5. Tag:
„Alles abflugbereit?"
Danea blickte etwas irritiert auf und sah einen sehr munteren, wenn auch recht besorgt wirkenden Lieutenant Markham hinten aus dem Jumper blicken. „Ich ... Ja, wir sind bereit", antwortete er, als er kurz in die Gesichter seiner beiden Begleiter gesehen hatte.
„Gut, dann bitte einsteigen, die Herrschaften." Markham versuchte sich an einem Lächeln, doch es wirkte gezwungen.
Danea richtete sich auf und schulterte seine letzte Tasche. Die Tasche mit dem kostbaren Inhalt, das wichtigste, neben der Eignung dieses Mondes für die Landwirtschaft.
Die beiden anderen Erethianer bestiegen vor ihm den kleinen Gleiter. Nachdenklich folgte Danea ihnen, drückte dann auf die Handsteuerung für die Heckluke und ging nach vorn in das Cockpit.
Markham saß bereits an den Kontrollen und ging offensichtlich noch irgendwelche Meldungen des Jumpers durch, dann begannen die Maschinen leise zu summen.
„Es war ein wirklich ereignisreicher Tag, nicht wahr?" Danea lächelte den jungen Militär aufmunternd an.
Markham nickte. „Diese ganze Expedition war ereignisreich", antwortete er. „Und wohl auch ziemlich einträglich, oder? Immerhin wissen wir jetzt, was wir wissen wollten."
„Stimmt." Danea nickte, warf noch einen Blick nach unten, ehe sie Atmosphäre des Mondes endgültig verließen. Ein eigenartiges Gefühl machte sich in ihm breit, doch er schwieg.
„Ich mache mir Sorgen. Wenn Babbis am Ende noch durchdreht ... Jedenfalls hoffe ich, du kannst das verstehen." Markham warf ihm wieder einen Blick zu.
Danea nickte. „Ich verstehe, und ich teile deine Gefühle", antwortete er. „Aber dennoch haben wir etwas gutes bewirkt."
„Das steht noch zu hoffen." Markham seufzte und schlug den Kurs für den Rückflug nach Erethia ein.
***
89. Tag
Nachtrag:
Es steht zu hoffen, daß Markham und seine Expedition 7x204899 Die Sache mit Stross geht gut. Ich weiß nicht ... Dämmliche Berechnungen, nie stimmen sie so, wie ich sie haben will!
Was ich sagen wollte ist, daß diese Sache allmählich zur Ruhe kommt. Williams ist ein Trottel! Welche Auswirkung auf das Raum-Zeit-Kontinuum hat ein Wurmloch in eine andere Dimension? Ich denke, der Kaffe ist kalt, es sollte kein neuer aufgebraucht werden.
Vashtu Uruhk bleibt beim Schach. Ich meine, die Sache ist ein Devi. Und wenn ich die SG-Teams sehe, die sie verteilt hat, schaue ich auf Türme. Die PKs sind harmlose Kisten. Sie können lkµolm,öckvlä#äaögfdµztrkjcbvhgfdäldfg,cv.bm---zhtgd,f
Zur gleichen Zeit:
„Ein Jumper kommt!" Walshs Stimme klang aufgeregt.
Anne atmete erleichtert auf und stieg in den Lift, vor dem sie gerade gestanden hatte, um zu ihrem Quartier zu kommen. Doch jetzt war ihr Ziel ein anderes.
„Sagen Sie Markham, daß ich ihn auf der Stelle sprechen muß", sagte sie in ihr kleines Mikrofon. „Williams meinte, je eher er von diesem Planeten kommt, desto besser. Wenn Markham etwas wacher als Babbis ist, könnte er diesen Flug vielleicht übernehmen."
Keine Antwort.
Anne stieg stirnrunzelnd aus dem Lift und ging mit strammen Schritten den Gang hinunter. „Miss Walsh?" fragte sie schließlich. „Andrea, stimmt etwas nicht?"
„Ich ... äh ..." meldete die andere sich unversehens wieder. „Ich denke, das wird Sie interessieren, Dr. Stross."
Anne schüttelte verständnislos den Kopf. „Was ist los?"
„Es ist nicht Markham", antwortete Walsh nach einer Weile.
Anne stockte kurz in ihrem Schritt. „Was?"
Aber wer sollte sonst einen Puddlejumper nutzen? Und wie? Es gab schließlich nur drei ATA-Träger im näheren Umfeld. Einer von ihnen lag jetzt hoffentlich endlich in seinem Bett und holte den Schlaf der vergangenen vier Tage nach, der zweite befand sich vielleicht endlich auf dem Rückflug hierher und die andere saß in der Prometheus fest.
Anne schüttelte den Kopf, als sich eine leise Hoffnung in ihren Geist schleichen wollte. Sie beschleunigte ihre Schritte unwillkürlich und fühlte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann.
Das Schott der Pyramide schloß sich gerade wieder. Doch im Seitenelement öffnete sich dafür eine kleine Tür. Und aus dieser Tür kam ... ein kleines grauhäutiges Wesen, das sich mit großen Augen umsah.
Anne stockte im Schritt.
Ein ... der ... Heimdahl?
Das Interesse des Asgard richtete sich auf sie. Mit einer gemessen erscheinenden Geste neigte er den Kopf. Da kam eine zweite Gestalt aus dem Inneren der Pyramide.
Anne holte tief Atem, konnte einfach nicht glauben, was sich da vor ihren Augen abspielte. Und dennoch ...
„Dr. Stross, ich hoffe, Sie haben ein gemütliches Plätzchen für unseren neuen Freund und mich. Nach Möglichkeit einen, der abgeschirmt ist. Wir haben von Pendergast einen Jumper ... geliehen." Major Vashtu Uruhk grinste spitzbübisch und winkte mit dem Daumen in Richtung des Base. „Übrigens haben wir noch das eine oder andere mitgebracht, was vielleicht nützlich sein könnte."
Anne blinzelte noch immer ungläubig, dann begann sie das breite Grinsen mit einem erleichterten Lächeln zu erwidern.
Die Antikerin war wieder in Vineta!
ENDE
29.01.2012
22.01.2012
Aus dem Tagebuch eines Genies VIII
Was tatsächlich geschah:
Anne blickte auf, als sich die Tür zu ihrem Büro öffnete. Ein beinahe mütterliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sah, wer sich da Zutritt verschafft hatte.
„Dr. Babbis, ich hoffe, Sie hatten eine ruhigere Nacht als ich.", begrüßte sie ihren unverhofften Gast. Doch bereits ein Blick in dessen Gesicht, verhärmt wirkend und mit dunklen Schatten unter den Augen, beantwortete ihre Frage mehr als ausreichend.
Es wurde wirklich Zeit, daß Markham von seiner Expedition zurückkehrte, wurde ihr wieder klar. Babbis würde über kurz oder lang einfach umkippen, wenn er seine Tätigkeiten nicht etwas zurückschraubte. Er sah ja jetzt schon fast aus wie ein lebender Leichnam. Irgendwann, wenn nicht einer der beiden anderen ATA-Träger zurückkehrte, würde er vielleicht sogar noch Vineta in die Luft jagen mit seinen Forschungen an den Planetenkillern.
Babbis ließ sich schulterzuckend nieder, gähnte hinter vorgehaltener Hand. „Es wird gehen", nuschelte er und blinzelte.
Anne nickte nachdenklich und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. „Ich wollte Ihnen noch danken für Ihre Hilfe gestern. Ohne Sie hätte es wesentlich mehr Tote gegeben. Ich hoffe, das ist auch Ihnen klar."
„Wir brauchen einen Medizinmann." Babbis rieb sich ein Auge hinter der Brille. „Diese Antiker-Geräte zu benutzen ist anstrengend."
„Kann ich mir vorstellen." Anne lächelte mitfühlend.
Wenn er doch nur nicht so eine Nervensäge wäre - nun ja, zumindest meist. Heute schien er relativ umgänglich. Vielleicht einfach die Tatsache, daß er übermüdet war, vielleicht aber auch wurde ihm klar, daß es so nicht mehr lange weiterging.
„Ich kann Ihnen mitteilen, daß Lieutenant Markham bald zurückkehren wird", sagte sie. „Die Erforschung des Mondes ist so gut wie abgeschlossen. Er wollte eigentlich heute schon zurückkehren, aber es hatte sich da etwas ergeben, daß mich etwas unruhig werden ließ. Aber er wird spätestens in zwei Tagen zurück sein."
Babbis blickte fragend auf. „Sind Sie mit mir nicht zufrieden?" fragte er ungläubig.
„Doch, selbstverständlich." Anne lächelte wieder. „Aber ich sehe auch, daß dieser zusätzliche Dienst Ihnen sehr zusetzt. Außerdem halten ich es für besser, wenn Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren und nur im Notfall einspringen. Sie müssen doch selbst zugeben, daß dies jetzt nicht gerade der beste Umstand ist, oder?"
Er zuckte mit den Schultern. „Irgendetwas von ... der Prometheus?" Eine leise Hoffnung schlich sich in seine müden Augen bei diesen Worten.
Annes Lächeln verlosch. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Leider nein, tut mir leid. Nach meinen Informationen, die wir mittels der Planentenüberwachung der Antiker gewinnen, wird an dem Schiff gearbeitet. Ich kann nur hoffen, daß es Major Uruhk und auch den restlichen Leuten gelingt, sich abzusetzen, ehe die Prometheus startet. Wir brauchen jeden einzelnen von ihnen."
Babbis senkte betreten den Blick wieder, starrte leer auf ihren Schreibtisch.
Anne seufzte. „Ich möchte Sie heute nicht allzu sehr herumscheuchen, Dr. Babbis", wechselte sie das Thema. „Sergeant Williams möchte es noch einmal auf P1V-121 versuchen. Ich habe bereits mit ihm gesprochen. Er ist damit einverstanden, wenn Sie sein Team dort aussetzen und eine halbe Stunde warten. Dann aber kehren Sie zurück hierher. Nach sieben Stunden können Sie ihn abholen. Er meint, seine Leute würden solange durchhalten, selbst wenn sie auf Widerstand stoßen."
„Ich soll zurückkommen?" Babbis' Augen weiteten sich. „Aber ... warum?"
Anne seufzte wieder, lehnte sich zurück. „Weil mich das gestrige Szenario doch etwas unruhig gemacht hat, Dr. Babbis. Ich möchte, daß Sie, wenn Sie wieder in der Stadt sind, mit einem Sicherheitsteam die bewohnten und erreichbaren Bereiche absuchen und eventuelle Geräte, die uns gefährlich werden könnten, abschalten."
„Antikergeräte? Abschalten?" Ein höhnisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Sagten Sie gerade, ich soll Geräte der Lantianer abschalten?"
„Ich weiß, das wird vielleicht nicht ganz einfach", gab Anne zu. „Aber im Moment sehe ich keine andere Möglichkeit. Entweder Sie schalten die Energiefresser ab oder Sie lassen die betreffenden Gebäude oder Räumlichkeiten durch das Sicherheitsteam versiegeln."
„Versiegeln hört sich schon vernünftiger an." Babbis nickte nachdenklich.
„Falls Sie noch etwas Zeit erübrigen könnten, wäre die Reparatur des Tores ebenfalls ziemlich dringend. Sie haben recht, das Loch scheint bei jeder Einwahl zu wachsen", fuhr Anne fort.
Wieder ein ungläubiges Blinzeln. „Wirklich?" Er klang jetzt tatsächlich erstaunt.
Die Leiterin der verbotenen Stadt nickte. „Ja, wirklich. Miss Walsh und ich haben uns das ganze gestern noch einmal angesehen und einige Probeläufe gestartet. Der Krach wird immer stärker und das Einschußloch wächst, als würden winzige Teile des Naquadah bei jeder Etablierung in den Ereignishorizont gezogen."
Babbis rieb sich über das Gesicht, begann dann an seinem Ohrläppchen zu zupfen, eine Eigenart, die sie immer sehr irritierte.
„Möglicherweise haben Sie recht", befand er dann. „Die Energie, die durch ein Wurmloch entsteht, ist enorm. Dummerweise hat der Schütze, der für dieses Loch verantwortlich ist, genau die richtige Stelle getroffen. Bei jedem Wurmloch liegt es halb im Ereignishorizont."
Anne nickte und wartete geduldig. Sie war sicher, sie würde gleich einen Babbis erleben, wie ihn sonst nur Major Uruhk kannte, zumindest in dieser Dimension.
„Ich kann das nicht richtig im Kopf berechnen, aber wenn wir weiter so unverantwortlich oft das Tor benutzen, könnte es wirklich recht bald geschehen, daß wir aus dem Netzwerk wieder herausrutschen - oder vollkommen hineingezogen werden. Wenn das Wurmloch sich weiter ausdehnen und den gesamten Torraum miteinbeziehen kann, werden wir der Lage nicht mehr Herr werden. Und das bedeutet ... wir brauchen dringenst ein neues Sternentor. Vashtu, Verzeihung, Major Uruhk hat sich da wohl geirrt mit ihrer etwas unkonventionellen Art, das Loch zu verstopfen. Stahl ist nicht dazu gemacht, den Energien eines Wurmloches standzuhalten. Entweder wir finden reparaturfähiges Naquadah, das nicht angereichert wurde, oder ein neues Sternentor."
„Nun, wie auch immer. Wir sind im Moment wirklich auf das Gate angewiesen. Ich denke, das wissen Sie selbst auch. Oder möchten Sie länger als nötig von den Nährungsbreien abhängig sein."
Unwillig verzog Babbis das Gesicht, drehte sich dann um und starrte durch die großen Fenster nach draußen. „Wenn wir besser an das Loch herankämen, könnten wir es jederzeit wieder stopfen. Aber leider verfügt keiner von uns über die Fremdgene von Major Uruhk. Ihr dürfte es ein leichtes sein, den Prozeß zumindest etwas aufzuhalten."
„Ich vertraue da im Moment ganz auf Sie, Dr. Babbis. Wenn Sie möchten, können Sie ein Team zusammenstellen aus unseren Physikern, die Ihnen helfen", schlug Anne vor.
Babbis' Kopf ruckte zu ihr herum. „Sie wollen, daß ich ... ein Forschungsteam leite?" Schierer Unglauben lag in seiner Stimme.
Anne lächelte. „Machen Sie sich daran und holen sich die, die Sie brauchen, Dr. Babbis. Wie gesagt, wir brauchen das Tor."
***
Nachdem er Stross' Büro verlassen hatte, zögerte Peter. Eigentlich sollte er sofort zur Jumper-Base und Williams' Team so schnell wie möglich auf dem Planeten absetzen. Andererseits aber fühlte er sich schlapp wie nie zuvor in seinem Leben. Selbst Kaffee, nicht das es davon in Vineta viel gegeben hätte, zudem hielt die Leiterin über die mageren Vorräte, die Vashtu und Markham aus der Prometheus besorgt hatten, ihre Hand, half nicht mehr wirklich weiter. Aber vielleicht ...
Peter wandte sich in Richtung Krankenstation und marschierte los. Vielleicht hatte er ja Glück und diese Schwester Claudia hatte gerade Dienst. Sie würde ihm sicherlich etwas geben können, das ihn auch weiterhin wach hielt.
Erst als er schon auf halbem Weg die Treppen hinauf war, fiel ihm ein, daß er auch hätte einen der Lifte benutzen können. Irgendwie schien sein Gehirn auch nicht mehr zu arbeiten, wie es sollte, ging ihm auf. Andererseits würde ein bißchen Bewegung auch sicher ein bißchen guttun nach den vielen sitzenden und stehenden Tätigkeiten der vergangenen Tage. Auf jeden Fall meinte er, sich etwas munterer zu fühlen.
Schwester Claudia war nicht im Dienst, wie Peter schnell feststellte, nachdem er schließlich durch die Tür getreten war. Er fand nur diesen Oberpfleger, zumindest hielt der sich wohl für einen solchen, namens Marc, wenn er sich nicht irrte.
„Doc, was kann ich für Sie tun?" erkundigte der sich. In seinem Gesicht spiegelte sich eine durchwachte Nacht und auch der gestrige Tag noch deutlich wider.
„Ich brauche etwas, womit ich mich wach halten kann." Peter versuchte, sich so autoritär wie möglich zu geben, richtete sich auf und kreuzte die Arme vor der Brust.
Der Pfleger sandte einen langen Blick in Richtung der schmalen Betten, die zu einem gewissen Teil tatsächlich wieder leer waren.
„Ich muß arbeiten!" setzte der junge Wissenschaftler hinzu.
„Sie müssen auch einmal schlafen", entgegnete Marc bestimmt.
„Ich muß gleich Sergeant Williams und sein Team durch das Gate fliegen. Und wenn ich wiederkomme, habe ich einen eiligen Auftrag von Dr. Stross auszuführen. Ich habe keine Zeit, mich irgendwo hinzulegen. Also, ich brauche etwas, was mich wach hält."
Marc runzelte die Stirn, kreuzte nun ebenfalls die Arme vor der Brust. „Nicht von mir. Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, daß Sie sich hinlegen sollen. Wenn Sie das aus falsch verstandenem Stolz nicht tun, ist das nicht meine Sache."
„Falsch verstandener Stolz?" brauste Peter plötzlich auf. In ihm begann es zu brodeln. „Ich werde dringend gebraucht! Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, ich bin zur Zeit der einzige ATA-Träger, den wir haben! Ich kann es mir nicht leisten auszufallen! Also geben Sie mir schon endlich etwas!"
Der Pfleger musterte ihn wieder von Kopf bis Fuß, dann wandte er sich plötzlich ab und aktivierte sein Funkgerät.
Peter war kurz davor, vor Wut wirklich zu explodieren.
Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein? Jetzt glaubte er ihm nicht einmal? Das ging aber eindeutig zu weit!
Marc sprach leise in sein Funkgerät, warf ihm einige kurze Blicke zu und nickte immer wieder. Dabei verhärtete sich sein Gesicht immer mehr. Schließlich klopfte er wieder auf das winzige Gerät in seinem Ohr, drehte sich ganz Peter zu und nickte. „Also gut, kommen Sie mit", sagte er, wenn man seiner Stimme und seiner Haltung auch deutlich anmerkte, wie er tatsächlich zu dieser Sache stand.
Der junge Wissenschaftler blitzte ihn wütend an. „Habe ich es nicht gesagt?" fauchte er.
Marc ließ den Vorwurf an sich abprallen wie Wasser, marschierte zu einem kleinen Nebenraum und zückte einen Schlüssel. „Das ist das erste und letzte Mal", sagte er, während er die Tür öffnete. „Das nächste Mal stecke ich Sie in ein Bett."
„Das hätten Sie wohl gern, was?" brauste Peter auf.
Marc betrat den Raum, kehrte kurz darauf wieder zurück und hielt ihm eine kleine Schachtel mit Tabletten hin. „Mehr bekommen Sie von mir nicht. Die Spritzen rühre ich nicht an."
Peter warf dem Pfleger noch einen verächtlichen Blick zu, schnappte sich das Päckchen und rauschte davon.
Dem Kerl hatte er es aber gezeigt!
***
Williams und sein Team warteten tatsächlich bereits, als Peter um die Ecke kam, doch dieses Mal schien der Marine wesentlich ... milder gestimmt, woran auch immer das liegen mochte. Williams nickte ihm zu und wartete, bis er den Jumper betreten hatte, ehe er ihm folgte, wie auch der Rest der SG-Einheit.
Peter ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und konzentrierte sich. Kurz summten die Motoren, dann erlosch das Geräusch wieder. Statt dessen fuhr die taktische Hologrammanzeige hoch.
Der junge Wissenschaftler blinzelte, er konnte hören, wie die rechte Waffenplattform ausfuhr.
„Doc, ich denke, das haben Sie nicht gemeint, oder?" Williams klang unsicher.
Peter schluckte, schloß die Augen und konzentrierte sich darauf, die Drohnen wieder einzufahren. Kurz stotterte irgendetwas in seinem Geist, es war wie ein winziges Aufbegehren, dann summten die Triebwerke wieder, die Heckluke schloß sich.
