21.06.2010

Das Angesicht des Feindes 3/4 IV

Dr. Anne Stross zögerte vielleicht eine halbe Sekunde, dann nickte sie Markham zu und folgte den beiden Eindringlingen hinaus in das Lager.
"Die lügen doch, oder?" Die Stimme des jungen Soldaten zitterte ein wenig.
Anne neigte abwägend den Kopf. Wenn sie in den letzten zwei Jahren als Assistentin von Dr. Elizabeth Weir eines gelernt hatte, dann das, nämlich ihrem Instinkt zu folgen. Und der teilte ihr gerade sehr vehement mit, daß sie die beiden Eindringlinge auf keinen Fall aus den Augen lassen sollte. Vor allem diese Majorin nicht, auf keinen Fall sie! Im Gegenteil sollte sie alles tun, um sich an sie zu hängen.
Und vielleicht hatte dieser Instinkt recht, wenn er ihr sagte, daß sie in Vashtu Uruhk die Lösung ihrer Probleme gefunden hatte. Auf jeden Fall, ob nun Lantianerin oder nicht - und nach ihrem kurzem Wortwechsel hatte sie eigentlich keinerlei Zweifel an der Echtheit der Aussage von diesem Babbis - etwas an dieser Frau war eigenartig, und das lag bestimmt nicht nur an der Art, wie sie Autorität und Wissen ausstrahlte.
Eine eigenartige Frau, wirklich. Im ersten Moment hatte sie geglaubt, eine Inderin vor sich zu haben, doch dazu paßte diese eigentümlich blaße Haut nicht so ganz. Die Gestalt war schlank, richtig propotioniert, soweit sie das feststellen konnte. Und dennoch schien da etwas in dieser Vashtu Uruhk zu lauern, das nicht immer sofort herausgelassen wurde. Ihre Augen ... Diese dunklen Augen waren anders. Etwas an dem Blick hatte Anne beeindruckt. Diese Entschlossenheit, dieser Kampfgeist. All das schien irgendwie zu dieser Frau zu passen, ebenso wie das tintenschwarze, kurze Haar, das wirr nach allen Seiten abstand und ihr etwas Spitzbübisches verlieh. Die Art ihrer Bewegungen ließ die Kämpferin in ihrem Inneren erahnen, auch wenn sie eigentlich gar nicht über soviel Kraft verfügen durfte.
"Dr. Stross?" Markham klang allmählich wirklich etwas verzweifelt.
Der Major und Dr. Babbis waren in den Generatorraum eingedrungen, standen jetzt über die Energieversorgung gebeugt und schienen leise zu diskutieren.
Anne war in der Tür stehengeblieben, Markham noch immer an ihrer Seite. Stirnrunzelnd beobachtete sie dieses ungleiche Paar.
Sie waren offensichtlich aufeinander eingespielt. Zwar benutzten sie noch Worte, doch es schienen nicht mehr als einige Brocken zu sein, in der Schnelligkeit, in der sie sie wechselten. In die Augen des Majors trat ein neuer Glanz.
Seit wann arbeitete das Militär mit Wissenschaftlern zusammen? Und, vor allem, als ein so eingespieltes Team wie es diese beiden zu sein schienen? Das kannte Anne vollkommen anders, und im Moment beneidete sie diesen Babbis um die Kommunikation, die er mit dem Major aufgebaut hatte.
Vashtu Uruhk drehte sich mit einem Ruck zu ihr herum. In ihren Augen loderte ein Feuer. „Atlantis wurde aufgelöst, sagten Sie?" fragte sie.
Anne richtete sich gerade auf, dann nickte sie.
"Haben Sie hier irgendwo Naquadah-Generatoren in der Nähe?" bohrte die vermeintliche Antikerin weiter.
"In den Kisten neben den Jumpern", antwortete Anne.
Diese, so eigenartig wirkenden Augen lächelten, und sie begriff endlich, warum sie ihr so merkwürdig vorkamen. Der Major sprach mit ihnen wie mit Worten, etwas was die wenigsten verstehen oder bemerken würden. Wobei ... bei dieser Frau würde man es bemerken, dessen war Anne sich plötzlich sicher.
"Was haben Sie vor?" fragte sie.
Der Major blinzelte, Tatendurst lag in ihrem Blick. „Wir schließen ein oder zwei Generatoren an die Lebenserhaltungssysteme an und blasen das Schiff einmal komplett mit frischer Luft durch. Kein Problem, Werkzeug habe ich bei mir", antwortete sie.
Annes Augen wurden groß. „Sie wollen ... ?"
Dieser Babbis nickte, trat auf sie zu. „Kein Problem. Wir machen solche Dinge öfter. Ist ein Hobby des Majors. Neben ... äh, anderen Dingen."
"Ich lerne die Technik der Menschen, Peter. Ein Hobby ist für mich etwas anderes. Obwohl ... es ist schon irgendwie entspannend." Der Major lachte leise.
Markham warf Anne einen zweifelnden Blick zu. Die nickte. „Helfen Sie Dr. Babbis, damit wir wieder Luft kriegen", sagte sie, betrat nun doch endlich den Raum.
Der Major sah ihr interessiert entgegen, als sie näherkam, kurz vor ihr stehenblieb.
Diese Frau war wirklich bemerkenswert, ging Anne durch den Kopf. Sie hatte noch nie erlebt, daß ein Militärangehöriger überhaupt verstand, was ein Wissenschaftler von ihm wollte. Und diese Major Uruhk verstand es nicht nur, sie wollte es wohl auch selbst tun.
"Was können Sie denn noch, Major?" fragte Anne, als sie direkt vor der anderen stand.
Diese Augen blickten ein wenig irritiert, dann entschlossen. „Als mein Volk noch lebte, arbeitete ich als ... Sie würden es Biotechnikerin nennen", antwortete sie. „Allerdings habe ich mich schon immer mehr für Technik interessiert. Auf Atlantis, auf unserem Atlantis, arbeite ich einmal im Monat für Dr. McKay, falls dieser Name Ihnen etwas sagt."
Anne holte wieder tief Atem, nickte dann. „Er wurde von den Wraith getötet, wie viele andere auch. Ist noch gar nicht lange her. Er war ... etwas ungewöhnlich, aber auf seine Art brilliant."
Kurz sah sie Trauer in den Augen der anderen, dann schüttelte diese den Kopf. „Mein Dr. McKay ist einfach nur eine Nervensäge - wie Babbis es manchmal auch sein kann." Sie begann, die vielen Taschen ihrer Überlebensweste abzutasten, schob sich endlich die Jacke von den Schultern, um an die hinteren Taschen zu gelangen und holte einiges an Werkzeug hervor.
Anne staunte nicht schlecht, mußte allerdings auch schmunzeln.
Sie konnte nur hoffen, daß Pendergast nicht gerade mal wieder eine seiner Abhöraktionen durchführte und somit das Geheimnis dieser Frau gewahrt blieb. Sie wünschte ihr nicht, daß der Colonel sie in seine Finger kriegte. Obwohl ... etwas anderes würde dem Major wohl nicht übrigbleiben, wollte sie auf die Prometheus.
"Halten Sie mal." Der Major hielt ihr einen Schraubenschlüssel hin, drehte sich dann um und begann, an den Verbindungen mit einem anderen Werkzeug zu arbeiten.
Sie tat es tatsächlich! Sie überließ nicht diesem Babbis die Hauptarbeit, sie tat sie selbst.
Anne kam allmählich aus dem Staunen nicht mehr heraus.
"Was hat Sie dazu gebracht, der Army beizutreten, wenn Atlantis doch eigentlich Ihre Heimat ist?" fragte sie schließlich.
"Eben weil ich nach Atlantis zurückwollte, trat ich der Air Force bei", antwortete der Major, richtete sich wieder auf, um sich kurz darauf auf die Knie sinken zu lassen und die nächste Verbindung zu lösen. „Ein Deal mit Washington, wenn Sie so wollen. Ich hatte einen etwas ungünstigen Start auf Atlantis in dieser Zeit. Schließlich blieb mir keinen andere Wahl und ich ging zur Erde, schloß mich dort dem SGC an und wurde erst von Abteilung zu Abteilung gereicht, bis ich endlich wieder durch das Gate durfte."
Anne beugte sich unwillkürlich ebenfalls vor, beobachtete sie bei der Arbeit. Sie wußte wirklich, was sie tat, das wurde ihr sehr schnell klar.
"Schließlich bekam ich mein eigenes SG-Team. Naja, und kurz darauf trat man an mich heran und bot mir den Posten als Major der USAF mit dem Deal, jeden Monat für eine Woche nach Atlantis zu gehen als McKays Assistentin." Der Major warf ihr einen Blick über die Schulter zu und blinzelte verschwörerisch. „Es gab da ein kleines Geheimnis, das ihn halb wahnsinnig machte. Aber er brauchte wohl etwas länger, bis er begriff, daß ich nur unter einer Bedingung bereit war, ihm dieses Geheimnis zugänglich zu machen."
Anne schmunzelte, richtete sich dann wieder auf, als sie Schritte hinter sich hörte.
"Peter, es kann losgehen." Der Major richtete sich ein wenig ächzend wieder auf und streckte den Rücken.
Babbis und Markham stellten die zwei Naquadah-Generatoren ab, der Wissenschaftler mit dem jugendlichen Auftreten kam heran und äugte mit langem Hals auf die Vorarbeit. „Raus mit dem Ding", kommentierte er dann.
Der Major warf ihm einen halben Blick zu. „Dann her mit den neuen", sagte sie, beugte sich wieder vor und ... hob den Generator aus seiner Verschalung.
Anne bekam große Augen. Diese Dinger, vor allem die alten, wie sie ihn hier sah, wogen fast zweihundert Pfund. Und Major Uruhk hob ihn hoch, als wäre er nicht schwerer als eine Feder! Wie konnte das bei dieser schlanken, beinahe zierlichen Person sein?
Die vermeintliche Antikerin stellte den unhandlichen Generator zur Seite, half dann Babbis dabei, den neuen zu plazieren, ehe beide eifrig begannen, die Anschlüsse zu erneuern.
Anne schüttelte einfach nur den Kopf.
Was sich da vor ihren Augen abspielte, ging beinahe über ihren Verstand. Sie hatte noch nie eine so enge Zusammenarbeit zwischen zwei so unterschiedlichen Personen gesehen. Die beiden mußten wirklich aufeinander eingespielt sein.
Major Uruhk aktivierte schließlich den Generator, der daraufhin ein leises Summen von sich gab. Dann richtete sie sich wieder auf und sah hoch zu den Lampen unter der Decke. Diese blinkten erst ein bißchen, dann aber lieferten sie endlich wieder Licht.
"Geht doch!" kommentierte sie zufrieden.
"Diese beiden sind merkwürdig", wisperte Markham Anne zu, die nur zustimmend nicken konnte.

***

Vashtu landete den Jumper und öffnete die Heckluke, ehe sie sich von ihrem Sitz erhob und nach hinten ging, um den anderen zu helfen, Dorn in die Prometheus zu bringen. Da erhaschte sie einen Blick auf zwei Marines, die mit strammen Schritten auf den kleinen Gleiter zuhielten.
Stross bemerkte ihr Zögern, sah ebenfalls hinaus. Dann seufzte sie. „Pendergast!" Sie schüttelte den Kopf, packte den Marine unter einer Achsel, Wallace auf der anderen Seite hob den schweren Mann jetzt ebenfalls an. Peter und dieser Markham trugen die Beine.
Vashtu zögerte, dann straffte sie die Schultern und verließ hinter den anderen den Jumper. Die Marines waren wohl ihretwegen gekommen - irgendwann hatte der Kommandant der Prometheus schließlich auf ihr Auftauchen reagieren müssen. Nur hätte sie sich ein bißchen mehr Zeit gewünscht, um bei Dorn bleiben zu können.
"Mam?" Der eine der beiden salutierte vor ihr. „Major."
Sie nickte und nahm ihm den Gruß ab. „Sergeant?" fragte sie dann.
"Colonel Pendergast wünscht Sie zu sprechen, Major. Würden Sie uns bitte folgen?" Der junge Mann trat zur Seite.
Vashtu seufzte wieder, trat dann zwischen die beiden Marines und ließ sich von ihnen ins Schiff führen.
Irgendwie hatte sie auf eine etwas andere Begrüßung gehofft, nachdem Peter und sie immerhin den meisten Besatzungsmitgliedern das Leben gerettet haben dürften. Noch dazu mußte sie zugeben, sie hatte auf jemand ähnlich verständnisvollen gehofft wie diese Dr. Stross. Aber da hatte sie wohl komplett falsch gelegen. Dieser Colonel wollte wohl gleich zu Beginn klarstellen, wer auf der Prometheus das Sagen hatte.
Sie ließ sich durch die Gänge führen, jetzt wieder beleuchtet und mit frischer Luft versorgt. Es herrschte reges Treiben, man merkte deutlich, daß die Prometheus eigentlich überfüllt war mit der Besatzung von Atlantis an Bord. Und dieses Mal achtete die Antikerin wirklich auf die Gesichter derer, die die Uniform der fliegenden Stadt trugen. Dabei stellte sie zu ihrer Überraschung fest, daß diese sich die Waage hielten. Einen Teil kannte sie tatsächlich, wie die junge Japanerin, die schon Peter aufgefallen war, der andere aber sagte ihr nichts, wie dieser hochgewachsene Mann mit dem gewaltigen Schnauzbart.
Die beiden Marines brachten sie auf die Brücke, die erheblich kleiner und unübersichtlicher war als die auf der Daedalus. Offensichtlich hatte sie mit der Prometheus nicht allzu viel verpaßt, wie ihr aufging.
Auf dem Kommandantensitz in der Mitte saß ein grauhaariger Mann mit einem, eigentlich sympatischen Gesicht, wenn seine Augen nicht so kalt geblickt hätten.
Vashtu blieb stehen, als auch die Marines stehenblieben, und salutierte stramm, wobei ihr die Jacke wieder von den Schultern rutschte.
Kein guter Start, wie sie an dem verärgerten Blitzen der kalten Augen bemerkte.
"Major ... Uruhk, wenn ich mich nicht irre?" Der Kommandant der Prometheus lehnte sich nach vorn und starrte sie an.
"Sir?" Sie ließ ihr Gesicht erstarren. Dennoch bohrte die Frage in ihr weiter, woher er jetzt schon ihren Namen kannte.
Der Mann nickte, lehnte sich wieder zurück. „Colonel Pendergast, Kommandant der Prometheus", stellte er sich vor.
Vashtu schluckte. Noch immer stand sie stocksteif da, die Hand an der Stirn und wartete. Und es sah im Moment nicht so aus, als wolle Pendergast sie „bequem" stehen lassen.
"Sie hätten sich zuallererst bei mir melden sollen, Major. Ich hoffe, das ist Ihnen klar", fuhr der Colonel fort.
"Ja, Sir", antwortete sie und wagte ein zerknirschtes Lächeln. „Allerdings war die Luft im Schiff verbraucht. Wir wären nicht soweit gekommen, Sir."
"Soll ich Ihnen dankbar für dieses Pfuschwerk sein?" Pendergast hob eine Braue.
Vashtu spannte die Kiefer an, sagte aber nichts.
Pfuschwerk? Was bildete dieser Kerl sich ein?
Er nickte, offensichtlich hatte er ihre Reaktion erwartet. „Stehen Sie bequem, Major", sagte er im gönnerhaften Ton.
Vashtu nahm endlich die Hand von der Stirn, drückte den Rücken durch und verschränkte die Hände hinter ihm, wie man es ihr auf der Erde beigebracht hatte. Wer auch immer zu dieser Haltung „bequem" sagte, hatte es wohl selbst noch nicht ausprobiert.
Pendergast richtete sich jetzt auf, nickte den beiden Marines wortlos zu, die daraufhin die Brücke verließen, und begann dann, sie zu umrunden, während er sie genau im Auge behielt.
"Ich bin Ihnen dankbar. Allerdings bleibt immer noch die Tatsache im Raum stehen, daß Sie sich hätten auf der Brücke melden sollen. Statt dessen stehlen Sie einen der Puddlejumper und hauen ab - mit Dr. Stross und Lieutenant Markham."
Vashtu biß sich auf die Lippen und wartete.
Pendergast baute sich vor ihr auf. „Auf meinem Schiff gibt es eine einfache Befehlskette, Major: Ich bin die Autorität, alle anderen haben mir zu folgen. Ist das klar?"
"Ja, Sir", sagte sie.
Pendergast sah ihr tief in die Augen. „Ich glaube, das ist bei Ihnen noch nicht so ganz angekommen, Major. Woher auch immer Sie kommen, bei Ihnen scheint man das ganze nicht so ernst zu nehmen wie ich. Darum wiederhole ich es noch einmal: Sie werden jedem einzelnen MEINER Befehle folgen, und zwar ohne jeglichen Kommentar. Verstanden?"
Sie nickte. „Ja, Sir, ich habe verstanden."
"Wie bitte?" Er beugte sich leicht vor.
Vashtu atmete tief ein. „Ja, Sir, ich habe verstanden. Ich werde jedem einzelnen Ihrer Befehle folgen, Sir."
Er nickte nachdenklich, musterte sie wieder von Kopf bis Fuß. „Sie gehören zur USAF?"
"Ja, Sir."
"Und Sie stammen nicht von der Erde? Sie sind eine ... eine Lantianerin, was auch immer das sein soll", fuhr er fort.
"Ich komme aus Atlantis, Sir. Auf der Erde wird mein Volk Antiker genannt", antwortete sie.
Ein eigentümliches Leuchten trat in seine Augen. Wieder beugte er sich über sie, sah ihr tief in die Augen. „Eine Antikerin, die in der Air Force dient?"
"Ich habe mich der Air Force angeschlossen, Sir, ebenso wie ich die amerikanische Staatsbürgerschaft besitze. Das waren Voraussetzungen für einige Deals, die ich abgeschlossen habe mit der Erde, Sir."
Pendergast begann wieder, sie zu umrunden. Vashtu fühlte jeden einzelnen Blick auf sich wie brennende Kohlen. Dieser Kerl war ihr unsympatisch. Hoffentlich würde sie ihn schnell loswerden! Je eher, desto besser, sagte sie sich. Sie wollte immerhin nur bis zum nächsten Planeten, danach konnte er sehen, wie er allein zurechtkam.
"Offensichtlich können Sie wohl fliegen, wenn Sie sich in einen Puddlejumper setzen können. Oder etwa nicht?" fragte er schließlich.
"Ja, Sir. Ich besitze da eine gewisse Begabung", antwortete sie so knapp wie möglich. Auf keinen Fall wollte sie ihm mehr als nötig an Wissen über sich zugestehen.
Wieder blieb er vor ihr stehen. „Und Sie können die Geräte Ihres Volkes aktivieren und bedienen, Texte übersetzen ... den Kontrollstuhl auf Antarktica zum Beispiel steuern?"
Vashtu stutzte kurz, nickte dann aber. „Ja, Sir, das kann ich."
Ein kühles Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Dann haben Sie schon auf diesem Kontrollstuhl gesessen?"
Vashtu wurde es allmählich ungemütlich. Doch sie war gezwungen zu nicken. „Ja, Sir, ich habe ihn bereits bedient."
"In einer Schlacht?" bohrte er weiter.
"Nein, Sir, zur Kontrolle, ob ich ihn bedienen kann."<
Pendergast nickte sinnend, musterte sie wieder abschätzend. Dann kehrte er unvermittelt auf seinen Kommandositz zurück und ließ sich dort nieder. „Gut, dann werde ich dieses Mal noch über Ihr Fehlverhalten hinwegsehen, Major. Aber wagen Sie es niemals wieder, mich zu übergehen, sonst werden Sie sehr schnell feststellen, daß ich ein durchaus unangenehmer Zeitgenosse werden kann. Melden Sie sich bei Sergeant Bates, der wird Ihnen ein Quartier zuweisen ... und wenn er schon dabei ist, eine neue Uniform. Morgen früh Null-Neunhundert melden Sie sich zum Dienst."
Vashtu blinzelte irritiert. „Dienst, Sir? Aber ..."
"Haben Sie schon vergessen, wie die Befehlskette auf meinem Schiff aussieht, Major?" Pendergast hob wieder eine Braue.
Vashtu schluckte die Entgegnung herunter, die ihr bereits auf der Zunge lag. „Nein, Sir, ich habe sie nicht vergessen."
"Dann ist es ja gut." Der Colonel lehnte sich zurück.
Vashtu grüßte kurz, hob ihre Jacke wieder auf und verließ, leise vor sich hinkochend, die Brücke.
Da hatte sie sich ja in schöne Schwierigkeiten geritten!

