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27.01.2010

Inhuman II

Heute

Vashtu Uruhk trat aus dem geöffneten Wurmloch und runzelte die Stirn. Es war Nacht um sie her. Sterne glommen am Himmel, ihre Umgebung konnte sie nur schemenhaft wahrnehmen.
Irgendetwas aber war anders.
Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen, verließ die direkte Umgebung des Sternentores und blickte sich aufmerksam um. Allmählich gewöhnten ihre Augen sich an die Dunkelheit.
„Was war das denn?" Dr. Peter Babbis, der hinter ihr aus dem Wurmloch gekommen war, stolperte neben ihr her. „Ist Ihnen auch aufgefallen, daß das Wurmloch plötzlich eigenartig war?"
Vashtu sah sich weiter aufmerksam um, während sie hörte, wie auch die letzten beiden Mitglieder von SG-27 aus dem Gate traten.
Irgendetwas war ihr seltsam vertraut, obwohl es ihr fremd sein sollte. Nur wußte sie selbst noch nicht genau was. Vorsichtig, die P-90 im Anschlag, ging sie weiter, verursachte kaum ein Geräusch.
„Mam? Dieses DHD sieht eigenartig aus. Vollkommen anders als die, die ich kenne", rief ihr Dr. James Wallace zu.
Und da ging es ihr auf. Ihr Kopf ruckte zum Himmel. Die Sterne!
„Zurück zum Gate! Sofort!" befahl sie mit harter Stimme und wirbelte herum. Und da sah sie die Kabel, die noch am Stargate angebracht waren.
Sie waren nicht in der Milchstraße, sie waren in der Pegasus-Galaxie!
„Was?"
In diesem Moment hallten die ersten Schüsse durch die Nacht.
„Dorn, sofort Rückzug zum SGC, nehmen Sie Wallace mit. Peter, rennen Sie!" Sie hob die P-90 an die Wange und gab die erste Salve ab. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Babbis seine Automatik zog. „Zurück zum Tor, solange es noch offen ist. LOS!" bellte sie ihn an und gab ihm einen unsanften Stoß mit der Schulter.
„Mam?" rief Dorn ihr zu.
Vashtu warf einen kurzen Blick über die Schulter. „Vertrauen Sie mir, Serge. Es wird gehen. Durch das Tor, schnell!"
Endlich schien auch Babbis aufzugehen, daß die Situation sich vollkommen verändert hatte und hastete, an ihrer Seite, zurück zu dem noch aktivierten Gate. Dorn hatte sich Wallace geschnappt und zerrte den Wissenschaftler gerade durch den Ereignishorizont.
Vashtu gab blind Salve um Salve nach hinten ab und bildete inzwischen das Schlußlicht. Babbis rannte vor ihr her.
Sie waren fast am Gate, sie waren fast da.
Da traf sie der erste Schuß, riß sie herum und ließ sie torkeln. Die P-90 wurde ihr fast aus der Hand gerissen, weil ihre Finger sich um den Abzug gekrallt hatten. Eine letzte Salve bohrte sich in den Boden zu ihren Füßen, während sie versuchte, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Babbis blieb stehen und wirbelte herum. Seine Waffe hatte er im Anschlag und ließ die Mündung aufleuchten.
„Laufen Sie, Peter. Zurück zur Erde, schnell!"
Sie war auf der Höhe des DHD angelangt, ließ die P-90 endgültig fallen und versuchte, zu einem letzten Spurt anzusetzen, als sie nach vorn gerissen wurde. Heißer Schmerz brannte sich zwischen ihre Schulterblätter, fast überschlug sie sich wegen der Wucht des Schusses noch.
„Vashtu!"
Ihre Finger krallten sich in die Erde vor dem Tor.
Dieser Schuß war anders, wie auch der erste. Irgendetwas war anders. Sonst hatte sie nicht solche Schmerzen.
Das Licht des Wurmlochs erlosch, noch während sie versuchte, sich wieder auf die Beine zu kämpfen. Kraftlos ließ sie sich auf den Boden zurücksinken und hörte Schritte.
„Vashtu, was ist mit Ihnen?"
Das war eine Falle! Das mußte eine Falle sein.
Mit letzter Kraft griff sie nach der Kette um ihren Hals und zerrte daran. Es fiel ihr so verdammt schwer, die fremden Gene in ihrem Inneren zu aktivieren. Doch dann gelang es ihr wenigstens, auch wenn eine zweite Flammenspur in ihrem Nacken leckte, die Silberkette zu sprengen. Mühsam wechselte sie den Kristall in die andere Hand, während sie auf die näherkommenden Schritte achtete, und warf ihn zum DHD hinüber. „Ich habe doch gesagt, Sie sollen durch das Gate verschwinden!" stöhnte sie dabei.
„Keine Bewegung!"
Sie konnte hören, wie Waffen entsichert wurden. Ihre Finger krallten sich wieder in den Boden, vor Schmerz kniff sie die Augen zusammen.
„Schon gut, schon gut", hörte sie Babbis beschwichtigend sagen. Vorsichtig und langsam, die Arme so weit wie möglich abgespreizt, mühte sie sich, sich auf den Rücken zu rollen. Ein Fuß kam ihr unsanft zu Hilfe.
Und als sie die Augen öffnete, sah sie in ein Gesicht, von dem sie gehofft hatte, es niemals wiederzusehen. Ihre Miene erstarrte.
„Kolya!"

***

Lt. Colonel John Sheppard trat mit erhobener Waffe durch das Gate, Teyla an seiner Seite wissend. Kurz überprüfte er mit seinem Detektor die Umgebung, ehe er die Waffe sinken ließ.
„Hier ist nichts, Rodney", sagte er.
Dr. Rodney McKay, der inzwischen ebenfalls den Ereignishorizont durchquert hatte, tippte auf seinem tragbaren Rechner herum. „Hier war aber etwas. Es war nicht die erste Energiespitze, die wir gemessen haben."
Sheppard tauschte einen hilflosen Blick mit der Athosianerin, ging dann zum DHD hinüber. „Beeilen Sie sich, Rodney", murrte er dabei.
Das Licht seiner P-90 fiel auf einen glänzenden Fleck am Boden. Es schimmerte dunkelrot.
Sheppard ließ sich auf die Knie nieder und beleuchtete die Lache, die sich vor ihm ausbreitete. „Blut ..." murmelte er dabei und runzelte die Stirn, während er etwas von der Flüssigkeit zwischen seinen Fingern verrieb.
„Colonel Sheppard, hier liegt eine Leiche", rief Teyla ihm zu.
Offensichtlich war hier doch etwas gewesen, und das konnte noch nicht allzu lange her sein. Hing es mit der Energiespitze zusammen, die die Tiefraumscanner von Atlantis gemessen hatten?
Er wußte es nicht, doch auf jeden Fall war sein Argwohn wieder geweckt. Er richtete sich auf und hob seine Waffe.
„Rodney, beeilen Sie sich. Hier stimmt etwas nicht", sagte er und leuchtete in die Umgebung. Wieder ein Blutfleck, ein kurzes Stück weiter vom DHD entfernt.
Was war hier los gewesen?
Sheppard wollte zu dem zweiten Fleck gehen, als er einen Widerstand an seinem Fuß wahrnahm. Als er die Lampe senkte, erstarrte er.
Zwischen seinen Füßen schimmerte ein bläulicher Kristall an einer Kette. Diese war zerrissen und hatte sich an sein Hosenbein geheftet. Und der Kristall ...
Er beugte sich vor und hob ihn auf. Sein Gesicht war sehr ernst, als er ihn untersuchte.
„Vashtu", wisperte er schließlich fragend.
Aber wie konnte das sein?

