann."
Landry schob die eine Akte zur Seite, zog statt dessen eine zweite heran und fuhr fort, den Takt zu klopfen.
O'Neill lugte kurz auf den Aktendeckel. „Gehe ich recht in der Annahme, daß es sich bei diesen Unterlagen um die Akte von jemand bestimmten handelt?" erkundigte er sich dann.
Landry nickte ernst und stumm.
O'Neill betrachtete die Akte nachdenklich.
„Die Frage bleibt: Was machen wir mit ihr?"
O'Neill setzte sich auf. „In Vegas hat sie doch recht gute Arbeit geleistet", merkte er dann an.
„Dank ihr ist die Lagerhalle abgebrannt", entgegnete Landry.
„Was noch zu beweisen wäre. Soweit ich weiß, haben sich alle Beteiligten an diesem Einsatz, einmal abgesehen von Mitchell, positiv über ihre Leistung geäußert." O'Neill runzelte die Stirn. „Sagen Sie, Hank, was bahnt sich da eigentlich zwischen Mitchell und ihr an? So wie er über sie wettert, sieht das beinahe nach Kleinkrieg aus."
Landry zuckte mit den Schultern. „Meines Wissens macht Mitchell sie für das Fiasko bei seiner zweihundertsten Tordurchschreitung verantwortlich", erklärte er dann endlich. „Sagen wir, sie zumindest hat sich wirklich sehr amüsiert über Ihren Filmfreund und die Tatsache, daß Mitchell und die anderen sehr lange hier festsassen. Sie arbeitete mit Carter und Walter zusammen an dem Problem vom Kontrollraum aus."
„Sie kennt sich aus mit Tortechnik ..." O'Neill nickte, als er sich erinnerte. „Das tat sie schon, als sie damals hier durchkam und ich sie befragte."
„Ich habe SG-15 neu koordiniert", wechselte Landry das Thema. „Collins ist jetzt Leader. Allerdings weiß ich nicht, was passiert, wenn wir sie wieder von der Leine lassen. Collins ist ein Chauvinist ..."
O'Neill betrachtete die Akten auf dem Schreibtisch mit geschürzten Lippen.
„Was denken Sie?" wandte Landry sich an ihn.
„Wir haben doch jetzt ein führerloses Team", platzte es unvermittelt aus O'Neill heraus. Grinsend wie ein Schuljunge nach einem gelungenen Streich lehnte er sich zurück. „SG-27 braucht einen neuen Anführer. Warum nicht Uruhk?"
Landry bekam große Augen. „Sie gehört nicht zum Militär!"
O'Neill zuckte lässig mit den Schultern. „Daran arbeite ich. Bis dahin ... da war doch dieser alte Haudegen, den nichts aus der Ruhe brachte ..."
„Dorn aus SG-9? Der wollte doch in Pension, jetzt, nach allem, was passiert ist."
„Vielleicht will er aber eben gerade jetzt nicht mehr, sondern sich vielmehr ablenken", entgegnete O'Neill. „Ich rede mit ihm. Dorn ... genau, der einsilbige Dorn. Könnte Uruhk als Leader unterstützen und gleichzeitig ausbremsen, wenn sie zu übermütig wird. Immerhin ist er schon seit Anfang an mit dabei hier unten. Er kennt sich aus."
„Wenn Sie ihn überreden zurückzukommen." Landry zuckte mit den Schultern, allerdings sah er nicht recht glücklich über diese Lösung aus.
„Wer ist noch dabei?"
„Wallace und dieses Nachwuchsgenie Babbis, der aufgrund von Carters Empfehlungen hierher versetzt wurde. Vorher war er in der AREA 51. Hat bei der Prometheus damals gute Arbeit geleistet, ist allerdings kaum teamfähig und absolut nervig. Manche behaupten, er erinnert an McKay."
O'Neill schmunzelte. „Dann hat sie ihren Aushilfs-McKay. In AREA 51 haben die beiden in den letzten Wochen für einige Unterhaltung gesorgt, wie man so hört. Allerdings haben sie auch verdammt gute Arbeit abgeliefert."
„Wie Sie meinen, Jack. Aber wenn die vier die Milchstraße auseinandernehmen und die Ori erst recht verärgern beschweren Sie sich nicht bei mir."
„Man könnte meinen, Sie mögen Uruhk nicht ..." O'Neill grinste wieder breit. „Da allerdings habe ich andere Dinge gehört. Angeblich klebt sie doch geradezu wie eine Klette an Ihnen, wenn sie hier ist. Und so ganz unangenehm ist Ihnen das auch nicht, oder?"
Landry stieg tatsächlich das Blut ins Gesicht. „Sie ist ... ein interessanter Zeitgenosse", gab er schließlich zu.
„Dann ist ja alles geklärt." O'Neill grinste breit.
Noch waren zwar nicht alle Schlachten zu diesem Thema geschlagen, aber er war mit seinen Favoriten doch ein Stück näher an seinen persönlichen Sieg. Wäre doch gelacht, wenn er den Rest nicht auch noch schaffen würde. Vor allem, da Woolsey im Moment doch recht handzahm sein sollte ...

***

Las Vegas, am Strip, am Abend des selben Tages:

Grissom schlenderte mit beinahe träumerischer Geduld die belebte Straße hinunter und beobachtete das Geglitzer und Gewimmel um sich her. Die Menschen waren fröhlich, sie lachten und unterhielten sich. Kaum jemanden hier war bewußt, daß diese Stadt auch eine dunkle Seite in sich trug. Eine gefährliche, dunkle Seite.
Grissom zwang sich, nicht mehr an das zu denken, was vor knapp einem Monat geschehen war. Die Fakten wurden ihm ohnehin vorenthalten. Dennoch ärgerte es den Kriminalisten in ihm, wenn er sich daran erinnerte, wie ihm der gesamte Fall durch das Militär entzogen wurde und plötzlich unter präsidialer Sicherheitsstufe stand. Selbst der Brand in der Lagerhalle hatte nicht durch die dafür zuständigen Sachverständigen geklärt werden dürfen, geschweige denn, daß die Verletzten damals in einer der städtischen Kliniken behandelt wurden. Die Schüler der Kennedy-High, die noch in die Sache involviert worden waren, waren nach zwei Tagen munter wieder aufgetaucht und hatten sich in Schweigen gehüllt.
Wie mochte es wohl dem interessanten Trio ergangen sein, dem er sich hatte entgegenstellen müssen?
Grissom schmunzelte, dann aber wurde er auf eine schlanke Gestalt in einer braunen Fliegerjacke aufmerksam, die am Straßenrand stand und aufmerksam die Achterbahn beobachtete.
Hatte er nicht gehört, sie sei schwer verletzt worden bei dem Feuer? Hatte sie nicht gemeinsam mit diesem Colonel Sheppard noch mehrere Männer aus den Flammen gerettet, ehe der Brand hatte unter Kontrolle gebracht werden können?
„Miss Uruhk?"
Grissom konnte es kaum glauben, doch sie war es tatsächlich, die sich zu ihm umdrehte und ihn einen Moment lang ohne sichtliches Erkennen musterte. Dann aber begann sie verlegen zu grinsen. „Mr. Grissom ... Guten Abend." Sie nickte, ihr kurzes schwarzes Haar wippte leicht.
Grissom musterte sie von Kopf bis Fuß, doch da war absolut gar nichts auszumachen von Wunden oder gar Narben. Wenn überhaupt, dann lag ein gewisser, ernster Zug um ihren Mund, den sie damals nicht gehabt hatte. Möglicherweise, so kam es ihm in den Sinn, lag es ja an ihrer irisierenden Haut. Vielleicht war sie dadurch widerstandsfähiger oder Wunden heilten schneller.
„Ich hörte, Sie seien verletzt worden, als Sie noch einige Ihrer Männer aus dem brennenden Lagerhaus holten", wandte er sich schließlich an sie. Bedauernd dachte er dabei an die Zellproben, die von der Air Force ebenso wie alles andere beschlagnahmt worden war. Sicher wäre es interessant gewesen, mehr über sie herauszufinden ...
Uruhk atmete tief ein, stieß dann die Luft durch geblähte Nasenflügel wieder aus und betrachtete die Achterbahn. „Eine leichte Rauchvergiftung", antwortete sie ausweichend und verzog das Gesicht.
Sie lenkte ab und log, wie bereits damals.
Grissom kämpfte kurz mit sich selbst, dann aber entschied er sich und stellte sich neben sie, um seinerseits die Achterbahn genau mit den Augen zu inspizieren. „Und Ihr Colonel Sheppard? Wie geht es ihm?"
Dieses Mal war das Lächeln voller Stolz und ihre dunklen Augen schienen zu leuchten. „Er ist zurückgekehrt zu der Basis, die eigentlich hatte aufgegeben werden sollen. Jetzt leitet er sie wieder", antwortete sie. Der Stolz und die Freude waren immer noch da, aber auch ein gewisser Schmerz, dessen sie sich wahrscheinlich selbst nicht bewußt war.
Grissom nickte. „Und Colonel Mitchell?"
„In Colorado ... ebenso wie ich, ab morgen." Wieder dieser schüchterne Blick, den sie schon damals ab und an gezeigt hatte. „Meine letzte Nacht in Las Vegas sozusagen. Da wollte ich mir einmal die Stadt richtig ansehen. Durch die ganze Arbeit draußen in Groom Lake bin ich noch gar nicht dazu gekommen, Las Vegas kennenzulernen."
Grissom nickte verständnisvoll. „Und? Gefällt es Ihnen?"
Etwas hilflos zuckte sie mit den Schultern. „Ich verstehe den Sinn hinter den ganzen Glücksspielen nicht so recht", gestand sie. „Aber ich mag die Lichter."
Grissom schmunzelte. „Die meisten Touristen, die herkommen, würden Ihnen wahrscheinlich einen sehr langen Vortrag über das Glück halten, dessentwegen sie die Casinos aufsuchen. Leichtes Geld, schnell verdient, und ein bißchen Nervenkitzel."
„Nervenkitzel hatte ich in den letzten Wochen mehr als genug, danke. Die Air Force bezahlt mich nicht schlecht und Glück ... ist sehr wankelmütig und unzuverlässig."
Diese Antwort überraschte Grissom nun doch.
Uruhk blickte in den Himmel hinauf. „Von hieraus kann man kaum Sterne sehen. Draußen in der Wüste ist das anders."
Grissom folgte ihrem Blick und mußte ihr recht geben. Dabei ging ihm auf, daß er schon lange nicht mehr in den Himmel hinauf gesehen und die Sterne betrachtet hatte.
Uruhk seufzte, senkte den Kopf wieder und sah ihn an. „Es tut mir leid, wie es damals gelaufen ist, Mr. Grissom. Wenn es anders wäre ..."
Er nickte. Er verstand. Und plötzlich überkam ihn eine ihm wohlbekannte Lust. „Als Wiedergutmachung könnten Sie mich begleiten, Miss Uruhk", schlug er vor und nickte zur Achterbahn. „Eine Runde?"
Sie drehte sich wieder um und betrachtete das Gestänge. „Was ist das für ein Gefährt?"
Irgendwie, ging ihm auf, wunderte es ihn so gar nicht, daß sie nicht wußte, was eine Achterbahn war. Es paßte zu der Vashtu Uruhk, die er vor vier Wochen kennengelernt hatte. Wenn er es nicht besser wüßte, er könnte beinahe annehmen, in ihr wirklich einem Alien gegenüberzustehen - zumindest aber einem sehr interessanten Menschen ...
„Eine Achterbahn. Ich habe mir sagen lassen, es habe etwas vom Fliegen, darin mitzufahren. Ich tue es gern, wenn ich zuviele Sorgen habe, um meine Gedanken für kurze Zeit hinter mir zu lassen. Lassen Sie sich einfach überraschen", antwortete Grissom mit einem Lächeln und machte eine einladende Geste.
Vashtu Uruhk sah ihn noch einmal kurz forschend an, dann nickte sie stumm und ließ sich weiterführen. Und Grissom hatte das Gefühl, sie verstand ihn besser als die meisten anderen, wenn er auch nicht sagen konnte, warum.
„Wußten Sie eigentlich, daß Sie sehr interessante Hautzellen haben, Miss Uruhk?"

ENDE

31.07.2009

Das Artefakt VI

„Gut, Leute, wie weit sind wir jetzt also?" Mitchell klatschte auffordernd in die Hände.
McKay hatte sich hinter der Zeitung vergraben und war schlichtweg nicht ansprechbar, Sheppard und Uruhk saßen brütend nebeneinander und schienen ebenfalls aus der Wirklichkeit entkommen zu sein. Im Gegensatz zu den letzten zwei Tagen allerdings war ihr neuer Fluchtpunkt um einiges düsterer, jedenfalls strahlten sie sich gegenseitig nicht mehr an wie zwei Idioten.
Mitchell verzog unwillig das Gesicht über seinen zusammengewürfelten Haufen.
Hätte er Sheppard nicht machen lassen, wer konnte schon sagen, ob sie nicht vielleicht schon längst fertig gewesen wären. Immerhin hatte diese Antikerin ja erst mit dem Eiballen angefangen. Vielleicht wollte sie nur Zeit schinden, schließlich hatten die beiden die letzten zwei Tage damit verbracht, sich gegenseitig anzuturteln und sich wie Idioten zu benehmen.
„Jemand zu Hause?" fragte Mitchell ungeduldig.
Das IOA machte ihnen die Hölle heiß, wiesen sie nicht endlich Ergebnisse vor. Andere Ergebnisse als das Pärchen, das sich da so offensichtlich bildete. Und McKay, dem er im Stillen schon homosexuelle Neigungen zugesprochen hatte, ließ das auch noch zu!
„In der Datenbank habe ich einige Files gefunden", antwortete die Antikerin jetzt endlich. „Danach habe ich ein mögliches Datum des Schlüpfens errechnet. Ist zwar nur ein Richtwert, da wir das Datum der Eiablage nicht kennen, aber ..."
„Und wann tritt Ihre große Katastrophe ein, wenn wir sie nicht verhindern?"
„In zwei Tagen, plus/minus einen Tag." Uruhk starrte in ihre Teetasse hinein, als würde sie dort etwas interessantes finden können.
„Halloween", kommentierte Sheppard trocken und blickte auf. „Paßt doch."
Mitchell starrte die beiden einen Moment lang groß an, dann verhärtete sich seine Miene wieder. „Das IOA ist bisher sehr unzufrieden mit unseren Leistungen. Ich habe daher veranlaßt, daß dem CSI sämtliche Beweisstücke in diesem Fall umgehend entzogen werden. Sheppard, Sie begleiten mich, damit wir das ganze kontrollieren können."
„Dazu ist es noch zu früh", entgegnete der prompt. „Bei der Sache damals in New York haben wir gewartet, bis der Fall fast aufgeklärt war, um selbst Nutzen ziehen zu können. Und so sollten wir es jetzt auch halten. Alles andere ist sinnlose Vergeudung!"
Nun allerdings war Mitchell überrascht. Sheppard hatte demnach schon eine ähnliche Konfliktsituation hinter sich und diese selbst beendet? Wann?
„Wir sollten schon unterbinden, daß weiter an dem Iratus geforscht wird", wandte Uruhk ein.
„Dieser Grissom schien mir doch genug Verstand im Kopf zu haben, um sich nicht näher an das Vieh heranzutrauen."
„Schon, aber dennoch. Stößt nur eine Putzfrau gegen das Terrarium haben wir eine Sorge mehr. Noch dazu wissen wir immer noch nicht, wo sich das Nest befindet."
„Auch das kriegen wir noch raus."
„Wo ist eigentlich Ihr neuer Freund, Miss Uruhk? Ich hoffe doch sehr, Sie haben ihn darauf aufmerksam gemacht, daß er über das, was er hier gesehen hat, zu schweigen hat, oder?" unterbrach Mitchell dieses Gespräch.
Uruhk stutzte, als würde ihr erst jetzt aufgehen, daß einer in ihrer Runde fehlte, dann sah sie auf. „Coop mußte leider gestern abend noch weg. Eine dringende Sache. Irgendeine Bigfoot-Sichtung. Soll spannend sein, hat er mir erzählt."
„Bigfoot?"
Im welchem Affenzirkus war er hier eigentlich gelandet? Mitchell glaubte einen Moment lang, er sei in einem Alptraum gefangen.
Uruhk nickte. „Ja, ein Bigfoot. Er meinte, das sei eine Art Affenmensch, vielleicht etwas wie das Missing link zum Menschen."
Sheppard grinste. „Ich bin einmal einem Yeti begegnet", wandte er ein. „Und ich bin mir ziemlich sicher, daß deinem Freund Cooper eine solche Begegnung nicht sehr gefallen hätte. Stimmts, Rodney?"
Einen Moment lang sah es so aus, als würde der Physiker nicht reagieren. Dann aber senkte sich unversehens die Zeitung und ein sehr blasser McKay erschien dahinter. „Ich glaube, ich habe unser Nest gefunden ..."
Mitchell stutzte. „In der Zeitung?"
Uruhk beugte sich interessiert vor. „Wo?"
McKay räusperte sich, begann dann zu vorzulesen:

