13.10.2011

Aus dem Tagebuch eines Genies III

Tag 2:
Danea wanderte an Markhams Seite über die sonnenbeschienene Oberfläche des Mondes. Hüfthohes Steppengras beschwerte ihrer beider Gang ein wenig, wenn auch nicht viel. Die Sonne schien angenehm warm vom Himmel.
Was haltet ihr bis jetzt von diesem Mond?" erkundigte der Lieutenant sich unversehens.
Danea nickte nachdenklich. „Bis jetzt ... ?" echote er, riß sich dann aus seinen Gedanken. „Es sieht gut aus hier. Es ist angenehm, die Erde offensichtlich recht fruchtbar. Allerdings wird es harte Arbeit werden, Felder anzulegen."
Markham an seiner Seite zog etwas aus einer der Taschen seiner Überlebensweste und riß es in der Mitte entzwei. Ein Stück hielt er ihm hin. Danea griff stirnrunzelnd danach und drehte es zwischen seinen Fingern. Glänzendes, metallfarbenes Papier verhüllte, was auch immer sich in diesem Ding verbergen mochte. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie der Lieutenant seine Hälfte von der Umhüllung befreite und einen schmalen, hellen Streifen von irgendetwas ans Licht brachte, den er sich in den Mund steckte und darauf herumkaute.
Probieren Sie nur. Ist nicht giftig. Nur Kaugummi", sagte der junge Militär schließlich. „Hatte ich mir bei der letzten Versorgung mitbringen lassen. Aber inzwischen habe ich leider nicht mehr allzu viel." Ein bitteres Lächeln erschien auf seinen Lippen.
Danea betrachtete wieder, was man ihm gereicht hatte. „Kaugummi?" fragte er, wickelte sein Stück schließlich aus und steckte es sich in den Mund. Ein herber, frischer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus, und er roch noch einen Rest von etwas, was er noch nie wahrgenommen hatte.
Markham nickte. „Einfach nur kauen, solange es Geschmack hat. Naja, auch noch ein bißchen länger. Je nachdem ob man es mag oder nicht."
Danea nickte.
Der Streifen wurde in seinem Mund zu einen kleinen Klumpen, auf dem er herumkaute, noch immer diesem eigenartigen Geschmack nachsinnend. „Ich muß sehr dumm auf euch wirken", sagte er nach einer Weile.
Markham schüttelte den Kopf, stützte die Arme auf seine Waffe. „Blödsinn!" entgegnete er. „Ich finde, ganz im Gegenteil, Sie scheinen sehr intelligent zu sein. Sie nehmen die ganzen Neuerungen klaglos hin. Ihr ganzes Volk tut das."
Danea nickte mit einem verschämten Lächeln. „Für euch ist so vieles selbstverständlich, was wir nie getan haben ... oder schon lange verloren." Er sah sich wieder um.
Er kannte die Überlieferungen seines Volkes wahrscheinlich ebenso gut wie jeder andere. Die Goldenen Zeiten, als die Erethianer Städte errichteten, in den Weltraum aufbrachen und ein reiches Volk waren. All das war von den Devi sehr schnell zerstört worden, hieß es. Selbst Ruinen waren von den Städten nicht geblieben. Gar nichts, abgesehen von einigen tiefen Kratern, die er früher oft aufgesucht hatte. Dort sollten die Städte gestanden haben, die die Devi bereits bei ihrem ersten Angriff in Schutt und Asche legten.
War vielleicht auch dieser Mond damals bewohnt gewesen? Hatte es auch hier Erethianer gegeben, die diesen Himmelkörper bewohnbar machten, hier vielleicht sogar das eine oder andere anpflanzten?
Er wußte es nicht, doch irgendwo tief in sich hoffte er, daß sie vielleicht noch etwas finden würden, irgendwo. Ein winziger Beweis, daß es dieses Goldene Zeitalter wirklich gegeben hatte.
Markham blieb stehen, fummelte an einer anderen Tasche herum und zog schließlich dieses Ding hervor, daß er auch schon von seiner Wanderung nach Vineta bei Major Uruhk gesehen hatte.
Da vorn ist der Puddlejumper, mit dem SG-27 hier strandete", murmelte der Lieutenant nachdenklich.
Was ist das für ein Gerät?" fragte Danea, nachdem er seinen Stolz wieder heruntergeschluckt hatte.
Markham warf ihm einen kurzen Blick zu, dann hielt er es ihm hin.
Danea hob abwehrend die Hände. „Ich bin kein Erbe der Schöpfer."
Markham begann zu grinsen. „Dafür muß man das Gen nicht tragen. Es ist ein Fernglas, mehr nicht." Auffordernd hielt er es ihm immer noch hin.
Danea griff jetzt doch zögernd danach und hielt es sich vor die Augen, wie er es vorher bei dem Lieutenant gesehen hatte. Ungläubig staunte er. „Das ist ... Die Bäume sind auf einmal so nahe!"
Ein Fernglas ist so beschaffen, daß man Dinge wie von nahem sehen kann, die doch recht weit entfernt sind", erklärte Markham.
Danea staunte, senkte das Fernglas und blinzelte. „Das ist wirklich erstaunlich!" Er wechselte einen Blick mit dem Militär.
Markham nickte. „Stimmt. Wir aus der Milchstraße haben die eine oder andere Lösung parat, das gebe ich zu. Wenn wir auch längst nicht so weit entwickelt sind wie die Antiker, eure Schöpfer, es gewesen sind."
Danea reichte ihm das Fernglas zurück. „Wir haben auch das eine oder andere. Bei uns heißt es Nahe-Kristall", erklärte er. „Ein durchsichtiger Stein, der so geschliffen worden ist, daß man Dinge heranholen kann."
Also, so rückständig könnt ihr demnach nicht sein." Markham verstaute das Fernglas wieder in seiner Überlebensweste. „Kommen Sie, sehen wir uns den Jumper etwas näher an."
Danea nickte, sah sich noch einmal um. „Das hier sieht wirklich sehr gut aus. Schade, daß es schon so spät im Jahr ist. So werden wir mit der Aussaat bis nach dem Winter warten müssen."
Markham blinzelte. „Winter?"
Ja, Winter. Ich schätze, daß hier ist ein Spätsommer, so wie das Gras aussieht", fuhr der Erethianer fort. „Hätten wir irgendetwas, was man über Winter ziehen kann, könnten wir vielleicht schon im Frühjahr ernten. Aber so?" Er zuckte etwas hilflos mit den Schultern. „Aber wir können Felder anlegen für das nächste Jahr. Dann haben wir vielleicht auch etwas mehr Saatgut."
Ihr habt hier Jahreszeiten?" fragte Markham.
Danea nickte. „Natürlich. Kennt ihr die etwa nicht?"
Von der Erde her schon." Markham sah sich jetzt nachdenklich um. „Aber in Atlantis gab es keine, zumindest keine spürbaren. Und auch von vielen anderen Welten aus der Milchstraße sind Jahreszeiten so gut wie unbekannt. Wie sieht ein Winter denn in Ihrer Heimatwelt aus?"
Es ist kalt und beginnt zu schneien. Meist nicht sehr angenehm. Wir haben immer gesehen, daß wir Vorräte anlegen konnten. Aber die sind nun ja ... äh, nicht mehr da."
Das müssen wir unbedingt Dr. Stross bei unserem nächsten Bericht weitergeben. Das könnte wichtig für uns sein." Markham sah sich mit neuerwachtem Interesse um.

***

86. Tag
Wenn diese Zeilen irgendwann einmal jemand finden sollte, sollte er auch wissen, mit wem er es zu tun hatte: Mein Name ist Peter Babbis, Doktor Peter Babbis, Dipl. Ing. Meine Fachgebiete sind eigentlich Maschinenbau, Mathematik und Astrophysik. Früher einmal war ich Mitglied, und Stellverteter des Leaders, in dem Erd-SG-Team Nummer 27. Wir strandeten hier, wie bereits an früherer Stelle geschrieben, mit einem Puddlejumper, nachdem wir in ein aktiviertes Supergate gestürzt waren.

Wir, das bedeutet natürlich ich selbst und meine Leaderin Major Vashtu Uruhk. Außerdem waren noch Sergeant George Dorn und mein, leider früh verstorbener Kollege James-Robert Wallace mit dabei. Gemeinsam hatten wir uns vielen Aufgaben und Feinden gestellt und zumeist gewonnen. Major Uruhk dankt mir heute noch für meine, ihr Leben rettende Idee während ihrer Geiselhaft in der Pegasus-Galaxie. Ihr haben die restlichen Mitglieder von SG-27 viel zu verdanken gehabt, bzw. tun es immer noch, so daß wir mit der Zeit immer enger zusammenwuchsen. Ich denke, unsere Treffen in unserem Stammlokal in Colorado Springs dürften noch immer legendär sein.

Wenn jemand diese Aufzeichnungen nach meinem Tod durch die Devi oder andere Feinde finden sollte, möchte ich denjenigen bitten, sie an das SGC auf der Erde weiterzuleiten, da es sicherlich sehr wertvolle Erkenntnisse enthält, vor allem über Dimensionsstürze und auch über unsere neuen Feinde, die Devi. Sollte es uns nicht gelingen, sie irgendwie aufzuhalten, könnten diese Hybridwesen vielleicht eines Tages Pegasus und auch Milchstraße überrennen. Ich bin sicher, bis dahin werde ich noch einige Erkenntnisse über sie gesammelt haben. Nicht zu vergessen sei hier auch der Kontrollstuhl auf Antarktica zu erwähnen. In externen Speichern werden Aufzeichungen aus der Stadt Vineta, in der wir uns zur Zeit befinden, aufbewahrt, wie mir Major Uruhk vertraulich mitteilte.

Aber genug davon, kommen wir zum heutigen Tag:

Stross fühlte sich wieder befleißigt, mich von meiner, unser aller Überleben sichernder Arbeit abzuhalten mit allerlei dummen Geschwätz. Wie die meisten Frauen eben so sind, macht sie sich um ungelegte Eier Sorgen. Dabei dürfte es doch wohl allzu klar sein, wem sie so viel in dieser Stadt zu verdanken hat. Aber Frauen sollte man am besten reden lassen, wenn sie ihre Emotionen ausleben müssen.

Dabei, und das muß ich zugeben, macht sie ihre Sache als Leiterin hier nicht einmal schlecht. Nun gut, das eine oder andere ist durchaus noch verbesserungswürdig, aber zumindest scheint sie zu wissen, was sie tut. Als Assistentin der, in dieser Dimension früh verstorbenen Dr. Weir hatte sie allerdings auch eine sehr gute Lehrerin. Ich selbst war ja für einige Zeit auf Atlantis nach der Geiselhaft, um mich von der rüden Behandlung durch den Genii-Terroristen Kolya zu erholen. Dabei lernte ich die Dr. Elizabeth Weir meiner Dimension kennen. Und ich beneide sie nicht um Teile ihres Stabes. Lt. Colonel Sheppard mag ja noch ... Nun, er strengt sich zumindest an, und das sollte man als Wissenschaftler auch respektieren. Aber jemanden wie Dr. Rodney McKay zum führenden Wissenschaftler zu machen ist in meinen Augen eine glatte Fehlentscheidung und stärkt ihn nur noch in seiner Vernarrtheit in sein Ego. Da bin ich etwas versöhnlicher, zugegeben.

