15.06.2010

Das Angesicht des Feindes 3/4 II

"Der ist hin", kommentierte die Antikerin einige Stunden später trocken, als sie sich mit langem Hals in den Jumper beugte.
Peter, inzwischen notdürftig verarztet, blinzelte, nickte dann aber. Der Jumper hatte keinen Boden mehr, und damit dürften jegliche Raumflüge für die nächsten Jahre wohl ausfallen. Abgesehen davon, daß er im Moment die Nase gestrichen von weiteren Abenteuern im Weltall voll hatte.
"Ich habe aber keine Schuld daran", wagte Wallace hinter ihnen beiden zu bemerken.
Vashtu seufzte unwillig und kniff die Lippen zusammen. „Wir haben ein Problem, Peter. Wir wissen nicht, wo wir sind und Dorn braucht dringend ärztliche Hilfe. Außerdem ..." Sie nickte zu den Resten des Rucksacks hinüber, der auf dem implodierten Boden gestanden hatte. „Sieht es mit Nahrung nicht allzu gut aus, wenn Sie mich fragen."
Peter nickte nachdenklich. „Eine Reparatur kommt nicht in Frage?" fragte er schließlich doch hoffnungsvoll.
Vashtu sandte ihm einen amüsierten Blick. „Haben Sie hier irgendwo ein Puddlejumper-Ersatzteillager entdeckt?"
Er seufzte und zuckte mit den Schultern.
Vashtu lauschte in sich hinein, runzelte die Stirn. Dann tat sie einen zaghaften, ersten Schritt und betrat das Innere des Jumpers. Gleich war sie ungefähr noch einmal einen halben Meter kleiner als ohnehin.
"Passen Sie ja auf! Im Moment sind Sie die einzige Kämpferin, die wir haben", sagte Peter und erntete wieder einen amüsierten Blick von ihr.
Irgendwie gelang es ihr, auf die Reste der Sitze zu klettern und die Ladebuchten über sich zu öffnen. Doch es befand sich nichts als Leere darin. Wieder kniff sie die Lippen aufeinander.
"Tolle Kämpferin", kommentierte sie schließlich und sprang von dem Sitz herunter. „Ich habe eine Beretta und drei Ersatzmagazine. Macht zusammen achtzig Schuß."
"Naja, aber sie können ganz gut schießen", wandte Peter ein.
Sie seufzte, arbeitete sich vor bis zum Durchgang in das Cockpit. Wieder reckte sie den Hals, kam dann zurück. „So wie ich es sehe, ist dieser Jumper in die Ewigen Jagdgründe eingegangen. Es könnte sein, daß er noch ein paar Energiereserven hat, aber wir werden ihn nicht vom Boden wegbekommen." Ächzend zog sie sich wieder hoch und kam auf die Beine, um dann die Rampe hinunterzuspringen. „Wir sollten sehen, ob es auf diesem Planeten nicht irgendwo Leben gibt", schlug sie vor, während sie bereits wieder in das provisorische Lager zurück marschierte, die beiden Wissenschaftler hinter sich wissend. „Oder vielleicht sogar ein Stargate. Je eher wir hier wegkommen, desto eher kann Dorn geholfen werden."
"Und Sie können ... nicht?" wandte Peter ein, sich an ein kleines Geheimnis zwischen ihnen beiden erinnernd.
Vashtu sandte ihm einen langen Blick. „Würde ich ja gern, aber danach werde ich für mindestens einen Tag ebenfalls ausfallen. Möchten Sie in der ersten Linie kämpfen, falls wir angegriffen werden?"
Wallace erschauderte und schüttelte eilig den Kopf.
Peter warf seinem Kollegen einen langen und nachdenklichen Blick zu.
Wallace war der einzige, dem der Sturz in das Gate offensichtlich nichts ausgemacht hatte. Vashtu hatte noch immer mit ihrer Körpertemperatur zu kämpfen und litt unter Schüttelfrostanfällen, und er und Dorn sahen aus, als seien sie einem irren Schlitzer zu nahe gekommen. Wallace dagegen schien nicht einmal einen blauen Flecken abbekommen zu haben. Dabei war es doch üblicherweise er, der zu Unfällen neigte.
Vashtu ließ sich bei dem kleinen Feuer nieder, das sie mit einiger Mühe entzündet hatten, und zog ihre Uniformjacke fest um ihren Körper. Wieder bebte sie leicht, wenn auch lange nicht mehr so schlimm wie nach ihrem Erwachen.
Peter seufzte erleichtert, als er sich wieder niederlassen konnte, sah sie dann aber unverwandt an. „Was war eigentlich mit Ihnen los?" erkundigte er sich nach einer kleinen Weile.
Vashtu blinzelte verständnislos in seine Richtung.
"Sie haben nicht geatmet, als ich Sie gefunden habe. Und ... kein Mensch könnte auch nur eine Millisekunde im All überleben."
Die Antikerin nickte. „Ich habe die Iratus-Zellen bewußt manipuliert. Insekten atmen nicht wie herkömmliche Säugetiere. Ich konnte den Atem also sehr lange anhalten. Allerdings ... Wenn Sie mich nicht geweckt hätten, wäre ich irgendwann sehr wahrscheinlich erstickt."
Peter nickte, noch immer nicht einen Deut schlauer als vorher. Er wußte nicht einmal, ob er ihr glauben konnte.
"Irgendeine Idee?" Vashtu sah aufmerksam von ihm zu Wallace und wieder zurück.
Peter runzelte die Stirn, als ihm etwas einfiel. „Da war doch ..." Er hob den Kopf und starrte in die Richtung, in der der Jumper stand.
Vashtu beugte sich vor. „Da war was?" fragte sie interessiert.
Peter schüttelte unwillig den Kopf und dachte weiter nach. „Ich meine, ich wäre einmal kurz zu mir gekommen und hätte ... etwas gesehen. Ein Schiff?"
Sie blinzelte. „Ein Schiff? Was für ein Schiff?"
Er runzelte die Stirn, begann hektisch an seinem Ohrläppchen zu zupfen. „Weiß nicht genau. Ich war eigentlich bewußtlos. Irgendetwas hat mich kurzfristig aufgeweckt."
Vashtu richtete sich wieder auf und sah zum Himmel hinauf. „Ich schätze, heute wird das nichts mehr bringen. Aber morgen sollten wir nachsehen, ob wir dieses ominöse Schiff nicht vielleicht finden können", schlug sie vor.
Peter sah auf, zuckte dann mit den Schultern. „Autsch!" Er rieb sich das lädierte Gelenk.
Vashtu sah ihn amüsiert an. „Dann suchen wir dieses Schiff. Mal sehen, vielleicht finden wir da tatsächlich etwas und können Kontakt mit der Erde aufnehmen."
Er seufzte.

***

Vashtu sah sich noch einmal stirnrunzelnd im Wrack des Jumpers um, lauschte in sich hinein. Ein letzter, feiner Finger wies darauf hin, daß die AI noch nicht ganz defekt war. Allerdings schien dem Programm auch klar zu sein, daß es ... sterben würde.
Für Menschen mochte das eine merkwürdige Vorstellung sein, ging ihr auf, während sie Schwung holte und nach vorn ins Cockpit sprang, dessen Boden noch intakt war. Für sie ... nun ja, es war ungewohnt, einen Puddlejumper sterben zu fühlen. Und sie fragte sich ...
Ihre P-90 lag hinter einem der Sitze. Sie nahm sie an sich und schüttelte die Scherben ab, ehe sie sich wieder aufrichtete und aufmerksam umsah, im Geist eine Frage formulierend.
Der Jumper antwortete, wenn auch kaum wahrnehmbar.
Vashtu stutzte.
Die AI eines Puddlejumpers ging nie verloren. Sie wurde in den am besten erreichbaren Hauptrechner ihre Volkes transferiert, um dort für das nächste Modell bereitzustehen, das gebaut werden sollte - zumindest vor zehntausend Jahren war das so gewesen. Und dieser Jumper ...
"Es gibt hier irgendwo einen Hauptrechner!" Sie beugte sich vor und atmete einige Male tief ein.
Der Jumper machte sich bereit, er wußte, daß er nicht mehr funktionstüchtig war. Und er hatte etwas gefunden.
Ein leises Sirren zeigte ihr an, daß er versuchte, ein letztes Mal ein Hologramm aufzubauen. Sie blickte wieder hoch, doch mehr als etwas undeutlich verwaschenes konnte sie nicht wahrnehmen. Das Fenster fehlte, worauf er sonst projezieren konnte. Sie schüttelte resignierend den Kopf. Dann fühlte sie die Antwort in ihrem Hirn. Ein winziges Wispern, das sie beinahe überhört hätte.
Vashtu schloß die Augen, konzentrierte sich auf das, was der Jumper ihr mitzuteilen versuchte. Eine Sternenkarte entstand vor ihren geschlossenen Lidern. Ein Mond blinkte. Das war ihr Standort. Und nicht weit entfernt blinkte ein Planet. Sie konnte es nur einen Moment lang wahrnehmen, dann erlosch das Bild, das der Jumper ihr sandte, wieder.
Vashtu richtete sich auf und nickte. „Okay, ich danke dir dafür", sagte sie leise, hob dann die P-90 an die Wange. Sie zielte auf eine bestimmte Einrichtung und drückte ab. Eine kurze Salve ratterte in die Verkleidung hinein. Und augenblicklich fühlte sie, wie auch dieser letzte tastende Finger in ihrem Inneren erlosch.
Vashtu schluckte, senkte die Waffe wieder und drehte sich um, um den Jumper zu verlassen.
"Was ist los?" Wallace, außer Atem und mit blassem Gesicht, tauchte an der Heckluke auf und starrte sie groß an.
Vashtu fühlte sich im Moment wirklich, als hätte sie einen guten Bekannten erschossen. Doch sie streifte dieses Gefühl ab, zwang sich dazu, und sprang wieder in den Laderaum hinein. „Ich habe meine Waffe gefunden und kontrolliert, ob sie noch funktioniert", antwortete sie, kletterte wieder auf die Rampe und marschierte zu ihrem kleinen Lager zurück, die P-90 in ihre Überlebensweste einharkend.
"Sie funktioniert. Aber ... wenn wir hier im feindlichen Gebiet sind ..." Wallace kam hinter ihr her. Seine Stimme bebte leicht.
Vashtu schüttelte unwillig den Kopf. „Wenn wir hier irgendetwas zu erwarten hätten, wäre es sehr wahrscheinlich schon hier. Wir sollten sehen, ob wir dieses Schiff finden, daß Peter gesehen zu haben glaubt. Vielleicht haben wir bereits ein Ziel. Wir müssen nur von diesem Mond herunter."
"Mond?"
Peter Babbis blickte auf, als sie sich am Feuer niederließ und die Jacke wieder um ihre Schultern zog. „Wir sind auf einem Mond?" wiederholte er die Frage seines Kollegen.
Vashtu blickte zum Himmel auf, der sich allmählich rötlich färbte in der beginnenden Morgendämmerung. Dann nickte sie ernst. „Der Jumper konnte mir das noch mitteilen", erklärte sie ausweichend. „Wie geht es Dorn?"
Peter zog eine Grimasse. „Nicht gut. Er hat Fieber."
Sie nickte wieder und begann, die Taschen ihrer Weste zu untersuchen, zauberte schließlich zwei Energieriegel hervor. „Alles, was ich dabei habe", murmelte sie, legte die beiden vor sich auf den Boden. „Wer hat noch Hunger?"
Die beiden Wissenschaftler sahen sie groß an.
Vashtu mußte jetzt doch schmunzeln. Sie zog ihr Messer aus der Scheide und teilte die Riegel in der Mitte. „Eine Hälfte bleibt für Dorn, sollte er wieder zu sich kommen", entschied sie, nahm sich ein Stück und befreite es aus seiner Umhüllung. Mit wenig Enthusiasmus biß sie ein kleines Stück ab und begann zu kauen.
Peter griff sich die andere Hälfte des Riegels und knabberte daran. Der letzte, der zugriff, war Wallace, wenn auch zögernd. „Diese Dinger bestehen nur aus Chemie", bemerkte er dabei.
"Das schmeckt man." Vashtu sah auf. „Und ich habe oft genug gesagt, daß Sie beide die Westen auch tragen sollten." Ihr Blick glitt zu Dorn hinüber.
Der hatte zwar auch eine Überlebensweste getragen, sie jedoch im Jumper ausgezogen und auf eine der Bänke gelegt. Sie war, wie auch der Rucksack, verbrannt. Damit war alles, was sie hatten an Ausrüstung retten können, ihr multifunktionales Kleidungsstück. Und dessen Tascheninhalte waren inzwischen reichlich zusammengeschrumpft.
"Wenn wir fertig sind, sollten wir nach diesem Schiff suchen. Peter, können Sie laufen?"
"Wenn es sein muß", antwortete der.
Sie nickte, sah zu Wallace auf. „Dann bleiben Sie hier und achten auf Dorn. Und seien Sie, bitte, sehr vorsichtig mit ihm."
Wallace nickte, kaute langsam an dem klebrigen Riegel.

