27.11.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies V
3. Tag
Danea blieb vor dem Puddlejumper stehen und wandte sich um. „Fliegen wir?"
Markham sah ihn etwas hilflos an, nickte dann aber, nachdem er noch einen Blick zurück auf ihr kleines Lager geworfen hatte. „Also gut. Ich weiß zwar nicht, was Sie zu finden glauben, aber fliegen wir ein paar Runden. Kann nicht schaden." Er grinste breit und trat an dem Erethianer vorbei in das Innere des kleinen Gleiters.
Danea folgte ihm und fühlte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann.
Gestern hatten sie vielleicht etwas gefunden. Klar zu erkennen war es allerdings nicht gewesen. Dennoch wirkte es nicht wie gewachsen, sondern eher wie gebaut. Eine niedrige Mauer, besser das kleine Stück einer solchen, meinte er ausgemacht zu haben zwischen den Bäumen. Doch Markham hatte darauf gedrungen, daß sie zurückkehrten ins Lager, auch um seine tägliche Meldung absetzen zu können.
Bisher, das mußte Danea zugeben, während er sich wieder auf dem Copilotensitz niederließ, sah alles sehr vielversprechend aus. Dieser Mond war bewohnbar, seine Erde fruchtbar und das Klima mild. Es stand zu hoffen, daß auch der Winter, der sicher in den nächsten Monaten einbrechen würde, nicht allzu sehr beuteln würde. Da allerdings war er sich noch nicht ganz sicher.
Markham startete die Triebwerke und ließ den Puddlejumper vom Boden abheben. „Wie lange, sagten Sie, ist dieses Goldene Zeitalter her?" fragte er.
Danea atmete tief ein, beugte sich dann vor und sah sich aufmerksam um, während der Mond unter ihnen wegsank. „Einige tausend Jahre", antwortete er schließlich. „So zumindest sagen es unsere Aufzeichnungen. Dabei aber ... wir zählen die Jahre schon eine Weile nicht mehr, nachdem die Devi immer größere Mengen auftrieben."
Markham nickte und lenkte den Jumper in eine niedrige Umlaufbahn. „Hört sich nicht sonderlich gut an, was Sie da immer über diese ... Hybridwesen erzählen."
Danea seufzte. „Es war auch nicht gut", antwortete er. „In den letzten vier Jahren sind allein über hundert meines Volkes in die Stadt gebracht worden. Und wir wußten, daß sie auch Menschen von außerhalb kommen ließen. Bis dahin freie Welten wurden versklavt."
Markham nickte nachdenklich. „Hört sich fast an wie bei den Wraith in der Pegasus-Galaxie", wandte er ein. „Aber die Devi operieren stationär, nicht wahr? Sie haben keine Basis-Schiffe."
„Sie haben große Schiffe, doch die sind erst in den letzten Jahren gebaut worden", entgegnete der junge Erethianer. „Eines wurde auf unserem Planeten gebaut, es ist zerstört worden in dem Feuer."
Markham runzelte die Stirn. „Davon hat Major Uruhk nichts gesagt."
„Sie wußte es nicht. Die Devi bauten es nicht in der Nähe der Stadt. Heron und Malek waren unterwegs und haben sich die Zerstörung angesehen, nachdem wir in die Stadt der Schöpfer gezogen sind", berichtete Danea. „Sie gingen auch dahin, wo die Devi dieses Schiff bauten. Nicht einmal Trümmer sind geblieben."
Markhams Kopf ruckte zu ihm herum. „Und wie weit waren sie mit diesem Schiff gekommen?" fragte er.
„Als ich das letzte Mal dort war ... ziemlich weit." Der Erethianer nickte. „Kannst du ein wenig tiefer gehen?"
Markham tat ihm den Gefallen und ließ den Jumper absinken bis auf ungefähr hundert Meter Höhe. „Sie könnten aber auch weggeflogen sein, oder?" fragte er dabei.
„Das hätten wir bemerkt", entgegnete Danea sofort und starrte weiter auf den Mond hinunter, der unter ihnen dahinzog. „Sie haben das Schiff nicht gestartet, nein. Sicher nicht. Obwohl ... Nein, die Prometheus hätte es bemerken müssen."
„Sicher?" Der Lieutanent klang alles andere als glücklich über diese Wendung.
Danea wandte seine Aufmerksamkeit von dem riesigen Frontfenster ab. „Was meinst du?"
„Ich meine, daß es Nacht war und dunkel. Die Prometheus ist beschädigt und uns sind, wie du sicher noch weißt, einige Rochen entkommen. Wenn diese Jäger so sind wie alles bekannte, dann dürften sie eigentlich nicht allzu weit gekommen sein", erklärte Markham mit einer leichten Anspannung in der Stimme. Sein Gesicht drückte deutlich Unwohlsein aus. „Wenn Überlebende allerdings auf dieses Schiff flüchten konnten, dann haben wir ein Problem, wenn sie ihre Verbündeten aufsuchen. Und Sie meinten, die Devi-Völker seien untereinander verbündet."
„Nicht alle", wandte Danea sofort ein. „In der näheren Umgebung gibt es keine Devi. Wir sind nicht einmal sicher, ob es noch andere bewohnte Planeten hier gibt. Die Devi bleiben eigentlich lieber für sich. Nur wenn das Volk zu groß wird oder es Krieg mit anderen Städten gibt, schließen sie sich zusammen."
Markham schien noch immer nicht sonderlich überzeugt.
Dafür aber sprang plötzlich die holografische Anzeige des Jumpers an und zeigte etwas wie eine Landkarte.
Danea staunte, dann begriff er.
Der Jumper hatte etwas gefunden!
„Was ist das?" Markham beugte sich vor, reckte dann den Hals und ließ den Jumper eine enge Kurve fliegen.
Danea richtete sich auf und beugte sich vor.
Was er allerdings sah, ließ ihn alles andere als beruhigt sein.
Dort unten, auf dem Boden, befanden sich tatsächlich Ruinen. Doch keine seines Volkes. Was da, halb verfallen, zwischen den Bäumen eines dichten Waldes auftauchte, sah aus wie eine winzige Stadt der Devi. Viel zu klein für eine Bedrohung, noch dazu offensichtlich seit Ewigkeiten verlassen. Aber es war da. Die Devi waren auch auf diesem Mond gewesen, vor langer, langer Zeit.
„Ein Außenposten!" entfuhr es Markham.
Danea schluckte, nickte dann aber.
Wenn es tatsächlich Erethianer auf diesem Mond gegeben hatte, wurde ihm klar, waren sie ebenso ausgelöscht worden wie so viele andere Völker. Die Devi hatten diesen Mond ebenfalls für sich besetzt gehalten, wahrscheinlich bis sie keinen Menschen mehr hatten finden können. Bis alle, die hier Zuflucht oder ein Zuhause gesucht hatten, aufgetrieben und in den Speisekammern der vielgliedrigen Wesen geendet waren.
Danea schloß seufzend die Augen.
Sie würden nichts mehr finden, gar nichts.
***
87. Tag
Unter welchem Gesichtspunkt man es auch immer sieht, meine Forschungen sind extrem wichtig für unser Überleben in dieser Galaxie. Es sind nicht nur die Devi und mögliche, mit ihnen verbündete und intrigante Menschen, die wir fürchten müssen, nein! Es sind unsere eigenen Leben. Wir haben kein ZPM mehr, da, dank der Erethianer, das letzte vollkommen entropiert war, als wir hier ankamen. Statt dessen haben Major Uruhk und ich Naquadah-Generatoren angeschlossen, um zumindest einen Teil der Bereiche zu erleuchten. Doch wohin das führen kann ...
Für mich persönlich war es heute wahrscheinlich der hektischte Tag, seit Markham zu seiner Expedition aufgebrochen ist. Ja, er ist noch immer nicht wieder zurück. Was auch immer er da oben treibt, heute hätte man ihn mehr als gut gebrauchen können hier unten. Denn es gab einen Unfall. Und mit diesem war ich beinahe den ganzen Tag beschäftigt.
Man stelle sich das vor: In einem abgelegenen Gebäude des zivilen Komplexes fanden einige Erethianer ein Gerät der Antiker. Anstatt gleich zu mir zu kommen, da ich mich mit der Technik dieses Volkes doch am besten auskenne, rannten sie zu einigen Wissenschaftlern. Doch auch die traten nicht an mich heran, sondern versuchten, den „Energiefresser" selbst abzuschalten - mit verheerenden Folgen.
Stross setzte sofort alle Gate-Reisen aus, bis die Verletzten versorgt waren. Zumindest so weitsichtig ist sie. Ich hätte wirklich nicht noch die Zeit gefunden, neben der Versorgung der Verwundeten auch noch Williams, der es noch einmal mit seinen Omaniern versuchen will wider besseren Wissens, hin und her zu kutschieren. Statt dessen war ich beinahe den ganzen Tag auf der Krankenstation damit beschäftigt, größere und kleinere Wunden zu versorgen.
Einen Toten haben wir zu beklagen: Dr. Richard Winston, ein Geologe. Weiß wer will, was ihn dazu getrieben hat, ausgerechnet in vorderster Linie zu stehen, das Gerät wahrscheinlich sogar selbst abschalten zu wollen. Nun können wir ihn das nicht mehr fragen. Stross war, selbstverständlich, entsetzt über dieses Schicksal. Ich dagegen denke, er hatte noch einen leichten Tod gegen das, was da noch auf uns zukommen mag.
Nun ja, zumindest habe ich heute damit begonnen, eine Prothese für Dorn anzufertigen. Nach reiflicher Überlegung schien es mir das beste, diese sobald wie möglich herzustellen, ehe er mir noch mehr auf den Zahn fühlt. Einige Geheimnisse sollten so lange wie möglich Geheimnisse bleiben. Es reicht, wenn ich diesen eigenartigen Kasten erforsche. Würde Dorn herausfinden, was ich da gefunden habe ... Aber lassen wir das.
Major Uruhk ist noch immer nicht zurück. Ach, Vashtu, wenn du wüßtest, wie dringend wir dich hier gebrauchen könnten! Oder liegt es am Ende nicht an ihr? Ist es dieser eingebildete Schnösel Pendergast, der sie wieder nicht zu uns kommen läßt? Ich frage mich, was er damit bezweckt. Er bringt nur noch mehr gegen sich auf, wenn er so weiter macht. Natürlich sitzt er noch immer am „längeren Hebel", wie Stross immer wieder betont. Aber aus welchem Grund sollte er diesen Hebel auch ausnutzen? Er braucht uns, wenn er die Prometheus jemals wieder flott haben will.
Vashtu fehlt mir, sie fehlt mir sogar sehr. Es vergeht kaum eine Minute, in der ich mich nicht nach ihren großen dunklen Augen sehne! Sie ist so schön, oder könnte es sein. Schlank, mit weiblichen Formen, ohne dabei so weiblich zu sein. Von der Größe genau richtig. Gut, über ihren Frisurgeschmack läßt sich streiten. Ich bin sicher, etwas längeres Haar würde ihr gut stehen, besser als dieser Struwwelkopf, den sie immer zur Schau trägt. Dieses absolute Schwarz ihres Haares ist ein wundervoller Kontrast zu ihrer blaßen Haut, an der selbst die Sommersonne nichts ändern kann.
Ja, ich schwöre, diese Frau ist wirklich eine Frau nach meinem Geschmack. Schon allein ihre Intelligenz! Gut, sie ist eine Antikerin, hat wesentlich mehr Jahre auf dem Buckel als wir uns überhaupt vorstellen können. Und natürlich ist da immer noch dieses unausgesprochene zwischen uns, diese kleine ... nun ja, Vorwegnahme meinerseits, da ich mit ihr gleichzuziehen gedachte. Aber sie ist einfach ... unglaublich! Intelligent und schön, wunderschön sogar.