Er atmete erleichtert auf und öffnete vorsichtig ein Auge.
Was war denn nur mit diesem Jumper los? Er hatte doch gar nicht ...
Eine Klappe zu seiner Linken öffnete sich, ein Energiedetektor wurde ausgefahren.
„Doc?"
Er fühlte Williams' Blick auf sich, wußte jetzt endgültig nicht mehr, was er tun sollte. Schließlich griff er hektisch nach dem Detektor und steckte ihn in eine nicht ganz volle Tasche seiner Überlebensweste. „Habe meinen verloren", kommentierte er sein Tun mit einem mitleidheischenden Grinsen und warf dem Marine einen kurzen Blick zu.
Der nickte, doch in seinem Gesicht war deutlich Skepsis zu lesen. Doch falls er etwas bemerkt hatte, schwieg er darüber.
„Dann mal los." Peter konzentrierte sich wieder auf das Fliegen.
Mit einem deutlichen Ruck hob der Puddlejumper ab, krachte dann zurück auf den Boden.
Ließ das künstliche Gen etwa nach? War das der Grund, aus dem der Gleiter heute nicht so auf ihn reagieren wollte, wie er es sollte?
Ja, so mußte es sein, sagte er sich, während er etwas wie einen deutlichen Protest in seinem Hirn wahrnahm. Die AI des Jumpers meldete sich bei ihm, doch aus den kryptischen Äußerungen wurde er nicht recht schlau. Jedenfalls schien das Gerät aber unbeschädigt, schon einmal etwas, wenn auch sicher nicht das, was er erwartet hatte.
Endlich hob der Jumper vom Boden ab und - Peter hielt unwillkürlich den Atem an - flog mit stotternden Triebwerken in Richtung Zentralturm.
„Ist der Jumper beschädigt?" erkundigte Williams sich.
Die Verbindungstür in den Lade- und Passagierraum glitt mit einem deutlichen Krachen zu. Peter zuckte zusammen.
„Äh, nein, offensichtlich nicht." Siedendheiß war ihm eingefallen, daß niemand von seiner Gentherapie wußte. Im Gegensatz zu Vashtu machte er ein kleines Geheimnis daraus, vor allem auch, weil diese Arten von Manipulation in der Dimension, in der sie sich jetzt befanden, nicht sonderlich angesehen waren. Vashtus aufgemotzter Genstrang half der Stadt, oder würde es vielleicht irgendwann tun, aber seine leicht veränderten Gene?
Der Jumper sackte unter ihm weg, er konnte ihn gerade noch auffangen, ehe sie in eines der Gebäude krachen konnten.
„Schon gut, ich werde es mir nachher ansehen. Muß irgendeine kleinere Fehlfunktion sein", beschwichtigte er blind Williams, doch der nickte nur, nach einem weiteren scheelen Blick auf ihn.
Das Schott zum Gateroom war noch geschlossen. Eigentlich sollte es sich, da es über ein ähnliches Feld wie das Tor verfügte, bei Annäherung öffnen, aber dieses Mal tat es das nicht.
Peter verzweifelte langsam.
Was ging hier vor? Warum ... ?
Endlich glitt das Schott zurück.
Er seufzte erleichtert, verringerte die Geschwindigkeit. Wieder verlor der Jumper an Höhe, diesmal so ruckhaft, daß kurzzeitig die Trägheitsdämpfer versagten und sie durchgeschüttelt wurden. Peter fluchte, zog die bockige Kiste wieder hoch. Zu spät fiel ihm Vashtus Warnung ein, da hatte er die Beleidigung bereits gedacht. Und die AI antwortete damit, daß sie noch mehr bockte. Jetzt wollten auch die Triebwerke wieder aussetzen.
„Verdammt, Babbis! Sie bringen uns um!" schrie Williams ihn plötzlich an. „Egal, was Stross gesagt hat, das kann nicht sein. Lassen Sie uns sofort aus dieser Kiste aussteigen!"
Peters Kopf ruckte hoch. „Was?"
Der Jumper flog endlich in den Gateroom hinein, pendelte sich, wenn auch widerstrebend vor dem Tor ein.
„Was hat Dr. Stross gesagt?" Er funkelte den Marine wütend an.
Williams sank in seinen Sitz zurück und fluchte leise. „Stellen Sie auf der Stelle den Jumper ab. Sie sind nicht in der Lage heute irgendetwas zu fliegen, verdammt!" herrschte er ihn an.
„Ich bin nicht in der Lage?"
Die Chevrons des Tores rasteten, eines nach dem anderen, ein, der Energieschild war hochgefahren, daß die Ematation den Jumper nicht zerstören konnte.
Williams nickte. „Stellen Sie den Gleiter ab, auf der Stelle!" wiederholte er.
Der Jumper glitt in das Feld des Autopiloten und wurde in das Wurmloch gezogen.
***
Anne betrat den Kontrollraum und sah stirnrunzelnd nach draußen zum Tor. „Ist Dr. Babbis noch nicht wieder zurück?" fragte sie nach einer Weile.
Walsh blickte von ihrer Arbeit auf, warf dann einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Nein", antwortete sie gedehnt, „ist er nicht."
Beide Frauen sahen sich einen Moment lang schweigend an, dann nickte Anne und trat an die großen Fenster.
Walsh wählte ein und schloß für alle Fälle den Schild, obwohl das eigentlich nicht nötig war. „Leitung offen", meldete sie dann und drückte die entsprechenden Befehle.
„Dr. Babbis? Hier ist Dr. Stross", begann Anne, beobachtete das Wurmloch. Der Knall war beinahe ohrenbetäubend gewesen, stellte sie seufzend fest. „Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
***
Nach dem Adrenalinstoß, den der Streit mit Williams ihm gebracht hatte, fühlte Peter sich noch ausgelaugter als vorher. Er war ... einfach nur leer, es gab schlichtweg nichts, was er tun konnte, abgesehen vom Warten.
Mit einem Rest klaren Verstandes zog er sein Palmtop aus der Tasche und stellte sich den Wecker, nachdem das SG-Team draußen verschwunden war. Dann lehnte er sich zurück, kreuzte die Arme vor der Brust und sah hinaus. Und sah hinaus. Und sah hinaus ...
Eine lustige Melodie zwitscherte durch den Jumper und riß ihn wieder aus dem Schlaf.
Peter blinzelte, tastete dann nach dem kleinen Handrechner und schaltete ihn ab, ehe er sich wieder in den Sitz kuschelte.
„Nur noch fünf Minuten ..." Dann war er auch schon wieder eingeschlafen.
„Dr. Babbis? Hier ist Stross. Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
Müde blinzelte er und wischte sich über den Mund. Ein Speichelfaden blieb in seinem Mundwinkel hängen.
Was?
„Dr. Babbis, ist etwas passiert? Hier Dr. Stross, können Sie mich hören?"
Wo kam das her? Er war doch ...
Plötzlich riß er die Augen auf, fuhr hoch und starrte wild um sich.
Nein, er war weder in seinem Quartier in Vineta, noch in seinem Apartment auf der Erde. Er saß vornübergesunken in einem Puddlejumper und sollte eigentlich ...
„Mist!"
„Dr. Babbis, melden Sie sich doch! Hallo?"
Stross! Vineta! Das Tor!
„Oh verdammt!"
Noch immer etwas desorientiert blickte er sich um, auf der Suche nach dem Ursprung der Stimme, die er hörte. Es brauchte ein bißchen, ehe er begriff, daß diese in seinem Ohr steckte, und daß er noch immer ein Funkgerät trug.
„Dr. Ba..."
„Hier Babbis", meldete er sich und dachte rasent schnell nach. „Ich hatte ein paar Probleme mit dem Jumper und habe mir ... äh, die Kristalle angesehen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen. Tut mir leid."
„Alles in Ordnung bei Ihnen? Walsh sagte ..."
„Ja, danke, jetzt müßte es wieder gehen. Äh, Williams hat sich noch nicht gemeldet. Ich denke, er ist wohl durchgekommen." Sein Blick fiel auf seine Armbanduhr. Unwillkürlich erstarrte er. Über eine Stunde war er jetzt schon auf dem Planeten. Eine Stunde! Was hätte er in dieser Zeit nicht schon alles tun können!
„Gut, dann kehren Sie jetzt bitte umgehend wieder zurück, Dr. Babbis. Es gibt noch einiges zu tun, wie Sie wissen."
Peter nickte und konzentrierte sich.
***
Anne tauschte wieder einen Blick mit Walsh. Die grinste.
„Vielleicht sollten Sie auch noch Williams kontaktieren, ohne daß Babbis was mitkriegt", schlug sie vor. „Interessieren würde es mich, warum die Waffen am Jumper aktiviert waren, als er abflog."
Anne bekam große Augen. „Sie waren was?"
Walsh nickte, brach die Verbindung ab und wartete. „Die Drohnenphalanx auf der rechten Seite war aktiviert und ausgefahren. Und wie der Jumper hier herein kam ... nun, entweder Dr. Babbis hatte wirklich Probleme oder er selbst war das Problem, was ich eher annehme."
Anne drehte sich wieder zum Tor um. „Gut, warten wir, bis Babbis zurück ist, dann nehmen wir sein Wurmloch", entschied sie mit gemischten Gefühlen. „Er hat viel zu wenig geschlafen in den letzten Tagen. Und der Dienst auf der Krankenstation gestern hat auch noch das Mark aus seinen Knochen gesaugt, wenn Sie mich fragen."
Walsh schaltete die Schilde zu, als das Tor sich wieder aktivierte. Kurz darauf kam die Bestätigung, sie ließ den ersten Schild fallen und beobachtete, wie der Jumper sich an diesem Ende des Wurmloches wieder materialisierte. Dann schaltete sie die betreffenden Leitungen.
„Hoffen wir, daß Williams nicht gerade mitten in einer Verhandlung steckt", sagte sie.
„Hoffen wir, daß er und sein Team überhaupt noch leben nach dem, was Babbis sich geleistet hat", entgegnete Anne besorgt, während der Jumper zum Schott hochschwebte und den Zentralturm Richtung Pyramide verließ.
***
Peter war einfach nur wütend. Anders konnte er seine Emotionen im Moment beim besten Willen nicht beschreiben.
Kaum daß er wieder in der Base gewesen war vor ein paar Stunden und eigentlich hatte den Lift zum Zentralturm nehmen wollen hatte Stross ihn kontaktiert und ihm mitgeteilt, daß nicht nur Williams mit seinem Team bis morgen warten wollte mit einer Rückkehr, sondern daß auch die Reparatur des Tores verschoben worden war auf den nächsten Tag. Eindringlich hatte sie ihm noch einmal veruscht klar zu machen, daß er Raubbau an seinem Körper betrieb - als würde er das nicht selbst wissen! - und ihn dann mit drei Militärangehörigen in die bewohnbaren Teile der Stadt geschickt. Und hier sollte er nach Energiefressern Ausschau halten und die Räume und auch Gebäude versiegeln lassen. Kein Wort mehr von einer Abschaltung, nein. Er sollte nur Detektor spielen und herumschnüffeln.
Nicht daß er im allgemeinen etwas gegen diesen Auftrag gehabt hätte, aber ...
„Geht es Ihnen gut, Doc?" fragte Watts, ein junger Lieutenant, der ihm mitgegeben worden war.
„Ja", knurrte Peter und marschierte weiter.
Er wußte selbst, daß er im Moment wohl nicht gerade wie das blühende Leben wirkte. Aber mußte man ihn auch noch mit der Nase darauf stoßen? Immerhin versah er innerhalb der Stadt einen sehr wichtigen Dienst, da konnte er es sich schlichtweg nicht leisten, sich auszuruhen. Zumindest solange nicht, wie Markham noch auf diesem verdammten Mond seinen Erholungsurlaub genoß.
Nun ja, zumindest damit würde wohl bald Schluß sein, wenn er sich recht erinnerte. Dabei, auch das mußte er zugeben, war gerade diese Erinnerung seltsam nebulös und wie in Watte gehüllt, wie fast alles, was heute geschah.
„Ihr Gerät piept", meldete Watts sich erneut.
Peter wollte gerade zu einer unwirschen Antwort ansetzen, als er bemerkte, daß der andere recht hatte. Verständnislos blinzelnd starrte er auf den kleinen Bildschirm des Energiedetektors, sah dann zu dem Gebäude hinauf, an dem sie gerade vorbeigelaufen waren. Mit einem Ruck drehte er sich schließlich um und lenkte seine Schritte zu der Eingangstür.
„Hier drin ist etwas", sagte er dabei, betrat neugierig das Gebäude und sah sich um. Doch auf den ersten Blick war nichts anderes festzustellen wie in allen anderen Gebäuden: Ein Flur, von dem Türen abzweigten. Ganz am Ende schimmerten die gläsernen Türen des Liftes.
Peter schürzte nachdenklich die Lippen, hob dann den Detektor.
Nein, der Lift war es definitiv nicht, um den er sich kümmern sollte.
„Machen Sie Meldung an Stross", wandte er sich an seine drei Begleiter, ohne jemand bestimmten dabei anzusprechen. „Ich schätze, wir haben hier etwas gefunden."
Wie auf der Jagd pirschte er sich in das Innere des Gebäudes, hielt den Detektor hoch und sondierte die Lage. Hinter der dritten Tür schien sich diese ominöse Energieverschwendung zu befinden.
„Mann, manchmal wünschte ich mir, ich könnte das auch!"
Peter hob unwillig den Kopf und starrte den jungen Marine nieder. „Sie wissen nicht, was Sie da denken", entgegnete er, öffnete dann die Tür.
Ein kleines Gerät stand ihm gegenüber auf einem Tisch. Schriftzeichen leuchteten auf seiner Oberfläche, die entfernt an einen Planetenkiller erinnerte.
Peter runzelte die Stirn, steckte den Detektor wieder ein und beugte sich über den Tisch, um, was auch immer es war, genauer zu mustern. Dann erhellte sich sein Gesicht sichtlich, als er die aufgeklappte Rückfront fand. Im Inneren des Gerätes schimmerten verschiedenfarbige Kristalle.
„Dürfte nicht allzu lange dauern", wandte er sich an Watts, umrundete den Tisch und beugte sich über die Öffnung des Gerätes.
„Dr. Stross meinte, wir sollten nicht ..."
„Ich kann dem Ding die Energie entziehen. Damit ist es dann nicht mehr mit unseren Generatoren verbunden und kann auch nichts weiter entladen." Befriedigt über diese einfache Lösung zog er einen Kristall aus seiner Halterung.
Plötzlich senkte sich deutliches Schweigen über den Raum, unterbrochen nur von einem gelegentlichen Klicken, als die Anzeigen auf dem Gerät sich veränderten.
„Äh, Doc ..." wandte Watts sich nervös an ihn. „Sind Sie sich wirklich sicher, daß Sie genau das vorhergesehen haben?"
Peter war nun doch verblüfft, wußte nicht so recht, was er jetzt tun sollte. Also steckte er den Kristall zurück in die Halterung.
Der Farbwechsel folgte jetzt schneller.
Watts wich unwillkürlich einen Schritt zurück. „Doc, das sieht aber nicht sehr gut aus", sagte er.
„Ich weiß. Einen Moment noch." Der nächste Kristall wurde ausprobiert, und wieder einmal wünschte er sich die Antikerin an seine Seite. Selbst wenn sie ein solches Gerät nicht kannte, könnte sie ihm doch helfen, indem sie die Schriftzeichen übersetzte.
„Mam, Dr. Babbis ..."
Peters Kopf ruckte hoch. Wütend funkelte er den Marine an, aktivierte dann selbst sein Funkgerät. „Dr. Stross, Babbis hier", meldete er sich, nahm sich den nächsten Kristall vor und zog ihn aus seiner Halterung - mit dem gleichen Ergebnis wie die beiden vorhergehenden Versuche. Der Farbwechsel erfolgte inzwischen unheimlich schnell. „Wir haben einen Ihrer Energiefresser gefunden. Dürfte nur ein paar Minuten dauern, bis ich ihn vom Netz genommen habe."
„Dr. Babbis!" Stross' Stimme klang alles andere als erfreut. „Habe ich Ihnen keine klaren Anweisungen gegeben?"
„Doch. Aber dieses Ding braucht offensichtlich mehr Energie, als wir verkraften können." Der Kristall wurde wieder zurückgesteckt.
Wie konnte er dieses Gerät nur ausschalten? Irgendeine Möglichkeit mußte es doch einfach geben.
Peter schob sich die Brille wieder auf die Nasenwurzel zurück, entschied sich dann für den nächsten Kristall und zog ihn heraus.
Im gleichen Moment verloschen die Lichter, das Gerät war still.
Peter richtete sich, sehr zufrieden mit sich selbst, auf und rieb sich die Hände. „Dann auf zum nächsten Bösewicht", wandte er sich an Watts, der ihn ungläubig musterte.
„Sie werden gar nichts mehr tun, Dr. Babbis!" wütete Stross plötzlich in seinem Ohr los. „Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollten die Gebäude kontrollieren und versiegeln lassen. Wie kommen Sie denn überhaupt dazu, diese Befehle vollkommen zu ignorieren?"
War wohl doch kein so toller Einfall gewesen, wie?
„Ich habe ihn vom Netz genommen. Ich denke, das ist schon mehr als genug", verteidigte er sich lahm. Doch er konnte sich des Gefühles nicht erwehren, daß er gerade seinen nächsten Fehler in einer ziemlich langen Liste gemacht hatte.
TBC ...
Anne blickte auf, als sich die Tür zu ihrem Büro öffnete. Ein beinahe mütterliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sah, wer sich da Zutritt verschafft hatte.
„Dr. Babbis, ich hoffe, Sie hatten eine ruhigere Nacht als ich.", begrüßte sie ihren unverhofften Gast. Doch bereits ein Blick in dessen Gesicht, verhärmt wirkend und mit dunklen Schatten unter den Augen, beantwortete ihre Frage mehr als ausreichend.
Es wurde wirklich Zeit, daß Markham von seiner Expedition zurückkehrte, wurde ihr wieder klar. Babbis würde über kurz oder lang einfach umkippen, wenn er seine Tätigkeiten nicht etwas zurückschraubte. Er sah ja jetzt schon fast aus wie ein lebender Leichnam. Irgendwann, wenn nicht einer der beiden anderen ATA-Träger zurückkehrte, würde er vielleicht sogar noch Vineta in die Luft jagen mit seinen Forschungen an den Planetenkillern.
Babbis ließ sich schulterzuckend nieder, gähnte hinter vorgehaltener Hand. „Es wird gehen", nuschelte er und blinzelte.
Anne nickte nachdenklich und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. „Ich wollte Ihnen noch danken für Ihre Hilfe gestern. Ohne Sie hätte es wesentlich mehr Tote gegeben. Ich hoffe, das ist auch Ihnen klar."
„Wir brauchen einen Medizinmann." Babbis rieb sich ein Auge hinter der Brille. „Diese Antiker-Geräte zu benutzen ist anstrengend."
„Kann ich mir vorstellen." Anne lächelte mitfühlend.
Wenn er doch nur nicht so eine Nervensäge wäre - nun ja, zumindest meist. Heute schien er relativ umgänglich. Vielleicht einfach die Tatsache, daß er übermüdet war, vielleicht aber auch wurde ihm klar, daß es so nicht mehr lange weiterging.
„Ich kann Ihnen mitteilen, daß Lieutenant Markham bald zurückkehren wird", sagte sie. „Die Erforschung des Mondes ist so gut wie abgeschlossen. Er wollte eigentlich heute schon zurückkehren, aber es hatte sich da etwas ergeben, daß mich etwas unruhig werden ließ. Aber er wird spätestens in zwei Tagen zurück sein."
Babbis blickte fragend auf. „Sind Sie mit mir nicht zufrieden?" fragte er ungläubig.