***

Früh am nächsten Morgen betrat Anne die Messe, holte sich einen Kaffee und sah sich kurz um, ehe ein Lächeln über ihr Gesicht glitt und sie zu einem bestimmten Tisch trat. „Darf ich mich zu Ihnen setzen, Major?" fragte sie.
Die Frau mit den hoffnungslos verstrubbeltem Haar blickte mißmutig auf, nickte dann und wandte sich mit wenig Enthusiasmus ihrer Mahlzeit wieder zu.
Anne ließ sich ihr gegenüber nieder und grinste in ihre Tasse, während sie Major Uruhk beobachtete. Diese hatte sich irgendetwas suppenähnliches geben lassen und malte mit ihrem Löffel in der zähen Masse herum.
"Nicht gerade das Ritz, nicht wahr?" Anne stellte ihren Kaffee ab und beugte sich vor.
Der Major blickte wieder auf. „Hier ist nichts wie das Ritz", antwortete sie mißgestimmt.
Anne nickte. „Stimmt." Beinahe mitleidig betrachtete sie die ihr gegenübersitzende Frau. „Ich habe gehört, daß Pendergast Sie gleich vereinnahmt hat."
Major Uruhk zuckte mißmutig mit den Schultern. „Bin in der Staffel gelandet und wurde gestern noch durch die Gegend gejagt." Unwillig sah sie an sich herunter und seufzte dann schwer.
"Es wird Sie sicher interessieren, daß auch die beiden Wissenschaftler in Ihrem Gefolge noch von Pendergast zugewiesen wurden", berichtete Anne, hob die Tasse wieder. „Dr. Wallace soll bei meinen Wissenschaftlern bleiben, Dr. Babbis wurde dem Team zugeteilt, das den Antrieb reparieren soll. Was danach mit ihm geschieht ... Wahrscheinlich wird er ebenso wie wir anderen zur Tatenlosigkeit verdammt werden."
"Wir wollen nur bis zum nächsten Planeten mit. Danach steigen wir aus", brummte die vermeintliche Antikerin, obwohl vermeintlich? Die Wissenschaftlerin war sich inzwischen recht sicher, daß diese Major Uruhk tatsächlich eine war. Die Frage war nur, wie hatte sie zehntausend Jahre überstehen und dabei so jung bleiben können.
"Pendergast weiß, wer Sie sind, Major", warf Anne kopfschüttelnd ein.
Die blickte jetzt doch wieder hoch und runzelte die Stirn. In diesen sprechenden Augen lag eine stumme Frage.
Anne seufzte und sah sich in der Messe um. Dann stellte sie ihre Tasse wieder auf den Tisch. „Haben Sie noch ein bißchen Zeit?" fragte sie.
Major Uruhk blinzelte, sah dann auf ihre Armbanduhr hinunter und nickte. „Ich muß um neun auf dem 302-Deck sein", antwortete sie.
Anne stand wieder auf. „Dann kommen Sie mit - und stellen Sie Ihr Funkgerät bitte aus."
Die Antikerin erhob sich, ließ ihr Tablett stehen und folgte ihr. In ihren Augen war jetzt deutlich Neugier zu lesen.
Anne fragte sich wirklich, was das für eine Erde sein mochte, auf der jemand wie diese Vashtu Uruhk leben konnte. Entweder sie eckte wirklich ständig irgendwo an, oder aber man ließ ihr ihren Willen. Etwas, was ihr mit Pendergast garantiert nicht geschehen konnte.
"Was halten Sie denn bis jetzt von der Prometheus?" erkundigte sie sich, während sie den Weg zur großen Schleuse einschlug.
Major Uruhk zuckte mit den Schultern, zupfte dann leicht frustriert an ihrer Fliegerkombination herum. Offenbar war sie es nicht gewohnt, solche Kleidung zu tragen. „Was soll ich von dem Schiff schon halten? Sie ist offensichtlich kleiner als unsere Daedalus oder die Odyssey."
Anne war überrascht. „Sie kennen die Daedalus?"
Ihre Begleiterin nickte. „Klar. Caldwell ist nicht ganz unschuldig daran, daß wir hier gelandet sind. Und wenn ich je zurückkomme, wird Hermiod noch sein blaues Wunder erleben, darauf können Sie sich verlassen, Doc."
"Der Asgard, der auf der Daedalus Ihrer Dimension mitfliegt? Kennen Sie ihn näher?"
Major Uruhk nickte wieder, folgte ihr jetzt aus dem Schiff heraus. „Wir spielen zusammen Schach, Hermiod und ich", antwortete sie. „Es ist für mich etwas schwierig andere zu finden, die sich ... naja, mit meiner Art des Denkens anfreunden können. Den meisten bin ich zu schnell." Sie zog eine Grimasse, als Anne ihr einen fragenden Blick zuwarf. „Mein Gehirn ist anders als Ihres, Doc, anders als das von allen anderen Menschen", fuhr sie fort. „Meist muß ich mich schon ziemlich zusammenreißen, um die Lösung nicht schon zu Anfang rauszubrüllen. Hermiod ist einer der wenigen, die zumindest ein Stück weit meinen Gedankengängen folgen können. Bei ihm muß ich mich nicht immer dümmer stellen als ich bin."
Anne lachte jetzt auf. „Natürlich! Als Lantianerin ist Ihr Gehirn wesentlich aktiver als das eines heutigen Menschen."
Der Major nickte mit schuldbewußtem Gesicht, blinzelte dann in die Sonne, die gerade wieder aufging.
Wenn das tatsächlich stimmte, und nach dem, was Anne gestern erlebt hatte, mußte es wohl so sein, würde Pendergast noch seine helle Freude mit seinem neuesten Fang haben und nicht gerade glücklich mit ihr werden. Und das würde dann wohl auf Gegenseitigkeit beruhen, wie sie es im Moment sah. Major Uruhk schien etwas unkonventionell zu sein, um es noch harmlos auszudrücken. Schon allein die Art, wie sie sich gestern Markham gegenüber den nötigen Respekt verschafft hatte, sprach Bände. Der junge Lieutenant war immer noch verwirrt.
Major Uruhk kletterte auf einen niedrigen Felsen, hockte sich dann darauf und ließ sich die Sonne auf den Rücken scheinen.
Anne beobachtete diese merkwürdige Frau weiter.
Was würde sie noch erwarten? Mit was für Enthüllungen hatte sie zu rechnen?
Sie wußte es nicht, doch sie war sich sicher, einiges würde noch auf sie zukommen, wenn diese Antikerin länger auf der Prometheus blieb. Und da Pendergast die Eindringlinge gestern belauscht und somit herausgefunden hatte, was es zumindest mit einem von ihnen auf sich hatte, würde es wohl tatsächlich eine gewisse Zeit dauern. Spannend würde es werden herauszufinden, wer letztendlich den Sieg davontragen würde, der Colonel oder der Major. Und irgendwie glaubte Anne, sich bereits jetzt der Gewinnerseite angeschlossen zu haben.
"Sie wollten mir irgendetwas mitteilen, was wohl keiner auf der Prometheus wissen soll", sagte der Major jetzt und sah zu ihr hinunter. „Jetzt haben Sie mich neugierig gemacht, Doc. Um was geht es?"
Anne lächelte, lehnte sich gegen den Felsen, auf dem die Antikerin hockte und reckte die Nase kurz in die Sonne. „Um Pendergast und die Dimension, aus der wir alle kommen", antwortete sie dann.
Major Uruhk setzte sich stocksteif hin und musterte sie aufmerksam. Wieder schienen ihre Augen zu sprechen, Fragen zu stellen.
Anne mußte zugeben, diese Frau faszinierte sie immer mehr. Wenn es ihr nicht gelang, näheren Kontakt zu ihr aufzubauen und ihr Vertrauen zu gewinnen, würde sie sich wahrscheinlich den Rest ihres Lebens Vorwürfe deswegen machen.
"Schießen Sie los, Doc." Major Uruhk beugte sich leicht vor.
Anne seufzte, kreuzte die Arme vor der Brust und sah zu dem beschädigten Schiff hinüber. „Die Erde, von der wir kommen, ist offensichtlich anders als das, was Sie kennen, Major" begann sie. „Ich habe gestern noch einige Worte mit Dr. Babbis gewechselt und mir ein Bild über das gemacht, was er berichtete. Meine Vereinigten Staaten sind schon seit Jahrzehnten ein Militärregime, Major, während die Ihren wohl ... nun, einen zumindest besseren Standpunkt haben."
"Sie kommen aus einem Militärstaat?"
Anne nickte. „Ganz genau. Noch dazu einem, der ..." Sie seufzte. „Menschen wie ich sind dort nicht sehr angesehen. Wissenschaftler meine ich. Wer sich nicht dem Militär anschließt, der ist in den Augen der meisten überflüssig."
"Aber Wissenschaft ist wichtig", warf die Antikerin ein. „Ohne die Wissenschaft gäbe es nicht einmal Waffen, die ein Militär nutzen kann."
"Ganz genau." Anne blickte wieder auf und blinzelte. Major Uruhk hatte nachdenklich die Stirn gerunzelt und musterte sie genau.
"Aber das Militär sieht das, wie in den meisten solchen Fällen, eben anders", fuhr sie fort. „Atlantis war ein Versuch, der recht schnell scheiterte. Während der ersten Belagerung durch die Wraith wurde Dr. Weir ein Militärkommandant vor die Nase gesetzt. Und was wir in dem einen Jahr, in dem wir keinen Kontakt zur Erde hatten, getan hatten, wurde komplett unter den Teppich gekehrt. Es blieb uns schließlich nichts anderes, als Atlantis aufzugeben." Sie seufzte.
"Aber ... Colonel Sheppard?" Major Uruhk schüttelte den Kopf. „John, ich meine, der Colonel ist doch auch sehr interessiert an Forschung."
"Colonel Sheppard?" Anne sah fragend auf. „Meinen Sie vielleicht Major Sheppard?"
Die Antikerin starrte sie an, blinzelte dann verwirrt. „Das war sein Rang, als er nach Atlantis ging, ja."
Anne begriff. Sie holte tief Atem. „Sie sind mit ihm zusammen in Ihrer Dimension! Er ist der Teil des Handels, über den Sie gestern nicht sprechen wollten."
Major Uruhk brachte ein zerknirschtes Lächeln zustande. „Nicht ganz, aber zumindest ... naja, ja, wir haben eine Beziehung."
Die Wissenschaftlerin schluckte. „Dann hoffe ich wirklich, daß wir in Ihrer Dimension sind, Major. Denn in meiner ist er schon sehr lange tot."
Die Antikerin starrte sie entsetzt an, dann tat sie etwas eigenartiges. Ihr Blick richtete sich plötzlich nach innen und sie runzelte die Stirn, als müsse sie in sich hineinlauschen. Schließlich schüttelte sie wie benommen den Kopf. „Wann ist er gestorben?"
"Gleich zu Beginn der Unternehmung. Während einer Rettungsmission, die in einem Desaster endete", antwortete Anne so mitfühlend sie konnte.
Major Uruhk atmete einige Male tief ein, nickte dann. „Gut, dann weiß ich es ..." Sie stutzte plötzlich, sah wieder auf. „Und ich?" Sie neigte den Kopf leicht, und in ihren Augen sah die Wissenschaftlerin plötzlich eine ängstliche Frage.
"Von Ihnen weiß ich nichts", antwortete sie.
Der Major nickte wieder, diesmal mit einem scheelen Blick. Dann straffte sie die Schultern und richtete sich auf. „Ihre Welt ist also eine Militärgesellschaft und Wissenschaftler werden gern unterdrückt", faßte sie zusammen. „Aber was hat das jetzt mit mir zu tun? Oder mit Pendergast? Daß er wohl von sich selbst glaubt, der absolute Herrscher zu sein, ist mir gestern schon aufgefallen. Aber, wie gesagt, meine Leute und ich wollen nur bis zum nächsten Planeten mit. Notfalls nehmen wir uns einen Jumper und verschwinden."
Anne richtete sich jetzt ebenfalls wieder auf und schüttelte den Kopf. „Major, ich weiß nicht, wie weit Ihre Probleme auf Ihrer Welt reichen. Aber auf meiner ist man schlicht verzweifelt. Man kann keinen Zwei-Fronten-Krieg führen, und aus diesem Grund wurde Atlantis auch aufgegeben. Die Ori haben die Milchstraße überrannt."
"Das Problem haben wir in meiner Dimension auch", gab die Antikerin zu. Dann trat plötzlich Begreifen in ihre Augen. „Sie meinen ..."
Anne nickte. „Ganz genau. Menschen mit dem Antiker-Gen sind extrem selten auf meiner Erde. Für Pendergast sind Sie ein purer Glücksfall, Major, noch dazu, da Sie eine Militärangehörige sind. Er wird Sie nicht gehen lassen, auf gar keinen Fall. Die Erde braucht Sie, um sich gegen die Ori zu verteidigen."
Major Uruhk starrte sie nur entgeistert an, mit einer eigenartigen Panik in ihren Augen.

TBC ...