Highschoolschüler in Mord verwickelt? Polizei durchsucht Monsterhaus.
Die Hysteriewelle, die am Mittwoch Abend die Stadt erschütterte (wir berichteten) führte am gestrigen Donnerstag zwei Verhaftungen. Zwei Schüler der Abschlußklasse der Kennedy-Highschool wurden von der Polizei direkt vom Krankenbett verhaftet.
Die Massenpsychose, die die Besucher des Monsterhauses der Kennedy-High überfiel, scheint allerdings weitere Kreise zu schlagen. Wie eine ungenannt bleibende Quelle berichtete, führten die Ermittlungen der Beamten zu den rätselhaften Morden in der Washington Street vom Sonntagabend (wir berichteten). Genaueres ließ sich jedoch noch nicht verlauten und der Sheriff hüllt sich noch in Schweigen.
Allerdings durchsuchten die Tatortermittler des Sheriffbüros am gestrigen Abend das Monsterhaus der Kennedy-High und stellten dort wohl auch Beweismaterial sicher, das direkt auf die Morde in der Washington Street deutet. Ob die festgenommenen Schüler etwas mit den bestialischen Morden an einer Frau und ihrem Sohn zu tun haben wurde noch nicht bekannt gegeben, ebensowenig wie die Namen der Verdächtigen.
Das Monsterhaus der Kennedy-High wird jedoch am heutigen Abend wieder geöffnet sein. Wie Mr. Sheridan, Jahrgangsleiter der Abschlußklasse, sagte, sei mit keiner weiteren Gefahr zu rechnen. Auch sei das sichergestellte Beweismaterial von der Polizei mitgenommen worden und man habe aus dem Sheriff-Büro die Genehmigung eingeholt.
Die Öffnungszeiten für das Monsterhaus der Kennedy-High unter dem diesjährigen Motto „Monster im Wandel der Zeiten" sind auf der Homepage der Schule einsehbar."

Mitchell lachte bitter auf. „Und wo ist da die Rede von den Eiern?"
Uruhk und Sheppard tauschten einen Blick, dann erhob der Colonel sich. „Vielleicht haben Sie recht, Mitchell. Wir sollten dem CSI noch einen Besuch abstatten. Aber nicht, um die Sachen jetzt schon sicherzustellen, sondern um uns diese Kiste anzusehen."
„Was?"
Uruhk nickte. „Der Kokon wird für Menschen nicht leicht aufzuspüren sein. Diese Massenpsychose deutet darauf hin. Der Kokon schützt sich selbst. Wir müssen zu diesem ... Was ist ein Monsterhaus?"
„Oh bitte! Lassen wir diesen Kinderkram doch, ja?"
McKay blickte auf und sah ihn überrascht an. „Wie? Sie als erfolgreicher Militär haben nie die Vorzüge eines Monsterhauses schätzen gelernt? Also, wir waren immer führend in meiner Heimatstadt."
Sheppard grinste breit. „Ja, die Dinger waren klasse. Leider haben wir soetwas nie aufgezogen, aber ich bin immer fleißig in die der Umgebung gegangen." Er nickte.
„Und was sind diese Monsterhäuser jetzt?"
„Nichts als billiger Blödsinn!" Mitchell schnaubte. „Und wir sollten uns jetzt an die Arbeit machen, allesamt!"
„Monsterhäuser werden von Schulen, Arbeitsgemeinschaften oder Klubs in leerstehenden Gebäuden zur Halloweenzeit aufgebaut", begann Sheppard zu erklären.
„Oh bitte! Können Sie das Ihrer Freundin nicht nachher erzählen? Wollen Sie ihr jetzt auch noch Sinn und Unsinn von Halloween näherbringen?"
„Trick or Treat." Uruhk zuckte mit den Schultern. „Das kenne ich schon vom letzten Jahr. Von Monsterhäusern habe ich dagegen noch nie etwas gehört."
Sheppard und McKay tauschten einen Blick.
„Monsterhäuser sind, wie gesagt, meist leerstehende Gebäude, die für die Halloweenwoche angemietet werden ... im günstigsten Fall. Kids und Teenager stellen dort alles nach, was ihnen gruselig erscheint, ob irgendwelche Papmachee-Monster oder alltäglichen Horror, den sie erleben. Es wird Eintritt verlangt, der dann von den Veranstaltern des Monsterhauses verwendet wird, meist kaum mehr als ein Unkostenbeitrag. Manche der Dinger sind wirklich spannend." Sheppard nickte. „Und das Thema für dieses hört sich vielversprechend an. Also, auch wenn wir, was den Kokon angeht, nicht fündig werden, ein Besuch in diesem Monsterhaus wird sich bestimmt lohnen."
„Jaja, und jetzt sollten wir gehen."
Sheppard zwinkerte der Antikerin zu, dann folgte er Mitchell aus der Kantine heraus.

***

CSI-Labor:

Catherine Willows blieb mitten im Gang stehen und runzelte die Stirn, während sie sich langsam um die eigene Achse drehte.
Was hatte das denn nun wieder zu bedeuten? Wieso waren Grissom und Warrick im Video-Labor? Sie hatten doch alles Bild- und Tonmaterial analysiert, das sie hatten finden können oder selbst angefertigt hatten. War vielleicht etwas anderes aufgetaucht?
Catherine zögerte noch einen Moment, dann zuckte sie mit den Schultern und marschierte hinüber zu der gläsernen Abteilung, hinter deren Fenster sich die beiden männlichen Mitglieder des Teams aufhielten neben dem hier zuständigen Techniker.
Grissom starrte angestrengt auf den großen Plasmabildschirm an der Wand, auf dem gerade irgendeine Aufzeichnung aus den Laboren lief.
Catherine stutzte, als sie erkannte, daß es sich um diese schwarzhaarige Frau handelte, mit der sie erst gestern gesprochen hatten.
„Gil?" fragte sie, als sie die Tür aufschob und den Raum betrat.
Grissom schien einen Moment lang nicht zu hören, und Catherines Herz setzte dabei einen Schlag aus. Auch wenn es schon einige Jahre her war, die Zeit, in der ihr Vorgesetzter und Freund an einer genetisch bedingten Form der Gehörschwäche litt war ihr immer noch viel zu gegenwärtig und sie wollte sie niemals wieder erleben.
Endlich rührte Grissom sich doch, richtete sich wieder auf und drehte sich zu ihr um. „Seid ihr etwa schon soweit?" fragte er verblüfft statt einer Begrüßung.
Catherine wurde sich der dünnen Mappe bewußt, die sie mitgebracht hatte, und nickte. „Die Kiste war leer. Allerdings konnten wir noch Spuren von Holz finden. Es wird gerade analysiert, da die erste Untersuchung keine Ergebnisse brachte. Wahrscheinlich irgendeine Verunreinigung durch Holzlack oder ähnliches." Sie reichte ihm die Unterlagen, sah dann wieder zu dem Bildschirm an der Wand. „Und was macht ihr hier? Ich dachte, diese Air-Force-Leute seien aus dem Schneider?"
„Was die Toten angeht besitzen sie zumindest allesamt ein Alibi", antwortete Grissom, der gerade die magere erste Auswertung der Holzreste überflog. „Aber zumindest Sheppard und Uruhk wissen mehr als sie zugeben wollen. Und das erinnerte mich an den ersten Auftritt dieser Uruhk hier und der Tatsache, daß sie allein im Labor mit der neuen Spezies war. Also habe ich mir die Überwachungsbänder besorgt."
„Es läßt dir keine Ruhe, stimmts?" Catherine war nun doch amüsiert.
Grissom konnte manchmal wirklich mehr als berechenbar sein. Andererseits aber war es vielleicht gerade das, was sie brauchte, wenn er sich in einen Fall festbiß und nicht lockerlassen wollte.
„Sagen wir, ich schätze es nicht sonderlich, wenn ich etwas nicht beurteilen kann. Aber sieh selbst." Grissom nickte dem Techniker zu, der daraufhin das Überwachungsvideo erneut abspielte.
Uruhk betrat den Raum, ließ das Licht ausgeschaltet. Sie ging langsam, blieb dann stehen für vielleicht eine Minute, ehe sie einen letzten Schritt nach vorn tat, nur um gleich wieder zurückzuweichen.
Catherine beugte sich vor. „Sie wirkt angespannt, als würde sie irgendetwas tun", murmelte sie schließlich.
Warrick nickte. „Ganz genau. Und paß auf, wenn sie zurückspringt."
Tatsächlich! Es war in dem wenigen Licht schlecht auszumachen, aber diese Uruhk sagte etwas wie zu sich selbst, sah dann hoch und drehte sich um, um das Labor wieder zu verlassen.
„Und was hat das jetzt zu bedeuten?" fragte Catherine.
„Wir haben die Aufnahme durch mehrere Filter laufen lassen", erklärte jetzt der Techniker. „Um herauszufinden, was sie treibt, ehe sie auf diesen Riesenkäfer zugeht. Und dabei haben wir das hier entdeckt."
Dasselbe Bild, nur dieses Mal in Fehlfarben. Einen Moment lang glaubte Catherine, es handle sich um Infrarot oder gar Ultraschall, dann ging ihr auf, daß es keines von beiden war. Es war ein Feinspektrum, wie sie es bisher noch nicht bei Videos gesehen hatte, wohl aber bei Fotos.
Die jetzt eigenwillig in vielen Farben leuchtende Gestalt von Uruhk trat wieder ein, blieb stehen. In dieser Art der Aufzeichnung konnte man erkennen, daß sie sich wirklich kurz anspannte, ehe ... sich eine hell leuchtende Wolke um ihren Körper legte.
Catherine riß die Augen auf. „Was ist das?"
Grissom kreuzte die Arme vor der Brust. „Wenn du mich fragst, Duftstoffe, die dem Insekt im Terrarium die Information geben sollen, daß ein Verwandter da ist."
„Du willst mir doch wohl nicht allen Ernstes erzählen, daß diese Miss Uruhk in der Lage ist, bewußt irgendwelche Duftstoffe in einer solchen Konzentration auszusenden."
„Ich behaupte sogar, daß diese Miss Uruhk gar kein richtiger Mensch ist", entgegnete Grissom. „Sie hat irisierende Haut, und die gibt's nun wirklich nicht bei jedem."
„Wie bitte?"
Der Tatortermittler nickte erneut. „Ich habe einige Hautschuppen von Uruhk gefunden und untersucht. Die genaue Bestimmung steht noch aus, aber ich kann dir jetzt schon sagen, daß sie keine normale Haut hat. Ihre leuchtet tatsächlich etwas, wenn auch für das bloße Auge nicht wahrnehmbar."
„Das ist lächerlich! Gil!" Catherine wußte wirklich nicht, was sie noch sagen sollte. „Du solltest dich einmal selbst reden hören. Du hast doch mit ihr gesprochen!"
„Eben darum bin ich ja mißtrauisch geworden", entgegnete Grissom prompt.
„Vielleicht war sie ja in dieser Kiste", schlug Warrick vor. „Oder wurde auch ihr Alibi überprüft?"
„Ja, von mir", antwortet Catherine, wandte sich wieder ihrem Vorgesetzten zu. „Gil, denk doch einmal nach, was du da behauptest! Vielleicht hatte diese Miss Uruhk ja irgendein Lockmittel dabei, daß den Käfer friedlich stimmen sollte. Aber ganz sicher ist sie nicht die Verkörperung auf zwei Beinen."
Das Telefon schellte. Dem Klang nach die interne Leitung.
„Es kann sich durchaus um eine Anomalie ähnlich wie dem Chimären-Effekt handeln, vielleicht ebenso selten", entgegnete Grissom. „Ich behaupte ja gar nicht, daß diese Miss Uruhk ein Käfer ist, der aussieht wie ein Mensch. Über das Stadium der schlecht recherchierten Filme bin ich hinaus."
Erneut klingelte es.
„Aber ich denke, sie weiß wesentlich mehr über unseren potenziellen Mörder, als sie je uns gegenüber zugeben wird."
„Aus gutem Grund. Du hast es doch gehört: Die da draußen arbeiten unter präsidialer Sicherheitsstufe."
Beim dritten Klingeln erbarmte sich Warrick und nahm das Gespräch entgegen.
„Sie sagte aber auch, diese Iratus-Käfer kämen aus ihrer Heimat. Ich bin noch einmal sämtliche Bekanntmachungen der letzten fünf Jahre durchgegangen und habe absolut gar nichts gefunden, was auf diese Spezies hinweist", entgegnete Grissom. „So gründlich kann man kein ganzes Gebiet isolieren, daß aber auch absolut gar nichts nach draußen dringt. Noch dazu bei der Größe dieser neuen Art."
„Leute ..."
„Es ist trotzdem nicht richtig, wenn du ihr hinterher spionierst, Gil. Ich mochte sie und ich denke, ich kann dir sagen, daß sowohl sie als auch ihr großer Freund Sheppard uns gern weitergeholfen hätten, man ihnen aber beiden einen Maulkorb verpaßt hat."
„Das ist mir klar. Dennoch stimmt da etwas nicht."
„Leute, ich muß euch wirklich stören", wiederholte Warrick, hielt Grissom den Hörer hin.
„Was ist los?" fragte der irritiert.
„Draußen sind die beiden Offiziere der Air Force und wollen sämtliche Beweise, einschließlich der Leichen, konfiszieren", antwortete Warrick sichtlich irritert.
Catherine starrte ihren Kollegen ungläubig an, konnte einfach nicht glauben, was sie da gerade gehört hatte.
Aber, wenn sie ehrlich war, so ging es ihr schon, seit ihr dieser Fall zugeteilt worden war ...