„Doch, selbstverständlich." Anne lächelte wieder. „Aber ich sehe auch, daß dieser zusätzliche Dienst Ihnen sehr zusetzt. Außerdem halten ich es für besser, wenn Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren und nur im Notfall einspringen. Sie müssen doch selbst zugeben, daß dies jetzt nicht gerade der beste Umstand ist, oder?"
Er zuckte mit den Schultern. „Irgendetwas von ... der Prometheus?" Eine leise Hoffnung schlich sich in seine müden Augen bei diesen Worten.
Annes Lächeln verlosch. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Leider nein, tut mir leid. Nach meinen Informationen, die wir mittels der Planentenüberwachung der Antiker gewinnen, wird an dem Schiff gearbeitet. Ich kann nur hoffen, daß es Major Uruhk und auch den restlichen Leuten gelingt, sich abzusetzen, ehe die Prometheus startet. Wir brauchen jeden einzelnen von ihnen."
Babbis senkte betreten den Blick wieder, starrte leer auf ihren Schreibtisch.
Anne seufzte. „Ich möchte Sie heute nicht allzu sehr herumscheuchen, Dr. Babbis", wechselte sie das Thema. „Sergeant Williams möchte es noch einmal auf P1V-121 versuchen. Ich habe bereits mit ihm gesprochen. Er ist damit einverstanden, wenn Sie sein Team dort aussetzen und eine halbe Stunde warten. Dann aber kehren Sie zurück hierher. Nach sieben Stunden können Sie ihn abholen. Er meint, seine Leute würden solange durchhalten, selbst wenn sie auf Widerstand stoßen."
„Ich soll zurückkommen?" Babbis' Augen weiteten sich. „Aber ... warum?"
Anne seufzte wieder, lehnte sich zurück. „Weil mich das gestrige Szenario doch etwas unruhig gemacht hat, Dr. Babbis. Ich möchte, daß Sie, wenn Sie wieder in der Stadt sind, mit einem Sicherheitsteam die bewohnten und erreichbaren Bereiche absuchen und eventuelle Geräte, die uns gefährlich werden könnten, abschalten."
„Antikergeräte? Abschalten?" Ein höhnisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Sagten Sie gerade, ich soll Geräte der Lantianer abschalten?"
„Ich weiß, das wird vielleicht nicht ganz einfach", gab Anne zu. „Aber im Moment sehe ich keine andere Möglichkeit. Entweder Sie schalten die Energiefresser ab oder Sie lassen die betreffenden Gebäude oder Räumlichkeiten durch das Sicherheitsteam versiegeln."
„Versiegeln hört sich schon vernünftiger an." Babbis nickte nachdenklich.
„Falls Sie noch etwas Zeit erübrigen könnten, wäre die Reparatur des Tores ebenfalls ziemlich dringend. Sie haben recht, das Loch scheint bei jeder Einwahl zu wachsen", fuhr Anne fort.
Wieder ein ungläubiges Blinzeln. „Wirklich?" Er klang jetzt tatsächlich erstaunt.
Die Leiterin der verbotenen Stadt nickte. „Ja, wirklich. Miss Walsh und ich haben uns das ganze gestern noch einmal angesehen und einige Probeläufe gestartet. Der Krach wird immer stärker und das Einschußloch wächst, als würden winzige Teile des Naquadah bei jeder Etablierung in den Ereignishorizont gezogen."
Babbis rieb sich über das Gesicht, begann dann an seinem Ohrläppchen zu zupfen, eine Eigenart, die sie immer sehr irritierte.
„Möglicherweise haben Sie recht", befand er dann. „Die Energie, die durch ein Wurmloch entsteht, ist enorm. Dummerweise hat der Schütze, der für dieses Loch verantwortlich ist, genau die richtige Stelle getroffen. Bei jedem Wurmloch liegt es halb im Ereignishorizont."
Anne nickte und wartete geduldig. Sie war sicher, sie würde gleich einen Babbis erleben, wie ihn sonst nur Major Uruhk kannte, zumindest in dieser Dimension.
„Ich kann das nicht richtig im Kopf berechnen, aber wenn wir weiter so unverantwortlich oft das Tor benutzen, könnte es wirklich recht bald geschehen, daß wir aus dem Netzwerk wieder herausrutschen - oder vollkommen hineingezogen werden. Wenn das Wurmloch sich weiter ausdehnen und den gesamten Torraum miteinbeziehen kann, werden wir der Lage nicht mehr Herr werden. Und das bedeutet ... wir brauchen dringenst ein neues Sternentor. Vashtu, Verzeihung, Major Uruhk hat sich da wohl geirrt mit ihrer etwas unkonventionellen Art, das Loch zu verstopfen. Stahl ist nicht dazu gemacht, den Energien eines Wurmloches standzuhalten. Entweder wir finden reparaturfähiges Naquadah, das nicht angereichert wurde, oder ein neues Sternentor."
„Nun, wie auch immer. Wir sind im Moment wirklich auf das Gate angewiesen. Ich denke, das wissen Sie selbst auch. Oder möchten Sie länger als nötig von den Nährungsbreien abhängig sein."
Unwillig verzog Babbis das Gesicht, drehte sich dann um und starrte durch die großen Fenster nach draußen. „Wenn wir besser an das Loch herankämen, könnten wir es jederzeit wieder stopfen. Aber leider verfügt keiner von uns über die Fremdgene von Major Uruhk. Ihr dürfte es ein leichtes sein, den Prozeß zumindest etwas aufzuhalten."
„Ich vertraue da im Moment ganz auf Sie, Dr. Babbis. Wenn Sie möchten, können Sie ein Team zusammenstellen aus unseren Physikern, die Ihnen helfen", schlug Anne vor.
Babbis' Kopf ruckte zu ihr herum. „Sie wollen, daß ich ... ein Forschungsteam leite?" Schierer Unglauben lag in seiner Stimme.
Anne lächelte. „Machen Sie sich daran und holen sich die, die Sie brauchen, Dr. Babbis. Wie gesagt, wir brauchen das Tor."
***
Nachdem er Stross' Büro verlassen hatte, zögerte Peter. Eigentlich sollte er sofort zur Jumper-Base und Williams' Team so schnell wie möglich auf dem Planeten absetzen. Andererseits aber fühlte er sich schlapp wie nie zuvor in seinem Leben. Selbst Kaffee, nicht das es davon in Vineta viel gegeben hätte, zudem hielt die Leiterin über die mageren Vorräte, die Vashtu und Markham aus der Prometheus besorgt hatten, ihre Hand, half nicht mehr wirklich weiter. Aber vielleicht ...
Peter wandte sich in Richtung Krankenstation und marschierte los. Vielleicht hatte er ja Glück und diese Schwester Claudia hatte gerade Dienst. Sie würde ihm sicherlich etwas geben können, das ihn auch weiterhin wach hielt.
Erst als er schon auf halbem Weg die Treppen hinauf war, fiel ihm ein, daß er auch hätte einen der Lifte benutzen können. Irgendwie schien sein Gehirn auch nicht mehr zu arbeiten, wie es sollte, ging ihm auf. Andererseits würde ein bißchen Bewegung auch sicher ein bißchen guttun nach den vielen sitzenden und stehenden Tätigkeiten der vergangenen Tage. Auf jeden Fall meinte er, sich etwas munterer zu fühlen.
Schwester Claudia war nicht im Dienst, wie Peter schnell feststellte, nachdem er schließlich durch die Tür getreten war. Er fand nur diesen Oberpfleger, zumindest hielt der sich wohl für einen solchen, namens Marc, wenn er sich nicht irrte.
„Doc, was kann ich für Sie tun?" erkundigte der sich. In seinem Gesicht spiegelte sich eine durchwachte Nacht und auch der gestrige Tag noch deutlich wider.
„Ich brauche etwas, womit ich mich wach halten kann." Peter versuchte, sich so autoritär wie möglich zu geben, richtete sich auf und kreuzte die Arme vor der Brust.
Der Pfleger sandte einen langen Blick in Richtung der schmalen Betten, die zu einem gewissen Teil tatsächlich wieder leer waren.
„Ich muß arbeiten!" setzte der junge Wissenschaftler hinzu.
„Sie müssen auch einmal schlafen", entgegnete Marc bestimmt.
„Ich muß gleich Sergeant Williams und sein Team durch das Gate fliegen. Und wenn ich wiederkomme, habe ich einen eiligen Auftrag von Dr. Stross auszuführen. Ich habe keine Zeit, mich irgendwo hinzulegen. Also, ich brauche etwas, was mich wach hält."
Marc runzelte die Stirn, kreuzte nun ebenfalls die Arme vor der Brust. „Nicht von mir. Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, daß Sie sich hinlegen sollen. Wenn Sie das aus falsch verstandenem Stolz nicht tun, ist das nicht meine Sache."
„Falsch verstandener Stolz?" brauste Peter plötzlich auf. In ihm begann es zu brodeln. „Ich werde dringend gebraucht! Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, ich bin zur Zeit der einzige ATA-Träger, den wir haben! Ich kann es mir nicht leisten auszufallen! Also geben Sie mir schon endlich etwas!"
Der Pfleger musterte ihn wieder von Kopf bis Fuß, dann wandte er sich plötzlich ab und aktivierte sein Funkgerät.
Peter war kurz davor, vor Wut wirklich zu explodieren.
Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein? Jetzt glaubte er ihm nicht einmal? Das ging aber eindeutig zu weit!
Marc sprach leise in sein Funkgerät, warf ihm einige kurze Blicke zu und nickte immer wieder. Dabei verhärtete sich sein Gesicht immer mehr. Schließlich klopfte er wieder auf das winzige Gerät in seinem Ohr, drehte sich ganz Peter zu und nickte. „Also gut, kommen Sie mit", sagte er, wenn man seiner Stimme und seiner Haltung auch deutlich anmerkte, wie er tatsächlich zu dieser Sache stand.
Der junge Wissenschaftler blitzte ihn wütend an. „Habe ich es nicht gesagt?" fauchte er.
Marc ließ den Vorwurf an sich abprallen wie Wasser, marschierte zu einem kleinen Nebenraum und zückte einen Schlüssel. „Das ist das erste und letzte Mal", sagte er, während er die Tür öffnete. „Das nächste Mal stecke ich Sie in ein Bett."
„Das hätten Sie wohl gern, was?" brauste Peter auf.
Marc betrat den Raum, kehrte kurz darauf wieder zurück und hielt ihm eine kleine Schachtel mit Tabletten hin. „Mehr bekommen Sie von mir nicht. Die Spritzen rühre ich nicht an."
Peter warf dem Pfleger noch einen verächtlichen Blick zu, schnappte sich das Päckchen und rauschte davon.
Dem Kerl hatte er es aber gezeigt!
***
Williams und sein Team warteten tatsächlich bereits, als Peter um die Ecke kam, doch dieses Mal schien der Marine wesentlich ... milder gestimmt, woran auch immer das liegen mochte. Williams nickte ihm zu und wartete, bis er den Jumper betreten hatte, ehe er ihm folgte, wie auch der Rest der SG-Einheit.
Peter ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und konzentrierte sich. Kurz summten die Motoren, dann erlosch das Geräusch wieder. Statt dessen fuhr die taktische Hologrammanzeige hoch.
Der junge Wissenschaftler blinzelte, er konnte hören, wie die rechte Waffenplattform ausfuhr.
„Doc, ich denke, das haben Sie nicht gemeint, oder?" Williams klang unsicher.
Peter schluckte, schloß die Augen und konzentrierte sich darauf, die Drohnen wieder einzufahren. Kurz stotterte irgendetwas in seinem Geist, es war wie ein winziges Aufbegehren, dann summten die Triebwerke wieder, die Heckluke schloß sich.
Er atmete erleichtert auf und öffnete vorsichtig ein Auge.
Was war denn nur mit diesem Jumper los? Er hatte doch gar nicht ...
Eine Klappe zu seiner Linken öffnete sich, ein Energiedetektor wurde ausgefahren.
„Doc?"
Er fühlte Williams' Blick auf sich, wußte jetzt endgültig nicht mehr, was er tun sollte. Schließlich griff er hektisch nach dem Detektor und steckte ihn in eine nicht ganz volle Tasche seiner Überlebensweste. „Habe meinen verloren", kommentierte er sein Tun mit einem mitleidheischenden Grinsen und warf dem Marine einen kurzen Blick zu.
Der nickte, doch in seinem Gesicht war deutlich Skepsis zu lesen. Doch falls er etwas bemerkt hatte, schwieg er darüber.
„Dann mal los." Peter konzentrierte sich wieder auf das Fliegen.
Mit einem deutlichen Ruck hob der Puddlejumper ab, krachte dann zurück auf den Boden.
Ließ das künstliche Gen etwa nach? War das der Grund, aus dem der Gleiter heute nicht so auf ihn reagieren wollte, wie er es sollte?
Ja, so mußte es sein, sagte er sich, während er etwas wie einen deutlichen Protest in seinem Hirn wahrnahm. Die AI des Jumpers meldete sich bei ihm, doch aus den kryptischen Äußerungen wurde er nicht recht schlau. Jedenfalls schien das Gerät aber unbeschädigt, schon einmal etwas, wenn auch sicher nicht das, was er erwartet hatte.
Endlich hob der Jumper vom Boden ab und - Peter hielt unwillkürlich den Atem an - flog mit stotternden Triebwerken in Richtung Zentralturm.
„Ist der Jumper beschädigt?" erkundigte Williams sich.
Die Verbindungstür in den Lade- und Passagierraum glitt mit einem deutlichen Krachen zu. Peter zuckte zusammen.
„Äh, nein, offensichtlich nicht." Siedendheiß war ihm eingefallen, daß niemand von seiner Gentherapie wußte. Im Gegensatz zu Vashtu machte er ein kleines Geheimnis daraus, vor allem auch, weil diese Arten von Manipulation in der Dimension, in der sie sich jetzt befanden, nicht sonderlich angesehen waren. Vashtus aufgemotzter Genstrang half der Stadt, oder würde es vielleicht irgendwann tun, aber seine leicht veränderten Gene?
Der Jumper sackte unter ihm weg, er konnte ihn gerade noch auffangen, ehe sie in eines der Gebäude krachen konnten.
„Schon gut, ich werde es mir nachher ansehen. Muß irgendeine kleinere Fehlfunktion sein", beschwichtigte er blind Williams, doch der nickte nur, nach einem weiteren scheelen Blick auf ihn.
Das Schott zum Gateroom war noch geschlossen. Eigentlich sollte es sich, da es über ein ähnliches Feld wie das Tor verfügte, bei Annäherung öffnen, aber dieses Mal tat es das nicht.
Peter verzweifelte langsam.
Was ging hier vor? Warum ... ?
Endlich glitt das Schott zurück.
Er seufzte erleichtert, verringerte die Geschwindigkeit. Wieder verlor der Jumper an Höhe, diesmal so ruckhaft, daß kurzzeitig die Trägheitsdämpfer versagten und sie durchgeschüttelt wurden. Peter fluchte, zog die bockige Kiste wieder hoch. Zu spät fiel ihm Vashtus Warnung ein, da hatte er die Beleidigung bereits gedacht. Und die AI antwortete damit, daß sie noch mehr bockte. Jetzt wollten auch die Triebwerke wieder aussetzen.
„Verdammt, Babbis! Sie bringen uns um!" schrie Williams ihn plötzlich an. „Egal, was Stross gesagt hat, das kann nicht sein. Lassen Sie uns sofort aus dieser Kiste aussteigen!"
Peters Kopf ruckte hoch. „Was?"
Der Jumper flog endlich in den Gateroom hinein, pendelte sich, wenn auch widerstrebend vor dem Tor ein.
„Was hat Dr. Stross gesagt?" Er funkelte den Marine wütend an.
Williams sank in seinen Sitz zurück und fluchte leise. „Stellen Sie auf der Stelle den Jumper ab. Sie sind nicht in der Lage heute irgendetwas zu fliegen, verdammt!" herrschte er ihn an.
„Ich bin nicht in der Lage?"
Die Chevrons des Tores rasteten, eines nach dem anderen, ein, der Energieschild war hochgefahren, daß die Ematation den Jumper nicht zerstören konnte.
Williams nickte. „Stellen Sie den Gleiter ab, auf der Stelle!" wiederholte er.
Der Jumper glitt in das Feld des Autopiloten und wurde in das Wurmloch gezogen.
***
Anne betrat den Kontrollraum und sah stirnrunzelnd nach draußen zum Tor. „Ist Dr. Babbis noch nicht wieder zurück?" fragte sie nach einer Weile.
Walsh blickte von ihrer Arbeit auf, warf dann einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Nein", antwortete sie gedehnt, „ist er nicht."
Beide Frauen sahen sich einen Moment lang schweigend an, dann nickte Anne und trat an die großen Fenster.
Walsh wählte ein und schloß für alle Fälle den Schild, obwohl das eigentlich nicht nötig war. „Leitung offen", meldete sie dann und drückte die entsprechenden Befehle.
„Dr. Babbis? Hier ist Dr. Stross", begann Anne, beobachtete das Wurmloch. Der Knall war beinahe ohrenbetäubend gewesen, stellte sie seufzend fest. „Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
***
Nach dem Adrenalinstoß, den der Streit mit Williams ihm gebracht hatte, fühlte Peter sich noch ausgelaugter als vorher. Er war ... einfach nur leer, es gab schlichtweg nichts, was er tun konnte, abgesehen vom Warten.
Mit einem Rest klaren Verstandes zog er sein Palmtop aus der Tasche und stellte sich den Wecker, nachdem das SG-Team draußen verschwunden war. Dann lehnte er sich zurück, kreuzte die Arme vor der Brust und sah hinaus. Und sah hinaus. Und sah hinaus ...
Eine lustige Melodie zwitscherte durch den Jumper und riß ihn wieder aus dem Schlaf.
Peter blinzelte, tastete dann nach dem kleinen Handrechner und schaltete ihn ab, ehe er sich wieder in den Sitz kuschelte.
„Nur noch fünf Minuten ..." Dann war er auch schon wieder eingeschlafen.
„Dr. Babbis? Hier ist Stross. Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
Müde blinzelte er und wischte sich über den Mund. Ein Speichelfaden blieb in seinem Mundwinkel hängen.
Was?
„Dr. Babbis, ist etwas passiert? Hier Dr. Stross, können Sie mich hören?"
Wo kam das her? Er war doch ...
Plötzlich riß er die Augen auf, fuhr hoch und starrte wild um sich.
Nein, er war weder in seinem Quartier in Vineta, noch in seinem Apartment auf der Erde. Er saß vornübergesunken in einem Puddlejumper und sollte eigentlich ...
„Mist!"
„Dr. Babbis, melden Sie sich doch! Hallo?"
Stross! Vineta! Das Tor!
„Oh verdammt!"
Noch immer etwas desorientiert blickte er sich um, auf der Suche nach dem Ursprung der Stimme, die er hörte. Es brauchte ein bißchen, ehe er begriff, daß diese in seinem Ohr steckte, und daß er noch immer ein Funkgerät trug.
„Dr. Ba..."
„Hier Babbis", meldete er sich und dachte rasent schnell nach. „Ich hatte ein paar Probleme mit dem Jumper und habe mir ... äh, die Kristalle angesehen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen. Tut mir leid."
„Alles in Ordnung bei Ihnen? Walsh sagte ..."
„Ja, danke, jetzt müßte es wieder gehen. Äh, Williams hat sich noch nicht gemeldet. Ich denke, er ist wohl durchgekommen." Sein Blick fiel auf seine Armbanduhr. Unwillkürlich erstarrte er. Über eine Stunde war er jetzt schon auf dem Planeten. Eine Stunde! Was hätte er in dieser Zeit nicht schon alles tun können!
„Gut, dann kehren Sie jetzt bitte umgehend wieder zurück, Dr. Babbis. Es gibt noch einiges zu tun, wie Sie wissen."
Peter nickte und konzentrierte sich.
***
Anne tauschte wieder einen Blick mit Walsh. Die grinste.