Nun, wie dem auch sei. Stross kam zu mir und weinte sich aus. Ich gebe zu, ich hörte ihr nicht wirklich zu. Die PK-Forschung erfordert mein ganzes Können. Immerhin sind diese eigentlichen Waffen sehr kompliziert aufgebaut und hochexplosiv. Darum habe ich mich auch zur näheren Erforschung in ein leerstehendes Gebäude des militärischen Komplexes zurückgezogen. Ich will schließlich nicht die ganze Stadt in die Luft sprengen, sollte etwas schiefgehen. Stross jedenfalls scheint mir im Moment etwas überfordert mit der Situation. Markham noch immer auf diesem Mond, ich weiß nicht, was er da so lange treibt mit Danea und den beiden anderen Erethianern, Major Uruhk immer noch auf der Prometheus, die sich weiterhin in Schweigen hüllt.

Wie nicht anders zu erwarten, ging es natürlich wieder um meine Dienste als Jumper-Pilot für ein SG-Team. Besser gesagt, um deren zwei. Zwei Einsätze, die heute noch sehr dringend geflogen werden mußten. „Wenn es sonst nichts ist", meinte ich nur dazu. Was hätte ich denn auch anderes sagen sollen? Major Uruhk hat mich ja bereits mehrmals als Naturtalent im Fliegen bezeichnet, und inzwischen machen mir die AIs auch nicht mehr die Probleme, wie ich sie zu Anfang dieser zweifelhaften Karriere hatte. Ich flog also Claines Teams als erstes durch das Tor, kehrte hierher zurück und setzte kurz darauf Sanchez' Team ab. Kein großes Problem, zumal Stross mir die Warterei ersparte, die nichts als pure Zeitverschwendung ist.

Kaum an meine Forschungen zurückgekehrt, wurde ich allerdings schon wieder ausgerufen und sollte Sanchez' Team abholen, da diese auf einige Devi gestoßen sind. Nun, muß ich erwähnen, daß der Captain mir sein Leben zu verdanken hat? Selbstverständlich nicht. Es war ja abzusehen. Claine dagegen ließ sich wirklich Zeit mit seiner Rückkehr. Und da es, wieder einmal, eine kleine Störung am Tor gab, sah ich mich zudem befleißigt, mir das ganze noch einmal anzusehen. Ich muß zugeben, Major Uruhk hat durchaus recht mit ihrer Einschätzung. Dieses Stargate ist alles andere als vertrauenserweckend. Wir sollten so bald wie möglich sehen, wie wir es austauschen können.

Dorn lief mir dann auch noch über den Weg, natürlich, während ich mein Abendessen einnahm. Diesen unverdaulichen Nährungsbrei, dem wir im Moment alle ausgeliefert sind - ein schreckliches, kaum herunterzubringendes Zeug. Wer auch immer diese Maschinen erfunden hat, man sollte ihn, selbst nach mehr als zehntausend Jahren, noch im All aussetzen.

Nun, Dorn kam auf jeden Fall zu mir an den Tisch und sprach mich auf die Prothese an, die er von mir haben will. Und natürlich habe ich bisher leider nicht die Zeit gefunden, diese Prothese anzufertigen. Wie soll ich es sagen, dieser Planet verfügt zwar über einen Tagesrhythmus von 28 Stunden, aber selbst ich muß auch irgendwann einmal schlafen. Und solange wir keinen Arzt in Vineta haben, wobei angemerkt sein sollte, daß ich wirklich nicht weiß, woher wir einen solchen Quaksalber nehmen sollten, werde ich wohl auch weiterhin auf Schlaf angewiesen sein, gerade in einer solchen Situation.

Nun ja, ich versprach Dorn, seine Prothese so bald wie möglich in Angriff zu nehmen. Solange Major Uruhk auf der Prometheus sitzt, können wir sowieso nichts weiter tun als abwarten. Natürlich wäre es von Nutzen, sie so bald wie möglich wieder in der Stadt zu wissen. Aber, wie gesagt, Pendergast hüllt sich in Schweigen. Wollen wir hoffen, daß sich dieses Problem irgendwann einmal lösen wird.

Meine Wohnungssuche verlief weiter erfolglos. Ich habe zwar ein bestimmtes Objekt im Auge, allerdings bin ich mir ziemlich sicher, daß es nicht genehmigt werden wird, wenn ich mich in der Kommandozentrale des militärischen Sektors einmiete. Was wirklich schade ist. Einen solchen Platz findet man sonst nicht in dieser Stadt. Irgendwie wirkt alles recht eng und klein. Möglicherweise liegt es schlicht an der Tatsache, daß Vineta in einer gewaltigen Höhle erbaut wurde und das Szenario wirklich etwas bedrückend wirkt.

TBC ...

06.10.2011

Aus dem Tagebuch eines Genies II


Was tatsächlich geschah:
Dr. Anne Stross blickte auf, als sich die Tür zu ihrem Büro öffnete. Erleichtert nickte sie ihrem Gast zu. „Dr. Babbis." Sie seufzte.
Der junge Wissenschaftler trat langsam ein, ließ die Tür hinter sich wieder zugleiten. „Sie wollten mich sprechen?" fragte er mißtrauisch.
Anne nickte, legte ihr Datenpad zur Seite und faltete die Hände vor sich auf dem Schreibtisch. „Lieutenant Markham ist mit einer Gruppe Erethianer zum Mond hochgeflogen. Ich wußte nicht, ob Sie sich das Datum gemerkt hatten."
Hatte ich." Babbis nickte, hob leicht die Brauen.
Anne sah ihn ernst an. „Ich muß zugeben, ich mache mir ein bißchen Sorgen darum, daß Sie sich vielleicht ... etwas viel zumuten. Das ganze wird kein Pappenstiel. Wenn es nicht klappen sollte, werde ich Markham natürlich sofort zurückholen. Solange Major Uruhk sich noch auf der Prometheus befindet ..."
Das wird nicht nötig sein", entgegnete Babbis.
Auf Annes Stirn wuchs eine steile Falte.
Seit der Besprechung, bei der natürlich davon ausgegangen worden war, daß die Antikerin so schnell wie möglich wieder in Vineta sein und zumindest die Tor-Flüge würde übernehmen können, waren zehn Tage vergangen. Zehn Tage, in denen sie keinerlei Kontakt mehr zur Prometheus gehabt hatten. Woran auch immer es liegen mochte, sie wußte es nicht zu sagen.
Babbis aber hatte geradezu auf der Einhaltung dieses Termins bestanden, als müsse er sich selbst etwas beweisen. Vielleicht war das auch tatsächlich so, Anne wußte es nicht zu sagen. Auf jeden Fall aber mutete der junge Mann sich in ihren Augen etwas viel zu, wenn er tatsächlich seine eigenen Forschungen noch weiter verfolgen wollte, neben seiner Arbeit für Spitzbart und den Flugdiensten für die Außenteams, die Major Uruhk gemeinsam mit Markham zusammengestellt hatte, bevor sie wieder zurückgekehrt war auf das Schiff.
Ich brauche noch Ihren letzten Bericht, Dr. Babbis", wechselte Anne jetzt das Thema.
Babbis sah sie stirnrunzelnd an. „Den letzten Bericht?" fragte er etwas irritiert.
Anne nickte. „Wir waren doch überein gekommen, daß wir weiter vorgehen wie bisher auf Atlantis. Und das bedeutet, für jeden Einsatz werden von allen Beteiligten Berichte verfaßt. Ich würde den Ihren gern bis heute abend noch in Händen halten, wenn möglich."
Babbis atmete tief ein. „Aber ... ich war nur Chauffeur für Williams, ebenso wie heute."
Trotzdem. Es muß nicht viel sein. Aber ich würde auch gern die Wurmlöcher im Auge behalten. Sie wissen, was Major Uruhk dazu meinte, als sie sich das Tor noch einmal angesehen hat vor ihrem Abflug."
Babbis kniff die Lippen zusammen, zupfte nervös an seinem Ohrläppchen. Doch schließlich nickte er.
  Natürlich würde er sich erinnern können. Er war ja der einzige, der wirklich mit der Antikerin zusammenarbeitete. Nicht daß es an anderen interessierten Kandidaten gemangelt hätte, aber Vashtu Uruhk hatte ihre Wahl, gerade was das Tor betraf, damit begründet, daß Babbis bereits halbwegs eingearbeitet war in die Materie und auch mit den Werkzeugen umzugehen wußte, die sie aus einer Gerätekammer, die sonstwo verborgen war, hergeschafft hatte.
Insofern hatte sie natürlich recht. Außerdem waren sie beide ein eingespieltes Team. Kein Wunder also, daß die Antikerin auf ihn bestand. Auch wenn es sicherlich einfacher für alle Beteiligten, abgesehen von Babbis selbst, gewesen wäre, hätte sie jemand anderen eingearbeitet.
Wir sollten das Tor austauschen, ja ich erinnere mich", antwortete der junge Wissenschaftler.
Anne nickte befriedigt.
Ich werde mir das Gate noch einmal ansehen, sobald ich Zeit habe", fuhr Babbis fort.
Anne hob den Kopf wieder. „Dr. Babbis, Sie werden wenig genug Zeit haben, glauben Sie mir. Williams will heute noch einmal nach P1V-121, um erneut zu verhandeln. Das allein wird Sie schon Zeit kosten. Sie wollten doch auch noch an den Planetenkillern ... Habe ich das eigentlich richtig verstanden, was Sie tun wollten? Planetenkiller zur Energiegewinnung nutzen, um auch die bisher nicht aktivierten Bereiche der Stadt hochfahren zu können?"
Wenn Sie Major Uruhk hier haben wollen, müssen wir den Schild hochfahren und im Dauerbetrieb laufen lassen", entgegnete er im schulmeisterlichen Tonfall. „Die Naquadah-Generatoren geben aber nicht genug Energie dafür. Die PKs dagegen ... Nun, Sie haben gesehen, was sie auf diesem Planeten angerichtet haben, Dr. Stross. Und sie können noch wesentlich mehr. Der PK, der irgendwie in die Milchstraße gekommen ist, hat erst einen Planeten in Scheiben geschnitten und ist dann explodiert und hat das Tor auf diesem Himmelskörper zerstört. Wenn wir eine Energiequelle gewinnen können, die so stark ist, sind wir für eine Weile relativ unabhängig von ZPMs, wenn ein PK natürlich auch nicht annähernd die Energie speichern oder hergeben kann, die ein Kristall liefert."
Anne nickte nachdenklich.
Also hatte sie doch richtig gehört. Die Frage war eher, würde Vineta einen überforderten und sicher sehr gestreßten Babbis, der an explosiven Planetenkillern arbeitete, überleben, oder sollte sie ihm die Forschung zunächst einmal streichen. Sie war sich da im Moment nicht so ganz sicher, mußte sie zugeben.
Lieutenant Markham wird ja auch nicht allzu lange fortbleiben, wie es in der Besprechung hieß. Der Mond ist ja nicht so groß." Babbis rückte seine Brille zurecht, warf dann einen Blick auf seine Armbanduhr. „Wann will Williams durchs Tor?"
In zwei Stunden." Anne zögerte immer noch. „Ich könnte mit Dr. Spitzbart reden, damit er Sie vom Dienst in seinem Labor freistellt", schlug sie schließlich vor.
Das wird nicht nötig sein." Babbis lächelte sie hochmütig an und nickte. „Wenn Sie also sonst nichts mehr haben, würde ich mich jetzt gern vorbereiten."
Anne nickte, sah ihm zweifelnd nach.
Irgendwie beschlich sie das Gefühl, sie sollte Markham doch wieder zurückholen und die Sache mit dem Mond aussetzen, zumindest solange, bis die Antikerin wieder in Vineta war. Dann hätten sie zumindest drei Piloten.