***

AREA 51, McKays Labor:

„Könnten wir uns vielleicht wieder meinem Projekt zuwenden, Miss Uruhk?" McKay blickte unwillig auf und beobachtete Vashtu, die nervös mit weiten Schritten immer wieder den Raum durchmaß. „Machen Sie so weiter, habe ich bald eine Bodenwelle in meinem Labor."
Die Antikerin blieb plötzlich stehen, wirbelte herum und blitzte den Wissenschaftler wütend an. „Tun Sie doch auch einmal etwas zur Abwechslung!" schimpfte sie los.
McKay stutzte, schüttelte dann den Kopf und wandte sich wieder seinem Rechner zu.
Vashtu fühlte eine ungewisse Ungeduld in sich. Sie wollte etwas tun, sie konnte vielleicht helfen und wurde hier festgehalten, um McKay bei seinen hirnrissigen Bemühungen zu helfen, die atlantische Datenbank irgendwie in die Speicher von AREA 51 zu quetschen. Wenn man sie fragte, war dieses Unternehmen von vorn herein nichts weiter als ein frommer Wunsch gewesen. Inzwischen aber ...
„Sie könnten wenigstens einmal nachsehen, wo sich dieses Monsterhaus befindet!" Ihre Stimme klang plötzlich selbst in ihren eigene Ohren wie eine Peitsche.
McKay blickte wieder auf. „Wenn Sie von Ihrem Sheppard-Trip runter sind, können wir uns darüber unterhalten", entschied er.
Vashtu klappte das Kinn herunter. „Hä?"
McKay nickte. „Sie wollen doch die Heldin spielen, so wie damals mit dem Hive. Aber dieses Mal haben Sie eine denkbar schlechte Ausgangsposition, oder?"
Wütend schoben sich ihre Brauen zusammen und sie stemmte ihre geballten Fäuste in die Hüften. „Sind Sie noch ganz klar im Kopf, Rodney?"
„Ich ja, Sie nicht." war der ganze Kommentar, der auch noch halb genuschelt kam, da McKay sich wieder über seinen Rechner gebeugt hatte und bereit war, sich in seine Arbeit zu vertiefen.
„Sie können mir doch nicht erzählen, daß es Ihnen nicht in den Fingern juckt. Rodney!"
Unwillig sah er wieder auf und zog ein Gesicht, als habe er gerade in etwas sehr saures beißen müssen. „Ich möchte mit meinem Projekt weiterkommen, ehe Sie wieder von hier abgezogen werden, Vashtu. Für zu vollbringende Heldentaten sind Sheppard und Mitchell verantwortlich, immerhin spielen die sich ja immer gern als Weltenretter auf, während man mir die ganze Arbeit dafür aufbürdet. Also wäre ich Ihnen jetzt sehr verbunden, wenn Sie Ihr weibliches Heldenherz einpacken und statt dessen die Schnittstelle wieder anschließen, damit wir hier weiterkommen."
„Das glaube ich einfach nicht!" Vashtu fielen fast die Augen aus dem Kopf. „Und wenn John in Gefahr wäre? Was, wenn sein Leben in genau diesem Moment auf dem Spiel steht und wir beide hocken hier und tun nichts? Er ist Ihr Freund!"
„Er war mein Leader", entgegnete McKay, vermied es aber tunlichst, noch einmal den Kopf zu heben.
„Dann eben Ihr Leader UND Ihr Freund. So wie ihr zwei letztes Jahr schon zusammengeklebt habt, können Sie mir doch jetzt nicht erzählen, Sie läßt das alles kalt hier. Sie sind doch ebenso auf Abenteuer aus wie John."
McKay zuckte nur stumm mit den Schultern, tat sehr vertieft und tippte auf seinem Rechner herum.
Vashtu konnte einfach nicht glauben, daß er so ruhig blieb und dabei so kalt, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. War das wirklich der gleiche Rodney McKay, der letztes Jahr so fürchterlich eifersüchtig auf sie gewesen war?
Wenn sie ihrem Hirn Glauben schenken durfte war er es. Immerhin hörte sie noch immer seine Gedanken, wenn auch undeutlich. Was sie hörte, machte sie dagegen erst recht wütend.
„Ich gehe!" entschied sie endlich, im gleichen Moment, in dem das Telefon auf dem Schreibtisch neben McKay klingelte.
„Sie bleiben hier! Sie wurden mir von der Air Force zur Verfügung gestellt. Wenn Sie jetzt gehen, dann werde ich mich über Sie beschweren, Vashtu. Und Sie können sich darauf verlassen, daß man mir Gehör schenken wird!"
Erneut klingelte das Telefon, doch keiner von ihnen beiden dachte im Moment auch nur daran, den Anruf entgegenzunehmen. Statt dessen starrten sie sich gegenseitig nieder, zumindest, so gut es ging. Das Problem dabei war leider, daß sie beide im Stillen das gleiche wollten und sich im Recht fühlten ...
Zum dritten Mal klingelte es.
McKay kniff die Lippen aufeinander, wollte seine Hand ausstrecken. Doch dieses Mal war Vashtu schneller. Sie griff nach dem Hörer, noch ehe sie wirklich in Reichweite war, machte einen weiten Ausfallschritt und geriet fast aus dem Gleichgewicht. Doch sie hatte den Hörer, was sie McKay auch durch einen triumphierenden Blick bestätigte.
„Dr. McKays Labor. Uruhk hier?" meldete sie sich.
„Vashtu? Hier ist John", meldete sich eine vertraute Stimme am anderen Ende. „Wir müssen uns beeilen. Wißt ihr, wo dieses Monsterhaus ist?"
Einen Moment lang vergaß sie selbst das Atmen, dann holte sie tief Luft und bat darum, daß ihr Herz nicht mehr ganz so laut schlagen würde. „Wir suchen die Adresse heraus. Was ist los?"
„Das CSI hat die Kiste, aber die war leer", fuhr John fort. „Dafür haben wir durch Zufall gehört, daß es zu einer neuen Hysteriewelle am gleichen Ort gekommen sein soll. Uns fehlt nur die Adresse."
Vashtu richtete sich stocksteif auf, klopfte mit einem Finger auf die Tischfläche.
McKay verstand, auch wenn sie nichts sagte. Sofort begann er wie verrückt zu tippen, um das Programm zu verlassen und statt dessen über eine sichere Leitung ins Internet einloggen zu können.
„Auf der Daedalus steht ein Eingreifteam bereit, Mitchell hat aber den Kommunikator liegen lassen. Er müßte irgendwo in Rodneys Labor sein", fuhr John fort. „Sobald ihr wißt, wo sich das Monsterhaus befindet, gebt das bitte an Caldwell weiter. Er soll die Eingreiftruppe zu der Adresse beamen."
„Wir kommen mit", entschied Vashtu, die bereits damit beschäftigt war, in den Unterlagen, die wild verstreut lagen, zu wühlen, um das Funkgerät zu finden.
„Vash, ich möchte nicht ..."
„Ihr könnt mich vielleicht auch weiter gebrauchen, John. Und Rodney kann es kaum erwarten, selbst tätig zu werden." Vashtu grinste breit bei diesen Worten.
„Ich habs!" triumphierte McKay in diesem Moment hinter ihr.
„Wir sind in ein paar Minuten da."
„Vash, bitte!"
„Wir sind schneller als ihr und einer muß die Eingreiftruppe einweisen. Bis gleich!"
„Suchen Sie das hier?" Mit einem breiten Grinsen präsentierte McKay ihr das Funkgerät.
Vashtu warf den Hörer auf die Gabel. „Dann los!"
Einen Atemzug später fühlte sie, wie sie von Licht eingehüllt wurde.

***

Zwanzig Minuten später, Lagerhallenkomplex am Rande von Las Vegas:

John gingen fast die Augen über, als Mitchell den Wagen vor der nächsten Straßensperre halten und sie sich erneut ausweisen mußten.
Woher auch immer, hier war in Windeseile sehr präzise gearbeitet worden. Der fragliche Komplex, in dem neben dem Monsterhaus der Kennedy-High auch noch mehrere andere zu finden waren, war komplett hermetisch abgeriegelt worden mittels Stacheldrahtsperren. Im Moment war man offensichtlich damit beschäftigt, eine provisorische Zeltstadt zu errichten und die Wachen einzuteilen. Und von irgendwoher kam auch noch ein kurzer, gleißender Lichtstrahl, der anzeigte, daß gerade die nächste Gruppe von der Daedalus heruntergebeamt worden war.
„Das hat Ihre kleine Freundin angerichtet, Sheppard", knurrte Mitchell, während er seine Brieftasche wieder zurück in seine Uniformjacke stopfte. „Und Sie können sich darauf verlassen, daß sie deshalb noch mit einigen Konsequenzen zu rechnen hat."
Wenn er ehrlich war, war John jede Hilfe recht, die man ihm bot bei ihrem Insektenproblem. Iratus-Käfer waren gefährlich, daran bestand kein Zweifel. Die Frage war eher, woher hatte Vashtu in aller Eile soviele Leute genommen?
Wie um ihm eine Antwort zu liefern bog hinter ihnen ein Truppentransporter in die Straße ein und hielt vor der Sperre, um von dem Militärpolizisten, der sie genau durchgewunken hatte, kontrolliert zu werden.
Marines, MP, weiter hinten sah John ein Sanitätszelt, das in aller Eile aufgebaut wurde, Luftwaffenangehörige. Es mußten um die einhundert Leute hier sein. Wo kamen die alle so plötzlich her?
„Eine kleine Eingreiftruppe, mehr sollte es nicht sein. Und was haben wir jetzt?" knurrte Mitchell auf dem Fahrersitz. Seine Finger hatten sich so fest um das Lenkrad gekrallt, daß die Knöchel weiß wurden.
Sie kamen nur noch im Schrittempo voran, da überall Menschen umherschwirrten.
Ein SWAT-Team! Wo kamen denn jetzt auch noch Scharfschützen her?
John wäre am liebsten in seinem Sitz versunken. Er konnte sich jetzt schon vorstellen, was für eine Predigt Landry ihm halten würde zum Thema unnütze Kosten. Und ob dieses Großaufgebot sich günstig auf Vashtus Asylantrag auswirken würde, wagte er zu bezweifeln.
Mitchell wurde an den Straßenrand gewunken und stellte den Motor ab. „Hier sieht's aus wie in einem Bienenschwarm. Dann suchen wir doch einmal die Königin", murmelte er und löste den Gurt.
John tat es ihm mit gemischten Gefühlen nach und stieg aus dem Mietwagen.
Um sie herum herrschte immer noch Betriebsamkeit, doch jetzt konnte er, was er im Auto nicht vermocht hatte, die Sache überblicken. Kein Chaos, nein, es ging sehr geordnet zu. Die Leute holten sich ihre Anweisungen von einem schwarzen Van, der nur ein kurzes Stück weiter geparkt war, und gingen dann, um eben ihre Befehle auszuführen.
Jetzt ging ihm auch auf, daß einige Zivilisten zwischen den ganzen Armeeangehörigen zu finden waren. Sowohl wohl Mitglieder des Geheimdienstes wie auch ... Jugendliche?
„... da rüber. Und sagen Sie Bishop, er soll seine Leute bereit machen zum Reingehen", hörte er eine ihm sehr bekannte Frauenstimme befehlen. Dann erhaschte er endlich einen Blick auf die Antikerin: Sie stand in der Tür zur Ladefläche des schwarzen Vans, um ein bißchen größer zu erscheinen als sie war. Und offensichtlich koordinierte sie wirklich all das hier. Um sie herum jedenfalls befanden sich die Befehlsempfänger, machten sich entweder bereit wegzugehen und ihren Auftrag auszuführen, oder aber sie wollten wissen, was sie jetzt zu tun hatten.
„Und wir brauchen noch Nachschub an Sauerstoff. Rodney, teilen Sie das bitte Landry mit." Vashtu sprang von dem Van herunter, nachdem sie offensichtlich fertig war und ging, noch immer dicht gefolgt von einem halben Dutzend Männern, in die entgegengesetzte Richtung davon.
„Miss Uruhk!" rief Mitchell in diesem Moment. Allein in diesen beiden Wörtern gährte schon die Wut, die er empfinden mußte.
John dagegen fühlte sich zwar überrumpelt, war andererseits aber auch durchaus positiv überrascht und sah sich in seiner Einschätzung bestätigt. Hatte er nicht bereits vor einem Jahr gesagt, daß Vashtu in der Lage war, ein eigenes Team zu führen?
Die Antikerin schlüpfte in eine Überlebensweste, während sie jetzt auf sie beide wartete. Mit geübten Griffen kontrollierte sie den Inhalt der vielen Taschen, nahm dann von einem jungen Marine ein Hüfthalfter entgegen.
„Was soll das hier? Es war die Rede von einer kleinen Eingreiftruppe, nicht von einem Kleinkrieg!" warf Mitchell ihr vor, kaum daß er vor ihr stand.
Vashtu steckte das Hüfthalfter um, daß es für sie als Linkshänderin geeignet war. John erinnerte sich schwach daran, wie amüsiert er gewesen war, als sie beide wie in einer Spiegelpantomime in eine Höhle eingedrungen waren vor einem Jahr.
„Es war nicht meine Idee. Ich wollte nur ein paar Sanis mit dabei, das war alles", entgegnete die Antikerin, schnallte sich jetzt doch endlich das Halfter um und nahm die Beretta, die man ihr hinhielt.
„Ach, und wer ist dann für das hier verantwortlich?" Mitchells ganze Gestalt wirkte wie kurz vor dem Sprung.
„Das IOA dachte, es sei besser, der Gefahr so schnell und gründlich zu begegnen und hat eine Empfehlung an den Präsidenten ausgegeben. Wenn Sie sich beschweren wollen, dann tun Sie es bei ihm." Gekonnt kontrollierte Vashtu das Magazin, dann die Waffe, ehe sie sie einsteckte.
„Sie haben Panik gemacht, ist doch so!"
Vashtu kreuzte die Arme vor der Brust und schüttelte langsam aber unmißverständlich den Kopf. „Das habe ich nicht. Wie besprochen bin ich mit McKay zur Daedalus hinauf, um die Eingreiftruppe zu unterrichten und einzuweisen. Als wir hier ankamen ... Nun, um es kurz zu machen, wir sind ein bißchen spät."
Augenblicklich klingelten sämtliche Alarmsignale in Johns Kopf, während auch er sich jetzt ausrüsten ließ und als erstes aus seiner Jacke schlüpfte. „Die Iratus sind geschlüpft? Wann?"
Vashtu richtete ihre Aufmerksamkeit augenblicklich auf ihn. „Noch sind nicht alle geschlüpft, aber einige. Die Betroffenen werden gerade behandelt. Im Moment haben wir ein halbes Dutzend plus noch einmal zehn, die einen psychotischen Schub durchleben und nicht wirklich ansprechbar sind. Daher das Sanitätszelt."
„Wie bitte?" An Mitchells Hals schwoll eine Ader. „Und deshalb haben Sie Panik verbreitet und diesen Massenauflauf zu stande gebracht? Wie wollen Sie das erklären, Miss Uruhk? Haben Sie eine Ahnung, was das alles hier kostet?"
„Es könnte allerdings auch eine perfekte Tarnung sein", entgegnete John, dem plötzlich ein Licht aufging.
Vashtu grinste breit und nickte.
„Mam?"
Ein junger Marine hielt der Antikerin ein Funktelefon hin. Ehe sie allerdings danach greifen konnte, hatte Mitchell es schon am Ohr und meldete sich. Um dann krebsrot anzulaufen und es an sie weiterzureichen.
John beobachtete das ganze mit leicht gequälter Miene.
„Ja, Sir. Sicher, Sir", hörte er Vashtu antworten, wußte nicht so recht, was er jetzt tun sollte. Also rüstete er sich selbst weiter auf.
„Der Präsident", zischte Mitchell ihm zu. „Und er wollte Ihre Freundin sprechen."
John blinzelte, sagte aber nichts dazu.
Der Präsident sprach mit Vashtu, und sie antwortete. Was sollte er auch dazu sagen? Er hatte Hayes dummerweise nicht gewählt.
Die Antikerin beendete das Gespräch und reichte das Telefon zurück. „Tut mir leid", wandte sie sich an Mitchell. „Sie waren nicht aufzutreiben und wir wußten nicht, über welche Route ihr beide kommen würdet."
John mußte ein lautes Gelächter unterdrücken, als er begriff. „Du hast die Einsatzleitung?"
Vashtu nickte, während sie beinahe verschämt unter ihren Ponyfransen hochblinzelte zu ihm. Irgendwie wirkte sie dabei wie ein kleines Mädchen, das sich zwar diebisch freute, dies aber auf gar keinen Fall zugeben würde.
„Auf wessen Empfehlung hin wurden ausgerechnet Sie zur Einsatzleiterin bestimmt?" fuhr Mitchell die Antikerin an.
Deren Augen wurden noch größer. „Meines Wissens, auf Empfehlung von General O'Neill. Immerhin bin ich ja keine echte Militärangehörige." Wieder dieses zerknirschte Lächeln.
Mitchell hatte währenddessen alle Farbe verloren. „Ständig hocken Sie im SGC bei Landry, quatschen mit Vala, beraten Carter oder trainieren mit Teal'c. Die ganze Zeit habe ich immer Sie vor der Nase. Und jetzt hier auch noch?" Es fiel dem SG-1-Leader offensichtlich schwer, nicht das auszusprechen, was ihm wohl mehr als deutlich auf der Zunge lag.
„Mam, McKay wäre dann soweit. Er erwartet Sie im Technik-Zelt", meldete ein MP, der John vage bekannt vorkam.
„Tut mir leid." Vashtu zuckte noch einmal mit den Schultern, dann folgte sie dem Militärpolizisten.
„Wir sollten sehen, was dabei herauskommt", schlug John augenblicklich vor und folgte der Antikerin.
Ein Mädchen, vielleicht fünfzehn oder sechszehn Jahre alt, wurde, flankiert von zwei Sanitätern, an ihnen vorbeigeführt. Leise wimmerte sie, bis sie direkte an John vorbei mußte. Ruckhaft hob sie plötzlich den Kopf und begann zu schreien: „Das Monster! Passen Sie auf das Monster auf!"
John zuckte unwillkürlich zusammen, auch weil plötzlich unliebsame Erinnerungen in ihm aufstiegen.
Das Monster, so hatte er damals auch diesen armen Kerl genannt, der in New York von Naniten befallen wurde, die ihn dann komplett umbauten.
„Das Monster kommt, es kommt, um uns alle zu holen ..." Das Mädchen wimmerte, während die beiden Sanitäter es endlich in das Krankenzelt weiterführen konnten.
Vashtu, die offensichtlich auf die Schreierei in ihrem Rücken aufmerksam geworden war, kam mit ernstem Gesicht die paar Schritte zurück. „So sind alle, die nicht von den Iratus angefallen wurden und in der Halle gewesen sind", erklärte sie mit besorgter Stimme.
John runzelte die Stirn und sah dem Mädchen nach. „Alle reden sie von einem Monster?" fragte er vorsichtshalber nach.
„Ja." Vashtu drehte sich wieder um.
„Und warum sollte irgendjemand davon ausgehen, daß Ihre sechs Käferlein nicht die gesamte Brut gewesen sind?" fragte Mitchell.
„Weil sich das durch die Psychosefälle erklärt", antwortete die Antikerin, die schon wieder ihr vormaliges Ziel anstrebte und sich einen Weg durch die geschäftige Menge suchte.
John sah aufmerksam nach rechts und links und schürzte schließlich die Lippen. Er konnte sich denken, was dieser Massenauflauf wirklich sollte. Eine bessere Tarnung für diese Operation hätte sich keiner von ihnen wünschen können, ging ihm auf.
„Sie wollen mich hochnehmen!"
„Keinesfalls." Vashtu schüttelte zweimal den Kopf, bevor sie ihr Headset an ihrem Ohr befestigte. „Da die betroffenen Jugendlichen quasi sofort nach Betreten der Halle angegriffen wurden von den Iratus, die Psychosefälle aber immer noch vorkommen, muß das Nest noch existent sein und sich weiter schützen. Wären alle Jungtiere geschlüpft, gäbe es keinen Grund mehr, im Kopf von irgendjemanden ein beängstigendes Bild zu erzeugen."
„Ziemlich schwache Erklärung für etwas, für daß Sie noch immer keinen Beweis besitzen, Miss Uruhk", wandte Mitchell ein.
Sie betraten jetzt das Technik-Zelt, in dem in aller Eile das Equipment dieses Kontingents aufgebaut worden war. Bildschirme, Monitore, Rechner, Scanner, Funkgeräte, alles was das Herz begehrte und sogar noch ein bißchen mehr war hier, durch Zeltstoff vor der Sonnenhitze geschützt, zu finden.
Nach dem scheinbaren Chaos draußen herrschte hier drinnen dagegen zwar geschäftiges Treiben, aber in geordneten Bahnen. Und der, der diese Bahnen offensichtlich ordnete, war niemand anderes als Rodney McKay, der vor einem Bildschirm saß und mit irgendetwas beschäftigt war, das John nicht ganz erkennen konnte.
„Was ist eigentlich mit der Polizei und dem CSI?" erkundigte er sich plötzlich.
Vashtu drehte sich jetzt zu ihm um. „Oh, wir haben ein bißchen Abwechslung auf deren Weg gestreut. Die dürften noch etwas beschäftigt sein mit dem Durchkommen bis zur Straßensperre. Und weiter wird es dann für sie nicht gehen."
„So einfach, ja?" Mitchell kreuzte die Arme vor der Brust. „Und wie wollen Sie diesen Massenauflauf erklären, Miss Uruhk? Haben Sie das den Präsidenten gefragt?"
„Ein Manöver, bei der aus Versehen halluzinogenes Gas freigesetzt wurde und einige, sich widerrechtlich auf dem Gelände aufhaltende Jugendliche leicht verletzte", antwortete die Antikerin prompt.
„Ein Manöver ..." Mitchells Stimme klang trocken.
„Wirklich gutes Ablenkungsmanöver." John nickte anerkennend.
Tatsächlich hatte er sich das gedacht, seit Vashtu ihre Erklärung geliefert hatte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, daß man ihr erst so viele Mittel zur Verfügung stellte, um sie dann ins Aus zu manövrieren. Offensichtlich hielt da jemand wirklich viel von ihr und ebenso offensichtlich wurde Vashtu mit der Leitung dieser Operation getestet, ob sie fähig war, eine solche Verantwortung zu tragen.
Und, irgendwie wunderte es ihn nun gar nicht, daß ausgerechnet O'Neills Name bei dieser ganzen Sache auftauchte. Eher war er überrascht, daß der General noch nicht hier war, um seinen neuen Schützling zu beobachten bei dem, was sie hier anstellen konnte.
Dabei ... bisher hatte Vashtu das ganze hier recht gut im Griff, befand John. Die Leute hörten auf sie und führten offensichtlich auch ihre Befehle aus. Selbst die Kommunikation, die sie immer wieder von ihrer eigentlichen Aufgabe abzulenken drohte, hatte sie unter Kontrolle. Jeder wußte, was er zu tun hatte, und, und da hatte Mitchell wirklich einen guten Vergleich gezogen, Vashtu befand sich wie ein ruhender Pol in der Mitte dieses ganzen wie eine Bienenkönigin, die ihrem Staat Anweisungen gab.
Nein, er zweifelte nicht einen Moment daran, daß sie dem ganzen gewachsen war. Vielleicht würde sie aufgrund der Umstände etwas zu vorsichtig sein, aber sie würde das hier zu einem Ende bringen, so oder so. Und er zweifelte nicht daran, daß dieses Ende positiv für sie ausgehen würde.
„Ach, da sind Sie ja endlich!" McKay war auf sie aufmerksam geworden, winkte ihnen jetzt ungeduldig zu.
„Haben Sie etwas für uns, Rodney?" Vashtu schien auf der Stelle alles um sich her zu vergessen, trat an die Seite des Wissenschaftlers und beugte sich über den Bildschirm, vor dem er saß.
„Könnte sein. Ist zwar nicht die beste Aufnahme, aber ich schätze ..." McKay tippte etwas herum, bis er zufrieden schien mit dem Ergebnis. „Besser geht's nicht."
John war der Antikerin gefolgt, beugte sich jetzt auf der anderen Seite über seinen Freund und starrte auf den Monitor, auf dem ein körniges Schwarz-Weiß-Bild zu sehen war. „Ihr habt ein MALP da drin?" fragte er verblüfft.
„Schien mir erst einmal sicherer. Irgendwelche Umweltdaten?" antwortete die Antikerin.
„Luftzusammensetzung normal für die Erde, Temperatur okay. Luftfeuchtigkeit ist etwas hoch", McKay verzog das Gesicht und schob die beiden, die ihn bedrängten, mit den Armen ein wenig von sich.
„Das Bild ist schlecht", merkte in diesem Moment Mitchell an, der hinter dem Wissenschaftler stand.
„Der Stahl in den Betonwänden stört die Übertragung", kommentierte McKay nur. „Außerdem ist es dunkel da drin. Entweder ist die Sicherung durchgebrannt oder die Bälger sind noch nicht dazu gekommen, das Licht einzuschalten."
„Letzteres ... hoffentlich." Vashtu schob sich wieder näher an den Bildschirm heran und kniff die Augen zusammen. Mit einem Finger deutete sie auf einen eigenartig geformten Umriß. „Was ist das?"
„Das versuche ich gerade herauszufinden", ätzte McKay und bewegte den Stick, mit dem die Sonde kontrolliert wurde.
Eine schnelle Bewegung war am unteren Rand des Bildes zu sehen.
John zuckte unwillkürlich zurück, sein Herz schlug schneller. „Was war das?" fragte er alarmiert.
„Da da drin nichts lebendiges außer den Iratus ist, dürfte es sich um einen Ihrer Lieblinge handeln, Sheppard", kommentierte McKay trocken.
John erschauderte unwillkürlich.
„Konzentrieren wir uns wieder auf das Ding, um die Iratus kümmern wir uns danach. Ich möchte keine unliebsame Überraschung erleben, wenn wir da reingehen", entgegnete Vashtu angespannt.
John holte tief Atem, schwieg jetzt aber.
Aus dem Dunkel und dem schneeigen Bild des Monitors schälte sich allmählich etwas, was für ihn entfernte Ähnlichkeit hatte mit einem alten Filmmonster. Da fiel ihm das Motto des Monsterhauses ein und einen Moment lang wollte er sich beruhigt aufrichten. Dann aber bemerkte er, daß dieses Ding ... sich bewegte.
„Jede Wette, wir haben das athosianische Kunsthandwerk gefunden", murmelte Vashtu.
„Das Monster ..." flüsterte John. „Wieso bewegt es sich?" Er warf einen ratlosen Blick zu der Antikerin hinüber.
„Nicht die Statue bewegt sich, der Kokon tut es", antwortete sie und richtete sich auf, um ihr Funkgerät zu aktivieren. „Bishop, wir gehen rein. Etwa fünf bis sechs Meter neben dem Eingang steht eine eigenartige, außerirdische Statue. Die beinhaltet das Nest. Und Vorsicht, ein weiterer Käfer ist geschlüpft."
„Verstanden, Mam", kam die verzerrte Antwort aus dem Funkgerät.
„Wenn ihr mitkommen wollt, ich gehe rüber." Vashtu klopfte einmal mit den Fingerknöcheln auf den Metalltisch, an dem McKay saß, dann drehte sie sich um und verließ das Zelt wieder.
John zögerte nicht, sondern folgte ihr sofort, ein flaues Gefühl im Magen.
Hoffentlich machte sie nicht ausgerechnet jetzt einen Fehler!