„Vielleicht sollten Sie auch noch Williams kontaktieren, ohne daß Babbis was mitkriegt", schlug sie vor. „Interessieren würde es mich, warum die Waffen am Jumper aktiviert waren, als er abflog."
Anne bekam große Augen. „Sie waren was?"
Walsh nickte, brach die Verbindung ab und wartete. „Die Drohnenphalanx auf der rechten Seite war aktiviert und ausgefahren. Und wie der Jumper hier herein kam ... nun, entweder Dr. Babbis hatte wirklich Probleme oder er selbst war das Problem, was ich eher annehme."
Anne drehte sich wieder zum Tor um. „Gut, warten wir, bis Babbis zurück ist, dann nehmen wir sein Wurmloch", entschied sie mit gemischten Gefühlen. „Er hat viel zu wenig geschlafen in den letzten Tagen. Und der Dienst auf der Krankenstation gestern hat auch noch das Mark aus seinen Knochen gesaugt, wenn Sie mich fragen."
Walsh schaltete die Schilde zu, als das Tor sich wieder aktivierte. Kurz darauf kam die Bestätigung, sie ließ den ersten Schild fallen und beobachtete, wie der Jumper sich an diesem Ende des Wurmloches wieder materialisierte. Dann schaltete sie die betreffenden Leitungen.
„Hoffen wir, daß Williams nicht gerade mitten in einer Verhandlung steckt", sagte sie.
„Hoffen wir, daß er und sein Team überhaupt noch leben nach dem, was Babbis sich geleistet hat", entgegnete Anne besorgt, während der Jumper zum Schott hochschwebte und den Zentralturm Richtung Pyramide verließ.
***
Peter war einfach nur wütend. Anders konnte er seine Emotionen im Moment beim besten Willen nicht beschreiben.
Kaum daß er wieder in der Base gewesen war vor ein paar Stunden und eigentlich hatte den Lift zum Zentralturm nehmen wollen hatte Stross ihn kontaktiert und ihm mitgeteilt, daß nicht nur Williams mit seinem Team bis morgen warten wollte mit einer Rückkehr, sondern daß auch die Reparatur des Tores verschoben worden war auf den nächsten Tag. Eindringlich hatte sie ihm noch einmal veruscht klar zu machen, daß er Raubbau an seinem Körper betrieb - als würde er das nicht selbst wissen! - und ihn dann mit drei Militärangehörigen in die bewohnbaren Teile der Stadt geschickt. Und hier sollte er nach Energiefressern Ausschau halten und die Räume und auch Gebäude versiegeln lassen. Kein Wort mehr von einer Abschaltung, nein. Er sollte nur Detektor spielen und herumschnüffeln.
Nicht daß er im allgemeinen etwas gegen diesen Auftrag gehabt hätte, aber ...
„Geht es Ihnen gut, Doc?" fragte Watts, ein junger Lieutenant, der ihm mitgegeben worden war.
„Ja", knurrte Peter und marschierte weiter.
Er wußte selbst, daß er im Moment wohl nicht gerade wie das blühende Leben wirkte. Aber mußte man ihn auch noch mit der Nase darauf stoßen? Immerhin versah er innerhalb der Stadt einen sehr wichtigen Dienst, da konnte er es sich schlichtweg nicht leisten, sich auszuruhen. Zumindest solange nicht, wie Markham noch auf diesem verdammten Mond seinen Erholungsurlaub genoß.
Nun ja, zumindest damit würde wohl bald Schluß sein, wenn er sich recht erinnerte. Dabei, auch das mußte er zugeben, war gerade diese Erinnerung seltsam nebulös und wie in Watte gehüllt, wie fast alles, was heute geschah.
„Ihr Gerät piept", meldete Watts sich erneut.
Peter wollte gerade zu einer unwirschen Antwort ansetzen, als er bemerkte, daß der andere recht hatte. Verständnislos blinzelnd starrte er auf den kleinen Bildschirm des Energiedetektors, sah dann zu dem Gebäude hinauf, an dem sie gerade vorbeigelaufen waren. Mit einem Ruck drehte er sich schließlich um und lenkte seine Schritte zu der Eingangstür.
„Hier drin ist etwas", sagte er dabei, betrat neugierig das Gebäude und sah sich um. Doch auf den ersten Blick war nichts anderes festzustellen wie in allen anderen Gebäuden: Ein Flur, von dem Türen abzweigten. Ganz am Ende schimmerten die gläsernen Türen des Liftes.
Peter schürzte nachdenklich die Lippen, hob dann den Detektor.
Nein, der Lift war es definitiv nicht, um den er sich kümmern sollte.
„Machen Sie Meldung an Stross", wandte er sich an seine drei Begleiter, ohne jemand bestimmten dabei anzusprechen. „Ich schätze, wir haben hier etwas gefunden."
Wie auf der Jagd pirschte er sich in das Innere des Gebäudes, hielt den Detektor hoch und sondierte die Lage. Hinter der dritten Tür schien sich diese ominöse Energieverschwendung zu befinden.
„Mann, manchmal wünschte ich mir, ich könnte das auch!"
Peter hob unwillig den Kopf und starrte den jungen Marine nieder. „Sie wissen nicht, was Sie da denken", entgegnete er, öffnete dann die Tür.
Ein kleines Gerät stand ihm gegenüber auf einem Tisch. Schriftzeichen leuchteten auf seiner Oberfläche, die entfernt an einen Planetenkiller erinnerte.
Peter runzelte die Stirn, steckte den Detektor wieder ein und beugte sich über den Tisch, um, was auch immer es war, genauer zu mustern. Dann erhellte sich sein Gesicht sichtlich, als er die aufgeklappte Rückfront fand. Im Inneren des Gerätes schimmerten verschiedenfarbige Kristalle.
„Dürfte nicht allzu lange dauern", wandte er sich an Watts, umrundete den Tisch und beugte sich über die Öffnung des Gerätes.
„Dr. Stross meinte, wir sollten nicht ..."
„Ich kann dem Ding die Energie entziehen. Damit ist es dann nicht mehr mit unseren Generatoren verbunden und kann auch nichts weiter entladen." Befriedigt über diese einfache Lösung zog er einen Kristall aus seiner Halterung.
Plötzlich senkte sich deutliches Schweigen über den Raum, unterbrochen nur von einem gelegentlichen Klicken, als die Anzeigen auf dem Gerät sich veränderten.
„Äh, Doc ..." wandte Watts sich nervös an ihn. „Sind Sie sich wirklich sicher, daß Sie genau das vorhergesehen haben?"
Peter war nun doch verblüfft, wußte nicht so recht, was er jetzt tun sollte. Also steckte er den Kristall zurück in die Halterung.
Der Farbwechsel folgte jetzt schneller.
Watts wich unwillkürlich einen Schritt zurück. „Doc, das sieht aber nicht sehr gut aus", sagte er.
„Ich weiß. Einen Moment noch." Der nächste Kristall wurde ausprobiert, und wieder einmal wünschte er sich die Antikerin an seine Seite. Selbst wenn sie ein solches Gerät nicht kannte, könnte sie ihm doch helfen, indem sie die Schriftzeichen übersetzte.
„Mam, Dr. Babbis ..."
Peters Kopf ruckte hoch. Wütend funkelte er den Marine an, aktivierte dann selbst sein Funkgerät. „Dr. Stross, Babbis hier", meldete er sich, nahm sich den nächsten Kristall vor und zog ihn aus seiner Halterung - mit dem gleichen Ergebnis wie die beiden vorhergehenden Versuche. Der Farbwechsel erfolgte inzwischen unheimlich schnell. „Wir haben einen Ihrer Energiefresser gefunden. Dürfte nur ein paar Minuten dauern, bis ich ihn vom Netz genommen habe."
„Dr. Babbis!" Stross' Stimme klang alles andere als erfreut. „Habe ich Ihnen keine klaren Anweisungen gegeben?"
„Doch. Aber dieses Ding braucht offensichtlich mehr Energie, als wir verkraften können." Der Kristall wurde wieder zurückgesteckt.
Wie konnte er dieses Gerät nur ausschalten? Irgendeine Möglichkeit mußte es doch einfach geben.
Peter schob sich die Brille wieder auf die Nasenwurzel zurück, entschied sich dann für den nächsten Kristall und zog ihn heraus.
Im gleichen Moment verloschen die Lichter, das Gerät war still.
Peter richtete sich, sehr zufrieden mit sich selbst, auf und rieb sich die Hände. „Dann auf zum nächsten Bösewicht", wandte er sich an Watts, der ihn ungläubig musterte.
„Sie werden gar nichts mehr tun, Dr. Babbis!" wütete Stross plötzlich in seinem Ohr los. „Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollten die Gebäude kontrollieren und versiegeln lassen. Wie kommen Sie denn überhaupt dazu, diese Befehle vollkommen zu ignorieren?"
War wohl doch kein so toller Einfall gewesen, wie?
„Ich habe ihn vom Netz genommen. Ich denke, das ist schon mehr als genug", verteidigte er sich lahm. Doch er konnte sich des Gefühles nicht erwehren, daß er gerade seinen nächsten Fehler in einer ziemlich langen Liste gemacht hatte.
TBC ...
15.01.2012
Aus dem Tagebuch eines Genies VII
4. Tag:
„Es hat gestern einen ziemlich heftigen Unfall gegeben", sagte Markham leise, als er auch dem Zelt kam, in dem er allein übernachtete.
Danea wechselte einen Blick mit seinen beiden anderen Begleitern, dem alten Nabock und Jehnam, einem erfahrenen Jäger, wie auch er einer gewesen war, ehe die Fremden auftauchten.
Markham ließ sich am Feuer nieder und seufzte.
„Warum hast du uns das gestern nicht schon gesagt?" fragte Danea.
Der Lieutenant blickte wieder auf. „Weil die Erethianer nicht weiter betroffen zu sein scheinen, wie Dr. Stross mir sagte. Einer unserer Wissenschaftler kam um bei dem Versuch, irgendein Gerät abzuschalten. Das ganze Gebäude ist zerstört."
„Dann sollten wir so schnell wie möglich zurückkehren in die Stadt der Schöpfer. Wer weiß, was diese Explosion ausgelöst hat dort", wandte Nabock ein.
Markham rieb sich den Nacken, starrte in die Flammen ihres kleinen Lagerfeuers.
Danea ging auf, wie müde der Lieutenant wirkte. Er hatte sicher nicht sehr viel geschlafen in der letzten Nacht. Wahrscheinlich zuviel Sorgen, ging ihm auf.
„Nabock hat recht", wandte er ein.
Markham blickte wieder auf und sah ihn leidend an. „Dr. Stross meint, wir sollten hierbleiben, bis wir sicher sind, daß sich keine Devi hier herumtreiben und wir den Mond vollständig überprüft haben. Wie lange braucht ihr noch?"
„Hier sind keine Devi", entgegnete Nabock bestimmt.
Markham kniff die Lippen aufeinander und zog die Beine an, um seine Unterarme auf die Knie zu stützen. „Aber wir haben Ruinen gefunden."
„Die sind schon lange aufgegeben, Lieutenant Markham", entgegnete Danea. „Nabock hat recht. Wir sollten wirklich zurückkehren nach Vineta. Wir brauchen auch nicht mehr lange. Heute abend könnten wir fertig sein, wenn Dr. Stross meint, wir sollten uns hier erst alles ansehen."
„Es ist unverantwortlich von ihr, soetwas zu fordern!" Die Stimme des alten Erethianers klang verärgert.
Markham blickte zum Himmel hinauf und beobachtete, wie in der frühen Dämmerung die näherstehenden Planeten und Monde auftauchten aus der Nacht.
Danea konnte beinahe spüren, was in dem jungen Mann neben ihm vor sich ging. Und, er mußte zugeben, auch in seiner Brust stritten sich die Gefühle. Aber wahrscheinlich konnte er Markham nicht wirklich verstehen. Die Erethianer hatten kein Militär, und jeder einzelne seines Volkes handelte nach seinem eigenen Gewissen, nicht nach dem, was ihm vorgegeben worden war von anderen.
„Major Uruhk ist auch noch nicht wieder in Vineta", murmelte Markham nachdenklich und runzelte die Stirn. „Dr. Babbis ist wohl vollkommen überfordert mit der Situation."
„Ein Grund mehr, sofort zurückzukehren", wandte nun Jehnam ein.
„Nein." Danea schüttelte bestimmt den Kopf. „Wir sollten tun, was Dr. Stross wünscht. Wenn sie meint, die Lage sei ruhig genug, damit wir den Mond weiter erforschen können, sollten wir das auch tun."
Nabock versuchte, ihn niederzustarren, doch er gab nicht nach. Vielleicht wußte er nicht alles, aber er hatte zumindest genug Verstand, um nicht blind nach vorn zu stürmen, wie der zweite Älteste es jetzt von ihm verlangte.
„Ihr werdet heute fertig?" Markham senkte den Kopf wieder, sandte einen fragenden Blick in ihre kleine Runde.
Jehnam nickte. „Es ist nicht mehr viel zu tun. Eigentlich könnten wir gleich hierbleiben und beginnen, Felder anzulegen."
„Uns fällt sicher eine einfachere Lösung ein", wandte Markham ein, sah zu Danea hinüber. „Noch ein Jumperflug gefällig?"
Der junge Erethianer nickte lächelnd. „Gern", antwortete er.
Markham richtete sich ächzend wieder auf und streckte sich. „Dann sollten wir sehen, ob wir nicht noch ein bißchen Zeit herausschinden können. Dr. Stross möchte eine Antwort von uns allen. Darum halte ich es auch für besser, wenn wir unsere Arbeit beenden."
Danea stand auch auf und stellte sich an Markhams Seite. Auffordernd blickte er zu Jehnam hinüber, bis dieser nickte. Nur Nabock blieb stur, wie er nicht anders erwartet hatte.
„Ich wollte mir noch einmal die Ruinen der Devi ansehen", schlug Markham vor.
„Gut." Danea nickte, drehte sich dann um und folgte dem anderen zu dem einsamen Puddlejumper hinüber.
Ein Unfall in der verbotenen Stadt der Schöpfer. Kein Wunder, daß Nabock wieder eine Bedrohung sah. Seit Jahrtausenden fürchteten die Erethianer diese Stadt, und Danea waren die Verhandlungen mit den Menschen aus diesem weit entfernten Atlantis noch sehr gut im Gedächtnis geblieben. Auch er war nicht gerade begeistert von der Aussicht, ausgerechnet in der Stadt der verräterischen Schöpfer zu leben, aber er hatte zumindest als einer der ersten die Notwendigkeit erkannt.
Markham ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und schloß die Heckluke. „Inzwischen werde ich wohl immer besser, was?" Er zwinkerte Danea zu.
Der nickte. „Besser jedenfalls als Dr. Babbis."
„Das ist auch nicht schwer." Markham ließ den Jumper abheben und an Höhe gewinnen, während er die Geschwindigkeit erhöhte. „Mir macht das Schweigen der Prometheus Sorgen. Was, wenn Pendergast mit dem Rest von uns abhauen will?"
„Ihr sagtet, er könne nicht so schnell fliegen", wandte Danea ein.
„Aber er hat Geiseln, wenn er dahinter gekommen ist, was zwischen uns und seiner Mannschaft ablief."
„Denkt Dr. Stross das auch?"
Markham biß sich diesmal wirklich auf die Lippen. „Ich weiß nicht, wie weit Sie im Moment denkt. Dr. Babbis macht ihr da einige Schwierigkeiten. Zumindest mehr, als er bräuchte."
Der Jumper schoß über den, sich langsam erhellenden Himmel.
Danea lehnte sich nachdenklich zurück. „Aber angreifen wird er uns doch nicht, oder?" fragte er nach einer kleinen Weile.
„Ich denke eher nicht." Der Lieutenant reckte den Hals, als sie dem Wald mit den Ruinen näherkamen. Langsam senkte er den Jumper wieder ab, landete ihn schließlich nicht weit von den ersten Bäumen entfernt.
„Dann mal los." Mit wenig Enthusiasmus erhob er sich und ließ Danea den Vortritt, ehe er ihm folgte, sich seine Waffe greifend, die hinten auf einem der Sitze gelegen hatte.
Danea trat aus dem Jumper heraus und blickte sich aufmerksam um. Dann wurde er plötzlich auf etwas aufmerksam, senkte den Blick. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
***
88. Tag:
Unter welchen Bedingungen bricht der menschliche Körper zusammen? Wie erschöpft muß man sein, um einfach umzukippen und nicht mehr aufzustehen?
Ich weiß es nicht, aber ich glaube, allmählich stoße ich an die Grenzen des mir möglichen. Mein Verstand beginnt zu leiden, mein Körper folgt ihm, da er keine andere Wahl hat. Und das schlimmste ist, man läßt mir einfach keine Ruhe, um mich zu regenerieren. Ich bin hilflos dem ausgeliefert, was Stross und diese ganze atlantische Bande planen. Niemand nimmt mehr Rücksicht auf meine eigenen Bedürfnisse.
Dr. Babbis, fliegen Sie durch das Tor! Dr. Babbis, reparieren Sie das Tor! Dr. Babbis, aktivieren Sie dieses Gerät! Dr. Babbis, deaktivieren Sie jenes Gerät! Dr. Babbis, die Testreihen müssen fortgesetzt werden! Dr. Babbis, Sie müssen auf der Stelle herkommen! Dr. Babbis, bleiben Sie nur weg da!
So und noch anders geht es hier zu. Natürlich, ich bin der wichtigste Mann in der Stadt, wenn ich nicht hier wäre, wäre Vineta schon längst wieder stumm und tot. Aber selbst jemand wie ich braucht seine Ruhe, und seien es auch nur fünf Minuten, die man mir zugestehen sollte. Wenn mein Körper irgendwann nicht mehr kann, weiß ich, wem ich das zu verdanken habe.
Markham ist immer noch nicht zurück. Was, zum Kuckuck, macht der eigentlich so lange da oben? Der Handel ging um ein paar Tage, aber inzwischen sind es ... oh, doch erst der vierte Tag? Nun ja, es kommen mir mehr vor. Und ich kann nicht nachvollziehen, was er und die Erethianer da oben so lange treiben. Der Mond war begrünt, er hatte ein angenehmes Klima, was wollen sie denn noch mehr wissen? Oder legen sie schon Felder an? Mit einem Sack Saatgut sicher nicht die beste Idee.
Statt mich weiter an meinen Forschungen arbeiten zu lassen, zieht Stross mich immer weiter ab. Heute durfte ich, zusätzlich zu Williams' Team, durch die Stadt ziehen auf der Suche nach Energiefressern - als würde uns das mehr als ein bißchen Zeit erkaufen! Zudem kommt, daß ich letzte Nacht durchgearbeitet habe - Dorns Prothese ist so gut wie fertig. Zumindest ein Lichtblick in dieser Finsternis.
Vashtu, wo bist du, wenn man dich braucht? Und ich könnte dich im Moment wirklich sehr gut hier gebrauchen. Aber du sitzt weiter gemütlich in der Prometheus und grinst wahrscheinlich auf deine übliche Art zu uns hinunter, während du dich vielleicht sogar mit Pendergast endlich geeinigt hast. Noch ein Nebenbuhler! Hat dir deine Erfahrung mit diesem Psycho-Kerl nicht gereicht?
Ach, was schreibe ich da schon wieder? Ich sollte - Vashtu wird wiederkommen, das ist klar. Sie wird wiederkommen! Wenn sie jemand wirklich gut kennt, dann weiß er, daß sie nichts unversucht lassen wird, um wieder hierher zurückzukehren. Ihre Arbeit hier ist noch nicht erledigt. Und sie ist zu zuverlässig, um irgendetwas nur halb zu tun. Wenn sie noch nicht wieder hier ist, kann das eigentlich nur bedeuten, daß sie wieder irgendetwas mit Pendergast auszutragen hat. Ansonsten würde nichts sie davon abhalten, Vineta wieder zu betreten. Nur allein die Sache mit dem Forschungs-Sektor liegt ihr doch ziemlich schwer im Magen. Hoffentlich wird sie nie herausfinden ...