***

Dr. Walter Spitzbart öffnete die Tür zum Büro seines Assistenten, warf einen Blick hinein und runzelte die Stirn. „Dr. Babbis?" fragte er schließlich.
Der junge Mann richtete sich auf und blinzelte irritiert in seine Richtung. „Ja?"
Spitzbart trat zögernd ein und sah sich aufmerksam um, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Babbis richtete. „Haben Sie vergessen, daß wir heute die Testreihen durchführen wollten?" fragte er schließlich, den Blick unverwandt auf einen schwarzen Würfel auf dem Schreibtisch des jungen Mannes gerichtet.
Babbis' Wangen röteten sich leicht. „Ich muß gleich Sergeant Williams durch das Tor fliegen, Sir", antwortete er, riß ungeduldig am Kabel seines Laptops.
Spitzbart musterte nun wieder ihn. „Das hätten Sie mir eher sagen können. Dann hätten wir die Experimente vertagt", entgegnete er dann. „Was machen Sie da?"
Babbis zerrte weiter an dem Laptop. Mit einem häßlichen Laut riß das Kabel und etwas polterte auf den Boden unter dem Schreibtisch. Von der Wucht noch weitergetragen, rutschte das Teil bis fast vor Spitzbarts Füße.
Der betrachtete es aufmerksam, sah dann wieder auf. „Falls Sie das Akku suchen, es liegt hier." Er bückte sich und hob es auf. Ein Teil des Kabels hing noch, wie ein Rattenschwanz, an dem kleinen eckigen Teil.
Babbis' Gesicht verfärbte sich noch weiter. Der Laptop polterte wieder auf den Schreibtisch zurück.
  „Was haben Sie eigentlich vor?" Spitzbart sah wieder auf, hielt ihm den Akku auffordernd hin. „Wozu brauchen Sie den Laptop?"
Ich ..." Babbis schloß den Mund wieder und schluckte sichtlich. „Es ... äh ... Ich wollte während des Wartens auf dem Planeten noch ein wenig arbeiten."
Spitzbart runzelte die Stirn, strich sich mit der freien Hand über seinen gewaltigen Schnurbart. „Und warum reißen Sie das Akku aus dem Gehäuse?"
Weil ... es sollte regelmäßig ausgewechselt werden." Babbis schnappte sich jetzt doch wieder den tragbaren Computer. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden. Ich denke, länger als drei Stunden werde ich nicht weg sein. Dann können wir immer noch die Experimente durchführen."
Spitzbart nickte nachdenklich, wog das Akku in seiner Hand. „Wenn es Ihnen zuviel wird ... ?"
Es wird mir nicht zuviel!" herrschte Babbis ihn an und marschierte wutschnaubend aus dem Büro, einen sehr nachdenklichen Spitzbart zurücklassend.

***

Sergeant Williams maß ungeduldig immer wieder die Breite des Ganges, bis er endlich aufblickte und den Vermißten auf sich zukommen sah. Sofort verfinsterte sich sein Gesicht.
Dr. Babbis, Sie sind überfällig!" herrschte er den jungen Wissenschaftler an.
Babbis schüttelte nur unwillig den Kopf, wollte sich an ihm vorbei in den bereitstehenden Jumper drängen. Doch der hochgewachsene Marine verstellte ihm den Weg. „Wir müssen pünktlich bei den Verhandlungen sein, Doc! Es kann nicht angehen, daß Sie ... Wieso schleppen Sie einen Laptop mit sich herum?"
Babbis drängte sich nun doch an ihm vorbei und trat eiligen Schrittes in den bereitstehenden Jumper, in dem sich schon der Rest des Teams befand, das er auf den Planeten bringen sollte. Der Erethianer und die beiden Wissenschaftler wechselten vielsagende Blicke, als Williams an ihnen vorbeimarschierte, während die Heckluke sich bereits schloß.
Doc, verdammt!" herrschte der Marine Babbis an, kaum daß er das Cockpit betreten hatte. „Was denken Sie sich denn dabei? Wir hatten doch gestern abgemacht ..."
Ich weiß, was wir abgemacht hatten", knurrte der junge Wissenschaftler, ließ den Jumper abheben und sacht aus der Base schweben. „Ich bin im Moment nur eben etwas ... Spitzbart und Stross haben mir aufgehalten."
Williams ließ sich auf dem Copilotensitz nieder, starrte den Jüngeren nieder, versuchte es zumindest. Doch der ließ sich im Moment nichts anmerken, konzentrierte sich vollkommen auf seinen Flug.
So geht es aber nicht", begehrte der Marine schließlich wieder auf. „Wir müssen pünktlich zu den Verhandlungen erscheinen, sonst brauchen wir uns auf dem Planeten gar nicht mehr sehen lassen. Die Typen sind ein bißchen eigen."
Babbis nickte unwillig, nahm etwas Schub weg, als er sich dem Zentralturm näherte.
Das wird heute sowieso lange genug dauern", fuhr Williams fort. „Und passen Sie, um Himmels Willen, auf, daß auch ja keiner den Jumper sieht. Gehen Sie sofort auf Tarnung, sobald wir durch das Tor sind."
Babbis blinzelte, wechselte einen kurzen Blick mit dem Marine. „Was meinen Sie mit, es wird lange genug dauern?" fragte er dann.
Williams lehnte sich zurück. „Ein paar Stunden mindestens."
Drei Stunden!" Babbis' Stimme klang bestimmt.
Der Jumper glitt durch die große Eingangsluke direkt in den Torraum hinein. Das Dach schrammte unsanft über die obere Metallschiene.
Der Marine richtete sich wieder auf. „Was?"
Der junge Wissenschaftler nickte ernst. „Ich habe noch Arbeit. Drei Stunden, Sergeant. Wenn Sie dann nicht wieder am Landeplatz sind, fliege ich ohne Sie zurück."
Der Jumper blieb vor dem aktivierten Tor in der Luft hängen. Babbis lehnte sich zurück und ließ die Kontrollen los.
Sind Sie irre? Drei Stunden? Das reicht doch gerade für die Zeremonien bei den Omaniern!"
Dann sollten die ihre Zeremonien etwas beschleunigen. Mehr als drei Stunden kann ich Ihnen nicht zugestehen, Sergeant, tut mir leid."
Das Wurmloch saugte sie auf.

***

Peter blickte unwillig von seinem Notebook auf, als sein Palmtop plötzlich begann, eine lustige Melodie zu spielen.
Drei Stunden waren um, doch von Williams und seiner Mannschaft war nichts zu sehen.
Fünf Minuten", murmelte Peter leicht verärgert.
Für was hielt ihn dieser Jarhead eigentlich? Er mimte schließlich nur den Chauffeur für andere Teams, weil sonst niemand da war, der hätte einspringen können und Markham ja unbedingt diese dämliche Expedition zum Mond hatte starten müssen.
Peter kniff die Lippen zusammen, starrte angestrengt auf den Bildschirm hinunter, den er auf den Knien ballancierte, und versuchte sich auf die letzten Ergebnisse seiner PK-Forschung zu konzentrieren. Aber das wollte ihm natürlich nicht gelingen.
Wieder blickte er auf, starrte aus dem großen Frontfenster.
Wenn er Spitzbart nicht bei dessen Experimenten half, konnte es gut sein, daß er auch wieder aus dem Stab befördert wurde. Immerhin war er nur zum Stellverteter des Deutschen geworden, weil dieser ihn als Assistenten wollte. Wenn er sich jetzt aber aus den Forschungen ausklinkte, war es gut möglich, daß Spitzbart sich einen anderen suchen würde. Auswahl hatte er immerhin genug.
Leise vor sich hinfluchend schaltete Peter den Laptop aus und legte ihn zurück auf den Sitz hinter sich. Dann konzentrierte er sich wieder auf das, was vor dem großen Frontfenster geschah. Doch leider geschah rein gar nichts.
Und jetzt?
Er hatte Williams klar und deutlich gesagt, daß ihnen nur drei Stunden blieben. Immerhin hatte er auch noch etwas anderes zu tun, als andere SG-Teams durch das Tor auf fremde Welten zu bugsieren. Er empfand es sogar als sehr hilfsbereit, was er tat. Immerhin hätte er sich auch weigern können, allein als Pilot zu dienen, solange Vashtu noch nicht von der Prometheus zurückgekehrt war und Markham seine Expedition durchführte.
Peter entschloß sich, nachdem er einen Blick auf den jumperinternen Detektor geworfen hatte.
Es reichte!
Er schloß die Heckluke und konzentrierte sich darauf, die Maschinen hochzufahren. Dann hob er ab, noch immer voll auf den Detektor konzentriert.
Er würde Williams abholen. Sollte der seine Verhandlungen an anderer Stelle fortsetzen, das war ihm gleich. Er mußte zurück nach Vineta, und zwar dringend!
Peter ließ den Tarnmodus fallen, beschleunigte und hielt auf die kleine Stadt zu, in der Williams mit den Omaniern über einen möglichen Handel nachdachte.
Die Gebäude waren recht niedrig und als Flachdächer gebaut, mit großen Dachterrassen. Offenbar konnte es hier auch einmal recht warm werden, fand Peter, der solche Bauweisen eigentlich aus Wüsten- und Halbwüstengegenden auf der Erde kannte.
Ein großer Platz lag zentral, bestens geeignet für den Jumper.
Einige Menschen, in fremdartige Stoffe und weite Kleidung gehüllt, sahen zu ihm auf. Dann ging plötzlich das Geschrei los, als er den Gleiter tiefer gehen ließ und auf dem zentralen Platz landete.
Peter war verwirrt, dann aber ging ihm auf, daß er gerade einen Fehler beging.
Hatte Williams nicht etwas davon gesagt, er solle den Jumper ja nicht zeigen?
Peter biß sich auf die Lippen. Und wenn schon! Er hatte dem Marine lange genug Zeit gegeben.
Pfeile hagelten gegen das Chassis und die Frontscheibe.
Peter blinzelte, dann aktivierte er sein Funkgerät. „Sergeant, ich bin auf einem Platz in der Stadt, um Sie abzuholen. Es wäre sehr nett, wenn Sie rasch kommen würden."