17.06.2010

Das Angesicht des Feindes 3/4 III

"Okay, gehen wir durch die Mannschleuse und sehen, ob wir noch etwas retten können." Vashtu sah zweifelnd das riesige Metallgebirge direkt vor sich an. Dann harkte sie ihre P-90 aus und reichte sie an Peter. „Zielen Sie auf einen möglichen Spalt. Nur für alle Fälle. Wir wissen nicht, was uns dadrin erwartet."
Der nahm die Waffe, schaltete gekonnt die kleine Lampe ein, runzelte dann aber die Stirn. „Die Mannschaft?" fragte er irritiert.
Vashtu betrachtete die Schott-Tür, stemmte die Hände in die Hüften. „Ich brauche eine Brechstange. Mit den Fingern komme ich da nicht zwischen." Sie blinzelte und drehte sich um. „Was?"
Peter zuckte mit den Schultern, verzog wieder leicht das Gesicht. Die Waffe hielt er locker im Arm. „Ich meine ja nur. Die Prometheus ist immerhin ein Erdenschiff."
"Ein zerstörtes Erdenschiff bei uns. Wo kommt die hier her?" Sie klopfte mit der flachen Hand gegen die Metalltür. Dann glitt ein Lächeln über ihr Gesicht. „Moment."
Peter beobachtete sie verwirrt, als sie an seine Seite trat und sich reckte, die Arme nach oben ausgestreckt. Dann begriff er, was sie wollte.
Ein überlappendes Stahlteil hing herab, sie konnte es gerade erreichen. Mit einer Kraft, die ein Fremder ihr niemals zugetraut hätte, riß sie das Stück Metall ab, wog es dann nachdenklich in der Hand. „Keine Brechstange, aber immerhin." Sie trat wieder zurück zur Mannschleuse und setzte ihren Hebel an.
Kurz aktivierte sie die Wraith-Zellen in sich, dann versuchte sie sich gegen die Tür zu stemmen, das Metallteil als Hebel benutzend. Mit einem häßlichen, schabenden Geräusch kratzte Metall auf Metall, die breite Stange rutschte ab.
Vashtu fluchte in ihrer Muttersprache, versuchte es erneut.
"Passen Sie bloß auf, daß Sie nichts zerstören. Wir brauchen das Schiff", warnte Peter sie, erntete einen kühlen Blick.
"Haben Sie sich schon einmal den Antrieb angesehen?" erkundigte sie sich dann, startete einen neuen Versuch. Krächzend glitt die Außentür ein kleines Stück weit auf.
"Meinen Sie, wir kriegen den nicht wieder hin? Zumindest soweit, daß wir hier wegkommen?" fragte er.
Vashtu sah wieder zu ihm hinüber, ihr Gesicht wurde kurz ausdruckslos. „Auf den Spalt zielen, Peter!" befahl sie ihm.
Wo war sie hier nur gelandet? Sie hatte nicht die blaßeste Ahnung. Eine andere Dimension? Aber dann müßte es auch hier eine Vashtu Uruhk und einen John Sheppard geben, die miteinander verbunden waren, damit sie dieses Band nutzen konnte. War das möglich?
Sie war sich da nicht so sicher. Und im Moment war sie, ehrlich gesagt, eher daran interessiert, das Geheimnis dieser Prometheus zu lösen als sich Fragen zu stellen, die sie erst recht nicht beantworten konnte.
Wieder setzte sie ihre Aushilfsstange ein und lehnte sich, unter Zuhilfenahme ihrer Fremdgene, dagegen. Die Tür glitt laut protestierend noch ein Stück zur Seite und gab einen schmalen Durchgang frei, gerade breit genug, damit sie beide sich hindurchzwängen konnten.
Vashtu richtete sich wieder auf, die Stange an ihre Schulter gelehnt, und runzelte die Stirn. Dann drehte sie sich um und erstarrte. „Peter!" Ihre Stimme klang vorwurfsvoll. „Unterlassen Sie es bitte, mit meiner Waffe auf mich zu zielen!"
Der junge Wissenschaftler blinzelte einen Moment lang, dann ging ihm sein Fehler wohl auf. Er errötete leicht und senkte den kurzen Lauf. „Entschuldigung."
Sie nickte und reckte den Hals. „Leuchten Sie mal rein", sagte sie dann.
Sofort war er an ihrer Seite und leuchtete mit der kleinen Lampe der P-90 in das finstere Innere des Schiffes. „Die Energie muß komplett ausgefallen sein, auch die ..." Er schnupperte und zog eine Grimasse. „... die Lufterneuerung. Es stinkt!"
Vashtu nahm jetzt auch einen tiefen Atemzug. Die Luft roch tatsächlich verbraucht und war stickig. „Die müssen schon eine Weile durch das All getrudelt sein. Was die wohl runtergeholt hat?" murmelte sie, dann wurde sie auf ein Paar Beine aufmerksam, die nahe an der Mannschleuse auf dem Boden lagen. „Da ist einer!"
Hektisch drängte sie sich an Peter vorbei in das Innere des Schiffes, vergaß dabei jede Vorsicht. Eilig kniete sie sich neben dem Fremden nieder und fühlte nach einem Puls an seinem Hals. „Er lebt." Sie sah auf und nickte ihren Begleiter zu sich.
Peter kletterte mit einiger Mühe durch den engen Spalt, sah sich dann im Schein der Lampe aufmerksam um. „Hier muß irgendwo eine Waffenkammer sein", sagte er dann schließlich.
Vashtu zerrte den Fremden näher an den Ausgang heran, damit er frische Luft atmen konnte, dann richtete sie sich stirnrunzelnd auf. „Kennen Sie die Prometheus?" fragte sie überrascht.
Peter drehte sich zu ihr um, nickte nach einer kleinen Weile zögernd. „Einen Teil der Pläne, ja. Ich habe meinen Ingenieur gemacht, als die Prometheus gebaut wurde."
"Sie haben an diesem Schiff mitgearbeitet?" Vashtus Augen wurden groß.
"Naja, nicht viel", gab er zu. „Eher Kleinigkeiten. Aber die Pläne kenne ich."
Vashtu stutzte. „Sagten Sie nicht gerade, einen Teil der Pläne?"
"Den Teil der Pläne, an dem ich mitgearbeitet habe, kenne ich wie meine Westentasche. Den Rest ... rudimentär."
Die Antikerin nickte, trat an die nächste Schleusentür.
"Da ist ein Griff zum manuellen Öffnen angebracht", erklärte Peter hinter ihr.
Da war tatsächlich einer.
Vashtu blinzelte irritiert.
SG-27 war doch ein Totalausfall gewesen, als sie das Team übernommen hatte. Warum sollte Babbis, der damals als komplett teamunfähig galt, an einem so wichtigen Projekt mitgearbeitet haben? War das bei ihr überhaupt noch Peter Babbis? Oder hatte sie es hier auch mit jemandem zu tun, der aus einer anderen Dimension stammte?
Mit Hilfe des Drehgriffes öffnete sie die Tür zum nächsten Gang, lugte mit langem Hals in die alles umgebende Finsternis hinaus. „Leuchten!" befahl sie dann.
Peter trat sofort an ihre Seite und brachte die Waffe in die richtige Position. „Da sind noch mehr", bemerkte er, als er die am Boden liegenden Körper sah.
Vashtu nickte, nahm ihm jetzt ihre P-90 wieder ab. „Dann suchen wir erst eine Geräte- oder Waffenkammer und sehen dann zu, daß wir ein bißchen Licht in dieses Dunkel bringen. Vielleicht kriegen wir auch die Luftaustauscher wieder online."
"Guter Vorschlag." Peter glitt an ihrer Seite aus der Schleuse heraus. Gemeinsam kontrollierten sie kurz, ob die im Gang Liegenden noch am Leben waren, dann machten sie sich auf den Weg.

***

Peter hustete immer öfter, und auch Vashtu fühlte inzwischen ein Kratzen im Hals, das sie als nicht ganz normal empfand. Andererseits aber blieb ihnen kaum eine andere Wahl. Sie hatten keine Sauerstoffgeräte, und auch keine Zeit, welche zu suchen. Hier standen mehr als genug Leben auf dem Spiel. Und, wenn es nach ihr ging, würde sie nicht eines davon opfern.
Dabei aber fragte sie sich immer mehr, was hier eigentlich gespielt wurde. Auf der Prometheus schien es deutlich mehr Menschen zu geben als zur Besatzung eines Schiffes der Erde gehörte. Dazu kamen jede Menge Kisten und Kästen, die überall herumstanden, allerdings keine aufschlußreiche Kennung trugen.
Mit der manuellen Steuerung öffnete sie das nächste Schott. Laut Peter sollte sich dahinter ein Lagerraum befinden, den sie durchqueren konnten, um endlich an die Kontrollen zu gelangen.
"Was ist das denn?" entfuhr es dem jungen Wissenschaftler zwischen zwei Hustenanfällen, als er als erster durch den Spalt in der Tür leuchtete, um die Lage zu sondieren.
Vashtu runzelte die Stirn, zog das Schott ganz auf und richtete sich dann auf. Dann aber starrte sie mit mindestens ebenso großen Augen auf den Inhalt des Lagerraumes wie ihr Teammitglied.
"Puddlejumper?"
Beide starrten sich verwirrt an, sahen dann wieder in den Raum hinein. Doch an dessen Inhalt hatte sich nichts geändert.
Vashtu tat einen ersten, zögerlichen Schritt und blinzelte. Im Licht ihrer P-90 konnte sie die großen Frontfenster kurz aufleuchten sehen. Allein in vorderer Linie standen vier der kleinen Gleiter ihres Volkes, und es schien mehrere Reihen zu geben.
"Wie kommen die denn auf die Prometheus?" Peter hustete wieder.
Vashtu kam ein Gedanke. Sie packte den Wissenschaftler am Arm und zog ihn zum ersten Jumper, öffnete die Heckluke und betrat das Fluggerät. Sofort sprang das Licht im Inneren an, ein leises, beruhigendes Summen ertönte.
Vashtu tat einen ersten, tiefen Atemzug, hustete wieder und schloß die Luke.
Peter sank auf eine der Bänke und keuchte nur.
"Jumper haben eine eigene Luftaufbereitung", erklärte die Antikerin schließlich, beugte sich vorn über und atmete einfach nur.
Frische Luft! Was für eine Wohltat!
Peter nickte keuchend und pustend. „Das war knapp!" sagte er schließlich mit heiserer Stimme.
Sie nickte, ließ sich ihm gegenüber auf die Bank sinken und lehnte den Hinterkopf an die Metallwand. Japsend und nach Luft schnappend genoß sie die kleine Pause in der Erkundung des Schiffes. Doch ihr war auch klar, lange durfte diese nicht währen. Wenn ihnen die verbrauchte, mit CO-2 angereicherte Luft schon so zusetzte, wollte sie sich gar nicht vorstellen, wie es den Menschen hier ging. Sie durften mit ihrer Reparatur nicht allzu lange zögern.
"Wo hat die Prometheus die Jumper her?" keuchte Peter schließlich.
Vashtu richtete sich wieder auf und runzelte die Stirn. „Keine Ahnung. Meines Wissens war dieses Schiff nie in Atlantis, es war nicht einmal eingeplant, es dorthin zu schicken. Die einzige Verbindung bis jetzt ist die Daedalus. Die Apollo soll sie verstärken."
Peter schluckte. „Dieses neue Schiff, auf dem Ihnen der Posten des Ersten Offiziers angeboten wurde?" fragte er schließlich.
Vashtu nickte, sah sich dann aufmerksam im Ladebereich um. Schließlich erhob sie sich und begann, der Reihe nach, die Ladeluken über ihrer beider Köpfe zu öffnen. Zu ihrem Erstaunen fand sie diese reichlich gefüllt - unter anderem auch mit Sauerstoffmasken. Proviant, Waffen, Ersatzmagazinen, Verbandsmaterial, Werkzeug. Alles vorhanden.
"Was ist hier los?" verlangte sie schließlich von niemand genauem zu wissen.
Peter, der sie beobachtet hatte bei ihrem Tun, nahm ihr eine der tragbaren Masken ab. „Keine Ahnung. Aber allmählich beschleicht mich da ein komisches Gefühl", antwortete er.
Vashtu sah zu ihm hinunter. „Was meinen Sie?"
"Atlantis. Diese ganzen Jumper. Die Kisten, die vielen Menschen an Bord. Sind Ihnen die Uniformen aufgefallen?"
Jetzt, da er es erwähnte ...
Vashtu blinzelte. „Die Prometheus kam von Atlantis!"
"Sieht für mich so aus. Gibt es vielleicht ein paar Gesichter, die Ihnen bekannt vorgekommen sind? Ich meine, diese kleine Asiatin, die wir in dem Zwischengang gefunden haben, bei meinem Besuch dort gesehen zu haben."
"Sie haben recht." Sie stutzte. „Aber ... die Prometheus existiert bei uns nicht mehr. Wie kann sie da von Atlantis kommen und offensichtlich Menschen und Material bef..."
Die Heckluke öffnete sich wieder.
Peter richtete sich auf, Vashtu fuhr herum, um in die Mündungen von zwei P-90 zu blicken. Tief einatmend hob sie die Hände.
"Keine Bewegung!" befahl eine leicht verzerrte Stimme.
"Das haben wir beide nicht vor", entfuhr es der Antikerin mit einem schiefen Grinsen.

***

Die Luke schloß sich wieder, die Frau mit dem blonden Haar nahm sich die Maske ab, nachdem sie ihre Waffe auf die gegenüberliegende Bank gelegt hatte. Kurz fuhr sie sich mit einer Hand durch ihre schulterlange Mähne, strich den Pony zur Seite. Dann richtete sie sich wieder auf und lächelte.
Vashtu, die, die Hände auf den Knien, ihr gegenübersaß und den dunkelhaarigen jungen Mann in der Uniform der Atlantis-Mission kritisch musterte, wandte ihre Aufmerksamkeit jetzt wieder der Fremden zu und hob fragend eine Braue.
"Dr. Anne-Catherine Stross", stellte diese sich vor. „Und das ist Lieutenant David Markham."
Vashtu nickte, wechselte einen kurzen Blick mit Peter. „Major Vashtu Uruhk und Dr. Peter Babbis", erwiderte sie dann.
"Major?" Markham senkte ganz kurz die Waffe, hob sie dann aber wieder an die Wange und fixierte sie genau.
Vashtu nickte auf ihre Schulterstücke. „Müßte eigentlich deutlich zu lesen sein", sagte sie, wandte sich dann wieder an Stross: „Hören Sie, wir wollen Ihnen nichts böses. Wir sind hergekommen, weil ... nun, unser Jumper ist implodiert und wir kommen hier nicht weg. Wir dachten, wir könnten vielleicht helfen, nachdem wir bemerkt haben, daß Sie offensichtlich Schwierigkeiten mit der Energieversorgung haben. Ein Mitglied meines Teams ist schwer verletzt, um genau zu sein, wir sind alle etwas lädiert nach unserem ... Unfall."
"Sie lügen!" Markhams Augen wurden schmal.
Vashtu sah zu ihm hoch. „Warum sollte ich das tun? Sehe ich aus, als wolle ich die Prometheus stehlen? Wir wollten helfen und vielleicht ein kleines Stück als Anhalter mitgenommen werden, mehr nicht", entgegnete sie.
"Und warum reagiert der Puddlejumper auf Sie, Major?" fragte Stross interessiert.
"Warum sollte er nicht? Sie ist eine Antikerin", platzte es aus Peter heraus, wofür er einen Stoß von ihr mit dem Ellenbogen erntete.
Stross starrte sie groß an. „Sie sind eine was?"
Vashtu starrte Peter kurz nieder, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Frau gegenüber. „Peter hat recht. Ich bin eine Lantianerin. Das müßte Ihnen eigentlich etwas sagen, wenn Sie aus Atlantis kommen."
Stross holte tief Atem.
"Das ist doch eine Lüge!" knurrte Markham. „Wer weiß, was man Ihnen gespritzt hat. Es soll ja da einige durchgeknallte Wissenschaftler geben, die an einer künstlichen Gentherapie arbeiten."
Vashtu blinzelte verständnislos. „Hä?"
Peter beugte sich vor. „Durchgeknallt?" fragte er irritiert.
Vashtu schaltete als erste. „Sie kennen nicht zufällig Dr. Carson Beckett, oder?" wandte sie sich an Stross.
Die sah sie immer noch nachdenklich an, schüttelte dann den Kopf. „Es war kurzfristig geplant, ihn mit in die Expedition zu nehmen, aber er entschied sich um. Sein Forschungsauftrag war ihm wohl wichtiger", antwortete sie.
Vashtu nickte, wechselte wieder einen warnenden Blick mit Peter. „Und Elizabeth Weir?" fragte sie dann.
Stross atmete tief ein. „Dr. Weir ist ... Sie ist auf Atlantis geblieben", antwortete sie zögernd. „Sie will ... Wir wollen ... Die Wraith sind zu übermächtig. Atlantis ist aufgegeben worden."
Wieder wechselten Vashtu und Peter einen Blick, blinzelten sich an.
Dann nickte die Antikerin. „Okay, da scheint ja einiges passiert zu sein. Also sind wir entweder ... oder sie ..." Mit dem Kopf wies sie kurz zu ihren beiden Wächtern hinüber.
Peter blinzelte. „Wir sind in einer anderen Dimension!" entfuhr es ihm.
Vashtu schüttelte den Kopf. „Oder sie sind in unserer", entgegnete sie. „Die Frage ist nur, wie weit sind wir von der Erde oder Atlantis entfernt und wie ist die Prometheus hier gelandet." Sie drehte sich wieder um, hob die Hände in einer hilflosen Geste. „Hören Sie, Dr. Stross, wir haben jetzt nicht die Zeit, das alles genau auszudiskutieren. Wir sind in die Prometheus eingedrungen, weil wir helfen wollten. Die Lebenserhaltungssysteme scheinen beschädigt zu sein. Uns läuft ein bißchen die Zeit davon. Wenn Sie uns helfen wollen, dann schließen Sie sich uns an. Ansonsten werden Sie uns wohl erschießen müssen." Damit richtete sie sich auf und trat Markham gegenüber. Sie reckte den Hals, ihr Gesicht wurde starr. „Lieutenant, Sie zielen auf einen vorgesetzten Offizier. Und hiermit gebe ich Ihnen den Befehl, sofort die Waffe zu senken. Haben Sie verstanden?"
"Was bedeutet das mit den Dimensionen?" fragte Stross an ihrer Seite. Auch die blonde Frau hatte sich jetzt aufgerichtet. Und, Vashtu wirbelte zu ihr herum und starrte sie groß an, sie hatte diese Frage in ihrer Muttersprache gestellt.
"Was? Woher können Sie ... ?" Die Antikerin schloß abrupt den Mund und faßte sich wieder. Dann antwortete sie in der gleichen Sprache: „Wir wurden durch ein Supergate geschleudert und landeten hier. Ich weiß nicht, welches Phänomen für Ihr Hiersein verantwortlich ist, Dr. Stross, aber in unserer Dimension existiert die Prometheus schon seit über einem Jahr nicht mehr. Sie wurde von einem, mit den Ori verbündeten Volk, zerstört."
Stross starrte sie groß an, ihr Mund klappte auf.
"Lassen Sie uns jetzt arbeiten oder wollen Sie uns erschießen, Dr. Stross, Lieutenant Markham." Vashtu drehte sich wieder zu dem größeren, jungen Mann um.
Der ließ, unter der Intensität ihres Blickes, langsam die Waffe sinken.
Vashtu nickte, griff sich die Sauerstoffmaske und öffnete die Heckluke, Peter dicht hinter sich wissend.