Ich sollte allmählich selbstständiger werden. Ich kann mich nicht immer auf Vashtu Uruhk verlassen und hoffen, daß sie mir helfen wird. Aber wenn nicht sie, wer dann? Wem kann ich hier denn noch vertrauen? Stross auf jeden Fall wohl nicht, im Gegenteil, sie scheucht mich doch herum wie ... Nun ja, ihr billiger Sklave bin ich nicht, darauf kann sie sich verlassen. Was auch immer sie mir jetzt antun wird, es wird noch Folgen haben, darauf kann sie sich verlassen!
Aber was können wir tun, wenn Vashtu nicht zurückkommt? Wie sollen wir uns dann weiter schützen? Ich weiß schließlich, was Stross mit ihr vorhat, und ich muß zugeben, ich halte es für eine sehr gute Idee. Vielleicht wird mir nicht jeder zustimmen, aber ... Militärische Leiterin, gleichberechtigt neben Stross stehen, in alle Entscheidungen der Stadt involviert sein? Wer würde sich das nicht wünschen? Und, vor allem, es würde sich einiges ändern, wäre Vashtu hier und auf diesem Posten. Niemand würde mich mehr herumscheuchen, auch Stross nicht. Vashtu hat Verständnis für meine Bedürfnisse. Sie würde das nicht zulassen.
Die Frage ist eher, weiß sie selbst, was sie will? Sie tut so viel, eigentlich jetzt schon alles. Sie auf diesen Posten zu setzen, würde das ganze nur offiziell machen. Die Frage ist, weiß Vashtu eigentlich, was sie bereits getan hat für Vineta? So ganz sicher bin ich mir da nämlich nicht. Sie gluckt noch immer, wenn es um die Stadt geht. Sie hat Angst vor etwas, nur weiß ich immer noch nicht, vor was genau. Aber ich bin sicher, irgendwann wird sie mir das sagen können - wenn sie von der Prometheus zurück ist. Ja! Ich bin ihr Vertrauter. Wenn sie nicht mir traut, wem dann?
Ich wünschte nur, es würde schneller gehen. Viel schneller. Wenn sie nur wieder hier wäre, wenn irgendjemand mit dem Gen hier wäre außer mir. Ich werde das nicht mehr lange durchhalten können.
TBC ...
„Es hat gestern einen ziemlich heftigen Unfall gegeben", sagte Markham leise, als er auch dem Zelt kam, in dem er allein übernachtete.
Danea wechselte einen Blick mit seinen beiden anderen Begleitern, dem alten Nabock und Jehnam, einem erfahrenen Jäger, wie auch er einer gewesen war, ehe die Fremden auftauchten.
Markham ließ sich am Feuer nieder und seufzte.
„Warum hast du uns das gestern nicht schon gesagt?" fragte Danea.
Der Lieutenant blickte wieder auf. „Weil die Erethianer nicht weiter betroffen zu sein scheinen, wie Dr. Stross mir sagte. Einer unserer Wissenschaftler kam um bei dem Versuch, irgendein Gerät abzuschalten. Das ganze Gebäude ist zerstört."
„Dann sollten wir so schnell wie möglich zurückkehren in die Stadt der Schöpfer. Wer weiß, was diese Explosion ausgelöst hat dort", wandte Nabock ein.
Markham rieb sich den Nacken, starrte in die Flammen ihres kleinen Lagerfeuers.
Danea ging auf, wie müde der Lieutenant wirkte. Er hatte sicher nicht sehr viel geschlafen in der letzten Nacht. Wahrscheinlich zuviel Sorgen, ging ihm auf.
„Nabock hat recht", wandte er ein.
Markham blickte wieder auf und sah ihn leidend an. „Dr. Stross meint, wir sollten hierbleiben, bis wir sicher sind, daß sich keine Devi hier herumtreiben und wir den Mond vollständig überprüft haben. Wie lange braucht ihr noch?"
„Hier sind keine Devi", entgegnete Nabock bestimmt.
Markham kniff die Lippen aufeinander und zog die Beine an, um seine Unterarme auf die Knie zu stützen. „Aber wir haben Ruinen gefunden."
„Die sind schon lange aufgegeben, Lieutenant Markham", entgegnete Danea. „Nabock hat recht. Wir sollten wirklich zurückkehren nach Vineta. Wir brauchen auch nicht mehr lange. Heute abend könnten wir fertig sein, wenn Dr. Stross meint, wir sollten uns hier erst alles ansehen."
„Es ist unverantwortlich von ihr, soetwas zu fordern!" Die Stimme des alten Erethianers klang verärgert.
Markham blickte zum Himmel hinauf und beobachtete, wie in der frühen Dämmerung die näherstehenden Planeten und Monde auftauchten aus der Nacht.
Danea konnte beinahe spüren, was in dem jungen Mann neben ihm vor sich ging. Und, er mußte zugeben, auch in seiner Brust stritten sich die Gefühle. Aber wahrscheinlich konnte er Markham nicht wirklich verstehen. Die Erethianer hatten kein Militär, und jeder einzelne seines Volkes handelte nach seinem eigenen Gewissen, nicht nach dem, was ihm vorgegeben worden war von anderen.
„Major Uruhk ist auch noch nicht wieder in Vineta", murmelte Markham nachdenklich und runzelte die Stirn. „Dr. Babbis ist wohl vollkommen überfordert mit der Situation."
„Ein Grund mehr, sofort zurückzukehren", wandte nun Jehnam ein.
„Nein." Danea schüttelte bestimmt den Kopf. „Wir sollten tun, was Dr. Stross wünscht. Wenn sie meint, die Lage sei ruhig genug, damit wir den Mond weiter erforschen können, sollten wir das auch tun."
Nabock versuchte, ihn niederzustarren, doch er gab nicht nach. Vielleicht wußte er nicht alles, aber er hatte zumindest genug Verstand, um nicht blind nach vorn zu stürmen, wie der zweite Älteste es jetzt von ihm verlangte.
„Ihr werdet heute fertig?" Markham senkte den Kopf wieder, sandte einen fragenden Blick in ihre kleine Runde.
Jehnam nickte. „Es ist nicht mehr viel zu tun. Eigentlich könnten wir gleich hierbleiben und beginnen, Felder anzulegen."
„Uns fällt sicher eine einfachere Lösung ein", wandte Markham ein, sah zu Danea hinüber. „Noch ein Jumperflug gefällig?"
Der junge Erethianer nickte lächelnd. „Gern", antwortete er.
Markham richtete sich ächzend wieder auf und streckte sich. „Dann sollten wir sehen, ob wir nicht noch ein bißchen Zeit herausschinden können. Dr. Stross möchte eine Antwort von uns allen. Darum halte ich es auch für besser, wenn wir unsere Arbeit beenden."
Danea stand auch auf und stellte sich an Markhams Seite. Auffordernd blickte er zu Jehnam hinüber, bis dieser nickte. Nur Nabock blieb stur, wie er nicht anders erwartet hatte.
„Ich wollte mir noch einmal die Ruinen der Devi ansehen", schlug Markham vor.
„Gut." Danea nickte, drehte sich dann um und folgte dem anderen zu dem einsamen Puddlejumper hinüber.
Ein Unfall in der verbotenen Stadt der Schöpfer. Kein Wunder, daß Nabock wieder eine Bedrohung sah. Seit Jahrtausenden fürchteten die Erethianer diese Stadt, und Danea waren die Verhandlungen mit den Menschen aus diesem weit entfernten Atlantis noch sehr gut im Gedächtnis geblieben. Auch er war nicht gerade begeistert von der Aussicht, ausgerechnet in der Stadt der verräterischen Schöpfer zu leben, aber er hatte zumindest als einer der ersten die Notwendigkeit erkannt.
Markham ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und schloß die Heckluke. „Inzwischen werde ich wohl immer besser, was?" Er zwinkerte Danea zu.
Der nickte. „Besser jedenfalls als Dr. Babbis."
„Das ist auch nicht schwer." Markham ließ den Jumper abheben und an Höhe gewinnen, während er die Geschwindigkeit erhöhte. „Mir macht das Schweigen der Prometheus Sorgen. Was, wenn Pendergast mit dem Rest von uns abhauen will?"
„Ihr sagtet, er könne nicht so schnell fliegen", wandte Danea ein.
„Aber er hat Geiseln, wenn er dahinter gekommen ist, was zwischen uns und seiner Mannschaft ablief."
„Denkt Dr. Stross das auch?"
Markham biß sich diesmal wirklich auf die Lippen. „Ich weiß nicht, wie weit Sie im Moment denkt. Dr. Babbis macht ihr da einige Schwierigkeiten. Zumindest mehr, als er bräuchte."
Der Jumper schoß über den, sich langsam erhellenden Himmel.
Danea lehnte sich nachdenklich zurück. „Aber angreifen wird er uns doch nicht, oder?" fragte er nach einer kleinen Weile.
„Ich denke eher nicht." Der Lieutenant reckte den Hals, als sie dem Wald mit den Ruinen näherkamen. Langsam senkte er den Jumper wieder ab, landete ihn schließlich nicht weit von den ersten Bäumen entfernt.
„Dann mal los." Mit wenig Enthusiasmus erhob er sich und ließ Danea den Vortritt, ehe er ihm folgte, sich seine Waffe greifend, die hinten auf einem der Sitze gelegen hatte.
Danea trat aus dem Jumper heraus und blickte sich aufmerksam um. Dann wurde er plötzlich auf etwas aufmerksam, senkte den Blick. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
***
88. Tag:
Unter welchen Bedingungen bricht der menschliche Körper zusammen? Wie erschöpft muß man sein, um einfach umzukippen und nicht mehr aufzustehen?
Ich weiß es nicht, aber ich glaube, allmählich stoße ich an die Grenzen des mir möglichen. Mein Verstand beginnt zu leiden, mein Körper folgt ihm, da er keine andere Wahl hat. Und das schlimmste ist, man läßt mir einfach keine Ruhe, um mich zu regenerieren. Ich bin hilflos dem ausgeliefert, was Stross und diese ganze atlantische Bande planen. Niemand nimmt mehr Rücksicht auf meine eigenen Bedürfnisse.
Dr. Babbis, fliegen Sie durch das Tor! Dr. Babbis, reparieren Sie das Tor! Dr. Babbis, aktivieren Sie dieses Gerät! Dr. Babbis, deaktivieren Sie jenes Gerät! Dr. Babbis, die Testreihen müssen fortgesetzt werden! Dr. Babbis, Sie müssen auf der Stelle herkommen! Dr. Babbis, bleiben Sie nur weg da!
So und noch anders geht es hier zu. Natürlich, ich bin der wichtigste Mann in der Stadt, wenn ich nicht hier wäre, wäre Vineta schon längst wieder stumm und tot. Aber selbst jemand wie ich braucht seine Ruhe, und seien es auch nur fünf Minuten, die man mir zugestehen sollte. Wenn mein Körper irgendwann nicht mehr kann, weiß ich, wem ich das zu verdanken habe.
Markham ist immer noch nicht zurück. Was, zum Kuckuck, macht der eigentlich so lange da oben? Der Handel ging um ein paar Tage, aber inzwischen sind es ... oh, doch erst der vierte Tag? Nun ja, es kommen mir mehr vor. Und ich kann nicht nachvollziehen, was er und die Erethianer da oben so lange treiben. Der Mond war begrünt, er hatte ein angenehmes Klima, was wollen sie denn noch mehr wissen? Oder legen sie schon Felder an? Mit einem Sack Saatgut sicher nicht die beste Idee.
Statt mich weiter an meinen Forschungen arbeiten zu lassen, zieht Stross mich immer weiter ab. Heute durfte ich, zusätzlich zu Williams' Team, durch die Stadt ziehen auf der Suche nach Energiefressern - als würde uns das mehr als ein bißchen Zeit erkaufen! Zudem kommt, daß ich letzte Nacht durchgearbeitet habe - Dorns Prothese ist so gut wie fertig. Zumindest ein Lichtblick in dieser Finsternis.
Vashtu, wo bist du, wenn man dich braucht? Und ich könnte dich im Moment wirklich sehr gut hier gebrauchen. Aber du sitzt weiter gemütlich in der Prometheus und grinst wahrscheinlich auf deine übliche Art zu uns hinunter, während du dich vielleicht sogar mit Pendergast endlich geeinigt hast. Noch ein Nebenbuhler! Hat dir deine Erfahrung mit diesem Psycho-Kerl nicht gereicht?
Ach, was schreibe ich da schon wieder? Ich sollte - Vashtu wird wiederkommen, das ist klar. Sie wird wiederkommen! Wenn sie jemand wirklich gut kennt, dann weiß er, daß sie nichts unversucht lassen wird, um wieder hierher zurückzukehren. Ihre Arbeit hier ist noch nicht erledigt. Und sie ist zu zuverlässig, um irgendetwas nur halb zu tun. Wenn sie noch nicht wieder hier ist, kann das eigentlich nur bedeuten, daß sie wieder irgendetwas mit Pendergast auszutragen hat. Ansonsten würde nichts sie davon abhalten, Vineta wieder zu betreten. Nur allein die Sache mit dem Forschungs-Sektor liegt ihr doch ziemlich schwer im Magen. Hoffentlich wird sie nie herausfinden ...
Ich sollte allmählich selbstständiger werden. Ich kann mich nicht immer auf Vashtu Uruhk verlassen und hoffen, daß sie mir helfen wird. Aber wenn nicht sie, wer dann? Wem kann ich hier denn noch vertrauen? Stross auf jeden Fall wohl nicht, im Gegenteil, sie scheucht mich doch herum wie ... Nun ja, ihr billiger Sklave bin ich nicht, darauf kann sie sich verlassen. Was auch immer sie mir jetzt antun wird, es wird noch Folgen haben, darauf kann sie sich verlassen!
Aber was können wir tun, wenn Vashtu nicht zurückkommt? Wie sollen wir uns dann weiter schützen? Ich weiß schließlich, was Stross mit ihr vorhat, und ich muß zugeben, ich halte es für eine sehr gute Idee. Vielleicht wird mir nicht jeder zustimmen, aber ... Militärische Leiterin, gleichberechtigt neben Stross stehen, in alle Entscheidungen der Stadt involviert sein? Wer würde sich das nicht wünschen? Und, vor allem, es würde sich einiges ändern, wäre Vashtu hier und auf diesem Posten. Niemand würde mich mehr herumscheuchen, auch Stross nicht. Vashtu hat Verständnis für meine Bedürfnisse. Sie würde das nicht zulassen.
Die Frage ist eher, weiß sie selbst, was sie will? Sie tut so viel, eigentlich jetzt schon alles. Sie auf diesen Posten zu setzen, würde das ganze nur offiziell machen. Die Frage ist, weiß Vashtu eigentlich, was sie bereits getan hat für Vineta? So ganz sicher bin ich mir da nämlich nicht. Sie gluckt noch immer, wenn es um die Stadt geht. Sie hat Angst vor etwas, nur weiß ich immer noch nicht, vor was genau. Aber ich bin sicher, irgendwann wird sie mir das sagen können - wenn sie von der Prometheus zurück ist. Ja! Ich bin ihr Vertrauter. Wenn sie nicht mir traut, wem dann?
Ich wünschte nur, es würde schneller gehen. Viel schneller. Wenn sie nur wieder hier wäre, wenn irgendjemand mit dem Gen hier wäre außer mir. Ich werde das nicht mehr lange durchhalten können.
TBC ...
11.12.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies VI
Was tatsächlich geschah:
„Keine, wie auch immer gearteten Alleingänge mehr Ihrerseits, Dr. Babbis. Kein weiteres Erforschen der Planetenkiller, kein Verschwinden in Bereiche, in denen wir Sie nicht erreichen können. Und lassen Sie, bei Gott, Ihre Gedanken bei sich, wenn Sie das nächste Mal in einem Jumper sitzen und in ein Gefecht geraten. Wir brauchen jede Drohne, die wir haben, solange wir nicht wissen, wie hoch die Bewaffnung des Stuhles ist." Anne sah Babbis streng an. „Haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
Der junge Wissenschaftler starrte sie einen Moment lang mit beinahe erboster Miene an, dann aber nickte er. „Ja, ich habe verstanden."
Anne seufzte und lehnte sich zurück.
Sie konnte nur hoffen, daß zumindest diesmal ihre Worte auch Gehör gefunden hatten. Aber zumindest hatte sie einen Zeugen: Sergeant Williams saß auf dem zweiten Stuhl vor ihrem Schreibtisch, warf Babbis Blicke zu, die sie nicht deuten wollte. Jedenfalls waren sie alles andere als freundlich, soviel konnte sie immerhin guten Gewissens behaupten.
„Aber wenn ... Ich meine, ich könnte doch ..." Der junge Wissenschaftler schloß wieder den Mund auf eine Geste von ihr.
Hatte er am Ende tatsächlich ein schlechtes Gewissen?
Anne war überrascht. Was hatte Dorn Babbis gesagt, daß er plötzlich so kleinlaut wirkte? Es mußte auf jeden Fall ziemlich ... überzeugend gewesen sein, fand sie. Zumindest ein kleiner Fortschritt, wenigstens stand das zu hoffen.
Anne wandte sich jetzt an Williams: „Sie wollten noch einmal nach P1V-121 zurück, Sergeant?"
Der Marine nickte und beugte sich vor. „Vielleicht können wir die Sache mit den Omaniern wieder einrenken. Zumindest hoffe ich das, Mam. Ihr komisches Saatgut könnten wir jedenfalls mehr als gut gebrauchen, davon ist auch Leamura überzeugt. Sie meint, sie würde dieses Zeug kennen. Früher einmal hätten die Erethianer es angebaut und große Gewinne in einem Jahr erzielt."
Anne nickte, griff nach ihrem Datenpad und rief sich Markhams letzten Bericht auf den tragbaren Bildschirm. „Wie es aussieht, besitzt der Mond, wie auch der Planet Jahreszeiten. Falls die Omanier etwas haben, daß wir in einem Herbst pflanzen und nächstes Jahr ernten können ... immer her damit. Scheuen Sie sich nicht, ihnen anzubieten, was Sie können, Sergeant."
Williams nickte, stemmte sich hoch und warf Babbis wieder einen zweifelnden Blick zu. „Aber vielleicht ..." Er schloß den Mund, zuckte dann mit den Schultern. „Ich warte in der Pyramide auf Sie, Doc." Damit verließ er das Büro.
Babbis sah ihm kurz nach, dann machte er selbst Anstalten, sich zu erheben.
„Was ich Ihnen noch sagen wollte, Dr. Babbis", wandte Anne sich unvermittelt an ihn, ließ ihn wieder zurücksinken auf den Stuhl und sie ratlos betrachten, „der Auftrag für Sergeant Williams wird heute Ihre einzige Aufgabe zum Thema Flüge sein. Sie setzen ihn auf dem Planeten ab und kehren sofort zurück hierher, um die Reparatur des Gates fortzusetzen. Sie meinten wohl zu Miss Walsh, daß es zumindest noch möglich sein, nicht wahr?"
Babbis zuckte mit den Schultern. „Wenn Sie mich fragen, sollten wir das Gate so schnell wie möglich austauschen. Sobald wir eine leere Welt gefunden haben, meine ich."
Anne runzelte die Stirn. „Major Uruhk meinte, es könne noch eine Zeitlang halten. Sie würde gern ein intergalaktisches Tor suchen."
Babbis kniff kurz die Lippen aufeinander, begann an seinem Ohrläppchen zu zupfen. „Das Loch ist größer geworden, Dr. Stross", antwortete er endlich. „Und, wie ich es sehe, wird es mit jedem Gang durch das Tor weiter wachsen. Irgendwann kracht uns das Tor über den Köpfen zusammen, und ich möchte dann nicht gerade in einem Jumper sitzen. Tut mir leid, aber das ist die einzige Option, die ich sehe."