Aber ich verkläre sie wahrscheinlich, zumindest denkt das ein möglicher Leser meiner Aufzeichnungen. Aber lassen Sie sich gesagt sein, Vashtu Uruhk ist einfach bemerkenswert! Wenn sie nur nicht so auf Colonel Sheppard anspringen würde. Ich frage mich ohnehin, was sie von ihm will. Er kann ihr in keiner Beziehung das Wasser reichen. Ich weiß es, der Colonel war einmal mein Team-Leader! Aber was soll ich schon tun? Ich kann nur abwarten, und ich hoffe, diese Zeit des Wartens wird mir irgendwann einmal mit einem unaussprechlichem Glück vergolten werden.
TBC ...
13.11.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies IV
Was tatsächlich geschah:
Anne blieb vor dem kleinen, dunklen Gebäude stehen und sah die Fassade hoch, die Lippen verärgert zusammengekniffen.
Sobald Major Uruhk wieder auf dem Planeten sein würde, sollte die sich Babbis auch noch einmal zur Brust nehmen. Die Antikerin hatte offensichtlich einen besseren Draht zu dem Wissenschaftler. Selbst Spitzbart fiel es deutlich schwerer, als er zunächst angenommen hatte, den jungen Mann zu bremsen. Jetzt ging Babbis ja sogar soweit und klinkte sich eigenmächtig aus den Forschungen aus, was auch immer das zu bedeuten haben sollte.
Anne atmete einige Male tief ein und straffte die Schultern.
Seit mehr als zwei Stunden hatte sie bereits versucht, Babbis zu erreichen. Aber der erwies sich als ebenso flüchtig wie ein Schatten. Nur durch Zufall hatte sie von einem der wenigen Militärangehöringen gehört, daß der Gesuchte sich oft in eben diesem Gebäude, das früher wohl einmal als Lagerraum genutzt worden war, aufhielt. Was auch immer Babbis hier tat, er tat es offensichtlich allein und vollkommen auf sich selbst gestellt. Noch dazu in einem der abgeschirmten Gebäude der Stadt, zu dem es noch immer keinen Funkkontakt gab - einer der Fehler, die Major Uruhk noch zu beheben gedachte, sobald sie irgendwann wieder in der Stadt war.
Anne trat an die Tür heran, berührte kurz den Öffnungsmechanismus und wappnete sich.
Es konnte einfach nicht angehen, daß Babbis tat, was ihm paßte. Immerhin war er bei der Unterredung ebenfalls anwesend gewesen, auf der der jetzige Status beschlossen worden war. Natürlich waren sie alle davon ausgegangen, daß die Antikerin ebenfalls hier sein würde, sobald die Expedition zum Mond startete, aber Babbis hatte ja sogar darauf bestanden, daß Markham flog.
Die Tür öffnete sich und enthüllte einen kleinen, sanft beleuchteten Vorraum.
Anne betrat das Gebäude und sah sich stirnrunzelnd um. Das hier sollte ein Lager gewesen sein? Irgendwie fiel es ihr schwer, das zu glauben, es sei denn, die Antiker hier waren vollkommen anders geartet gewesen wie die, die Atlantis bewohnt hatten.
Kurz orientierte sie sich neu, dann marschierte sie zu der einzelnen, gegenüberliegenden Tür und öffnete diese ebenfalls. Helles Licht brandete ihr entgegen, und ein einziger, gewaltiger Raum, der das gesamte Gebäudeinnere einzunehmen schien, öffnete sich vor ihren ungläubigen Augen.
Was war denn das hier? Irgendwie wirkte es auf sie nicht gerade wie ein Lager. Sie sollte darüber wirklich noch einmal mit Major Uruhk reden - sofern die jemals wieder von der Prometheus zurückkehren würde.
Anne trat ein und sah sich staunend um.
Nein, ein solches Gebäude kannte sie von Atlantis her nicht. Allerdings hatte ihre Arbeit dort sie oftmals an den Kontrollraum gefesselt, so daß sie selbst nach knapp zwei Jahren dort wenig mehr als den Zentralturm und den Anleger kennengelernt hatte. Irgendwie hatte sie das immer bedauert, aber einfach keine Zeit gefunden, sich die anderen Bereiche anzusehen, von denen die Expeditionsmitglieder sprachen. Hier würde das vielleicht anders sein, zumindest tat sie das ihrige, um Vineta besser kennenzulernen.
Der vermißte Wissenschaftler befand sich ungefähr in der Mitte des Raumes und stand über einen Tisch gebeugt, offensichtlich gerade mit irgendetwas beschäftigt.
Anne trat stirnrunzelnd näher.
Er mußte wirklich sehr beschäftigt sein, daß er ihr Eintreten bisher nicht wahrgenommen hatte. Aber das würde sie schnell zu ändern wissen.
„Dr. Babbis!" sagte sie im strengen Tonfall.
Der junge Wissenschaftler zuckte sichtlich zusammen und fuhr herum.
Anne kreuzte die Arme vor der Brust und sah ihn verärgert an. „Was fällt Ihnen ein, nicht zum Briefing zu erscheinen? Es ist wichtig, solange Sie der einzige verfügbare Pilot sind, daß Sie an den morgendlichen Besprechungen der Einsätze teilnehmen."
Babbis blinzelte hinter seiner Brille, schob sich die Sehhilfe wieder auf die Nasenwurzel. „Ich ... oh!" entfuhr es ihm. Er blickte auf seine Armbanduhr und staunte sichtlich. „Ich dachte, ich hätte noch Zeit", gestand er ihr dann zu wissen.
„Dann sollten Sie diese vielleicht jetzt verwenden und zumindest mir zuhören", schlug sie, weiterhin mit strenger Miene, vor. „Immerhin werden Sie wohl noch einige Tage einiges an Mehrstunden leisten müssen, solange Lieutenant Markham nicht vom Mond zurückgekehrt ist."
„Er ist immer noch nicht zurück?" Babbis schien wirklich verblüfft.
Anne stutzte, schüttelte dann unwillig den Kopf. „Was denken Sie denn, wie lange die Erkundung eines Himmelskörpers dauert, zumal, wenn wir diesen nutzen wollen?" fragte sie.
Babbis zuckte mit den Schultern, drehte sich wieder zum Tisch um und hantierte dort mit irgendetwas, was er mit seinem Körper verdeckte.
„Dr. Babbis!" Allmählich reichte es ihr. Irgendwann war auch ihr Geduldsfaden überspannt.
„Sekunde", murmelte er.
Anne atmete wieder tief ein. „Keine Sekunde, nicht einmal eine halbe", widersprach sie. „Sie haben noch genau zehn Minuten, ehe Sie zu Ihrem ersten Einsatz aufbrechen. Sie sollten sich besser bereit machen."
Babbis nickte, doch sie merkte ihm deutlich an, daß er ihr nicht wirklich zuhörte.
Mit schnellen Schritten war sie neben ihm und schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte. Der junge Mann schrak sichtlich zusammen.
„Hören Sie mir gefälligst zu, wenn ich mit Ihnen rede!" fuhr sie ihn an.
Babbis blinzelte wieder, richtete sich dann auf. „Ich arbeite hier an PKs, Dr. Stross", wandte er ein und wies auf das, was sich da vor ihm auf dem Tisch ausbreitete. „Bei allem Respekt, aber ich habe keine Zeit, Ihnen zuzuhören. Sie wollen doch, daß Major Uruhk hierbleibt, oder nicht?"
Anne funkelte ihn wütend an. „Major Uruhk will hier bleiben, und ich kann ihre Entscheidung nur begrüßen", sagte sie betont ruhig. „Aber, und hier sind Sie in der Pflicht, Sie haben sich bereit erklärt, Markhams Dienst mit zu übernehmen, solange er nicht hier ist. Irre ich mich, oder haben Sie ihn fast genötigt, zu dieser Expedition aufzubrechen, obwohl er warten wollte, bis Major Uruhk von der Prometheus zurück ist?"
Babbis kniff die Lippen fest aufeinander, wandte sich erneut seiner Arbeit zu. „Ich habe keine Zeit, zumal mir ja nur zehn Minuten bleiben."
„Dr. Spitzbart hat Sie beurlaubt, damit Sie sich voll und ganz auf die Flüge konzentrieren können", fuhr Anne wütend fort, „und nicht, damit Sie weiterhin an den Planetenkillern herumbasteln. Also sollten Sie auch genau das tun, haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
„Jaja", murmelte er, doch ihm war deutlich anzumerken, daß er wieder nicht hingehört hatte.
Allmählich platzte ihr der Kragen, mußte Anne zugeben. So einen sturen Esel wie Babbis hatte sie noch nie erlebt! Viele waren ja davon überzeugt gewesen, daß Dr. McKay egozentrisch war, aber dieser junge Mann stellte den Spitzenwissenschaftler bei weitem in den Schatten.
Anne griff zu und zerrte ungeduldig das Gehäuse, an dem Babbis gearbeitet hatte, zu sich hin. „Zwingen Sie mich nicht zu Maßnahmen, die Sie bereuen würden", drohte sie dabei. „Ich warne Sie ein letztes Mal, Dr. Babbis. Und sollte so eine Schlappe wie gestern noch einmal vorkommen, werden Sie sich wünschen, noch auf der Erde zu sein. Ich bin gern bereit, Ihnen Zeit zuzugestehen, in der Sie an den Planetenkillern arbeiten können. Aber der Moment könnte gar nicht ungünstiger gewählt sein als jetzt. Also tun Sie sich selbst einen Gefallen und konzentrieren Sie sich auf die Flüge durch das Tor, sonst könnten Sie sehr schnell bereuen, nicht auf der Prometheus geblieben zu sein!"
Babbis starrte sie groß an, dann hoben sich seine Schultern, seine Lippen wurden wieder schmal.
„Und jetzt werden Sie so schnell wie möglich zur Base gehen und das erste Team durch das Gate befördern", befahl Anne hart. „Haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
„Ich bin nicht Ihr Sklave, Dr. Stross!" Babbis starrte sie noch einen Moment lang an, dann drehte er sich auf dem Absatz um und marschierte aus dem gewaltigen Raum.
Anne sah ihm kopfschüttelnd nach.
Was mochte da noch auf sie zukommen?
***
Andrea Walsh fuhr gerade einige Subroutinen in den Nebenprogrammen des Stargates durch. Nebenprogramme, mit denen niemand von ihnen etwas anfangen konnte.
Irgendwie schien Vineta an sich bereits ein einziges Experiment zu sein, zumindest konnte sie kaum etwas anderes sagen nach den ersten Wochen in dieser Stadt auf ihrem Posten. Sie konnte nur hoffen, daß Major Uruhk, sofern sie noch einmal hier herunter kommen würde, mehr dazu sagen konnte als sie, denn soetwas hatte sie noch nie gesehen.
Das Jumper-Schott fuhr ein, gerade als sie wieder etwas gefunden hatte, mit dem sie rein gar nichts anzufangen wußte.
Andrea blickte auf, aktivierte dann den Schild, als sie begann, Stimmen zu hören. Irritiert blinzelte sie einen Moment lang, dann breitete sich ein Grinsen über ihr Gesicht aus, als sie erkannte, wer da sprach.
Offensichtlich hatten sowohl Dr. Babbis als auch Captain Claine vergessen, ihre Funkgeräte aufeinander abzustimmen.
Einige ratlose Blicke trafen ihre Kehrseite. Andrea zuckte nur gutgelaunt mit den Schultern und beobachtete, wie der Jumper sacht im engen Gateroom auf das Tor einschwang, dann hinuntersank, bis er direkt vor dem Ereignishorizont schwebte. Ein erhebender Anblick, wie sie immer wieder fand.
Gern würde auch sie selbst einmal durch das Tor gehen, um Abenteuer zu erleben. Auf der anderen Seite war sie froh, daß man sie auf ihrem jetzigen Posten, sozusagen als Verantwortliche für Torbetrieb und den aktivierten technischen Einrichtungen der Stadt, akzeptierte. Auf Atlantis hatte sie meist zurückstecken müssen in dieser Beziehung. Da war es Chuck gewesen, der sich oft genug die Haare gerauft hatte. Hier war es bisher eher ruhig, und sie hoffte, so würde es auch bleiben, auch wenn das wahrscheinlich ein frommer Wunsch sein würde.