TBC ...

15.06.2010

Das Angesicht des Feindes 3/4 II

"Der ist hin", kommentierte die Antikerin einige Stunden später trocken, als sie sich mit langem Hals in den Jumper beugte.
Peter, inzwischen notdürftig verarztet, blinzelte, nickte dann aber. Der Jumper hatte keinen Boden mehr, und damit dürften jegliche Raumflüge für die nächsten Jahre wohl ausfallen. Abgesehen davon, daß er im Moment die Nase gestrichen von weiteren Abenteuern im Weltall voll hatte.
"Ich habe aber keine Schuld daran", wagte Wallace hinter ihnen beiden zu bemerken.
Vashtu seufzte unwillig und kniff die Lippen zusammen. „Wir haben ein Problem, Peter. Wir wissen nicht, wo wir sind und Dorn braucht dringend ärztliche Hilfe. Außerdem ..." Sie nickte zu den Resten des Rucksacks hinüber, der auf dem implodierten Boden gestanden hatte. „Sieht es mit Nahrung nicht allzu gut aus, wenn Sie mich fragen."
Peter nickte nachdenklich. „Eine Reparatur kommt nicht in Frage?" fragte er schließlich doch hoffnungsvoll.
Vashtu sandte ihm einen amüsierten Blick. „Haben Sie hier irgendwo ein Puddlejumper-Ersatzteillager entdeckt?"
Er seufzte und zuckte mit den Schultern.
Vashtu lauschte in sich hinein, runzelte die Stirn. Dann tat sie einen zaghaften, ersten Schritt und betrat das Innere des Jumpers. Gleich war sie ungefähr noch einmal einen halben Meter kleiner als ohnehin.
"Passen Sie ja auf! Im Moment sind Sie die einzige Kämpferin, die wir haben", sagte Peter und erntete wieder einen amüsierten Blick von ihr.
Irgendwie gelang es ihr, auf die Reste der Sitze zu klettern und die Ladebuchten über sich zu öffnen. Doch es befand sich nichts als Leere darin. Wieder kniff sie die Lippen aufeinander.
"Tolle Kämpferin", kommentierte sie schließlich und sprang von dem Sitz herunter. „Ich habe eine Beretta und drei Ersatzmagazine. Macht zusammen achtzig Schuß."
"Naja, aber sie können ganz gut schießen", wandte Peter ein.
Sie seufzte, arbeitete sich vor bis zum Durchgang in das Cockpit. Wieder reckte sie den Hals, kam dann zurück. „So wie ich es sehe, ist dieser Jumper in die Ewigen Jagdgründe eingegangen. Es könnte sein, daß er noch ein paar Energiereserven hat, aber wir werden ihn nicht vom Boden wegbekommen." Ächzend zog sie sich wieder hoch und kam auf die Beine, um dann die Rampe hinunterzuspringen. „Wir sollten sehen, ob es auf diesem Planeten nicht irgendwo Leben gibt", schlug sie vor, während sie bereits wieder in das provisorische Lager zurück marschierte, die beiden Wissenschaftler hinter sich wissend. „Oder vielleicht sogar ein Stargate. Je eher wir hier wegkommen, desto eher kann Dorn geholfen werden."
"Und Sie können ... nicht?" wandte Peter ein, sich an ein kleines Geheimnis zwischen ihnen beiden erinnernd.
Vashtu sandte ihm einen langen Blick. „Würde ich ja gern, aber danach werde ich für mindestens einen Tag ebenfalls ausfallen. Möchten Sie in der ersten Linie kämpfen, falls wir angegriffen werden?"
Wallace erschauderte und schüttelte eilig den Kopf.
Peter warf seinem Kollegen einen langen und nachdenklichen Blick zu.
Wallace war der einzige, dem der Sturz in das Gate offensichtlich nichts ausgemacht hatte. Vashtu hatte noch immer mit ihrer Körpertemperatur zu kämpfen und litt unter Schüttelfrostanfällen, und er und Dorn sahen aus, als seien sie einem irren Schlitzer zu nahe gekommen. Wallace dagegen schien nicht einmal einen blauen Flecken abbekommen zu haben. Dabei war es doch üblicherweise er, der zu Unfällen neigte.
Vashtu ließ sich bei dem kleinen Feuer nieder, das sie mit einiger Mühe entzündet hatten, und zog ihre Uniformjacke fest um ihren Körper. Wieder bebte sie leicht, wenn auch lange nicht mehr so schlimm wie nach ihrem Erwachen.
Peter seufzte erleichtert, als er sich wieder niederlassen konnte, sah sie dann aber unverwandt an. „Was war eigentlich mit Ihnen los?" erkundigte er sich nach einer kleinen Weile.
Vashtu blinzelte verständnislos in seine Richtung.
"Sie haben nicht geatmet, als ich Sie gefunden habe. Und ... kein Mensch könnte auch nur eine Millisekunde im All überleben."
Die Antikerin nickte. „Ich habe die Iratus-Zellen bewußt manipuliert. Insekten atmen nicht wie herkömmliche Säugetiere. Ich konnte den Atem also sehr lange anhalten. Allerdings ... Wenn Sie mich nicht geweckt hätten, wäre ich irgendwann sehr wahrscheinlich erstickt."
Peter nickte, noch immer nicht einen Deut schlauer als vorher. Er wußte nicht einmal, ob er ihr glauben konnte.
"Irgendeine Idee?" Vashtu sah aufmerksam von ihm zu Wallace und wieder zurück.
Peter runzelte die Stirn, als ihm etwas einfiel. „Da war doch ..." Er hob den Kopf und starrte in die Richtung, in der der Jumper stand.
Vashtu beugte sich vor. „Da war was?" fragte sie interessiert.
Peter schüttelte unwillig den Kopf und dachte weiter nach. „Ich meine, ich wäre einmal kurz zu mir gekommen und hätte ... etwas gesehen. Ein Schiff?"
Sie blinzelte. „Ein Schiff? Was für ein Schiff?"
Er runzelte die Stirn, begann hektisch an seinem Ohrläppchen zu zupfen. „Weiß nicht genau. Ich war eigentlich bewußtlos. Irgendetwas hat mich kurzfristig aufgeweckt."
Vashtu richtete sich wieder auf und sah zum Himmel hinauf. „Ich schätze, heute wird das nichts mehr bringen. Aber morgen sollten wir nachsehen, ob wir dieses ominöse Schiff nicht vielleicht finden können", schlug sie vor.
Peter sah auf, zuckte dann mit den Schultern. „Autsch!" Er rieb sich das lädierte Gelenk.
Vashtu sah ihn amüsiert an. „Dann suchen wir dieses Schiff. Mal sehen, vielleicht finden wir da tatsächlich etwas und können Kontakt mit der Erde aufnehmen."
Er seufzte.

***

Vashtu sah sich noch einmal stirnrunzelnd im Wrack des Jumpers um, lauschte in sich hinein. Ein letzter, feiner Finger wies darauf hin, daß die AI noch nicht ganz defekt war. Allerdings schien dem Programm auch klar zu sein, daß es ... sterben würde.
Für Menschen mochte das eine merkwürdige Vorstellung sein, ging ihr auf, während sie Schwung holte und nach vorn ins Cockpit sprang, dessen Boden noch intakt war. Für sie ... nun ja, es war ungewohnt, einen Puddlejumper sterben zu fühlen. Und sie fragte sich ...
Ihre P-90 lag hinter einem der Sitze. Sie nahm sie an sich und schüttelte die Scherben ab, ehe sie sich wieder aufrichtete und aufmerksam umsah, im Geist eine Frage formulierend.
Der Jumper antwortete, wenn auch kaum wahrnehmbar.
Vashtu stutzte.
Die AI eines Puddlejumpers ging nie verloren. Sie wurde in den am besten erreichbaren Hauptrechner ihre Volkes transferiert, um dort für das nächste Modell bereitzustehen, das gebaut werden sollte - zumindest vor zehntausend Jahren war das so gewesen. Und dieser Jumper ...
"Es gibt hier irgendwo einen Hauptrechner!" Sie beugte sich vor und atmete einige Male tief ein.
Der Jumper machte sich bereit, er wußte, daß er nicht mehr funktionstüchtig war. Und er hatte etwas gefunden.
Ein leises Sirren zeigte ihr an, daß er versuchte, ein letztes Mal ein Hologramm aufzubauen. Sie blickte wieder hoch, doch mehr als etwas undeutlich verwaschenes konnte sie nicht wahrnehmen. Das Fenster fehlte, worauf er sonst projezieren konnte. Sie schüttelte resignierend den Kopf. Dann fühlte sie die Antwort in ihrem Hirn. Ein winziges Wispern, das sie beinahe überhört hätte.
Vashtu schloß die Augen, konzentrierte sich auf das, was der Jumper ihr mitzuteilen versuchte. Eine Sternenkarte entstand vor ihren geschlossenen Lidern. Ein Mond blinkte. Das war ihr Standort. Und nicht weit entfernt blinkte ein Planet. Sie konnte es nur einen Moment lang wahrnehmen, dann erlosch das Bild, das der Jumper ihr sandte, wieder.
Vashtu richtete sich auf und nickte. „Okay, ich danke dir dafür", sagte sie leise, hob dann die P-90 an die Wange. Sie zielte auf eine bestimmte Einrichtung und drückte ab. Eine kurze Salve ratterte in die Verkleidung hinein. Und augenblicklich fühlte sie, wie auch dieser letzte tastende Finger in ihrem Inneren erlosch.
Vashtu schluckte, senkte die Waffe wieder und drehte sich um, um den Jumper zu verlassen.
"Was ist los?" Wallace, außer Atem und mit blassem Gesicht, tauchte an der Heckluke auf und starrte sie groß an.
Vashtu fühlte sich im Moment wirklich, als hätte sie einen guten Bekannten erschossen. Doch sie streifte dieses Gefühl ab, zwang sich dazu, und sprang wieder in den Laderaum hinein. „Ich habe meine Waffe gefunden und kontrolliert, ob sie noch funktioniert", antwortete sie, kletterte wieder auf die Rampe und marschierte zu ihrem kleinen Lager zurück, die P-90 in ihre Überlebensweste einharkend.
"Sie funktioniert. Aber ... wenn wir hier im feindlichen Gebiet sind ..." Wallace kam hinter ihr her. Seine Stimme bebte leicht.
Vashtu schüttelte unwillig den Kopf. „Wenn wir hier irgendetwas zu erwarten hätten, wäre es sehr wahrscheinlich schon hier. Wir sollten sehen, ob wir dieses Schiff finden, daß Peter gesehen zu haben glaubt. Vielleicht haben wir bereits ein Ziel. Wir müssen nur von diesem Mond herunter."
"Mond?"
Peter Babbis blickte auf, als sie sich am Feuer niederließ und die Jacke wieder um ihre Schultern zog. „Wir sind auf einem Mond?" wiederholte er die Frage seines Kollegen.
Vashtu blickte zum Himmel auf, der sich allmählich rötlich färbte in der beginnenden Morgendämmerung. Dann nickte sie ernst. „Der Jumper konnte mir das noch mitteilen", erklärte sie ausweichend. „Wie geht es Dorn?"
Peter zog eine Grimasse. „Nicht gut. Er hat Fieber."
Sie nickte wieder und begann, die Taschen ihrer Weste zu untersuchen, zauberte schließlich zwei Energieriegel hervor. „Alles, was ich dabei habe", murmelte sie, legte die beiden vor sich auf den Boden. „Wer hat noch Hunger?"
Die beiden Wissenschaftler sahen sie groß an.
Vashtu mußte jetzt doch schmunzeln. Sie zog ihr Messer aus der Scheide und teilte die Riegel in der Mitte. „Eine Hälfte bleibt für Dorn, sollte er wieder zu sich kommen", entschied sie, nahm sich ein Stück und befreite es aus seiner Umhüllung. Mit wenig Enthusiasmus biß sie ein kleines Stück ab und begann zu kauen.
Peter griff sich die andere Hälfte des Riegels und knabberte daran. Der letzte, der zugriff, war Wallace, wenn auch zögernd. „Diese Dinger bestehen nur aus Chemie", bemerkte er dabei.
"Das schmeckt man." Vashtu sah auf. „Und ich habe oft genug gesagt, daß Sie beide die Westen auch tragen sollten." Ihr Blick glitt zu Dorn hinüber.
Der hatte zwar auch eine Überlebensweste getragen, sie jedoch im Jumper ausgezogen und auf eine der Bänke gelegt. Sie war, wie auch der Rucksack, verbrannt. Damit war alles, was sie hatten an Ausrüstung retten können, ihr multifunktionales Kleidungsstück. Und dessen Tascheninhalte waren inzwischen reichlich zusammengeschrumpft.
"Wenn wir fertig sind, sollten wir nach diesem Schiff suchen. Peter, können Sie laufen?"
"Wenn es sein muß", antwortete der.
Sie nickte, sah zu Wallace auf. „Dann bleiben Sie hier und achten auf Dorn. Und seien Sie, bitte, sehr vorsichtig mit ihm."
Wallace nickte, kaute langsam an dem klebrigen Riegel.