***

Vashtu war angespannt und sich durchaus der Verantwortung bewußt, die ihr von Präsident Hayes übertragen worden war. Sie verstand allerdings auch Mitchell, der natürlich alles andere als erfreut war darüber, daß ihm das Kommando sozusagen entzogen worden war. Andererseits hatte er das Funkgerät liegen lassen, nicht sie. Und sie war auch nicht diejenige gewesen, die Meldung machte auf der Daedalus, das hatte McKay getan.
Wenn sie ehrlich war, sie hatte sich eigentlich heraushalten wollen, nachdem das Nest lokalisiert war. Aus der Datenbank wußte sie jetzt zwar einiges mehr über die Iratus, aber dieses Wissen war für sie erst einmal theoretisch und mußte überprüft werden. Und für Überprüfungen war sie noch nie der Typ gewesen, nur für Korrekturen.
Aber wie auch immer, sie war jetzt die Verantwortliche für all das hier, ihr oblag es, die Insekten zu vernichten. Denn zumindest dieser Befehl des Präsidenten war sehr eindeutig gewesen, nachdem Caldwell und McKay ihm grob geschildert hatten, WAS genau die Iratus-Käfer taten: Keiner durfte entkommen. Für eventuelle Studien stand immer noch das sektierte Exemplar in der AREA 51 zur Verfügung sowie in Kürze das lebende, das das CSI eingefangen hatte. Alle anderen waren auf der Stelle, oder doch so schnell wie möglich, auszulöschen.
Aus diesem Grund, und nur aus diesem Grund, lieferte die Odyssee gerade noch einige Fässer mit Giftgas, das sie in die Lagerhalle leiten sollten, sollten sie des Befalls anders nicht Herr werden. Vashtu allerdings würde das Gas nur als allerletzte Möglichkeit einsetzen, das hatte sie sich gleich zu dem Zeitpunkt geschworen, als sie von dieser unverhofften Lieferung erfahren hatte. Sie vertraute auf altbewährte Methoden: Maschinenpistolen, außen Scharfschützen, die den Eingang zur Halle ständig kontrollierten und Flammenwerfer, die sie sich aus Armeebeständen hatte herbringen lassen.
„Sind wir soweit?" fragte sie, als sie bei der Gruppe, die das Lagerhaus betreten sollte, angekommen war. Captain Bishop, seineszeichens Marine mit Spezialausbildung und Leader von Gruppe A, bestätigte, während John und Mitchell nun auch eintrafen.
„Da drinnen äußerst vorsichtig sein", erklärte Vashtu den Männern noch einmal. „Die Insekten schlüpfen jetzt. Jungtiere sind noch nicht in der Lage, ein Lebewesen von der Größe eines Menschen zu töten, es sei denn, derjenige befindet sich ohnehin schon an der Schwelle zum Jenseits. Sie sind allerdings sehr flink und wendig. Was das Nest angeht ... Am besten fackeln wir die ganze Statue ab, damit dürften sich dann auch weitere schlüpfende Iratus erledigt haben. Und nicht vergessen, der Kokon sondert einen Duftstoff ab, der bei Menschen wie ein Halluzinogen wirkt. Kommen Sie der Statue also nicht zu nahe. Flammenwerfer auf größere Distanz einstellen."
Bishop sah sich kurz in seiner Gruppe um, dann nickte er. „Wir sind bereit, Mam."
Vashtu holte tief Atem.
Lieber wäre sie mit der ersten Gruppe reingegangen, naja, noch lieber wäre sie jetzt auf irgendeinem anderen Planeten, vorzugsweise so weit von der Erde entfernt wie nur möglich. Aber sie war jetzt nun einmal hier und hatte das Kommando. Also?
„Gruppe Alpha, Abmarsch!" Ihre Stimme klang, als würde sie einen solchen Befehl jeden Tag geben, doch ihr Magen zog sich beinahe schmerzhaft zusammen.
Sie hatte noch nie irgendein Kommando inne gehabt, ging ihr auf, während sie nun eine P-90 an ihrer Weste befestigte. Immer war sie die Befehlsempfängerin gewesen. Sicher, sie gab Tips, wenn sie eine Lösung parat hatte, vielleicht war sie dann wirklich ein bißchen herrisch. Aber sie meinte es gut.
John legte ihr eine Hand auf die Schulter und sah besorgt zu ihr hinunter. Ihr Herz, das ohnehin schon schneller als gewohnt schlug, tat einen Hüpfer bei dieser Berührung und sie überlief es heiß und kalt.
„Du solltest das ganze vielleicht besser von hier draußen koordinieren", schlug er mit sanfter Stimme fort. „Nicht daß ich dir das da drin nicht zutraue. Aber von hier hast du einen besseren Überblick."
In diesem Moment, als sie zu ihm hochsah und seine Augen sie beinahe anflehten, nicht die Halle zu betreten, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, in dieser Sekunde, als der Klang seiner Stimme noch in der Luft lag und in ihr nachvibrierte, in diesem Atemzug wäre sie vielleicht wirklich bereit gewesen, draußen zu bleiben und diesen schwierigen Teil den Männern, die man ihr zugeteilt hatte, zu überlassen. Doch im nächsten Moment drängte sich Mitchell an ihnen beiden vorbei und warf ihr einen kalten Blick zu.
„Wissen Sie was, Miss Uruhk?" fragte er. „Sie müssen noch einiges lernen, ehe Sie wirklich ein Kommando wie dieses leiten können. Und vor allem müssen Sie sich durchsetzen. Sheppard, wir gehen rein!"
„Nein!"
Vashtu war wie gelähmt und konnte nur zusehen, wie Mitchell die Tür öffnete und im Dunkel der Halle verschwand.
„Verdammt!" fluchte John los.
Und sie riß sich los und stürzte dem SG-1-Leader nach. Auf keinen Fall durfte Mitchell ohne Deckung da drin sein, auf gar keinen Fall!
„Vashtu!" rief John ihr nach, dann fiel die Tür ins Schloß, noch während sie die Lampe an der P-90 einschaltete.
Von irgendwo hörte sie ein unterdrücktes Husten, dann leise Schritte.
Vashtu versuchte sich zu orientieren, da öffnete sich die Tür hinter ihr erneut und John kam herein, den Flammenwerfer, den sie für ihre Gruppe hatte haben wollen, mit sich schleifend.
„Du kannst doch nicht einfach so losstürmen", fuhr er sie an.
„Wir können Mitchell aber auch nicht allein hier lassen!" entgegnete sie lauter als sie wollte.
„Der kann schon auf sich selbst aufpassen." John kämpfte mit den Gurten, um sich den Flammenwerfer selbst auf den Rücken zu schnallen.
„Ach, und ich kann das nicht?" ätzte sie ihn an.
Er stutzte, dann runzelte er die Stirn. „Du bist die Kommandierende, das ist ein kleiner aber feiner Unterschied." Endlich gelang es ihm, die schwere Gasflasche richtig auf seinem Rücken zu positionieren, schloß den ersten Gurt.
Vashtu drehte sich wieder zu der sie um umgebenden Dunkelheit herum und blinzelte hinein. Ein Stück entfernt konnte sie andere Lichter ausmachen, sehr wahrscheinlich Bishop und sein Marines-Team.
„Mitchell?" rief sie in die Dunkelheit hinein, bis ihr aufging, daß sie ja immer noch ein Funkgerät hatte. Wie automatisch aktivierte sie es. „Bishop, Sie haben nicht zufällig Colonel Mitchell gesehen? Wir sind ... getrennt worden."
„Negativ, Mam", lautete die Antwort. „Wir nähern uns jetzt dem Nest, Mam. Sieht bis jetzt recht einfach aus."
„Wollen wir hoffen, daß das auch so bleibt", seufzte sie, drehte sich zu John um, der mittlerweile fortgefahren war, sich den Flammenwerfer anzulegen. „Können wir?"
Seine haselnußfarbenen Augen sahen sie abschätzend an, dann nickte er, hob noch einmal die Schultern, um die Gasflasche auf seinem Rücken in eine angenehmere Position zu bringen.
In diesem Moment hörten sie beide den ersten Schrei.
„Verdammt!" Vashtu wirbelte herum, hatte die Waffe bereits im Anschlag. „Wir müssen los!"
„Dann los, aber vorsichtig!" mahnte John, der seinerseits den Stutzen des Flammenwerfers fest umklammerte.
Vashtu kniff die Lippen aufeinander, nickte aber und ging vorsichtig los, während sie wieder ihr Funkgerät aktivierte. „Bishop? Status!"
Keine Antwort, nur ein mehrstimmiges Wimmern aus der Dunkelheit.
„McKay, irgendetwas zu sehen?" hörte sie John hinter sich fragen.
Warum hatte sie nicht daran gedacht? Immerhin war da vorn auch noch das MALP! Sie hätte einfach bei Rodney nachfragen können.
„Keiner auf dem Bildschirm", hörte sie die Antwort des Kanadiers und nickte stumm.
Das Wimmern wurde deutlicher, und dann ... tauchten ein Paar Beine im Licht ihrer P-90 auf. Beine, die in Armeehosen steckten.
Vashtu ließ sich auf ein Knie nieder und leuchtete dem Mann ins Gesicht. Es war einer von Bishops Männern, und an seinem Hals ...
„Oh Mann, sagtest du nicht, Jungtiere könnten keinen Menschen töten?" fragte John, nachdem auch er hatte erkennen müssen, was sich da wie ein bizarrer Schmuck um den Hals des Mannes wand.
„Er ist bewußtlos und steht vermutlich unter Schock", entgegnete Vashtu, richtete sich wieder auf und sah in die Dunkelheit. „Aber er lebt."
Nur ein kurzes Stück weiter hockte ein weiterer Marine auf dem Boden und wippte immer wieder vor und zurück, während er unverständliches Zeug brabbelte.
„Hier geht's ja mächtig ab", murmelte John.
Vashtu nickte stumm.
Es wurde ein Fiasko. Sie war sich ganz sicher, diese ganze Operation würde ein voller Fehlschlag werden. Hatte sie nicht schon zwei mehr oder minder Verluste? Zwei Männer waren ausgefallen, und sie konnte nur hoffen, daß sie sich wieder erholen würden.
Vashtu schnürte es die Kehle zu, dennoch zwang sie sich, sich wieder aufzurichten und erneut ihr Funkgerät zu aktivieren. „Bishop, wo sind Sie? Mitchell? Sind wenigstens Sie irgendwo in dieser Halle?"
Sie hörte ihre eigene Stimme, nur wenige Schritte weiter, und fluchte in ihrer Muttersprache.
„Falls es dich interessiert, ich denke, du machst deine Sache ganz gut", merkte John an.
„Gut zu wissen, daß ich Leute, die mehr über mein Versagen wissen wollen, nur zu dir schicken muß - den einzigen Mann auf der gesamten Erde, zu dem ich eigentlich keinen Kontakt haben dürfte", entgegnete sie.
Ein dritter Mann aus Bishops Gruppe stand wie angewurzelt da und starrte ins Nichts, bis sie ihm ihre Hand vor das Gesicht hielt. Dann begann er laut und sehr anhaltend zu schreien, bis ihm die Luft ausging. Er knickte mit den Knien ein und hockte dann, wie sein Kamerad, wimmernd am Boden.
John runzelte die Stirn, als Vashtu zu ihm hochsah. Nachdenklich betrachtete er den Marine, dann blickte er sie an. „Fällt dir vielleicht auch etwas auf?" erkundigte er sich.
Vashtu blinzelte, drehte sich um und sah in die Dunkelheit. Hier irgendwo mußte der Kokon sein. Sie konnte ihn beinahe riechen. Stumm schüttelte sie den Kopf.
„Fällt dir nicht auf, daß wir beide nicht beeinträchtigt sind, alle anderen aber schon ... es sei denn, an ihnen ist gerade ein Iratus angedockt?"
„Das ist Zufall", wiegelte sie augenblicklich ab.
„Nein, nein, vielleicht nicht."
Vashtu stutzte, als sie so plötzlich McKays Stimme hörte. Dann erst ging ihr auf, daß ihr Funkgerät noch immer offen und aktiviert war. Wahrscheinlich hatte der Kanadier jedes Wort mithören können. Also Schnitzer Nummer zwei!
„Sie sollten bedenken, daß Sie beide den anderen etwas voraus haben: Sie, Vashtu, tragen Iratus-Zellen in sich, und in Sheppards Fall könnten noch leichte genetische Anomalien vorliegen", fuhr McKay fort.
Vashtu blieb stehen.
Sie wollte besser nicht über das nachdenken, was der Kanadier ihr da gerade zu schlucken gegeben hatte. Andererseits aber ... konnte es durchaus sein, daß ...
„Das stimmt. Jedenfalls durfte ich bisher immer noch alle vier Wochen bei den Ärzten vorsprechen, um eine Genanalyse machen zu lassen", berichtete John. „Vielleicht erinnert sich ein Teil von mir tatsächlich noch daran und ich bin deshalb ..."
„Das Monster ... hütet euch ... Monster ..."
Vashtu wirbelte auf der Stelle herum und wollte schon loshetzen, als ihr bewußt wurde, daß sie ja nicht einfach so voranstürmen konnte. John war mit dem Flammenwerfer langsamer als sie, immerhin mußte er das ganze Gewicht mit sich herumschleppen.
„Mitchell? Sind Sie das?" rief sie statt dessen in die Dunkelheit hinein. „McKay, irgendetwas zu sehen?"
„Das Nest scheint sich wieder zu bewegen ... in Ihre Richtung! Was auch immer Sie vorhaben, Sie sollten es schnell zu Ende bringen."
„Mitchell!" rief Vashtu wieder in die Halle hinaus, wartete, bis John aufgeschlossen hatte, ehe sie weiterging, sich aber immer wieder bremsen mußte.
„Vashtu, ich bin mir ziemlich sicher, daß bisher jeder Iratus-Käfern jegliche Intelligenz abgeschworen hat. Aber ich bin mir auch sicher, daß ich meinen Augen trauen darf. Die Statue, und damit das Nest, bewegt sich wieder. Und es hält sehr zielgenau auf Sie beide zu!"
Waren Iratus doch intelligenter als allgemein angenommen? Hatten sie sich vielleicht in den letzten zehntausend Jahren zu einer intelligenteren Art weiter entwickelt?
Sie wußte es nicht, und ganz sicher wollte sie das auch nicht jetzt und hier herausfinden.
„Mitchell!" Dieses Mal brüllte sie so laut sie konnte, doch noch immer keine Reaktion.
Dann tauchte Bishop aus der Dunkelheit auf. Er saß zusammengesunken auf dem Boden, und es schien, als würde sein Körper nur durch den Flammenwerfer in dieser Position gehalten, den er auf den Rücken geschnallt trug.
„Bishop!" Vashtu hockte sich bei dem Marine nieder, suchte nach seinem Puls, fand ihn aber zunächst nicht. Dann aber stellte sie erleichtert fest, daß er doch noch lebte, nur sein Herz sehr schwach und unregelmäßig schlug. An seinem Hals fand sie zwei punktförmige Male.
„Es ist noch einer geschlüpft", wandte sie sich an John, ließ die P-90 los und begann statt dessen die Gurte des zweiten Flammenwerfers zu lösen.
„Was tust du da?" verlangte John ungeduldig zu wissen.
„Wir müssen das Nest zerstören, ehe noch mehr schlüpfen können. Und wir müssen die Männer hier herausschaffen", antwortete sie ungeduldig.
„Vashtu!"
Etwas in Johns Stimme alarmierte sie und ließ sie aufblicken.
John starrte in die Dunkelheit hinter ihrem Rücken, und soweit sie das in dem wenigen Licht ausmachen konnte, war er leichenblaß.
Langsam drehte sie sich auf den Fersen um und holte tief Atem, als sie nun zum ersten Mal die Statue in der Realität sah.
Um was es sich handelte, konnte sie nicht wirklich bestimmen, sehr wahrscheinlich war es wirklich ein mystisches Geschöpf, das sich irgendein Volk der Pegasus-Galaxie ausgedacht hatte. Es selbst bewegte sich auch nicht, dennoch aber hielt es eigenartig ruckhaft auf sie zu. Das außerirdische Holz schimmerte dabei und verstärkte den Eindruck einer unseligen Belebung noch.
„Komm da weg ..." Johns Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern.
Und sie hörte es. Das leise, brodelnde Zischen, das sie überall wiedererkannt hätte.
Das Jungtier lauerte in der Dunkelheit neben dem bewußtlosen Bishop, und sie stand gerade ganz weit oben auf der Speisekarte.
„Komm da weg, Vash!" John hob den Auslöser des Flammenwerfers und schwenkte ihn langsam in ihre Richtung ein.
Vashtu schluckte hart. Vor ihr erhob sich als Hindernis der bewußtlose Marine, zur Rechten näherte sich die Statue mit dem Nest und zu ihrer Linken lauerte irgendwo in der Dunkelheit ein Iratus. Der einzige Ausweg war das unsichere Dunkel in ihrem Rücken. Und sie wußte nicht, ob nicht eventuell noch weitere Käfer dort lauerten.
Vashtu kniff die Lippen aufeinander.
Der Kokon, der sich irgendwo innerhalb der fremdartigen Statue befand, gab ebenfalls eigentümlich zischende Laute von sich, was den Eindruck des Lebendigen des Holzes noch erhöhte.
„Vashtu, weg da!"
Wenn John jetzt den Flammenwerfer aktivierte würde er so oder so Bishop zumindest schwere Verbrennungen zufügen. Vielleicht würde der Marine sogar sein Leben verlieren, sollte der Flammenwerfer auf seinem Rücken noch in die Luft gehen. Und sie selbst hatte kaum eine andere Chance.
„Aktiviere ihn!" befahl sie John und holte Schwung. Im gleichen Moment, in dem auch der Iratus zum Angriff überging und die Statue auseinanderbrach.
Vashtu sprang vor, direkt auf Bishop hinauf, riß den Marine mit sich um zu Boden und betete einfach nur. Und über ihr, neben ihr, scheinbar überall um sie herum brüllte das Feuer ...

TBC ...