***

"Der Energiedetektor zeigt zumindest nichts an", sagte Peter, als er hinter ihr herhumpelte.
Sie nickte nur, setzte sich ihre Sonnenbrille, die wie durch ein Wunder heil geblieben war bei ihrem Sturz durch das Wurmloch, auf die Nase. Die Sonne blendete sie und stand noch recht niedrig am Himmel. Die drei Planetoiden, die während der Dämmerung kurz zu sehen gewesen waren, verblaßten allmählich wieder. Es mußten andere Monde, oder vielleicht sogar wenigstens ein naher Planet sein. Der, den der Jumper ihr gezeigt hatte?
Sie hoffte es.
"Ich weiß", antwortete sie endlich. „Ich habe es heute morgen schon einmal versucht. Aber lassen Sie ihn an, für alle Fälle." Stirnrunzelnd sah sie sich kurz um. „Sind Sie sicher, daß wir in die richtige Richtung gehen?"
Peter kniff kurz die Lippen aufeinander. „Sicher nicht, aber so sicher, wie ich nur sein kann", antwortete er. „Ich sah einen Schatten, der über uns hinweg...flog. Dann war es mir, als bebe die Erde unter mir."
Vashtu schürzte die Lippen und mißbrauchte ihre Waffe als Armstütze. „Dann bleibt uns nichts anderes übrig als das beste zu hoffen." Sie marschierte weiter.
Peter folgte ihr auf dem Fuß.
Wenn sie die AI richtig verstanden hatte, hatten sie vielleicht eine Chance, wenn sie auf diesen anderen Planeten kamen. Das allerdings war das größte Problem. Auf diesem Mond schien es rein gar nichts zu geben, erst recht kein Stargate. Wie auch immer das zu erklären war, aber es war so.
Vashtu legte sich allerdings schon eine andere Erklärung zurecht. Sie war sich nicht sicher, ob Super- und Stargates überhaupt kompatibel waren. Wenn ja, konnte es sich nur um ein Phänomen handeln, daß mit den Energieschwankungen zwischen beiden erklärbar war. Ein Supergate benötigte wesentlich mehr davon als ein Sternentor. Wahrscheinlich hatten sie schlicht zuviel Kraft für das Stargate gehabt, als sie durch das andere stürzten. Und ... ihr fiel ein, daß sie nicht durch den großen Ereignishorizont gefallen waren. Nein, ein kleines Stück hatte sich abgespalten und sie und den Jumper verschluckt. Ein winziges Wurmloch gegen das riesige des Supergates. Gut möglich, daß sie nicht nur in eine andere Galaxie, sondern auch durch die Dimensionen gefallen waren. Dann konnten sie wirklich überall sein.
Aber da war noch etwas anderes, was ihr Sorge bereitete.
Das Band zu Colonel John Sheppard. Wenn sie in eine andere Dimension gestürzt wären, dürfte sie es eigentlich nicht mehr wahrnehmen. Doch nagte da etwas in ihrem Inneren, sehr schwach, sehr viel schwächer als auf der Erde, aber es war da.
Was hatte das zu bedeuten?
Vashtu blieb plötzlich stehen und blinzelte gegen das Licht.
Vor ihr erhob sich ein sanft ansteigender Hang. Und wenn sie nicht ganz geblendet war, stimmte etwas mit seiner Kuppe nicht.
"Peter?"
Stöhnend humpelte der näher zu ihr. „Ich empfange etwas", sagte er plötzlich.
Vashtu fuhr zu ihm herum und beugte sich über seinen Detektor. Dann holte sie tief Atem.
"Lebenszeichen!"
Sie hob den Kopf und sah ihn an, er erwiderte ihren Blick. Ein unsicheres Lächeln erschien auf seinen Lippen.
"Weiter!" Sie drehte sich wieder um und begann, den Hang hinaufzumarschieren. Eine weitere Kältewelle ließ sie kurz erschaudern und die Jacke fester um sich ziehen.
In ihrer Zeit hatte sie das, was sie getan hatte, nie versucht, und jetzt war ihr auch klar warum. Allmählich ließen die Anfälle zwar nach, aber ihr war immer noch kalt. Und das lag eindeutig nicht an den doch recht angenehmenen Temperaturen auf diesem Mond. Die Kälte kam aus ihrem Inneren.
"Warten Sie doch!" ächzte Peter hinter ihr.
Ungeduldig blieb sie auf halber Höhe stehen und drehte sich wieder zu ihm um.
Peter Babbis humpelte inzwischen wieder stärker. Im stillen beschloß sie, ihn so bald wie möglich genau durchzuchecken. Er mußte sich bei dem Sturz doch mehr getan haben als er zugab und offensichtlich war.
Keuchend schloß er endlich zu ihr auf. „Die Anzeigen werden deutlicher." Er hielt ihr den Detektor hin.
Vashtu nickte, sah wieder den Hang hinauf. „Ich wette, wir finden etwas, wenn wir dieses Hügelchen hinter uns haben", sagte sie, ging jetzt an seiner Seite weiter.
Und weit hatten sie es wirklich nicht mehr. Ein paar Dutzend Schritte später konnten sie deutlich die ersten Anzeichen dafür sehen, das hier tatsächlich etwas gewesen war. Irgendetwas hatte die Kuppe des Hangs gestreift und eine breite und tiefe Furche in die Erde gerissen.
"Ihr Schiff?" Vashtu fühlte, wie Ungeduld sie übermannen wollte. Auf der anderen Seite wollte sie aber auch Peter nicht zurücklassen. Immerhin wußte keiner von ihnen, was sie erwarten würde, wenn sie fanden, was auch immer sie finden würden.
"Möglich", gab der junge Wissenschaftler zu. „Sieht auf jeden Fall nicht natürlich aus."
Sie nickte, marschierte an seiner Seite weiter, ihn besorgt musternd.
"Es geht mir gut", brauste er nach einer kleinen Weile auf.
Vashtu runzelte die Stirn. „Sie humpeln stärker, Peter", entgegnete sie.
"Und Sie frieren wieder." Er warf ihr einen unterkühlten Blick zu. „Es tut ein bißchen weh. Ich muß mir wohl den Fuß verrenkt haben irgendwann in diesem ganzen Chaos."
Sie nickte, die Lippen wieder nachdenklich schürzend. „So kenne ich Sie gar nicht. Normalerweise jammern Sie doch jedem, der in Ihrer Nähe ist, die Ohren zu, wenn Sie sich irgendwo verletzt haben."
"Das ist etwas anderes", knirschte er unwillig.
Vashtu schmunzelte. „Na, dann werde ich mich wohl auf einiges gefaßt machen müssen, wenn wir wieder im SGC sind, was?"
Peter schnaubte nur unwillig, die Augen wie festgeklebt an dem Detektor.
Vashtu konzentrierte sich wieder auf ihren Weg, dann aber blieb sie wie angewurzelt stehen, als sie endlich die Kuppe erreicht hatten. Ihre Augen wurden groß. „Das gibt's doch nicht!" entfuhr es ihr.
Peter blickte unwillig von seinen Anzeigen auf, dann blinzelte er und reckte den Hals nach vorn. „Das ist ... die Prometheus!" keuchte er, ihm blieb der Mund offen stehen.
Vashtu beugte sich vor, stützte die Hände an ihren Oberschenkeln ab und starrte einfach nur auf das Schiff, das sich tief in den Mutterboden des Mondes gegraben hatte bei seinem Absturz.
Dunkle Schatten waren auf die metallene Verkleidung gemalt, letzte Qualmwolken zeugten von den Bränden, die es offensichtlich an Bord gegeben hatte. Am schlimmsten, zumindest von ihrem Standpunkt aus, schien es den hinteren Antrieb getroffen zu haben, der nur noch zur Hälfte vorhanden war.
"Aber ... die Prometheus existiert nicht mehr!" Peters Stimme klang nun vollkommen verwirrt.
Vashtu nickte stumm. Dieses Schiff war kurz nach ihrer Ankunft auf der Erde zerstört worden. Wo also kam diese Prometheus her?

TBC ...

13.06.2010

2.01 Das Angesicht des Feindes 3/4

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (Stargate: Vineta)
Genre: action, adventure, humor
Rating: PG
Author's Note: Damit dann an dieser Stelle mein herzlichstes Willkommen! SG-27 ist Geschichte, jetzt stellen wir die Uhren nochmal zurück auf Null und fangen am Anfang an. Sprich, eine neue Stadt, eine neue Galaxie, ein neues Team werden von jetzt an eine Rolle spielen, und damit treten auch neue Figuren in Erscheinung. Aber erst noch einmal zurück zu dem Höhepunkt der letzten Story.


Vashtu Uruhk zündete die beiden Missiles kurz nacheinander, drückte dann die Steuerung für den Schleudersitz und brachte diesen damit online. Tief atmete sie ein, gab noch mehr Schub.
Ihre Triebwerke stotterten, ein Ächzen ging durch die F-302.
"Komm schon, Kleines, komm schon", wisperte sie, hielt den Blick fest auf das Verbindungsglied des Supergates gerichtet. Noch immer hagelte es Energieblitze um sie her, doch die Zielsicherheit des Priors schien in der Nähe eines Schiffes seiner „Götter" deutlich nachzulassen.
Vashtu spannte die Kiefer an und machte sich bereit.
Hoffentlich würden die Missiles ausreichen, etwas anderes blieb ihr nicht mehr. Sie hatte keine Zeit, den Schutzschild des Supergates anders außer Gefecht zu setzen.
Die Missiles schlugen ein, genau an der Stelle, die sie haben wollte. Der Schild begann aufzuleuchten.
Vashtu atmete tief ein, holte das letzte aus dem Jäger, was sie kriegen konnte. Aus den Augenwinkeln sah sie kurz den Jumper mit dem Rest ihres Teams an ihrer Seite, ehe sie ihn hinter sich ließ. Ihr Finger schwebte über dem Knopf, der den Schleudersitz auslösen würde.
Das Verbindungsglied wuchs immer weiter vor ihr an.
War dieses Tor gewaltig! Ob es überhaupt ...
Die Antikerin zwang sich zur Ordnung, konzentrierte sich auf ihre Fremdgene und aktivierte die Iratus-Zellen in ihrem Inneren. Augenblicklich blieb ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg.
Vashtu japste, dann drückte sie den Auslöser und fühlte, wie sie, ungebremst, in die kalte Schwärze gerissen wurde, die um sie herum herrschte. Ihr Körper versteifte sich unwillkürlich.
Das tat eindeutig weh. Und es tat sogar ganz entschieden weh!
Ächzend löste sie die Gurte, da fühlte sie bereits den Sog.
Ihre Augen weiteten sich.
Das Supergate explodierte, soweit ihr Plan. Aber ...
Ein kleiner Rest des Wurmlochs peitschte ihr entgegen, verschlang sie und riß sie mit. Die Gewalt, mit der sie herumgeschleudert wurde, war zu groß für sie. Vielleicht eine halbe Sekunde konnte sie den gewaltigen Druck aushalten, dann versank sie in einer anderen Schwärze - der der Bewußtlosigkeit.