***

"Der Energiedetektor zeigt zumindest nichts an", sagte Peter, als er hinter ihr herhumpelte.
Sie nickte nur, setzte sich ihre Sonnenbrille, die wie durch ein Wunder heil geblieben war bei ihrem Sturz durch das Wurmloch, auf die Nase. Die Sonne blendete sie und stand noch recht niedrig am Himmel. Die drei Planetoiden, die während der Dämmerung kurz zu sehen gewesen waren, verblaßten allmählich wieder. Es mußten andere Monde, oder vielleicht sogar wenigstens ein naher Planet sein. Der, den der Jumper ihr gezeigt hatte?
Sie hoffte es.
"Ich weiß", antwortete sie endlich. „Ich habe es heute morgen schon einmal versucht. Aber lassen Sie ihn an, für alle Fälle." Stirnrunzelnd sah sie sich kurz um. „Sind Sie sicher, daß wir in die richtige Richtung gehen?"
Peter kniff kurz die Lippen aufeinander. „Sicher nicht, aber so sicher, wie ich nur sein kann", antwortete er. „Ich sah einen Schatten, der über uns hinweg...flog. Dann war es mir, als bebe die Erde unter mir."
Vashtu schürzte die Lippen und mißbrauchte ihre Waffe als Armstütze. „Dann bleibt uns nichts anderes übrig als das beste zu hoffen." Sie marschierte weiter.
Peter folgte ihr auf dem Fuß.
Wenn sie die AI richtig verstanden hatte, hatten sie vielleicht eine Chance, wenn sie auf diesen anderen Planeten kamen. Das allerdings war das größte Problem. Auf diesem Mond schien es rein gar nichts zu geben, erst recht kein Stargate. Wie auch immer das zu erklären war, aber es war so.
Vashtu legte sich allerdings schon eine andere Erklärung zurecht. Sie war sich nicht sicher, ob Super- und Stargates überhaupt kompatibel waren. Wenn ja, konnte es sich nur um ein Phänomen handeln, daß mit den Energieschwankungen zwischen beiden erklärbar war. Ein Supergate benötigte wesentlich mehr davon als ein Sternentor. Wahrscheinlich hatten sie schlicht zuviel Kraft für das Stargate gehabt, als sie durch das andere stürzten. Und ... ihr fiel ein, daß sie nicht durch den großen Ereignishorizont gefallen waren. Nein, ein kleines Stück hatte sich abgespalten und sie und den Jumper verschluckt. Ein winziges Wurmloch gegen das riesige des Supergates. Gut möglich, daß sie nicht nur in eine andere Galaxie, sondern auch durch die Dimensionen gefallen waren. Dann konnten sie wirklich überall sein.
Aber da war noch etwas anderes, was ihr Sorge bereitete.
Das Band zu Colonel John Sheppard. Wenn sie in eine andere Dimension gestürzt wären, dürfte sie es eigentlich nicht mehr wahrnehmen. Doch nagte da etwas in ihrem Inneren, sehr schwach, sehr viel schwächer als auf der Erde, aber es war da.
Was hatte das zu bedeuten?
Vashtu blieb plötzlich stehen und blinzelte gegen das Licht.
Vor ihr erhob sich ein sanft ansteigender Hang. Und wenn sie nicht ganz geblendet war, stimmte etwas mit seiner Kuppe nicht.
"Peter?"
Stöhnend humpelte der näher zu ihr. „Ich empfange etwas", sagte er plötzlich.
Vashtu fuhr zu ihm herum und beugte sich über seinen Detektor. Dann holte sie tief Atem.
"Lebenszeichen!"
Sie hob den Kopf und sah ihn an, er erwiderte ihren Blick. Ein unsicheres Lächeln erschien auf seinen Lippen.
"Weiter!" Sie drehte sich wieder um und begann, den Hang hinaufzumarschieren. Eine weitere Kältewelle ließ sie kurz erschaudern und die Jacke fester um sich ziehen.
In ihrer Zeit hatte sie das, was sie getan hatte, nie versucht, und jetzt war ihr auch klar warum. Allmählich ließen die Anfälle zwar nach, aber ihr war immer noch kalt. Und das lag eindeutig nicht an den doch recht angenehmenen Temperaturen auf diesem Mond. Die Kälte kam aus ihrem Inneren.
"Warten Sie doch!" ächzte Peter hinter ihr.
Ungeduldig blieb sie auf halber Höhe stehen und drehte sich wieder zu ihm um.
Peter Babbis humpelte inzwischen wieder stärker. Im stillen beschloß sie, ihn so bald wie möglich genau durchzuchecken. Er mußte sich bei dem Sturz doch mehr getan haben als er zugab und offensichtlich war.
Keuchend schloß er endlich zu ihr auf. „Die Anzeigen werden deutlicher." Er hielt ihr den Detektor hin.
Vashtu nickte, sah wieder den Hang hinauf. „Ich wette, wir finden etwas, wenn wir dieses Hügelchen hinter uns haben", sagte sie, ging jetzt an seiner Seite weiter.
Und weit hatten sie es wirklich nicht mehr. Ein paar Dutzend Schritte später konnten sie deutlich die ersten Anzeichen dafür sehen, das hier tatsächlich etwas gewesen war. Irgendetwas hatte die Kuppe des Hangs gestreift und eine breite und tiefe Furche in die Erde gerissen.
"Ihr Schiff?" Vashtu fühlte, wie Ungeduld sie übermannen wollte. Auf der anderen Seite wollte sie aber auch Peter nicht zurücklassen. Immerhin wußte keiner von ihnen, was sie erwarten würde, wenn sie fanden, was auch immer sie finden würden.
"Möglich", gab der junge Wissenschaftler zu. „Sieht auf jeden Fall nicht natürlich aus."
Sie nickte, marschierte an seiner Seite weiter, ihn besorgt musternd.
"Es geht mir gut", brauste er nach einer kleinen Weile auf.
Vashtu runzelte die Stirn. „Sie humpeln stärker, Peter", entgegnete sie.
"Und Sie frieren wieder." Er warf ihr einen unterkühlten Blick zu. „Es tut ein bißchen weh. Ich muß mir wohl den Fuß verrenkt haben irgendwann in diesem ganzen Chaos."
Sie nickte, die Lippen wieder nachdenklich schürzend. „So kenne ich Sie gar nicht. Normalerweise jammern Sie doch jedem, der in Ihrer Nähe ist, die Ohren zu, wenn Sie sich irgendwo verletzt haben."
"Das ist etwas anderes", knirschte er unwillig.
Vashtu schmunzelte. „Na, dann werde ich mich wohl auf einiges gefaßt machen müssen, wenn wir wieder im SGC sind, was?"
Peter schnaubte nur unwillig, die Augen wie festgeklebt an dem Detektor.
Vashtu konzentrierte sich wieder auf ihren Weg, dann aber blieb sie wie angewurzelt stehen, als sie endlich die Kuppe erreicht hatten. Ihre Augen wurden groß. „Das gibt's doch nicht!" entfuhr es ihr.
Peter blickte unwillig von seinen Anzeigen auf, dann blinzelte er und reckte den Hals nach vorn. „Das ist ... die Prometheus!" keuchte er, ihm blieb der Mund offen stehen.
Vashtu beugte sich vor, stützte die Hände an ihren Oberschenkeln ab und starrte einfach nur auf das Schiff, das sich tief in den Mutterboden des Mondes gegraben hatte bei seinem Absturz.
Dunkle Schatten waren auf die metallene Verkleidung gemalt, letzte Qualmwolken zeugten von den Bränden, die es offensichtlich an Bord gegeben hatte. Am schlimmsten, zumindest von ihrem Standpunkt aus, schien es den hinteren Antrieb getroffen zu haben, der nur noch zur Hälfte vorhanden war.
"Aber ... die Prometheus existiert nicht mehr!" Peters Stimme klang nun vollkommen verwirrt.
Vashtu nickte stumm. Dieses Schiff war kurz nach ihrer Ankunft auf der Erde zerstört worden. Wo also kam diese Prometheus her?

TBC ...

13.06.2010

2.01 Das Angesicht des Feindes 3/4

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (Stargate: Vineta)
Genre: action, adventure, humor
Rating: PG
Author's Note: Damit dann an dieser Stelle mein herzlichstes Willkommen! SG-27 ist Geschichte, jetzt stellen wir die Uhren nochmal zurück auf Null und fangen am Anfang an. Sprich, eine neue Stadt, eine neue Galaxie, ein neues Team werden von jetzt an eine Rolle spielen, und damit treten auch neue Figuren in Erscheinung. Aber erst noch einmal zurück zu dem Höhepunkt der letzten Story.


Vashtu Uruhk zündete die beiden Missiles kurz nacheinander, drückte dann die Steuerung für den Schleudersitz und brachte diesen damit online. Tief atmete sie ein, gab noch mehr Schub.
Ihre Triebwerke stotterten, ein Ächzen ging durch die F-302.
"Komm schon, Kleines, komm schon", wisperte sie, hielt den Blick fest auf das Verbindungsglied des Supergates gerichtet. Noch immer hagelte es Energieblitze um sie her, doch die Zielsicherheit des Priors schien in der Nähe eines Schiffes seiner „Götter" deutlich nachzulassen.
Vashtu spannte die Kiefer an und machte sich bereit.
Hoffentlich würden die Missiles ausreichen, etwas anderes blieb ihr nicht mehr. Sie hatte keine Zeit, den Schutzschild des Supergates anders außer Gefecht zu setzen.
Die Missiles schlugen ein, genau an der Stelle, die sie haben wollte. Der Schild begann aufzuleuchten.
Vashtu atmete tief ein, holte das letzte aus dem Jäger, was sie kriegen konnte. Aus den Augenwinkeln sah sie kurz den Jumper mit dem Rest ihres Teams an ihrer Seite, ehe sie ihn hinter sich ließ. Ihr Finger schwebte über dem Knopf, der den Schleudersitz auslösen würde.
Das Verbindungsglied wuchs immer weiter vor ihr an.
War dieses Tor gewaltig! Ob es überhaupt ...
Die Antikerin zwang sich zur Ordnung, konzentrierte sich auf ihre Fremdgene und aktivierte die Iratus-Zellen in ihrem Inneren. Augenblicklich blieb ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg.
Vashtu japste, dann drückte sie den Auslöser und fühlte, wie sie, ungebremst, in die kalte Schwärze gerissen wurde, die um sie herum herrschte. Ihr Körper versteifte sich unwillkürlich.
Das tat eindeutig weh. Und es tat sogar ganz entschieden weh!
Ächzend löste sie die Gurte, da fühlte sie bereits den Sog.
Ihre Augen weiteten sich.
Das Supergate explodierte, soweit ihr Plan. Aber ...
Ein kleiner Rest des Wurmlochs peitschte ihr entgegen, verschlang sie und riß sie mit. Die Gewalt, mit der sie herumgeschleudert wurde, war zu groß für sie. Vielleicht eine halbe Sekunde konnte sie den gewaltigen Druck aushalten, dann versank sie in einer anderen Schwärze - der der Bewußtlosigkeit.

***

Das erste, was Dr. Peter Babbis wahrnahm, war ein gewaltiger Schatten, der über ihn hinwegsegelte, dann versank er wieder in einer kurzen Ohnmacht. Etwas vibrierte, auch das nahm er wahr, doch er wußte nicht genau, ob es der Untergrund oder der Gleiter war, in dem er saß.
Wieder kippte er weg, sein Bewußtsein löste sich auf. Die angenehme Dunkelheit ließ ihn auch die Schmerzen vergessen, die ihn kurz gepeinigt hatten.
Dann wurde er plötzlich sehr entschlossen geschüttelt. „Peter! Wach auf, Peter!" rief ihm eine Stimme zu.
Er ächzte, unkoordiniert versuchte er sich loszumachen. Seine Lider flatterten. Wieder setzten die Schmerzen ein. Undeutlich tauchte ein Gesicht über ihm auf.
"Wach auf!" wiederholte die Stimme.
Peter stöhnte unwillig, doch allmählich kehrte sein Bewußtsein zurück. Verwirrt blinzelte er, sog dann scharf Luft in seine Lungen und biß die Kiefer fest aufeinander. „James, laß mich los! Du tust mir weh!" preßte er zwischen den Zähnen hervor.
"Bist du jetzt wach?"
Er holte einige Male tief Atem und schluckte dann. „Was ... was ist passiert?" fragte er schließlich.
"Wir sind in das Supergate gestürzt", antwortete der andere.
Peter kniff die Augen zusammen und senkte den Kopf.
"Nicht wieder ohnmächtig werden. Bitte, ich brauche dich hier. Hallo?"
Ächzend hob er den Kopf wieder und blinzelte. „Laß mich endlich los, James", preßte er dann irgendwie hervor und bewegte unwillig die Schultern. Ein stechender Schmerz zuckte durch eines der Gelenke. Er sank in den Sitz zurück und rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht. „Scheiße!" fluchte er, beugte sich dann vor und verkrampfte sich kurz.
"Geht es wieder? Du blutest." Dr. James Wallace beugte sich erneut über ihn.
Peter nickte, blinzelte wieder. „Wo ist meine Brille?" fragte er schließlich und tastete über die Taschen seiner Jacke.
"Warte ..." Wallace ließ ihn endlich los und verschwand aus seinem näheren Umfeld.
Peter holte wieder einige Male tief Luft, richtete sich blinzelnd auf und sah zum Frontfenster hinauf - oder besser dahin, wo einmal eine Frontscheibe gewesen war. Seine Augen weiteten sich entgeistert, dann sah er auf seine Hände hinunter. Sie waren blutverschmiert. Wieder sah er auf und starrte das große, rechteckige Nichts an, das sich vor ihm befand.
"Was ... ?"
"Hier. Ich hatte sie hinten im ... heißt das Passagierraum?, gesehen." Wallace reichte ihm eine reichlich verbogene Brille aus einem Drahtgestell. Zum Glück waren die Kunststoffgläser heil geblieben, wie er erleichtert feststellte.
Als er sie sich auf die Nase setzte, klappte ein Bügel weit nach vorn. Die Brille saß schief.
Peter nahm sie wieder ab und begann, an dem Gestell herumzudrücken. Vorsichtig, damit sie nicht ganz kaputtging. Als er einen erneuten Versuch startete, sie sich aufzusetzen, paßte sie zumindest halbwegs.
"Kontrolliert Dorn die Umgebung?" fragte er, sah wieder auf und musterte das, was sich vor dem abgestürzten Jumper befand.
Wallace antwortete nicht.
Peter runzelte die Stirn und drehte sich um. Doch weit kam er nicht.
Der alternde Marine lag halb auf dem Copilotensitz, Arme und Beine ausgestreckt, die Augen geschlossen. Überall an seinem Körper waren blutige Schnitte. Doch der schlimmste ...
"Scheiße!" Peter sprang auf, so schnell er konnte. Beinahe wäre er gestürzt, als ein plötzlicher Schwindelanfall ihn heimsuchte.
"Gib mir deinen Gürtel, schnell!" wies er seinen Kollegen an, schlüpfte so schnell es ging aus seiner Armeejacke und drückte sie auf die Wunde am linken Knie des Marines.
"Ich dachte, er ist tot. Er ist so blaß", wandte Wallace ein.
Peter beugte sich über Dorn und fühlte dessen Puls. „Er lebt. Aber wir müssen das Bein abbinden, ehe er verbluten kann. Wir brauchen deinen Gürtel, James. Na los!"
"Warum nimmst du nicht deinen?"
Peter sah unwillig auf. „Trage ich einen? Wir haben keine Zeit. Jetzt mach schon, sonst verblutet er."
Wallace starrte ihn einen Moment lang an, dann löste er endlich die Schnalle und zog seinen Ledergürtel aus den Schlaufen seiner Hose.
Peter nahm ihn ungeduldig entgegen und schnürte ihn, so fest er konnte, um den Oberschenkel, kurz über dem Knie, des bewußtlosen Marine.
"Es muß hier irgendein Notfallset geben", sagte er ungeduldig. „Unsere Wunden müssen versorgt werden. Sieh hinten nach."
Wallace zögerte einen Moment, dann nickte er und verschwand im hinteren Teil des Jumpers.
Peter hob vorsichtig seine zusammengeknüllte Jacke von der tiefen Wunde und atmete auf. Der Blutfluß wurde deutlich weniger.
Keuchend beugte er sich kurz vorn über, richtete sich dann langsam wieder auf.
Er wollte im Moment gar nicht in einen Spiegel sehen. Als die Frontscheibe zerbrochen war, hatten Dorn und er offensichtlich den Hauptteil des Materials abbekommen. Ihm reichte es im Moment, daß er nichts als Schmerzen fühlte.
Hilflos blickte er wieder nach draußen.
Eine Steppe mit gelbem, vertrockneten Gras, Wallace könnte die einzelnen Sorten sehr wahrscheinlich benennen, in der Ferne eine Hügelgruppe, die sich sanft in den wolkenverhangenen Himmel wölbte. Ansonsten ... nichts!
Wo waren sie? In der Galaxie der Ori? Immerhin waren sie durch das Wurmloch eines Supergates gerissen worden. Es war sogar sehr wahrscheinlich, daß sie irgendwo hinter der Front gelandet waren.
Peter atmete wieder tief ein, dann stutzte er, richtete sich auf.
Was war das? Irrte er sich, oder konnte er ein leises an- und abschwellendes Summen wahrnehmen?
Verständnislos zwinkerte er, betrachtete die Kontrollen, doch er konnte nichts wahrnehmen.
Dann aber ... Da waren sie wieder! Diese kleinen, bohrenden Finger in seinem Hirn. Der Jumper, die AI des Jumpers, existierte also noch. Und diese Finger ...
"Wir müssen hier heraus!"
Peter wirbelte herum und packte Dorn unter den Achseln. Doch der Marine war für ihn allein zu schwer.
"James!" rief er leicht panisch nach hinten.
Irgendetwas stimmte nicht. Eine kleine, sehr behaarliche Stimme flüsterte ihm zu, sie alle sollten so schnell wie möglich den Gleiter verlassen, ehe ... etwas geschehen konnte.
Wallace kam wieder nach vorn. „Was ist?" fragte er.
"Hilf mir. Na los! Wir müssen hier heraus, und zwar schnell!"
"Was? Aber ... wieso?"
"Frag jetzt nicht, hilf mir einfach!" Peter beugte sich wieder über den Sergeanten und versuchte ihn hochzustemmen.
Verdammt, war der schwer!
Doch mit Wallaces Hilfe gelang es ihm endlich, Dorn aus dem Sitz zu ziehen und nach hinten zu schleifen. Die Schnitte und Prellungen, die er sich zugezogen hatte, peinigten ihn, doch er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Trotzdem bemerkte er, daß er ziemlich humpelte.
Er ließ seine Faust auf die Stelle hämmern, die auch Vashtu gebraucht hatte, als sie, nach ihrer Flucht vor dem Prior, die Heckluke schloß. Und tatsächlich glitt diese jetzt nach unten und wurde zur Rampe.
"Schnell!" Peter humpelte, so schnell er konnte, aus dem Jumper heraus und noch ein gutes Stück weiter, bis er schlicht nicht mehr konnte, weil jetzt auch seine letzten Reserven versagen wollten. Ächzend ließ er den bewußtlosen Dorn zu Boden gleiten, plumpste recht unsanft neben ihm auf seinen Allerwertesten und keuchte einfach nur vor Anstrengung.
"Geht es wieder?" erkundigte Wallace sich, jetzt offensichtlich doch besorgt.
Peter nickte, zog die Beine an, legte seine Arme auf die Knie und stützte seine Stirn darauf. „Wird schon", murmelte er, obgleich er sich im Moment nicht so wirklich sicher war.
Raschelnde Schritte entfernten sich.
Peter hielt die Augen weiter geschlossen, ließ sich schließlich nach hinten sinken und streckte die Arme weit aus, während er in den Himmel starrte.
Wo waren sie? Wie waren sie hierher gelangt? Wie kam es ... ?
Okay, Supergates schienen nicht ganz den Gesetzen der Wurmlochphysik unterworfen zu sein, rief er sich selbst ins Gedächnis. Immerhin war es schon mindestens einmal passiert, daß jemand aus der Milchstraße plötzlich in der weit entfernten Galaxie der Ori wieder aufgetaucht war. Und da hatte es einen ... ähnlichen Unfall wie den ihren gegeben.
Peter schnürte sich unwillkürlich die Kehle zu, als er sich an die letzten Augenblicke vor dem Sturz durch das Tor erinnerte.
Vashtu hatte ihren Jäger in eines der Verbindungsglieder gejagt! Er hatte mitangesehen, wie sie erst ihre beiden Raketen vorgeschickt hatte, ehe sie selbst hinterherraste. Das hatte selbst die Antikerin nicht überleben können!
Er stöhnte leise auf, rieb sich mit einer Hand über die schmerzende Stirn.
Was sollten sie jetzt tun? Sie konnten unmöglich das SGC anfunken, so weit reichten keine Funkstrahlen. Und selbst wenn, würde es sehr wahrscheinlich Jahrmillionen dauern, bis ihre Anfrage überhaupt auf der Erde eingetroffen war. Bis dahin würde es sehr wahrscheinlich schon keine Erde mehr geben, geschweige den ein SGC.
Mühsam rappelte er sich wieder auf, verzog vor Schmerz das Gesicht und stöhnte leise.
Irgendetwas mußte ihnen einfallen, sonst würden sie sehr wahrscheinlich sehr schnell sehr tot sein, umgeben von Feinden, wie sie sein mußten. Er mußte etwas tun, immerhin fühlte er sich als eine Art Stellvertreter seiner Leaderin.
Ächzend kam er wieder auf die Beine und sah sich erneut um.
Steppe so weit das Auge reichte. Abgesehen von dem Jumper und der verkrümmt daliegenden Gestalt ein Stück weit ... Verkrümmt daliegende Gestalt?
Peter fuhr herum und glotzte einen Moment einfach nur. Das war doch ...
Entschlossen humpelte er los, auf die Gestalt zu, die ein kleines Stück vom Jumper entfernt auf dem Boden lag. Und je näher er kam, desto sicherer wurde er. Es WAR Vashtu Uruhk!
So schnell er konnte eilte er zu ihr, ließ sich dann vor ihr auf den Boden sinken und rollte sie auf den Rücken.
Die Antikerin hatte die Augen geschlossen. Ihr Gesicht wirkte unnatürlich bleich und sie ... atmete nicht!
Fahrig tastete er nach einem Puls, und fand merkwürdigerweise auch einen. Sogar einen sehr kräftigen an ihrem Hals. Allerdings fühlte ihre Haut sich eigenartig hart an. Aber wieso ... ?
"Nicht schon wieder!" stöhnte er auf, packte sie bei den Schultern und schüttelte sie entschlossen. „Vashtu, wachen Sie auf! Hören Sie? Wachen Sie auf!"
Einen Moment lang pendelte ihr Kopf haltlos herum, dann entrang sich ihrer Kehle ein Ächzen und Stöhnen.
Sie lebte noch!
Peter atmete unwillkürlich auf, doch ihm ging auf, daß sie noch immer nicht atmete. Was war los?
"Vashtu, hören Sie mich? Hallo, ich bin es, Peter Babbis! Ich brauche Ihren Grips."
Ihre Lider flatterten unwillig, dann blinzelte sie. Und ihre Augen ...
Peter wich unwillkürlich zurück und ließ sie los. Wie eine Puppe sank sie zusammen. Ihre Pupillen waren riesengroß und vertikal geschlitzt. Sie hatte ihre Fremdgene eingesetzt, und diese waren immer noch aktiv.
Einen Moment lang sah sie ihn benommen an, mit diesen unmenschlichen Augen, die bar jeder Emotion waren. Dann blinzelte sie. Ein erster, tiefer Atemzug wölbte ihre Brust und ließ sie fast wieder nach hinten kippen. Dann begann sie zu husten und zu röcheln.
Peter atmete erleichtert auf, als er einen erneuten Blick in ihre Augen wagte. Zumindest war sie wieder menschlich.
Er beugte sich über sie und stützte sie, so gut es ihm möglich war.
"Was ... was ist passiert?" keuchte sie schließlich.
"Wir sind durch das Supergate gestürzt. Im letzten Moment wurden wir in einen, sich abspaltenden Teil des Wurmlochs gezogen", antwortete er.
Plötzlich begann sie unkontrolliert zu zittern. Sie krümmte sich zusammen, kreuzte die Arme vor der Brust. „Scheiße! Ist das kalt!" entfuhr es ihr.
"James!" Peter drehte sich um und suchte seinen Kollegen.
Ein Kopf erschien in der Öffnung des lädierten Jumpers. „Vashtus Jacke, schnell!" rief Babbis ihm zu, packte die Antikerin dann wieder und zog sie an sich. Sein Herz tat sofort einen Hüpfer, die Stellen seines Körpers prickelten, wo sie ihn berührte.
Oh Mann, nicht jetzt!
"Ganz ruhig. Sie haben einen Schock", versuchte er sie zu besänftigen, erntete einen spöttischen Blick.
"Ich habe keinen Schock", entgegnete sie mit klappernden Zähnen. „Ich hing für ein paar Sekunden im Weltraum." Sie ächzte wieder, drängte sich an ihn, um sich wärmen zu lassen.
"Oh!" Peters Augen wurden groß. Dann fiel ihm der kurze Wortwechsel zwischen ihnen ein, bevor sie aus dem Jumper gebeamt worden war.
"Haben Sie vielleicht eine Ahnung, wo wir sein könnten, Vashtu?" erkundigte er sich nach einer kleinen Weile.
Sie schüttelte den Kopf, der an seiner Schulter lag. „Ich weiß nur noch, wie das Wurmloch mich eingesaugt hat", antwortete sie.
Peter runzelte unwillig die Stirn. „Dann kann es sein, daß wir in der Ori-Galaxie gelandet sind", beantwortete er sich selbst seine Frage.
"Oder sonstwo. Je nachdem, wie weit die Energie des Gates noch reichte", fügte sie hinzu. Noch immer bebte sie am ganzen Körper.
Peter kniff die Lippen fest aufeinander und sah wieder zu dem bewölkten Himmel hinauf.
Und in diesem Moment erfolgte eine gewaltige Detonation hinter ihm.
Vashtu kämpfte sich wieder von ihm frei und sah in die Richtung, aus der der Lärm gekommen war. Auch er drehte sich um.
Wallace stand, auf halbem Weg zu ihnen, in verkrampfter Haltung da, die Augen weit aufgerissen. Und hinter ihm stieg eine dicke Qualmwolke vom Jumper auf.
"Wallace!" stöhnte die Antikerin resignierend und ließ sich wieder zu Boden fallen.