30.07.2009

Das Artefakt V

Las Vegas, Police-Department:

Sara Sidle, Warrick Brown und Jim Brass waren währendessen der anderen Spur nachgegangen, über die Grissom gestolpert war. Anhand der endlich geknackten Handy-Nummer hatte das CSI einen Besitzer des Gerätes feststellen können, einen gewissen Anthony Brixton.
Als Sara auf Grissoms Geheiß die Listen der Hysterie-Opfer durchgesehen hatte, war sie recht schnell auf diesen Anthony Brixton gestoßen. Von ihm zu seinem Kumpel Josh Gardner, seineszeichens der Quarterback des Highschool-Football-Teams, war es nur ein kleiner Schritt, nachdem sie Brixton im Krankenhaus besuchten. Nicht nur, daß beide zusammen auf einem Zimmer lagen, Brixtons Zwillingsschwester war die Freundin Gardners und Anführerin der Cherleader, wodurch auch die Verbindung der beiden Jungen hergestellt war. Denn, davon waren sowohl Sara als auch Warrick überzeugt, in normalen Leben hätten die beiden niemals gemeinsame Sache gemacht.
Brixton war schmächtig und hochaufgeschossen, Brillenträger und auch sonst das typische Beispiel eines Geeks. Gardner dagegen war durchtrainiert, sah für einen Teenager recht gut aus und wußte auch um seine Wirkung zumindest bei heranwachsenden Mädchen.
„Klischee soweit das Auge reicht", war Saras Kommentar nach dem ersten Besuch bei den beiden gewesen.
Brass hatte veranlaßt, daß die Jungen direkt vom Krankenhaus ins Department gebracht wurden, nachdem sie herausgefunden hatten, daß, da die Symptome vollständig verschwunden waren, die Betroffenen wieder entlassen werden sollten bis auf einige sehr wenige Fälle, in denen es zu körperlichen Verletzungen gekommen war.
Also saßen die beiden Jungen jetzt getrennt in zwei Verhörräumen, konnten sich nicht weiter absprechen, sofern sie das vorher getan hatten, und schmorten im eigenen Saft, während Warrick, Sara und Brass die beiden durch das blickdichte Glas beobachteten.
Beide Jungen waren sichtlich nervös, Gardner wußte offensichtlich nicht wohin mit seinen Händen und wippte unregelmäßig mit dem Fuß, während Brixton sich ständig den Stuhl zurechtschob, die Brille von der Nase nahm, Muster auf den Tisch malte und ähnliche Übersprungshandlungen zeigte.
Den Ermittlern waren allerdings in der Tat im Moment die Hände gebunden, da sie die Erziehungsberechtigten der beiden noch nicht hatten erreichen können. Da beide noch minderjährig waren, durften sie die Jungen nicht eher befragen, bis diese entweder durch einen Rechtsbeistand oder ein Elternteil vertreten wurden, es sei denn, und darauf hoffte Sara, man würde zustimmen und ihnen freie Hand lassen.
So oder so, mehr als einige Wochenenden freiwilliger gemeinnütziger Arbeit würden bei Brixton nicht herausspringen, während Gardner vielleicht sogar ganz freikommen würde. Sie hatten nur das mehr als kurze Gespräch bei der Notrufzentrale und konnten Brixton, so denn eine Stimmanalyse feststellen würde, daß er angerufen hatte, unterlassene Hilfeleistung anhängen. Gardner hatte bisher noch Glück, denn für seine Anwesenheit hatten sie bisher noch keinen handfesten Beweis. Nick Stokes war im Moment damit beschäftigt, die Schuhe der Jungen mit den Abdrücken zu vergleichen, die sie auf dem Grundstück der Minneons gefunden hatten.
„Ich hasse dieses ständige Warten!" Sara kreuzte die Arme vor der Brust mit einer Miene, als hätte sie gerade eine Zitrone verspeist. „Es ist doch sowieso klar, wie es ablaufen wird: Die Eltern werden sich entweder sperren oder gleich ihren Anwalt herschicken. Einer der beiden wird zum Sündenbock gestempelt und der andere kann als unbescholtener Jungbürger gehen. Ob sie das ganze zusammen ausgeheckt haben oder nicht ist nicht wichtig."
„Sei nicht so düster." Warrick klang freundlich, wenn auch er gerade ebenso dunklen Gedanken wie Sara nachhing. „Vielleicht haben wir ja auch einmal Glück."
„Ja, aber sicher!" Die Tatortermittlerin schnaufte und wechselte das Standbein. „Wenn die beiden irgendetwas mit dem Tod der Minneons zu tun haben, werden wir ihnen das nie nachweisen können. Zumindest solange nicht, wie das Militär sich bedeckt hält. Keine Ahnung, warum die Air Force dermaßen mauert, wo sie doch so freundlich war, und uns sogar drei Experten schickte." Ihre Stimme trof geradezu vor Sarkasmus.
Jim Brass amüsierte sich im stillen. Er kannte Sidle und wußte, das hier war ihre Art, ihren Unmut über gewisse Mißstände, wie sie glaubte, auszudrücken. Sicher war es ärgerlich für sie, daß sie bei der Vernehmung Minderjähriger immer auf einen Erziehungsberechtigten warten mußten, andererseits aber würde Sara wahrscheinlich ebenso Sturm laufen, wenn die Jungs als Entlastungszeugen gehört werden sollten und das Gesetz anders lauten würde. Gerechtigkeit war eben Auslegungssache - zumindest in einigen Fällen.
„Hey, Leute!" Nick Stokes kam den Gang hinunter und grinste ihnen schon breit entgegen. „Wir können nachweisen, daß beide auf dem Grundstück der Minneons gewesen sind. Beide Paar Schuhe stimmen mit den gefundenen Abdrücken überein. Dumm, wenn man als Heranwachsender nur ein Paar bevorzugt."
„Na, das ist doch was!" Sara richtete sich wieder auf, in ihrem Gesicht war deutlich Jagdeifer zu lesen.
„Wir haben noch kein Okay der Eltern", fuhr Stokes fort und schüttelte den Kopf. „Und da wir keine direkte Tatbeteiligung nachweisen können ... Bisher ist es widerrechtliches Betreten, da es keine Hinweise auf gewaltsames Betreten gibt. Die Schuhabdrücke haben wir sowieso nur im Garten und der Garage gefunden."
„Das ist nicht fair!" erregte Sidle sich, erntete eine Reihe amüsierter Blicke ihrer Kollegen.
Aber, das wußte auch sie, sie mußten sich an den Wortlaut des Gesetzes halten, ansonsten würden die Beweise, die sie sammelten, im Falle einer Anklage für unzulässig erklärt werden.
„Wo bleiben Grissom und Catherine?" fragte Warrick.
„Die wollten noch einmal mit den 'Experten' der Air Force reden - vor allem mit dieser Dr. Uruhk. Grissom hat da wohl etwas über sie herausgefunden, nachdem die Luftwaffe ihm ihre Akte geschickt hat", antwortete Nick.
„Dann werden wir jetzt wohl warten müssen ..."
Der härteste Job, wie sie alle befanden, den man bei der Polizei überhaupt verrichten konnte: Warten!

***

AREA 51, McKays Labor:

„Okay, nachdem wir ja alle den ganzen Tag fleißig waren, haben wir sicher auch alle Ergebnisse. Und genau jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir diese Ergebnisse austauschen können, damit ich sie an Landry weiterleiten kann." Mitchell blickte auffordernd von einem zum anderen.
Vashtu hockte brütend auf einem Schemel neben dem vollgepackten Schreibtisch des ehemaligen Atlantis-Chef-Wissenschaftlers, und verzog unwillig das Gesicht, als Mitchells Augen einen Moment auf ihr ruhten.
Was sollte sie sagen? Daß sie immer noch genauso schlau war wie am Vormittag? Daß die Sektion des Käfers keine wirklichen Erkenntnisse für ihr Problem gebracht hatte? Oh ja, sie konnte sich die Jubelrufe Mitchells schon sehr genau vorstellen.
Auch John und Rodney schienen alles andere als begeistert davon, daß sie jetzt Rapport halten sollten. Die beiden tauschten einen langen Blick, dann wandte der Colonel sich schulterzuckend ab.
„Oh, klasse, wie wir alle 'hier!' schreien", bemerkte Mitchell, nachdem sie brütende Stille ausgebreitet hatte über das Labor. „Aber jetzt im Ernst. McKay, noch irgendetwas herausgekommen beim Durchforsten der Datenbank?"
„Wir kommen nicht weiter damit", wandte John ein, nachdem Rodneys Gesicht rot angelaufen war. Offensichtlich harkte mal wieder etwas mit den angeschlossenen Geräten.
Vashtu seufzte. Das Equipment, über das McKay hier gebot, war nicht schlecht, allerdings nur bedingt kompatibel mit der Technik, wie sie ihr Volk auf Atlantis gebraucht hatte. Die meisten Hinterlassenschaften, die aus der Milchstraße stammten, waren um einiges älter als die relativ neu bestückte Hauptstadt ihres Volkes. Da paßten dummerweise nicht immer die Anschlüsse, wie sie zu ihrem Leidwesen ja schon mit der Schnittstellen-Speicher hatte herausfinden müssen, mit dem sie gestern gearbeitet hatte.
„Ach, wieso denn das nicht?" Mitchell schien ehrlich überrascht.
„Weil das hier alles Stückwerk ist, was wir machen. Wenn man mir mehr Zeit lassen würde ..."
„Rodney, Sie wissen genau, daß Sie am besten unter Zeitdruck arbeiten!"
„Sie könnten sich allerdings auch ein bißchen mehr anstrengen, Sheppard!"
„Diese Dinger senden zuviel aus, wie wir seit O'Neills Versuchen wissen. Ich lasse mir mein Gehirn nicht grillen!"
„Bei Ihrer kleinen Freundin klappt es doch auch."
„Ich bin eine Antikerin, Rodney", wandte Vashtu ein und bremste damit den beginnenden Wortwechsel aus, ehe er ausarten konnte. Allerdings erntete sie dafür dann auch die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mitchell.
„Wie siehts bei Ihnen und Ihrem neuen Freund aus?" erkundigte der SG-1-Leader sich.
Vashtu sank augenblicklich auf ihrem Schemel wieder zusammen und seufzte. „Coop sitzt noch am Bericht", antwortete sie schließlich zögernd, hob dann die Schultern. „Allerdings sind wir, was den Kokon angeht, nicht schlauer als heute morgen. Der Iratus hatte das falsche Geschlecht."
Johns Augen wurden groß. „Die Viecher sind tatsächlich geschlechtlich?" entfuhr es ihm perplex.
Vashtu nickte. „Sind sie, und damit haben wir ein Paar. Das Männchen ist tot, das Weibchen sitzt immer noch im CSI-Labor. Wir können nur hoffen, daß Iratus nicht schon die neue Brut in sich tragen, während die alte im Kokon reift, sonst haben wir ein recht großes Problem."
Mitchell hob die Hände. „Sie sagten doch, das Vieh sei ein Männchen. Dann ist die Gefahr doch gebannt, oder nicht? Es ging doch um diesen Eibatzen, den die Weibchen bewachen. Wenn der Iratus ein Männchen war, dann ist doch alles klar."
Vashtu schüttelte den Kopf. „Leider nicht. Cooper und ich können nur schätzen, weil ich selbst noch an die Datenbank muß, um das zu überprüfen, aber wir denken, es handelt sich um so eine Art Auswanderer aus einem oder zwei Nestern. Die beiden haben sich zusammengeschlossen, um eine neue Iratus-Kolonie zu gründen."
„Wollen wir hoffen, daß nicht auf der Erde ..." seufzte John, doch seiner Miene war anzusehen, daß er selbst wußte, wie fromm sein Wunsch war.
„Was ist mit dem dritten Iratus?" erkundigte McKay sich unversehens.
Vashtu nickte. „Von dem hat das CSI leider nur zermanschte Überreste. Aber anhand des Materials, das dieser Grissom mir gezeigt hat, wage ich die Prognose, daß es sich um ein Jungtier gehandelt hat und dieses noch nicht ausgewachsen war. Wahrscheinlich ist der Kleine auf den Hund der Familie losgegangen, Mummy und Daddy dagegen schnappten sich Mutter und Sohn."
„Klingt einleuchtend." John nickte.
„Bringt uns aber nicht weiter in Hinsicht auf den Kokon!" Vashtu schüttelte wieder den Kopf. „Ich habe aber auch nicht die blaßeste Ahnung, wo der geblieben sein könnte. Ich weiß nur, es muß ihn geben."
„Können Cooper oder Sie sagen, wann wir mit dem Schlüpfen rechnen müssen?" fragte Mitchell.
Wieder schüttelte sie mit einer Grimasse den Kopf. „Nicht wirklich. Wir können nur vermuten, daß die Brutzeit sich verkürzen könnte aufgrund der hier herrschenden Temperaturen. Mehr aber auch nicht. Wie gesagt, ich hoffe, ich finde noch etwas in der Datenbank."
„Miss Uruhk, das ist verdammt wenig für den Aufwand, den Sie getrieben haben!" Mitchell klang ungeduldig. „Im Moment sehe ich nicht einmal den Beweis für Ihren Kokon. Die einzige, die ständig davon spricht, sind Sie selbst. Und was, wenn Sie sich irren?"
„Dann danke ich meinen Vorfahren auf Knien dafür", antwortete sie trocken, richtete sich auf, bis sie stocksteif dasaß. „Hören Sie, ich kenne die Reaktion dieser Insekten, in mir steckten die gleichen Instinkte wie in ihnen. Ich mag nicht sonderlich viel in Worte fassen können über das, was ich spüre, aber ich weiß, dieses Nest existiert und ist irgendwo in der Stadt. Wenn die Iratus einmal schlüpfen, haben wir mehr als nur das Problem, daß wir zu wenig Infos besitzen."
„Ich fühle es auch", behauptete John plötzlich. „Seit wir angekommen sind, ist da etwas in mir und kratzt an meinem Bewußtsein. Ich denke, das ist das Nest."
Vashtu war sich ziemlich sicher, daß er das nur behauptete, um sie aus der Schußlinie zu ziehen, aber sie sagte nichts. Dazu fand sie persönlich seine Art, ihr zur Seite zu stehen, viel zu nett.
„Schön, wir haben zwei Leute hier, die entweder zum Riesenkäfer mutiert sind oder Genstränge dieser Insekten in sich tragen", faßte Mitchell das gesagte zusammen. „Sie können es nicht weiter bestimmen oder begründen, aber sie sind sich beide absolut sicher, daß es neben den bereits getöteten oder gefangenen Insekten noch einen Kokon voller Eier gibt, aber sie wissen beide nicht, wie man ihn aufspüren könnte. Ist das soweit korrekt?"
McKay sah stirnrunzelnd von Vashtu zu John und wieder zurück. „Gibt es nicht vielleicht die Möglichkeit, daß dieser Kokon sich selbst schützen kann vor Entdeckung und Zerstörung?" fragte er dann schließlich. „Immerhin soll das bei Tieren ja relativ häufig vorkommen, wenn die Eltern ausfallen oder auf Nahrungssuche sind."
Vashtu und John wechselten einen verblüfften Blick, dann nickten sie zwar zögernd aber einhellig.
„Das ist möglich, ja", antwortete die Antikerin.
„Kann uns das weiterhelfen?" Mitchell klang allmählich ungeduldig.
John nickte, schob sich lässig auf McKays Schreibtisch. „Kann es. Wir müssen nur herausfinden, ob und wie sich die Brut schützt und nach entsprechenden Symptomen unter der Bevölkerung suchen."
„Und die wäre bei einem Kokon, der so groß ist wie ein Mensch, garantiert eine Schlagzeile wert", fuhr McKay mit einem sauren Blick in Richtung auf den hochgewachsenen Luftwaffenoffizier, dessen Gesäß sich auf seinem Schreibtisch positioniert hatte, fort.
„Es bleibt allerdings dabei, daß ich an die Datenbank muß. Vielleicht finden wir dort etwas heraus", wandte Vashtu ein. „Es wird Forschungen über Iratus-Käfer gegeben haben, nur haben wir bisher an der falschen Stelle gesucht."
Mitchell hob die Hände. „Sie denken, diese Viecher können sich vielleicht von allein schützen? Warum dann der Aufwand von Mum und Dad?"
„Weil es die letzte Verteidigungslinie ist", wandte John sofort ein.
McKay lehnte sich mit vor der Brust gekreuzten Armen zurück und starrte vor sich hin.
„Das Verhalten ist auch von irdischen Tieren bekannt", fuhr John fort. „Die Eltern sind nicht da, die Kleinen verstecken sich, erstarren wie zu einer Statue, wenn ihnen eine mögliche Gefahr zu nahe kommt und setzen auf ihre eigene Tarnung."
„Das sind alles Verhaltensmuster, die nach dem Werfen auftreten", wandte Mitchell ein. „Wir reden hier von einer Verteidigungsstrategie, die bereits vor dem Schlüpfen auftritt."
McKay begann plötzlich mit den Fingern zu schnippen. Aufgeregt richtete er sich auf und begann einen ruhelosen Gang durch sein Labor. „Carson sagte damals doch, als Sie mutierten, daß in der Bruthöhle etwas geschah!"
John runzelte die Stirn und wartete.
Mitchell drehte sich irritiert zu dem Wissenschaftler um, der weiter hektisch schnippte und hin- und herlief.
„Ich weiß von unseren damaligen Wissenschaftlern, daß die tunlichst vermieden, Bruthöhlen von Iratus-Käfern zu betreten", warf Vashtu ein in der Hoffnung, McKay damit weiterhelfen zu können. „Es wurde gemunkelt, die Insekten würden den Bewußtsseinsinhalt vernunftbegabter Spezies verändern können während sie sich fortpflanzen. Die Spezialisten selbst hielten sich bedeckt, darum gehe ich davon aus, daß wir etwas in der Datenbank finden werden."
„Carson meinte, ehe sie angegriffen wurden, geschah noch etwas anderes, deshalb mußten Sie dann ja auch rein, Sheppard", fuhr Rodney fort, als sei er in vollkommen anderen Sphären gelandet.
„Wegen eines Geruchsstoffes, ich weiß", nickte John und erschauderte. „Mein Körper produzierte das Zeug plötzlich auch, darum wurde ich ja akzeptiert."
McKay fuhr herum. „Das ist es!"
Vashtu stutzte. Irgendwie schien sie gerade auf der Leitung zu sitzen, befand sie.
„Was ist es?" bohrte Mitchell nach.
„Enzyme! Geruchsstoffe!" Rodney triumphierte.
John drehte sich halb zu Vashtu um und sandte ihr einen fragenden Blick, den sie nur mit einem Schulterzucken beantworten konnte.
„Der Kokon schützt sich durch Geruchsstoffe", erklärte der Wissenschaftler endlich. „Damals in der Höhle drehten die Leute durch EHE die Iratus angreifen konnten. Carson sagte, sie seien alle wie wahnsinnig gewesen, als hätten sie auf einen Schlag den Verstand verloren. Darum wurden Sie dann reingeschickt, Sheppard."
Vashtu zog den Kopf ein, als sie begriff, was McKay da gerade in den Raum geworfen hatte.
Natürlich hatte sie daran nicht mehr gedacht, warum denn auch? Es war ihr bis heute peinlich, was sie getan hatte, nachdem sie sich der Atlantis-Crew offenbarte. John hatte die Pheromone, die sie mittels ihrer Iratus-Zellen produziert hatte, aufgenommen noch ehe er sie richtig gesehen hatte. Was dann passiert war ... Nein, sie wollte lieber nicht daran denken!
Mitchell lachte bitter auf. „Soll das heißen, wir sollen in einer Stadt, in der das ganze Jahr über Jahrmarktstimmung herrscht, nach 'eigenartigem Verhalten' suchen, noch dazu drei Tage vor Halloween? Leute, in Vegas sind alle kirre! Und das vor allem im Moment."
„Wenn der Kokon wirklich irgendeinen Geruchsstoff produziert, müßte er aufzutreiben sein", stimmte John seinem Freund zu und nickte. „Denn dann müßten die Menschen seine Nähe meiden. Der Iratus-Nachwuchs will sich schützen, sich nicht selbst ans Messer liefern. Also wird er tun was er kann, um jedes Lebewesen, das nicht Teil seiner Eltern ist, von sich fernzuhalten." Er drehte sich wieder zu Vashtu um. „Haben Cooper und du berechnen können, um wieviel schneller die Brut heranreift in der Wüstenhitze?"
„Ich muß das erst mit der Datenbank abgleichen, um einen relativen Zeitrahmen errechnen zu können", antwortete die Antikerin. „Allerdings läuft uns allmählich die Zeit davon, soviel kann ich sagen."
Jetzt richteten sich alle Augen auf Mitchell, der noch immer an seinem Platz in der Mitte des Raumes stand und plötzlich sehr verloren wirkte. Dann nickte er mit saurer Miene. „Gut, dann suchen Sie in der Datenbank. Ich erstatte Landry Bericht, daß wir eigentlich nichts wissen, sondern nur vermuten."
Die Antikerin nickte und erhob sich von ihrem Schemel.
„Und ich bleibe hier, um McKay und Vashtu zu unterstützen", wandte John in diesem Moment ein.
Mitchell bedachte ihn mit einem weiteren, brütenden Blick, zuckte schließlich mit den Schultern. „Meinetwegen. Wir treffen uns morgen, Punkt Null-Neunhundert in der Kantine. Und sehen Sie zu, daß wir endlich Resultate vorweisen können!"