***

Das erste, was Dr. Peter Babbis wahrnahm, war ein gewaltiger Schatten, der über ihn hinwegsegelte, dann versank er wieder in einer kurzen Ohnmacht. Etwas vibrierte, auch das nahm er wahr, doch er wußte nicht genau, ob es der Untergrund oder der Gleiter war, in dem er saß.
Wieder kippte er weg, sein Bewußtsein löste sich auf. Die angenehme Dunkelheit ließ ihn auch die Schmerzen vergessen, die ihn kurz gepeinigt hatten.
Dann wurde er plötzlich sehr entschlossen geschüttelt. „Peter! Wach auf, Peter!" rief ihm eine Stimme zu.
Er ächzte, unkoordiniert versuchte er sich loszumachen. Seine Lider flatterten. Wieder setzten die Schmerzen ein. Undeutlich tauchte ein Gesicht über ihm auf.
"Wach auf!" wiederholte die Stimme.
Peter stöhnte unwillig, doch allmählich kehrte sein Bewußtsein zurück. Verwirrt blinzelte er, sog dann scharf Luft in seine Lungen und biß die Kiefer fest aufeinander. „James, laß mich los! Du tust mir weh!" preßte er zwischen den Zähnen hervor.
"Bist du jetzt wach?"
Er holte einige Male tief Atem und schluckte dann. „Was ... was ist passiert?" fragte er schließlich.
"Wir sind in das Supergate gestürzt", antwortete der andere.
Peter kniff die Augen zusammen und senkte den Kopf.
"Nicht wieder ohnmächtig werden. Bitte, ich brauche dich hier. Hallo?"
Ächzend hob er den Kopf wieder und blinzelte. „Laß mich endlich los, James", preßte er dann irgendwie hervor und bewegte unwillig die Schultern. Ein stechender Schmerz zuckte durch eines der Gelenke. Er sank in den Sitz zurück und rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht. „Scheiße!" fluchte er, beugte sich dann vor und verkrampfte sich kurz.
"Geht es wieder? Du blutest." Dr. James Wallace beugte sich erneut über ihn.
Peter nickte, blinzelte wieder. „Wo ist meine Brille?" fragte er schließlich und tastete über die Taschen seiner Jacke.
"Warte ..." Wallace ließ ihn endlich los und verschwand aus seinem näheren Umfeld.
Peter holte wieder einige Male tief Luft, richtete sich blinzelnd auf und sah zum Frontfenster hinauf - oder besser dahin, wo einmal eine Frontscheibe gewesen war. Seine Augen weiteten sich entgeistert, dann sah er auf seine Hände hinunter. Sie waren blutverschmiert. Wieder sah er auf und starrte das große, rechteckige Nichts an, das sich vor ihm befand.
"Was ... ?"
"Hier. Ich hatte sie hinten im ... heißt das Passagierraum?, gesehen." Wallace reichte ihm eine reichlich verbogene Brille aus einem Drahtgestell. Zum Glück waren die Kunststoffgläser heil geblieben, wie er erleichtert feststellte.
Als er sie sich auf die Nase setzte, klappte ein Bügel weit nach vorn. Die Brille saß schief.
Peter nahm sie wieder ab und begann, an dem Gestell herumzudrücken. Vorsichtig, damit sie nicht ganz kaputtging. Als er einen erneuten Versuch startete, sie sich aufzusetzen, paßte sie zumindest halbwegs.
"Kontrolliert Dorn die Umgebung?" fragte er, sah wieder auf und musterte das, was sich vor dem abgestürzten Jumper befand.
Wallace antwortete nicht.
Peter runzelte die Stirn und drehte sich um. Doch weit kam er nicht.
Der alternde Marine lag halb auf dem Copilotensitz, Arme und Beine ausgestreckt, die Augen geschlossen. Überall an seinem Körper waren blutige Schnitte. Doch der schlimmste ...
"Scheiße!" Peter sprang auf, so schnell er konnte. Beinahe wäre er gestürzt, als ein plötzlicher Schwindelanfall ihn heimsuchte.
"Gib mir deinen Gürtel, schnell!" wies er seinen Kollegen an, schlüpfte so schnell es ging aus seiner Armeejacke und drückte sie auf die Wunde am linken Knie des Marines.
"Ich dachte, er ist tot. Er ist so blaß", wandte Wallace ein.
Peter beugte sich über Dorn und fühlte dessen Puls. „Er lebt. Aber wir müssen das Bein abbinden, ehe er verbluten kann. Wir brauchen deinen Gürtel, James. Na los!"
"Warum nimmst du nicht deinen?"
Peter sah unwillig auf. „Trage ich einen? Wir haben keine Zeit. Jetzt mach schon, sonst verblutet er."
Wallace starrte ihn einen Moment lang an, dann löste er endlich die Schnalle und zog seinen Ledergürtel aus den Schlaufen seiner Hose.
Peter nahm ihn ungeduldig entgegen und schnürte ihn, so fest er konnte, um den Oberschenkel, kurz über dem Knie, des bewußtlosen Marine.
"Es muß hier irgendein Notfallset geben", sagte er ungeduldig. „Unsere Wunden müssen versorgt werden. Sieh hinten nach."
Wallace zögerte einen Moment, dann nickte er und verschwand im hinteren Teil des Jumpers.
Peter hob vorsichtig seine zusammengeknüllte Jacke von der tiefen Wunde und atmete auf. Der Blutfluß wurde deutlich weniger.
Keuchend beugte er sich kurz vorn über, richtete sich dann langsam wieder auf.
Er wollte im Moment gar nicht in einen Spiegel sehen. Als die Frontscheibe zerbrochen war, hatten Dorn und er offensichtlich den Hauptteil des Materials abbekommen. Ihm reichte es im Moment, daß er nichts als Schmerzen fühlte.
Hilflos blickte er wieder nach draußen.
Eine Steppe mit gelbem, vertrockneten Gras, Wallace könnte die einzelnen Sorten sehr wahrscheinlich benennen, in der Ferne eine Hügelgruppe, die sich sanft in den wolkenverhangenen Himmel wölbte. Ansonsten ... nichts!
Wo waren sie? In der Galaxie der Ori? Immerhin waren sie durch das Wurmloch eines Supergates gerissen worden. Es war sogar sehr wahrscheinlich, daß sie irgendwo hinter der Front gelandet waren.
Peter atmete wieder tief ein, dann stutzte er, richtete sich auf.
Was war das? Irrte er sich, oder konnte er ein leises an- und abschwellendes Summen wahrnehmen?
Verständnislos zwinkerte er, betrachtete die Kontrollen, doch er konnte nichts wahrnehmen.
Dann aber ... Da waren sie wieder! Diese kleinen, bohrenden Finger in seinem Hirn. Der Jumper, die AI des Jumpers, existierte also noch. Und diese Finger ...
"Wir müssen hier heraus!"
Peter wirbelte herum und packte Dorn unter den Achseln. Doch der Marine war für ihn allein zu schwer.
"James!" rief er leicht panisch nach hinten.
Irgendetwas stimmte nicht. Eine kleine, sehr behaarliche Stimme flüsterte ihm zu, sie alle sollten so schnell wie möglich den Gleiter verlassen, ehe ... etwas geschehen konnte.
Wallace kam wieder nach vorn. „Was ist?" fragte er.
"Hilf mir. Na los! Wir müssen hier heraus, und zwar schnell!"
"Was? Aber ... wieso?"
"Frag jetzt nicht, hilf mir einfach!" Peter beugte sich wieder über den Sergeanten und versuchte ihn hochzustemmen.
Verdammt, war der schwer!
Doch mit Wallaces Hilfe gelang es ihm endlich, Dorn aus dem Sitz zu ziehen und nach hinten zu schleifen. Die Schnitte und Prellungen, die er sich zugezogen hatte, peinigten ihn, doch er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Trotzdem bemerkte er, daß er ziemlich humpelte.
Er ließ seine Faust auf die Stelle hämmern, die auch Vashtu gebraucht hatte, als sie, nach ihrer Flucht vor dem Prior, die Heckluke schloß. Und tatsächlich glitt diese jetzt nach unten und wurde zur Rampe.
"Schnell!" Peter humpelte, so schnell er konnte, aus dem Jumper heraus und noch ein gutes Stück weiter, bis er schlicht nicht mehr konnte, weil jetzt auch seine letzten Reserven versagen wollten. Ächzend ließ er den bewußtlosen Dorn zu Boden gleiten, plumpste recht unsanft neben ihm auf seinen Allerwertesten und keuchte einfach nur vor Anstrengung.
"Geht es wieder?" erkundigte Wallace sich, jetzt offensichtlich doch besorgt.
Peter nickte, zog die Beine an, legte seine Arme auf die Knie und stützte seine Stirn darauf. „Wird schon", murmelte er, obgleich er sich im Moment nicht so wirklich sicher war.
Raschelnde Schritte entfernten sich.
Peter hielt die Augen weiter geschlossen, ließ sich schließlich nach hinten sinken und streckte die Arme weit aus, während er in den Himmel starrte.
Wo waren sie? Wie waren sie hierher gelangt? Wie kam es ... ?
Okay, Supergates schienen nicht ganz den Gesetzen der Wurmlochphysik unterworfen zu sein, rief er sich selbst ins Gedächnis. Immerhin war es schon mindestens einmal passiert, daß jemand aus der Milchstraße plötzlich in der weit entfernten Galaxie der Ori wieder aufgetaucht war. Und da hatte es einen ... ähnlichen Unfall wie den ihren gegeben.
Peter schnürte sich unwillkürlich die Kehle zu, als er sich an die letzten Augenblicke vor dem Sturz durch das Tor erinnerte.
Vashtu hatte ihren Jäger in eines der Verbindungsglieder gejagt! Er hatte mitangesehen, wie sie erst ihre beiden Raketen vorgeschickt hatte, ehe sie selbst hinterherraste. Das hatte selbst die Antikerin nicht überleben können!
Er stöhnte leise auf, rieb sich mit einer Hand über die schmerzende Stirn.
Was sollten sie jetzt tun? Sie konnten unmöglich das SGC anfunken, so weit reichten keine Funkstrahlen. Und selbst wenn, würde es sehr wahrscheinlich Jahrmillionen dauern, bis ihre Anfrage überhaupt auf der Erde eingetroffen war. Bis dahin würde es sehr wahrscheinlich schon keine Erde mehr geben, geschweige den ein SGC.
Mühsam rappelte er sich wieder auf, verzog vor Schmerz das Gesicht und stöhnte leise.
Irgendetwas mußte ihnen einfallen, sonst würden sie sehr wahrscheinlich sehr schnell sehr tot sein, umgeben von Feinden, wie sie sein mußten. Er mußte etwas tun, immerhin fühlte er sich als eine Art Stellvertreter seiner Leaderin.
Ächzend kam er wieder auf die Beine und sah sich erneut um.
Steppe so weit das Auge reichte. Abgesehen von dem Jumper und der verkrümmt daliegenden Gestalt ein Stück weit ... Verkrümmt daliegende Gestalt?
Peter fuhr herum und glotzte einen Moment einfach nur. Das war doch ...
Entschlossen humpelte er los, auf die Gestalt zu, die ein kleines Stück vom Jumper entfernt auf dem Boden lag. Und je näher er kam, desto sicherer wurde er. Es WAR Vashtu Uruhk!
So schnell er konnte eilte er zu ihr, ließ sich dann vor ihr auf den Boden sinken und rollte sie auf den Rücken.
Die Antikerin hatte die Augen geschlossen. Ihr Gesicht wirkte unnatürlich bleich und sie ... atmete nicht!
Fahrig tastete er nach einem Puls, und fand merkwürdigerweise auch einen. Sogar einen sehr kräftigen an ihrem Hals. Allerdings fühlte ihre Haut sich eigenartig hart an. Aber wieso ... ?
"Nicht schon wieder!" stöhnte er auf, packte sie bei den Schultern und schüttelte sie entschlossen. „Vashtu, wachen Sie auf! Hören Sie? Wachen Sie auf!"
Einen Moment lang pendelte ihr Kopf haltlos herum, dann entrang sich ihrer Kehle ein Ächzen und Stöhnen.
Sie lebte noch!
Peter atmete unwillkürlich auf, doch ihm ging auf, daß sie noch immer nicht atmete. Was war los?
"Vashtu, hören Sie mich? Hallo, ich bin es, Peter Babbis! Ich brauche Ihren Grips."
Ihre Lider flatterten unwillig, dann blinzelte sie. Und ihre Augen ...
Peter wich unwillkürlich zurück und ließ sie los. Wie eine Puppe sank sie zusammen. Ihre Pupillen waren riesengroß und vertikal geschlitzt. Sie hatte ihre Fremdgene eingesetzt, und diese waren immer noch aktiv.
Einen Moment lang sah sie ihn benommen an, mit diesen unmenschlichen Augen, die bar jeder Emotion waren. Dann blinzelte sie. Ein erster, tiefer Atemzug wölbte ihre Brust und ließ sie fast wieder nach hinten kippen. Dann begann sie zu husten und zu röcheln.
Peter atmete erleichtert auf, als er einen erneuten Blick in ihre Augen wagte. Zumindest war sie wieder menschlich.
Er beugte sich über sie und stützte sie, so gut es ihm möglich war.
"Was ... was ist passiert?" keuchte sie schließlich.
"Wir sind durch das Supergate gestürzt. Im letzten Moment wurden wir in einen, sich abspaltenden Teil des Wurmlochs gezogen", antwortete er.
Plötzlich begann sie unkontrolliert zu zittern. Sie krümmte sich zusammen, kreuzte die Arme vor der Brust. „Scheiße! Ist das kalt!" entfuhr es ihr.
"James!" Peter drehte sich um und suchte seinen Kollegen.
Ein Kopf erschien in der Öffnung des lädierten Jumpers. „Vashtus Jacke, schnell!" rief Babbis ihm zu, packte die Antikerin dann wieder und zog sie an sich. Sein Herz tat sofort einen Hüpfer, die Stellen seines Körpers prickelten, wo sie ihn berührte.
Oh Mann, nicht jetzt!
"Ganz ruhig. Sie haben einen Schock", versuchte er sie zu besänftigen, erntete einen spöttischen Blick.
"Ich habe keinen Schock", entgegnete sie mit klappernden Zähnen. „Ich hing für ein paar Sekunden im Weltraum." Sie ächzte wieder, drängte sich an ihn, um sich wärmen zu lassen.
"Oh!" Peters Augen wurden groß. Dann fiel ihm der kurze Wortwechsel zwischen ihnen ein, bevor sie aus dem Jumper gebeamt worden war.
"Haben Sie vielleicht eine Ahnung, wo wir sein könnten, Vashtu?" erkundigte er sich nach einer kleinen Weile.
Sie schüttelte den Kopf, der an seiner Schulter lag. „Ich weiß nur noch, wie das Wurmloch mich eingesaugt hat", antwortete sie.
Peter runzelte unwillig die Stirn. „Dann kann es sein, daß wir in der Ori-Galaxie gelandet sind", beantwortete er sich selbst seine Frage.
"Oder sonstwo. Je nachdem, wie weit die Energie des Gates noch reichte", fügte sie hinzu. Noch immer bebte sie am ganzen Körper.
Peter kniff die Lippen fest aufeinander und sah wieder zu dem bewölkten Himmel hinauf.
Und in diesem Moment erfolgte eine gewaltige Detonation hinter ihm.
Vashtu kämpfte sich wieder von ihm frei und sah in die Richtung, aus der der Lärm gekommen war. Auch er drehte sich um.
Wallace stand, auf halbem Weg zu ihnen, in verkrampfter Haltung da, die Augen weit aufgerissen. Und hinter ihm stieg eine dicke Qualmwolke vom Jumper auf.
"Wallace!" stöhnte die Antikerin resignierend und ließ sich wieder zu Boden fallen.

TBC ...

06.06.2010

Das Angesicht des Feindes 2/4 IV

Caldwell beobachtete, was außerhalb seines Schiffes, nahe am aktivierten Supergate geschah. Die F-302 mit der Antikerin am Steuer raste wieder in das All hinaus. Aber ihr merkwürdiger Plan schien Erfolg gehabt zu haben. Der Jumper sah nicht mehr so aus, als würde er jeden Moment in den Ereignishorizont stürzen.
Die Energiestrahlen vom Planeten folgten ihr, den Gleiter dagegen ließ, was auch immer da schoß, im Moment unbehelligt.
Durch Caldwells Körper ging ein Ruck. „3-0-2-Staffeln ausrücken!" befahl er knapp, drehte sich wieder um und marschierte zu seinem Kommandosessel zurück. Dort aktivierte er die interne Sprechanlage. „Alles auf Gefechtsstation. Wir fliegen zum Supergate und versuchen es zu zerstören. Hermiod, wir brauchen den Transporter, und zwar dringend!"
Dann setzte er sich und hob nachdenklich eine Hand an die Wange.
Hoffentlich hatte er nicht zu lange gezögert ...

***

Vashtu raste mit atemberaubenden Tempo auf den Planeten zu, zog wieder das Feuer auf sich.
Dieser bleiche Mistkerl! Wenn sie ihn zu packen kriegte, würde sie ihn langsam erwürgen, schwor sie sich. Alles andere wäre ein zu leichter Tod für ihn.
Die Energiestrahlen wurden immer dichter. Allmählich schien er sich einzuschießen.
Sie zog die F-302 wieder hoch und flog eine weite Kurve in das All. Vor ihr tauchte, gewaltig und riesengroß, das Ori-Schiff auf, das inzwischen gut zur Hälfte aus dem Supergate aufgetaucht war. Im vorderen Ring gleißte dieses geisterhafte Licht.
Vashtu nagte nachdenklich an ihrer Unterlippe, wich weiter den Energiestrahlen aus.
Bisher hatte noch niemand wirklich herausfinden können, was dieses Leuchten zu bedeuten hatte. Es hieß nur, daß die Schiffe der Ori intelligent seien und ...
Sie schürzte die Lippen.
Warum eigentlich nicht? Mehr als in Einzelteile zerlegt werden konnte sie schließlich nicht. Und vielleicht gelang es ihr auf diese Weise, zwei Gegner mit einer Klappe zu schlagen.
Entschlossen änderte sie den Kurs und hielt jetzt genau auf das Schiff zu.

***

"Was tut sie da?"
Caldwell blickte wieder auf. „Was?"
"Der Major ... Sie ..."
Der Colonel erhob sich, trat wieder hinter den jungen Mann, der vor dem Bildschirm saß. Dann weiteten sich seine Augen entgeistert.
"Sie will das Ori-Schiff angreifen!"

***

Sie klappte den Blendschutz des Helmes herunter, als das Gleißen zu hell für ihre Augen wurde, hielt weiter auf das gewaltige Schiff zu.
Wollte sie doch mal sehen, was die Ori von einem Besuch einer entfernten Verwandten hielten ...
Noch immer lag sie unter Beschuß, und auch das gewaltige Schiff hatte schon einige, wenn auch unerhebliche Treffer zu verzeichnen. Offensichtlich störte es den Prior nicht im mindesten, daß er gerade dabei war, sein eigenes Schiff anzugreifen.
Sie grinste, senkte den Jäger weiter ab und streifte das helle Gleißen, das den Antrieb des Schiffes darstellen sollte.
Unwillkürlich verzog sich ihr Gesicht vor Schmerz. Stimmen hallten in ihrem Kopf nach.
Autsch! Das tat wirklich weh. Kein Wunder, daß das noch keiner versucht hatte.
Leicht benommen schüttelte sie den Kopf, klappte dann den Blendschutz wieder hoch und stieß pfeifend den Atem aus.
Da kamen kleine, leuchtende Punkte auf sie zugeflogen.
Vashtu seufzte.
Na endlich schickte Caldwell Verstärkung! Wurde auch Zeit.
Und in diesem Moment traf der nächste Energieblitz ihren Jäger.

***

Peter versuchte immer noch, irgendwie die Geschwindigkeit zu drosseln. Inzwischen waren sie wieder näher an das Tor herangekommen, für seine Begriffe viel zu nahe. Aber ...
Im nächsten Moment trudelte eine beschädigte F-302 an ihm vorbei. Die gleiche mit dem häßlichen schwarzen Streifen auf dem Flügel.
"Vashtu!" Unwillkürlich sprang er auf und beugte sich vor.
"Es ... mir geht es gut", kam die klägliche Antwort über Lautsprecher.
"Was ist passiert?" fragte er entsetzt.
"Ich fürchte, jetzt haben wir wirklich ein Problem", kam kurz darauf die Antwort. „Peter, mein Antrieb ist beschädigt."
Keuchend sank er auf seinen Sitz zurück.