TBC ...

06.06.2010

Das Angesicht des Feindes 2/4 IV

Caldwell beobachtete, was außerhalb seines Schiffes, nahe am aktivierten Supergate geschah. Die F-302 mit der Antikerin am Steuer raste wieder in das All hinaus. Aber ihr merkwürdiger Plan schien Erfolg gehabt zu haben. Der Jumper sah nicht mehr so aus, als würde er jeden Moment in den Ereignishorizont stürzen.
Die Energiestrahlen vom Planeten folgten ihr, den Gleiter dagegen ließ, was auch immer da schoß, im Moment unbehelligt.
Durch Caldwells Körper ging ein Ruck. „3-0-2-Staffeln ausrücken!" befahl er knapp, drehte sich wieder um und marschierte zu seinem Kommandosessel zurück. Dort aktivierte er die interne Sprechanlage. „Alles auf Gefechtsstation. Wir fliegen zum Supergate und versuchen es zu zerstören. Hermiod, wir brauchen den Transporter, und zwar dringend!"
Dann setzte er sich und hob nachdenklich eine Hand an die Wange.
Hoffentlich hatte er nicht zu lange gezögert ...

***

Vashtu raste mit atemberaubenden Tempo auf den Planeten zu, zog wieder das Feuer auf sich.
Dieser bleiche Mistkerl! Wenn sie ihn zu packen kriegte, würde sie ihn langsam erwürgen, schwor sie sich. Alles andere wäre ein zu leichter Tod für ihn.
Die Energiestrahlen wurden immer dichter. Allmählich schien er sich einzuschießen.
Sie zog die F-302 wieder hoch und flog eine weite Kurve in das All. Vor ihr tauchte, gewaltig und riesengroß, das Ori-Schiff auf, das inzwischen gut zur Hälfte aus dem Supergate aufgetaucht war. Im vorderen Ring gleißte dieses geisterhafte Licht.
Vashtu nagte nachdenklich an ihrer Unterlippe, wich weiter den Energiestrahlen aus.
Bisher hatte noch niemand wirklich herausfinden können, was dieses Leuchten zu bedeuten hatte. Es hieß nur, daß die Schiffe der Ori intelligent seien und ...
Sie schürzte die Lippen.
Warum eigentlich nicht? Mehr als in Einzelteile zerlegt werden konnte sie schließlich nicht. Und vielleicht gelang es ihr auf diese Weise, zwei Gegner mit einer Klappe zu schlagen.
Entschlossen änderte sie den Kurs und hielt jetzt genau auf das Schiff zu.

***

"Was tut sie da?"
Caldwell blickte wieder auf. „Was?"
"Der Major ... Sie ..."
Der Colonel erhob sich, trat wieder hinter den jungen Mann, der vor dem Bildschirm saß. Dann weiteten sich seine Augen entgeistert.
"Sie will das Ori-Schiff angreifen!"

***

Sie klappte den Blendschutz des Helmes herunter, als das Gleißen zu hell für ihre Augen wurde, hielt weiter auf das gewaltige Schiff zu.
Wollte sie doch mal sehen, was die Ori von einem Besuch einer entfernten Verwandten hielten ...
Noch immer lag sie unter Beschuß, und auch das gewaltige Schiff hatte schon einige, wenn auch unerhebliche Treffer zu verzeichnen. Offensichtlich störte es den Prior nicht im mindesten, daß er gerade dabei war, sein eigenes Schiff anzugreifen.
Sie grinste, senkte den Jäger weiter ab und streifte das helle Gleißen, das den Antrieb des Schiffes darstellen sollte.
Unwillkürlich verzog sich ihr Gesicht vor Schmerz. Stimmen hallten in ihrem Kopf nach.
Autsch! Das tat wirklich weh. Kein Wunder, daß das noch keiner versucht hatte.
Leicht benommen schüttelte sie den Kopf, klappte dann den Blendschutz wieder hoch und stieß pfeifend den Atem aus.
Da kamen kleine, leuchtende Punkte auf sie zugeflogen.
Vashtu seufzte.
Na endlich schickte Caldwell Verstärkung! Wurde auch Zeit.
Und in diesem Moment traf der nächste Energieblitz ihren Jäger.

***

Peter versuchte immer noch, irgendwie die Geschwindigkeit zu drosseln. Inzwischen waren sie wieder näher an das Tor herangekommen, für seine Begriffe viel zu nahe. Aber ...
Im nächsten Moment trudelte eine beschädigte F-302 an ihm vorbei. Die gleiche mit dem häßlichen schwarzen Streifen auf dem Flügel.
"Vashtu!" Unwillkürlich sprang er auf und beugte sich vor.
"Es ... mir geht es gut", kam die klägliche Antwort über Lautsprecher.
"Was ist passiert?" fragte er entsetzt.
"Ich fürchte, jetzt haben wir wirklich ein Problem", kam kurz darauf die Antwort. „Peter, mein Antrieb ist beschädigt."
Keuchend sank er auf seinen Sitz zurück.

***

"Major?" Caldwell neigte lauschend den Kopf.
"Sir, ich fürchte ... Wie weit ist die Reparatur des Transporters, Sir?" fragte die Antikerin. In ihrer Stimme schwang etwas mit, was er zunächst nicht wirklich benennen konnte. Dann aber begriff er: Sie hatte Angst! Zum ersten Mal schien sie wirklich Angst zu haben vor etwas.
"Hermiod?" Er öffnete eine interne Leitung, und fügte eine Konferenzschaltung ein.
"Ich fürchte, die Beschädigung des Programms ist doch etwas umfangreicher als angenommen", erklärte der Asgard mit ruhiger Stimme.
Ein tiefer Atemzug der Antikerin. „Schaffst du es, ehe meine Männer in den Ereignishorizont fallen und ... der Jumper zerschellt?"
"Negativ, Vashtu Uruhk", teilte der Hermiod emotionslos mit.
"Gut."
Caldwell horchte auf. „Major?" fragte er mißtrauisch. „Was haben Sie vor?"
"Den Tag retten. Uruhk Ende und Aus."

***

Vashtu schaltete das Funkgerät aus und atmete einige Male tief ein. Dann aktivierte sie einige Schaltungen, führte ihrem einzelnen, funktionierenden Antrieb mehr Energie zu und ... machte ihre beiden Missiles scharf.
Was sie da tun wollte, konnte sie durchaus umbringen, und sie wußte es. Sehr wahrscheinlich würde ihr Plan sogar scheitern. Aber eine andere Wahl hatte sie nicht mehr. Caldwell hatte zu lange gezögert, ihr Jäger war beschädigt und der Jumper mit ihrem Team hing wieder kurz vor dem Ereignishorizont. Dafür war das Ori-Schiff inzwischen zu fast zwei Dritteln aus dem Tor gekommen.
Vashtu biß sich auf die Lippen, befestigte die Maske an ihrem Gesicht. Auf diese Weise würde sie vielleicht noch ein bißchen Luft haben, ehe es ...
Sie zwang sich, den Gedanken nicht zu Ende zu denken, sondern schwang den Jäger herum und gab Schub, soviel sie noch kriegen konnte. Die Umrandung des Wurmlochs schoß auf sie zu. Vashtu blinzelte nicht einmal mehr. Sie starrte nur auf ein bestimmtes Verbindungsglied des gewaltigen Tores und konzentrierte sich voll auf das, was sie tun wollte.

***

"Major, kehren Sie sofort um! Haben Sie verstanden? Auf der Stelle umkehren!" Caldwell sprang auf, mit langen Schritten trat er an das Frontfenster und starrte hinaus, als könne er die Antikerin auf diese Weise von ihrem Tun abbringen.
"Hermiod, wir brauchen den Transporter, JETZT!" bellte er in sein Funkgerät.
Die F-302 raste auf das Tor zu, schien immer schneller und schneller zu werden.
Von seinem Standpunkt aus sah er nur ein winziges Licht neben der Helle des Wurmlochs. Doch er wußte, was sie da tun wollte. Sie wollte sich selbst opfern, um vielleicht das Supergate zerstören zu können. Dabei aber ...
"Major Uruhk. Sie verweigern wieder einen Befehl. Kehren Sie auf der Stelle um!"
Doch der Lichtstrahl verschmolz bereits mit dem Wurmloch.

***

Peter sah, wie zwei Feuerstöße kurz neben ihm auf das Gate zuschossen, drehte verwirrt den Kopf.
Dann folgte die Detonation, ließ ihn zusammenzucken. Das gesamte Sternentor schien kurz aufzuleuchten. Und ein weiterer, größerer Blitz raste direkt darauf zu.
"Vashtu!" Wieder sprang er auf, als er begriff, was er da sah.
Die F-302 rauschte direkt auf ein Verbindungsglied des Supergates zu. Und im nächsten Moment ... krachte der Jäger hinein.
"Major, nicht!"
Peter mußte geblendet die Augen schließen. Und dann fühlte er den Sog, preßte sich in seinen Sitz hinein und schüttelte nur noch den Kopf.

***

Caldwell stand da wie erstarrt, als die F-302 in das Tor raste. Er konnte rein gar nichts tun. Er sah, wie das riesige Rund einmal kurz aufleuchtete, dann krachte der Jäger in den Schutzschild ... und auch hindurch.
Die nächste Minute erhellte eine zweite Sonne das All, als das Supergate explodierte, und ließ den Colonel sich geblendet abwenden. Über die offene Sprechverbindung hörte er das Stöhnen und Jammern der anderen Piloten, die noch da draußen waren, außer Reichweite dessen, was da gerade passiert war.
Dann senkte sich Stille auf die Brücke der Daedalus herab, eine bedrückende Stille, die man fast greifen konnte.
Caldwell blinzelte, hob dann den Kopf wieder und sah hinaus ins All.
Trümmer aus Metall trudelten vor seinen Augen sanft dahin. Ansonsten herrschte nur Schwärze. Einige ferne Sterne leuchteten in der ewigen Nacht.
Caldwell starrte einfach nur hinaus, mit vor Entsetzen geweiteten Augen.
Kein Ori-Schiff, kein Supergate, kein Puddlejumper und auch keine einsame F-302 mehr. Nur Trümmer ...

***

Zwei Wochen später

Es klopfte an seiner Tür.
Lt. Colonel John Sheppard hob den Kopf und blinzelte einen Moment lang irritiert, dann schwang er sich von seinem Bett und durchquerte sein Quartier. Ein leises Lächeln schlich sich auf seine Lippen.
Also hatte Rodney es doch geschafft! Er hatte fast nicht damit gerechnet, aber offensichtlich ... Dieses Klopfen meinte er zu kennen.
Er öffnete in freudiger Erwartung die Tür und ... erstarrte.
"Lt. Colonel Sheppard?" fragte sein Besucher.
Das Lächeln erlosch.
Vor ihm stand ein Luftwaffen-Offizier, hoch dekoriert und seiner Gala-Uniform. Die Mütze trug sein Gegenüber respektvoll unter den Arm geklemmt, salutierte jetzt vor ihm.
John schluckte, nahm seinem Gast aber die Gruß ab und wartete. Unwillkürlich begann eine gewisse Anspannung an ihm zu nagen.
"Sir, Sie wurden als Angehöriger von Major Vashtu Uruhk geführt", erklärte ihm sein Gegenüber, zückte jetzt einen Umschlag und hielt ihn ihm hin. „Zu unserem großen Bedauern muß der Präsident der Vereinigten Staaten Ihnen mitteilen, daß Major Uruhk während eines Kampfes gefallen ist. Sie starb den Heldentod, um die Menschheit vor einer großen Bedrohung zu schützen. Ihr Andenken wird unvergessen sein."
John nahm den Umschlag wie betäubt an sich, starrte den anderen noch immer an.
Von einem Moment zum anderen schien seine Welt in Scherben zu liegen. Er wußte nicht, was er jetzt tun sollte. Im Moment ...
Der Offizier salutierte wieder vor ihm, wandte sich dann, sich zackig auf den Haken drehend, ab und marschierte den Flur hinunter.
John starrte auf den Umschlag in seiner Hand und schluckte. Seine Augen brannten und er kniff die Lippen fest aufeinander.
Dann hob er unvermittelt den Kopf und starrte aus dem Fenster seines Quartiers.
"Vash?" flüsterte er.