***

Vernehmung von Josh Gardner und Anthony Brixton:

Brass: Also, wie habt ihr zwei das denn wohl gemacht, du und dein Kumpel, mein Junge?
Gardner: Was? Was sollen wir denn gemacht haben?
Brass: Wie habt ihr die Minneons gekillt, das ist die Frage. Müssen euch ja gewaltig auf die Nerven gefallen sein, Mum und Sohnemann ... Oder war's, weil Sohnemann wieder nach Hause gekommen ist?
Gardner: Sind Sie noch ganz dicht? Ich werd doch keinen umbringen!

Sidle: Hier, das ist, was von den Minneons übrig geblieben ist. Kein schöner Anblick, oder?
(Ermittlerin zeigt Fotos der Leichen)
Brixton: Oh Mann!
Sidle: Warum habt ihr das gemacht?
Brixton: Was sollen wir denn gemacht haben?
Sidle: Warum habt ihr die Minneons getötet?
Brixton: Wir haben niemanden getötet!

Brass: Also, wir können eindeutig beweisen, daß ihr im Haus der Minneons gewesen seid, du und dein Kumpel nebenan. Und als ihr weg wart, waren die Minneons plötzlich nur noch vertrocknete Leichen. Denkst du nicht, daß das ein kleines bißchen verdächtig wirkt auf uns Bullen?
Gardner: Hören Sie, Mann, ich hab für nächstes Jahr ein Stipendium an der Nevada State. Ich werd' doch nicht so bescheuert sein und irgendwo irgendjemanden abmurksen!

Sidle: Als ihr gekommen seid, waren die Minneons noch am Leben. Als ihr gingt, waren sie tot oder lagen zumindest im Sterben. Komm schon, Anthony! Wir haben den Anruf, der von deinem Handy ausging! Ihr wart da! Du hast es doch schon so gut wie zugegeben.
Brixton: Ich hab doch den Notruf gewählt, damit diesem Typen geholfen werden kann. Als wir weg sind, WAR er noch am ...
Anwalt der Familie Brixton: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, Miss Sidle, daß mein Mandant einen Hilferuf für Ihre Opfer abgegeben hat. Mr. Brixton wollte helfen, doch es war ihm zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, mehr zu tun als den Notruf zu wählen. Damit dürfte sich dann Ihr Einbruchsmord in widerrechtliches Betreten verwandelt haben. Vertretbar angesichts der Tatsache, daß Mr. Brixton Hilfe leisten wollte.
Sidle: Aber er hat erst angerufen, als er schon einen halben Block entfernt war!

Brass: Wenn du mich fragst, dein Kumpel nebenan, der ist fein raus. Seine Eltern haben einen Anwalt geschickt, um ihn rauszupauken. Und nun denk mal weiter, Kleiner. Wenn er es schafft, aus der Sache rauszukommen, muß ein anderer für ihn in den Schlamasel hinein.
Gardner: Nicht Tony, nein, Mann! Selbst wenn wir irgendetwas ausgefressen hätten, der würde mich nicht verpfeifen!
Brass: Bist du dir da sicher?

Sidle: Ihr seid in das Haus rein und wollt nur gesehen haben, wie die Minneons 'so komisch zuckten' und seid wieder verschwunden? Wem willst du diesen Bären eigentlich aufbinden?
Anwalt: Bitte mässigen Sie Ihren Ton, Miss Sidle!
Brixton: Wir waren doch gar nicht im Haus!
Sidle: Ach, dann weißt du also doch etwas und warst da?
Brixton: Das habe ich nicht gesagt!

Gardner: Tony kam damit an, nicht ich. Ich sollte ihm nur tragen helfen.
Brass: Was, ihr wolltet die Leichen entsorgen?
Gardner: Mann, wir wußten doch gar nicht, daß die da waren! Wir dachten, die wären weg, weil sich nichts mehr tat im Haus.
Brass: Dann wolltet ihr also von Anfang an einbrechen, richtig?
Gardner: Nicht so richtig, nein ...

Brixton: Wir wollten doch nur diese Kiste! Verdammt, ich wußte doch nicht, daß die da liegen und tot sind!
Sidle: Was für eine Kiste?

Gardner: Na, die Kiste mit dem Air-Force-Brandzeichen. So wie in diesen Indy-Filmen, verstehen Sie?
Brass: Und was wolltet ihr mit einer Kiste?

Brixton: Unser Jahrgang ist dieses Jahr mit dem Monsterhaus dran, und das Geld sparen wir, um nach Datona-Beach zu fahren nächstes Frühjahr.
Sidle: Und was hat diese Kiste damit zu tun?
Brixton: Nichts. Wir wollten sie für das Monsterhaus ...

Gardner: Wissen Sie, wir haben das als so eine Art Revival aufgezogen, so mit Remakes von alten Monsterfilmen und so. Und so eine Riesenkiste ... Mann, die paßte einfach für die Alien-Autopsie!
Brass: Für die was?

Brixton: Ja, wir haben ein Abteil für die Alien-Autopsie. Sie wissen doch sicher noch, dieses Video, das in den Neunzigern kursierte. Wir haben das nachgebaut so gut es ging.
Sidle: Und auf diesem Video war eine Kiste wie die, die ihr aus dem Haus der Minneons habt?

Gardner: Wir waren doch gar nicht im Haus, wir waren nur in der Garage. Das Tor stand offen und die Kiste wie ein Riesengeschenk mitten drin. Da sind Tony und ich rein und haben sie uns gegriffen. Und dann meinte Tony plötzlich, da würde einer liegen und so komisch zucken ... so wie in den Horrorfilmen eben. Also haben wir die Kiste mitgenommen und am Ende des Blocks erwische ich Tony, wie er gerade anruft und von den Zuckungen erzählt. Dabei war es doch klar, daß dieser Kerl schon so gut wie tot war.

Sidle: Also habt ihr Minneon einfach da liegen lassen und seid mit der Kiste weg.
Brixton: Ja, und das tut mir leid. Deshalb hab ich dann doch angerufen. Aber Josh hat mir das Handy aus der Hand geschlagen und dann war es an der Straßenkante zerschellt.
Sidle: Und wenn es nicht zerschellt wäre?

Gardner: Wir hätten doch sowieso nichts mehr für diesen Typen tun können. Wird einer von der Mordkommission wie Sie doch sicher wissen. Wenn da so komisch gezuckt wird ist es aus!
Brass: Und wo ist die Kiste?

Brixton: Die steht im Monsterhaus in der Alien-Ecke.
Sidle: Und das war wirklich alles?
Brixton: Es tut mir leid ...

***

Rekonstruktion des Mordtages:

Morgens:

Tony Brixton hielt sein Fahrrad unvermittelt an und bekam große Augen, als er den Lkw vor dem Haus der Witwe Minneon stehen sah. Das Logo der Air Force prankte groß an den beiden Seiten und zwei Männer in Militäroveralls waren gerade damit beschäftigt, eine etwa mannshohe Kiste in die Garage des Hauses 587 Washington Street zu bringen
Tony kam ein Gedanke und neue Hoffnung flammte in ihm auf.

Mittags:

Josh Gardner saß mit seinen Kumpels zusammen draußen an einem der Tische, die zur Kantine gehörten, als Tony plötzlich um die Ecke kam und ihm Zeichen gab.
„Hey, Leute, bin gleich wieder da." Josh gab Liz, Tonys Zwillingsschwester, einen Kuß auf die Wange, als er sich erhob. Wie zufällig streifte sein Handrücken ihre sprießende Brust, woraufhin sie begann zu kichern.
„Was ist denn los, du Loser?" zischte Josh, als er um die Ecke kam.
Er zeigte sich ungern mit dem Geek Brixton, tat es eigentlich nur, um Liz zu gefallen, die offensichtlich ihr Mutterherz für ihren Bruder entdeckt hatte.
„Du machst doch auch beim Monsterhaus mit, oder?" fragte Tony aufgeregt.
Josh stutzte, nickte dann aber. „Und?"
„Ich hab da heute was absolut abgefahrenes gesehen, als ich zur Schule fuhr. Wenn wir die kriegen würden ... das wäre irre!"
„Und was hat ein Freak wie du gesehen, das ihn dermaßen aus den Socken haut?" Josh warf einen Blick um die Ecke und beobachtete Liz, die mit einer Freundin herumalberte.
„Ne Kiste wie die, in die die Lade kommt am Ende von 'Lost Ark'", antwortete Tony aufgeregt und rang die Hände. „Nur größer, Mann, viel größer. Fast wie ein Sarg. Und groß mit dem Air-Force-Logo auf der Seite."
Josh richtete sich wieder auf. „Ist das dein Ernst?"
Tony nickte. „Hilfst du mir? Allein werde ich die da nie rauskriegen."
„Hast du gefragt? Hey, Kumpel, ich will keinen Ärger wegen sowas. Schließlich hab ich das Stipendium."
„Ich frag noch, Ehrenwort!"
Josh dachte wieder nach.
Am Monsterhaus mitzuarbeiten hatte sich bis jetzt nicht als Fehler erwiesen, im Gegenteil waren ihm da schon einige Hühner aufgefallen, die er sonst vielleicht übersehen hätte. Nicht daß er Liz untreu war, nur war sie verdammt prüde und er als Mann hatte bestimmte Bedürfnisse. Und wenn er mit so einer Kiste aufwarten konnte ...
„Okay, aber frag nach, klar?"

Früher Abend:

Tony läutete zum vierten Mal, doch immer noch herrschte Schweigen aus dem Haus der Minneons. Dabei, und da war er sich sicher gewesen, war die alte Witwe da.
Hatte sie vielleicht vergessen, ihr Hörgerät einzuschalten? Möglich wäre es. Die Minneon galt ohnehin als etwas schrullig, noch mehr, seit ihr Sohn weg war.
In diesem Moment bog ein Taxi um die Kurve und hielt direkt auf Tony zu. Und der ... bekam es mit der Angst, schwang sich auf sein Fahrrad und raste davon. Die Genehmigung würde er sicher auch morgen noch holen können ...