***

"Major?" Caldwell neigte lauschend den Kopf.
"Sir, ich fürchte ... Wie weit ist die Reparatur des Transporters, Sir?" fragte die Antikerin. In ihrer Stimme schwang etwas mit, was er zunächst nicht wirklich benennen konnte. Dann aber begriff er: Sie hatte Angst! Zum ersten Mal schien sie wirklich Angst zu haben vor etwas.
"Hermiod?" Er öffnete eine interne Leitung, und fügte eine Konferenzschaltung ein.
"Ich fürchte, die Beschädigung des Programms ist doch etwas umfangreicher als angenommen", erklärte der Asgard mit ruhiger Stimme.
Ein tiefer Atemzug der Antikerin. „Schaffst du es, ehe meine Männer in den Ereignishorizont fallen und ... der Jumper zerschellt?"
"Negativ, Vashtu Uruhk", teilte der Hermiod emotionslos mit.
"Gut."
Caldwell horchte auf. „Major?" fragte er mißtrauisch. „Was haben Sie vor?"
"Den Tag retten. Uruhk Ende und Aus."

***

Vashtu schaltete das Funkgerät aus und atmete einige Male tief ein. Dann aktivierte sie einige Schaltungen, führte ihrem einzelnen, funktionierenden Antrieb mehr Energie zu und ... machte ihre beiden Missiles scharf.
Was sie da tun wollte, konnte sie durchaus umbringen, und sie wußte es. Sehr wahrscheinlich würde ihr Plan sogar scheitern. Aber eine andere Wahl hatte sie nicht mehr. Caldwell hatte zu lange gezögert, ihr Jäger war beschädigt und der Jumper mit ihrem Team hing wieder kurz vor dem Ereignishorizont. Dafür war das Ori-Schiff inzwischen zu fast zwei Dritteln aus dem Tor gekommen.
Vashtu biß sich auf die Lippen, befestigte die Maske an ihrem Gesicht. Auf diese Weise würde sie vielleicht noch ein bißchen Luft haben, ehe es ...
Sie zwang sich, den Gedanken nicht zu Ende zu denken, sondern schwang den Jäger herum und gab Schub, soviel sie noch kriegen konnte. Die Umrandung des Wurmlochs schoß auf sie zu. Vashtu blinzelte nicht einmal mehr. Sie starrte nur auf ein bestimmtes Verbindungsglied des gewaltigen Tores und konzentrierte sich voll auf das, was sie tun wollte.

***

"Major, kehren Sie sofort um! Haben Sie verstanden? Auf der Stelle umkehren!" Caldwell sprang auf, mit langen Schritten trat er an das Frontfenster und starrte hinaus, als könne er die Antikerin auf diese Weise von ihrem Tun abbringen.
"Hermiod, wir brauchen den Transporter, JETZT!" bellte er in sein Funkgerät.
Die F-302 raste auf das Tor zu, schien immer schneller und schneller zu werden.
Von seinem Standpunkt aus sah er nur ein winziges Licht neben der Helle des Wurmlochs. Doch er wußte, was sie da tun wollte. Sie wollte sich selbst opfern, um vielleicht das Supergate zerstören zu können. Dabei aber ...
"Major Uruhk. Sie verweigern wieder einen Befehl. Kehren Sie auf der Stelle um!"
Doch der Lichtstrahl verschmolz bereits mit dem Wurmloch.

***

Peter sah, wie zwei Feuerstöße kurz neben ihm auf das Gate zuschossen, drehte verwirrt den Kopf.
Dann folgte die Detonation, ließ ihn zusammenzucken. Das gesamte Sternentor schien kurz aufzuleuchten. Und ein weiterer, größerer Blitz raste direkt darauf zu.
"Vashtu!" Wieder sprang er auf, als er begriff, was er da sah.
Die F-302 rauschte direkt auf ein Verbindungsglied des Supergates zu. Und im nächsten Moment ... krachte der Jäger hinein.
"Major, nicht!"
Peter mußte geblendet die Augen schließen. Und dann fühlte er den Sog, preßte sich in seinen Sitz hinein und schüttelte nur noch den Kopf.

***

Caldwell stand da wie erstarrt, als die F-302 in das Tor raste. Er konnte rein gar nichts tun. Er sah, wie das riesige Rund einmal kurz aufleuchtete, dann krachte der Jäger in den Schutzschild ... und auch hindurch.
Die nächste Minute erhellte eine zweite Sonne das All, als das Supergate explodierte, und ließ den Colonel sich geblendet abwenden. Über die offene Sprechverbindung hörte er das Stöhnen und Jammern der anderen Piloten, die noch da draußen waren, außer Reichweite dessen, was da gerade passiert war.
Dann senkte sich Stille auf die Brücke der Daedalus herab, eine bedrückende Stille, die man fast greifen konnte.
Caldwell blinzelte, hob dann den Kopf wieder und sah hinaus ins All.
Trümmer aus Metall trudelten vor seinen Augen sanft dahin. Ansonsten herrschte nur Schwärze. Einige ferne Sterne leuchteten in der ewigen Nacht.
Caldwell starrte einfach nur hinaus, mit vor Entsetzen geweiteten Augen.
Kein Ori-Schiff, kein Supergate, kein Puddlejumper und auch keine einsame F-302 mehr. Nur Trümmer ...

***

Zwei Wochen später

Es klopfte an seiner Tür.
Lt. Colonel John Sheppard hob den Kopf und blinzelte einen Moment lang irritiert, dann schwang er sich von seinem Bett und durchquerte sein Quartier. Ein leises Lächeln schlich sich auf seine Lippen.
Also hatte Rodney es doch geschafft! Er hatte fast nicht damit gerechnet, aber offensichtlich ... Dieses Klopfen meinte er zu kennen.
Er öffnete in freudiger Erwartung die Tür und ... erstarrte.
"Lt. Colonel Sheppard?" fragte sein Besucher.
Das Lächeln erlosch.
Vor ihm stand ein Luftwaffen-Offizier, hoch dekoriert und seiner Gala-Uniform. Die Mütze trug sein Gegenüber respektvoll unter den Arm geklemmt, salutierte jetzt vor ihm.
John schluckte, nahm seinem Gast aber die Gruß ab und wartete. Unwillkürlich begann eine gewisse Anspannung an ihm zu nagen.
"Sir, Sie wurden als Angehöriger von Major Vashtu Uruhk geführt", erklärte ihm sein Gegenüber, zückte jetzt einen Umschlag und hielt ihn ihm hin. „Zu unserem großen Bedauern muß der Präsident der Vereinigten Staaten Ihnen mitteilen, daß Major Uruhk während eines Kampfes gefallen ist. Sie starb den Heldentod, um die Menschheit vor einer großen Bedrohung zu schützen. Ihr Andenken wird unvergessen sein."
John nahm den Umschlag wie betäubt an sich, starrte den anderen noch immer an.
Von einem Moment zum anderen schien seine Welt in Scherben zu liegen. Er wußte nicht, was er jetzt tun sollte. Im Moment ...
Der Offizier salutierte wieder vor ihm, wandte sich dann, sich zackig auf den Haken drehend, ab und marschierte den Flur hinunter.
John starrte auf den Umschlag in seiner Hand und schluckte. Seine Augen brannten und er kniff die Lippen fest aufeinander.
Dann hob er unvermittelt den Kopf und starrte aus dem Fenster seines Quartiers.
"Vash?" flüsterte er.

Fortsetzung in Teil 3

03.06.2010

Das Angesicht des Feindes 2/4 III

Caldwell betrat wieder die Brücke der Daedalus, sah zu den Fenstern hinaus und runzelte die Stirn. „Hoffentlich hat sie noch genug Zeit", murmelte er sich selbst zu.
"Sir, eine Funkübertragung von der Erde", meldete der zuständige Offizier.
Caldwell trat an das Terminal heran und holte tief Atem. „Daedalus, Caldwell hier", meldete er sich und wartete.
"Hier SGC, Landry. Wo ist Major Uruhk?"
Caldwell sah kurz zu den Fenstern hinüber. „Äh ... zur Zeit nicht hier, Sir", antwortete er ausweichend. Gerade jetzt ging es ihm durch den Kopf, daß er möglicherweise doch einen Fehler gemacht hatte, als er die Antikerin fliegen ließ.
"Dann rufen Sie sie aus. Ich muß sie dringend sprechen und brauche den Bericht über den Prior", befahl Landry. „Es ist das erste Mal, daß ein Antiker, ein ausgewachsener Antiker, auf einen Prior trifft. Die Erde muß wissen, ob das Geheimnis gewahrt worden ist."
Caldwell schluckte, beugte sich dann über das Terminal. „Sir, ich fürchte ... das wird nicht möglich sein. Major Uruhk befindet sich nicht mehr an Bord der Daedalus. Wir ... hatten eine Störung im Tansportsystem, Hermiod arbeitet im Moment daran."
"Was soll das heißen?" Landry klang jetzt ernstlich besorgt.
"Major Uruhk und ihr Team haben offensichtlich einen atlantischen Puddlejumper auf dem Planeten gefunden, auf dem sie auf den Prior getroffen sind. Der Major brachte den Gleiter wohl irgendwie zum Fliegen, aber sie sagte etwas von gewissen ... Defekten."
"Defekten?"
"Ja, Sir. Im Moment ist Major Uruhk ... mit einer F-302 unterwegs, um den Rest ihres Teams ... nun, irgendwie aus der Bahn des Supergates zu bringen. Die anderen Mitglieder von SG-27 sitzen noch in dem Puddlejumper, Sir."
"Dann holen Sie sie auf der Stelle da heraus, Colonel!" befahl Landry. „Und teilen Sie Major Uruhk mit, daß sie sofort umkehren und zur Daedalus zurückkehren soll. Es sei denn, sie ist sicher, daß der Prior weg ist."
"Sir, das Problem ist ..." Caldwell atmete tief ein. „Das Supergate wurde aktiviert. SG-27 fliegt direkt auf den Ereignishorizont zu."

***

Vashtu gab den Befehl, die Greifkrallen auszufahren, versuchte sich an die Geschwindigkeit des Jumpers anzupassen. Das ganze würde eine Syssiphusarbeit werden, vor allem bei dem Tempo, daß sie und auch der Gleiter gerade drauf hatten. Babbis war es offensichtlich nicht gelungen, den Schub ein wenig zu drosseln.
"Könnte gleich etwas ruckeln. Nicht erschrecken", sagte sie in ihr Funkgerät, senkte die F-302 ab. Ihr war, als könne sie hören, wie die Greifer sich kratzend und schabend über die Oberfläche des Jumpers tasteten, auf der Suche nach festem Halt.
"Sind Sie das?" fragte Babbis in ihrem Ohr.
"Ich sagte doch, es kann etwas unangenehm werden." Der erste Versuch war gescheitert.
Vashtu zog die F-302 wieder hoch und flog eine enge Kurve, um wieder zum Jumper zurückkehren zu können und einen zweiten Versuch zu starten. In diesem Moment sprang das Funkgerät wieder an.
"Daedalus hier. Major Uruhk, die Erde befiehlt Ihnen sofortigen Rückzug", sagte eine ihr unbekannte Stimme.
Hatte Caldwell nicht einmal genug Schneid, es ihr selbst mitzuteilen, daß er seine Meinung ... Nein, die Erde hatte das befohlen. Also entweder Landry, O'Neill oder das IOC.
Vashtu fluchte in ihrer Muttersprache, senkte den Jäger wieder ab und startete einen zweiten Versuch. Sie würde ihre Leute nicht zurücklassen, niemals! Und wenn Moros, oder Merlin, wie ihn die Menschen nannten, persönlich es ihr befehlen würde.
Wieder schrammten die Greifer über die Oberfläche des Jumpers. Vashtu spürte eine leichte Vibration unter sich, und dann ...
Es schien geklappt zu haben. Blieb zu hoffen, daß es ihr gelang, den Kurs des Gleiters zu ändern.
"Peter, nehmen Sie die Hände von den Kontrollen. Ich übernehme", befahl sie.

***

Babbis tat nichts lieber als das, ließ sich wieder in den Sitz zurücksinken und starrte das Supergate an, das inzwischen bedrohlich nahe gekommen war.
"Da kommt was durch!" Wallaces Stimme klang aufgeregt.
Peter nickte. Da etablierte sich etwas im Ereignishorizont. Doch noch war es zu ungenau, um es genau bestimmen zu können.
Der Jumper ächzte, dann erklang ein gemeiner Laut, von dem er meinte, ihn niemals vergessen zu können.
"Bin abgerutscht. Kontrollieren Sie den Kurs, während ich es noch einmal versuche", befahl die Antikerin.
Die F-302 schoß über den Jumper hinweg, verschwand dann im All.
Den Kurs kontrollieren?
Die Darstellung der holografischen Anzeige änderte sich.
"Mist!" entfuhr es Peter.
"Übel, sehr übel sogar", sagte Dorn.
"Was meint ihr?" erkundigte Wallace sich verständnislos.

***

Vashtu startete einen neuen Versuch, als es wieder in ihrem Funkgerät knackte.
"Sie haben den Kurs etwas ändern können, Vashtu", meldete Peter. Seine Stimme zitterte leicht bei diesen Worten. „Aber ... jetzt fliegen wir direkt auf das Wurmloch zu!"
Verständnislos blinzelte sie, dann stöhnte sie auf.
Auch das noch!
Als sie die Greifer wieder ausfahren wollte, sprang die Anzeige auf dem kleinen Bildschirm um und meldete ihr eine Fehlfunktion.
Das war dieses gemeine Geräusch und der kurze Ruck gewesen, wurde ihr klar, nachdem sie diese gelesen hatte. Sie hatte die Greifer verloren.
Was jetzt? Wie sollte sie ihrem Team helfen?
"Hermiod, wie weit bist du mit deiner Reparatur?" fragte sie über Funk und wartete auf die Antwort.

***

"Major, sofortige Rückkehr zur Daedalus. Haben Sie das jetzt endlich verstanden?" bellte Caldwell im gebieterischen Ton.
"Nicht ohne meine Männer", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen zurück.
"Major, Sie verweigern gerade einen offiziellen Befehl, ist Ihnen das klar?"
"Hermiod, wie lange brauchst du noch?" Der Major ging nicht einmal auf diesen Vorwurf ein.
Caldwell fluchte. „Major Uruhk, Sie kehren auf der Stelle zur Daedalus zurück, sonst werden Sie die Konsequenzen tragen! Haben Sie das endlich verstanden?"
"Ich habe verstanden, aber ich werde nicht zurückkommen, solange mein Team in Gefahr ist", antwortete sie.
"Major!"
"Sir, da kommt etwas durch das Supergate", meldete einer seiner Crew.

***

Vashtu flog eine enge Schleife, um den Jäger zu wenden und wieder zurück zum Jumper zu fliegen.
Vielleicht ging es auch anders. Sie mußte nur die Richtung korrigieren, damit ihre Leute aus der Schußbahn waren, ehe Caldwell den Befehl erhalten und ausführen würde.
Kurz neben ihr blitzte plötzlich eine Energiespitze auf, ließ sie zusammenzucken.
"Was war denn das?" Verblüfft verfolgte sie die Bahn dieses Blitzes zurück.
Der Planet! Der Prior hatte seinen Angriff auf sie gestartet!