***

Die Antikerin ließ es zu, daß sie auf einen Stuhl gefesselt wurde. Noch immer brannten Schmerzen in den Schußwunden, aber sie bemerkte auch, daß ihre Fremdzellen inzwischen doch beschlossen hatten, sich der Verletzungen anzunehmen. Noch ein wenig benommen vor Schmerz blickte sie auf, als der Genii den Raum betrat.
„Acastus Kolya", sagte sie mit gepreßter Stimme. „Ich hatte die Hoffnung, Sie niemals wieder zu sehen."
Kolya blieb vor ihr stehen, gab seinen Männern einen Wink, die daraufhin hinter der Antikerin Aufstellung nahmen. „Vashtu Uruhk, die Ahnin, die sich den Erdenmenschen angeschlossen hat. Ich bin überrascht. Man erkennt Sie kaum wieder. Oder vielleicht doch, wenn man Ihren Umgang hier bedenkt?"
Ein bitteres Lächeln glitt über ihr Gesicht. „Es haben sich ein paar Dinge geändert. Wo ist Dr. Babbis? Und was haben Sie mit dem Stargate angestellt?"
Kolya lächelte zufrieden. „Dr. Babbis, so heißt er also."
„Ja, das ist sein Name. Und wo ist er?"
Kolya winkte desinteressiert ab. „Sie werden ihn bald wiedersehen. Ich habe an für sich keine Verwendung für ihn, aber vielleicht ist er doch noch nützlich."
Vashtu stemmte sich gegen die Fesseln und versuchte sich aufzurichten. Sofort hörte sie das Klicken zweier Waffen hinter sich. Sie kniff die Lippen fest aufeinander und funkelte den Genii mit dem pockennarbigem Gesicht an.
„Was das Sternentor angeht ... das ist meine Sache." Kolya wandte sich ab und sah sich aufmerksam in dem schlecht beleuchteten Raum um. „Sie brauchen nicht zu wissen, was genau getan wurde. Es reichte, um Sie herzulocken."
„Ich bin kein Druckmittel mehr für Sie, Kolya. Ich lebe auf der Erde und arbeite für das dortige Stargate-Command. Das wird Ihnen nichts nutzen!"
„Vielleicht doch? Ihre Gefühle für Colonel Sheppard, beziehungsweise seine für Sie. Außerdem ... Ich habe da etwas sehr interessantes erfahren durch einen meiner Informanten. Und ich würde Ihnen gern einen Handel vorschlagen." Kolya drehte sich wieder zu der Antikerin um und musterte sie. „Ihr Leben gegen den Steuerkristall von Atlantis. Ist doch fair, oder?"
Sie starrte ihn entgeistert an.
Woher wußte er von dem Kristall? Wieso ... ?
Sie schluckte und zwang sich, sich nichts anmerken zu lassen. Also war ihre rein instinktive Handlung, den Kristall zu verstecken, doch richtig gewesen. Sie konnte nur hoffen, daß Kolya die kleine Wunde in ihrem Nacken nicht aufgefallen war und er eins und eins zusammenzählte.
„Der wird Ihnen nichts nutzen, der Kristall ist auf mein Genom geeicht", entgegnete sie.
Kolya hob eine Braue und kreuzte die Arme vor der Brust. „Tatsächlich?" fragte er.
Sie nickte.
„Dann haben sich die Bedingungen gerade geändert, Vashtu Uruhk."
Es überlief sie eiskalt bei diesen Worten, doch wieder zwang sie sich, sich keine Regung anmerken zu lassen. Was hatte Kolya mit ihr vor?