***

Mam, bei allem Respekt", erklärte Williams mit wütend blitzenden Augen, „aber das, was Dr. Babbis heute getan hat ... Es ist ... höchst hinderlich für Verhandlungen, wie wir sie im Moment durchführem müssen! Ich habe ihm klar und deutlich gesagt, daß die Omanier jeglicher Technik, die die ihre übersteigt, sehr mißtrauen und jeden sofort angreifen, der sich mit einer solchen Technik zeigt. Dr. Babbis hatte die klare Anweisung, den Jumper auf gar keinen Fall zu enttarnen. Und doch hat er es getan! Wissen Sie eigentlich, was wir anstellen mußten, um überhaupt wieder an Bord zu kommen? Ich bin nicht sicher, ob die Omanier uns je wieder ... an den Verhandlungstisch zurückbitten werden. Außerdem war es in meinen Augen eine sinnlose Verschwendung von Munition, sich den Weg freizuschießen. Und die Zeitvorgabe von Dr. Babbis war einfnach lächerlich. Ich sagte ihm klar und deutlich, daß ich mehr als drei Stunden brauchen würde, aber er ließ nicht mit sich reden. Für mich hat er uns einen möglichen Verbündeten gekostet, Mam. Vielleicht sogar einen sehr wichtigen Verbündeten. Immerhin waren die Omanier bereit, uns gegen ein bißchen Hilfe reichlich Saatgut zur Verfügung zu stellen. Und Dr. Lacroux meinte, dieses Saatgut wäre sogar noch besser als das, was Major Uruhk von ihrem ersten Einsatz mitgebracht hat."
Anne lauschte den Worten des Marines. Schließlich entließ sie das SG-Team und seufzte schwer.
Offensichtlich hatten sie sich selbst einen Bärendienst erwiesen, als sie Babbis als einzigen Piloten zuließ, während die beiden anderen nicht in Reichweite waren. Sie würde sich den jungen Wissenschaftler wohl noch einmal zur Brust nehmen müssen.
Anne schüttelte in stummer Verzweiflung den Kopf. Ein paar Tage, mehr nicht. Selbst jemand wie Babbis müßte sein Ego doch weit genug zurückschrauben können, um diese paar Tage allein durchzustehen! Aber da war sie sich plötzlich gar nicht mehr so sicher.

TBC ...

28.09.2011

2.06 Aus dem Tagebuch eines Genies

Tag 1:
Danea Il'Eskanar reckte den Hals, starrte gebannt nach draußen.
Über Torreisen konnte man sich seiner Meinung nach streiten. Sie schienen ja ganz interessant, und vor allem spannend, zu sein. Aber ein Flug in einem Puddlejumper ... das machte ihm richtig Spaß! Schade, daß er nicht, wie Dr. Babbis, Major Uruhk oder der jetzt am Steuer sitzende Lieutenant Markham, über dieses Gen verfügte, sondern darauf angewiesen war, daß einer der drei ihn mitnahm. Aber vielleicht machte für ihn gerade die Seltenheit eines solchen Fluges den Reiz aus.
Die Weiten des Alls breiteten sich vor ihm aus wie ein gewaltiges Seidentuch, auf dem Kristalle leise schimmerten, mal mehr, mal weniger hell. Es war unglaublich wie dunkel es hier war, bedachte man, daß auf dem Planeten unter ihnen gerade Tag herrschte.
Gut, in den Überlieferungen seines Volkes war von dem goldenen Zeitalter, ehe die Dämonen zurückkehrten, die Rede. Auch davon, daß die Erethianer damals Raumfahrt betrieben hatten. Doch das war so lange her, kaum noch jemand nahm diese Berichte wirklich für bare Münze.
Da ist die Prometheus", sagte Lieutenant Markham mit angespannter Stimme.
Danea richtete sein Interesse auf das, was da vor ihnen aus der Finsternis des Alls auftauchte. Im ersten Moment war er enttäuscht von dem riesigen Metallkoloß mit den eigenartigen Formen, dann erschauderte er, als er die Beschädigungen sah.
Können sie uns wahrnehmen?" fragte er, behielt das gewaltige Schiff genau im Auge.
Nein, wir sind auf Tarnung. So gut sind die Scanner der Prometheus nicht", antwortete Markham mit bitterer Stimme.
Danea betrachtete das Schiff weiter mit skeptischer Miene. Gegenüber ihrem kleinen Puddlejumper war die Prometheus gewaltig. Aber sie besaß eine eigenartige Form, die nicht so recht zu dem passen wollte, was er kannte - nicht daß das viel gewesen wäre. Fremdartige Schriftzeichen waren an den hohen Aufbauten im hinteren Drittel des Schiffes angebracht.
Ob Major Uruhk gerade nach draußen sieht?" fragte er, beugte sich vor.
Ich schätze eher nicht. Ihr Quartier hat kein Fenster", antwortete Markham trocken. „Sofern sie überhaupt in ihrem Quartier ist ..." Er seufzte. „Wenn wir nur schon einen Weg gefunden hätten, sie unten zu halten. Sie will doch, oder?"
Danea ließ sich wieder auf den Copilotensitz zurücksinken und nickte. „Das hat sie zumindest Dr. Stross gesagt", sagte er.
Er fühlte Bedauern, als Markham jetzt einen anderen Kurs einschlug und die Prometheus unter ihnen zurückblieb.
Nicht daß er besonderen Wert auf nähere Bekanntschaft mit diesem Colonel Pendergast legte, das sicher nicht! Aber Major Vashtu Uruhk, die Schöpferin, die so gar nicht zu ihrem Volk zu passen schien, die hätte er gern wieder getroffen. Auch wenn es jetzt knapp zehn Tage her war, daß sie das erste Mal das Sternentor von Vineta benutzt hatten, hallte noch immer ein letzter Hauch ihres Abenteuers in seinem Inneren nach. Und Major Uruhk hatte ihn wieder beeindruckt mit ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihrer raschen Anpassungsfähigkeit an veränderte Situationen. Und er war stolz darauf, daß sie ihn in ihrem Stargate-Team haben wollte.
Es wird bestimmt eine Lösung geben", fuhr Danea leise fort, eigentlich mehr zu sich selbst gesprochen.
Doch Markham ging sofort darauf ein: „Babbis arbeitet wie ein Besessener daran. Ich frage mich nur, wie es ihm gelingen will, ohne ZPM den Schutzschild hochzufahren."
Danea hatte keine Ahnung, was ein ZPM war. Was er sich unter einem Schutzschild vorstellte, verschwieg er lieber. Er wollte sich vor ihren neuen Freunden nicht lächerlich machen. Obwohl er bisher eigentlich weniger das Gefühl hatte, sich lächerlich zu machen, wenn er etwas nicht wußte. Aber trotzdem erwachte allmählich sein männlicher Stolz. Er wollte sich nicht ständig alles erklären lassen müssen, sondern selbst herausfinden, worum es ging.
Dr. Babbis hat da irgendetwas mit Major Uruhk besprochen", wandte er statt dessen ein. „Ich habe es nur nicht verstanden. Sie reden ... merkwürdig miteinander."
Markham grinste. „Das stimmt allerdings. Die beiden werfen sich nur noch Brocken zu." Er nickte. „Das ist schon eigenartig, wenn man aus einer Dimension wie ich kommt. Aber die beiden sind gut aufeinander eingespielt. Kaum zu glauben, daß sie erst vor relativ kurzer Zeit ein Team geworden sind."
Danea sah den jungen Lieutenant von der Seite an. „Wie meinst du das?"
SG-27 hat nur ein halbes Jahr Bestand gehabt unter Major Uruhk. Sergeant Dorn hat mir das gesagt", antwortete Markham, erwiderte seinen Blick. „Das ist sehr kurz, wenn man bedenkt, wie vertraut die drei miteinander sind."
Das allerdings war Danea auch schon aufgefallen. Und es schien für die Menschen, die Vineta eingenommen hatten, tatsächlich etwas eigenartiges zu sein. Jedenfalls hatte er das schon des öfteren gehört. Er verstand das mit den Dimensionen zwar nicht so ganz, aber sie schienen wirklich von unterschiedlichen Erden zu kommen. Major Uruhk, Dr. Babbis und Sergeant Dorn von einer Erde, die recht offen schien, die anderen von einer anderen, die aber größtenteils genauso war, nur eben ... anders.
Da ist der Mond." Markham sah wieder nach draußen.
Danea richtete seine Aufmerksamkeit nun auch wieder auf das, was da vor ihnen auftauchte. Er atmete tief ein, als er die bläulich schimmernde Halbkugel sah.
Vielleicht, mit ein wenig Glück, würde sein Volk hier Farmen errichten und sie bald die erste Ernte einfahren können.

***

85. Tag
Wie bereits erwähnt ist Markham mit Danea und einer Handvoll anderer Erethianer zu dem Mond geflogen, auf dem wir zunächst gestrandet sind. Ich halte zwar nicht sonderlich viel davon, aber alle anderen schätzen diese Idee offenbar sehr. Nun ja, nach den ersten Erfahrungen, die wir mit dem Aliens dieser Galaxie und dieser Dimension machen durften, sollten wir wirklich sehen, daß wir so bald als möglich unabhängig sind.
Stross meinte heute mittag, mich nochmals an die leidige Pflicht als Pilot für andere Teams erinnern zu müssen. Als wäre das nötig gewesen! Sergeant Williams hielt sich allerdings nicht so ganz an die Absprache, so daß ich mich beinahe gezwungen sah, ihn und sein Team zurückzulassen. Erst in allerletzter Minute tauchten sie auf, und selbstverständlich, wie sollte es anders sein, waren die Außerirdischen wenig erbaut von ihren Kontaktversuchen. Wäre ich nicht mit dabei gewesen ... Ich denke, Major Uruhk weiß, warum sie mich in ihr neues Team genommen hat.

Spitzbart dagegen ... Er mag in seiner Dimension ein guter Wissenschaftler sein, ein guter Vorgesetzter ist er dagegen nicht! Viel zu autoritär und viel zu unwissend Neuerungen gegenüber. Er weiß ja nicht einmal, wie man einen Laptop richtig bedient und daß das Akku auch ab und an aufgeladen werden muß. Statt dessen rauschte er in mein Büro und wollte mich zwingen, an seiner Forschung weiterzuarbeiten. Aber ihm habe ich die Meinung gesagt! Darauf ist Verlaß. Irgendwann wird Stross wahrscheinlich selbst herausfinden, wer von uns beiden die bessere Wahl für den leitenden Posten wäre.

Mit meinen eigenen Forschungen geht es nur sehr schleppend voran, wahrscheinlich auch, weil meine vertraute Assistentin, Vashtu Uruhk, fehlt. Dabei geht es doch gerade bei dem neuesten Projekt um sie. Immerhin sind Stross und sie an mich herangetreten, da ich inzwischen mit Fug und Recht behaupten darf, die Kapazität in Sachen PK zu sein. Aber so einfach ist es leider auch für mich nicht, die Funktionen einer halbintelligenten Mehrzweckwaffe umzukehren. Ich werde es schaffen, soviel steht fest. Und wenn es das letzte ist, was ich in diesem Leben tun werde. Die PK-Forschung gehört mir allein, und ich werde sie zum Wohle dieser Stadt nutzen.