„Das Tor befindet sich unter Wasser, Doc. Ich hoffe, Sie denken daran", hörte sie die Stimme des Captains gerade sagen.
Das allerdings war auch etwas, an das sie sich erst einmal gewöhnen mußte. Tore auf Planeten und im Orbit ließ sie sich ja noch gefallen, aber in tiefen Schächten und auf dem Meeresgrund? Das war schon eine etwas andere Geschichte. Und sie fragte sich wirklich, wie die Antiker auf diese Positionen gekommen waren. Denn die Teams, die bisher auf eben solche Stargates getroffen waren, berichteten einhellig, was bisher nur ein Verdacht gewesen war: Die Tore waren tatsächlich ursprünglich bereits an diesen Stellen aufgestellt worden.
„Ich weiß!" knurrte Babbis' Stimme gereizt.
Wo der sich wohl herumgetrieben hatte? Stross war jetzt schon mehr als angespannt, sobald auch nur andeutungsweise der Name des jungen Wissenschaftlers fiel. Und Markham würde sich erst wieder gegen Abend melden. Die Frage war, ob die Leiterin ihn dann zurückbeordern würde. Obwohl die Erforschung des Mondes mindestens so dringend sein würde wie jeder Fremdweltkontakt, den sie herstellen konnten.
„Und denken Sie bitte auch daran, daß wir nicht einwählen können. Es gibt kein DHD. Insofern ist die Terminierung hier sehr wichtig. Ich habe keine Lust, auf diese Devi zu treffen und ... Naja, Sie wissen wahrscheinlich besser, was dann geschieht als ich", fuhr der Captain fort.
„Nein, weiß ich nicht."
„Jumper 14, Sie können einwählen. DHD ist freigegeben", meldete Andrea jetzt im geschäftsmässigem Ton.
Würde Babbis auffallen, daß seine Leitung offen war?
Sie beobachtete, wie die Symbole begannen zu tanzen und ein Chevron nach dem anderen einrastete. Dann allerdings ... Der Knall war fast ohrenbetäubend.
Andrea verzog unwillig das Gesicht, schaltete den Schutzschild manuell aus und beobachtete den Jumper, der in das Feld des Autopiloten glitt, dann im Tor verschwand.
Irgendwas mußten sie gegen diese Lautstärke unternehmen. Das wurde mit jeder Einwahl schlimmer!
Das Wurmloch erlosch, nachdem der Gleiter verschwunden war. Dafür beobachtete Andrea, wie etwas zu Boden fiel. Mit großen Augen beugte sie sich vor.
„Was war das?" hörte sie die Stimme von Dr. Stross schräg neben sich.
„Ich schätze, das war das Loch im Chevron", antwortete sie, musterte nun das Tor sehr interessiert. Doch von ihrem Standpunkt aus war das Einschußloch nicht auszumachen.
„Was? Aber Major Uruhk meinte, es sollte ein wenig halten."
Andrea zuckte ratlos mit den Schultern, gerade als die Einwahl erfolgte. Sofort richtete sie sich wieder auf und schaltete beide Schilde zu.
„Keine Ahnung. Es fiel etwas runter, nachdem das Wurmloch zusammenbrach", erklärte sie. „Ich schätze, Dr. Babbis bekommt noch ein wenig Arbeit nach ..." Die nächste Etablierung ließ ihre Kaffeetasse tanzen. Eilig griff sie danach und konzentrierte sich auf den, mit dem Tor verbundenen Laptop. „... seiner Rückkehr. Wann ist der nächste Gang geplant?"
„In einer halben Stunde." Stross seufzte, beugte sich jetzt ebenfalls nach vorn und musterte den Ereignishorizont.
„Dr. Babbis' Kennung." Andrea ließ den ersten Energieschild fallen, der zweite aber blieb aktiviert. Darauf hatten sie sich geeinigt, sofern nicht Major Uruhk durch das Tor wollte. Sie glaubten, deren Fremdzellen würden den zweiten Schild vielleicht nicht unbeschadet durchqueren können.
Der Puddlejumper tauchte wieder auf, das Wurmloch erlosch.
Andrea schaltete nun auch den zweiten Schild ab.
„Was denken die sich eigentlich? Ich bin doch nicht der Lakai für alle!" meckerte es in ihrem Ohr.
Sie wechselte einen Blick mit Stross und grinste wieder in sich hinein.
Die blonde Leiterin von Vineta aktivierte ihr Funkgerät. „Dr. Babbis, schön daß Sie so schnell zurück sind. Sie haben eine halbe Stunde vor dem nächsten Flug. Danach könnten Sie sich bitte noch einmal das Tor ansehen. Das Einschußloch, das geschweißt wurde, ist offensichtlich wieder offen. Bei diesem Lärm brauchen wir den Devi gar nicht unter die Augen zu treten, die werden schon allein davon hergelockt."
Andrea kicherte, kümmerte sich wieder um die Subroutinen und überflog die Unterprogramme.
Das konnte wirklich noch heiter werden mit Babbis als einzigem Piloten. Gestern hätte er beinahe das Schott zerlegt, heute fiel das Tor auseinander. Sie fragte sich, was als nächstes geschehen würde.
***
Peter knurrte einige unwillige Flüche in sich hinein, während er die Leiter plazierte und sich dann das Stargate noch einmal von unten ansah.
Was würde er jetzt um Vashtus Fremdzellen geben, die es ihm ermöglichen würden, einfach so das Tor hinaufzuklettern. Aber statt dessen hatten er und einer der Erethianer diese Leiter herschleppen müssen, natürlich durch das Treppenhaus, da die Lifte für etwas so langes nicht ausgelegt waren.
„Ich schalte den Schild zu, für alle Fälle", meldete sich Walshs Stimme im Gateroom. Das Programm für die Aktivierung der Lautsprecher hatten sie also auch ohne seine Hilfe gefunden. Mutig, diese beiden Damen.
Peter brodelte leise vor sich hin, während er jetzt die Leiter hinaufstieg, um sich das Einschußloch noch einmal von nahem anzusehen.
Was hatten diese Idioten im Kontrollraum eigentlich angestellt, daß das Stahlteil wieder herausgefallen war aus dem Tor? Er wußte es nicht, und sehr wahrscheinlich würde er es auch nicht herausfinden können. Tatsache war, sie hatten hier ein Sternentor mit einem Loch in einem der Schlüsselelemente. Es funktionierte zwar, aber bei dem Krach bei einer Etablierung konnte es durchaus zu Gehörschäden führen.
Vashtu hatte das Loch zwar, wie gesagt, bereits einmal verschweißt, doch irgendwie hatte sich der Metallklumpen wieder vom Naquadah gelöst. Und da sie hier bis jetzt keine Ersatzteile gefunden hatten ...
Peter runzelte die Stirn. „Schild abschalten!" befahl er dann, beugte sich gefährlich weit über, um sich das Loch besser ansehen zu können.
Wie war es nur irgendjemandem gelungen, in dieses Material ein Loch zu schießen? Ihm war eigentlich noch nichts untergekommen, das ein Sternentor wirklich dermaßen dauerhaft beschädigen konnte.
Peter tastete mit der Hand nach dem Loch, steckte zwei Finger hinein.
Irrte er sich, oder war es größer geworden, seit sie es sich das letzte Mal angesehen hatten? Sicher war er sich da nicht, immerhin hatte er da unten gestanden, und von unten sah es immer noch gleich groß aus. Andererseits schien der Krach, der bei einer Etablierung entstand, zuzunehmen, und das sprach schon dafür, daß dieses Tor bald dem Weg alles Irdischen folgen würde.
„Und?"
Peter richtete sich wieder auf und drehte sich herum. Andrea Walsh stand oben an der Treppe und sah ihn auffordernd an.
„Das Tor ist hin", antwortete er schulterzuckend. „Ich kann es noch einmal schweißen, aber das wird das ganze nicht wirklich aufhalten. Wir brauchen ein neues Sternentor, denn sonst können wir bald wieder aus dem Netzwerk herausfallen."
Walsh nickte sinnend. „Keine Chance, daran irgendetwas zu ändern?" erkundigte sie sich und kreuzte die Arme vor der Brust.
Peter sandte ihr einen verächtlichen Blick, drehte sich wieder um. In diesem Moment bemerkte er, wie die Symbole und Shevrons begannen aufzuleuchten. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.
Oh nein! Wer wählte sich denn da von außen ein? Und warum ... ?
So schnell wie möglich machte er sich an den Abstieg, doch er wußte, er würde es nicht schaffen. Nicht vor der Etablierung. Er würde elendig draufgehen, das war absolut sicher. Doch wenigstens würde er versuchen, dem Tod noch zu entkommen. Er mußte!
Mit einem gewaltigen Donnerschlag formte sich das Wurmloch.
Peter kniff die Augen zusammen und erwartete, mit hochgezogenen Schultern und eingezogenem Kopf, sein Ende. Würde es wenigstens schnell gehen? Würde er überhaupt etwas spüren? Würde ... ?
„Schild aktiviert. Kennung von Captain Sanchez", meldete sich Walshs Stimme wieder im Gateroom.
Peter atmete einige Male tief ein, dann öffnete er vorsichtig ein Auge, dann das zweite.
Er lebte noch! Und er lebte, weil ...
Sein Kopf ruckte herum und er starrte auf den schimmernden Energieschild, der das Wurmloch verbarg. Erleichtert seufzend lehnte er sich gegen die Sprossen.
Zumindest eine in diesem Laden war schnell genug, um wenigstens den Schild zu aktivieren, ehe er, zur Zeit wohl der wichtigste Mann in Vineta, draufgehen konnte.
„Doc, Sanchez und sein Team haben ein Problem", meldete Walsh mit besorgter Stimme. „Sie stehen unter feindlichem Feuer. Die Devi sind auf dem Planeten."
Gut, keine kleine Erholungspause, auch wenn er sie dringend gebrauchen konnte.
Peter nickte und kletterte die restlichen Sprossen der Leiter hinunter. Das hörte sich ja zumindest nach einem schnellen Einsatz an. Dann konnte er vielleicht doch noch etwas tun, ehe er Claines Team wieder abholen mußte.
Peter schob die Leiter zur Seite. Das Wurmloch fiel in sich zusammen, doch der Schild blieb aktiviert.
„Schaffen Sie das so schnell wie möglich? Hörte sich nicht gerade gut an", fuhr Walsh fort.
Peter warf der Verglasung der Kontrollzentrale einen verächtlichen Blick zu. „Der Jumper steht draußen vor der Tür. In ein oder zwei Minuten bin ich wieder da."
Sofern er den Gleiter auf dem engen Platz in die Luft kriegen würde, ohne auch noch eines der benachbarten Gebäude zu beschädigen, rief er sich in Gedanken zur Ordnung. Aber schließlich war er ja, laut Vashtu, ein Naturtalent im Fliegen eines Puddlejumpers.
Peter eilte aus dem Raum und nahm den Lift nach unten. Dann hetzte er aus dem Turm heraus und schwang sich in seinen Jumper.
Zumindest der unangenehme Teil dieses Tages schien schnell vorbei zu sein ...
***
„Sergeant? Tut mir leid, daß ich Sie störe."
Dorn blickte interessiert auf und begann zu schmunzeln, als er die blonde Frau erkannte, die gerade sein Büro betreten hatte. Auffordernd nickte er und lehnte sich in seinem Rollstuhl zurück.
Stross seufzte, packte mit beiden Händen die Lehne des Stuhles auf der anderen Seite des Schreibtisches und begann diese mit ihren Fingern zu kneten. „Ich weiß mir allerdings keinen anderen Rat mehr, solange Major Uruhk auf der Prometheus ist."
Dorns Schmunzeln wurde zu einem Grinsen. „Macht der Kleine Ärger?" fragte er.
Stross' Miene war ihm Antwort genug. Leise gluckste er in sich hinein.