***

John Sheppard nahm im Laufschritt die Treppe in die Kommandozentrale von Atlantis. Von seiner Faust baumelte der Steuerkristall der Antikerin an den Resten der Kette.
Irgendetwas ging hier vor. Irgendetwas eigenartiges. Und um seinen Verdacht zu zerstreuen mußte er so schnell wie möglich Kontakt zum SGC auf der Erde aufnehmen.
Dr. Elizabeth Weir trat ihm entgegen, als er in die Zentrale kam.
„Was war los, John? Warum haben Sie den Einsatz abbrechen lassen?" verlangte die Expeditionsleiterin zu erfahren.
In Sheppards Gesicht arbeitete es, dann hob er die Faust und präsentierte ihr den Kristall. „Ich habe Blut gefunden und den hier. Erkennen Sie ihn, Elizabeth?"
Weir wurde ernst. „Das ist unmöglich. Atlantis ist das einzige Tor mit Verbindung zur Erde. Wir hätten bemerkt, wenn ..." Sie stockte, als sie in sein Gesicht sah.
„Irgendetwas ist da vorgefallen, denn ich glaube nicht, daß Vashtu den Kristall in andere Hände gibt. McKay meint, die Energiespitze hätte ausgereicht für ein Wurmloch in die Milchstraße. Und ich möchte mit dem SGC sprechen. Vielleicht ..."
In diesem Moment ging der Alarm los und ein Wurmloch entstand. Sofort reagierte der zuständige Techniker und zog den Energieschild von Atlantis hoch.
„Eingehende Audioübertragung", meldete er verwirrt.
„Schalten Sie es laut", befahl Weir.
Sheppard sah sie stirnrunzelnd an.
Die Erde konnte Atlantis nicht anwählen, dazu fehlte ihnen die Energie. Aber ...
Dann hörte er die Stimme. Seine ganze Gestalt spannte sich an, sein Blick wurde eiskalt.
„Dr. Weir, ich hoffe, Sie können mich hören." Die Stimme gehörte niemand anderem als Acastus Kolya.
Sheppard trat an den Lautsprecher heran. In seinem Innersten brodelte kalter Zorn wie ein Vulkan. „Kolya!" zischte er.
„Colonel Sheppard, schön, Ihre Stimme zu hören." Der Genii klang sehr selbstzufrieden. „Ich hätte Dr. Weir ohnehin gebeten, Sie kommen zu lassen. Ich habe da etwas für Sie, falls Sie es sehen wollen."
„Eingehende Videodaten. Soll ich sie auf den Bildschirm legen?" fragte der Techniker.
Kurz darauf flammte der Monitor auf und zeigte den pockennarbigen Genii.
Sheppard war es, als sei er plötzlich in einem beängstigenden Deja Vú gefangen. Zwar hatte er diese Szenerie nie aus dieser Perspektive gesehen, doch alles andere ...
Die Erinnerung drohte ihn zu übermannen. Die Erinnerung an etwas, das er am liebsten weit von sich gewiesen und für immer tief in seinem Geist verschlossen hätte. Er wollte nicht mehr daran denken. Es hatte ihn schon genug Alpträume gebracht.
„Nun, ich denke, wir können uns jetzt ganz entspannt unterhalten." Kolya lächelte.
„Was wollen Sie?" zischte Sheppard zwischen zusammengepreßten Kiefern vorher.
Der Genii hob leicht den Kopf, als müsse er der Stimme und ihrem Klang nachlauschen. „Colonel, ich habe da etwas für Sie. Das wird Sie sicher interessieren." Er trat zur Seite.
Sheppard holte tief und ruckhaft Atem, als er die verschwommene Gestalt auf dem Stuhl sitzen sah. Wieder eine Erinnerung, die er nur zu gern abgelegt hätte.
Die Kamera zoomte etwas an das Gesicht heran, so daß er erkennen konnte, wer da saß.
Sie hatte sich inzwischen die Haare noch kürzer schneiden lassen, das wußte er von Beckett. Und er wußte auch, daß sie im SGC mit einem Team arbeitete, was die fremden Uniformteile erklärte. Sie jedoch so zu sehen ...
Sheppard wandte sich mit einem Ruck ab. Er konnte das nicht ertragen.
„Ich höre gar nichts, Colonel", sagte Kolya. „Erkennen Sie sie nicht wieder? Möchten Sie mit ihr sprechen?"
Weir legte ihm eine Hand auf die Schulter, als er nicht antwortete. Er sah sie kurz an, drehte sich dann wieder um und sagte: „Ja, ich will mit ihr sprechen."
Er konnte beobachten, wie einer der beiden Wächter sich über sie beugte und den Knebel entfernte.
„John!" schrie sie los. „Laß dich auf nichts ein! Tu nichts, was dieser ..." Weiter kam sie nicht.
„Sie ist noch etwas ungestüm. Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihnen, nicht wahr? Charmant wie Sie, Colonel." Kolya trat wieder ins Bild.
„Und was jetzt? Haben Sie wieder einen ... Wraith gefangen?" preßte Sheppard zwischen den Zähnen hervor.
Kolya sah sinnend in die Kamera. „Ich bitte Sie, Sheppard, ein bißchen mehr Einfallsreichtum dürfen Sie mir schon zutrauen."
„Was dann? Was wollen Sie?"
Kolya sah in die Kamera und schien ihn anzustarren, noch immer dieses Lächeln auf den Lippen. „Was ich will? Die Kontrolle über Atlantis, das will ich."
„Wir werden das niemals zulassen, Kolya!" entgegnete nun Dr. Weir.
Kolya nickte. „Sie nicht, das ist sicher. Aber unsere reizende Ahnin hat ja selbst ihre kleinen Geheimnisse. Nicht wahr, Colonel?"
Sheppards Augen weiteten sich. „Was haben Sie vor, Kolya?"
„Ich möchte, daß Sie beide Zeuge von etwas werden, Sie und Dr. Weir, Colonel Sheppard. Sie werden mitansehen, wie die letzte verbliebene Ahnin stirbt, ganz langsam und sicherlich ziemlich schmerzhaft. Sie erinnern sich doch sicher noch an die Impfung der Hoffaner, nicht wahr?"
Vashtu sah, wie Kolya eine Ampulle in die Kamera hielt und runzelte die Stirn.
Was sollte das? Was ging hier vor?
Sie wußte es nicht. Aber sie spürte, daß ihre Kräfte ganz allmählich wieder zurückkehrten. Noch ein wenig und sie würde die Fesseln sprengen und Kolya den Hals umdrehen können. Dann aber erstarrte sie.
„Ich habe das Blut ihrer hübschen Freundin untersuchen lassen, Colonel Sheppard. Was, denken Sie, wird geschehen, wenn ich sie mit dem Mittel impfen lasse? Wie lange werden die Wraith-Zellen in ihrem Inneren dem wohl standhalten, mh?"
Mit einer Mischung aus Schreck, Begreifen und Entsetzen beobachtete die Antikerin, wie Kolya die Ampulle öffnete, eine Spritze mit deren Inhalt füllte und dann an einen anderen Genii weitergab. Sie hatte keine Möglichkeit, sich zu wehren. Noch waren die Wunden nicht ganz verheilt, noch war da eine gewisse Schwäche in ihr.
„Tun Sie es nicht!" hörte sie Dr. Weir sagen, während der Mann mit der Spritze zu ihr kam.
„Kolya", Sheppards Stimme klirrte und schien vollkommen empfindungslos, „sollten Sie ihr auch nur ein Haar krümmen, ist das nur ein Grund mehr für mich, Sie zu töten!"
Die Spritze berührte ihre Haut, stach hindurch.
Vashtu war plötzlich starr, ihr Atem ging hektisch, während sie fühlte, wie dieses merkwürdige Zeug ihr injiziert wurde. Es brannte in ihren Adern wie Feuer.
„Kolya!" Sheppards Stimme schien überzuschnappen.
„Beruhigen Sie sich. Es braucht ein paar Minuten, dann können wir alle uns davon überzeugen, ob Vashtu Uruhk auf die Impfung anspricht. Und ich denke, inzwischen sollte sie sich so weit erholt haben, daß Sie noch einmal mit ihr sprechen können. Das möchten Sie doch, oder?" Unvermittelt drehte Kolya sich zu ihr um und sah sie fragend an.
Vashtu atmete tief ein, dann nickte sie.
Sie hatte keine Ahnung, was da gerade mit ihr passiert war, aber sie spürte die Auswirkungen. Flammenzungen leckten durch ihren Arm, bittere Galle stieg in ihren Mund.
Der Knebel wurde ihr wieder abgenommen und sie sah, wie die Kameralinse auf sie einschwang.
„John, hör zu!" Ihre Stimme klang heiser. „Ich gehöre nicht zu euch. Ich gehöre zur Erde, hast du das verstanden?"
„Wie geht es dir?" Sheppard klang besorgt.
Sie runzelte die Stirn und versuchte angestrengt in die Kamera zu lächeln. „Es wird gehen. John, tu nichts, hörst du?"
„Miss Uruhk, wissen Sie von der Impfung der Hoffaner?" fragte nun Weirs Stimme.
Ihr Mund war trocken. Sie wollte jetzt sicher keine schlechten Nachrichten hören, ganz sicher nicht. Sie biß sich auf die Lippen und konzentrierte sich wieder auf Kolya, der neben der Kameralinse stand und sie genau beobachtete.
„Miss Uruhk, diese Impfung tötet Wraith", sagte Weir endlich.
Vashtu schloß die Augen, öffnete sie dann wieder. „Es geht mir gut. Ich gehöre nicht zum SGA, ich gehöre zum SGC. Also handelt danach. Ich bin sicher, General Landry ..." Sie stockte, als sie unvermittelt in den Lauf einer Waffe starrte.
Dann riß die Wucht der Kugel sie gegen den Stuhl, während sie noch das Mündungsfeuer sah und das heisere Bellen hörte. Mit Mühe kämpfte sie um ihre Besinnung, doch die Schmerzen waren zu stark. Nach einem letzten Blick in die Kamera sank ihr Kopf auf die Brust.
Kolya trat wieder ins Bild. „Eine Wunde, nicht einmal schwer", sagte er. „Aber daran werden wir kontrollieren können, wie die Impfung wirkt. Colonel Sheppard, Dr. Weir, Sie werden Zeuge werden, wie die Ahnin stirbt. Es sei denn, Sie überlassen mir Atlantis."