Vashtu ist immer noch auf der Prometheus. Dazu kommt, daß Pendergast offensichtlich eine Kontaktsperre zwischen dem Schiff und uns verhängt hat (oder aber er läßt einen seiner unfähigen Techniker am Funkmast arbeiten). Jedenfalls gibt es zur Zeit keine Meldungen mehr von oben. Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll. Vashtu ist immerhin ein Teil der Stadt, sie gehört hierher, und ich ... Was schreibe ich da?
Aber es ist so. Ich muß zugeben, daß eine bestimmte Sorte Frauen mein Interesse erregt. Vashtu gehört eindeutig dazu. Schwarzhaarig, aufgeweckt, intelligent und technisch begabt. Wenn sie doch nur diesen Sheppard vergessen würde! Aber sie hängt offensichtlich noch immer an ihm. Nun ja, es steht immerhin zu hoffen, daß sie irgendwann begreifen wird, daß der Sheppard dieser Dimension tot ist und auch nicht mehr auferstehen wird. Vielleicht ...

Ich bin müde, ich sollte mich allmählich wirklich ins Bett legen. Zur Zeit denke ich übrigens über einen Wohnungswechsel nach. Nicht daß der Turm schlecht wäre, aber ein größerer Raum, mehr Platz für sich selbst und die eigenen Forschungen, das wäre nicht zu verachten. Vielleicht, wenn Markham wieder zurück ist.

TBC ...

22.09.2011

Unsauberer Handel VII

Vashtu zog den Jumper hoch, gerade als Wi'an mit den beiden Devi um die Ecke kam. Die Antikerin spannte die Kiefer an. Die AI reagierte sofort. Zwei weitere Drohnen schossen aus den Haltebuchten heraus und hielten direkt auf die vielgliedrigen Wesen zu.
Wi'an brüllte irgendetwas.
Vashtu ließ die Tarnung fallen und den Jumper in den Himmel hineinschießen, während sie weitere Drohnen in das Dorf jagte. Dann setzte sie Kurs zurück auf das Gate und suchte die Straße ab.
Da!
Sie senkte den Gleiter etwas ab, rief das entsprechende Programm auf. Tatsächlich, ihre beiden Teammitglieder hetzten zwischen den Bäumen davon. Sie brachte den Jumper tiefer, senkte die Geschwindigkeit und ließ die Heckluke hinabgleiten. Dann drückte sie ihr Funkgerät.
„Peter, rein, so schnell es geht!" Sie drosselte die Geschwindigkeit noch mehr, drehte sich immer wieder um. Da tauchten die beiden zwischen den Bäumen auf, aber ...
Vashtu setzte die Heckluke auf den Boden auf. Mit einem häßlichen Scharren pflügte diese die unbefestigte Straße.
Ihre Leute wurden verfolgt. Zumindest zwei von Wi'ans Männern hatte sie hinter ihnen gesehen.
Sie konzentrierte sich wieder auf die Anzeigen und suchte die Verfolger. Mit dem nächsten Gedanken schossen auch schon zwei Drohnen nach hinten. Als sie sich wieder umsah, hechtete Danea gerade, Peter am Arm gepackt, auf die Rampe.
„Rein mit euch!" rief sie den beiden zu, zog den Jumper hoch, sobald sie sicher sein konnte, daß ihr Team im Gleiter war.
In diesem Moment explodierten der erste Planetenkiller.
Peter warf sich auf den Schließmechanismus, um die Heckluke einfahren zu lassen. Vashtu hatte vorne bereits mit der ersten Druckwelle zu kämpfen. Der junge Wissenschaftler wurde tüchtig durchgeschüttelt, als auch noch die zweite Bombe hochging. Zwei Feuerpilze schraubten sich direkt hinter ihnen in den Himmel.
Danea kroch keuchend auf den Copilotensitz. „Ist das auch normal für euch?" fragte er atemlos. 

*** 

„Aktivierung von außen!" Walsh warf sich fast auf die beiden Schild-Schalter und aktivierte sie.
Anne hetzte beim ersten Klang des Alarms aus ihrem Büro, raste die Treppe in den Kontrollraum hinunter und blieb wie erstarrt stehen, während die junge Technikerin den, an das DHD angeschlossenen Laptop genau im Auge behielt. Dann entspannte die sich sichtlich und ließ die Schilde fallen. „Kennung von Dr. Babbis", sagte sie mit einer tiefen Erleichterung, während bereits ein etwas lädierter Jumper in den Gateroom zurückkehrte.
Anne trat, einen Moment lang sprachlos, ans Fenster. Dann riß sie sich zusammen. Dafür war später noch Zeit! „Major, Sie müssen sich umgehend auf der Prometheus melden. In fünf Minuten will er ein Rettungsteam hier herunterschicken."
Falls die Antikerin sie gehört hatte, bemerkte sie nichts davon. Das Wurmloch erlosch und der Jumper schwebte sacht wieder zur Luke hinauf.
„Ich bin in der Pyramide", wandte Anne sich sofort an Walsh, hetzte auch schon aus dem Kontrollraum hinaus und in den Lift hinein, um so schnell wie möglich zum militärischen Sektor zu gelangen.
Als die Tür des Antiker-Transporters sich wieder öffnete, fand sie sich bereits in der noch recht stillen Militärzentrale wieder, raste aus dem abgeschirmten Gebäude heraus und rannte, so schnell sie nur konnte, hinüber zur Pyramide.
Die Antikerin durfte nicht so einfach wieder verschwinden! Nicht jetzt, nicht nach den letzten paar Stunden! Sie beide mußten erst ...
Dr. Babbis trat gerade aus dem Gebäude und streckte und reckte sich ächzend. „Das nächste Mal kann sie die Dinger allein scharf machen", beschwerte er sich dann bei Danea, der ihm recht dichtauf folgte.
Anne blieb keuchend stehen. „Ist der Major ... ? Ist sie ... ?"
Babbis warf ihr einen kühlen Blick zu, nickte dann in die Base hinein. „Sie unterhält sich gerade mit Pendergast", antwortete er, marschierte dann grußlos weiter.
„Dr. Stross?" Danea war stehengeblieben, knetete seine Hände. Ein nervöses Lächeln zuckte um seine Mundwinkel. „Ich ... ich hoffe, ich kann noch recht oft durch das Tor gehen. Es ist nicht ... so schlimm, wie ich dachte. Und ... zumindest ..."
„Major Uruhk hat Sie für dieses Team ausgesucht." Anne erwiderte das Lächeln etwas gehetzt. „Wenn Sie weiter dabeibleiben wollen, müssen Sie das mit ihr bereden. Ich habe keinen Einfluß darauf."
Danea nickte, wandte sich dann ab und folgte Babbis. Anne sah den beiden stirnrunzelnd nach, dann rief sie sich den eigentlichen Grund für ihr Hiersein ins Gedächtnis und betrat die Base. Schon von weitem hörte sie die Stimme der Antikerin und erleichterte noch weiter. Sie hatte fest damit gerechnet, daß die Majorin wieder auf die Prometheus zurückgebeamt werden würde, wie es inzwischen schon so oft geschehen war. Aber offensichtlich hatten sie es um Haaresbreite verfehlt.
„Nein, Sir, es ist alles in Ordnung. Es gab nur eine Störung, Sir ... Natürlich, Sir ... Ich verstehe, Sir ... Ja, Sir ... Nein, Sir, mir geht es gut ... Das ist nicht nötig, Sir ..."
Anne lugte um die Ecke und lächelte. Major Uruhk marschierte den kleinen Laderaum immer wieder hinauf und hinunter, während sie ihre Meldung machte.
„Das tut mir wirklich leid, Sir ... Nein, ich hätte nicht gedacht, daß die Abschirmung noch so gut funktioniert ... Natürlich, Sir ... Ja, Sir ..." Die Antikerin drehte sich zu ihr um und zog eine Grimasse. Dann nickte sie zu dem Sack hinüber, der an einer der beiden Bänke lehnte.
Annes Augen wurden groß.
„Ja, Sir, in drei Tagen ... Ja, Sir, ich werde mich von jetzt an regelmäßig melden, Sir ..." 