„Ärger? Er macht, was er will, nicht was er soll!" knurrte die Leiterin der Stadt. „Ich habe jetzt mehrmals versucht, mit ihm zu reden, aber er läßt sich einfach nichts von mir sagen. Statt seine Arbeit zu tun, versteckt er sich hier im militärischen Sektor in einem abgeschirmten Gebäude und bastelt an den Planetenkillern herum. Und seine Dienste als Pilot für andere Teams lassen deutlich zu wünschen übrig. Williams Teams kann sich auf P1V-121 nicht mehr sehen lassen, Claine und seine Männer saßen über Stunden auf P1V-119 fest und Sanchez hatte auf P1V-122 alle Hände voll zu tun, damit Babbis sie durch das Tor flog, nachdem er erst einmal durch war. Offensichtlich hat er die Devi direkt auf die Spur des Teams gesetzt und sämtliche Drohnen verschossen. Als sie zurückkehren wollten, hatte man das Tor gesperrt und Babbis weigerte sich schlichtweg, das DHD des Jumpers zu benutzen. Ganz davon zu schweigen, was er bisher in der Stadt angerichtet hat. Ich habe bereits mit Markham gesprochen, doch der möchte wenigstens noch zwei Tage auf dem Mond bleiben, um dort etwas zu überprüfen. Wir können nicht auf Fremdwelteinsätze verzichten, und es scheint immer dringlicher zu werden, daß wir Handelsbeziehungen aufnehmen."
Dorn nickte sinnend, faltete die Hände in seinem Schoß. „Der Doc ist ein bißchen schwierig. Selbst Vash hatte da ihre Schwierigkeiten zu Anfang", gab er zu bedenken.
Stross seufzte und ließ den Kopf hängen. „So geht es nicht mehr weiter. Wir kommen von und hinten nicht voran, weil er sich durchsetzen will. Es ist absolut gar nichts gegen seine Forschungen zu sagen, ganz im Gegenteil wäre ich froh, wenn wir mehr Energie zur Verfügung hätten. Aber so, wie es im Moment läuft ..."
Dorn schürzte nachdenklich die Lippen und sog die Wangen ein. „Ich rede mit ihm", entschied er nach einer kleinen Weile. „Habe da sowieso noch etwas zu klären."
Stross lächelte dankbar, als sie aufblickte. „Ich würde das normalerweise nicht von Ihnen verlangen, Sergeant, aber ... ich weiß mir selbst keinen Rat mehr."
Dorn löste die Bremsen seines Rollstuhls und dirigierte diesen um seinen Schreibtisch herum. „Machen Sie sich mal keine Sorgen. Wenn Vash wieder unten ist, werden sich seine Dummheiten schon einrenken."
Stross nickte mit verkniffener Miene. „Aber solange ... Wir haben noch immer keinen Kontakt zur Prometheus. Allmählich beginne ich, das schlimmste zu befürchten. Wie es aussieht, basteln die Techniker wohl wieder am Antrieb. Wenn Pendergast den Major wieder in die Brick gesperrt hat ..."
„Sie hat versprochen, daß sie wiederkommt. Vash hält ihre Versprechen, Doc." Mit einer entschlossenen Bewegung rollte er den Stuhl an ihr vorbei zur Tür. „Vashtu Uruhk ist verläßlich wie ein Uhrwerk."
„Aber es ist nicht nur sie, die dort oben festsitzt. Dr. Grodin gehört eigentlich ebenfalls zu meinem Stab. Im Moment haben wir nicht einen Arzt, nur eine Handvoll Pfleger." Stross folgte ihm aus dem Büro heraus und schlug an seiner Seite den Weg Richtung Lift ein. „Ganz zu schweigen von Heimdahl, der sich uns anschließen wollte, und dann einige der höherstehenden Offiziere und ein paar Marines, die gern hier bleiben würden. Die beiden anderen Majors Barnes und Dethman wären eine deutliche Ergänzung zu unserem Team hier unten. Und Sie wären doch sicher auch mehr als froh, wenn Sie ein paar Leute mehr für Ihren Sicherheitsdienst hätten, oder?"
Dorn nickte wieder sinnend, rollte in den Lift hinein und drehte sich zu ihr um. „Weiß sie davon?" fragte er nachdenklich.
„Mittlerweile sicherlich", antwortete Stross zögernd. „Barnes hat an der Rettungsmission teilgenommen, Grodin es ihr sogar selbst gesagt, weil ... Die Sache mit ihrem Blut, Sie verstehen, oder?"
Dorn nickte, wendete den Rollstuhl, als die Wissenschaftlerin den Lift wieder verließ und rollte ihr hinterher. „Wird schon", sagte er dabei.
„Hoffentlich!" Stross seufzte schwer, blieb dann stehen. „Soll ich Sie begleiten, Sergeant?"
Dorn schüttelte den Kopf und sah sich kurz auf dem neuen Flur um, auf dem sie angekommen waren. „Nicht nötig", sagte er dann und rollte weiter, bis zu einer Tür an der Seite, die sich vor ihm öffnete.
Der Raum dahinter war erfüllt von Gesprächen und dem leisen Gelächter verschiedener Menschen. Tee- und Kaffeeduft lag in der Luft, und der nicht ganz so angenehme Gestank aus dem Bereiter, der die Breie, von denen die Vineter sich inzwischen größtenteils ernährten, herstellte aus den Resten von allerlei, das sie innerhalb und außerhalb der Stadt fanden.
Dorn rollte in die Kantine hinein und sah sich aufmerksam um. Dann grinste er wieder, als er die einsame Gestalt erkannte, die allein an einem der Tische saß und mit wenig Enthusiasmus, dafür aber der Miene eines leidenden Märtyrers Löffel für Löffel verspeißte.
Der Marine fuhr seinen Rollstuhl zwischen den anderen Menschen hindurch, die sich für abendliche Gespräche versammelt hatten. Irgendwo lief leise Musik, wurde jedoch von den vielen Stimmen fast übertönt.
„N'abend, Doc", sagte Dorn, als er sich bis zu Babbis vorgearbeitet hatte.
Der blickte irritiert auf und blinzelte, schob sich dann mit der freien Hand die Brille wieder auf die Nasenwurzel zurück. „Dorn." Er nickte grüßend, beugte sich wieder über das Datenpad, in dessen Dateien er offensichtlich las, während er seinen Brei löffelte.
„Hab gehört, es läuft nicht ganz rund." Dorn lehnte sich zurück und sah sich um.
Was er sah, beruhigte ihn. Die Menschen, die hier zusammengekommen waren, waren ein recht gemischter Haufen aus Wissenschaftlern, Technikern, Militär und einigen Erethianern. Offensichtlich war die Zeit der Isolation gerade letzterer vorbei, und das stimmte ihn froh. Er hatte schon die Befürchtung gehabt, die Einwohner dieses Planeten würden sich irgendwann komplett abkapseln und ihre neuen Mitbewohner links liegen lassen. Daß dem aber offensichtlich doch nicht so war, beruhigte ihn ein wenig, machte ihn gleichzeitig aber auch etwas stolz. Immerhin war er wohl nicht ganz daran unbeteiligt gewesen, nachdem er, bei einem abendlichen Treffen dieses kleinen Völkchens, um die Hilfe gebeten hatte, die die Erethianer der Expedition geben konnten. Und auch Vashtus Entscheidung, ausgerechnet Danea, den Sohn eines der Ältesten, in ihr SG-Team aufzunehmen, schien nicht ganz unschuldig daran, daß die Erethianer inzwischen doch wieder Vertrauen zu fassen schienen in die neuen Bewohner der verbotenen Stadt.
„Kann ich irgendetwas für Sie tun?"
Dorn wandte sich wieder Babbis zu und sah ihn auffordernd an. „Wollte fragen, wie weit meine Prothese ist", sagte er. Dabei ging es ihm um den künstlichen Beinersatz nicht so wirklich.
Der junge Wissenschaftler schluckte sichtlich. „Ich ... äh ..." Er schloß den Mund und straffte die Schultern. „Im Moment bin ich ein bißchen ausgelastet. Wenn Vashtu wiederkommt, soll alles bereit sein, damit sie die Prometheus nicht mehr fürchten muß."
Dorn hob eine Braue. „Wußte gar nicht, daß sie das Schiff fürchtet", entgegnete er.
Babbis wurde rot. Verlegen senkte er den Blick auf seinen Teller. „Ich ... naja ..."
Dorn nickte. „Soll nicht ganz rund laufen für Sie, sagt man", wiederholte er seine Eingangsworte.
Babbis spielte mit dem Löffel, malte Muster in den unansehnlichen Brei, schwieg jetzt aber mit zusammengekniffenen Lippen.
Dorn nickte und beugte sich vor. „Lassen Sie die Bomben erst einmal. Vashtu wird Ihnen dabei wahrscheinlich helfen können", sagte er eindringlich und leise. „Konzentrieren Sie sich auf die Flüge und die Arbeit für Spitzbart, Doc. Das ist erst einmal wichtiger. Wir wissen nicht, wann Vashtu wieder zurückkommt. Dann ist immer noch genug Zeit. Markham braucht noch ein paar Tage."
Babbis' Brauen schoben sich unwillig zusammen, doch er nickte.
Dorn lehnte sich entspannt wieder zurück.
Zumindest war seine Botschaft angekommen.
TBC ...
13.10.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies III
Tag 2:
Danea wanderte an Markhams Seite über die sonnenbeschienene Oberfläche des Mondes. Hüfthohes Steppengras beschwerte ihrer beider Gang ein wenig, wenn auch nicht viel. Die Sonne schien angenehm warm vom Himmel.
„Was haltet ihr bis jetzt von diesem Mond?" erkundigte der Lieutenant sich unversehens.
Danea nickte nachdenklich. „Bis jetzt ... ?" echote er, riß sich dann aus seinen Gedanken. „Es sieht gut aus hier. Es ist angenehm, die Erde offensichtlich recht fruchtbar. Allerdings wird es harte Arbeit werden, Felder anzulegen."
Markham an seiner Seite zog etwas aus einer der Taschen seiner Überlebensweste und riß es in der Mitte entzwei. Ein Stück hielt er ihm hin. Danea griff stirnrunzelnd danach und drehte es zwischen seinen Fingern. Glänzendes, metallfarbenes Papier verhüllte, was auch immer sich in diesem Ding verbergen mochte. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie der Lieutenant seine Hälfte von der Umhüllung befreite und einen schmalen, hellen Streifen von irgendetwas ans Licht brachte, den er sich in den Mund steckte und darauf herumkaute.
„Probieren Sie nur. Ist nicht giftig. Nur Kaugummi", sagte der junge Militär schließlich. „Hatte ich mir bei der letzten Versorgung mitbringen lassen. Aber inzwischen habe ich leider nicht mehr allzu viel." Ein bitteres Lächeln erschien auf seinen Lippen.
Danea betrachtete wieder, was man ihm gereicht hatte. „Kaugummi?" fragte er, wickelte sein Stück schließlich aus und steckte es sich in den Mund. Ein herber, frischer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus, und er roch noch einen Rest von etwas, was er noch nie wahrgenommen hatte.
Markham nickte. „Einfach nur kauen, solange es Geschmack hat. Naja, auch noch ein bißchen länger. Je nachdem ob man es mag oder nicht."
Danea nickte.
Der Streifen wurde in seinem Mund zu einen kleinen Klumpen, auf dem er herumkaute, noch immer diesem eigenartigen Geschmack nachsinnend. „Ich muß sehr dumm auf euch wirken", sagte er nach einer Weile.
Markham schüttelte den Kopf, stützte die Arme auf seine Waffe. „Blödsinn!" entgegnete er. „Ich finde, ganz im Gegenteil, Sie scheinen sehr intelligent zu sein. Sie nehmen die ganzen Neuerungen klaglos hin. Ihr ganzes Volk tut das."
Danea nickte mit einem verschämten Lächeln. „Für euch ist so vieles selbstverständlich, was wir nie getan haben ... oder schon lange verloren." Er sah sich wieder um.
Er kannte die Überlieferungen seines Volkes wahrscheinlich ebenso gut wie jeder andere. Die Goldenen Zeiten, als die Erethianer Städte errichteten, in den Weltraum aufbrachen und ein reiches Volk waren. All das war von den Devi sehr schnell zerstört worden, hieß es. Selbst Ruinen waren von den Städten nicht geblieben. Gar nichts, abgesehen von einigen tiefen Kratern, die er früher oft aufgesucht hatte. Dort sollten die Städte gestanden haben, die die Devi bereits bei ihrem ersten Angriff in Schutt und Asche legten.