TBC ...

29.11.2009

1.05 Teamwork

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (SG-27)
Genre: humor, scifi, action
Rating: PG


„Mach's gut, Vash, wir sehen uns!“

Die Antikerin winkte dem Cabrio hinterher, ehe sie sich umwandte und den Innenhof des Gebäudekomplexes betrat, in dem sich ihre Wohnung befand.

Es war ein schöner Abend gewesen, zusammen mit einer anderen Frau, Marnie Evans, einer Ärztin aus dem SGC. Sie beide hatten diverse Bars und Clubs abgeklappert und es sich einmal richtig gut gehen lassen.

Marnie war eine der wenigen, die sie zumindest ansatzweise verstanden und sich auf sie einließen. Allmählich schien sie doch Fuß auf der Erde zu fassen. Und seit sie ihr eigenes SG-Team leitete, schien sich ihre Lage noch weiter zu entspannen.

Vashtu stieg nachdenklich die Treppen zu ihrem Apartment hinauf und kramte ihren Schlüssel hervor.

War es nun gut für sie, daß sie sich scheinbar doch etwas einlebte? Oder bestand darin eine gewisse Gefahr?

Bisher hatte sie einen zu engen Kontakt mit anderen vermieden. Sie wollte irgendwann zurück in die Pegasus-Galaxie, ihrem Zuhause. Sie wollte nach Atlantis.

Doch seit sie zur Erde gekommen war, hatte sie begreifen müssen, daß ihr Weg zurück nicht sonderlich einfach sein würde. Sogar bei den wenigen Malen, als Colonel John Sheppard hier gewesen war, hatte man im Stargate-Center sehr gut zu verhindern gewußt, daß sie beide aufeinandertrafen. Sie war sich nicht einmal sicher, ob ihre Briefe überhaupt an ihn zugestellt wurden, es sei denn, sie traf zufällig jemanden aus Atlantis.

Vashtu zog eine Grimasse.

Vielleicht würde es einfacher werden, wenn sie sich fügte, wenn sie ein Leben auf der Erde führte und aus ihrer selbsterzeugten Isolation entfloh. Das aber würde sich erst mit der Zeit zeigen.

Sie steckte den Schlüssel in das Schloß ihres Apartments und drehte ihn herum. Dabei nahm sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr.

Seit wann stand sie unter Bewachung?

Sie ließ sich nichts anmerken, betrat ihre Wohnung und schloß von innen ab. Dann trat sie sehr langsam von der Tür weg und lauschte aufmerksam.

Schritte, dann wispernde Stimmen.

Vashtu versteifte sich, drehte sich dann betont langsam herum und betrat ihren Wohnraum.

Hier war nichts mehr zu hören, doch sie war sicher, da stand noch immer jemand vor ihrer Tür.

Sie glitt hinter den Küchentresen und fischte ihre Beretta hinter den Tellern hervor. Leise entsicherte sie ihre Waffe und schlich zurück zum Durchgang in den Flur, um sich dort eine Deckung zu suchen.

Ihr Schlüssel drehte sich, sie konnte im wenigen Licht sehen, wie er glitzerte. Dann fiel er zu Boden, doch auch dieses Geräusch klang leise, als habe jemand etwas unter der Tür durchgeschoben, um den Krach abzudämpfen. Vorsichtig lehnte sie sich an die Wand, den Kopf zur Seite geneigt, die Waffe nach unten gerichtet.

Ein deutliches Klicken durchbrach die Stille, als die Wohnungstür sich öffnete.

Nein, das waren sicher keine Leute vom SGC, ganz sicher nicht.

Wieder ein undeutliches Wispern, dann Schritte, die sich ihr näherten.

Wer auch immer sich da Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft hatte, wußte ganz offensichtlich, daß sie zu Hause war. Ein einfacher Einbrecher fiel also aus - ganz abgesehen davon, daß sie die Schritte von mehreren wahrnahm.

Wie ein Wirbelwind fuhr sie herum und schoß, ehe sie wieder Deckung suchte. Geschrei und Flüche waren die erste Antwort, gefolgt von den Energieentladungen nicht irdischer Waffen.

Den Bruchteil einer Sekunde erstarrte Vashtu wieder.

Wer auf der Erde benutzte Waffen der Goa'uld? Und mit wievielen Angreifern hatte sie es zu tun?

Mit dem nächsten Feuerstoß aus ihrer Beretta sah sie mindestens ein halbes Dutzend Männer in ihrem Flur oder an der Tür nach draußen. Und jeder von ihnen trug eine dieser Zats, mit denen sie schon unliebsame Bekanntschaft gemacht hatte.

Vashtu fluchte in ihrer Muttersprache, glitt zurück in ihre magere Deckung. Blitzschnell überlegte sie und kam zu dem Schluß, daß es sicherer war, von hier zu verschwinden. Mit normalen Waffen ausgerüstet, oder ihretwegen auch mit Stunnern der Wraith, das wäre etwas anderes gewesen. Sie hätte es auf einen Kampf ankommen lassen. Aber nicht mit diesen Dingern, die einen beim ersten Schuß betäubten.