***

Caldwell kniff die Lippen fest aufeinander. Dann berührte er wieder die Sprecheinrichtung des Kommandostuhls, auf dem er saß.
"Major Uruhk, Sie werden sofort und ohne Verzögerung zur Daedalus zurückkehren. Falls Sie das irgendwie tröstet, General Landry gab grünes Licht für die Rettungsaktion ihrer Männer. Wir warten jetzt nur noch auf Hermiod."
"Hier schießt jemand auf mich", kam ihre Stimme über Funk.
Caldwells Augen weiteten sich. „Was?"
"Ich wiederhole, ich liege unter feindlichem Feuer. Ich kann nicht zurückkommen, Colonel", wiederholte sie. Ihre Stimme klang angespannt.

***

Peter reckte den Hals, als ein Energieblitz direkt vor dem Frontfenster entlangzischte. „Was ist das?" fragte er verständnislos.
"Ein Ori-Schiff", antwortete Dorn auf die Frage, die gar nicht gestellt worden war.
"Peter, wir liegen unter Beschuß. Der Prior muß noch auf dem Planeten sein und hat jetzt das Feuer auf uns eröffnet", sagte Vashtu über Funk.
Peters Augen weiteten sich wieder hinter seinen Brillengläsern. „Was?" fragte er verblüfft.
"Wenn er mich erspüren kann, Peter, kann er es bei Ihnen auch. Ich versuche, daß Feuer auf mich zu lenken und den Gegner auszuschalten. Wartet solange", erklärte ihre Stimme.
Peter schüttelte verständnislos den Kopf. „Sie wollen was?"
"Ich ziehe das Feuer auf mich. Versuchen Sie weiter, ob Sie nicht zumindest die Richtung auch allein ändern können."

***

Vashtu beschleunigte und raste wie eine Irre direkt in die, immer dichter werdenden, Energiestrahlen hinein. Kein Zweifel, sie kamen von dem Planeten, von dem sie vor vielleicht einer Stunde vor dem Prior geflohen war.
Sie biß die Lippen fest aufeinander. Was stellte der Kerl da unten an? Sie hatte keine anderen Waffen als seinen Stab gesehen, und, soweit sie wußte, sollte es da unten rein gar nichts geben. Naja, letzteres konnte auch ein Irrtum sein, immerhin war auch der Jumper auf dem Planeten geparkt gewesen, ehe sie ihn halbwegs reparieren konnten.
Aber dieses Energiefeuer hatte mit nichts eine Ähnlichkeit, was sie kannte. Wo kam es her? Wie brachte dieser blasse Kerl da unten es fertig, daß die Strahlen nicht streuten auf diese Entfernung.
Vashtu zog die F-302 aus der Feuerbahn, schwenkte in einen leicht veränderten Kurs ein und atmete tief durch. Ihr Manöver aber brachte ihr nicht mehr als einige Sekunden Pause, ehe sie sich wieder voll darauf konzentrieren mußte, nicht getroffen zu werden.
"Major, sofortige Rückkehr zur Daedalus!" Caldwells Stimme klang jetzt erst richtig wütend.
Vashtu biß sich auf die Lippen, dann kam ihr ein Gedanke.
Warum eigentlich nicht? Wenn sie in die entgegengesetzte Richtung zum Jumper flog, hatte der Prior ein Problem. Dann blieb es zu hoffen, daß er sich auf sie einschießen und den Gleiter mit ihrem Team in Ruhe lassen würde.
"Okay, Caldwell, versuchen wir es", murmelte sie, änderte erneut die Richtung und zog die F-302 hoch, um sie dann auf den neuen Kurs einzuschwenken und noch mehr Schub zu geben.
Das Feuer setzte aus!
Vashtu hielt den Atem an, dann aktivierte sie die Sprechanlage. „Sir, ich versuche zurückzukommen, Uruhk Ende."
Sie drehte sich halb im Sitz um, doch auch hinter ihr war nichts mehr von irgendwelchen Energieentladungen zu sehen. Sollte der Prior aufgegeben haben? Oder ... ?
Im nächsten Moment wurde ein Sperrfeuer gegen sie eröffnet, so knapp vor ihrem Bug, daß sie kaum noch den Kurs ändern konnte.
"Scheiße!"

***

"Was macht sie da?" Der junge Offizier an den Kontrollen sah ratlos auf.
Caldwell beugte sich vor und las von seinem Bildschirm ab. „Sie steht tatsächlich unter Feuer", entfuhr es ihm. Dabei fragte er sich aber auch sofort, woher dieses Feuer kommen konnte. In Bezug auf die Ori, und auch auf die Priore, hatte er noch nie etwas davon gehört, daß diese irgendwelche kleineren Energiewaffen einsetzten.
"Rückweg blockiert", meldete sich in diesem Moment die Stimme des Majors über Funk. „Tut mir leid, Sir, aber selbst wenn ich wollte, käme ich nicht sehr weit."
Caldwell biß sich auf die Lippen. „Können Sie es umfliegen? Beginnt der Beschuß nicht irgendwann zu streuen?"
Ein bitteres Lachen. „Das habe ich schon versucht. Negativ, diese Energie streut nicht. Sie muß vom Prior kommen, wie auch immer er das anstellt."
Caldwells Augen weiteten sich. „Vom Prior? Wir wissen nichts von irgendwelchen Energiewaffen. Er verbreitet Plagen, Major, keine ..."
"Feuer vom Himmel?" half sie ihm aus.
"Was?" Caldwell blinzelte.
"Die Bibel, Sir, die Offenbarung des Johannes - interessantes Buch, interessanter als das, was die Ori zu bieten haben", erklärte die Antikerin.
Sie las die Bibel?
"Feuer vom Himmel gehört zu den apokalyptischen Plagen, Sir. Ich möchte es nicht beschwören, aber vielleicht haben die Priore noch nicht alles gezeigt, weil sie dazu bisher nicht gezwungen wurden. Jetzt aber hat einer von ihnen zwei Wesen von der Erde getroffen, die das ATA-Gen tragen und ihm vom Planeten entwischt sind. Möglich, daß er jetzt seine Geheimwaffe gezückt hat." Ihre Stimme klang erstaunlich ruhig bei diesen Worten.
"Sie denken ... ?"
"Ich weiß, daß ich unter Beschuß liege, Sir. Ich komme da nicht durch, es sei denn, ich heize durch den Planeten hindurch."
Dann folgte ein Knall und ein Keuchen.
Caldwell sog scharf Luft in seine Lungen.
"Treffer!" meldete die Antikerin. „Ich kehre um. Vielleicht kann ich wenigstens meinem Team helfen."
Caldwell schwieg.

***

Das Ori-Schiff tauchte immer weiter aus dem Ereignishorizont auf. Peter fühlte sich jetzt erst recht auf die Größe eines Insektes geschrumpft. Er wußte gar nicht, was das schlimmste war, die Aussicht, am Ereignishorizont zerstört oder vorher von den Ori getötet zu werden. Er wußte nur, der Jumper reagierte noch immer nicht auf die Steuerung. Selbst mit allen guten Wünschen und seinem charmantesten Zureden war es, als säße er hier in einem Stein.
Zugegeben, einem Stein, der offensichtlich ... etwas mehr konnte als üblich. Er spürte immer wieder tastende Finger in seinem Hirn. Wenn Vashtu sich nicht irrte, und davon war er überzeugt, warum sollte sie ihm denn sonst Unsinn erzählen in einer solchen Situation, mußte es der Jumper selbst sein, der in seinen Gedanken nach seinen Wünschen forschte.
Aber den dringlichsten konnte der Gleiter ihm offensichtlich nicht erfüllen. Nämlich, ihn so weit wie möglich von hier fortzubringen.
"Bin wieder da", meldete sich Vashtus Stimme über Funk.
Peter atmete auf. „Ich dachte schon, Sie hätten uns vergessen." Im nächsten Moment wurden seine Augen groß.
Die F-302 kam frontal auf sie zu. Und ... war sie getroffen worden? Ein langer, schwarzer Streifen zog sich häßlich über eine Tragfläche.
"Nicht erschrecken. Die Krallen sind abgebrochen", sagte sie. „Ich versuche euch zurückzudrücken."
"Zurückzudrücken?" echote Peter.
Im nächsten Moment knallten die beiden raumtauglichen Gefährte aufeinander. Die Insassen des Jumpers wurden ordentlich durchgeschüttelt. Ein häßliches Knacksen und Quietschen ertönte.
"Was machen Sie da?" begehrte Peter auf, der in seinem Sitz durchgeschüttelt wurde. Die Triebwerke des Jumpers heulten kurz auf.
"Euch vom Ereignishorizont fernhalten. Ich weiß nicht, ob es hier auch ein Autopilotenfeld gibt. Wenn ja, haben wir ein echtes Problem, Peter."
Er blickte auf und konnte einen behelmten Kopf wahrnehmen, der sich im Cockpit des Jägers hin und herdrehte. Vashtu Uruhk.
"Und der Beschuß?"
"Wir scheinen hier sicher zu sein." Ihre Stimme klang konzentriert.
Ein Ächzen ertönte, ein weiteres Zittern durchlief den Jumper.
"Vielleicht kann ich euch so auch vom Kurs abbringen ..."
Im nächsten Moment gleißte ein greller Lichtstrahl auf und zuckte kurz über der F-302 entlang.
"Vashtu!" schrie Peter auf.
"Mist!" Mit einem letzten Rucken und häßlichem Schrammen tauchte der Jäger unter ihm ab. Aber sie hatte es geschafft, das Supergate war wieder ein Stück weiter entfernt als vor ihrem Manöver.
Peter atmete auf, biß sich dann aber auf die Lippen.

TBC ...

01.06.2010

Das Angesicht des Feindes 2/4 II

"Das geht einfach nicht!" Peter sank stöhnend in den Sitz zurück. „Diese dämliche Kiste reagiert nicht! Und ich weiß nicht, was ich tun soll."
"Weiter versuchen." Dorns Augen klebten am Frontfenster.
"Heiße ich Vashtu Uruhk? Ich habe keine Begabung für das Fliegen", begehrte Peter frustriert auf.
"Weiter versuchen, Doc", wiederholte Dorn emotionslos.
Peter seufzte und wünschte sich, er hätte zumindest irgendwann einmal im SGC die Antikerin überreden können, ihm einen Puddlejumper zu erklären. Dann wüßte er vielleicht wirklich, was er hier tat.
Er griff wieder nach den beiden kleinen Hebeln und konzentrierte sich.
Die Hologrammdarstellung erschien wieder auf der Frontscheibe. Doch sie sagte ihm immer noch genauso wenig wie vorher. Dafür aber schien das Supergate inzwischen Dimensionen anzunehmen, die jenseits seiner Vorstellungskraft lagen. Und wenn sich das Wurmloch erst einmal etabliert hatte ...
Er schluckte, kniff die Lippen zusammen. „Jetzt mach schon", zischte er nach einer kleinen Weile.
Ein winziges Licht begann plötzlich zu blinken, dann folgte:
"Könnt ihr mich hören? Dorn? Peter? Wallace? Geht es euch gut?"
Der junge Wissenschaftler und der Marine tauschten einen überraschten Blick.
"Major?" fragte Dorn dann schließlich unsicher.
Ein erleichtertes Seufzen. „Ich bin auf der Daedalus", kam die Antwort auf die ungestellte Frage. „Wir werden gleich versuchen, euch auch aus dem Jumper zu beamen. Habt ihr das verstanden? Am besten, ihr versammelt euch alle im Cockpit."
"Was machen Sie denn auf der Daedalus?" entfuhr es Peter entgeistert.
"Gute Frage, die habe ich mir auch schon gestellt ..." Die Stimme der Antikerin hatte sich etwas verändert bei diesen Worten. „Wir sind ein Stück hinter euch, ein ... ziemliches Stück. Vielleicht ... Ist nicht so wichtig. Sind alle im Cockpit?"
Dorn drehte sich zu Wallace um und winkte ihm ungeduldig.
Peter wartete, bis auch sein Kollege den vorderen Teil betreten hatte, ehe er antwortete: „Ja, sind wir. Machen Sie schnell, Vashtu. Das Tor wird gerade aktiviert. Wenn sich das Wurmloch etabliert ..."
"Machen Sie sich keine Sorgen, Peter, wir schaffen das schon. Hermiod?"
Er lehnte sich seufzend zurück und schloß die Augen. Dann ging ihm auf, was da gerade auf der Daedalus versucht wurde. Sofort saß er wieder aufrecht. „Sie wollen uns in unsere Einzelteile zerlegen und durch das All zu sich holen?"
"Soweit der Plan", antwortete sie mit ruhiger Stimme.
"Aber ..."
"Entspannen Sie sich. Tut nicht weh. Hermiod?" Allmählich begann ihre Stimme ungeduldig zu klingen.
Peter und Dorn wechselten wieder einen Blick.
"Äh, Peter, haben Sie inzwischen ein bißchen Übung darin, einen Jumper zu fliegen?" Vashtus Stimme klang jetzt nachdenklich.
Der junge Wissenschaftler wurde mißtrauisch. „Was meinen Sie?"
"Ist es Ihnen vielleicht gelungen, den Kurs ein wenig zu ändern?"
"Nein." Seine Stimme klang entschlossen. „Dieses Ding ... dieser Jumper ist dickköpfiger als ein Esel!"
"Sagen Sie ihm das nicht zu laut", warnte die Stimme der Antikerin. Dann herrschte Schweigen.
Wieder wechselten Dorn und Peter einen Blick.
"Major?" fragte der Marine schließlich, nach einer, allen Insassen des defekten Jumpers unendlich erscheinenden Zeit des Schweigens.
"Der Beamstrahl reicht nicht so weit", antwortete Vashtu resigniert. „Wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen."
Peter keuchte, schluckte dann. „Das Gate wird aktiviert."
"Das wissen wir", antwortete sie. „Aber soweit wir den Kurs berechnen konnten, dürftet ihr davon erst einmal nichts abkriegen. Ihr seid vor der Etablierung sicher."
"Sicher?"
"Sicher."
"Ganz sicher?"
"Neunundneunzig Prozent", antwortete ihre Stimme. „Ich ..." Sie stockte. „Ich melde mich später wieder." Ein Klicken.
Peter sah wieder zu Dorn hinüber, beide wechselten Blicke. „Sie hat einen Plan", sagte der junge Wissenschaftler schließlich. Der Marine nickte nur.