War vielleicht auch dieser Mond damals bewohnt gewesen? Hatte es auch hier Erethianer gegeben, die diesen Himmelkörper bewohnbar machten, hier vielleicht sogar das eine oder andere anpflanzten?
Er wußte es nicht, doch irgendwo tief in sich hoffte er, daß sie vielleicht noch etwas finden würden, irgendwo. Ein winziger Beweis, daß es dieses Goldene Zeitalter wirklich gegeben hatte.
Markham blieb stehen, fummelte an einer anderen Tasche herum und zog schließlich dieses Ding hervor, daß er auch schon von seiner Wanderung nach Vineta bei Major Uruhk gesehen hatte.
„Da vorn ist der Puddlejumper, mit dem SG-27 hier strandete", murmelte der Lieutenant nachdenklich.
„Was ist das für ein Gerät?" fragte Danea, nachdem er seinen Stolz wieder heruntergeschluckt hatte.
Markham warf ihm einen kurzen Blick zu, dann hielt er es ihm hin.
Danea hob abwehrend die Hände. „Ich bin kein Erbe der Schöpfer."
Markham begann zu grinsen. „Dafür muß man das Gen nicht tragen. Es ist ein Fernglas, mehr nicht." Auffordernd hielt er es ihm immer noch hin.
Danea griff jetzt doch zögernd danach und hielt es sich vor die Augen, wie er es vorher bei dem Lieutenant gesehen hatte. Ungläubig staunte er. „Das ist ... Die Bäume sind auf einmal so nahe!"
„Ein Fernglas ist so beschaffen, daß man Dinge wie von nahem sehen kann, die doch recht weit entfernt sind", erklärte Markham.
Danea staunte, senkte das Fernglas und blinzelte. „Das ist wirklich erstaunlich!" Er wechselte einen Blick mit dem Militär.
Markham nickte. „Stimmt. Wir aus der Milchstraße haben die eine oder andere Lösung parat, das gebe ich zu. Wenn wir auch längst nicht so weit entwickelt sind wie die Antiker, eure Schöpfer, es gewesen sind."
Danea reichte ihm das Fernglas zurück. „Wir haben auch das eine oder andere. Bei uns heißt es Nahe-Kristall", erklärte er. „Ein durchsichtiger Stein, der so geschliffen worden ist, daß man Dinge heranholen kann."
„Also, so rückständig könnt ihr demnach nicht sein." Markham verstaute das Fernglas wieder in seiner Überlebensweste. „Kommen Sie, sehen wir uns den Jumper etwas näher an."
Danea nickte, sah sich noch einmal um. „Das hier sieht wirklich sehr gut aus. Schade, daß es schon so spät im Jahr ist. So werden wir mit der Aussaat bis nach dem Winter warten müssen."
Markham blinzelte. „Winter?"
„Ja, Winter. Ich schätze, daß hier ist ein Spätsommer, so wie das Gras aussieht", fuhr der Erethianer fort. „Hätten wir irgendetwas, was man über Winter ziehen kann, könnten wir vielleicht schon im Frühjahr ernten. Aber so?" Er zuckte etwas hilflos mit den Schultern. „Aber wir können Felder anlegen für das nächste Jahr. Dann haben wir vielleicht auch etwas mehr Saatgut."
„Ihr habt hier Jahreszeiten?" fragte Markham.
Danea nickte. „Natürlich. Kennt ihr die etwa nicht?"
„Von der Erde her schon." Markham sah sich jetzt nachdenklich um. „Aber in Atlantis gab es keine, zumindest keine spürbaren. Und auch von vielen anderen Welten aus der Milchstraße sind Jahreszeiten so gut wie unbekannt. Wie sieht ein Winter denn in Ihrer Heimatwelt aus?"
„Es ist kalt und beginnt zu schneien. Meist nicht sehr angenehm. Wir haben immer gesehen, daß wir Vorräte anlegen konnten. Aber die sind nun ja ... äh, nicht mehr da."
„Das müssen wir unbedingt Dr. Stross bei unserem nächsten Bericht weitergeben. Das könnte wichtig für uns sein." Markham sah sich mit neuerwachtem Interesse um.
***
86. Tag
Wenn diese Zeilen irgendwann einmal jemand finden sollte, sollte er auch wissen, mit wem er es zu tun hatte: Mein Name ist Peter Babbis, Doktor Peter Babbis, Dipl. Ing. Meine Fachgebiete sind eigentlich Maschinenbau, Mathematik und Astrophysik. Früher einmal war ich Mitglied, und Stellverteter des Leaders, in dem Erd-SG-Team Nummer 27. Wir strandeten hier, wie bereits an früherer Stelle geschrieben, mit einem Puddlejumper, nachdem wir in ein aktiviertes Supergate gestürzt waren.
Wir, das bedeutet natürlich ich selbst und meine Leaderin Major Vashtu Uruhk. Außerdem waren noch Sergeant George Dorn und mein, leider früh verstorbener Kollege James-Robert Wallace mit dabei. Gemeinsam hatten wir uns vielen Aufgaben und Feinden gestellt und zumeist gewonnen. Major Uruhk dankt mir heute noch für meine, ihr Leben rettende Idee während ihrer Geiselhaft in der Pegasus-Galaxie. Ihr haben die restlichen Mitglieder von SG-27 viel zu verdanken gehabt, bzw. tun es immer noch, so daß wir mit der Zeit immer enger zusammenwuchsen. Ich denke, unsere Treffen in unserem Stammlokal in Colorado Springs dürften noch immer legendär sein.
Wenn jemand diese Aufzeichnungen nach meinem Tod durch die Devi oder andere Feinde finden sollte, möchte ich denjenigen bitten, sie an das SGC auf der Erde weiterzuleiten, da es sicherlich sehr wertvolle Erkenntnisse enthält, vor allem über Dimensionsstürze und auch über unsere neuen Feinde, die Devi. Sollte es uns nicht gelingen, sie irgendwie aufzuhalten, könnten diese Hybridwesen vielleicht eines Tages Pegasus und auch Milchstraße überrennen. Ich bin sicher, bis dahin werde ich noch einige Erkenntnisse über sie gesammelt haben. Nicht zu vergessen sei hier auch der Kontrollstuhl auf Antarktica zu erwähnen. In externen Speichern werden Aufzeichungen aus der Stadt Vineta, in der wir uns zur Zeit befinden, aufbewahrt, wie mir Major Uruhk vertraulich mitteilte.
Aber genug davon, kommen wir zum heutigen Tag:
Stross fühlte sich wieder befleißigt, mich von meiner, unser aller Überleben sichernder Arbeit abzuhalten mit allerlei dummen Geschwätz. Wie die meisten Frauen eben so sind, macht sie sich um ungelegte Eier Sorgen. Dabei dürfte es doch wohl allzu klar sein, wem sie so viel in dieser Stadt zu verdanken hat. Aber Frauen sollte man am besten reden lassen, wenn sie ihre Emotionen ausleben müssen.
Dabei, und das muß ich zugeben, macht sie ihre Sache als Leiterin hier nicht einmal schlecht. Nun gut, das eine oder andere ist durchaus noch verbesserungswürdig, aber zumindest scheint sie zu wissen, was sie tut. Als Assistentin der, in dieser Dimension früh verstorbenen Dr. Weir hatte sie allerdings auch eine sehr gute Lehrerin. Ich selbst war ja für einige Zeit auf Atlantis nach der Geiselhaft, um mich von der rüden Behandlung durch den Genii-Terroristen Kolya zu erholen. Dabei lernte ich die Dr. Elizabeth Weir meiner Dimension kennen. Und ich beneide sie nicht um Teile ihres Stabes. Lt. Colonel Sheppard mag ja noch ... Nun, er strengt sich zumindest an, und das sollte man als Wissenschaftler auch respektieren. Aber jemanden wie Dr. Rodney McKay zum führenden Wissenschaftler zu machen ist in meinen Augen eine glatte Fehlentscheidung und stärkt ihn nur noch in seiner Vernarrtheit in sein Ego. Da bin ich etwas versöhnlicher, zugegeben.
Nun, wie dem auch sei. Stross kam zu mir und weinte sich aus. Ich gebe zu, ich hörte ihr nicht wirklich zu. Die PK-Forschung erfordert mein ganzes Können. Immerhin sind diese eigentlichen Waffen sehr kompliziert aufgebaut und hochexplosiv. Darum habe ich mich auch zur näheren Erforschung in ein leerstehendes Gebäude des militärischen Komplexes zurückgezogen. Ich will schließlich nicht die ganze Stadt in die Luft sprengen, sollte etwas schiefgehen. Stross jedenfalls scheint mir im Moment etwas überfordert mit der Situation. Markham noch immer auf diesem Mond, ich weiß nicht, was er da so lange treibt mit Danea und den beiden anderen Erethianern, Major Uruhk immer noch auf der Prometheus, die sich weiterhin in Schweigen hüllt.
Wie nicht anders zu erwarten, ging es natürlich wieder um meine Dienste als Jumper-Pilot für ein SG-Team. Besser gesagt, um deren zwei. Zwei Einsätze, die heute noch sehr dringend geflogen werden mußten. „Wenn es sonst nichts ist", meinte ich nur dazu. Was hätte ich denn auch anderes sagen sollen? Major Uruhk hat mich ja bereits mehrmals als Naturtalent im Fliegen bezeichnet, und inzwischen machen mir die AIs auch nicht mehr die Probleme, wie ich sie zu Anfang dieser zweifelhaften Karriere hatte. Ich flog also Claines Teams als erstes durch das Tor, kehrte hierher zurück und setzte kurz darauf Sanchez' Team ab. Kein großes Problem, zumal Stross mir die Warterei ersparte, die nichts als pure Zeitverschwendung ist.
Kaum an meine Forschungen zurückgekehrt, wurde ich allerdings schon wieder ausgerufen und sollte Sanchez' Team abholen, da diese auf einige Devi gestoßen sind. Nun, muß ich erwähnen, daß der Captain mir sein Leben zu verdanken hat? Selbstverständlich nicht. Es war ja abzusehen. Claine dagegen ließ sich wirklich Zeit mit seiner Rückkehr. Und da es, wieder einmal, eine kleine Störung am Tor gab, sah ich mich zudem befleißigt, mir das ganze noch einmal anzusehen. Ich muß zugeben, Major Uruhk hat durchaus recht mit ihrer Einschätzung. Dieses Stargate ist alles andere als vertrauenserweckend. Wir sollten so bald wie möglich sehen, wie wir es austauschen können.
Dorn lief mir dann auch noch über den Weg, natürlich, während ich mein Abendessen einnahm. Diesen unverdaulichen Nährungsbrei, dem wir im Moment alle ausgeliefert sind - ein schreckliches, kaum herunterzubringendes Zeug. Wer auch immer diese Maschinen erfunden hat, man sollte ihn, selbst nach mehr als zehntausend Jahren, noch im All aussetzen.
Nun, Dorn kam auf jeden Fall zu mir an den Tisch und sprach mich auf die Prothese an, die er von mir haben will. Und natürlich habe ich bisher leider nicht die Zeit gefunden, diese Prothese anzufertigen. Wie soll ich es sagen, dieser Planet verfügt zwar über einen Tagesrhythmus von 28 Stunden, aber selbst ich muß auch irgendwann einmal schlafen. Und solange wir keinen Arzt in Vineta haben, wobei angemerkt sein sollte, daß ich wirklich nicht weiß, woher wir einen solchen Quaksalber nehmen sollten, werde ich wohl auch weiterhin auf Schlaf angewiesen sein, gerade in einer solchen Situation.
Nun ja, ich versprach Dorn, seine Prothese so bald wie möglich in Angriff zu nehmen. Solange Major Uruhk auf der Prometheus sitzt, können wir sowieso nichts weiter tun als abwarten. Natürlich wäre es von Nutzen, sie so bald wie möglich wieder in der Stadt zu wissen. Aber, wie gesagt, Pendergast hüllt sich in Schweigen. Wollen wir hoffen, daß sich dieses Problem irgendwann einmal lösen wird.