Kontrolliert hob sie den Arm und drückte ab. Das große Fenster hinter ihrem Sofa zerbarst in tausend Teile.

„Halt! Stehenbleiben!“ hörte sie die Rufe hinter sich, als sie schon, Schwung holend, vorwärts stürzte und sich mit einem Hechtsprung nach draußen katapultierte. Augenblicklich aktivierte sie die fremden Zellen in sich und brachte sich ins Gleichgewicht. Trotzdem war der Aufprall mörderisch und sie hatte das Gefühl, ihre Oberschenkelknochen würden ihr durch die Schultern getrieben. Dennoch nahm sie sich nicht die Zeit, sondern hetzte los, so schnell die Beine sie nur tragen konnten. Hinter sich hörte sie die aufgeregten Rufe ihrer Angreifer, und dann - ihr Mut sank - Motoren aufheulen.

Verzweifelt suchte sie nach irgendetwas, wohin sie abbiegen konnte, und sei es nur ein Garten. Sie mochte mit Hilfe ihrer Wraith- und Iratus-Zellen schneller laufen als die meisten Menschen, aber beileibe nicht schnell genug für ein Auto.

Sie sprang über eine niedrige Blumenrabatte, die Profile ihrer Schnürstiefel rutschten auf dem taufeuchten Rasen dahinter fast weg, doch es gelang ihr, wieder auf die Beine zu kommen. Aber die Verfolger waren verdammt nahe. Energieentladungen zuckten durch die Nacht.

Von der Straße weg, irgendwo in unübersichtliches Gelände, irgendwohin, wo sie einen Unterschlupf finden und sich vestecken konnte.

Sie raste weiter, sprang über niedrige Zäune und Hecken, riß einige Mülltonnen um.

Der Wagen folgte ihr.

Da! Das unbebaute Grundstück.

Vashtu wechselte, wie ein Hase Haken schlagend, die Richtung. Das hüfthohe Gras behinderte sie etwas in ihrem Lauf, als sie auf das Grundstück floh, doch auch ihre Verfolger würden aufgehalten werden, davon war sie überzeugt.

Und da sah sie eine blaugefärbte Flamme auf sich zuschießen. Sie konnte nicht mehr ausweichen.

Der Aufprall riß sie zurück und schleuderte sie in die Luft, ehe sie, wie eine Marionette, deren Fäden durchschnitten worden waren, zu Boden stürzte und liegenblieb.

Ein Mann in schwarzer Kampfmontur stellte sich neben sie, die Zat noch immer auf sie gerichtet. Ein zweiter, der aus dem Wagen gestiegen war, beugte sich über die bewußtlose Antikerin.

„Sie ist verdammt schnell“, sagte der erste.

„Und verdammt präzise. Malcolm und Sid wurden getroffen.“ Der zweite packte die reglose Gestalt an den Armen und zog sie zum Wagen zurück.


***


„Ich bedaure, Hermiod, aber ich kann Ihnen auch nicht sagen, wo Miss Uruhk sich aufhält.“ General Landry runzelte die Stirn.

„Sie wollte mich heute morgen kontaktieren und das Treffen bestätigen“, erklärte der Asgard mit ruhiger Stimme. „Wir wollten die letzte Schachpartie fortführen.“

„Tja“, Landry trommelte ein wenig unruhig mit den Fingern einen Takt auf seinem Schreibtisch, „möglicherweise hat sie es ja nur vergessen. Soweit ich weiß, ist sie privat momentan noch etwas eingespannt.“

„Das ist inkorrekt, General“, widersprach Hermiod. „Wenn sie Zeit hat, sucht sie nach Möbeln für ihre Wohnung, das hat sie mir ebenfalls gesagt. Ansonsten halten ihre sozialen Kontakte sich in sehr engen Grenzen. Und bisher hat sie die Termine mit mir immer eingehalten. Ich bin unruhig.“

Das merkte man der Stimme nicht wirklich an, aber Landry mußte dem Asgard recht geben. Man konnte von Vashtu Uruhk halten was man wollte, sie war präzise wie ein Uhrwerk. Wenn sie sich mit jemandem verabredete, hielt sie diese Verabredung ein, wenn sie eine Arbeit durchführen sollte, tat sie dies. Vielleicht nicht immer mit Begeisterung, aber sie tat es.

„Vashtu Uruhk weiß, daß die Daedalus in wenigen Tagen wieder zurück nach Atlantis fliegt. Darum wollten wir uns ja heute treffen. Sie mag es nicht, wenn die Partie zu lange dauert“, erklärte der Asgard.

Landry runzelte die Stirn. „Ich werde sehen, ob ich sie irgendwo auftreiben kann, Hermiod, aber ich kann nichts versprechen.“

„Der Umgang mit Ihrem Volk, General, könnte ihr Gehirn schädigen, was sehr schade wäre. Gerade darum bin ich unruhig.“

„Verstehe.“ Landry fühlte sich plötzlich von dem Asgard verraten. Immerhin gehörte Vashtu doch wohl eher zur Erde, oder seinetwegen zu Atlantis, als zu diesen Aliens. Daß ihr Gehirn schneller arbeitete als bei einem Menschen wußte er, und er war davon überzeugt, daß diese Tatsache ihr schon einige Male den Hals gerettet hatte hier im Stargate-Center.

„Ich werde mich umhören, Hermiod“, wiederholte er. „Entschuldigen Sie mich. Sie hören von mir, sobald ich etwas über diese Angelegenheit weiß.“ Damit hängte er auf und seufzte.

Nein, es sah der Antikerin wirklich nicht ähnlich, einen Termin nicht einzuhalten, den sie vorher verabredet hatte. Vor allem nicht mit Hermiod, der für sie wohl etwas wie ein persönlicher Freund war. Diese merkwürdige Freundschaft war ihm tatsächlich schon etwas länger bekannt.

Aber wo war sie? Hatte der Asgard am Ende recht und sie degenerierte? Hatte sie schlicht vergessen, überhaupt zum Dienst zu erscheinen? War sie krank?

Landry wollte gerade einen Anruf tätigen, als es an seiner Tür klopfte. Stirnrunzelnd gewährte er Eintritt und sah Dr. Daniel Jackson, der sein Büro betrat, die Tür hinter sich wieder schloß.