***

Colonel Caldwell knurrte einen unterdrückten Fluch, als Major Uruhk plötzlich an ihm vorbeiraste und die Station wieder verließ. Diese Frau zu hüten und zur Resong zu bringen war Schwerstarbeit, vor allem auch, weil er ihren Gedankengängen nicht folgen konnte.
Wo wollte sie denn jetzt wieder hin?
Sie befand sich seit vielleicht zwanzig Minuten auf der Daedalus, und hatte schon für ein Chaos in der Befehlskette gesorgt. Seine Mannschaft fragte ihn ja inzwischen gar nicht mehr, sie taten, was der Major ihnen befahl.
Gut, er mußte zugeben, sie hatte ein sehr autoritäres Wesen, das selbst ihn ausbremsen konnte. Doch offensichtlich hatte ihr niemand beigebracht, daß sie zumindest fragte, ehe sie irgendjemandem eine Order erteilte.
Caldwell warf Hermiod noch einen letzten Blick zu, dann verließ auch er die Station, tippte auf sein Funkgerät. „Ein Mann des Sicherheitsdienstes zu mir", befahl er.
Das konnte doch alles nicht wahr sein! Eines konnte er zumindest inzwischen sagen, er beneidete Landry nicht um den Job, diese Frau zu bändigen. Da war ihm Colonel Sheppard wesentlich lieber, der ... suggerierte ihm zumindest die richtigen Ideen.
Was wollte Ellis sich da nur aufhalsen? Major Uruhk als erster Offizier - das konnte nur in einer Katastrophe enden! Hoffentlich entschied der Colonel sich noch um, denn ansonsten sah Caldwell für die Apollo schwarz.
Wo war dieses Weib jetzt wieder hingerannt?
"Major Uruhk, wo sind Sie?" fragte er.
"Auf dem Weg zum Flugdeck", kam die knappe Antwort.
Mehr brauchte er gar nicht zu wissen.
Jetzt wollte sie sich auch noch eine F-302 unter den Nagel reißen? Aber nur über seine Leiche!
Caldwell marschierte weiter, während er innerlich kochte vor Wut.
Wie konnte sie es wagen, die Befehlskette auf seinem Schiff zu untergraben? Er war ja durchaus bereit, die Männer aus dem Jumper zu retten, nur brauchte er dafür eine Genehmigung - und die lag immer noch nicht vor. Solange saßen sie eben hier fest und mußten warten. Aber das war offensichtlich nicht die starke Seite der Antikerin. Sie preschte durch sein Schiff, und irgendwie beschlich ihn das Gefühl, wenn es nötig werden sollte, würde sie auch noch an den Maschinen herumfummeln.
Wer war eigentlich auf den Gedanken gekommen, sie mit Sheppard zu vergleichen? Dieses Weibstück war eine Furie, dagegen war der Colonel ja noch ein sanftes Lämmchen. Kein Wunder, daß ihr eigenes Volk sie in diesem Abschnitt an der Flutlinie von Atlantis eingesperrt hatte. Wahrscheinlich war man ihr anders nicht mehr Herr geworden. Und, ehrlich gesagt, viel fehlte wirklich nicht mehr, und er würde sie persönlich in die Brick sperren. Dann konnte sie ja sehen, wie sie weiterkam.
Er hielt sich selbst für einen sehr geduldigen Menschen, aber diese Frau ließ ihn an seine Grenzen stoßen. Die Art, wie sie sich benahm, seit er die Anweisung gegeben hatte, sie auf die Daedalus zu holen, machte es ihm nicht viel leichter.
Dabei hatte er einen recht guten Eindruck von ihr gehabt, als sie, auf Geheiß aus Washington, das erste Mal auf der Daedalus gewesen war. Er war sogar sehr von ihr angetan gewesen, rief er sich selbst ins Gedächnis. Im Fliegen war sie ein Ass, da konnte niemand ihr etwas vormachen. Wie sie mit einer F-302 umgegangen war, das war schon sensationell gewesen. Kurz hatte er damals sogar überlegt, ob er sich nicht an O'Neill wenden sollte mit der Bitte, sie aus dem SGC auf die Daedalus versetzen zu lassen als Staffelpilotin.
Gut, daß er das nie getan hatte! Wer konnte schon wissen, wer dann jetzt das Schiff befehligen würde? Wahrscheinlich hätte sie schon längst eine Meuterei angezettelt.
Ein Mann des Sicherheitsdienstes schloß sich ihm an, während er weiter den Gang zu den Jäger-Hangars hinuntermarschierte.
"Sie will sich eine 3-0-2 unter den Nagel reißen", erklärte Caldwell. „Sie werden das verhindern, Sergeant."
Der Mann nickte stumm, blieb an seiner Seite.
Ja, jetzt hatte sie endgültig den Punkt überschritten, an dem er noch zum Einlenken bereit war. Er würde sie in die Brick sperren lassen, dann konnte sie selbst sehen, was sie angerichtet hatte. Und er würde einen geharnischten Bericht schreiben, sowohl an Washington als auch an das SGC. Und er würde sehen, daß er Ellis erwischte und ihm deutlich von diesem Weibstück abriet, ehe sie noch auf der Apollo für Unruhe sorgen konnte.
Sie sollte besser einmal die Befehlskette neu lernen, ging ihm wutschnaubend auf. Offensichtlich hatte sie Schwierigkeiten damit, höhere Hierachien als sich selbst anzuerkennen. Und sie sollte gefälligst vorher den Mund aufmachen, wenn sie irgendetwas plante! Dann konnte er immer noch entscheiden, was er tun sollte und was nicht.
Sie kamen endlich beim Hangar an. Das Schott stand offen.
Caldwell holte tief Atem, ballte die Hände zu Fäusten und überschritt die Schwelle. Er mußte nicht lange suchen. Die Antikerin war offensichtlich gerade damit beschäftigt gewesen, einen der Jäger startklar zu machen und krabbelte wenig elegant unter der Maschine hervor. Wahrscheinlich hatte sie die Klemmen der Haltebuchten manuell gelöst.
"Sergeant, verhaften Sie auf der Stelle den Major!" befahl Caldwell mit kalter Stimme.
Verblüfft starrte die Antikerin ihn an. „Was?" entfuhr es ihr.
Der Mann vom Sicherheitsdienst trat vor, eine Hand an der Waffe. „Mam?"
Ihr Kopf ruckte wieder zu Caldwell herum, nachdem sie den Sergeanten sehr genau angesehen hatte. „Ich werde meine Männer nicht zurücklassen, Colonel!" Ihre Stimme klang mühsam beherrscht.
Caldwell kreuzte die Arme vor der Brust. „Wir warten auf die Entscheidung der Erde, Major. Wir können vorher nichts tun. Haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
Sie richtete sich gerade auf und blitzte ihn an. „Bis dahin wird es zu spät sein, ist Ihnen das denn immer noch nicht klar? Wir haben nicht mehr als ein paar Minuten!"
"Und was wollen Sie tun? Ihnen hinterherjagen?"
Sie trat einen Schritt vor. Der MP zog seine Waffe. Sofort sandte sie ihm einen eiskalten Blick. „Ich will sie zurückschieben und den Kurs des Jumpers ändern. Das will ich!"
Caldwell stutzte. „Sie wollen was?"
So einen verrückten Plan hatte er ja noch nie gehört! Sie wollte mit einem Jäger einen Gleiter vom Kurs abbringen. Noch dazu einen Gleiter, dessen Steuerung und Antrieb defekt war? Wie?
Sie wies unter die F-302. „Da sind Halteklammern. Ich habe mich schon immer gefragt, wofür die überhaupt gut sind."
"Um Bomben zu transportieren, Major!" Caldwell schüttelte den Kopf. „Ein Jumper hat ein zu glattes Dach. Wie wollen die denn da die Klammern anbringen?"
"Kommt auf den Versuch an. Genug Antrieb dürfte eine F-302 haben, um ihn zumindest nicht gegen das Tor knallen zu lassen." Wieder warf sie dem MP einen unterkühlten Blick zu. „Meinetwegen lassen Sie mich erschießen, Caldwell. Aber ich werde nicht tatenlos zusehen, wie meine Männer da draußen sterben! Das ist mein Team, Colonel! Und ich lasse nie jemanden zurück!" Damit drehte sie sich um und packte das Geländer der Metalleiter.
"Sir?" fragte der MP.
Caldwell starrte sie immer noch an, doch allmählich begann er zu begreifen, was sie plante.
Der Mann vom Sicherheitsdienst entsicherte seine Waffe, legte auf den Major an.
Die war auf halber Höhe der Leiter stehengeblieben und sah ihn über die Schulter hinweg an. In ihrem Blick konnte er wilde Entschlossenheit lesen, nichts und niemand würde sie von ihrem Plan abbringen, selbst eine Kugel nicht, ging ihm auf. Doch gleichzeitig war da eine stumme Bitte in ihren Augen. Die Bitte um Vertrauen.
Caldwell atmete tief ein.
Er verstand nicht so ganz, was sie da tun wollte. Aber er begriff, daß sie nicht hilflos herumsitzen konnte. Zum Teufel! Selbst ihn juckte es im Moment in den Fingern. Noch hatten sie vielleicht die Chance, das Gate zu zerstören!
Caldwell trat zu dem MP und hob die Hand, drückte mit ihr die Waffe hinunter. Dabei sah er immer noch die Antikerin an.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, dann eilte sie die Leiter weiter hoch und schwang sich in das Cockpit hinein.
Caldwell trat zurück, als der Antrieb hochfuhr und die F-302 langsam vom Boden abhob. „Viel Glück", wisperte er ihr nach, als sie durch das geöffnete Hangartor in den Weltraum verschwand.

***

Peter starrte auf das Stargate. Jetzt etablierte sich das Wurmloch. Als hätte man einen Stein in Wasser geworfen und dieses Element würde die Gegenreaktion gerade durchmachen, wischte das blaue Gleißen bis knapp vor den Puddlejumper. Unwillkürlich hielt er die Luft an, doch Vashtu hatte recht behalten, dem Gleiter geschah nichts.
"Oh Mann!" stöhnte er auf und ließ sich zurück in den Sitz fallen.
"Glück gehabt", stimmte Dorn zu. Als Peter zu dem Marine hinübersah, bemerkte er, wie angespannt dieser wirkte.
"Könnt ihr mich hören?" meldete sich plötzlich eine Stimme über die versteckten Lautsprecher.
"Vashtu!" Peter fühlte, wie sein Herz ihm kurz bis zum Halse schlug. Einen Moment hatte er mit etwas vollkommen anderem gerechnet.
"Ich komme zu euch. Paßt bloß auf, daß ihr nicht in die Nähe des Ereignishorizontes kommt. Peter, wenn möglich, nehmen Sie den Schub etwas weg. Und beleidigen Sie den Jumper nicht mehr, das merkt der sich!"
Der junge Wissenschaftler blinzelte verständnislos. „Was?" Seine Augen wurden groß. „Wieso beleidigen? Wie meinen Sie das?"
"Die Jumper sind AI-fähig, Peter. Sie haben Gefühle, verstehen Sie?"
Dorn schmunzelte, doch der ernste Zug um seine Lippen blieb dabei.
"Und wie soll ich den Schub wegnehmen?" Peter stutzte. „Was heißt, Sie kommen zu uns?"
"Bin in wenigen Minuten da. Caldwell hat mir eine F-302 gegeben", antwortete Vashtus Stimme. „Und den Schub ... Konzentrieren Sie sich, Peter. Und dann versuchen Sie, das Drehelement von sich fort zu bewegen. Vielleicht hilft es ein bißchen."
"Konzentrieren?" Peter wechselte wieder mit Dorn einen langen Blick. Hatte die Antikerin jetzt den Verstand verloren?
"Der Jumper liest in Ihren Gedanken, was Sie wollen", antwortete Vashtu mit ungeduldiger Stimme. „Also konzentrieren Sie sich jetzt darauf, die Geschwindigkeit etwas zu drosseln und hoffen, daß es auch klappt."
"Ah ja ..." Peter runzelte die Stirn, versuchte aber zumindest zu tun, was seine Leaderin ihm befohlen hatte.

TBC ...

30.05.2010

1.20 Das Angesicht des Feindes 2/4

TV-Serie: Stargate general
Reihe: SG-V (SG-27)
Genre: action, adventure, humor
Rating: PG


Dr. Peter Babbis starrte noch immer auf den leeren Sitz, über den er sich gebeugt hatte. Dann ruckte sein Kopf wieder hoch und er blickte mit geweiteten Augen hinaus in die grenzenlosen Weiten des Weltalls.
Das Supergate kam immer näher. Die Triebwerke des Puddlejumpers funktionierten offensichtlich noch, auch wenn sie niemand mehr bediente. Und er und die zwei anderen männlichen Teammitglieder von SG-27 befanden sich in diesem Fluggerät.
"Was ist?" wandte sich eine Stimme von hinten an ihn.
Keuchend wirbelte er herum und starrte zu Sergeant George Dorn hinüber. „Vashtu ..." entfuhr es ihm.
Dorns Blick glitt zu dem leeren Pilotensitz. Ein Ruck ging durch seinen Körper, dann sah er wieder auf.
Peter schluckte. „Ich weiß nicht, was wir jetzt tun sollen. Ich kann nicht fliegen. Können Sie es?"
Dorn starrte ihn immer noch an, als könne er ihm die Antwort geben, die der alternde Marine offensichtlich brauchte.
Peters Lippen zitterten vor Anspannung. Sein Atem ging keuchend.
Sie rasten auf ein Supergate der Ori zu, und wenn er Vashtus Worten glauben konnte, und er zweifelte nicht daran, daß sie die Wahrheit gesagt hatte, war irgendetwas an diesem Puddlejumper defekt, wenn er sich auch nicht mehr wirklich daran erinnerte, was.
"Übel", brachte Dorn endlich heraus.
Peter nickte, sah wieder auf den leeren Sitz hinunter und schluckte hart. Dann hob er langsam seine Hände, in der Hoffnung, noch irgendetwas ändern zu können an dem, was hier gerade geschah. Doch der Antrieb des Jumpers summte weiter.
"Ganz übel", kommentierte Dorn.
"Was sollen wir tun?" Peter sah hilfesuchend wieder auf. „Was können wir tun?"
Dorn starrte ihn an. „Wir? Nichts", antwortete er mit ruhiger, tiefer Stimme. „Sie können fliegen, Doc."
Das war keine Frage, wie er im ersten Moment gehofft hatte. Nein, es war eine Feststellung. Und Dorn hatte noch dazu recht.
Peter ging auf, daß er jetzt der einzige im Jumper war, der über das ATA-Gen verfügte, wenn auch nur die künstliche Variante. Wallace und Dorn konnten gar nichts tun, denn die Puddlejumper der Antiker reagierten nur auf solche, die eben auch dieses Gen trugen.
"Aber ..."
Dorn starrte ihn durchdringend an, schwieg jetzt aber.
Peter fühlte sich, als würde er allmählich auf die Größe einer Maus zusammenschrumpfen.
Er hatte noch nie am Steuer von etwas anderem als einem irdischen Automobil gesessen. Wie sollte er da einen Jumper fliegen können? Wie denn überhaupt? Vashtu hatte ihm nicht erklärt, was er zu tun hatte, oder?
"Sie fliegen, Doc", wiederholte Dorn mit ruhiger Stimme.
Peter drehte sich wieder zu der riesigen Frontscheibe herum und atmete kurz und hektisch.
Das Supergate wurde immer größer. Schon jetzt besaß es, im wahrsten Sinne des Wortes, gigantische Dimensionen. Und es wurde immer größer, je näher sie kamen.
Dann weiteten sich seine Augen wieder. Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle.
Dorn drängte sich an seine Seite, sah jetzt ebenfalls hinaus, um sich stocksteif aufzurichten.
"Es wird aktiviert!"
"Sie fliegen, Doc. Jetzt!" Dorns Stimme klang noch tiefer als sonst, mit einem leichten Timbre.
"Aber ich bin noch nie geflogen!" entgegnete der junge Wissenschaftler.
"Dann werden Sie es lernen!" herrschte der Marine ihn plötzlich an.
"Was ist los?" fragte eine dritte Stimme aus der Kabine des kleinen Gleiters.
Peter und Dorn wechselten einen Blick, und plötzlich kam hektische Betriebsamkeit in sie beide. Der Marine ließ sich auf dem Copilotensitz nieder, der junge Wissenschaftler schlüpfte auf den Platz, den die Antikerin vorher eingenommen hatte.
"Wenn ich irgendetwas kaputt mache, werden Sie das dem Major erklären", sagte Peter, griff nach den beiden kleinen Steuerelementen.
"Nur ruhig. Bringen Sie uns hier weg, ehe ein Unglück geschieht", entgegnete Dorn. Doch noch immer war da ein nervöser Unterton in seiner Stimme, den jemand, der den Marine inzwischen so gut kannte wie Peter Babbis, deutlich wahrnehmen konnte.
Der junge Wissenschaftler kniff die Lippen fest aufeinander und konzentrierte sich auf das, was er tun mußte: Fliegen!