Meine Wohnungssuche verlief weiter erfolglos. Ich habe zwar ein bestimmtes Objekt im Auge, allerdings bin ich mir ziemlich sicher, daß es nicht genehmigt werden wird, wenn ich mich in der Kommandozentrale des militärischen Sektors einmiete. Was wirklich schade ist. Einen solchen Platz findet man sonst nicht in dieser Stadt. Irgendwie wirkt alles recht eng und klein. Möglicherweise liegt es schlicht an der Tatsache, daß Vineta in einer gewaltigen Höhle erbaut wurde und das Szenario wirklich etwas bedrückend wirkt.
TBC ...
Danea wanderte an Markhams Seite über die sonnenbeschienene Oberfläche des Mondes. Hüfthohes Steppengras beschwerte ihrer beider Gang ein wenig, wenn auch nicht viel. Die Sonne schien angenehm warm vom Himmel.
„Was haltet ihr bis jetzt von diesem Mond?" erkundigte der Lieutenant sich unversehens.
Danea nickte nachdenklich. „Bis jetzt ... ?" echote er, riß sich dann aus seinen Gedanken. „Es sieht gut aus hier. Es ist angenehm, die Erde offensichtlich recht fruchtbar. Allerdings wird es harte Arbeit werden, Felder anzulegen."
Markham an seiner Seite zog etwas aus einer der Taschen seiner Überlebensweste und riß es in der Mitte entzwei. Ein Stück hielt er ihm hin. Danea griff stirnrunzelnd danach und drehte es zwischen seinen Fingern. Glänzendes, metallfarbenes Papier verhüllte, was auch immer sich in diesem Ding verbergen mochte. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie der Lieutenant seine Hälfte von der Umhüllung befreite und einen schmalen, hellen Streifen von irgendetwas ans Licht brachte, den er sich in den Mund steckte und darauf herumkaute.
„Probieren Sie nur. Ist nicht giftig. Nur Kaugummi", sagte der junge Militär schließlich. „Hatte ich mir bei der letzten Versorgung mitbringen lassen. Aber inzwischen habe ich leider nicht mehr allzu viel." Ein bitteres Lächeln erschien auf seinen Lippen.
Danea betrachtete wieder, was man ihm gereicht hatte. „Kaugummi?" fragte er, wickelte sein Stück schließlich aus und steckte es sich in den Mund. Ein herber, frischer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus, und er roch noch einen Rest von etwas, was er noch nie wahrgenommen hatte.
Markham nickte. „Einfach nur kauen, solange es Geschmack hat. Naja, auch noch ein bißchen länger. Je nachdem ob man es mag oder nicht."
Danea nickte.
Der Streifen wurde in seinem Mund zu einen kleinen Klumpen, auf dem er herumkaute, noch immer diesem eigenartigen Geschmack nachsinnend. „Ich muß sehr dumm auf euch wirken", sagte er nach einer Weile.
Markham schüttelte den Kopf, stützte die Arme auf seine Waffe. „Blödsinn!" entgegnete er. „Ich finde, ganz im Gegenteil, Sie scheinen sehr intelligent zu sein. Sie nehmen die ganzen Neuerungen klaglos hin. Ihr ganzes Volk tut das."
Danea nickte mit einem verschämten Lächeln. „Für euch ist so vieles selbstverständlich, was wir nie getan haben ... oder schon lange verloren." Er sah sich wieder um.
Er kannte die Überlieferungen seines Volkes wahrscheinlich ebenso gut wie jeder andere. Die Goldenen Zeiten, als die Erethianer Städte errichteten, in den Weltraum aufbrachen und ein reiches Volk waren. All das war von den Devi sehr schnell zerstört worden, hieß es. Selbst Ruinen waren von den Städten nicht geblieben. Gar nichts, abgesehen von einigen tiefen Kratern, die er früher oft aufgesucht hatte. Dort sollten die Städte gestanden haben, die die Devi bereits bei ihrem ersten Angriff in Schutt und Asche legten.
War vielleicht auch dieser Mond damals bewohnt gewesen? Hatte es auch hier Erethianer gegeben, die diesen Himmelkörper bewohnbar machten, hier vielleicht sogar das eine oder andere anpflanzten?
Er wußte es nicht, doch irgendwo tief in sich hoffte er, daß sie vielleicht noch etwas finden würden, irgendwo. Ein winziger Beweis, daß es dieses Goldene Zeitalter wirklich gegeben hatte.
Markham blieb stehen, fummelte an einer anderen Tasche herum und zog schließlich dieses Ding hervor, daß er auch schon von seiner Wanderung nach Vineta bei Major Uruhk gesehen hatte.
„Da vorn ist der Puddlejumper, mit dem SG-27 hier strandete", murmelte der Lieutenant nachdenklich.
„Was ist das für ein Gerät?" fragte Danea, nachdem er seinen Stolz wieder heruntergeschluckt hatte.
Markham warf ihm einen kurzen Blick zu, dann hielt er es ihm hin.
Danea hob abwehrend die Hände. „Ich bin kein Erbe der Schöpfer."
Markham begann zu grinsen. „Dafür muß man das Gen nicht tragen. Es ist ein Fernglas, mehr nicht." Auffordernd hielt er es ihm immer noch hin.
Danea griff jetzt doch zögernd danach und hielt es sich vor die Augen, wie er es vorher bei dem Lieutenant gesehen hatte. Ungläubig staunte er. „Das ist ... Die Bäume sind auf einmal so nahe!"
„Ein Fernglas ist so beschaffen, daß man Dinge wie von nahem sehen kann, die doch recht weit entfernt sind", erklärte Markham.
Danea staunte, senkte das Fernglas und blinzelte. „Das ist wirklich erstaunlich!" Er wechselte einen Blick mit dem Militär.
Markham nickte. „Stimmt. Wir aus der Milchstraße haben die eine oder andere Lösung parat, das gebe ich zu. Wenn wir auch längst nicht so weit entwickelt sind wie die Antiker, eure Schöpfer, es gewesen sind."
Danea reichte ihm das Fernglas zurück. „Wir haben auch das eine oder andere. Bei uns heißt es Nahe-Kristall", erklärte er. „Ein durchsichtiger Stein, der so geschliffen worden ist, daß man Dinge heranholen kann."
„Also, so rückständig könnt ihr demnach nicht sein." Markham verstaute das Fernglas wieder in seiner Überlebensweste. „Kommen Sie, sehen wir uns den Jumper etwas näher an."
Danea nickte, sah sich noch einmal um. „Das hier sieht wirklich sehr gut aus. Schade, daß es schon so spät im Jahr ist. So werden wir mit der Aussaat bis nach dem Winter warten müssen."
Markham blinzelte. „Winter?"
„Ja, Winter. Ich schätze, daß hier ist ein Spätsommer, so wie das Gras aussieht", fuhr der Erethianer fort. „Hätten wir irgendetwas, was man über Winter ziehen kann, könnten wir vielleicht schon im Frühjahr ernten. Aber so?" Er zuckte etwas hilflos mit den Schultern. „Aber wir können Felder anlegen für das nächste Jahr. Dann haben wir vielleicht auch etwas mehr Saatgut."
„Ihr habt hier Jahreszeiten?" fragte Markham.
Danea nickte. „Natürlich. Kennt ihr die etwa nicht?"
„Von der Erde her schon." Markham sah sich jetzt nachdenklich um. „Aber in Atlantis gab es keine, zumindest keine spürbaren. Und auch von vielen anderen Welten aus der Milchstraße sind Jahreszeiten so gut wie unbekannt. Wie sieht ein Winter denn in Ihrer Heimatwelt aus?"
„Es ist kalt und beginnt zu schneien. Meist nicht sehr angenehm. Wir haben immer gesehen, daß wir Vorräte anlegen konnten. Aber die sind nun ja ... äh, nicht mehr da."
„Das müssen wir unbedingt Dr. Stross bei unserem nächsten Bericht weitergeben. Das könnte wichtig für uns sein." Markham sah sich mit neuerwachtem Interesse um.
***
86. Tag
Wenn diese Zeilen irgendwann einmal jemand finden sollte, sollte er auch wissen, mit wem er es zu tun hatte: Mein Name ist Peter Babbis, Doktor Peter Babbis, Dipl. Ing. Meine Fachgebiete sind eigentlich Maschinenbau, Mathematik und Astrophysik. Früher einmal war ich Mitglied, und Stellverteter des Leaders, in dem Erd-SG-Team Nummer 27. Wir strandeten hier, wie bereits an früherer Stelle geschrieben, mit einem Puddlejumper, nachdem wir in ein aktiviertes Supergate gestürzt waren.
Wir, das bedeutet natürlich ich selbst und meine Leaderin Major Vashtu Uruhk. Außerdem waren noch Sergeant George Dorn und mein, leider früh verstorbener Kollege James-Robert Wallace mit dabei. Gemeinsam hatten wir uns vielen Aufgaben und Feinden gestellt und zumeist gewonnen. Major Uruhk dankt mir heute noch für meine, ihr Leben rettende Idee während ihrer Geiselhaft in der Pegasus-Galaxie. Ihr haben die restlichen Mitglieder von SG-27 viel zu verdanken gehabt, bzw. tun es immer noch, so daß wir mit der Zeit immer enger zusammenwuchsen. Ich denke, unsere Treffen in unserem Stammlokal in Colorado Springs dürften noch immer legendär sein.
Wenn jemand diese Aufzeichnungen nach meinem Tod durch die Devi oder andere Feinde finden sollte, möchte ich denjenigen bitten, sie an das SGC auf der Erde weiterzuleiten, da es sicherlich sehr wertvolle Erkenntnisse enthält, vor allem über Dimensionsstürze und auch über unsere neuen Feinde, die Devi. Sollte es uns nicht gelingen, sie irgendwie aufzuhalten, könnten diese Hybridwesen vielleicht eines Tages Pegasus und auch Milchstraße überrennen. Ich bin sicher, bis dahin werde ich noch einige Erkenntnisse über sie gesammelt haben. Nicht zu vergessen sei hier auch der Kontrollstuhl auf Antarktica zu erwähnen. In externen Speichern werden Aufzeichungen aus der Stadt Vineta, in der wir uns zur Zeit befinden, aufbewahrt, wie mir Major Uruhk vertraulich mitteilte.
Aber genug davon, kommen wir zum heutigen Tag:
Stross fühlte sich wieder befleißigt, mich von meiner, unser aller Überleben sichernder Arbeit abzuhalten mit allerlei dummen Geschwätz. Wie die meisten Frauen eben so sind, macht sie sich um ungelegte Eier Sorgen. Dabei dürfte es doch wohl allzu klar sein, wem sie so viel in dieser Stadt zu verdanken hat. Aber Frauen sollte man am besten reden lassen, wenn sie ihre Emotionen ausleben müssen.
Dabei, und das muß ich zugeben, macht sie ihre Sache als Leiterin hier nicht einmal schlecht. Nun gut, das eine oder andere ist durchaus noch verbesserungswürdig, aber zumindest scheint sie zu wissen, was sie tut. Als Assistentin der, in dieser Dimension früh verstorbenen Dr. Weir hatte sie allerdings auch eine sehr gute Lehrerin. Ich selbst war ja für einige Zeit auf Atlantis nach der Geiselhaft, um mich von der rüden Behandlung durch den Genii-Terroristen Kolya zu erholen. Dabei lernte ich die Dr. Elizabeth Weir meiner Dimension kennen. Und ich beneide sie nicht um Teile ihres Stabes. Lt. Colonel Sheppard mag ja noch ... Nun, er strengt sich zumindest an, und das sollte man als Wissenschaftler auch respektieren. Aber jemanden wie Dr. Rodney McKay zum führenden Wissenschaftler zu machen ist in meinen Augen eine glatte Fehlentscheidung und stärkt ihn nur noch in seiner Vernarrtheit in sein Ego. Da bin ich etwas versöhnlicher, zugegeben.