Anne beugte sich wieder vor, stützte sich mit beiden Ellenbogen auf ihrem Schreibtisch ab. „Und wie, denken Sie, sollten wir das Tor austauschen? Wir haben keine Öffnung, die auch nur annähernd groß genug wäre im Gateroom, um irgendein Sternentor hinein oder hinaus zu befördern."
Babbis' Gesicht rötete sich. „Das Schott ist nicht groß genug? Sind Sie sich da sicher?"
„Wie sollen wir ein Sternentor durch ein Sternentor transportieren, Dr. Babbis?" fuhr Anne fort.
Der begann wieder, nervös an seinem Ohrläppchen zu zupfen, zuckte schließlich mit den Schultern.
Anne nickte und lehnte sich wieder zurück. „Ich denke, sobald Major Uruhk wieder zurück ist, werden wir uns darüber einmal genauer unterhalten. Sie ist doch wohl diejenige, die Sie angeleitet hat, was die Technik von Sternentoren betrifft, oder nicht? Vielleicht fällt ihr eine Lösung ein."
Babbis kniff wieder die Lippen aufeinander, nickte dann aber. „Wie Sie meinen, Dr. Stross", knurrte er.
Anne war sich sicher, noch nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit mit dem jungen Wissenschaftler gewechselt zu haben. Aber im Moment, zumindest hoffte sie das, würde er wohl auf sie hören und sich nicht wieder irgendwohin verdrücken, sobald ein wenig Zeit war.
„Gut, dann sollten Sie jetzt Williams' Team durch das Tor bringen. Und, wie gesagt, sofortige Rückkehr nach dem Absetzen. Sie werden hier gebraucht, Dr. Babbis." Sie erhob sich, als auch er es tat.
In diesem Moment schrillte der Alarm los.
Anne zuckte sichtlich zusammen, aktivierte sofort ihr Funkgerät. „Was ist los?" Ihr Blick fiel automatisch auf das Stargate, doch dort war nichts festzustellen. Was auch immer da vorging, mit dem Tor hatte es wohl nichts zu tun.
„Eine Explosion im hinteren, privaten Bereich", antwortete Walshs Stimme. „Sieht wohl nicht gut aus. Wir brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können."
Anne nickte, warf Babbis einen auffordernden Blick zu, dann tippte sie wieder auf ihr Funkgerät, um Williams zu erreichen: „Tut mir leid, Sergeant, aber Ihre Reise werden Sie wohl noch ein bißchen verschieben müssen. Es gab einen Unfall. Dr. Babbis wird auf der Krankenstation gebraucht."
„Brauchen Sie Hilfe?" kam prompt die erwartete Frage.
Babbis warf ihr einen verblüfften Blick zu, rührte sich aber noch immer nicht.
Anne straffte die Schultern. „Ich bin mir nicht sicher, aber wenn Sie Zeit haben, kommen Sie hin. Wie es sich anhörte, haben wir einen Brand im hinteren Teil des öffentlichen Sektors."
„Verstanden." Williams klang plötzlich sehr geschäftsmäßig.
Anne sandte Babbis einen weiteren Blick, deaktivierte das Funkgerät und funkelte ihn schließlich an, als er noch immer nicht reagierte. „Worauf warten Sie denn noch, Dr. Babbis? Sofort in die Krankenstation mit Ihnen!"
Der junge Wissenschaftler blinzelte verständnislos. „Was ist los?" fragte er verblüfft.
„Ein Unfall, das ist los. Wie es aussieht, gibt es wohl Verletzte."
Babbis blinzelte wieder, drehte sich dann um und verließ wortlos ihr Büro.
Anne seufzte und schüttelte resignierend den Kopf. Sollte einer diesen Mann verstehen!
***
Marc Boyer war Krankenpfleger aus Leidenschaft und Berufung. Im Gegensatz zu vielen anderen seines Jahrgangs hatte er nie davon geträumt, irgendeinen gefährlichen Beruf auszuüben. Er hatte immer anderen helfen wollen - und zwar mit seinem Wissen um Medizin.
Aber was ihn erwartete, als er den Schauplatz der Explosion erreichte, darauf war er nicht wirklich gefaßt gewesen. Irgendwie erinnerte es ihn an seine kurze Zeit in New York, direkt nach dem 11. September. Was er damals gesehen hatte, hatte ihn mehr an einen Kriegsschauplatz erinnert als an ein Bombenattentat.
Flammen schossen aus dem niedrigen Gebäude, dessen eigentlichen Nutzen für die Stadt er nicht einmal zu ahnen wagte. Menschen mit leeren, verzweifelten Gesichtern, teils blutig, teils auch nur rußverschmiert, standen in träger Apathie herum und starrten einfach nur zum geöffneten Eingang hinüber, aus dem das Feuer gierig leckte. Mehr als genug Menschen lagen, teils verstümmelt, auf der Straße. Überall waren Blut und Trümmerteile.
Boyer winkte zwei andere Pfleger zu sich. „Die Verletzten nach Schwere einteilen. Sucht euch ein paar Leute, die euch helfen können, sie zur Krankenstation zu bringen", wies er sie an und beobachtete ein paar Erethianer, die bereits mit ersten Löscharbeiten beschäftigt waren.
„Was ist passiert?" rief ihm jemand zu.
Boyer drehte sich um und sah Dr. Stross auf sich zukommen. Etwas hilflos hob er die Schultern. „Ich weiß es nicht."
„Wir fanden ein Gerät, das eingeschaltet war." Einer der helfenden Erethianer war stehengeblieben, hatte seinen Wassereimer einem anderen gegeben. „Da wir wissen, wie sehr ihr um die Energie bangt, dachten wir, wir geben das weiter. Dr. Winston bot seine Hilfe an. Er ist immer noch da drin." Er wies mit dem Arm zu dem brennenden Gebäude.
Einige Militärangehörige kamen endlich zum Explosionsort, fügten sich sofort bei den Erethianern ein.
Stross atmete tief ein, klopfte dann auf das Funkgerät. „Andrea? Keine Gate-Reisen, solange wir das hier nicht unter Kontrolle haben", befahl sie dann.
„Wenn das Feuer einmal ausgebrannt ist, dürfte sich das ganze schnell erledigt haben", erklärte Boyer mit der Kraft seiner Erfahrung.
Stross warf ihm einen zweifelnden Blick zu. „Ich habe Dr. Babbis zur Krankenstation geschickt, Marc. Hoffentlich kann er helfen."
„Das wird er. Solange Dr. Grodin noch nicht hier ist, sind er und Markham unsere einzige Chance." Boyer zwang sich zu einem Lächeln. „Vor allem durch diese Heilungsgeräte der Antiker, die Babbis gefunden hat."
Stross drehte sich um, ihre angespannte Miene wurde etwas weicher, als sie den Mann im Rollstuhl sah, der, so schnell er konnte, zu ihnen kam.
„Habe noch ein paar Erethianer für die Hilfe organisiert", meldete der Marine.
Boyer nickte. „Wenn Sie nichts dagegen haben, gehe ich jetzt zur Krankenstation. Meines Wissens ist nur Miss Erhardt im Moment dort."
Stross nickte, wandte sich wieder Dorn zu und sprach hektisch auf ihn ein.
Boyer warf den beiden noch einen letzten Blick zu, dann machte er sich eilig daran, zur Krankenstation zu kommen.
Dort war er nicht wenig überrascht, Dr. Babbis vorzufinden, der sich bereits durch die Geräte der Antiker wühlte, die sie hier vorgefunden hatten. Nur ein geringer Teil war Boyer selbst zugänglich, der das ATA-Gen nicht in sich trug. Auf Babbis dagegen reagierten alle, wenn sie beide auch oft genug selbst über die Wirkungsweise rätselten.
„Nehmen Sie einfach das Handgerät, Doc", riet er dem jungen Mann, während bereits die ersten Verletzten eintrafen. „Das wird das beste sein."
Schwester Ehrhardt kam aus dem kleinen Nebenraum gehastet, den sie bis jetzt als Aufenthaltsraum nutzten. „Marc, ein Teil des Gebäudes ist eingestürzt! Die Helfer wurden ebenfalls verletzt."
Boyer fluchte leise, wandte sich dann wieder den ersten Schwerverletzten zu und begann sie einzuteilen, damit Babbis sich so schnell wie möglich an die Arbeit machen konnte.
„Aber ... was kann ich denn tun?" fragte der junge Wissenschaftler plötzlich.
Boyer schüttelte unwillig den Kopf. „Nehmen Sie dieses komische Handgerät, das Sie gefunden haben, und sehen Sie zu, daß sich die offenen Wunden schließen. Um alles andere kümmern wir uns", befahl er unwirsch, achtete gar nicht weiter auf den jungen Mann. „Claudia? Wir brauchen alles an Betten, was sich irgend finden läßt. Such dir ein paar Leute, die dir helfen können."
Die Krankenschwester nickte und verschwand wieder, diesmal allerdings durch die Eingangstür.
Boyer atmete tief ein, wandte sich dem nächsten Verletzten zu und begann diesen, so gut es eben ging, zu untersuchen.
„Doc, Sie sollten langsam in die Gänge kommen!" schnauzte er nach hinten, als die zweite Fuhre eintraf.
„Aber ..."
Boyer fuhr herum und sah einen blaßen Babbis mit riesengroßen, schreckensgeweiteten Augen hinter sich stehen. „Jetzt machen Sie endlich!" fuhr er den jungen Mann an.
„Ich kann aber kein Blut sehen", verteidigte der sich lahm.
„Dann sollten Sie es ganz schnell lernen!"
***
Peter fühlte sich ausgelaugt, als er endlich den letzten der Verletzten versorgt hatte. Überall schien immer noch Blut zu sein. Und er war sich sicher, er würde die nächsten Nächte Alpträume von abgetrennten Gliedmaßen und Schwerstverbrennungen haben. Irgendetwas würgte in seiner Kehle, doch das konnte kaum möglich sein, denn er hatte seit dem Morgen nichts mehr zu sich genommen.
Boyer und die anderen Pfleger, sowie die beiden Krankenschwestern und die Helfer, meist aus Dorns Sicherheitsteam, saßen mit leeren und rußgeschwärzten Gesichtern herum und starrten einfach nur vor sich hin.
„Wie spät ist es?" wagte Peter irgendwann zu fragen.
Boyer blinzelte zu ihm hinüber, in seinen Augen war pure Ungläubigkeit zu lesen. „Was?"
Peter hob den Arm und blickte auf seine Armbanduhr. Seufzend lehnte er sich gegen einen der Untersuchungstische und rieb sich den Nacken. „Sind jetzt wirklich alle versorgt?" fragte er schließlich.
Boyer musterte ihn immer noch, nickte dann aber. „Sieht so aus."
Peter ächzte, stieß sich von der Pritsche ab und humpelte Richtung Ausgang.
„Wo wollen Sie hin?"
„Ich muß noch das Stargate reparieren", wich der junge Wissenschaftler dem Pfleger aus und winkte ab.
„Sie sollten sich ebenfalls ausruhen, Dr. Babbis", wandte die deutsche Schwester ein.
Peter antwortete nicht, sondern öffnete müde die Tür und verließ die Krankenstation. Mittels des Liftes gelangte er erneut in den militärischen Sektor, schlich sich dort, todmüde wie er war, in das abgeschirmte Gebäude hinein.
Ihn erwartete noch Arbeit - aber andere als er gerade gesagt hatte. Ganz andere.
Den Planetenkillern warf er kaum einen Blick zu, sondern fuhr seinen Laptop hoch und begann, an einem anderen Problem zu arbeiten.
***
„Wo ist Dr. Babbis?" Anne sah sich sorgenvoll um.
Diese Explosion hatte eine nicht gerade geringe Lücke in die mageren Reihen der Bewohner von Vineta gerissen. Das Glück im Unglück war, zumindest soweit sie wußte, daß es nur einen Toten zu beklagen gab: Dr. Winston war der Explosion und den Flammen nicht entkommen, sondern hatte sein Ende in dem Raum gefunden, in dem dieses eigenartige Gerät gestanden hatte.
Boyer, der Pfleger, der zur Zeit die Leitung der Krankenstation inne hatte, erhob sich müde von seinem Schemel. „Er sagte, er müsse noch dringend das Stargate reparieren", antwortete er.
Anne runzelte die Stirn, aktivierte dann ihr Funkgerät. „Andrea, ist Dr. Babbis im Kontrollraum?"
„Nein", kam die prompte Antwort. „Hier ist er nicht aufgetaucht."
Anne holte tief Atem, drehte sich wieder zu den belegten Betten um und runzelte die Stirn. „Haben wir schwere Verluste?"
„Die meisten werden sich in ein paar Tagen wieder erholt haben, Dr. Stross", antwortete Boyer, trat an ihre Seite. „Dr. Babbis hat gute Arbeit geleistet, wenn auch äußerst zögernd."
„Zumindest einmal ..." seufzte Anne erleichtert und nickte. „Dann lassen wir ihn jetzt am besten ausruhen, was?"
Boyer sah sie lange und schweigend an, zuckte dann mit den Schultern. „Ich habe den Dienst erst einmal verdoppelt, nur für alle Fälle."
Anne nickte wieder.
Zumindest einmal hatte Babbis auf sie gehört, sie konnte es kaum glauben. Wo auch immer er sich jetzt gerade herumtrieb, sie hoffte nur, er ruhte sich etwas aus. Sie wußte von Major Uruhk, daß der Einsatz der Antiker-Geräte auf den ungeübten Geist sehr große Erschöpfung hervorrief. Und Babbis hatte sich, wie sie alle, nach diesem Tag wirklich eine Nacht voll Schlaf verdient.
„Eine gute Idee", wandte sie sich wieder an den Pfleger neben sich. „Leider konnten wir für Dr. Winston nichts mehr tun."
„Wie auch immer er auf die Idee kam, dieses Gerät selbst abzuschalten. Er hätte Dr. Babbis rufen sollen", wandte Boyer ein.
Auf Annes Stirn wuchs eine steile Falte.
Besser nicht daran denken, was hätte geschehen können, wenn Babbis auch noch in diese Explosion hineingeraten wäre. Damit wäre auch ihr letzter ATA-Träger außer Reichweite, einmal abgesehen von den Arbeiten, die er wohl durchführte, mit und ohne ihr Wissen. Wer konnte schon wissen, an was für Forschungen er immer saß.
„Wie sieht es mit dem Feuer aus?" erkundigte Boyer sich unvermittelt.
Anne schüttelte den Kopf. „Ist erloschen. Ich schätze, wir haben einen ganzen See in die Ruine gekippt. Aber hauptsache, es konnte sich nicht weiter ausbreiten."
Der Pfleger nickte. „Hoffentlich kommt Dr. Grodin bald herunter von der Prometheus." Seufzend beugte er sich etwas vor, die Hände in die Hüften gestemmt.
Hoffentlich, dachte Anne nur. Und hoffentlich auch die anderen, die sie so schmerzlich vermißte.
TBC ...
27.11.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies V
3. Tag
Danea blieb vor dem Puddlejumper stehen und wandte sich um. „Fliegen wir?"
Markham sah ihn etwas hilflos an, nickte dann aber, nachdem er noch einen Blick zurück auf ihr kleines Lager geworfen hatte. „Also gut. Ich weiß zwar nicht, was Sie zu finden glauben, aber fliegen wir ein paar Runden. Kann nicht schaden." Er grinste breit und trat an dem Erethianer vorbei in das Innere des kleinen Gleiters.
Danea folgte ihm und fühlte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann.
Gestern hatten sie vielleicht etwas gefunden. Klar zu erkennen war es allerdings nicht gewesen. Dennoch wirkte es nicht wie gewachsen, sondern eher wie gebaut. Eine niedrige Mauer, besser das kleine Stück einer solchen, meinte er ausgemacht zu haben zwischen den Bäumen. Doch Markham hatte darauf gedrungen, daß sie zurückkehrten ins Lager, auch um seine tägliche Meldung absetzen zu können.
Bisher, das mußte Danea zugeben, während er sich wieder auf dem Copilotensitz niederließ, sah alles sehr vielversprechend aus. Dieser Mond war bewohnbar, seine Erde fruchtbar und das Klima mild. Es stand zu hoffen, daß auch der Winter, der sicher in den nächsten Monaten einbrechen würde, nicht allzu sehr beuteln würde. Da allerdings war er sich noch nicht ganz sicher.
Markham startete die Triebwerke und ließ den Puddlejumper vom Boden abheben. „Wie lange, sagten Sie, ist dieses Goldene Zeitalter her?" fragte er.
Danea atmete tief ein, beugte sich dann vor und sah sich aufmerksam um, während der Mond unter ihnen wegsank. „Einige tausend Jahre", antwortete er schließlich. „So zumindest sagen es unsere Aufzeichnungen. Dabei aber ... wir zählen die Jahre schon eine Weile nicht mehr, nachdem die Devi immer größere Mengen auftrieben."
Markham nickte und lenkte den Jumper in eine niedrige Umlaufbahn. „Hört sich nicht sonderlich gut an, was Sie da immer über diese ... Hybridwesen erzählen."
Danea seufzte. „Es war auch nicht gut", antwortete er. „In den letzten vier Jahren sind allein über hundert meines Volkes in die Stadt gebracht worden. Und wir wußten, daß sie auch Menschen von außerhalb kommen ließen. Bis dahin freie Welten wurden versklavt."
Markham nickte nachdenklich. „Hört sich fast an wie bei den Wraith in der Pegasus-Galaxie", wandte er ein. „Aber die Devi operieren stationär, nicht wahr? Sie haben keine Basis-Schiffe."
„Sie haben große Schiffe, doch die sind erst in den letzten Jahren gebaut worden", entgegnete der junge Erethianer. „Eines wurde auf unserem Planeten gebaut, es ist zerstört worden in dem Feuer."
Markham runzelte die Stirn. „Davon hat Major Uruhk nichts gesagt."
„Sie wußte es nicht. Die Devi bauten es nicht in der Nähe der Stadt. Heron und Malek waren unterwegs und haben sich die Zerstörung angesehen, nachdem wir in die Stadt der Schöpfer gezogen sind", berichtete Danea. „Sie gingen auch dahin, wo die Devi dieses Schiff bauten. Nicht einmal Trümmer sind geblieben."
Markhams Kopf ruckte zu ihm herum. „Und wie weit waren sie mit diesem Schiff gekommen?" fragte er.
„Als ich das letzte Mal dort war ... ziemlich weit." Der Erethianer nickte. „Kannst du ein wenig tiefer gehen?"
Markham tat ihm den Gefallen und ließ den Jumper absinken bis auf ungefähr hundert Meter Höhe. „Sie könnten aber auch weggeflogen sein, oder?" fragte er dabei.
„Das hätten wir bemerkt", entgegnete Danea sofort und starrte weiter auf den Mond hinunter, der unter ihnen dahinzog. „Sie haben das Schiff nicht gestartet, nein. Sicher nicht. Obwohl ... Nein, die Prometheus hätte es bemerken müssen."
„Sicher?" Der Lieutanent klang alles andere als glücklich über diese Wendung.
Danea wandte seine Aufmerksamkeit von dem riesigen Frontfenster ab. „Was meinst du?"
„Ich meine, daß es Nacht war und dunkel. Die Prometheus ist beschädigt und uns sind, wie du sicher noch weißt, einige Rochen entkommen. Wenn diese Jäger so sind wie alles bekannte, dann dürften sie eigentlich nicht allzu weit gekommen sein", erklärte Markham mit einer leichten Anspannung in der Stimme. Sein Gesicht drückte deutlich Unwohlsein aus. „Wenn Überlebende allerdings auf dieses Schiff flüchten konnten, dann haben wir ein Problem, wenn sie ihre Verbündeten aufsuchen. Und Sie meinten, die Devi-Völker seien untereinander verbündet."