Fortsetzung in Teil 3

03.06.2010

Das Angesicht des Feindes 2/4 III

Caldwell betrat wieder die Brücke der Daedalus, sah zu den Fenstern hinaus und runzelte die Stirn. „Hoffentlich hat sie noch genug Zeit", murmelte er sich selbst zu.
"Sir, eine Funkübertragung von der Erde", meldete der zuständige Offizier.
Caldwell trat an das Terminal heran und holte tief Atem. „Daedalus, Caldwell hier", meldete er sich und wartete.
"Hier SGC, Landry. Wo ist Major Uruhk?"
Caldwell sah kurz zu den Fenstern hinüber. „Äh ... zur Zeit nicht hier, Sir", antwortete er ausweichend. Gerade jetzt ging es ihm durch den Kopf, daß er möglicherweise doch einen Fehler gemacht hatte, als er die Antikerin fliegen ließ.
"Dann rufen Sie sie aus. Ich muß sie dringend sprechen und brauche den Bericht über den Prior", befahl Landry. „Es ist das erste Mal, daß ein Antiker, ein ausgewachsener Antiker, auf einen Prior trifft. Die Erde muß wissen, ob das Geheimnis gewahrt worden ist."
Caldwell schluckte, beugte sich dann über das Terminal. „Sir, ich fürchte ... das wird nicht möglich sein. Major Uruhk befindet sich nicht mehr an Bord der Daedalus. Wir ... hatten eine Störung im Tansportsystem, Hermiod arbeitet im Moment daran."
"Was soll das heißen?" Landry klang jetzt ernstlich besorgt.
"Major Uruhk und ihr Team haben offensichtlich einen atlantischen Puddlejumper auf dem Planeten gefunden, auf dem sie auf den Prior getroffen sind. Der Major brachte den Gleiter wohl irgendwie zum Fliegen, aber sie sagte etwas von gewissen ... Defekten."
"Defekten?"
"Ja, Sir. Im Moment ist Major Uruhk ... mit einer F-302 unterwegs, um den Rest ihres Teams ... nun, irgendwie aus der Bahn des Supergates zu bringen. Die anderen Mitglieder von SG-27 sitzen noch in dem Puddlejumper, Sir."
"Dann holen Sie sie auf der Stelle da heraus, Colonel!" befahl Landry. „Und teilen Sie Major Uruhk mit, daß sie sofort umkehren und zur Daedalus zurückkehren soll. Es sei denn, sie ist sicher, daß der Prior weg ist."
"Sir, das Problem ist ..." Caldwell atmete tief ein. „Das Supergate wurde aktiviert. SG-27 fliegt direkt auf den Ereignishorizont zu."

***

Vashtu gab den Befehl, die Greifkrallen auszufahren, versuchte sich an die Geschwindigkeit des Jumpers anzupassen. Das ganze würde eine Syssiphusarbeit werden, vor allem bei dem Tempo, daß sie und auch der Gleiter gerade drauf hatten. Babbis war es offensichtlich nicht gelungen, den Schub ein wenig zu drosseln.
"Könnte gleich etwas ruckeln. Nicht erschrecken", sagte sie in ihr Funkgerät, senkte die F-302 ab. Ihr war, als könne sie hören, wie die Greifer sich kratzend und schabend über die Oberfläche des Jumpers tasteten, auf der Suche nach festem Halt.
"Sind Sie das?" fragte Babbis in ihrem Ohr.
"Ich sagte doch, es kann etwas unangenehm werden." Der erste Versuch war gescheitert.
Vashtu zog die F-302 wieder hoch und flog eine enge Kurve, um wieder zum Jumper zurückkehren zu können und einen zweiten Versuch zu starten. In diesem Moment sprang das Funkgerät wieder an.
"Daedalus hier. Major Uruhk, die Erde befiehlt Ihnen sofortigen Rückzug", sagte eine ihr unbekannte Stimme.
Hatte Caldwell nicht einmal genug Schneid, es ihr selbst mitzuteilen, daß er seine Meinung ... Nein, die Erde hatte das befohlen. Also entweder Landry, O'Neill oder das IOC.
Vashtu fluchte in ihrer Muttersprache, senkte den Jäger wieder ab und startete einen zweiten Versuch. Sie würde ihre Leute nicht zurücklassen, niemals! Und wenn Moros, oder Merlin, wie ihn die Menschen nannten, persönlich es ihr befehlen würde.
Wieder schrammten die Greifer über die Oberfläche des Jumpers. Vashtu spürte eine leichte Vibration unter sich, und dann ...
Es schien geklappt zu haben. Blieb zu hoffen, daß es ihr gelang, den Kurs des Gleiters zu ändern.
"Peter, nehmen Sie die Hände von den Kontrollen. Ich übernehme", befahl sie.

***

Babbis tat nichts lieber als das, ließ sich wieder in den Sitz zurücksinken und starrte das Supergate an, das inzwischen bedrohlich nahe gekommen war.
"Da kommt was durch!" Wallaces Stimme klang aufgeregt.
Peter nickte. Da etablierte sich etwas im Ereignishorizont. Doch noch war es zu ungenau, um es genau bestimmen zu können.
Der Jumper ächzte, dann erklang ein gemeiner Laut, von dem er meinte, ihn niemals vergessen zu können.
"Bin abgerutscht. Kontrollieren Sie den Kurs, während ich es noch einmal versuche", befahl die Antikerin.
Die F-302 schoß über den Jumper hinweg, verschwand dann im All.
Den Kurs kontrollieren?
Die Darstellung der holografischen Anzeige änderte sich.
"Mist!" entfuhr es Peter.
"Übel, sehr übel sogar", sagte Dorn.
"Was meint ihr?" erkundigte Wallace sich verständnislos.

***

Vashtu startete einen neuen Versuch, als es wieder in ihrem Funkgerät knackte.
"Sie haben den Kurs etwas ändern können, Vashtu", meldete Peter. Seine Stimme zitterte leicht bei diesen Worten. „Aber ... jetzt fliegen wir direkt auf das Wurmloch zu!"
Verständnislos blinzelte sie, dann stöhnte sie auf.
Auch das noch!
Als sie die Greifer wieder ausfahren wollte, sprang die Anzeige auf dem kleinen Bildschirm um und meldete ihr eine Fehlfunktion.
Das war dieses gemeine Geräusch und der kurze Ruck gewesen, wurde ihr klar, nachdem sie diese gelesen hatte. Sie hatte die Greifer verloren.
Was jetzt? Wie sollte sie ihrem Team helfen?
"Hermiod, wie weit bist du mit deiner Reparatur?" fragte sie über Funk und wartete auf die Antwort.

***

"Major, sofortige Rückkehr zur Daedalus. Haben Sie das jetzt endlich verstanden?" bellte Caldwell im gebieterischen Ton.
"Nicht ohne meine Männer", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen zurück.
"Major, Sie verweigern gerade einen offiziellen Befehl, ist Ihnen das klar?"
"Hermiod, wie lange brauchst du noch?" Der Major ging nicht einmal auf diesen Vorwurf ein.
Caldwell fluchte. „Major Uruhk, Sie kehren auf der Stelle zur Daedalus zurück, sonst werden Sie die Konsequenzen tragen! Haben Sie das endlich verstanden?"
"Ich habe verstanden, aber ich werde nicht zurückkommen, solange mein Team in Gefahr ist", antwortete sie.
"Major!"
"Sir, da kommt etwas durch das Supergate", meldete einer seiner Crew.

***

Vashtu flog eine enge Schleife, um den Jäger zu wenden und wieder zurück zum Jumper zu fliegen.
Vielleicht ging es auch anders. Sie mußte nur die Richtung korrigieren, damit ihre Leute aus der Schußbahn waren, ehe Caldwell den Befehl erhalten und ausführen würde.
Kurz neben ihr blitzte plötzlich eine Energiespitze auf, ließ sie zusammenzucken.
"Was war denn das?" Verblüfft verfolgte sie die Bahn dieses Blitzes zurück.
Der Planet! Der Prior hatte seinen Angriff auf sie gestartet!

***

Caldwell kniff die Lippen fest aufeinander. Dann berührte er wieder die Sprecheinrichtung des Kommandostuhls, auf dem er saß.
"Major Uruhk, Sie werden sofort und ohne Verzögerung zur Daedalus zurückkehren. Falls Sie das irgendwie tröstet, General Landry gab grünes Licht für die Rettungsaktion ihrer Männer. Wir warten jetzt nur noch auf Hermiod."
"Hier schießt jemand auf mich", kam ihre Stimme über Funk.
Caldwells Augen weiteten sich. „Was?"
"Ich wiederhole, ich liege unter feindlichem Feuer. Ich kann nicht zurückkommen, Colonel", wiederholte sie. Ihre Stimme klang angespannt.

***

Peter reckte den Hals, als ein Energieblitz direkt vor dem Frontfenster entlangzischte. „Was ist das?" fragte er verständnislos.
"Ein Ori-Schiff", antwortete Dorn auf die Frage, die gar nicht gestellt worden war.
"Peter, wir liegen unter Beschuß. Der Prior muß noch auf dem Planeten sein und hat jetzt das Feuer auf uns eröffnet", sagte Vashtu über Funk.
Peters Augen weiteten sich wieder hinter seinen Brillengläsern. „Was?" fragte er verblüfft.
"Wenn er mich erspüren kann, Peter, kann er es bei Ihnen auch. Ich versuche, daß Feuer auf mich zu lenken und den Gegner auszuschalten. Wartet solange", erklärte ihre Stimme.
Peter schüttelte verständnislos den Kopf. „Sie wollen was?"
"Ich ziehe das Feuer auf mich. Versuchen Sie weiter, ob Sie nicht zumindest die Richtung auch allein ändern können."

***

Vashtu beschleunigte und raste wie eine Irre direkt in die, immer dichter werdenden, Energiestrahlen hinein. Kein Zweifel, sie kamen von dem Planeten, von dem sie vor vielleicht einer Stunde vor dem Prior geflohen war.
Sie biß die Lippen fest aufeinander. Was stellte der Kerl da unten an? Sie hatte keine anderen Waffen als seinen Stab gesehen, und, soweit sie wußte, sollte es da unten rein gar nichts geben. Naja, letzteres konnte auch ein Irrtum sein, immerhin war auch der Jumper auf dem Planeten geparkt gewesen, ehe sie ihn halbwegs reparieren konnten.
Aber dieses Energiefeuer hatte mit nichts eine Ähnlichkeit, was sie kannte. Wo kam es her? Wie brachte dieser blasse Kerl da unten es fertig, daß die Strahlen nicht streuten auf diese Entfernung.
Vashtu zog die F-302 aus der Feuerbahn, schwenkte in einen leicht veränderten Kurs ein und atmete tief durch. Ihr Manöver aber brachte ihr nicht mehr als einige Sekunden Pause, ehe sie sich wieder voll darauf konzentrieren mußte, nicht getroffen zu werden.
"Major, sofortige Rückkehr zur Daedalus!" Caldwells Stimme klang jetzt erst richtig wütend.
Vashtu biß sich auf die Lippen, dann kam ihr ein Gedanke.
Warum eigentlich nicht? Wenn sie in die entgegengesetzte Richtung zum Jumper flog, hatte der Prior ein Problem. Dann blieb es zu hoffen, daß er sich auf sie einschießen und den Gleiter mit ihrem Team in Ruhe lassen würde.
"Okay, Caldwell, versuchen wir es", murmelte sie, änderte erneut die Richtung und zog die F-302 hoch, um sie dann auf den neuen Kurs einzuschwenken und noch mehr Schub zu geben.
Das Feuer setzte aus!
Vashtu hielt den Atem an, dann aktivierte sie die Sprechanlage. „Sir, ich versuche zurückzukommen, Uruhk Ende."
Sie drehte sich halb im Sitz um, doch auch hinter ihr war nichts mehr von irgendwelchen Energieentladungen zu sehen. Sollte der Prior aufgegeben haben? Oder ... ?
Im nächsten Moment wurde ein Sperrfeuer gegen sie eröffnet, so knapp vor ihrem Bug, daß sie kaum noch den Kurs ändern konnte.
"Scheiße!"

***

"Was macht sie da?" Der junge Offizier an den Kontrollen sah ratlos auf.
Caldwell beugte sich vor und las von seinem Bildschirm ab. „Sie steht tatsächlich unter Feuer", entfuhr es ihm. Dabei fragte er sich aber auch sofort, woher dieses Feuer kommen konnte. In Bezug auf die Ori, und auch auf die Priore, hatte er noch nie etwas davon gehört, daß diese irgendwelche kleineren Energiewaffen einsetzten.
"Rückweg blockiert", meldete sich in diesem Moment die Stimme des Majors über Funk. „Tut mir leid, Sir, aber selbst wenn ich wollte, käme ich nicht sehr weit."
Caldwell biß sich auf die Lippen. „Können Sie es umfliegen? Beginnt der Beschuß nicht irgendwann zu streuen?"
Ein bitteres Lachen. „Das habe ich schon versucht. Negativ, diese Energie streut nicht. Sie muß vom Prior kommen, wie auch immer er das anstellt."
Caldwells Augen weiteten sich. „Vom Prior? Wir wissen nichts von irgendwelchen Energiewaffen. Er verbreitet Plagen, Major, keine ..."
"Feuer vom Himmel?" half sie ihm aus.
"Was?" Caldwell blinzelte.
"Die Bibel, Sir, die Offenbarung des Johannes - interessantes Buch, interessanter als das, was die Ori zu bieten haben", erklärte die Antikerin.
Sie las die Bibel?
"Feuer vom Himmel gehört zu den apokalyptischen Plagen, Sir. Ich möchte es nicht beschwören, aber vielleicht haben die Priore noch nicht alles gezeigt, weil sie dazu bisher nicht gezwungen wurden. Jetzt aber hat einer von ihnen zwei Wesen von der Erde getroffen, die das ATA-Gen tragen und ihm vom Planeten entwischt sind. Möglich, daß er jetzt seine Geheimwaffe gezückt hat." Ihre Stimme klang erstaunlich ruhig bei diesen Worten.
"Sie denken ... ?"
"Ich weiß, daß ich unter Beschuß liege, Sir. Ich komme da nicht durch, es sei denn, ich heize durch den Planeten hindurch."
Dann folgte ein Knall und ein Keuchen.
Caldwell sog scharf Luft in seine Lungen.
"Treffer!" meldete die Antikerin. „Ich kehre um. Vielleicht kann ich wenigstens meinem Team helfen."
Caldwell schwieg.

***

Das Ori-Schiff tauchte immer weiter aus dem Ereignishorizont auf. Peter fühlte sich jetzt erst recht auf die Größe eines Insektes geschrumpft. Er wußte gar nicht, was das schlimmste war, die Aussicht, am Ereignishorizont zerstört oder vorher von den Ori getötet zu werden. Er wußte nur, der Jumper reagierte noch immer nicht auf die Steuerung. Selbst mit allen guten Wünschen und seinem charmantesten Zureden war es, als säße er hier in einem Stein.
Zugegeben, einem Stein, der offensichtlich ... etwas mehr konnte als üblich. Er spürte immer wieder tastende Finger in seinem Hirn. Wenn Vashtu sich nicht irrte, und davon war er überzeugt, warum sollte sie ihm denn sonst Unsinn erzählen in einer solchen Situation, mußte es der Jumper selbst sein, der in seinen Gedanken nach seinen Wünschen forschte.
Aber den dringlichsten konnte der Gleiter ihm offensichtlich nicht erfüllen. Nämlich, ihn so weit wie möglich von hier fortzubringen.
"Bin wieder da", meldete sich Vashtus Stimme über Funk.
Peter atmete auf. „Ich dachte schon, Sie hätten uns vergessen." Im nächsten Moment wurden seine Augen groß.
Die F-302 kam frontal auf sie zu. Und ... war sie getroffen worden? Ein langer, schwarzer Streifen zog sich häßlich über eine Tragfläche.
"Nicht erschrecken. Die Krallen sind abgebrochen", sagte sie. „Ich versuche euch zurückzudrücken."
"Zurückzudrücken?" echote Peter.
Im nächsten Moment knallten die beiden raumtauglichen Gefährte aufeinander. Die Insassen des Jumpers wurden ordentlich durchgeschüttelt. Ein häßliches Knacksen und Quietschen ertönte.
"Was machen Sie da?" begehrte Peter auf, der in seinem Sitz durchgeschüttelt wurde. Die Triebwerke des Jumpers heulten kurz auf.
"Euch vom Ereignishorizont fernhalten. Ich weiß nicht, ob es hier auch ein Autopilotenfeld gibt. Wenn ja, haben wir ein echtes Problem, Peter."
Er blickte auf und konnte einen behelmten Kopf wahrnehmen, der sich im Cockpit des Jägers hin und herdrehte. Vashtu Uruhk.
"Und der Beschuß?"
"Wir scheinen hier sicher zu sein." Ihre Stimme klang konzentriert.
Ein Ächzen ertönte, ein weiteres Zittern durchlief den Jumper.
"Vielleicht kann ich euch so auch vom Kurs abbringen ..."
Im nächsten Moment gleißte ein greller Lichtstrahl auf und zuckte kurz über der F-302 entlang.
"Vashtu!" schrie Peter auf.
"Mist!" Mit einem letzten Rucken und häßlichem Schrammen tauchte der Jäger unter ihm ab. Aber sie hatte es geschafft, das Supergate war wieder ein Stück weiter entfernt als vor ihrem Manöver.
Peter atmete auf, biß sich dann aber auf die Lippen.