*** 

Einen Tag später:  
Vashtu schielte über die Schulter hinweg, als sich die Wände des Besprechungsraumes hinter ihr öffneten. Unwillkürlich setzte sie sich gerade hin, als sie die Eintretende erkannte, grinste verschmitzt.
„Ich freue mich, daß es Ihnen allen gut geht", begrüßte Stross die Anwesenden.
Vashtu zwinkerte Danea, der ihr gegenüber saß, verschwörerisch zu, ehe sie sich umdrehte, einen Arm auf den Tisch gestützt. „Wir haben nachher noch die Besprechung wegen der Zusammenstellung der SG-Teams", erklärte sie. „Ich wollte das so schnell wie möglich hinter mich bringen, ehe dem da oben wieder einfällt, daß ihm irgendetwas nicht so ganz schmeckt, was ich ihm gesagt habe."
Stross nickte, ließ sich auf ihrem Platz am Kopfende nieder und aktivierte ihr Datenpad. „Ich habe gerade die Meldung bekommen, daß das Getreide in dem Sack, den Sie mitgebracht haben, Major, von hervorragender Qualität ist. Damit wird man etwas anfangen können. Nur schade, daß es ein einziger ist. Wir werden wohl wesentlich mehr benötigen."
Vashtu kniff kurz die Lippen aufeinander und senkte den Kopf. Plötzlich fehlte Wallace ihr wieder, wie schon gestern bei der Besprechung mit Wi'an. Aber offensichtlich hatten auch die neuen Bewohner von Vineta da das eine oder andere zu bieten.
„Ich weiß immer noch nicht, wie Sie das eigentlich angestellt haben. Ihr Bericht ist da ... etwas vage, Major?" Stross blickte wieder auf, ihr direkt in die Augen. Das tat sie oft, fiel Vashtu plötzlich auf.
Und irgendwie ... sie mochte es. Die Leiterin der verbotenen Stadt schien wirklich ihre Nähe zu suchen, wollte sie näher kennenlernen. Und die Antikerin wußte, daß ihre Augen meist mehr von ihr verrieten als sie vielleicht wollte.
„Sagen wir, ich würde in der nächsten Zeit nicht unbedingt Besuche auf dem Planeten der Sa'tianker unternehmen wollen. Sofern die Devi nicht sofort dort einmarschiert sind, dürften sie nicht sonderlich gut auf uns zu sprechen sein." Sie verzog das Gesicht wieder zu einer Grimasse und zuckte mit den Schultern. „Wir haben uns hier wohl nicht sonderlich gut eingeführt, schätze ich."
„Wir wollten überleben!" Peters Faust schlug hart auf den Tisch. Mit einem Schmerzenslaut rieb er sich die Handkante.
Stross warf ihm einen amüsierten Blick zu, wandte sich dann wieder Vashtu zu und musterte sie erneut. „Also kamen Devi durch das Tor, als es blockiert war", vermutete sie.
Die Antikerin nickte. „Ja, genau. Zwei Devi-Rochen kamen."
„Devi-Rochen?" Stross stutzte.
„Jäger", half Peter wieder aus. „Major Uruhk hat da so eine kleine ... Macke. Sie muß immer allem Namen geben, von dem sie meint, es hätte noch keinen."
„Das ist eine alte Pilotentradition auf der Erde. Ich habe sie nur übernommen", wandte Vashtu unschuldig ein. „Auf jeden Fall hatte ich Peter und Danea die Anweisung gegeben, die beiden scharfen Bomben bei den Rochen zu deponieren. Ich wußte nicht, daß das Gate blockiert war, aber ich hätte es mir denken können. Eine Taktik, wie sie die Wraith auch anwenden. Wi'an hatte schlicht den Fehler gemacht, uns zwar überwachen zu lassen, aber nicht einzusperren. Es war relativ einfach, die Wächter abzuschütteln und den Spieß umzudrehen."
„Wir wurden überwacht?" Peters Augen hinter den Brillengläsern weiteten sich.
Vashtu warf ihm einen ungeduldigen Blick zu. „Was meinen Sie denn, warum ich das Ablenkungsmanöver von Ihnen gewollt habe, als die Lieferung kam?"
„Aber ..."
„Was geschah mit den Devi? Sind sie tot?" fiel Stross dem jungen Wissenschaftler ins Wort.
Vashtu neigte den Kopf und runzelte dann die Stirn. „Ich schätze eher, die Sa'tianker werden bald tot sein. Sie hatten einen Handel mit den Devi geschlossen. Jeder, der auf ihrem Planeten kam, wurde an sie verschachert, dafür blieben die Sa'tianker unbehelligt. Diese Welt muß wohl früher einmal ein Handelsposten und Knotenpunkt gewesen sein, nach den ganzen Waren zu schließen, die ich auf dem Basar gesehen habe."
Stross richtete sich wieder auf und sah sie scharf an.
„Von soetwas wußte mein Volk bisher nichts", warf Danea nun schnell ein und schüttelte nachdrücklich den Kopf. „Wir waren immer davon ausgegangen, daß alle Völker in diesem Teil der Galaxie das gleiche Los wie wir teilen und sich nichts mehr wünschen, als frei von den Devi zu sein. Was die Sa'tianker getan haben, scheint mir unüblich. Aber es würde erklären, warum nur noch so wenige Händler unterwegs sind zwischen den Planeten."
Stross atmete einige Male tief ein.
Vashtu kreuzte die Arme vor der Brust und erwiderte den Blick der anderen nachdenklich. „Ich denke auch nicht, daß wir des öfteren auf eine solche merkwürdige Beziehung stoßen werden", wandte sie ein. „Sie sollten es weiter versuchen. Irgendwann werden wir schon Handelspartner finden. Allerdings sollten wir vielleicht vorher eine gründliche Inventur durchführen, damit wir eventuelle Waren im Tausch bieten können."
Die Leiterin sah sie wieder an, sehr nachdenklich, wie es der Antikerin auffiel.
„So viele Planetenkiller haben wir auch nicht." Peter lehnte sich mit einem hochmütigen Gesichtsausdruck zurück. „Übrigens scheinen Sie mit Ihrer Vermutung recht gehabt zu haben, Vashtu. Die Rochen reagierten beide auf meinen Wunsch, einmal das Innere zu sehen. Ich habe die Dinger in die Luft gejagt mit den Bomben."
Augenblicklich wandten sich die beiden Frauen zu ihm um und starrten ihn groß an.
„Soll das heißen ... ?" Vashtu schloß abrupt den Mund.
„Sie meinen, eine der verwendeten Komponenten waren ... Antiker?" beendete Stross die abgebrochene Frage.
„Sieht so aus. Jedenfalls reagieren die Rochen auf das Gen." Peter grinste breit.
„Womit wir ein Problem haben. Wenn wir ihre Technik benutzen können, können sie auch unsere benutzen." Vashtu stöhnte auf.
Alpträume wurden wahr vor ihrem geistigen Auge. Sie wagte gar nicht, sich vorzustellen, was da noch auf sie zukommen würde. Spinnenartige, mit Termiten verwandte vielgliedrige und intelligente Hybridwesen, die auch noch die hochentwickelte Technologie ihres Volkes benutzen konnten! Straffe Organisation gegen eine relativ kleine Gruppe, die sich gerade neu formierte und ohnehin schon eine Bedrohung direkt über sich wußte.
Peters Grinsen erstarb, als er ihren Worten nachlauschte.
„Aber wir können ihre Technologie vielleicht ebenfalls nutzen", wandte Stross ein. „Vielleicht ergibt sich irgendwann einmal eine Möglichkeit, wie wir etwas von den Devi erbeuten und erforschen können. Dann könnten wir herausfinden, was sie können und was nicht."
Vashtu nickte, stumm vor sich hinbrütend, blickte dann wieder auf. „Dr. Stross, ich denke, ich sollte ..." Sie stockte kurz, richtete sich wieder auf. „Ich habe mich entschlossen, zumindest vorerst, hierzubleiben. Wenn wir einen Weg finden, wie Pendergast keinen Einfluß mehr auf mich ausüben kann."
Die Leiterin Vinetas sah sie wieder an, ein Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht. „Das freut mich wirklich sehr, Major. Ich hatte gehofft, daß Sie sich eines Tages dafür entscheiden würden. Und ich kann Ihnen versichern, wir werden daran arbeiten. Es geht nicht nur darum, daß wir Sie brauchen, und ich denke, Sie wissen das auch. Wir ... Ich würde nachher ohnehin gern mit Ihnen sprechen, wenn Sie kurz Zeit haben."
Vashtu nickte, doch ihre Augen wurden schmal. „Gut." Sie zog das Wort fragend in die Länge.
„Was das Ergebnis ihrer Expedition angeht ... es war zwar nicht zufriedenstellend aber nachvollziehbar. Wenn es nach mir geht, Sie dürfen das Gate so oft benutzen, wie Sie wollen. Allerdings würde ich noch gern über die Größe Ihres Teams mit Ihnen sprechen. Meines Wissens wollen Sie, daß die neuen Einheiten aus vier Leuten bestehen ... ?"
Vashtu atmete tief ein.
Das leidige Thema! Sie hatte damit gerechnet, daß es irgendwann auf den Tisch gebracht werden würde. Aber, wenn sie ehrlich war, im Moment war sie mehr als zufrieden mit Peter und Danea. Wozu sollte sie noch jemand viertes aufnehmen? Sie mußten sich erst einmal wieder zusammenraufen.
Stross nickte verstehend. „Ich denke, darüber sollten wir später noch einmal sprechen." Sie schaltete ihr Pad ab und machte Anstalten, sich zu erheben. Dann blickte sie, mit einer tiefen Furche auf der Stirn, noch einmal fragend auf. „Wie haben Sie sich den Rest für die SG-Teams gedacht?"
Vashtu räusperte sich. „Wie besprochen werden wir nur mit Jumpern durch das Tor gehen, Doc. Darüber habe ich bereits mit Markham und Peter gesprochen, sie sind einverstanden. Desweiteren sind die Erethianer damit einverstanden, selbst Mitglieder zu stellen. Ich schätze, wir werden so um die zehn Teams zusammenstellen können, inklusive dem meinen und dem des Lieutenants. Mit zehn Teams kommen wir schon erheblich weiter. Außerdem wird mindestens ein Wissenschaftler mitfliegen, bei Bedarf hoffen wir selbstverständlich auf mehr. Alles weitere kann ich Ihnen nach der Besprechung sagen."
Stross nickte, richtete sich auf und schob sich ihr Datenpad unter den Arm. „Dann kommen Sie einfach in mein Büro, Major", sagte sie lächelnd. „Wir beide werden eine Menge zu besprechen haben."
Vashtu fühlte wieder die Sympathie, die von der anderen zu ihr hinüberstrahlte. Und sie war sich sicher, sie hatte sich richtig entschieden.

ENDE

14.09.2011

Unsauberer Handel VI

Danea huschte durch das dichte Unterholz. Immer wieder blieb er kurz stehen, um zu lauschen und sich zu orientieren. Doch niemand schien ihm zu folgen. Oder aber, die Verfolger waren noch leiser als er, was er zu bezweifeln wagte.
Den schwarzen Würfel, der diese gefährliche Bombe war, die die Devis seiner Heimat getötet hatte, hielt er fest in den Armen und hoffte, daß er damit nichts beschädigte. Babbis hatte ihm gegenüber immerhin mehrmals erwähnt, wie gefährlich diese Waffen waren.
Wenn er ehrlich war, er hätte nicht übel Lust, diese Bombe jetzt schon zu zünden, irgendwo im Dorf der Sa'tianker, damit mit diesem unehrenhaften Spielen ein Ende war. Aber er hatte Major Uruhk sein Wort gegeben. Und die Schöpferin hatte seinen Respekt mehr als nur verdient.
Wo war dieses Fluggerät, das die Vineter immer Puddlejumper nannten? Es mußte sich doch hier irgendwo befinden.
Danea schlich vorsichtig weiter, als er auf vermehrte Lichtstrahlen vor sich aufmerksam wurde. Da war definitiv eine Lichtung. Vielleicht sogar die, die Major Uruhk zum Landen benutzt hatte. Zumindest hoffte er das.
Kurz bevor das Unterholz sich lichtete reckte Danea den Hals und erstarrte.
Es war die Lichtung, auf der der Jumper gestanden hatte. Aber jetzt war er nicht mehr da. Und das lag nicht daran, daß er getarnt war, nein. Deutlich konnte der Erethianer die tiefen Schleifspuren sehen, die die Erde aufgerissen hatten.
Der Puddlejumper war weg!

***

„Dr. Stross?"
Anne sah auf und nickte, als sie den Kopf von Andrea Walsh sah, der sich in ihr Büro hineinreckte. „Was gibt es?"
Walsh verzog unwillig das Gesicht. „Colonel Pendergast ist wieder in Funkkontakt mit uns getreten", erklärte sie.
Anne richtete sich auf und winkte der anderen, ihr Büro zu betreten. „Ist getreten? Wollte er dieses Mal nicht mit irgendjemandem sprechen?" erkundigte sie sich.
Walsh ließ die Tür hinter sich zugleiten und schüttelte den Kopf. „Er sagte, wenn sich Major Uruhk nicht binnen Stundenfrist bei ihm meldet, wird er ein Suchteam herunterschicken", antwortete sie. „Und damit wäre dann auch unser Geheimnis ..." Sie zuckte mit den Schultern.
Anne atmete tief ein. „Eine Stunde?" fragte sie entsetzt.
Walsh nickte. „Und wir konnten keinen Kontakt mehr zu Major Uruhk oder einem aus ihrem Team herstellen. Das Gate wurde ... aktiviert, kurz nachdem wir die Lieferung durch den Ereignishorizont geschickt hatten."
Anne bezwang sich, nicht sofort hochzufahren oder entsetzt aufzuschreien.
Die Antikerin hatte recht gehabt! Sie hatte von Anfang an recht gehabt, wie auch die Erethianer. Sie hatten ein Sternentor wieder in ein Netzwerk eingefügt, das mehr als gefährlich war. Wer konnte denn schon ahnen, auf was für ein Volk sie das nächste Mal stoßen würden? Wie sollte das alles nur weitergehen?
Sie wußte es nicht.
Ihr Blick fiel auf ihre Uhr.
„Eine Stunde ..." murmelte sie vor sich hin und fühlte, wie ihr Herz sich verkrampfte.
Eine Stunde, dann würde ihr Geheimnis offenbar werden. Eine Stunde, bis Vineta in Pendergasts Hände fiel.