„Nicht alle", wandte Danea sofort ein. „In der näheren Umgebung gibt es keine Devi. Wir sind nicht einmal sicher, ob es noch andere bewohnte Planeten hier gibt. Die Devi bleiben eigentlich lieber für sich. Nur wenn das Volk zu groß wird oder es Krieg mit anderen Städten gibt, schließen sie sich zusammen."
Markham schien noch immer nicht sonderlich überzeugt.
Dafür aber sprang plötzlich die holografische Anzeige des Jumpers an und zeigte etwas wie eine Landkarte.
Danea staunte, dann begriff er.
Der Jumper hatte etwas gefunden!
„Was ist das?" Markham beugte sich vor, reckte dann den Hals und ließ den Jumper eine enge Kurve fliegen.
Danea richtete sich auf und beugte sich vor.
Was er allerdings sah, ließ ihn alles andere als beruhigt sein.
Dort unten, auf dem Boden, befanden sich tatsächlich Ruinen. Doch keine seines Volkes. Was da, halb verfallen, zwischen den Bäumen eines dichten Waldes auftauchte, sah aus wie eine winzige Stadt der Devi. Viel zu klein für eine Bedrohung, noch dazu offensichtlich seit Ewigkeiten verlassen. Aber es war da. Die Devi waren auch auf diesem Mond gewesen, vor langer, langer Zeit.
„Ein Außenposten!" entfuhr es Markham.
Danea schluckte, nickte dann aber.
Wenn es tatsächlich Erethianer auf diesem Mond gegeben hatte, wurde ihm klar, waren sie ebenso ausgelöscht worden wie so viele andere Völker. Die Devi hatten diesen Mond ebenfalls für sich besetzt gehalten, wahrscheinlich bis sie keinen Menschen mehr hatten finden können. Bis alle, die hier Zuflucht oder ein Zuhause gesucht hatten, aufgetrieben und in den Speisekammern der vielgliedrigen Wesen geendet waren.
Danea schloß seufzend die Augen.
Sie würden nichts mehr finden, gar nichts.
***
87. Tag
Unter welchem Gesichtspunkt man es auch immer sieht, meine Forschungen sind extrem wichtig für unser Überleben in dieser Galaxie. Es sind nicht nur die Devi und mögliche, mit ihnen verbündete und intrigante Menschen, die wir fürchten müssen, nein! Es sind unsere eigenen Leben. Wir haben kein ZPM mehr, da, dank der Erethianer, das letzte vollkommen entropiert war, als wir hier ankamen. Statt dessen haben Major Uruhk und ich Naquadah-Generatoren angeschlossen, um zumindest einen Teil der Bereiche zu erleuchten. Doch wohin das führen kann ...
Für mich persönlich war es heute wahrscheinlich der hektischte Tag, seit Markham zu seiner Expedition aufgebrochen ist. Ja, er ist noch immer nicht wieder zurück. Was auch immer er da oben treibt, heute hätte man ihn mehr als gut gebrauchen können hier unten. Denn es gab einen Unfall. Und mit diesem war ich beinahe den ganzen Tag beschäftigt.
Man stelle sich das vor: In einem abgelegenen Gebäude des zivilen Komplexes fanden einige Erethianer ein Gerät der Antiker. Anstatt gleich zu mir zu kommen, da ich mich mit der Technik dieses Volkes doch am besten auskenne, rannten sie zu einigen Wissenschaftlern. Doch auch die traten nicht an mich heran, sondern versuchten, den „Energiefresser" selbst abzuschalten - mit verheerenden Folgen.
Stross setzte sofort alle Gate-Reisen aus, bis die Verletzten versorgt waren. Zumindest so weitsichtig ist sie. Ich hätte wirklich nicht noch die Zeit gefunden, neben der Versorgung der Verwundeten auch noch Williams, der es noch einmal mit seinen Omaniern versuchen will wider besseren Wissens, hin und her zu kutschieren. Statt dessen war ich beinahe den ganzen Tag auf der Krankenstation damit beschäftigt, größere und kleinere Wunden zu versorgen.
Einen Toten haben wir zu beklagen: Dr. Richard Winston, ein Geologe. Weiß wer will, was ihn dazu getrieben hat, ausgerechnet in vorderster Linie zu stehen, das Gerät wahrscheinlich sogar selbst abschalten zu wollen. Nun können wir ihn das nicht mehr fragen. Stross war, selbstverständlich, entsetzt über dieses Schicksal. Ich dagegen denke, er hatte noch einen leichten Tod gegen das, was da noch auf uns zukommen mag.
Nun ja, zumindest habe ich heute damit begonnen, eine Prothese für Dorn anzufertigen. Nach reiflicher Überlegung schien es mir das beste, diese sobald wie möglich herzustellen, ehe er mir noch mehr auf den Zahn fühlt. Einige Geheimnisse sollten so lange wie möglich Geheimnisse bleiben. Es reicht, wenn ich diesen eigenartigen Kasten erforsche. Würde Dorn herausfinden, was ich da gefunden habe ... Aber lassen wir das.
Major Uruhk ist noch immer nicht zurück. Ach, Vashtu, wenn du wüßtest, wie dringend wir dich hier gebrauchen könnten! Oder liegt es am Ende nicht an ihr? Ist es dieser eingebildete Schnösel Pendergast, der sie wieder nicht zu uns kommen läßt? Ich frage mich, was er damit bezweckt. Er bringt nur noch mehr gegen sich auf, wenn er so weiter macht. Natürlich sitzt er noch immer am „längeren Hebel", wie Stross immer wieder betont. Aber aus welchem Grund sollte er diesen Hebel auch ausnutzen? Er braucht uns, wenn er die Prometheus jemals wieder flott haben will.
Vashtu fehlt mir, sie fehlt mir sogar sehr. Es vergeht kaum eine Minute, in der ich mich nicht nach ihren großen dunklen Augen sehne! Sie ist so schön, oder könnte es sein. Schlank, mit weiblichen Formen, ohne dabei so weiblich zu sein. Von der Größe genau richtig. Gut, über ihren Frisurgeschmack läßt sich streiten. Ich bin sicher, etwas längeres Haar würde ihr gut stehen, besser als dieser Struwwelkopf, den sie immer zur Schau trägt. Dieses absolute Schwarz ihres Haares ist ein wundervoller Kontrast zu ihrer blaßen Haut, an der selbst die Sommersonne nichts ändern kann.
Ja, ich schwöre, diese Frau ist wirklich eine Frau nach meinem Geschmack. Schon allein ihre Intelligenz! Gut, sie ist eine Antikerin, hat wesentlich mehr Jahre auf dem Buckel als wir uns überhaupt vorstellen können. Und natürlich ist da immer noch dieses unausgesprochene zwischen uns, diese kleine ... nun ja, Vorwegnahme meinerseits, da ich mit ihr gleichzuziehen gedachte. Aber sie ist einfach ... unglaublich! Intelligent und schön, wunderschön sogar.
Aber ich verkläre sie wahrscheinlich, zumindest denkt das ein möglicher Leser meiner Aufzeichnungen. Aber lassen Sie sich gesagt sein, Vashtu Uruhk ist einfach bemerkenswert! Wenn sie nur nicht so auf Colonel Sheppard anspringen würde. Ich frage mich ohnehin, was sie von ihm will. Er kann ihr in keiner Beziehung das Wasser reichen. Ich weiß es, der Colonel war einmal mein Team-Leader! Aber was soll ich schon tun? Ich kann nur abwarten, und ich hoffe, diese Zeit des Wartens wird mir irgendwann einmal mit einem unaussprechlichem Glück vergolten werden.
TBC ...
13.11.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies IV
Was tatsächlich geschah:
Anne blieb vor dem kleinen, dunklen Gebäude stehen und sah die Fassade hoch, die Lippen verärgert zusammengekniffen.
Sobald Major Uruhk wieder auf dem Planeten sein würde, sollte die sich Babbis auch noch einmal zur Brust nehmen. Die Antikerin hatte offensichtlich einen besseren Draht zu dem Wissenschaftler. Selbst Spitzbart fiel es deutlich schwerer, als er zunächst angenommen hatte, den jungen Mann zu bremsen. Jetzt ging Babbis ja sogar soweit und klinkte sich eigenmächtig aus den Forschungen aus, was auch immer das zu bedeuten haben sollte.
Anne atmete einige Male tief ein und straffte die Schultern.
Seit mehr als zwei Stunden hatte sie bereits versucht, Babbis zu erreichen. Aber der erwies sich als ebenso flüchtig wie ein Schatten. Nur durch Zufall hatte sie von einem der wenigen Militärangehöringen gehört, daß der Gesuchte sich oft in eben diesem Gebäude, das früher wohl einmal als Lagerraum genutzt worden war, aufhielt. Was auch immer Babbis hier tat, er tat es offensichtlich allein und vollkommen auf sich selbst gestellt. Noch dazu in einem der abgeschirmten Gebäude der Stadt, zu dem es noch immer keinen Funkkontakt gab - einer der Fehler, die Major Uruhk noch zu beheben gedachte, sobald sie irgendwann wieder in der Stadt war.
Anne trat an die Tür heran, berührte kurz den Öffnungsmechanismus und wappnete sich.
Es konnte einfach nicht angehen, daß Babbis tat, was ihm paßte. Immerhin war er bei der Unterredung ebenfalls anwesend gewesen, auf der der jetzige Status beschlossen worden war. Natürlich waren sie alle davon ausgegangen, daß die Antikerin ebenfalls hier sein würde, sobald die Expedition zum Mond startete, aber Babbis hatte ja sogar darauf bestanden, daß Markham flog.
Die Tür öffnete sich und enthüllte einen kleinen, sanft beleuchteten Vorraum.
Anne betrat das Gebäude und sah sich stirnrunzelnd um. Das hier sollte ein Lager gewesen sein? Irgendwie fiel es ihr schwer, das zu glauben, es sei denn, die Antiker hier waren vollkommen anders geartet gewesen wie die, die Atlantis bewohnt hatten.
Kurz orientierte sie sich neu, dann marschierte sie zu der einzelnen, gegenüberliegenden Tür und öffnete diese ebenfalls. Helles Licht brandete ihr entgegen, und ein einziger, gewaltiger Raum, der das gesamte Gebäudeinnere einzunehmen schien, öffnete sich vor ihren ungläubigen Augen.
Was war denn das hier? Irgendwie wirkte es auf sie nicht gerade wie ein Lager. Sie sollte darüber wirklich noch einmal mit Major Uruhk reden - sofern die jemals wieder von der Prometheus zurückkehren würde.
Anne trat ein und sah sich staunend um.
Nein, ein solches Gebäude kannte sie von Atlantis her nicht. Allerdings hatte ihre Arbeit dort sie oftmals an den Kontrollraum gefesselt, so daß sie selbst nach knapp zwei Jahren dort wenig mehr als den Zentralturm und den Anleger kennengelernt hatte. Irgendwie hatte sie das immer bedauert, aber einfach keine Zeit gefunden, sich die anderen Bereiche anzusehen, von denen die Expeditionsmitglieder sprachen. Hier würde das vielleicht anders sein, zumindest tat sie das ihrige, um Vineta besser kennenzulernen.
Der vermißte Wissenschaftler befand sich ungefähr in der Mitte des Raumes und stand über einen Tisch gebeugt, offensichtlich gerade mit irgendetwas beschäftigt.
Anne trat stirnrunzelnd näher.
Er mußte wirklich sehr beschäftigt sein, daß er ihr Eintreten bisher nicht wahrgenommen hatte. Aber das würde sie schnell zu ändern wissen.
„Dr. Babbis!" sagte sie im strengen Tonfall.
Der junge Wissenschaftler zuckte sichtlich zusammen und fuhr herum.
Anne kreuzte die Arme vor der Brust und sah ihn verärgert an. „Was fällt Ihnen ein, nicht zum Briefing zu erscheinen? Es ist wichtig, solange Sie der einzige verfügbare Pilot sind, daß Sie an den morgendlichen Besprechungen der Einsätze teilnehmen."
Babbis blinzelte hinter seiner Brille, schob sich die Sehhilfe wieder auf die Nasenwurzel. „Ich ... oh!" entfuhr es ihm. Er blickte auf seine Armbanduhr und staunte sichtlich. „Ich dachte, ich hätte noch Zeit", gestand er ihr dann zu wissen.
„Dann sollten Sie diese vielleicht jetzt verwenden und zumindest mir zuhören", schlug sie, weiterhin mit strenger Miene, vor. „Immerhin werden Sie wohl noch einige Tage einiges an Mehrstunden leisten müssen, solange Lieutenant Markham nicht vom Mond zurückgekehrt ist."
„Er ist immer noch nicht zurück?" Babbis schien wirklich verblüfft.
Anne stutzte, schüttelte dann unwillig den Kopf. „Was denken Sie denn, wie lange die Erkundung eines Himmelskörpers dauert, zumal, wenn wir diesen nutzen wollen?" fragte sie.
Babbis zuckte mit den Schultern, drehte sich wieder zum Tisch um und hantierte dort mit irgendetwas, was er mit seinem Körper verdeckte.
„Dr. Babbis!" Allmählich reichte es ihr. Irgendwann war auch ihr Geduldsfaden überspannt.
„Sekunde", murmelte er.
Anne atmete wieder tief ein. „Keine Sekunde, nicht einmal eine halbe", widersprach sie. „Sie haben noch genau zehn Minuten, ehe Sie zu Ihrem ersten Einsatz aufbrechen. Sie sollten sich besser bereit machen."
Babbis nickte, doch sie merkte ihm deutlich an, daß er ihr nicht wirklich zuhörte.
Mit schnellen Schritten war sie neben ihm und schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte. Der junge Mann schrak sichtlich zusammen.
„Hören Sie mir gefälligst zu, wenn ich mit Ihnen rede!" fuhr sie ihn an.
Babbis blinzelte wieder, richtete sich dann auf. „Ich arbeite hier an PKs, Dr. Stross", wandte er ein und wies auf das, was sich da vor ihm auf dem Tisch ausbreitete. „Bei allem Respekt, aber ich habe keine Zeit, Ihnen zuzuhören. Sie wollen doch, daß Major Uruhk hierbleibt, oder nicht?"
Anne funkelte ihn wütend an. „Major Uruhk will hier bleiben, und ich kann ihre Entscheidung nur begrüßen", sagte sie betont ruhig. „Aber, und hier sind Sie in der Pflicht, Sie haben sich bereit erklärt, Markhams Dienst mit zu übernehmen, solange er nicht hier ist. Irre ich mich, oder haben Sie ihn fast genötigt, zu dieser Expedition aufzubrechen, obwohl er warten wollte, bis Major Uruhk von der Prometheus zurück ist?"
Babbis kniff die Lippen fest aufeinander, wandte sich erneut seiner Arbeit zu. „Ich habe keine Zeit, zumal mir ja nur zehn Minuten bleiben."
„Dr. Spitzbart hat Sie beurlaubt, damit Sie sich voll und ganz auf die Flüge konzentrieren können", fuhr Anne wütend fort, „und nicht, damit Sie weiterhin an den Planetenkillern herumbasteln. Also sollten Sie auch genau das tun, haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
„Jaja", murmelte er, doch ihm war deutlich anzumerken, daß er wieder nicht hingehört hatte.
Allmählich platzte ihr der Kragen, mußte Anne zugeben. So einen sturen Esel wie Babbis hatte sie noch nie erlebt! Viele waren ja davon überzeugt gewesen, daß Dr. McKay egozentrisch war, aber dieser junge Mann stellte den Spitzenwissenschaftler bei weitem in den Schatten.
Anne griff zu und zerrte ungeduldig das Gehäuse, an dem Babbis gearbeitet hatte, zu sich hin. „Zwingen Sie mich nicht zu Maßnahmen, die Sie bereuen würden", drohte sie dabei. „Ich warne Sie ein letztes Mal, Dr. Babbis. Und sollte so eine Schlappe wie gestern noch einmal vorkommen, werden Sie sich wünschen, noch auf der Erde zu sein. Ich bin gern bereit, Ihnen Zeit zuzugestehen, in der Sie an den Planetenkillern arbeiten können. Aber der Moment könnte gar nicht ungünstiger gewählt sein als jetzt. Also tun Sie sich selbst einen Gefallen und konzentrieren Sie sich auf die Flüge durch das Tor, sonst könnten Sie sehr schnell bereuen, nicht auf der Prometheus geblieben zu sein!"
Babbis starrte sie groß an, dann hoben sich seine Schultern, seine Lippen wurden wieder schmal.
„Und jetzt werden Sie so schnell wie möglich zur Base gehen und das erste Team durch das Gate befördern", befahl Anne hart. „Haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
„Ich bin nicht Ihr Sklave, Dr. Stross!" Babbis starrte sie noch einen Moment lang an, dann drehte er sich auf dem Absatz um und marschierte aus dem gewaltigen Raum.
Anne sah ihm kopfschüttelnd nach.
Was mochte da noch auf sie zukommen?
***
Andrea Walsh fuhr gerade einige Subroutinen in den Nebenprogrammen des Stargates durch. Nebenprogramme, mit denen niemand von ihnen etwas anfangen konnte.
Irgendwie schien Vineta an sich bereits ein einziges Experiment zu sein, zumindest konnte sie kaum etwas anderes sagen nach den ersten Wochen in dieser Stadt auf ihrem Posten. Sie konnte nur hoffen, daß Major Uruhk, sofern sie noch einmal hier herunter kommen würde, mehr dazu sagen konnte als sie, denn soetwas hatte sie noch nie gesehen.
Das Jumper-Schott fuhr ein, gerade als sie wieder etwas gefunden hatte, mit dem sie rein gar nichts anzufangen wußte.
Andrea blickte auf, aktivierte dann den Schild, als sie begann, Stimmen zu hören. Irritiert blinzelte sie einen Moment lang, dann breitete sich ein Grinsen über ihr Gesicht aus, als sie erkannte, wer da sprach.
Offensichtlich hatten sowohl Dr. Babbis als auch Captain Claine vergessen, ihre Funkgeräte aufeinander abzustimmen.
Einige ratlose Blicke trafen ihre Kehrseite. Andrea zuckte nur gutgelaunt mit den Schultern und beobachtete, wie der Jumper sacht im engen Gateroom auf das Tor einschwang, dann hinuntersank, bis er direkt vor dem Ereignishorizont schwebte. Ein erhebender Anblick, wie sie immer wieder fand.
Gern würde auch sie selbst einmal durch das Tor gehen, um Abenteuer zu erleben. Auf der anderen Seite war sie froh, daß man sie auf ihrem jetzigen Posten, sozusagen als Verantwortliche für Torbetrieb und den aktivierten technischen Einrichtungen der Stadt, akzeptierte. Auf Atlantis hatte sie meist zurückstecken müssen in dieser Beziehung. Da war es Chuck gewesen, der sich oft genug die Haare gerauft hatte. Hier war es bisher eher ruhig, und sie hoffte, so würde es auch bleiben, auch wenn das wahrscheinlich ein frommer Wunsch sein würde.
„Das Tor befindet sich unter Wasser, Doc. Ich hoffe, Sie denken daran", hörte sie die Stimme des Captains gerade sagen.
Das allerdings war auch etwas, an das sie sich erst einmal gewöhnen mußte. Tore auf Planeten und im Orbit ließ sie sich ja noch gefallen, aber in tiefen Schächten und auf dem Meeresgrund? Das war schon eine etwas andere Geschichte. Und sie fragte sich wirklich, wie die Antiker auf diese Positionen gekommen waren. Denn die Teams, die bisher auf eben solche Stargates getroffen waren, berichteten einhellig, was bisher nur ein Verdacht gewesen war: Die Tore waren tatsächlich ursprünglich bereits an diesen Stellen aufgestellt worden.
„Ich weiß!" knurrte Babbis' Stimme gereizt.
Wo der sich wohl herumgetrieben hatte? Stross war jetzt schon mehr als angespannt, sobald auch nur andeutungsweise der Name des jungen Wissenschaftlers fiel. Und Markham würde sich erst wieder gegen Abend melden. Die Frage war, ob die Leiterin ihn dann zurückbeordern würde. Obwohl die Erforschung des Mondes mindestens so dringend sein würde wie jeder Fremdweltkontakt, den sie herstellen konnten.