Nun, wie dem auch sei. Stross kam zu mir und weinte sich aus. Ich gebe zu, ich hörte ihr nicht wirklich zu. Die PK-Forschung erfordert mein ganzes Können. Immerhin sind diese eigentlichen Waffen sehr kompliziert aufgebaut und hochexplosiv. Darum habe ich mich auch zur näheren Erforschung in ein leerstehendes Gebäude des militärischen Komplexes zurückgezogen. Ich will schließlich nicht die ganze Stadt in die Luft sprengen, sollte etwas schiefgehen. Stross jedenfalls scheint mir im Moment etwas überfordert mit der Situation. Markham noch immer auf diesem Mond, ich weiß nicht, was er da so lange treibt mit Danea und den beiden anderen Erethianern, Major Uruhk immer noch auf der Prometheus, die sich weiterhin in Schweigen hüllt.
Wie nicht anders zu erwarten, ging es natürlich wieder um meine Dienste als Jumper-Pilot für ein SG-Team. Besser gesagt, um deren zwei. Zwei Einsätze, die heute noch sehr dringend geflogen werden mußten. „Wenn es sonst nichts ist", meinte ich nur dazu. Was hätte ich denn auch anderes sagen sollen? Major Uruhk hat mich ja bereits mehrmals als Naturtalent im Fliegen bezeichnet, und inzwischen machen mir die AIs auch nicht mehr die Probleme, wie ich sie zu Anfang dieser zweifelhaften Karriere hatte. Ich flog also Claines Teams als erstes durch das Tor, kehrte hierher zurück und setzte kurz darauf Sanchez' Team ab. Kein großes Problem, zumal Stross mir die Warterei ersparte, die nichts als pure Zeitverschwendung ist.
Kaum an meine Forschungen zurückgekehrt, wurde ich allerdings schon wieder ausgerufen und sollte Sanchez' Team abholen, da diese auf einige Devi gestoßen sind. Nun, muß ich erwähnen, daß der Captain mir sein Leben zu verdanken hat? Selbstverständlich nicht. Es war ja abzusehen. Claine dagegen ließ sich wirklich Zeit mit seiner Rückkehr. Und da es, wieder einmal, eine kleine Störung am Tor gab, sah ich mich zudem befleißigt, mir das ganze noch einmal anzusehen. Ich muß zugeben, Major Uruhk hat durchaus recht mit ihrer Einschätzung. Dieses Stargate ist alles andere als vertrauenserweckend. Wir sollten so bald wie möglich sehen, wie wir es austauschen können.
Dorn lief mir dann auch noch über den Weg, natürlich, während ich mein Abendessen einnahm. Diesen unverdaulichen Nährungsbrei, dem wir im Moment alle ausgeliefert sind - ein schreckliches, kaum herunterzubringendes Zeug. Wer auch immer diese Maschinen erfunden hat, man sollte ihn, selbst nach mehr als zehntausend Jahren, noch im All aussetzen.
Nun, Dorn kam auf jeden Fall zu mir an den Tisch und sprach mich auf die Prothese an, die er von mir haben will. Und natürlich habe ich bisher leider nicht die Zeit gefunden, diese Prothese anzufertigen. Wie soll ich es sagen, dieser Planet verfügt zwar über einen Tagesrhythmus von 28 Stunden, aber selbst ich muß auch irgendwann einmal schlafen. Und solange wir keinen Arzt in Vineta haben, wobei angemerkt sein sollte, daß ich wirklich nicht weiß, woher wir einen solchen Quaksalber nehmen sollten, werde ich wohl auch weiterhin auf Schlaf angewiesen sein, gerade in einer solchen Situation.
Nun ja, ich versprach Dorn, seine Prothese so bald wie möglich in Angriff zu nehmen. Solange Major Uruhk auf der Prometheus sitzt, können wir sowieso nichts weiter tun als abwarten. Natürlich wäre es von Nutzen, sie so bald wie möglich wieder in der Stadt zu wissen. Aber, wie gesagt, Pendergast hüllt sich in Schweigen. Wollen wir hoffen, daß sich dieses Problem irgendwann einmal lösen wird.
Meine Wohnungssuche verlief weiter erfolglos. Ich habe zwar ein bestimmtes Objekt im Auge, allerdings bin ich mir ziemlich sicher, daß es nicht genehmigt werden wird, wenn ich mich in der Kommandozentrale des militärischen Sektors einmiete. Was wirklich schade ist. Einen solchen Platz findet man sonst nicht in dieser Stadt. Irgendwie wirkt alles recht eng und klein. Möglicherweise liegt es schlicht an der Tatsache, daß Vineta in einer gewaltigen Höhle erbaut wurde und das Szenario wirklich etwas bedrückend wirkt.
TBC ...
06.10.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies II
Was tatsächlich geschah:
Dr. Anne Stross blickte auf, als sich die Tür zu ihrem Büro öffnete. Erleichtert nickte sie ihrem Gast zu. „Dr. Babbis." Sie seufzte.
Der junge Wissenschaftler trat langsam ein, ließ die Tür hinter sich wieder zugleiten. „Sie wollten mich sprechen?" fragte er mißtrauisch.
Anne nickte, legte ihr Datenpad zur Seite und faltete die Hände vor sich auf dem Schreibtisch. „Lieutenant Markham ist mit einer Gruppe Erethianer zum Mond hochgeflogen. Ich wußte nicht, ob Sie sich das Datum gemerkt hatten."
„Hatte ich." Babbis nickte, hob leicht die Brauen.
Anne sah ihn ernst an. „Ich muß zugeben, ich mache mir ein bißchen Sorgen darum, daß Sie sich vielleicht ... etwas viel zumuten. Das ganze wird kein Pappenstiel. Wenn es nicht klappen sollte, werde ich Markham natürlich sofort zurückholen. Solange Major Uruhk sich noch auf der Prometheus befindet ..."
„Das wird nicht nötig sein", entgegnete Babbis.
Auf Annes Stirn wuchs eine steile Falte.
Seit der Besprechung, bei der natürlich davon ausgegangen worden war, daß die Antikerin so schnell wie möglich wieder in Vineta sein und zumindest die Tor-Flüge würde übernehmen können, waren zehn Tage vergangen. Zehn Tage, in denen sie keinerlei Kontakt mehr zur Prometheus gehabt hatten. Woran auch immer es liegen mochte, sie wußte es nicht zu sagen.
Babbis aber hatte geradezu auf der Einhaltung dieses Termins bestanden, als müsse er sich selbst etwas beweisen. Vielleicht war das auch tatsächlich so, Anne wußte es nicht zu sagen. Auf jeden Fall aber mutete der junge Mann sich in ihren Augen etwas viel zu, wenn er tatsächlich seine eigenen Forschungen noch weiter verfolgen wollte, neben seiner Arbeit für Spitzbart und den Flugdiensten für die Außenteams, die Major Uruhk gemeinsam mit Markham zusammengestellt hatte, bevor sie wieder zurückgekehrt war auf das Schiff.
„Ich brauche noch Ihren letzten Bericht, Dr. Babbis", wechselte Anne jetzt das Thema.
Babbis sah sie stirnrunzelnd an. „Den letzten Bericht?" fragte er etwas irritiert.
Anne nickte. „Wir waren doch überein gekommen, daß wir weiter vorgehen wie bisher auf Atlantis. Und das bedeutet, für jeden Einsatz werden von allen Beteiligten Berichte verfaßt. Ich würde den Ihren gern bis heute abend noch in Händen halten, wenn möglich."
Babbis atmete tief ein. „Aber ... ich war nur Chauffeur für Williams, ebenso wie heute."
„Trotzdem. Es muß nicht viel sein. Aber ich würde auch gern die Wurmlöcher im Auge behalten. Sie wissen, was Major Uruhk dazu meinte, als sie sich das Tor noch einmal angesehen hat vor ihrem Abflug."
Babbis kniff die Lippen zusammen, zupfte nervös an seinem Ohrläppchen. Doch schließlich nickte er.
Natürlich würde er sich erinnern können. Er war ja der einzige, der wirklich mit der Antikerin zusammenarbeitete. Nicht daß es an anderen interessierten Kandidaten gemangelt hätte, aber Vashtu Uruhk hatte ihre Wahl, gerade was das Tor betraf, damit begründet, daß Babbis bereits halbwegs eingearbeitet war in die Materie und auch mit den Werkzeugen umzugehen wußte, die sie aus einer Gerätekammer, die sonstwo verborgen war, hergeschafft hatte.
Insofern hatte sie natürlich recht. Außerdem waren sie beide ein eingespieltes Team. Kein Wunder also, daß die Antikerin auf ihn bestand. Auch wenn es sicherlich einfacher für alle Beteiligten, abgesehen von Babbis selbst, gewesen wäre, hätte sie jemand anderen eingearbeitet.
„Wir sollten das Tor austauschen, ja ich erinnere mich", antwortete der junge Wissenschaftler.
Anne nickte befriedigt.
„Ich werde mir das Gate noch einmal ansehen, sobald ich Zeit habe", fuhr Babbis fort.
Anne hob den Kopf wieder. „Dr. Babbis, Sie werden wenig genug Zeit haben, glauben Sie mir. Williams will heute noch einmal nach P1V-121, um erneut zu verhandeln. Das allein wird Sie schon Zeit kosten. Sie wollten doch auch noch an den Planetenkillern ... Habe ich das eigentlich richtig verstanden, was Sie tun wollten? Planetenkiller zur Energiegewinnung nutzen, um auch die bisher nicht aktivierten Bereiche der Stadt hochfahren zu können?"
„Wenn Sie Major Uruhk hier haben wollen, müssen wir den Schild hochfahren und im Dauerbetrieb laufen lassen", entgegnete er im schulmeisterlichen Tonfall. „Die Naquadah-Generatoren geben aber nicht genug Energie dafür. Die PKs dagegen ... Nun, Sie haben gesehen, was sie auf diesem Planeten angerichtet haben, Dr. Stross. Und sie können noch wesentlich mehr. Der PK, der irgendwie in die Milchstraße gekommen ist, hat erst einen Planeten in Scheiben geschnitten und ist dann explodiert und hat das Tor auf diesem Himmelskörper zerstört. Wenn wir eine Energiequelle gewinnen können, die so stark ist, sind wir für eine Weile relativ unabhängig von ZPMs, wenn ein PK natürlich auch nicht annähernd die Energie speichern oder hergeben kann, die ein Kristall liefert."
Anne nickte nachdenklich.
Also hatte sie doch richtig gehört. Die Frage war eher, würde Vineta einen überforderten und sicher sehr gestreßten Babbis, der an explosiven Planetenkillern arbeitete, überleben, oder sollte sie ihm die Forschung zunächst einmal streichen. Sie war sich da im Moment nicht so ganz sicher, mußte sie zugeben.
„Lieutenant Markham wird ja auch nicht allzu lange fortbleiben, wie es in der Besprechung hieß. Der Mond ist ja nicht so groß." Babbis rückte seine Brille zurecht, warf dann einen Blick auf seine Armbanduhr. „Wann will Williams durchs Tor?"
„In zwei Stunden." Anne zögerte immer noch. „Ich könnte mit Dr. Spitzbart reden, damit er Sie vom Dienst in seinem Labor freistellt", schlug sie schließlich vor.
„Das wird nicht nötig sein." Babbis lächelte sie hochmütig an und nickte. „Wenn Sie also sonst nichts mehr haben, würde ich mich jetzt gern vorbereiten."
Anne nickte, sah ihm zweifelnd nach.
Irgendwie beschlich sie das Gefühl, sie sollte Markham doch wieder zurückholen und die Sache mit dem Mond aussetzen, zumindest solange, bis die Antikerin wieder in Vineta war. Dann hätten sie zumindest drei Piloten.
***
Dr. Walter Spitzbart öffnete die Tür zum Büro seines Assistenten, warf einen Blick hinein und runzelte die Stirn. „Dr. Babbis?" fragte er schließlich.
Der junge Mann richtete sich auf und blinzelte irritiert in seine Richtung. „Ja?"