***

Als Vashtu Uruhk die Augen wieder öffnete, starrte sie nicht mehr aus dem Frontfenster eines Puddlejumpers, sondern aus dem eines wesentlich größeren Schiffes. Eines Schiffes, das sie sogar kannte, ging ihr einen Moment später auf, als sie endlich die Hände sinken ließ und sich aufrichtete und umdrehte.
"Major Uruhk, wie es aussieht, haben wir Sie gerade noch rechtzeitig da herausgeholt." Colonel Caldwell lächelte sie an.
Vashtu versteifte sich, sah erst nach rechts, dann nach links, drehte sich noch einmal zu dem großen Fenster und starrte hinaus.
Das Supergate, auf das sie gerade noch zugerast war, schob sich aus der Schwärze des Weltalls, doch von hier wirkte es auf sie lange nicht so bedrohlich wie noch vor einigen Minuten. Wenn sie ganz genau hinsah, meinte sie sogar, den winzigen Flecken des Jumpers ausmachen zu können, der immer noch auf das gewaltige Tor zuraste.
"Major? Sollten Sie ... Wo haben Sie Ihre Uniform?"
Vashtu blinzelte, drehte sich wieder zum Kommandoposten um und starrte Caldwell groß an. „Wo sind meine Männer?" fragte sie endlich.
Der Colonel blinzelte irritiert. „Ihre Männer, Major?" fragte er.
Vashtu nickte. „Sie waren mit mir in dem Jump..." Sie drehte sich wieder zu dem Frontfenster um und sog scharf Luft in ihre Lungen. „Sie sind immer noch da drin!"
"Major Uruhk, wovon reden Sie? Wie sind Sie mit einem Puddlejumper bis hierher gekommen? Und was sollte dieser Notruf?" Caldwells Stimme klang etwas schärfer.
Vashtu drehte sich wieder um, erwiderte seinen Blick. „Ich bin nicht mit einem Jumper bis hierher gekommen, wir haben ihn gefunden - auf P7X-998! Und dort wurden wir ... ein Prior tauchte dort auf. Wir hatten Mühe, den Gleiter überhaupt in die Luft zu kriegen. Die Steuerung ist so gut wie defekt, ganz zu schweigen davon, welche Probleme wir hatten, überhaupt die Triebwerke starten zu können."
Caldwells Brauen schoben sich bei diesen Worten immer mehr zusammen. Er wechselte einen Blick mit seinem Navigator. „Dann kommen Sie nicht aus Atlantis?" fragte er.
Sie winkte ab. „Mein Dienst ist dort beendet für diesen Monat. Holen Sie meine Männer da heraus, Colonel!" Vashtus Stimme gewann an Schärfe.
Caldwell sah sie einen Moment lang durchdringend an. „Und wo kam dieser Puddlejumper her?"
Vashtu holte wieder tief Atem, ballte die Hände zu Fäusten. „Das weiß ich nicht!" Ihre Stimme bebte leicht bei diesen Worten. „Holen Sie endlich meine Männer da heraus, ehe sie ... Der Jumper hielt direkt auf das Tor zu, verdammt! Wenn Sie sie nicht hierher holen, werden sie daran zerschellen!"
Wieder tauschte Caldwell einen Blick mit seinem Navigator. „Das können wir nicht. Der Jumper ist inzwischen außer Reichweite."
Vashtu biß die Zähne fest aufeinander, trat einen Schritt näher. „Dann fliegen Sie wieder in Reichweite, verdammt! Ich werde nicht dastehen und zusehen, wie mein Team stirbt, Colonel! Tun Sie endlich etwas!"
Caldwell richtete sich auf und starrte sie durchdringend an. „Major, ich glaube, Sie vergessen sich!" Allmählich klang auch er mühsam beherrscht. „Wir können nicht näher an das Supergate heran, verstehen Sie? Wir sind auf dem Weg nach Atlantis."
"Toll! Trotzdem können Sie doch wohl kurz einige Meilen vom Kurs abweichen und SG-27 retten!"
"Major, ich warne Sie!" Wieder versuchte Caldwell, sie niederzustarren, doch Erfolg hatte er keinen zu verzeichnen. „Wir haben eine Meldung an die Erde abgesetzt, um ihnen wegen des Supergates Bescheid zu geben. Wir warten auf Antwort."
"Das können Sie auch, wenn Sie eine Rettungsmission durchführen", widersprach die Antikerin.
Caldwell beugte sich vor. „Major, ich warne Sie das letzte Mal. Wir werden gar nichts tun, ehe wir nicht einen, wie auch immer lautenden Befehl von der Erde haben."
Vashtus Kiefer mahlten, in ihren Augen lag kalte Wut. „Dann frage ich eben Hermiod!" Damit wandte sie sich ab und marschierte strammen Schrittes von der Brücke.
Caldwell fluchte, stand dann auf und folgte ihr.

***

Einige Minuten später betrat die Antikerin die technische Station, hielt sofort auf den Asgard zu, der hinter seinem Pult stand und einige Eingaben vornahm.
Der kleine Außerirdische sah auf, als er ihre Schritte hörte. „Willkommen, Vashtu Uruhk", begrüßte er sie.
Vashtu wischte diese Worte mit einer entschiedenen Geste zur Seite. „Was fällt dir ein, mich aus dem Jumper zu beamen und mein Team dort zurückzulassen?" fuhr sie ihn an, während sie noch das Funkgerät an ihrem Ohr befestigte.
Ein lautes Hicksen hinter ihr ließ sie kurz den Kopf drehen.
"'tschuldigung." Dr. Novak grinste verschämt, hickste wieder.
"Das Transportsystem scheint einen Fehler aufzuweisen, Vashtu Uruhk", antwortete der Asgard jetzt endlich. „Ich konnte nicht mehr als deine Signatur lesen."
Die Antikerin drehte sich wieder zu ihm um und funkelte ihn an. „Soll das ein Scherz sein?" fragte sie mißtrauisch, begleitet von einem weiteren, unterdrückten Schluckauf.
Hermiod blinzelte zweimal. „Nein, ich fürchte nicht. Ich arbeite im Moment an einer Neueinstellung des Systems. Dabei ist mir wohl ein Fehler unterlaufen."
Vashtu stützte sich mit beiden Händen auf sein Kontrollpult und funkelte ihn an. „Dann such den Fehler und mach ihn rückgängig. Meine Leute rasen auf ein Supergate zu. Und laut dem Kurs, den ich habe berechnen lassen, werden sie in eines der Verbindungselemente knallen."
Wieder ein Hicksen.
"Major Uruhk!"
Vashtu sah auf, sich noch immer schwer auf das Pult stützend. „Colonel Caldwell?" fragte sie mit kalter Stimme.
Hermiod tastete auf seinem Panel herum.
"Ich war noch nicht fertig mit Ihnen, Major. Solange Sie hier an Bord sind, werden Sie meinen Befehlen gehorchen, haben Sie das verstanden? Ich bin der Kommandant. Offensichtlich hat Ihnen im SGC noch niemand so richtig erklärt, was Sie zu tun und zu lassen haben, treffen Sie auf einen ranghöheren Offizier!"
Der Schluckauf von Novak wurde deutlicher, die einzelnen Hickser folgten jetzt direkt aufeinander.
Vashtu richtete sich wieder auf und begegnete Caldwells Starren mit kalter Miene. „Solange ein Offizier meine Anerkennung verdient, werde ich mich ihm beugen, Colonel. Aber was Sie hier gerade tun ... Sie riskieren das Leben von drei guten Männern! Das werde ich nicht übergehen. Wenn ich etwas tun kann, werde ich das auch tun, verdammt!"
"Ich lasse meine Autorität von Ihnen nicht untergraben, Major. Von Ihnen erst recht nicht!"
Dr. Novak drückte sich an der Antikerin vorbei und nahm Deckung hinter dem Pult des Asgard.
"Es ist mir vollkommen gleichgültig, was Sie denken, das ich tue oder nicht. Ich werde meine Männer da herausholen, Colonel, ob es Ihnen nun paßt oder nicht!" Vashtu fuhr herum und schlug mit der flachen Hand auf das Pult. „Mach zu, Hermiod! Sonst lasse ich dich nie wieder beim Schach gewinnen!"
"Colonel?" flüsterte plötzlich eine Stimme in ihrem Ohr.
Vashtu richtete sich stocksteif auf, sah zu dem Kommandanten der Daedalus hinüber. Auch der stand da und lauschte. Offensichtlich hatte man entweder die Leitung offen gelassen oder sie dummerweise ein Funkgerät erwischt, das auf dem gleichen Kanal wie seines lief.
"Was gibt es?" Caldwell drehte sich um.
Vashtu holte tief Atem, sagte aber nichts.
"Das Supergate wird gerade aktiviert", antwortete die Stimme in ihrem Ohr.
Vashtus Augen weiteten sich entsetzt. „Ist der Jumper noch immer auf Kurs?" fragte sie dann, nachdem sie auf den Ohrstecker getippt hatte.
Caldwell wirbelte mit funkelnden Augen zu ihr herum.
"Sir?" fragte die Stimme.
Sie erwiderte sein erneutes Starren, dann kam ihr plötzlich ein Gedanke. Sie richtete sich auf, biß sich ungeduldig auf die Lippen.
"Sie haben die Frage gehört." Caldwell hatte tief Luft geholt, ehe er ihre Worte zuließ.
Vashtu ging jede Wette darauf ein, daß er der Meinung war, sie habe sich absichtlich ein Funkgerät gegriffen, das auf seinem Kanal lief.
"Ja, Sir, Mam, der Puddlejumper hält immer noch auf das Tor zu. Laut dem berechneten Kurs hat der Major recht. Der Jumper wird auf eines der Verbindungsglieder treffen. Allerdings ... wird wahrscheinlich vorher der Schild des Tores diesen entweder abprallen oder ... zerschellen lassen."
"Haben Sie Funkkontakt zum Jumper?" Vashtu drehte sich geschäftig wieder zum Pult um, hatte Caldwell vollkommen vergessen.
"Mam?" Die Stimme klang irritiert.
"Ich fragte, ob wir über Funk in Kontakt mit den restlichen Mitgliedern von SG-27 aufnehmen können", wiederholte sie ungeduldig ihre Frage, fing Hermiods Blick ein.
"Was haben Sie vor, Major?" fragte Caldwell hinter ihr.
"Ich ... wir haben das noch nicht versucht."
"Dann versuchen Sie es jetzt, Lieutanent!" befahl sie. „Und du kannst den Beamstrahl auf die Funkwellen ausrichten. Du hast das mindestens schon einmal getan, Hermiod!"
Der Asgard nickte. „Eine interessante Idee."
"Dann setz sie auch um!"
"Major Uruhk, wenn Sie ..."
Vashtu wirbelte wieder herum. „Ich lasse meine Männer nicht zurück, Colonel! Vielleicht kann der Jumper Schaden am Tor anrichten. Aber mein Team will ich dann wohlbehalten hier an Bord der Daedalus sehen."
"Sie werden hier keine Befehle geben, Major!"
Sie trat einen Schritt näher. „Wenn Sie es nicht tun, Colonel, werde ich das eben sein, ob es Ihnen paßt oder nicht! Einer muß die Verantwortung übernehmen."

TBC ...

22.05.2010

Das Angesicht des Feindes 1/4 IV

"Ich soll was?" Ratlos wechselte Peter mit Dorn einen Blick, drückte dann die Com-Taste. „Ich kann den Jumper nicht starten. Erst einmal weiß ich nicht wie, und dann scheint immer noch keine Energie in die Triebwerke zu fließen", meldete er.
Ein Fluch. „Der Prior ist hinter mir. Verdammt, konzentrieren Sie sich darauf, den Jumper in die Luft zu kriegen. Ich habe keine Ahnung, ob der die Kiste zerlegen kann!" Ihre Stimme klang gehetzt. „Der Kerl hat übersinnliche Kräfte."
"Das wissen wir." Peter nickte, wandte sich wieder seinem Pad zu und kontrollierte die Wartungsbucht in aller Eile.
Ein Prior, ausgerechnet! Als hätten sie nicht schon genug Schwierigkeiten mit dieser Energiesignatur über ihren Köpfen?