„Und denken Sie bitte auch daran, daß wir nicht einwählen können. Es gibt kein DHD. Insofern ist die Terminierung hier sehr wichtig. Ich habe keine Lust, auf diese Devi zu treffen und ... Naja, Sie wissen wahrscheinlich besser, was dann geschieht als ich", fuhr der Captain fort.
„Nein, weiß ich nicht."
„Jumper 14, Sie können einwählen. DHD ist freigegeben", meldete Andrea jetzt im geschäftsmässigem Ton.
Würde Babbis auffallen, daß seine Leitung offen war?
Sie beobachtete, wie die Symbole begannen zu tanzen und ein Chevron nach dem anderen einrastete. Dann allerdings ... Der Knall war fast ohrenbetäubend.
Andrea verzog unwillig das Gesicht, schaltete den Schutzschild manuell aus und beobachtete den Jumper, der in das Feld des Autopiloten glitt, dann im Tor verschwand.
Irgendwas mußten sie gegen diese Lautstärke unternehmen. Das wurde mit jeder Einwahl schlimmer!
Das Wurmloch erlosch, nachdem der Gleiter verschwunden war. Dafür beobachtete Andrea, wie etwas zu Boden fiel. Mit großen Augen beugte sie sich vor.
„Was war das?" hörte sie die Stimme von Dr. Stross schräg neben sich.
„Ich schätze, das war das Loch im Chevron", antwortete sie, musterte nun das Tor sehr interessiert. Doch von ihrem Standpunkt aus war das Einschußloch nicht auszumachen.
„Was? Aber Major Uruhk meinte, es sollte ein wenig halten."
Andrea zuckte ratlos mit den Schultern, gerade als die Einwahl erfolgte. Sofort richtete sie sich wieder auf und schaltete beide Schilde zu.
„Keine Ahnung. Es fiel etwas runter, nachdem das Wurmloch zusammenbrach", erklärte sie. „Ich schätze, Dr. Babbis bekommt noch ein wenig Arbeit nach ..." Die nächste Etablierung ließ ihre Kaffeetasse tanzen. Eilig griff sie danach und konzentrierte sich auf den, mit dem Tor verbundenen Laptop. „... seiner Rückkehr. Wann ist der nächste Gang geplant?"
„In einer halben Stunde." Stross seufzte, beugte sich jetzt ebenfalls nach vorn und musterte den Ereignishorizont.
„Dr. Babbis' Kennung." Andrea ließ den ersten Energieschild fallen, der zweite aber blieb aktiviert. Darauf hatten sie sich geeinigt, sofern nicht Major Uruhk durch das Tor wollte. Sie glaubten, deren Fremdzellen würden den zweiten Schild vielleicht nicht unbeschadet durchqueren können.
Der Puddlejumper tauchte wieder auf, das Wurmloch erlosch.
Andrea schaltete nun auch den zweiten Schild ab.
„Was denken die sich eigentlich? Ich bin doch nicht der Lakai für alle!" meckerte es in ihrem Ohr.
Sie wechselte einen Blick mit Stross und grinste wieder in sich hinein.
Die blonde Leiterin von Vineta aktivierte ihr Funkgerät. „Dr. Babbis, schön daß Sie so schnell zurück sind. Sie haben eine halbe Stunde vor dem nächsten Flug. Danach könnten Sie sich bitte noch einmal das Tor ansehen. Das Einschußloch, das geschweißt wurde, ist offensichtlich wieder offen. Bei diesem Lärm brauchen wir den Devi gar nicht unter die Augen zu treten, die werden schon allein davon hergelockt."
Andrea kicherte, kümmerte sich wieder um die Subroutinen und überflog die Unterprogramme.
Das konnte wirklich noch heiter werden mit Babbis als einzigem Piloten. Gestern hätte er beinahe das Schott zerlegt, heute fiel das Tor auseinander. Sie fragte sich, was als nächstes geschehen würde.
***
Peter knurrte einige unwillige Flüche in sich hinein, während er die Leiter plazierte und sich dann das Stargate noch einmal von unten ansah.
Was würde er jetzt um Vashtus Fremdzellen geben, die es ihm ermöglichen würden, einfach so das Tor hinaufzuklettern. Aber statt dessen hatten er und einer der Erethianer diese Leiter herschleppen müssen, natürlich durch das Treppenhaus, da die Lifte für etwas so langes nicht ausgelegt waren.
„Ich schalte den Schild zu, für alle Fälle", meldete sich Walshs Stimme im Gateroom. Das Programm für die Aktivierung der Lautsprecher hatten sie also auch ohne seine Hilfe gefunden. Mutig, diese beiden Damen.
Peter brodelte leise vor sich hin, während er jetzt die Leiter hinaufstieg, um sich das Einschußloch noch einmal von nahem anzusehen.
Was hatten diese Idioten im Kontrollraum eigentlich angestellt, daß das Stahlteil wieder herausgefallen war aus dem Tor? Er wußte es nicht, und sehr wahrscheinlich würde er es auch nicht herausfinden können. Tatsache war, sie hatten hier ein Sternentor mit einem Loch in einem der Schlüsselelemente. Es funktionierte zwar, aber bei dem Krach bei einer Etablierung konnte es durchaus zu Gehörschäden führen.
Vashtu hatte das Loch zwar, wie gesagt, bereits einmal verschweißt, doch irgendwie hatte sich der Metallklumpen wieder vom Naquadah gelöst. Und da sie hier bis jetzt keine Ersatzteile gefunden hatten ...
Peter runzelte die Stirn. „Schild abschalten!" befahl er dann, beugte sich gefährlich weit über, um sich das Loch besser ansehen zu können.
Wie war es nur irgendjemandem gelungen, in dieses Material ein Loch zu schießen? Ihm war eigentlich noch nichts untergekommen, das ein Sternentor wirklich dermaßen dauerhaft beschädigen konnte.
Peter tastete mit der Hand nach dem Loch, steckte zwei Finger hinein.
Irrte er sich, oder war es größer geworden, seit sie es sich das letzte Mal angesehen hatten? Sicher war er sich da nicht, immerhin hatte er da unten gestanden, und von unten sah es immer noch gleich groß aus. Andererseits schien der Krach, der bei einer Etablierung entstand, zuzunehmen, und das sprach schon dafür, daß dieses Tor bald dem Weg alles Irdischen folgen würde.
„Und?"
Peter richtete sich wieder auf und drehte sich herum. Andrea Walsh stand oben an der Treppe und sah ihn auffordernd an.
„Das Tor ist hin", antwortete er schulterzuckend. „Ich kann es noch einmal schweißen, aber das wird das ganze nicht wirklich aufhalten. Wir brauchen ein neues Sternentor, denn sonst können wir bald wieder aus dem Netzwerk herausfallen."
Walsh nickte sinnend. „Keine Chance, daran irgendetwas zu ändern?" erkundigte sie sich und kreuzte die Arme vor der Brust.
Peter sandte ihr einen verächtlichen Blick, drehte sich wieder um. In diesem Moment bemerkte er, wie die Symbole und Shevrons begannen aufzuleuchten. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.
Oh nein! Wer wählte sich denn da von außen ein? Und warum ... ?
So schnell wie möglich machte er sich an den Abstieg, doch er wußte, er würde es nicht schaffen. Nicht vor der Etablierung. Er würde elendig draufgehen, das war absolut sicher. Doch wenigstens würde er versuchen, dem Tod noch zu entkommen. Er mußte!
Mit einem gewaltigen Donnerschlag formte sich das Wurmloch.
Peter kniff die Augen zusammen und erwartete, mit hochgezogenen Schultern und eingezogenem Kopf, sein Ende. Würde es wenigstens schnell gehen? Würde er überhaupt etwas spüren? Würde ... ?
„Schild aktiviert. Kennung von Captain Sanchez", meldete sich Walshs Stimme wieder im Gateroom.
Peter atmete einige Male tief ein, dann öffnete er vorsichtig ein Auge, dann das zweite.
Er lebte noch! Und er lebte, weil ...
Sein Kopf ruckte herum und er starrte auf den schimmernden Energieschild, der das Wurmloch verbarg. Erleichtert seufzend lehnte er sich gegen die Sprossen.
Zumindest eine in diesem Laden war schnell genug, um wenigstens den Schild zu aktivieren, ehe er, zur Zeit wohl der wichtigste Mann in Vineta, draufgehen konnte.
„Doc, Sanchez und sein Team haben ein Problem", meldete Walsh mit besorgter Stimme. „Sie stehen unter feindlichem Feuer. Die Devi sind auf dem Planeten."
Gut, keine kleine Erholungspause, auch wenn er sie dringend gebrauchen konnte.
Peter nickte und kletterte die restlichen Sprossen der Leiter hinunter. Das hörte sich ja zumindest nach einem schnellen Einsatz an. Dann konnte er vielleicht doch noch etwas tun, ehe er Claines Team wieder abholen mußte.
Peter schob die Leiter zur Seite. Das Wurmloch fiel in sich zusammen, doch der Schild blieb aktiviert.
„Schaffen Sie das so schnell wie möglich? Hörte sich nicht gerade gut an", fuhr Walsh fort.
Peter warf der Verglasung der Kontrollzentrale einen verächtlichen Blick zu. „Der Jumper steht draußen vor der Tür. In ein oder zwei Minuten bin ich wieder da."
Sofern er den Gleiter auf dem engen Platz in die Luft kriegen würde, ohne auch noch eines der benachbarten Gebäude zu beschädigen, rief er sich in Gedanken zur Ordnung. Aber schließlich war er ja, laut Vashtu, ein Naturtalent im Fliegen eines Puddlejumpers.
Peter eilte aus dem Raum und nahm den Lift nach unten. Dann hetzte er aus dem Turm heraus und schwang sich in seinen Jumper.
Zumindest der unangenehme Teil dieses Tages schien schnell vorbei zu sein ...
***
„Sergeant? Tut mir leid, daß ich Sie störe."
Dorn blickte interessiert auf und begann zu schmunzeln, als er die blonde Frau erkannte, die gerade sein Büro betreten hatte. Auffordernd nickte er und lehnte sich in seinem Rollstuhl zurück.
Stross seufzte, packte mit beiden Händen die Lehne des Stuhles auf der anderen Seite des Schreibtisches und begann diese mit ihren Fingern zu kneten. „Ich weiß mir allerdings keinen anderen Rat mehr, solange Major Uruhk auf der Prometheus ist."
Dorns Schmunzeln wurde zu einem Grinsen. „Macht der Kleine Ärger?" fragte er.
Stross' Miene war ihm Antwort genug. Leise gluckste er in sich hinein.
„Ärger? Er macht, was er will, nicht was er soll!" knurrte die Leiterin der Stadt. „Ich habe jetzt mehrmals versucht, mit ihm zu reden, aber er läßt sich einfach nichts von mir sagen. Statt seine Arbeit zu tun, versteckt er sich hier im militärischen Sektor in einem abgeschirmten Gebäude und bastelt an den Planetenkillern herum. Und seine Dienste als Pilot für andere Teams lassen deutlich zu wünschen übrig. Williams Teams kann sich auf P1V-121 nicht mehr sehen lassen, Claine und seine Männer saßen über Stunden auf P1V-119 fest und Sanchez hatte auf P1V-122 alle Hände voll zu tun, damit Babbis sie durch das Tor flog, nachdem er erst einmal durch war. Offensichtlich hat er die Devi direkt auf die Spur des Teams gesetzt und sämtliche Drohnen verschossen. Als sie zurückkehren wollten, hatte man das Tor gesperrt und Babbis weigerte sich schlichtweg, das DHD des Jumpers zu benutzen. Ganz davon zu schweigen, was er bisher in der Stadt angerichtet hat. Ich habe bereits mit Markham gesprochen, doch der möchte wenigstens noch zwei Tage auf dem Mond bleiben, um dort etwas zu überprüfen. Wir können nicht auf Fremdwelteinsätze verzichten, und es scheint immer dringlicher zu werden, daß wir Handelsbeziehungen aufnehmen."
Dorn nickte sinnend, faltete die Hände in seinem Schoß. „Der Doc ist ein bißchen schwierig. Selbst Vash hatte da ihre Schwierigkeiten zu Anfang", gab er zu bedenken.
Stross seufzte und ließ den Kopf hängen. „So geht es nicht mehr weiter. Wir kommen von und hinten nicht voran, weil er sich durchsetzen will. Es ist absolut gar nichts gegen seine Forschungen zu sagen, ganz im Gegenteil wäre ich froh, wenn wir mehr Energie zur Verfügung hätten. Aber so, wie es im Moment läuft ..."
Dorn schürzte nachdenklich die Lippen und sog die Wangen ein. „Ich rede mit ihm", entschied er nach einer kleinen Weile. „Habe da sowieso noch etwas zu klären."
Stross lächelte dankbar, als sie aufblickte. „Ich würde das normalerweise nicht von Ihnen verlangen, Sergeant, aber ... ich weiß mir selbst keinen Rat mehr."
Dorn löste die Bremsen seines Rollstuhls und dirigierte diesen um seinen Schreibtisch herum. „Machen Sie sich mal keine Sorgen. Wenn Vash wieder unten ist, werden sich seine Dummheiten schon einrenken."
Stross nickte mit verkniffener Miene. „Aber solange ... Wir haben noch immer keinen Kontakt zur Prometheus. Allmählich beginne ich, das schlimmste zu befürchten. Wie es aussieht, basteln die Techniker wohl wieder am Antrieb. Wenn Pendergast den Major wieder in die Brick gesperrt hat ..."
„Sie hat versprochen, daß sie wiederkommt. Vash hält ihre Versprechen, Doc." Mit einer entschlossenen Bewegung rollte er den Stuhl an ihr vorbei zur Tür. „Vashtu Uruhk ist verläßlich wie ein Uhrwerk."
„Aber es ist nicht nur sie, die dort oben festsitzt. Dr. Grodin gehört eigentlich ebenfalls zu meinem Stab. Im Moment haben wir nicht einen Arzt, nur eine Handvoll Pfleger." Stross folgte ihm aus dem Büro heraus und schlug an seiner Seite den Weg Richtung Lift ein. „Ganz zu schweigen von Heimdahl, der sich uns anschließen wollte, und dann einige der höherstehenden Offiziere und ein paar Marines, die gern hier bleiben würden. Die beiden anderen Majors Barnes und Dethman wären eine deutliche Ergänzung zu unserem Team hier unten. Und Sie wären doch sicher auch mehr als froh, wenn Sie ein paar Leute mehr für Ihren Sicherheitsdienst hätten, oder?"
Dorn nickte wieder sinnend, rollte in den Lift hinein und drehte sich zu ihr um. „Weiß sie davon?" fragte er nachdenklich.
„Mittlerweile sicherlich", antwortete Stross zögernd. „Barnes hat an der Rettungsmission teilgenommen, Grodin es ihr sogar selbst gesagt, weil ... Die Sache mit ihrem Blut, Sie verstehen, oder?"
Dorn nickte, wendete den Rollstuhl, als die Wissenschaftlerin den Lift wieder verließ und rollte ihr hinterher. „Wird schon", sagte er dabei.
„Hoffentlich!" Stross seufzte schwer, blieb dann stehen. „Soll ich Sie begleiten, Sergeant?"
Dorn schüttelte den Kopf und sah sich kurz auf dem neuen Flur um, auf dem sie angekommen waren. „Nicht nötig", sagte er dann und rollte weiter, bis zu einer Tür an der Seite, die sich vor ihm öffnete.
Der Raum dahinter war erfüllt von Gesprächen und dem leisen Gelächter verschiedener Menschen. Tee- und Kaffeeduft lag in der Luft, und der nicht ganz so angenehme Gestank aus dem Bereiter, der die Breie, von denen die Vineter sich inzwischen größtenteils ernährten, herstellte aus den Resten von allerlei, das sie innerhalb und außerhalb der Stadt fanden.
Dorn rollte in die Kantine hinein und sah sich aufmerksam um. Dann grinste er wieder, als er die einsame Gestalt erkannte, die allein an einem der Tische saß und mit wenig Enthusiasmus, dafür aber der Miene eines leidenden Märtyrers Löffel für Löffel verspeißte.
Der Marine fuhr seinen Rollstuhl zwischen den anderen Menschen hindurch, die sich für abendliche Gespräche versammelt hatten. Irgendwo lief leise Musik, wurde jedoch von den vielen Stimmen fast übertönt.
„N'abend, Doc", sagte Dorn, als er sich bis zu Babbis vorgearbeitet hatte.
Der blickte irritiert auf und blinzelte, schob sich dann mit der freien Hand die Brille wieder auf die Nasenwurzel zurück. „Dorn." Er nickte grüßend, beugte sich wieder über das Datenpad, in dessen Dateien er offensichtlich las, während er seinen Brei löffelte.
„Hab gehört, es läuft nicht ganz rund." Dorn lehnte sich zurück und sah sich um.
Was er sah, beruhigte ihn. Die Menschen, die hier zusammengekommen waren, waren ein recht gemischter Haufen aus Wissenschaftlern, Technikern, Militär und einigen Erethianern. Offensichtlich war die Zeit der Isolation gerade letzterer vorbei, und das stimmte ihn froh. Er hatte schon die Befürchtung gehabt, die Einwohner dieses Planeten würden sich irgendwann komplett abkapseln und ihre neuen Mitbewohner links liegen lassen. Daß dem aber offensichtlich doch nicht so war, beruhigte ihn ein wenig, machte ihn gleichzeitig aber auch etwas stolz. Immerhin war er wohl nicht ganz daran unbeteiligt gewesen, nachdem er, bei einem abendlichen Treffen dieses kleinen Völkchens, um die Hilfe gebeten hatte, die die Erethianer der Expedition geben konnten. Und auch Vashtus Entscheidung, ausgerechnet Danea, den Sohn eines der Ältesten, in ihr SG-Team aufzunehmen, schien nicht ganz unschuldig daran, daß die Erethianer inzwischen doch wieder Vertrauen zu fassen schienen in die neuen Bewohner der verbotenen Stadt.
„Kann ich irgendetwas für Sie tun?"
Dorn wandte sich wieder Babbis zu und sah ihn auffordernd an. „Wollte fragen, wie weit meine Prothese ist", sagte er. Dabei ging es ihm um den künstlichen Beinersatz nicht so wirklich.
Der junge Wissenschaftler schluckte sichtlich. „Ich ... äh ..." Er schloß den Mund und straffte die Schultern. „Im Moment bin ich ein bißchen ausgelastet. Wenn Vashtu wiederkommt, soll alles bereit sein, damit sie die Prometheus nicht mehr fürchten muß."
Dorn hob eine Braue. „Wußte gar nicht, daß sie das Schiff fürchtet", entgegnete er.
Babbis wurde rot. Verlegen senkte er den Blick auf seinen Teller. „Ich ... naja ..."
Dorn nickte. „Soll nicht ganz rund laufen für Sie, sagt man", wiederholte er seine Eingangsworte.
Babbis spielte mit dem Löffel, malte Muster in den unansehnlichen Brei, schwieg jetzt aber mit zusammengekniffenen Lippen.
Dorn nickte und beugte sich vor. „Lassen Sie die Bomben erst einmal. Vashtu wird Ihnen dabei wahrscheinlich helfen können", sagte er eindringlich und leise. „Konzentrieren Sie sich auf die Flüge und die Arbeit für Spitzbart, Doc. Das ist erst einmal wichtiger. Wir wissen nicht, wann Vashtu wieder zurückkommt. Dann ist immer noch genug Zeit. Markham braucht noch ein paar Tage."
Babbis' Brauen schoben sich unwillig zusammen, doch er nickte.
Dorn lehnte sich entspannt wieder zurück.
Zumindest war seine Botschaft angekommen.
TBC ...
Abonnieren
Posts (Atom)