Spitzbart trat zögernd ein und sah sich aufmerksam um, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Babbis richtete. „Haben Sie vergessen, daß wir heute die Testreihen durchführen wollten?" fragte er schließlich, den Blick unverwandt auf einen schwarzen Würfel auf dem Schreibtisch des jungen Mannes gerichtet.
Babbis' Wangen röteten sich leicht. „Ich muß gleich Sergeant Williams durch das Tor fliegen, Sir", antwortete er, riß ungeduldig am Kabel seines Laptops.
Spitzbart musterte nun wieder ihn. „Das hätten Sie mir eher sagen können. Dann hätten wir die Experimente vertagt", entgegnete er dann. „Was machen Sie da?"
Babbis zerrte weiter an dem Laptop. Mit einem häßlichen Laut riß das Kabel und etwas polterte auf den Boden unter dem Schreibtisch. Von der Wucht noch weitergetragen, rutschte das Teil bis fast vor Spitzbarts Füße.
Der betrachtete es aufmerksam, sah dann wieder auf. „Falls Sie das Akku suchen, es liegt hier." Er bückte sich und hob es auf. Ein Teil des Kabels hing noch, wie ein Rattenschwanz, an dem kleinen eckigen Teil.
Babbis' Gesicht verfärbte sich noch weiter. Der Laptop polterte wieder auf den Schreibtisch zurück.
„Was haben Sie eigentlich vor?" Spitzbart sah wieder auf, hielt ihm den Akku auffordernd hin. „Wozu brauchen Sie den Laptop?"
„Ich ..." Babbis schloß den Mund wieder und schluckte sichtlich. „Es ... äh ... Ich wollte während des Wartens auf dem Planeten noch ein wenig arbeiten."
Spitzbart runzelte die Stirn, strich sich mit der freien Hand über seinen gewaltigen Schnurbart. „Und warum reißen Sie das Akku aus dem Gehäuse?"
„Weil ... es sollte regelmäßig ausgewechselt werden." Babbis schnappte sich jetzt doch wieder den tragbaren Computer. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden. Ich denke, länger als drei Stunden werde ich nicht weg sein. Dann können wir immer noch die Experimente durchführen."
Spitzbart nickte nachdenklich, wog das Akku in seiner Hand. „Wenn es Ihnen zuviel wird ... ?"
„Es wird mir nicht zuviel!" herrschte Babbis ihn an und marschierte wutschnaubend aus dem Büro, einen sehr nachdenklichen Spitzbart zurücklassend.
***
Sergeant Williams maß ungeduldig immer wieder die Breite des Ganges, bis er endlich aufblickte und den Vermißten auf sich zukommen sah. Sofort verfinsterte sich sein Gesicht.
„Dr. Babbis, Sie sind überfällig!" herrschte er den jungen Wissenschaftler an.
Babbis schüttelte nur unwillig den Kopf, wollte sich an ihm vorbei in den bereitstehenden Jumper drängen. Doch der hochgewachsene Marine verstellte ihm den Weg. „Wir müssen pünktlich bei den Verhandlungen sein, Doc! Es kann nicht angehen, daß Sie ... Wieso schleppen Sie einen Laptop mit sich herum?"
Babbis drängte sich nun doch an ihm vorbei und trat eiligen Schrittes in den bereitstehenden Jumper, in dem sich schon der Rest des Teams befand, das er auf den Planeten bringen sollte. Der Erethianer und die beiden Wissenschaftler wechselten vielsagende Blicke, als Williams an ihnen vorbeimarschierte, während die Heckluke sich bereits schloß.
„Doc, verdammt!" herrschte der Marine Babbis an, kaum daß er das Cockpit betreten hatte. „Was denken Sie sich denn dabei? Wir hatten doch gestern abgemacht ..."
„Ich weiß, was wir abgemacht hatten", knurrte der junge Wissenschaftler, ließ den Jumper abheben und sacht aus der Base schweben. „Ich bin im Moment nur eben etwas ... Spitzbart und Stross haben mir aufgehalten."
Williams ließ sich auf dem Copilotensitz nieder, starrte den Jüngeren nieder, versuchte es zumindest. Doch der ließ sich im Moment nichts anmerken, konzentrierte sich vollkommen auf seinen Flug.
„So geht es aber nicht", begehrte der Marine schließlich wieder auf. „Wir müssen pünktlich zu den Verhandlungen erscheinen, sonst brauchen wir uns auf dem Planeten gar nicht mehr sehen lassen. Die Typen sind ein bißchen eigen."
Babbis nickte unwillig, nahm etwas Schub weg, als er sich dem Zentralturm näherte.
„Das wird heute sowieso lange genug dauern", fuhr Williams fort. „Und passen Sie, um Himmels Willen, auf, daß auch ja keiner den Jumper sieht. Gehen Sie sofort auf Tarnung, sobald wir durch das Tor sind."
Babbis blinzelte, wechselte einen kurzen Blick mit dem Marine. „Was meinen Sie mit, es wird lange genug dauern?" fragte er dann.
Williams lehnte sich zurück. „Ein paar Stunden mindestens."
„Drei Stunden!" Babbis' Stimme klang bestimmt.
Der Jumper glitt durch die große Eingangsluke direkt in den Torraum hinein. Das Dach schrammte unsanft über die obere Metallschiene.
Der Marine richtete sich wieder auf. „Was?"
Der junge Wissenschaftler nickte ernst. „Ich habe noch Arbeit. Drei Stunden, Sergeant. Wenn Sie dann nicht wieder am Landeplatz sind, fliege ich ohne Sie zurück."
Der Jumper blieb vor dem aktivierten Tor in der Luft hängen. Babbis lehnte sich zurück und ließ die Kontrollen los.
„Sind Sie irre? Drei Stunden? Das reicht doch gerade für die Zeremonien bei den Omaniern!"
„Dann sollten die ihre Zeremonien etwas beschleunigen. Mehr als drei Stunden kann ich Ihnen nicht zugestehen, Sergeant, tut mir leid."
Das Wurmloch saugte sie auf.
***
Peter blickte unwillig von seinem Notebook auf, als sein Palmtop plötzlich begann, eine lustige Melodie zu spielen.
Drei Stunden waren um, doch von Williams und seiner Mannschaft war nichts zu sehen.
„Fünf Minuten", murmelte Peter leicht verärgert.
Für was hielt ihn dieser Jarhead eigentlich? Er mimte schließlich nur den Chauffeur für andere Teams, weil sonst niemand da war, der hätte einspringen können und Markham ja unbedingt diese dämliche Expedition zum Mond hatte starten müssen.
Peter kniff die Lippen zusammen, starrte angestrengt auf den Bildschirm hinunter, den er auf den Knien ballancierte, und versuchte sich auf die letzten Ergebnisse seiner PK-Forschung zu konzentrieren. Aber das wollte ihm natürlich nicht gelingen.
Wieder blickte er auf, starrte aus dem großen Frontfenster.
Wenn er Spitzbart nicht bei dessen Experimenten half, konnte es gut sein, daß er auch wieder aus dem Stab befördert wurde. Immerhin war er nur zum Stellverteter des Deutschen geworden, weil dieser ihn als Assistenten wollte. Wenn er sich jetzt aber aus den Forschungen ausklinkte, war es gut möglich, daß Spitzbart sich einen anderen suchen würde. Auswahl hatte er immerhin genug.
Leise vor sich hinfluchend schaltete Peter den Laptop aus und legte ihn zurück auf den Sitz hinter sich. Dann konzentrierte er sich wieder auf das, was vor dem großen Frontfenster geschah. Doch leider geschah rein gar nichts.
Und jetzt?
Er hatte Williams klar und deutlich gesagt, daß ihnen nur drei Stunden blieben. Immerhin hatte er auch noch etwas anderes zu tun, als andere SG-Teams durch das Tor auf fremde Welten zu bugsieren. Er empfand es sogar als sehr hilfsbereit, was er tat. Immerhin hätte er sich auch weigern können, allein als Pilot zu dienen, solange Vashtu noch nicht von der Prometheus zurückgekehrt war und Markham seine Expedition durchführte.
Peter entschloß sich, nachdem er einen Blick auf den jumperinternen Detektor geworfen hatte.
Es reichte!
Er schloß die Heckluke und konzentrierte sich darauf, die Maschinen hochzufahren. Dann hob er ab, noch immer voll auf den Detektor konzentriert.
Er würde Williams abholen. Sollte der seine Verhandlungen an anderer Stelle fortsetzen, das war ihm gleich. Er mußte zurück nach Vineta, und zwar dringend!
Peter ließ den Tarnmodus fallen, beschleunigte und hielt auf die kleine Stadt zu, in der Williams mit den Omaniern über einen möglichen Handel nachdachte.
Die Gebäude waren recht niedrig und als Flachdächer gebaut, mit großen Dachterrassen. Offenbar konnte es hier auch einmal recht warm werden, fand Peter, der solche Bauweisen eigentlich aus Wüsten- und Halbwüstengegenden auf der Erde kannte.
Ein großer Platz lag zentral, bestens geeignet für den Jumper.
Einige Menschen, in fremdartige Stoffe und weite Kleidung gehüllt, sahen zu ihm auf. Dann ging plötzlich das Geschrei los, als er den Gleiter tiefer gehen ließ und auf dem zentralen Platz landete.
Peter war verwirrt, dann aber ging ihm auf, daß er gerade einen Fehler beging.
Hatte Williams nicht etwas davon gesagt, er solle den Jumper ja nicht zeigen?
Peter biß sich auf die Lippen. Und wenn schon! Er hatte dem Marine lange genug Zeit gegeben.
Pfeile hagelten gegen das Chassis und die Frontscheibe.
Peter blinzelte, dann aktivierte er sein Funkgerät. „Sergeant, ich bin auf einem Platz in der Stadt, um Sie abzuholen. Es wäre sehr nett, wenn Sie rasch kommen würden."
***
„Mam, bei allem Respekt", erklärte Williams mit wütend blitzenden Augen, „aber das, was Dr. Babbis heute getan hat ... Es ist ... höchst hinderlich für Verhandlungen, wie wir sie im Moment durchführem müssen! Ich habe ihm klar und deutlich gesagt, daß die Omanier jeglicher Technik, die die ihre übersteigt, sehr mißtrauen und jeden sofort angreifen, der sich mit einer solchen Technik zeigt. Dr. Babbis hatte die klare Anweisung, den Jumper auf gar keinen Fall zu enttarnen. Und doch hat er es getan! Wissen Sie eigentlich, was wir anstellen mußten, um überhaupt wieder an Bord zu kommen? Ich bin nicht sicher, ob die Omanier uns je wieder ... an den Verhandlungstisch zurückbitten werden. Außerdem war es in meinen Augen eine sinnlose Verschwendung von Munition, sich den Weg freizuschießen. Und die Zeitvorgabe von Dr. Babbis war einfnach lächerlich. Ich sagte ihm klar und deutlich, daß ich mehr als drei Stunden brauchen würde, aber er ließ nicht mit sich reden. Für mich hat er uns einen möglichen Verbündeten gekostet, Mam. Vielleicht sogar einen sehr wichtigen Verbündeten. Immerhin waren die Omanier bereit, uns gegen ein bißchen Hilfe reichlich Saatgut zur Verfügung zu stellen. Und Dr. Lacroux meinte, dieses Saatgut wäre sogar noch besser als das, was Major Uruhk von ihrem ersten Einsatz mitgebracht hat."
Anne lauschte den Worten des Marines. Schließlich entließ sie das SG-Team und seufzte schwer.
Offensichtlich hatten sie sich selbst einen Bärendienst erwiesen, als sie Babbis als einzigen Piloten zuließ, während die beiden anderen nicht in Reichweite waren. Sie würde sich den jungen Wissenschaftler wohl noch einmal zur Brust nehmen müssen.
Anne schüttelte in stummer Verzweiflung den Kopf. Ein paar Tage, mehr nicht. Selbst jemand wie Babbis müßte sein Ego doch weit genug zurückschrauben können, um diese paar Tage allein durchzustehen! Aber da war sie sich plötzlich gar nicht mehr so sicher.
TBC ...
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