„General“, Jackson beugte sich vor, „da geht etwas merkwürdiges vor sich.“

Landry legte den Hörer wieder auf die Gabel. „Was geht vor?“

„Ich traf gerade Dr. Wallace von SG-27. Er schien sehr aufgeregt. Offensichtlich hatte unsere Antikerin sich mit ihrem Team für heute morgen verabredet, ist aber nicht erschienen.“ Daniel schüttelte den Kopf. „Sie ist normalerweise doch nicht zerstreut.“

Landry warf einen langen Blick auf das Telefon. „Und ich hatte gerade einen Anruf, Miss Uruhk betreffend. Offensichtlich hatte sie sich für den heutigen Nachmittag mit Hermiod verabredet, wollte aber den Termin vor dem Treffen noch bestätigen. Zum Dienst ist sie heute überhaupt nicht erschienen.“ Landry zögerte noch einen Moment, dann griff er wieder nach dem Hörer. „Ich rufe Storm an. Er soll ein kleines, unauffälliges Team zu ihrem Apartment schicken und nachsehen.“

Jackson nickte ernst.

Der General blickte wieder auf. „Aber ich hätte nicht gedacht, daß Sie sich Sorgen um Miss Uruhk machen, Dr. Jackson.“

„Wenn jemand von heute auf morgen verschwindet, mache ich mir immer Sorgen, Sir.“


***


Vashtu kam stöhnend zu sich, rollte sich auf den Bauch und ächzte. Ihr ganzer Körper schmerzte, und das schlimmer als bei jedem Stunnerschuß, der sie je getroffen hatte. Ihr Kopf fühlte sich an wie in Watte gewickelt und ihre Muskeln waren vollkommen starr.

Sie ballte die Hände zu Fäusten und stützte die Stirn auf den Boden.

Das tat verdammt weh. Kein Wunder, daß sie bisher immer ...

Sie riß die Augen auf.

Die Angreifer!

Mit einem Ruck riß sie den Kopf hoch und starrte auf eine unverputzte Wand, an deren Ecke sich ein Rohr nach oben schraubte.

Wo war sie? Was war geschehen?

Sie versuchte sich aufzusetzen und bemerkte endlich einen Widerstand an ihrer rechten Hand. Irritiert sah sie hinunter und stellte verblüfft fest, daß sie mit einer Handschelle an dieses Rohr gekettet war.

Was war hier los?

Sie ruckte versuchsweise ein wenig an ihrer Fessel, doch die Schelle gab nicht nach, zumindest nicht mit normaler, menschlicher Kraft.

Langsam drehte sie sich um, ohne sich den Arm verdrehen zu müssen und sah sich in dem Raum um. Ein kahles Zimmer, wie in einem Neubau. Die Wände noch nicht verputzt, der nackte Estricht auf dem Boden, nach oben begrenzt von einer hängenden Decke. Keine Fenster und nur eine Tür. Keine Möbel oder irgendwelche anderen Gegenstände.

Vashtu dachte nach, grub in ihrem Hirn nach Möglichkeiten, doch keine wollte ihr einfallen. Sie wußte nichts von irgendwelchen bösen Jungs, die sich Mitarbeiter des Stargate-Centers griffen und entführ... Doch!

Hatte Hermiod ihr nicht bei ihrem letzten Treffen etwas über eine irdische Organisation erzählt, die den Kommandanten der Daedalus in ihre Gewalt gebracht und in einen Goa'uld verwandelt hatte? Hatte er nicht betont, daß diese Organisation der wichtigste Grund für ihn war, nicht in Erscheinung zu treten auf der Erde?

Wie hatte Hermiod es bezeichnet?

Vashtu zog die Beine an und schlang ihren freien linken Arm um die Knie.

Der Trust!

Genau!

Goa'uld, na toll!

Vashtu verzog das Gesicht zu einer Grimasse, ruckte ein bißchen an der Fessel.

Diese Goa'uld schienen Idioten zu sein, sich ausgerechnet sie greifen zu wollen. Ihr Körper war definitiv voll und würde nichts mehr aufnehmen. Da mußte schon einiges passieren ...

Aber vielleicht ging es gar nicht darum, sie in einen Goa'uld zu verwandeln. Vielleicht ging es um ganz andere Dinge.

Vashtu lief es eiskalt den Rücken hinunter, als sie sich an ihre erste Zeit im SGC erinnerte. Die Menschen hatten viele Artefakte ihres Volkes gefunden, die sie hatte aktivieren dürfen. Die zweiten Bewohner der Erde mochten ihrem Volk sehr ähnlich sein, doch es gab offensichtlich Dinge, die nicht mit den Antikern übereinstimmten. Ein bestimmtes Gen fehlte den meisten Menschen, und deshalb konnten sie die Gegenstände derer, die vor ihnen hier gewesen waren, nicht gebrauchen. Menschen mit dem Gen waren selten, eine Antikerin noch seltener inzwischen.

Gut, sie mußte hier heraus, soviel stand fest. Und der erste Schritt war es, sich dieser lächerlichen Fessel zu entledigen.

Vashtu drehte sich wieder auf die Knie, betrachtete sehr genau, wie die Handschellen angebracht waren. Das Rohr wirkte zwar stabil, war aber dünn. Dünn genug vielleicht, wenn sie ihre veränderten Gene aktivierte.

Mit der Linken packte sie das Rohr kurz über der Stahlschelle und konzentrierte sich. Dann ruckte sie kurz daran. Ein leises Stöhnen drang aus dem Metall, als sie es zwischen ihrer Faust zusammenquetschte, sofort verringerte sie den Druck und lauschte.

Nichts.

Gut, dann weiter, ein bißchen mehr Kraft. Sie schloß ihre Faust eng um das Metall, packte jetzt auch mit der Rechten zu und zog. Ein leises, mißtönendes Stöhnen war die Antwort, dann ging ein plötzlicher Ruck durch das Metall und es brach in der Mitte auseinander.

Befriedigt schob sie die Schelle durch den Bruch und richtete sich auf.

Soviel dazu.

Sinnend sah sie sich in ihrem Kerker um und überlegte sich den nächsten Schritt.


***


„George, altes Haus!“ Jeffrey Storm schlug dem Marine gutgelaunt auf die Schulter. „Was machst du denn hier? Ich dachte, du seist bereits in Rente gegangen.“

Sergeant Dorn zuckte mit den Schultern. „Bin in einem anderen Team, Jeff“, antwortete er auf seine einsilbige Art. Vorsichtig lugte er um die Ecke in den Innenhof der Wohnanlage. „Zufällig hier, wollte meine Team-Leaderin besuchen.“

Storm nickte, kniff dann die Lippen aufeinander. „Dann bist du in ihrem Team? Hat sie sich bei euch gemeldet?“

Dorn sah ihn nur schweigend an.