***

„Peter, Planänderung!"
Er blieb abrupt stehen und lauschte auf die Stimme, die über den Äther in seinem Ohr zu hören war.
„Schnappen Sie sich so schnell wie möglich den zweiten Planetenkiller und schlagen Sie sich in den Wald. Wi'an hat den Puddlejumper", meldete Vashtus verzerrte Stimme sich wieder.
„Aber ..."
In diesem Moment hörte er es. Das Geräusch, vor dem er sich seit Wochen am meisten fürchtete: Ein Zischen, wie das einer Schlange.
Peter wirbelte auf dem Absatz herum, starrte zum Himmel hinauf und keuchte.
Zwei Devi-Jäger, Rochen, wie Vashtu sie getauft hatte, schossen über ihn hinweg und jagten Richtung Dorf.
„Devi! Vashtu ... Major ... gerade sind ..." Peter fühlte wieder dieses gemeine Summen in seinem Kopf und keuchte.
Zwei der Träger wurden auf ihn aufmerksam. Er hob beschwichtigend die Hand. „Schon gut", keuchte er. Seine Rechte tastete nach seiner Automatik.
„Verschwinden Sie!" Der Befehl war hart, sehr hart.
Der dritte Träger, oder Wächter, oder was auch immer, war hinter ihm gegangen und jetzt auf einer Höhe mit ihm. Peter blickte auf, als das Summen in seinem Kopf allmählich nachließ. Mit einem leisen Klicken entsicherte er seine Waffe.
„Alles in Ordnung?" fragte sein Gegenüber. Die Rochen schien er gar nicht als Bedrohung wahrzunehmen.
Peter biß sich auf die Lippen.
Der scharfe Planetenkiller lag auf der Kiste, die sich in den Armen dieses einen Mannes befand. Irgendwie mußte er ... Irgendwie.
Er riß an seiner Waffe, um sie aus dem Holster zu ziehen. Doch er hatte den Sicherungsgurt vergessen. Ein Schuß löste sich, peitschte direkt neben seinem Fuß in den Boden.
Polternd fielen die anderen Kisten auf den Weg.
Peter hätte sich selbst verfluchen können. Er hatte sich verraten. Jetzt saß er in der Falle.
Doch nur einen Moment lang, dann bellte eine P-90 los. Die beiden Träger torkelten nach vorn.
Der dritte Mann wirbelte herum, noch immer die Kiste mit dem funktionstüchtigen Planetenkiller in den Armen.
Peter stürzte vor. Endlich gelang es ihm, die Waffe von der Sicherung zu befreien, bekam sie aber falsch in die Hand.
Egal!
Er holte weit aus und knallte dem Sa'tianker den Griff seiner Automatik hart an den Kopf. Torkelnd ging der in die Knie.
„Dr. Babbis!"
Danea?
Peter grabschte sich die Bombe und raste los, in Richtung, aus der die rettenden Schüsse gekommen waren.
Der Erethianer stand auf dem Weg, die Waffe noch im Anschlag.
„Devi!" rief Peter ihm nur zu, hastete an ihm vorbei in den Wald. Danea folgte ihm dicht auf.

***

Vashtu warf sich in die Büsche, als sie das erste, sanfte Summen in ihrem Kopf wahrnahm. Kurz darauf sah sie die beiden Devi-Rochen, wie sie sanft in der Nähe des Dorfes landeten.
„Wi'an!" zischte sie, schlug sich weiter in das Unterholz hinein, zückte dann ihren Detektor und kontrollierte die Werte.
Wo war der Rest ihres Teams? Sie meinte, zwei kleine Punkte verschwinden zu sehen, doch sicher war sie sich nicht. Peter hatte sie erreichen können, aber Danea? Entweder er hatte sein Funkgerät deaktiviert oder es war defekt. Das wußte sie nicht zu sagen. Sie konnte nur hoffen, daß der Erethianer sich hatte in Sicherheit bringen können.
Vorsichtig lugte sie durch die Blätter und Zweige und beobachtete das Treiben vor dem Dorf.
Ehlie hatte ihr auch nicht sagen können, wo sich der Jumper befand, aber zumindest wußte sie jetzt, wo die Sa'tianker das Saatgut lagerten. Und genau das würde sie sich jetzt holen. Und vielleicht ...
Vashtu huschte im Schutz der Büsche näher an das Dorf heran, beobachtete, wie zwei Devi aus den Jägern stiegen.
Nein, es waren genau solche, wie sie sie bereits kannte. Ihre Kleidung schimmerte im Sonnenlicht, beide trugen sie Brustpanzer, die reich verziert waren. Das Haar auf ihren menschenähnlichen Köpfen war zu einem großen Zopf geflochten, wie sie es schon auf Erethia gesehen hatte.
Krieger, aber sicher keine einfachen, ging ihr auf.
Sie wußte nicht wirklich etwas über ihren neuen Feind. Sie würden noch sehr viel mehr herausfinden müssen, ehe sie wirklich wirksam gegen die Devi vorgehen konnten. Doch eines konnte sie immerhin aus ihrer nächtlichen Suchaktion heraus sagen: Es schien eine Art Kastenverhalten innerhalb eines Devi-Volkes zu geben. Und wenn sie das zu grunde legte, hatte sie es hier wohl mit etwas wie Offizieren zu tun.
Vashtu verzog unwillig das Gesicht.
Wenn sie ehrlich sein wollte, es interessierte sie nicht wirklich. Aber sie wußte, wenn sie diese Feinde nicht genauer studieren würden, würden sie vielleicht Vorteile abgeben, die irgendwann einmal wichtig werden könnten. Sie hatte lange genug gekämpft, um sich soetwas nicht entgehen zu lassen.
Aber nicht hier und nicht jetzt, rief sie sich zur Ordnung, huschte weiter, gerade als einer der beiden Piloten sich irritiert in ihre Richtung zu drehen begann.
Daran hätte sie beinahe nicht mehr gedacht. Devi konnten sie spüren, wie sie sie spüren konnte. Allerdings setzte bei den Hybridwesen diese Reaktion wohl etwas zeitversetzt ein, das war ihr ebenfalls bereits in der Stadt aufgefallen. Solange sie sich bewegte, hatten die Devi sie nicht erkannt. Erst als sie zögerte und einen Zugang zu dem Gebäude suchte, in dem sich Peter und Wallace befunden hatten, war der Alarm losgegangen. Vielleicht eine kleine Schwäche bei diesen Feinden, die sie irgendwann würde nutzen können.
„Peter?" zischte sie in ihr Funkgerät.
„Ja?" kam umgehend die Antwort.
Erleichtert seufzte sie. „Hören Sie zu. Wir müssen irgendeinen Treffpunkt ausmachen. Ich habe hier noch zu tun. Sobald wie möglich komme ich nach. Verstanden?"
„Devi sind auf dem Planeten. Danea ist bei mir. Wir haben die Planetenkiller. Der Jumper ist weg", meldete der junge Wissenschaftler abgehackt.
Vashtu blieb in ihrer Haltung stehen und stutzte. „Sie haben die Bomben?" fragte sie dann, drehte sich auf der Stelle um. Ein kaltes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. „Dann treffen wir uns in zehn Minuten in dem Gehölz vor dem Dorf. Und bleiben Sie in Bewegung, Peter. Die Devi können uns beide wahrnehmen."
Sie schlug sich in die Büsche, jetzt direkt Kurs haltend auf das Lagerhaus, in dem das kostbare Saatgut gelagert wurde.

***

Peter wechselte einen ratlosen Blick mit Danea, der nur irritiert zurückblinzelte. „Was hat sie gesagt?"
„Wir sollen warten, aber in Bewegung bleiben", antwortete er, schüttelte dann den Kopf. „Funktioniert dein Funkgerät nicht mehr?"
Etwas ratlos schüttelte der Erethianer den Kopf. „Leider nein."
Peter seufzte. „Dann weiter!" Er marschierte einige Schritte, stutzte dann und drehte sich um, als er bemerkte, daß Danea ihm nicht folgte. „Was?"
Der Erethianer nickte nach rechts. „Wir müssen da entlang."
Peter fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg.
"Das wußte ich doch!" murrte er, dem Erethianer folgend.

***

Vashtu hockte in ihrer Deckung in der Nähe des Lagerhauses und beobachtete vorsichtig die beiden Wachen, die das Gebäude in regelmäßigem Abstand patrollierten, um sich auf deren Rhythmus einstellen zu können.
Dabei allerdings gingen die Devi ihr nicht aus dem Kopf.
Warum waren sie so schnell hergekommen? Hatte Wi'an Erethia erwähnt? Waren überlebende Devi aus der zerstörten Stadt irgendwie bis hierher gelangt?
Sie hatte auf keine ihrer Fragen eine Antwort, und sie wußte nicht wirklich, ob sie sie jetzt schon haben wollte.
Sie hatte sich entschieden, und das spürte sie erst jetzt wirklich. Sie wollte sich den Vinetern anschließen, sie wollte ein Teil dieser Stadt sein. Sicher kein besonders wichtiger, aber immerhin. Sie würde gern weiter das Gate nutzen, um vielleicht auch irgendwie einen Weg nach Hause zu finden. Und sie wollte den anderen helfen.
Sie wußte, daß eine Gentherapie in der Dimension, aus der die ehemaligen Atlanter stammten, alles andere als angesehen war. Dennoch würde sie gern einmal mit Dr. Stross darüber sprechen. Möglicherweise ...
Vashtu fiel etwas auf, was ihr bisher entgangen war. Sie machte einen langen Hals und beugte sich etwas zur Seite. Dann breitete sich ein Lächeln über ihr Gesicht aus.
Sie hatte den Jumper gefunden. Und er lief immer noch im Tarnmodus. Und genau darum hatte sie den dritten Wächter bis jetzt nicht wirklich wahrgenommen. Aber der hatte sich bewegt und war damit kurzfristig in ihr Blickfeld geraten.
Ein Plan nahm in ihrem Kopf Gestalt an.
Sie verließ die Deckung, um sich eine bessere zu suchen, denn eines hatte sie sofort bemerkt: Die Wächter des Lagerhauses konnten den des Jumpers ebenfalls nicht sehen.

***

„Peter, sind Sie in Stellung?"
Er zuckte wieder merklich zusammen, als sich unvermittelt ihre Stimme in sein Ohr schlich. Das Summen war wieder da, zwar nicht so stark wie vorhin auf der Straße, aber immerhin.
„Ja, wir sind in der Nähe der Devi-Rochen", antwortete er.
„Perfekt!"
Er stutzte.
Danea drehte sich zu ihm herum. „Ist das Major Uruhk?"
Peter nickte. „Was ist perfekt?" fragte er lauernd. Er wurde das Gefühl nicht los, daß sie gleich wieder irgendeine Unmöglichkeit von ihm verlangen würde. Und er wurde nicht enttäuscht.
„Sie werden die beiden Planetenkiller scharf machen und bei den Rochen deponieren", befahl sie. „Ich sorge für ein kleines Ablenkungsmanöver. Wir treffen uns auf der Straße zum Tor. Dort sammle ich euch beide ein. Dann geht es nach Hause."
„Sie wollen was?" Peter fuhr hoch. „Ich soll was? Wir haben doch kaum eine Chance, wenn Sie auch noch das Saatgut mitschleppen wollen!"
„Ich habe den Jumper wiedergefunden." Triumph schwang in ihrer Stimme mit.
Peter wechselte mit Danea einen ratlosen Blick. „Sie hat den Jumper wiedergefunden", wiederholte er.
„Und jetzt sehen Sie zu, daß Sie die Bomben scharf machen! Wir haben nicht viel Zeit. Die Devi ..."
„Können uns spüren, ich weiß." Peter erhob sich, machte Danea ein Zeichen. „Wir sollen die Planetenkiller bei den Jägern hochjagen", erklärte er kurz.
Warum nur immer er?