***

Vashtu hetzte wie ein Hase über das Feld, bog dann, als sie hoffte, in sicherer Entfernung zu sein, ab und warf sich flach auf den Boden.
Hoffentlich reichte es aus, daß sie den Prior in die falsche Richtung gelockt hatte. Noch mehr Zeit wollte sie nicht verlieren, vor allem, wenn es Peter noch immer nicht gelungen war, den Jumper in die Luft zu bringen.
Langsam richtete sie sich wieder in eine kniende Position auf und reckte den Hals. Erstaunt blinzelte sie, als sie den Prior weit hinter sich auf sich zumarschieren sah.
Der Kerl hatte wirklich keine Eile. Mußte sehr von sich überzeugt sein.
Irgendwie flößte ihr das jetzt doch Respekt ein. Auf der anderen Seite wußte sie, sie durfte ihn nicht zu dicht an sich herankommen lassen.
Sie kam wieder auf die Beine, eilte geduckt weiter, bis sie hoffte, außerhalb seines Blickfeldes zu sein, dann richtete sie sich auf und spurtete los.
Vielleicht hatten sie jetzt eine Chance, das Tor zu durchschreiten. Landry würde ihr ohnehin wieder einen Vortrag halten, daß sie sich dem Prior gestellt hatte. Die Ori sollten so lange wie möglich im Unklaren darüber gelassen werden, daß es sie gab.
Andererseits, es hatte auch nicht den leisesten Hinweis auf Priorenaktivitäten gegeben auf diesem Planeten. Mindestens drei Teams vor ihnen hatten die Energie, die der Jumper offensichtlich ausstrahlte, gemessen, und nicht eines der jeweiligen Mitglieder hatte etwas davon gesagt. Im Gegenteil war man im SGC der Meinung gewesen, daß dieser Planet sogar sehr sicher war, dadurch daß er so offensichtlich verlassen war.
Vashtu verlangsamte ihre Schritte etwas, als sie in die Nähe des Jumpers kam. Ihr Herz schlug ein wenig schneller, aber ihr Atem war normal geblieben bei ihrer Rennerei. Auch wenn sie auf der Erde keinen Sport aktiv ausübte, verfügte sie noch immer über eine erstaunliche Ausdauer.
Sie warf noch einen Blick über die Schulter, doch sie konnte nichts ausmachen. Dann joggte sie in die Büsche und setzte zu einem letzten, kurzen Spurt an. Ihre bestiefelten Füße knallten hart auf das Metall der Rampe, als sie sie hinaufjoggte. Sofort schloß sie die Heckklappe von innen, fühlte sich aber nicht einen Deut sicherer.
"Da sind Sie ja endlich!" Peter seufzte erleichtert.
Vashtu sah ihn starr an. „Fliegt er jetzt?"
Der junge Wissenschaftler starrte sie einen Moment lang an, dann schüttelte er den Kopf.
Vashtu stieß einen unterdrückten Fluch in ihrer Muttersprache aus, drängte sich an ihm und Wallace vorbei ins Cockpit und setzte sich wieder auf den Pilotensitz.
Als sie sich konzentrierte, sprangen dieses Mal zumindest die holografischen Anzeigen an. Zumindest etwas, wie sie seufzend feststellte.
"Machen Sie schneller, Peter. Ich weiß nicht, wieviel Zeit uns noch bleibt. Der Kerl war mir auf den Fersen", rief sie nach hinten, erntete nun ihrerseits eine wahre Kanonade an Flüchen.
"Wenn ich wüßte, was ich tue, würde es wahrscheinlich wesentlich schneller gehen, verdammt!" herrschte Babbis sie schließlich an.
Dorn, der auf dem Co-Pilotensitz saß, grinste. Dann aber, nach einem Blick aus dem großen Frontfenster, fiel sein Gesicht regelrecht in sich zusammen.
Vashtu, die sich gerade wieder hatte erheben wollen, um ihrem Teammitglied zu Hilfe zu kommen, riß den Kopf herum und erstarrte.
Wie kam der denn so schnell hierher?
Der Prior kam den Pfad herunter, zielsicher hielt er direkt auf sie zu. Seinen Stab hatte er wieder zurück, das hatte sie vorher nicht wirklich wahrgenommen.
Vashtu fluchte, riß sich von dem Anblick los und stürzte nach hinten.
"Kleine, nichts unüberlegtes!" rief Dorn ihr nach.

***

Peter sah unwillig zu ihr hinunter, als Vashtu nach hinten kam. Er fühlte sich nicht wirklich überfordert, doch zumindest hätte er gern nähere Angaben zu dem gehabt, was er hier gerade tat. Aber, wie er kurz hatte sehen können, waren zumindest wieder die Anzeigen online, was ihn nun auch wieder ein wenig stolz machte.
"Was wollen Sie?" herrschte er sie an.
Vashtu schob sich an ihm vorbei, öffnete die nächste Klappe. „Versuchen Sie es hier. Hier stecken die Triebwerkskristalle. Und machen Sie, zum Kuckuck nochmal, schnell, Peter!"
"Ich kann so nicht arbeiten. Ich brauche Zeit!"
Die Antikerin funkelte ihn an und wollte nach dem Pad greifen.
In diesem Moment beugte Wallace sich vor. Der Agrarwissenschaftler saß als einziger auf einer der beiden Bänke, die sich die Längstseiten des Jumpers entlangzogen. „Oh mein Gott!" stieß er hervor und richtete sich unwillkürlich auf.
Das Verbindungskabel spannte sich, als Peter zurückgestoßen wurde von seinem Kollegen. Er sah, wie Vashtus Augen sich entsetzt weiteten. Ihm selbst blieb wirklich die Luft weg.
Er krachte unsanft gegen den anderen Sitz und ächzte, das Pad immer noch mit beiden Händen umklammert. Und hinter ihm klirrte etwas auf den Boden.
"Der Prior!" stieß Wallace entsetzt aus.
Peter starrte auf den Boden des Jumpers, hob dann langsam den Kopf und sah die Antikerin an. Auch Vashtu stand, mit blassem Gesicht, wie erstarrt da und sah auf das nieder, was einmal ein Datenkristall des Jumpers gewesen war.
"Die Kristalle sind erodiert!" stieß der junge Wissenschaftler schließlich hervor. „Sonst hätte der nicht zerspringen dürfen."
Vashtu holte tief Atem, dann nickte sie, drehte sich mit einem steifen Ruck um und beugte sich über die Sitze. „Helfen Sie mir. Wir brauchen den Antrieb - und das schnell!"
"Aber ... der Prior!" stieß Wallace hervor, erntete dafür einen mörderischen Blick aus zwei Paar Augen.
Peter richtete sich wieder auf und riß, nachdem er das Pad sorgsam auf dem Sitz deponiert hatte, an der Wandverkleidung, bis diese nachgab. Dahinter lagen die leuchtenden Kabel, die den Jumper mit Energie versorgten.
"Major!" rief Dorn von vorn.
"Gleich!" Vashtus Stimme klang ungeduldig. Sie beugte sich, an der Seite von Peter, dem ihre Nähe bewußter war als er zugeben wollte, über die Verbindungen.
"Eine ganze Menge", kommentierte er.
Sie nickte, richtete sich dann wieder auf und drückte auf einen Punkt nahe der Heckluke. Eine kleine Tür sprang auf. „Wechseln Sie die Kristalle in dem Abschnitt, den ich geöffnet habe", sagte sie. Ihre Stimme klang nun doch etwas gehetzt. „Und machen Sie so schnell Sie können. Nicht Schönheit, nur der Erfolg zählt. Der Prior ist hinter mir her."
Sie drückte sich wieder an ihm vorbei, noch ehe er ihre Worte richtig verarbeitet hatte.
Peter schob Wallace unwillig auf die Bank zurück, richtete sich dann auf und begann, in Windeseile, die Kristalle zu kontrollieren.

***

Vashtu beugte sich über die Konsolen und starrte an Dorns Seite nach draußen.
"Der kommt immer näher. Und der Stab ..." Der Marine brach ab.
Vashtu nickte stumm, auch sie konnte es sehen. Der Stab, den der Prior mit sich führte, leuchtete. Allmählich ging ihr auf, daß sie sich geirrt hatte, was die Funktion dieses Hilfsmittels betraf. Der Prior würde nicht kämpfen, er hatte etwas ganz anderes vor. Und sie wollte schon nicht mehr auf diesem Planeten sein, wenn er seinen Plan in die Tat umsetzte.
Sie glitt auf den Pilotensitz, startete wieder die Anzeigen und wühlte sich durch die Dateien. Ihr Herz blieb fast stehen, als der AI-fähige Rechner des Jumpers ihr die letzte Meldung übermittelte. „Keine Drohnen mehr!" Sie ächzte, drehte sich um. „Peter, machen Sie schneller!"

***

Peter knurrte etwas unwilliges, drückte Wallace einen der Kristalle in die Hand. „Knall ihn irgendwo gegen", befahl er mit harter Stimme.
"Was?" Wallace sah ihn groß an.
"Schlag ihn gegen die Wand, verdammt! Ich muß wissen, ob er noch funktioniert", herrschte er seinen Kollegen an.
Wallace blinzelte, tat aber, was ihm aufgetragen worden war, wenn auch sehr sanft.
Peter schüttelte unwillig den Kopf. „So fest du kannst, James! Wir haben keine Zeit mehr!" Kurz warf er einen Blick durch die Öffnung ins Cockpit.
Wallace atmete tief ein, holte Schwung und knallte den Datenkristall so hart wie möglich gegen die Verkleidung. Er hielt.
Befriedigt nahm Peter ihm das Speichermedium wieder ab und schob es in seine Halterung. „Versuchen Sie es jetzt!" rief er nach vorn und drehte sich um.
Stotternd nahmen die Triebwerke ihren Dienst auf. Der Jumper ruckelte unwillig auf der Stelle.
Peter atmete tief ein, schloß die Klappe und hielt sich dann irgendwo fest, den Blick noch immer auf die große Frontscheibe geklebt.
Wieder stotterten die Triebwerke. Er hörte die Antikerin fluchen und preßte die Kiefer fest aufeinander. „Mach schon, du dämliche Kiste!" stieß er endlich hervor.
Eine Sekunde später hob der Puddlejumper endlich vom Boden ab.
Peter atmete auf und ließ sich auf den Sitz, Wallace gegenüber, sinken.

***

Vashtu kämpfte mit dem intelligenten Gleiter, dessen Triebwerke immer wieder ihren Dienst versagen wollten. Sie führte ihnen mehr Energie zu, während sie versuchte, an Höhe zu gewinnen. Sie mußten hier weg, und das so schnell wie möglich. Sie biß sich auf die Lippen, als das Gerät unter ihr wegsacken wollte, gab noch mehr Schub.
Endlich schien die künstliche Intelligenz zu begreifen, was geschah. Vashtu fühlte die leisen, fragenden Finger in ihrem Hirn. Und endlich setzte der Gleiter sich in Bewegung und schoß in den Himmel hinauf.
Sie ließ sich erleichtert in den Sitz zurücksinken.
"War knapp", kommentierte Dorn trocken und klopfte ihr auf den Arm.
Sie nickte und atmete aus.

***

Peter erhob sich einige Minuten später wieder, als Dorn nach hinten kam, drängte sich an dem Marine vorbei und betrat das Cockpit.
"Machen Sie das nie wieder!" herrschte er die Antikerin an. „Ich kann unter Druck nicht arbeiten."
Sie warf ihm einen halben Blick zu und begann zu grinsen. „Dafür haben Sie sich aber sehr gut geschlagen", entgegnete sie.
Erst jetzt ging ihm auf, wo sie sich befanden. Er beugte sich über ihren Sitz, stützte die andere Hand auf die Kante des DHDs und staunte. „Wow!"
Vashtu nickte lächelnd. „Ich hoffe nur, der Prior braucht zumindest Luft zum Atmen. Wenn der uns hinterher kommt, haben wir wirklich ein Problem."
Peter starrte hinaus in die Schwärze des Alls. Die Sterne leuchteten hier nicht mit der gleichen Intensität wie auf den Planeten, die er bis jetzt besucht hatte. Und sie schienen auch weiter entfernt zu sein. Die Sonne, gegen die er vor weniger als einer halben Stunde hatte anblinzeln müssen, gab bei weitem nicht so viel Licht ab hier. Alles schien in Finsternis getaucht. Die näheren Planeten zeichneten sich als Halbmonde in dieser Schwärze ab.
Er wurde erst wieder aufmerksam, als Vashtu begann, an einer bestimmten Anzeige zu arbeiten. Die Darstellung des Hologramms änderte sich. Mit dem bißchen Antikisch, das er sich inzwischen angeeignet hatte, konnte er nicht wirklich lesen, was da stand. Doch irgendwie beruhigte ihn die Anzeige, denn weder blinkte sie, noch leuchtete sie in irgendeiner Signalfarbe.
"Hier SG-27, Major Uruhk. Falls mich jemand hören kann, wir sind auf der Flucht vor einem Prior in einem defekten Puddlejumper unterwegs. Mayday! Mayday! Irgendein Schiff in der Nähe?" Vashtu sank in ihren Sitz zurück und aktivierte offensichtlich irgendetwas.
"Was tun Sie da?" Peter beugte sich vor und verfolgte die nächste Meldung.
"Ich setze einen Notruf ab, Peter. Die Steuerung des Jumpers ist defekt." Sie hob die Hände von den Kontrollen und fuhr sich mit ihnen durch ihr kurzes, verstrubbeltes Haar.
Peter nickte und kniff die Lippen zusammen. „Das kriegen wir nicht wieder hin, denken Sie?"
"Ich kann nicht umdrehen, und von den anderen Planeten dieses Systems wissen wir nichts." Sie schüttelte den Kopf. „Um an die Steuerung zu kommen, müssen wir nach draußen. Schlechter Gedanke, glauben Sie mir. Mehr als vielleicht ein oder zwei Minuten halte selbst ich das nicht aus."
Seine Augen wurden groß. Mit einem Ruck senkte er den Kopf und starrte sie an. „Sie können im All überleben?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich und nicht lange", antwortete sie. „Und ich darf nicht in der Nähe irgendeiner großen Anziehungskraft geraten, die meinen Körper zerquetschen könnte. Aber so ... wie gesagt, ein oder zwei Minuten." Sie blickte zu ihm hoch und lächelte. „Gute Arbeit! Wenn wir wieder auf der Erde sind, werde ich Landry bitten, mir einen Puddlejumper zu leihen und Ihnen beibringen, wie man damit fliegt."
Peter lachte bitter auf. „Das brauche ich nicht wirklich."
Vashtu senkte den Blick wieder, und erstarrte. Entgeistert beugte sie sich vor. Alles Blut schien aus ihrem Gesicht gewichen zu sein. „Oh nein!" keuchte sie entsetzt.
"Was?" Peter blickte nun auch wieder auf. Seine Augen wurden groß. „Mein Gott!" stöhnte er.
Da draußen, in der Schwärze des Alls, hing wie festgeklebt ein gewaltiges Rund aus Metall. Von hier aus sah es noch klein und unscheinbar aus, doch das täuschte, wie er wußte.
"Ein Supergate! Das wollte der Prior auf dem Planeten!" keuchte er, beugte sich weiter vor.
Der Jumper hielt genau auf das Gate zu. Mit jeder Sekunde wurde es größer und größer. Allmählich begann er, die wirklichen Dimensionen zu erahnen.
Ein greller Lichtschein ließ ihn blinzeln, ein eigenartiges Geräusch zirpte in seinem Ohr, doch er kümmerte sich nicht wirklich darum. Er starrte weiter auf das, was da auf sie zukam.
"Was machen wir jetzt?" fragte er schließlich und blickte wieder hinunter ... auf einen leeren Sitz.
Vashtu Uruhk war verschwunden!

Fortsetzung in Teil 2