„Tja, hier ist sie auch nicht. Wir mußten ...“ Er zögerte, musterte seinen alten Kampfgefährten. Dann winkte er ab. „Sieht nicht gut aus für deinen Leader. Das Apartment sieht aus wie ein Schlachtfeld, das Wohnzimmerfenster liegt in Einzelteilen draußen auf dem Rasen und wir haben Einschläge von Zats gefunden. Die anderen Bewohner hatten die Polizei gerufen, von denen mußten wir den Fall erst übernehmen.“

Dorn nickte sinnend. „Üble Sache.“

Storm kreuzte die Arme vor der Brust. „Ist zwar bisher unbestätigt, aber es sieht verdammt nach dem Trust aus, alter Junge. Könnte sein, daß du dich ganz von deinem Leader verabschieden mußt. Wer weiß, was die mit ihr anstellen.“

Dorn hob die Brauen, sagte aber nichts. Allerdings ging ihm eher durch den Kopf, was diese Antikerin mit dem Trust anstellen würde nach ihren letzten Auftritten. So leicht ließ die sich nicht unterkriegen.

Aber trotzdem war er unruhig, wenn er es sich auch nicht anmerken ließ. „Spuren?“ fragte er.

Storm nickte die Straße hinunter. „Die Polizei glaubt, es hat eine Verfolgungsjagd gegeben. Ihre Beretta wurde auf einem unbebauten Grundstück fast zwei Meilen die Straße hinunter gefunden, ebenso Reifenspuren. Ansonsten nur Stiefelabdrücke und umgeworfene Mülltonnen - und jede Menge Einschüsse von Goa'uld-Waffen. Die muß gehetzt sein wie ein Hase, um den Dingern zu entgehen.“

Dorn nickte wieder.

Gut, daß Babbis ihn überredet hatte, seine Kontakte auszunutzen. Wer konnte schon sagen, wie und wann sie sonst von dieser Sache erfahren hätten? Er traute Landry zwar, aber der war auch nur ein Befehlsempfänger.

Dorn sog seine Wangen ein, wandte sich wieder Storm zu. „Muß leider los, hab noch zu tun. Wollte ja nur mal nachsehen.“

Storm nickte, wandte sich wieder dem Durchgang zu und verschwand darin.

Dorn sah ihm nach, dann drehte er sich ebenfalls um und wanderte gemächlich den Weg entlang, den Vashtu in der Nacht genommen hatte. Nach einigen hundert Metern zückte er ein Handy und tastete eine Nummer ein. Dann wartete er, bis sich am anderen Ende jemand meldete, ehe er sagte: „Sieht übel aus. Wir müssen was tun.“


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Dr. Peter Babbis saß in seiner kleinen Wohnung und hielt sich den Hörer ans Ohr. Nachdenklich nagte er an einem Schokoriegel, stellte keine Zwischenfragen, bis sein Gesprächspartner seinen Bericht beendet hatte. „Danke, Dorn“, sagte er dann endlich. „Kommen Sie doch zu mir, wenn Sie Zeit haben. Wir müssen uns überlegen, wie wir weiter vorgehen. James ist schon bei mir. Ich denke, wir sollten meine Wohnung als Hauptquartier betrachten und von hier aus operieren.“

Wieder lauschte er aufmerksam, biß ein Stück von seinem Riegel ab und lutschte ihn wie ein Bonbon. „Gut, bis gleich.“ Damit drückte er eine Taste und beendete das Gespräch, ehe er sich seinem anderen Gast zuwandte.

Dr. James Wallace saß stocksteif auf dem Sofa und sah ihn erwartungsvoll an.

„Wie es aussieht, hat der Trust Miss Uruhk entführt“, sagte Babbis jetzt.

Wallaces Gesicht wurde bleich. „Der Trust? Aber ... Das sind ...“

„Das sind Goa'uld, ja.“ Mit einem plötzlichen Energieausbruch erhob sich Babbis und begann eine Wanderung durch seine Wohnung. „Und die haben mindestens ebensoviel Interesse an einer lebenden Antikerin wie wir Menschen. Nur dummerweise sitzen sie an Stellen, an die wir wohl kaum heranreichen werden.“

Wallaces Augen irrten ziellos hin und her. „Aber ... Du hast zu Dorn gesagt, wir würden von hieraus arbeiten?“ Seine Stimme klang verzweifelt.

Babbis nickte. „Wir müssen ihr helfen, oder ist dir das nicht klar? Auf den letzten Einsätzen hat sie uns regelmäßig das Leben gerettet, ganz davon abgesehen, daß sie deine Fehler ausgebügelt hat, James. Sie hat viel von dem auf ihre Kappe genommen, was sie gar nicht getan hat. Es wird Zeit, daß wir uns revanchieren!“ Er schlug mit der Faust auf seine flache Hand ein, verzog vor Schmerz das Gesicht.

„Aber wir sind Wissenschaftler, keine Soldaten“, wandte Wallace ein.

„Und was ist sie?“ Babbis drehte sich zu ihm um und musterte ihn. „Hast du eigentlich schon einmal mehr als zwei Worte mit ihr gewechselt oder dir ihre Akte angesehen? Mit ihrem Wissen kann sie es mit den meisten Wissenschaftlern von heute aufnehmen. Und trotzdem kann sie kämpfen.“

Wallace hob ratlos die Schultern. „Sie ist eine Antikerin. Ihr Gehirn arbeitet mit einer höheren Aktivität als unseres.“

Babbis schnaubte und wandte sich ab. „Warum hat sie uns denn auf den Schießstand geschickt und uns erklärt, wie die einzelnen Waffen funktionieren? Damit sie weiter die Drecksarbeit für uns tut?“

Es klopfte.

Kopfschüttelnd ging der Hausherr zur Tür und öffnete. Dorn trat mit nachdenklicher Miene ein und nickte nur grüßend, ehe er es sich neben Wallace auf dem Sofa bequem machte.

„Ich habe mir da beinahe in den Fuß geschossen“, murmelte dieser.

Dorns Augen blitzten amüsiert. Er beugte sich nach hinten, legte einen Arm auf die Lehne des Sofas und beobachtete Babbis, der weiter unruhig hin- und herlief, wieder einen Schokoriegel in der Hand, von dem er ab und an nachdenklich abbiß.

„Schlimme Sache“, sagte der Sergeant schließlich.

Babbis verhielt mitten in der Bewegung und drehte sich zu ihm um. „Wir werden sehen, ob wir nicht herausfinden, wohin man sie verschleppt hat.“


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Vashtu ließ sich vorsichtig nach unten fallen, kam geschickt auf und federte den Aufprall ab. Etwas ratlos blickte sie noch einmal zur Decke hinauf, richtete sich dann auf und sah sich noch einmal genau um.