***

AREA 51:

Vashtu harrte lange Zeit in der Hoffnung aus, der lästige Klopfer an ihrer Tür werde von selbst wieder verschwinden, doch wer auch immer da Einlaß verlangte, war hartnäckig und sie schließlich so wach, daß sie bezweifelte, in dieser Nacht überhaupt noch Schlaf finden zu können.
Seufzend fügte sie sich also, kletterte umständlich aus dem Etagenbett, tappte auf bloßen Füßen zum Lichtschalter, wobei sie sich natürlich den Zehen an irgendetwas stoßen mußte, schnappte sich ihre Fliegerjacke, um sie über das lange T-Shirt, das sie zum Schlafen trug, zu ziehen und entriegelte endlich die Tür, um sie dann einen Spaltbreit zu öffnen. Herzhaft gähnend beugte sie sich in den Spalt hinein und blinzelte in das grelle Neonlicht des Flurs, bis sie erkannte, wer da so vehement Einlaß verlangte.
„John!" Sie riß die Augen auf, runzelte dann aber gleich wieder die Stirn und sah auf ihre Armbanduhr hinunter. „Hast du eine Ahnung, wie spät es ist?"
John stand, zwei dampfende Becher auf einem Tablett balancierend, vor ihr und lächelte entschuldigend. „Nicht so richtig. Ich konnte nicht schlafen", antwortete er leise.
„Es ist drei Uhr morgens!"
Er setzte seinen besten Hundeblick auf. „Entschuldige, wenn ich dich geweckt habe." Auffordernd und gewinnend lächelnd hob er das Tablett. „Ich habe Tee für uns mitgebracht."
Vashtu glaubte einen Moment lang wirklich, sie würde noch träumen. Stand da wirklich John Sheppard vor ihr und verlangte Einlaß in den Damen-Mannschaftsraum?
„Du HAST mich geweckt", antwortete sie biestig. „Was willst du?"
„Mit dir reden." Wieder dieses Lächeln, das sie im Stillen dahinschmelzen ließ. Aber das würde sie nie im Leben zugeben!
„Laß mich rein, bitte ..."
„Wenn Mitchell einen ausführlichen Bericht von mir haben will beim Frühstück ..."
„Laß das meine Sorge sein. Mitchell wird seinen Bericht bekommen, ich schwör's."
Vashtu seufzte, lehnte ihren Kopf an den Türrahmen. „Das ist nicht so einfach, John. Wir sind hier nicht mehr auf Atlantis."
„Eben darum müssen wir endlich reden!" beharrte er.
Wenn es doch irgendjemand anderes wäre, der da vor ihrer Tür stand. Irgendjemand, dem sie wirklich etwas abschlagen konnte. Bei John fiel ihr das allerdings ziemlich schwer, es war ihr genauer gesagt eigentlich unmöglich ihn abzuweisen.
„Komm schon, Vashtu, laß mich rein. Ich benehme mich auch wie ein Gentleman." Wieder grinste er sie breit an.
„Ich sollte es besser wissen ..." seufzte sie, trat einen Schritt zurück und ließ die Tür aufschwingen. „Aber sei bitte leise."
John strahlte übers ganze Gesicht. Eilig huschte er an ihr vorbei in den Raum hinein, überließ es ihr, die Tür wieder zu schließen.
Vashtu zögerte noch einen Moment, steckte den Kopf heraus auf den Gang und beobachtete erst das eine, dann das andere Ende mit Adlerblick, ehe sie die Tür endlich wieder schloß, den Riegel vorlegte.
„Wow, soviel Platz nur für dich?" wandte John sich an sie, als sie wieder zurückgetappt kam, um sich auf ihrem Bett niederzulassen.
Vashtu zuckte mit den Schultern. „Die meisten der Angestellten haben ein Haus in der Nähe. Soviel ich weiß, hat die Air Force eine komplette Siedlung hochgezogen vor einiger Zeit. Seitdem schlafen eigentlich nur noch mindere Gäste wie ich in den Mannschaftsquartieren, wenn sie hierher ausgeliehen werden. Für irgendjemandem muß Groom Lake ja zum Alptraum werden." Nicht sehr elegant ließ sie sich wieder auf ihr Bett zurückfallen und holte tief Atem.
„Naja, ich kann ja ein Bett zwischen uns schieben, wenn dir das lieber ist", sagte John leise und erinnerte sie daran, daß sie keine Hose, abgesehen von ihrer Unterwäsche, trug. Sofort rappelte sie sich wieder auf und zog die Decke über die Beine.
John grinste frech, nahm jetzt einen der Becher und pustete hinein.
„Also, was willst du mitten in der Nacht von mir, einmal abgesehen vom Spannen?" fragte Vashtu, nachdem er einen Schluck getrunken hatte.
Augenblicklich war jede Spur von Humor von ihm gewichen. Er hockte auf der Bettkante ihr gegenüber und sah sie nun sehr ernst an. „Du hast diesem Grissom gegenüber etwas gesagt. Und ich möchte jetzt wissen, ob das wirklich der Wahrheit entspricht."
Vashtu schälte sich aus ihrer Jacke, die ihr im Bett nun doch entschieden zu warm war und lehnte sich dann mit dem Rücken gegen die Wand. „Was habe ich Grissom denn gesagt, daß dich so in Sorge versetzt?"
„Du hättest politisches Asyl beantragt", kam es wie aus der Pistole geschossen zurück.
Das allerdings hätte sie sich denken können. Natürlich hatte ihn niemand aufgeklärt, warum denn auch? Offiziell durften sie beide ja nicht einmal Kontakt zueinander haben.
„Ja, das stimmt", antwortete sie mit einem Nicken.
John stutzte. „Und ... und wo?"
Vashtu richtete sich wieder auf, stopfte sich ihr Kopfkissen in den Rücken, um es etwas bequemer zu haben. „Landry hat mich, kurz bevor ihr aus Pegasus zurückkamt, in sein Büro gerufen und mich gefragt, ob ich nach Atlantis zurück wollte. Da habe ich ihn um Asyl gebeten." Sie runzelte die Stirn, rammte ihren Hinterkopf in das Kissen hinein. „Verdammt, John! Es sind mindestens ein Dutzend Schiffe vermißt da draußen, aber ausgerechnet über das von Helia müßt ihr stolpern!"
John riß die Augen auf. „Ein Dutzend?"
„Darum geht es nicht!" Vashtu schüttelte unwillig den Kopf. „Solange Helia da ist, kann ich nicht zurück ... naja, ihr ja wohl auch nicht, wie ich das verstanden habe."
„Woolsey ist drüben und verhandelt mit Helia und ihrer Crew", erklärte John, beugte sich jetzt vor und begann, mit seinem Becher zu spielen. „Aber ... was stimmt nicht zwischen Helia und dir? Ist irgendetwas vorgefallen, daß du jetzt die Erde anbetteln mußt, damit man dich hier bleiben läßt?"
Das wurde sehr wahrscheinlich doch eine lange Nacht werden, befand Vashtu in diesem Moment. Unwillig verzog sie das Gesicht.
„Helia ist ... war sozusagen Moros' Liebling", antwortete sie zögernd. „Moros war zu meiner Zeit das Oberhaupt des Rates. Euch ist er besser als Merlin bekannt. Mitchell ist ihm ja gerade nachgejagt mit SG-1. Dabei haben sie Dr. Jackson verloren."
John hob die Hand. „Mir geht's im Moment nicht um SG-1, mir geht es um dich", wandte er ein. „Was ist so schlimm daran, daß diese Helia der Liebling von Moros war? Jetzt kann sie es doch wohl nicht mehr sein, oder?"
Vashtu zuckte mit den Schultern. „Moros war nicht sonderlich gut auf die Familie Uruhk zu sprechen, das zum einen", antwortete sie. „Nach dem Tod meiner Mutter ... Mein Vater sammelte damals alle politische Macht um sich, die er nur kriegen konnte. Hätte die Entwicklung der Therapie länger gedauert und wäre nicht in einem solchen Fiasko geendet, wer weiß, ob wir überhaupt aus der Pegasus-Galaxie verschwunden wären?"
„Dein Vater wollte die Führung über Atlantis an sich reißen?" fragte John ungläubig.
Vashtu zögerte, nickte dann aber. „Er saß mit im Rat als ich klein war. Erst nach dem gescheiterten Selbstversuch von Enkil zog er sich aus der Politik zurück. Seinen Sitz übernahm Janus." Sie hob die Schultern, ließ sie dann langsam wieder sinken. „Und aus irgendeinem Grund konnte Moros mich sowieso nicht leiden. Für mich war er immer der böse Onkel, schon als ich noch klein war. Und als ich die Therapie dann an mir selbst anwandte hatte ich mich ihm ausgeliefert."
„Vertrauen ist schnell verspielt - das sagtest du damals, als du mir deine Geschichte erzähltest." Johns Blick wurde weich. „Und jetzt hast du Angst, daß Helia dir etwas antun könnte, würdest du nach Atlantis zurückgehen, richtig?"
„Ich habe keine Angst, ich weiß, was sie tun wird. Sie ist dazu verpflichtet, solange sie unseren alten Gesetzen folgt", entgegnete Vashtu, senkte den Blick. „Laut unseren Gesetzen, die wohlgemerkt vor zehntausend Jahren gültig waren, habe ich Verrat begangen und müßte mit dem Tod bestraft werden. Helia würde auf diesem Urteil bestehen, sie würde auch auf meiner Auslieferung bestehen, würde sie von mir erfahren."
„Wie kannst du etwas verraten, daß seit tausenden von Jahren nicht mehr existiert?" John sah sie ungläubig an. „Ich meine, du hättest diese Helia erleben sollen! Erst bat sie uns um Hilfe und ließ sich und ihre Leute mitnehmen nach Atlantis. Als wir dann im Gaterium standen tat sie irgendetwas und ..."
„... die Kontrolleinheit fuhr aus. Ich kann's mir vorstellen, denn ich hatte damals das gleiche vor." Vashtu grinste bitter. „Als wir mit diesem Energiewesen verbunden waren und du in das Wurmloch gezogen wurdest. DAS wollte ich damals unten im Gaterium."
„Das erklärt aber noch nicht, inwieweit du Verrat begangen haben solltest."
Vashtu nickte.
Natürlich verstand er nicht. Wie sollte er auch? Sie hatte bisher noch nie ein Wort über die Ansichten ihres Volkes verloren, auch wenn man sie danach gefragt hatte. Sie war immer ausgewichen. Zum Großteil, weil sie sich schlicht und einfach schämte, wie engstirnig die Lantianer gewesen waren. Der winzige andere Teil dagegen hatte gehofft, niemals wieder mit diesem Wissen konfrontiert zu werden.
„Wir hatten einen Namen für euch Menschen früher", sagte sie leise, malte ein unsichtbares Muster auf ihre Decke. „Keiner sagte 'Menschen' damals. Wenn von euch gesprochen wurde, dann als 'Taube'."
„Taube? Wieso taub?"
Vashtu kniff die Lippen aufeinander. „Weil ihr nicht telepatisch begabt seid wie wir. Ihr seid taub uns gegenüber. Und, zumindest in der Pegasus-Galaxie, wurde an verschiedenen Orten dafür gesorgt, daß das auch so blieb. Die Menschen sollten sich nicht weiter entwickeln. Vielleicht, weil einige durchaus erkannten, welches Potenzial in euch steckt, vielleicht aber auch nur weil ... viele sahen in Menschen nichts anderes als besseres Vieh, gerade gut genug für die Wraith, um ihnen als Nahrung zu dienen."
„Das verstehe ich nicht. Bisher gingen doch alle davon aus, daß wir die nächste Entwicklungsstufe von euch sind."
„Seid ihr nicht, zumindest der Großteil." Vashtu schloß die Augen, weil diese brannten vor Scham. „Als die ersten Lantianer hierher zurückkehrten, fanden sie euch auf der Erde vor. Auch in Pegasus tauchten hier und da Menschen auf, aber man hielt sie für zu primitiv, um lange überleben zu können." Sie zögerte, zuckte dann erneut mit den Schultern. „Das war vor meiner Zeit, lange vor meiner Zeit."
„Und inwiefern hat das jetzt etwas mit dem Vorwurf des Verrates zu tun?"
Sie hörte, daß er begriffen hatte, es sich aber noch nicht eingestehen wollte. Am liebsten hätte sie ihm ein „Ja, es ist so wie du denkst!" ins Gesicht geschleudert, entschied sich aber doch für die ausführlichere Variante.
„Ein ehernes Gesetz der Lantianer besagt, daß ein Lantianer niemals etwas von dem Wissen seines Volkes an andere weitergeben darf", antwortete sie, öffnete die Augen wieder und wagte ein sarkastisches Grinsen.
„Und du hast uns von Anfang an die Datenbank zugänglich gemacht ..." John wurde blaß als sie nickte.
„Ich habe zweifachen Verrat begangen: ich habe mich den Tauben angeschlossen, minderwertigen Wesen, die kaum begreifen, was wir getan haben, und ich habe diesen Tauben alles Wissen meines Volkes zugänglich gemacht. Wenn Helia das jemals herausfindet, bin ich schlichtweg tot, John. Ihr bleibt gar keine andere Wahl, will sie vor ihrer eigenen Mannschaft glaubwürdig bleiben."
„Und wenn du dich weiter verschanzt gehalten hättest letztes Jahr?" In Johns Augen konnte sie eine gewisse Hoffnung lesen, doch auch die mußte sie zerstören.
„Ich habe entgegen dem Rat gehandelt, als ich mir die Therapie selbst gab. Wenn die Wraith nicht die Tür aufgebrochen und mir damit die Flucht ermöglicht hätten, Helia würde sich nicht um mich kümmern. Ich war nicht mehr existent damals, John. Ich war keine Angehörige meines Volkes mehr. Ich stand außerhalb von allem."
„Du kannst mir doch nicht erzählen, daß diese Helia dich verhungern lassen würde!" Mit einem Ruck kam John wieder auf die Beine. „Verdammt, ich mag diese Frau auch nicht, aber zumindest ansatzweise wird sie doch wohl von Menschenrechten gehört haben, oder?"
„Ich bin kein Mensch und keine Lantianerin laut den Beschlüssen des Rates. Darum nenne ich mich selbst ja Antikerin, John. Helia hätte mich weiter in meinem Labor gelassen, es hätte sie nicht gekümmert. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn sie hätte nachsehen lassen, nachdem ihr weg wart. Nachsehen lassen, um mich aus dem Weg zu räumen."
Er starrte sie an und wußte offensichtlich jetzt wirklich nicht mehr, was er sagen sollte. Er starrte sie nur an, mit blassem Gesicht und großen, wie von Schrecken geweiteten Augen.
Vashtu wußte nicht, welche Gedanken, Träume und Hoffnungen ihn angetrieben hatten und er sich in Bezug auf ihr Volk gemacht hatte. Aber sie wußte, sie hatte diese Bilder gerade alle sehr gründlich zerstört.
„Das ist der Grund, warum Daniel Jackson und ich immer wieder aneinandergeraten. Auch wenn er zweimal seinen Körper hatte ablegen können, er glaubte irgendwo immer noch an das Gute in den Aufgestiegenen. Ich tue das nicht." Langsam aber unmißverständlich schüttelte sie den Kopf.
Kraftlos sackte John endlich wieder auf das Bett zurück, starrte sie immer noch an. „Aber du hast dir nichts zu Schulden kommen lassen ... zumindest doch wohl nichts wirklich ... ich meine, ich weiß nicht, was letztes Silvester passiert ist, daß dir das alle immer noch vorwerfen. Aber O'Neill schien ganz vernarrt in dich zu sein, als ich ihn das letzte Mal gesprochen habe."
„Das spielt für Helia keine Rolle. Für sie zählt, wie die Gesetze vor zehntausend Jahren lauteten, und ich schätze, selbst wenn noch einer der alten leben würde, würde sie eine Änderung der Gesetze nicht anerkennen. Ich bin hier gestrandet und hoffe, daß, wer auch immer, seine Hand über mich halten wird."
John senkte endlich den Kopf. Es war, als könne er im Moment nicht mehr ertragen, sie anzusehen.
Vashtu zögerte, kniff die Lippen wieder aufeinander, dann blickte sie auf. „Ich ... wollte dich um ..." Sie schloß den Mund, wußte im Moment wirklich nicht, wie sie es sagen sollte, ohne daß es zu kitschig klang. Dann gab sie sich selbst einen Ruck. „Enkil hat mich immer Vash genannt. Das war eine Art Kosename, eine Abkürzung, aber ... es hat mir immer viel bedeutet, wenn er mich so genannt hat. Und ... ich möchte, daß du ... naja, wenn du willst, dann ..." Sie schloß den Mund und zog eine Grimasse.
Wortlos erhob John sich. Einen Moment lang fürchtete Vashtu, er werde gehen und sie zurücklassen, doch er kam nur zu ihr, hockte sich vor ihr Bett und sah sie an. Nur allmählich erschien ein Lächeln auf seinen Lippen und ein wenig des Lichtes kehrte in seine Augen zurück.
„Es ist mir eine Ehre ... Vash." Seine Stimme klang heiser.

TBC ...