TBC ...

01.06.2010

Das Angesicht des Feindes 2/4 II

"Das geht einfach nicht!" Peter sank stöhnend in den Sitz zurück. „Diese dämliche Kiste reagiert nicht! Und ich weiß nicht, was ich tun soll."
"Weiter versuchen." Dorns Augen klebten am Frontfenster.
"Heiße ich Vashtu Uruhk? Ich habe keine Begabung für das Fliegen", begehrte Peter frustriert auf.
"Weiter versuchen, Doc", wiederholte Dorn emotionslos.
Peter seufzte und wünschte sich, er hätte zumindest irgendwann einmal im SGC die Antikerin überreden können, ihm einen Puddlejumper zu erklären. Dann wüßte er vielleicht wirklich, was er hier tat.
Er griff wieder nach den beiden kleinen Hebeln und konzentrierte sich.
Die Hologrammdarstellung erschien wieder auf der Frontscheibe. Doch sie sagte ihm immer noch genauso wenig wie vorher. Dafür aber schien das Supergate inzwischen Dimensionen anzunehmen, die jenseits seiner Vorstellungskraft lagen. Und wenn sich das Wurmloch erst einmal etabliert hatte ...
Er schluckte, kniff die Lippen zusammen. „Jetzt mach schon", zischte er nach einer kleinen Weile.
Ein winziges Licht begann plötzlich zu blinken, dann folgte:
"Könnt ihr mich hören? Dorn? Peter? Wallace? Geht es euch gut?"
Der junge Wissenschaftler und der Marine tauschten einen überraschten Blick.
"Major?" fragte Dorn dann schließlich unsicher.
Ein erleichtertes Seufzen. „Ich bin auf der Daedalus", kam die Antwort auf die ungestellte Frage. „Wir werden gleich versuchen, euch auch aus dem Jumper zu beamen. Habt ihr das verstanden? Am besten, ihr versammelt euch alle im Cockpit."
"Was machen Sie denn auf der Daedalus?" entfuhr es Peter entgeistert.
"Gute Frage, die habe ich mir auch schon gestellt ..." Die Stimme der Antikerin hatte sich etwas verändert bei diesen Worten. „Wir sind ein Stück hinter euch, ein ... ziemliches Stück. Vielleicht ... Ist nicht so wichtig. Sind alle im Cockpit?"
Dorn drehte sich zu Wallace um und winkte ihm ungeduldig.
Peter wartete, bis auch sein Kollege den vorderen Teil betreten hatte, ehe er antwortete: „Ja, sind wir. Machen Sie schnell, Vashtu. Das Tor wird gerade aktiviert. Wenn sich das Wurmloch etabliert ..."
"Machen Sie sich keine Sorgen, Peter, wir schaffen das schon. Hermiod?"
Er lehnte sich seufzend zurück und schloß die Augen. Dann ging ihm auf, was da gerade auf der Daedalus versucht wurde. Sofort saß er wieder aufrecht. „Sie wollen uns in unsere Einzelteile zerlegen und durch das All zu sich holen?"
"Soweit der Plan", antwortete sie mit ruhiger Stimme.
"Aber ..."
"Entspannen Sie sich. Tut nicht weh. Hermiod?" Allmählich begann ihre Stimme ungeduldig zu klingen.
Peter und Dorn wechselten wieder einen Blick.
"Äh, Peter, haben Sie inzwischen ein bißchen Übung darin, einen Jumper zu fliegen?" Vashtus Stimme klang jetzt nachdenklich.
Der junge Wissenschaftler wurde mißtrauisch. „Was meinen Sie?"
"Ist es Ihnen vielleicht gelungen, den Kurs ein wenig zu ändern?"
"Nein." Seine Stimme klang entschlossen. „Dieses Ding ... dieser Jumper ist dickköpfiger als ein Esel!"
"Sagen Sie ihm das nicht zu laut", warnte die Stimme der Antikerin. Dann herrschte Schweigen.
Wieder wechselten Dorn und Peter einen Blick.
"Major?" fragte der Marine schließlich, nach einer, allen Insassen des defekten Jumpers unendlich erscheinenden Zeit des Schweigens.
"Der Beamstrahl reicht nicht so weit", antwortete Vashtu resigniert. „Wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen."
Peter keuchte, schluckte dann. „Das Gate wird aktiviert."
"Das wissen wir", antwortete sie. „Aber soweit wir den Kurs berechnen konnten, dürftet ihr davon erst einmal nichts abkriegen. Ihr seid vor der Etablierung sicher."
"Sicher?"
"Sicher."
"Ganz sicher?"
"Neunundneunzig Prozent", antwortete ihre Stimme. „Ich ..." Sie stockte. „Ich melde mich später wieder." Ein Klicken.
Peter sah wieder zu Dorn hinüber, beide wechselten Blicke. „Sie hat einen Plan", sagte der junge Wissenschaftler schließlich. Der Marine nickte nur.

***

Colonel Caldwell knurrte einen unterdrückten Fluch, als Major Uruhk plötzlich an ihm vorbeiraste und die Station wieder verließ. Diese Frau zu hüten und zur Resong zu bringen war Schwerstarbeit, vor allem auch, weil er ihren Gedankengängen nicht folgen konnte.
Wo wollte sie denn jetzt wieder hin?
Sie befand sich seit vielleicht zwanzig Minuten auf der Daedalus, und hatte schon für ein Chaos in der Befehlskette gesorgt. Seine Mannschaft fragte ihn ja inzwischen gar nicht mehr, sie taten, was der Major ihnen befahl.
Gut, er mußte zugeben, sie hatte ein sehr autoritäres Wesen, das selbst ihn ausbremsen konnte. Doch offensichtlich hatte ihr niemand beigebracht, daß sie zumindest fragte, ehe sie irgendjemandem eine Order erteilte.
Caldwell warf Hermiod noch einen letzten Blick zu, dann verließ auch er die Station, tippte auf sein Funkgerät. „Ein Mann des Sicherheitsdienstes zu mir", befahl er.
Das konnte doch alles nicht wahr sein! Eines konnte er zumindest inzwischen sagen, er beneidete Landry nicht um den Job, diese Frau zu bändigen. Da war ihm Colonel Sheppard wesentlich lieber, der ... suggerierte ihm zumindest die richtigen Ideen.
Was wollte Ellis sich da nur aufhalsen? Major Uruhk als erster Offizier - das konnte nur in einer Katastrophe enden! Hoffentlich entschied der Colonel sich noch um, denn ansonsten sah Caldwell für die Apollo schwarz.
Wo war dieses Weib jetzt wieder hingerannt?
"Major Uruhk, wo sind Sie?" fragte er.
"Auf dem Weg zum Flugdeck", kam die knappe Antwort.
Mehr brauchte er gar nicht zu wissen.
Jetzt wollte sie sich auch noch eine F-302 unter den Nagel reißen? Aber nur über seine Leiche!
Caldwell marschierte weiter, während er innerlich kochte vor Wut.
Wie konnte sie es wagen, die Befehlskette auf seinem Schiff zu untergraben? Er war ja durchaus bereit, die Männer aus dem Jumper zu retten, nur brauchte er dafür eine Genehmigung - und die lag immer noch nicht vor. Solange saßen sie eben hier fest und mußten warten. Aber das war offensichtlich nicht die starke Seite der Antikerin. Sie preschte durch sein Schiff, und irgendwie beschlich ihn das Gefühl, wenn es nötig werden sollte, würde sie auch noch an den Maschinen herumfummeln.
Wer war eigentlich auf den Gedanken gekommen, sie mit Sheppard zu vergleichen? Dieses Weibstück war eine Furie, dagegen war der Colonel ja noch ein sanftes Lämmchen. Kein Wunder, daß ihr eigenes Volk sie in diesem Abschnitt an der Flutlinie von Atlantis eingesperrt hatte. Wahrscheinlich war man ihr anders nicht mehr Herr geworden. Und, ehrlich gesagt, viel fehlte wirklich nicht mehr, und er würde sie persönlich in die Brick sperren. Dann konnte sie ja sehen, wie sie weiterkam.
Er hielt sich selbst für einen sehr geduldigen Menschen, aber diese Frau ließ ihn an seine Grenzen stoßen. Die Art, wie sie sich benahm, seit er die Anweisung gegeben hatte, sie auf die Daedalus zu holen, machte es ihm nicht viel leichter.
Dabei hatte er einen recht guten Eindruck von ihr gehabt, als sie, auf Geheiß aus Washington, das erste Mal auf der Daedalus gewesen war. Er war sogar sehr von ihr angetan gewesen, rief er sich selbst ins Gedächnis. Im Fliegen war sie ein Ass, da konnte niemand ihr etwas vormachen. Wie sie mit einer F-302 umgegangen war, das war schon sensationell gewesen. Kurz hatte er damals sogar überlegt, ob er sich nicht an O'Neill wenden sollte mit der Bitte, sie aus dem SGC auf die Daedalus versetzen zu lassen als Staffelpilotin.
Gut, daß er das nie getan hatte! Wer konnte schon wissen, wer dann jetzt das Schiff befehligen würde? Wahrscheinlich hätte sie schon längst eine Meuterei angezettelt.
Ein Mann des Sicherheitsdienstes schloß sich ihm an, während er weiter den Gang zu den Jäger-Hangars hinuntermarschierte.
"Sie will sich eine 3-0-2 unter den Nagel reißen", erklärte Caldwell. „Sie werden das verhindern, Sergeant."
Der Mann nickte stumm, blieb an seiner Seite.
Ja, jetzt hatte sie endgültig den Punkt überschritten, an dem er noch zum Einlenken bereit war. Er würde sie in die Brick sperren lassen, dann konnte sie selbst sehen, was sie angerichtet hatte. Und er würde einen geharnischten Bericht schreiben, sowohl an Washington als auch an das SGC. Und er würde sehen, daß er Ellis erwischte und ihm deutlich von diesem Weibstück abriet, ehe sie noch auf der Apollo für Unruhe sorgen konnte.
Sie sollte besser einmal die Befehlskette neu lernen, ging ihm wutschnaubend auf. Offensichtlich hatte sie Schwierigkeiten damit, höhere Hierachien als sich selbst anzuerkennen. Und sie sollte gefälligst vorher den Mund aufmachen, wenn sie irgendetwas plante! Dann konnte er immer noch entscheiden, was er tun sollte und was nicht.
Sie kamen endlich beim Hangar an. Das Schott stand offen.
Caldwell holte tief Atem, ballte die Hände zu Fäusten und überschritt die Schwelle. Er mußte nicht lange suchen. Die Antikerin war offensichtlich gerade damit beschäftigt gewesen, einen der Jäger startklar zu machen und krabbelte wenig elegant unter der Maschine hervor. Wahrscheinlich hatte sie die Klemmen der Haltebuchten manuell gelöst.
"Sergeant, verhaften Sie auf der Stelle den Major!" befahl Caldwell mit kalter Stimme.
Verblüfft starrte die Antikerin ihn an. „Was?" entfuhr es ihr.
Der Mann vom Sicherheitsdienst trat vor, eine Hand an der Waffe. „Mam?"
Ihr Kopf ruckte wieder zu Caldwell herum, nachdem sie den Sergeanten sehr genau angesehen hatte. „Ich werde meine Männer nicht zurücklassen, Colonel!" Ihre Stimme klang mühsam beherrscht.
Caldwell kreuzte die Arme vor der Brust. „Wir warten auf die Entscheidung der Erde, Major. Wir können vorher nichts tun. Haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
Sie richtete sich gerade auf und blitzte ihn an. „Bis dahin wird es zu spät sein, ist Ihnen das denn immer noch nicht klar? Wir haben nicht mehr als ein paar Minuten!"
"Und was wollen Sie tun? Ihnen hinterherjagen?"
Sie trat einen Schritt vor. Der MP zog seine Waffe. Sofort sandte sie ihm einen eiskalten Blick. „Ich will sie zurückschieben und den Kurs des Jumpers ändern. Das will ich!"
Caldwell stutzte. „Sie wollen was?"
So einen verrückten Plan hatte er ja noch nie gehört! Sie wollte mit einem Jäger einen Gleiter vom Kurs abbringen. Noch dazu einen Gleiter, dessen Steuerung und Antrieb defekt war? Wie?
Sie wies unter die F-302. „Da sind Halteklammern. Ich habe mich schon immer gefragt, wofür die überhaupt gut sind."
"Um Bomben zu transportieren, Major!" Caldwell schüttelte den Kopf. „Ein Jumper hat ein zu glattes Dach. Wie wollen die denn da die Klammern anbringen?"
"Kommt auf den Versuch an. Genug Antrieb dürfte eine F-302 haben, um ihn zumindest nicht gegen das Tor knallen zu lassen." Wieder warf sie dem MP einen unterkühlten Blick zu. „Meinetwegen lassen Sie mich erschießen, Caldwell. Aber ich werde nicht tatenlos zusehen, wie meine Männer da draußen sterben! Das ist mein Team, Colonel! Und ich lasse nie jemanden zurück!" Damit drehte sie sich um und packte das Geländer der Metalleiter.
"Sir?" fragte der MP.
Caldwell starrte sie immer noch an, doch allmählich begann er zu begreifen, was sie plante.
Der Mann vom Sicherheitsdienst entsicherte seine Waffe, legte auf den Major an.
Die war auf halber Höhe der Leiter stehengeblieben und sah ihn über die Schulter hinweg an. In ihrem Blick konnte er wilde Entschlossenheit lesen, nichts und niemand würde sie von ihrem Plan abbringen, selbst eine Kugel nicht, ging ihm auf. Doch gleichzeitig war da eine stumme Bitte in ihren Augen. Die Bitte um Vertrauen.
Caldwell atmete tief ein.
Er verstand nicht so ganz, was sie da tun wollte. Aber er begriff, daß sie nicht hilflos herumsitzen konnte. Zum Teufel! Selbst ihn juckte es im Moment in den Fingern. Noch hatten sie vielleicht die Chance, das Gate zu zerstören!
Caldwell trat zu dem MP und hob die Hand, drückte mit ihr die Waffe hinunter. Dabei sah er immer noch die Antikerin an.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, dann eilte sie die Leiter weiter hoch und schwang sich in das Cockpit hinein.
Caldwell trat zurück, als der Antrieb hochfuhr und die F-302 langsam vom Boden abhob. „Viel Glück", wisperte er ihr nach, als sie durch das geöffnete Hangartor in den Weltraum verschwand.

***

Peter starrte auf das Stargate. Jetzt etablierte sich das Wurmloch. Als hätte man einen Stein in Wasser geworfen und dieses Element würde die Gegenreaktion gerade durchmachen, wischte das blaue Gleißen bis knapp vor den Puddlejumper. Unwillkürlich hielt er die Luft an, doch Vashtu hatte recht behalten, dem Gleiter geschah nichts.
"Oh Mann!" stöhnte er auf und ließ sich zurück in den Sitz fallen.
"Glück gehabt", stimmte Dorn zu. Als Peter zu dem Marine hinübersah, bemerkte er, wie angespannt dieser wirkte.
"Könnt ihr mich hören?" meldete sich plötzlich eine Stimme über die versteckten Lautsprecher.
"Vashtu!" Peter fühlte, wie sein Herz ihm kurz bis zum Halse schlug. Einen Moment hatte er mit etwas vollkommen anderem gerechnet.
"Ich komme zu euch. Paßt bloß auf, daß ihr nicht in die Nähe des Ereignishorizontes kommt. Peter, wenn möglich, nehmen Sie den Schub etwas weg. Und beleidigen Sie den Jumper nicht mehr, das merkt der sich!"
Der junge Wissenschaftler blinzelte verständnislos. „Was?" Seine Augen wurden groß. „Wieso beleidigen? Wie meinen Sie das?"
"Die Jumper sind AI-fähig, Peter. Sie haben Gefühle, verstehen Sie?"
Dorn schmunzelte, doch der ernste Zug um seine Lippen blieb dabei.
"Und wie soll ich den Schub wegnehmen?" Peter stutzte. „Was heißt, Sie kommen zu uns?"
"Bin in wenigen Minuten da. Caldwell hat mir eine F-302 gegeben", antwortete Vashtus Stimme. „Und den Schub ... Konzentrieren Sie sich, Peter. Und dann versuchen Sie, das Drehelement von sich fort zu bewegen. Vielleicht hilft es ein bißchen."
"Konzentrieren?" Peter wechselte wieder mit Dorn einen langen Blick. Hatte die Antikerin jetzt den Verstand verloren?
"Der Jumper liest in Ihren Gedanken, was Sie wollen", antwortete Vashtu mit ungeduldiger Stimme. „Also konzentrieren Sie sich jetzt darauf, die Geschwindigkeit etwas zu drosseln und hoffen, daß es auch klappt."
"Ah ja ..." Peter runzelte die Stirn, versuchte aber zumindest zu tun, was seine Leaderin ihm befohlen hatte.

TBC ...