Decke und Boden fielen als Fluchtmöglichkeit aus, wenn sie nicht Wert auf gebrochene Knochen legte. Und die wollte sie so lange wie möglich verhindern. Wer konnte denn schon sagen, was sie draußen noch erwarten mochte.

Ihre Aufmerksamkeit richtete sich jetzt den Wänden zu.

Diese schienen recht dünn zu sein, jedenfalls konnte sie dann und wann Schritte hören. Draußen mußte es einen Flur oder etwas ähnliches geben. Aber das sagte ihr immer noch nicht, ob sie sich vielleicht nicht doch an einer Außenwand in irgendeinem höher liegenden Stockwerk befand. Wenn sie wild auf die Wände einschlug, würde man wahrscheinlich sehr schnell auf sie aufmerksam werden und wieder ausschalten. Und das mußte sie auf jeden Fall verhindern.

Soviel also dazu, einfach durch die Wände zu gehen, obwohl sie nicht unbedingt daran zweifelte, daß es ihr gelingen würde.

Blieb noch die Tür.

Vashtu betrachtete diese stirnrunzelnd. Sie wußte inzwischen, daß da draußen wenigstens ein Mann stand und Wache hielt. Das war möglicherweise eine Chance, vor allem auch, um eine Waffe zu erbeuten, vielleicht sogar eine dieser Zats. Sie mußte ihren Wächter nur auf sich aufmerksam machen und davon überzeugen, daß er sich ihr gefahrlos nähern konnte.

Leise trat sie an die Tür, legte ihr Ohr an das Holzimitat und lauschte.

Dann zog sie sich zurück zu der Ecke, in der sie aufgewacht war, hockte sich nachdenklich hin und überdachte noch einmal ihren Plan. Schließlich legte sie sich in einer ähnlichen Position, in der sie auch zu sich gekommen war, hin, verdeckte mit ihrem Arm das geborstene Rohr und begann lauthals zu schreien und zu stöhnen, als hätte sie starke Schmerzen. Sie jammerte und flehte, trat mit einem Bein immer wieder gegen die Wand.

„Es tut so weh! Ich verbrenne, ich verbrenne! Helft mir doch, bitte, helft mir!“

Irgendwann hörte sie über ihr Gejammere hinweg, wie sich ihr Schritte näherten, versteifte sich sichtlich und lag dann schlaff, die Augen bis auf einen schmalen Schlitz geschlossen.

„Hey? Was ist mit dir?“ Der Wächter zögerte, tippte ihren Körper dann vorsichtig mit dem Fuß an. Vashtu gab nach, rollte sich auf den Rücken und tat noch immer, als habe sie das Bewußtsein verloren.

„Hey, was hast du? Hey!“ Der Mann beugte sich zu ihr hinunter.

Blitzschnell reagierte sie, schwang ihre Beine um seinen Hals und hebelte ihn ganz zu Boden. Mit einem dumpfen Laut verlor er das Gleichgewicht und schlug hin.

Sie richtete sich auf, als er gerade röchelnd seine Waffe ziehen wollte, griff zu und begann, mit ihm zu ringen. Er wehrte sich heldenhaft gegen ihren Zugriff, doch irgendwann hörte sie, wie die Knochen in seiner Hand durch ihren festen Griff brachen. Er verdrehte die Augen und wimmerte, so gut er konnte.

Mit der Rechten schlug sie zu, um ihn endlich loslassen zu können. So verkeilt, wie sie beide jetzt am Boden lagen, konnte jeder, der jetzt den Raum betrat, sie viel zu schnell wieder betäuben.

Der Wächter grunzte, versuchte sich wieder loszuwinden. Vashtu verstärkte den Druck ihrer Schenkel auf seinen Hals, packte sein Haar und riß seinen Kopf herum. Mit einem häßlichen Knacken brach sein Genick. Er zuckte noch ein paar Mal, dann lag er still.

Sie holte tief Atem, machte sich von ihm los und richtete sich wieder auf.

Normalerweise tötete sie nicht gern, aber dies schien ihre einzige Chance gewesen zu sein, relativ lautlos und schnell hier herauszukommen.

Vashtu beugte sich über den Leichnam und tastete ihn vorsichtig ab, auf der Suche nach etwas brauchbarerem als der Automatik, die sie ihm entwunden hatte. Und tatsächlich fand sie einen kleinen Schlüssel, der in das Schloß der Handschelle paßte. Aber ansonsten war das Ergebnis mager.

Zumindest hatte sie jetzt eine Waffe.

Vorsichtig schlich sie zu der geöffneten Tür und warf kurze Blicke nach draußen. Der Gang war zu beiden Seiten leer, aber schwer einsehbar durch zahlreiche abzweigende Flure.

Sie biß sich auf die Lippen, schlich nach draußen und schloß bedächtig leise die Tür hinter sich.


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„Ist Storm sich sicher, daß es der Trust ist?“ General Jack O'Neills Stimme klang besorgt durch das Telefon.

„So sicher wir sein können. Das Apartment von Miss Uruhk ist verwüstet, ihre Waffe wurde fast zwei Meilen entfernt gefunden und es gibt viele Brandspuren von Goa'uld-Waffen. Von ihr dagegen fehlt jede Spur“, antwortete Landry. „Storm sucht Verbindungen und mögliche Informanten, die sie verraten haben könnten.“

„Das ist übel.“ O'Neill seufzte.

„Ich habe von Anfang an gesagt, es ist eine schlechte Idee, sie aus Cheyenne-Mountain herauszulassen“, warf Landry ein. „Wir kennen alle die Gefahr durch den Trust.“

„Ich glaube nicht, daß sie jedem auf die Nase bindet, wer und was sie ist“, entgegnete O'Neill. „Und darum hatte ich auch keine Einwände. Aber warum haben Sie sie nicht unauffällig beschatten lassen?“

„Diese Antikerin zu beschatten ist, als jage man einen Geist. Sie hat sämtliche Verfolger abgehängt bisher.“

„Nur dieses Mal nicht ...“ O'Neill klang nachdenklich. „Hat sie überhaupt jemand über den Trust aufgeklärt? Wußte sie von der Gefahr, in der sie schwebt?“

Landry zögerte. „Ich ... ich weiß es nicht genau. Zumindest ich habe es sie nicht gesagt“, gestand er dann.

O'Neill seufzte. „Okay, ich komme, so schnell ich kann“, entschied er dann. „Tut alles, was ihr könnt. Wir können nicht riskieren, sie zu verlieren.“

Landry legte wenig begeistert auf. Aber er mußte O'Neill recht geben. Sie mußten die Antikerin wieder zurückholen, so schnell wie möglich. Der Trust war nicht dafür bekannt, mit seinen Gefangenen sehr human umzugehen.


TBC ...