***

Vashtu hatte den einsamen Wächter schnell und lautlos ausgeschaltet, im Jumper Schutz gesucht und beobachtete nun von diesem Standpunkt aus die beiden anderen Wachen, die mit präziser Regelmäßigkeit ihre Runden zogen.
Sie konzentrierte sich auf die Drohnen und konnte fühlen, wie die AI sich ihres Wunsches sofort annahm. Mit ihren Gedanken schoß sie die Waffe ihres Volkes ab und lenkte sie zu einem bestimmten Punkt, nicht allzu weit entfernt.
Die Wachen wurden sofort aufmerksam. Vashtu beobachtete, wie sie kurz Blicke tauschten, dann losrannten.
Sie zögerte nicht mehr. So schnell wie möglich hechtete sie aus dem Jumper heraus und raste zum Lagerhaus hinüber. Ein kurzer Tritt mit aktivierten Fremdzellen, und das Innere des Lagerhauses lag vor ihr.
Das Summen in ihrem Kopf nahm wieder zu.
Vashtu fluchte leise, versuchte sich an das dämmrige Halbdunkel zu gewöhnen, das hier herrschte. Dann griff sie sich den ersten Sack, den sie erkennen konnte, warf ihn sich ächzend über die Schulter und stapfte mit schweren Schritten zurück zu dem kleinen, getarnten Gleiter.
Das war aber nur der erste Streich, sagte sie sich, während sie den Sack wieder ablud und sich auf den Pilotensitz schwang. Hoffentlich hatte Peter genug Zeit gehabt, um die Bomben scharf zu machen ...

***

Peter klatschte mit der flachen Hand auf den Würfel und erleichterte, als dieser hochfuhr.
„Wohin?" rief Danea ihm leise zu.
Gute Frage, fiel ihm jetzt ein. Blinzelnd sah er sich um.
Die Jäger, oder Rochen, der Devi waren extrem flach. So flach, daß sie beide sich nur in gebückter Haltung bewegen konnten, solange sie nahe an den Fluggeräten waren. Der Auswuchs, den die, die sie auf dem Planeten gejagt hatten, besessen hatten fehlte bei diesen Exemplaren.
Wie konnten diese hünenhaften Wesen in diesen Dingern fliegen? Sie mußten sich so flach wie möglich hineinlegen, anders konnte er sich das nicht vorstellen. Aber wie ... ?
Peter zuckte zurück, als sich unversehens eine Luke vor ihm öffnete. Er erwartete jeden Moment, einen Devi hervorschnellen zu sehen, doch nichts geschah.
„Dr. Babbis?" Danea klang ein wenig hilflos.
Peter blinzelte. Sollte etwa ... ? Hatte Vashtu recht? Dann ...
Der Planetenkiller in seiner Hand tickte und erinnerte ihn daran, daß er nicht viel Zeit hatte. Und auf der anderen Seite des Dorfes gab es in diesem Moment eine Explosion.
Peter zuckte zusammen, schmiß den tickenden und leuchtenden Würfel in den Jäger hinein und hastete zu Danea hinüber.
„Her damit!" Ungeduldig riß er dem Erethianer die Waffe aus der Hand, klatschte mit der flachen Hand darauf. Doch nichts geschah.
Er konnte die Unruhe spüren, die sich im Dorf ausbreitete.
„Dr. Babbis ..." Danea sah ihn hilflos an.
„Ich mache ja schon", knurrte er, drehte den Würfel und versuchte es noch einmal.
Und diesmal fuhr die Waffe hoch.
Ein erneuter Gedanke, wieder öffnete sich eine Klappe. Ein mehr oder weniger gezielter Wurf und er hetzte dem Erethianer nach, wieder in den Wald zurück.
Hinter sich hörte er jetzt mehrere, kurz aufeinanderfolgende Explosionen, die aber bei weitem nicht die Sprengkraft eines Planetenkillers aufwiesen.

TBC ...

05.05.2011

Unsauberer Handel V

Anne betrat mit gemischten Gefühlen das Gebäude, eigentlich auch einer der Wohntürme, in dem sich einige der Wissenschaftler ihre Labore eingerichtet hatten. Der Antiker-Lift brachte sie in das richtige Stockwerk, und sie sah schon von weitem den Rollstuhl des Marines, der gerade den Gang hinunterfuhr.
Sie war in Sorge, mußte sie zugeben. Auch wenn sie Major Uruhk bereits in Aktion gesehen hatte, war da eine gewisse Unruhe in ihr. Vor allem auch, da Pendergast sich noch einmal bei ihr gemeldet hatte.
Und was, wenn ... ?
Anne beschleunigte ihre Schritte und holte den langsam dahinrollenden Rollstuhl rasch ein. „Sergeant", sagte sie grüßend.
Der Marine blickte zu ihr auf und nickte stumm.
Würde er ihr Vorwürfe machen, wenn das Team nicht zurückkehren würde? Was würde dann überhaupt geschehen? Was würden die Erethianer sagen, wenn ausgerechnet der älteste Sohn ihres Stammesoberhauptes während einer Mission ihrer neuen Verbündeten getötet werden würde? Wie sollten sie den Verlust von zwei ATA-Trägern verkraften?
Tausend Gedanken schossen Anne durch den Kopf. Und sie wußte einfach nicht, was sie von hieraus tun konnte. Sicher, sie könnte die Adresse wählen und mit diesen Sa'tiankerm selbst Kontakt aufnehmen und Verhandlungen führen. Auf der anderen Seite aber mußte sie der Antikerin auch recht geben: Sie würde die Stadt damit wahrscheinlich gefährden.
„Sie kommen zurück", sagte Dorn unvermittelt, nachdem er sie eine kurze Zeit beobachtet hatte.
Anne blinzelte. „Was meinen Sie?"
Ein wissendes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Kommen wieder. Major Uruhk kommt immer wieder", wiederholte er.
Anne warf dem Marine einen skeptischen Blick zu.
Er stoppte sein Fortbewegungsmittel und drehte es etwas herum, so daß er ihr voll gegenübersaß. Dann starrte er sie durchdringend an. „Die Kleine hat schon wesentlich mehr hinter sich, als Sie denken, Doc", sagte er plötzlich. „Sie kennen die Wraith, auch ihr Atlantis hat mit ihnen im Streit gelegen."
Anne nickte nur stumm. Worauf wollte er hinaus?
„Major Uruhk hat sich vor zehntausend Jahren diese Therapie selbst gespritzt, um ihrem Volk zu beweisen, daß man sich wehren kann. Statt dessen aber wurde sie vom Rat mißbraucht und als Einzelkämpferin auf Selbstmordmissionen geschickt. Die hat sie alle überlebt. Und ich glaube nicht, Doc, daß irgendetwas oder irgendjemand etwas daran ändern wird. Wenn Vash es irgendwann einmal nicht schaffen sollte, Doc, dann haben Sie ein Problem. Aber gegen das, wogegen sie jetzt antritt ..." Er zuckte vielsagend mit den Schultern. „Sie hat einen Plan, einen guten Plan, wenn Sie mich fragen. Wenn wir, nachdem sie zurück ist, noch jemals etwas von den Sa'tiankern hören, dann sollten wir uns Sorgen machen."
„Aber ..." Anne schloß den Mund, als der Marine entschieden den Kopf schüttelte.
„Sie wollen Vash an ihrer Seite haben. Dann halten Sie sich jetzt an ihre Anweisungen, Dr. Stross", sagte Dorn scharf. „Sie weiß, was sie tut, glauben Sie mir."
„Und Pendergast?"
Dorn kniff nachdenklich die Lippen aufeinander, nickte nach einer kleinen Weile. „Das ist ein anderes Problem. Und das wird Ärger geben, darauf können Sie sich verlassen. Die Kleine läßt es sich bis jetzt gefallen, auch weil sie Befehle verweigert hat, bevor wir hier landeten. Sie gibt sich die Schuld daran, daß wir hier sind und Wallace tot ist. Aber irgendwann taucht sie aus ihrer Trauer auf, und dann möchte ich nicht in Pendergasts Haut stecken. Das könnte sogar eine Meuterei auf der Prometheus geben."
Anne seufzte und kreuzte die Arme vor der Brust. Eine leise Trauer schlich sich wieder in ihren Geist, als sie sich an das erinnerte, was während der Evakuierung von Atlantis geschehen war.
Dorn beobachtete sie genau. Seine Augen wurden schmal. „Was ist passiert? Was halten Sie noch zurück?"
„Pendergast hat die Daedalus geopfert, so wie er auch Atlantis opferte", begann sie stockend. „Er wollte mit heiler Haut da heraus. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Atlantis wirklich hatte aufgegeben werden sollen oder er das nicht eigenmächtig entschieden hat."
Ein Ruck ging durch den Oberkörper des Marines. Seine Kiefer spannten sich an. „Weiter", forderte er hart, wieder in seine Einsilbigkeit zurückfallend.
Anne schluckte. „Nachdem ... die Selbstzerstörung eingeleitet worden war, befahl Pendergast den sofortigen Rückzug. Aber er war nicht schnell genug, vier Hive-Schiffe tauchten aus dem Hyperraum auf, und der Antrieb der Prometheus wurde quasi sofort beschädigt, weil er die Schilde nicht eingeschaltet hatte. Die Daedalus wollte in den Hyperraum flüchten, aber Pendergast befahl sie zurück, um Deckung zu geben. Danach wurde ich von der Brücke verbannt." Sie senkte den Kopf. „Aber ich suchte mir eines der Fenster nach draußen, um weiter zusehen zu können. Ich sah, daß die Daedalus voll in das Feuer der Schiffe geriet, während die Prometheus relativ geschützt hinter ihr blieb, bis sich der Hyperantrieb einschaltete. Aber vorher ... Die beiden Schiffe kollidierten, wohl als Pendergast befahl, irgendwie etwas Geschwindigkeit zu gewinnen. Die Prometheus rammte die Daedalus, die schon schwer beschädigt war, und schob sie noch näher an die Hive-Schiffe der Wraith heran. Das letzte, was ich von ihr sah, war ..." Sie stockte und schüttelte den Kopf. „So gut wie alle militärischen Angehörigen, ein Großteil des medizinischen Stabes von Dr. Grodin, viele Bekannte ... die Besatzung der Daedalus selbst, sie alle kamen um! Und das nächste, was ich hörte war, daß Pendergast uns auch noch irgendwo zurücklassen wollte."
Dorn sah sie mit schmalen Augen an, nickte dann schließlich. „Dachte ich mir", sagte er nur.
„Und dann explodierte der Hyperantrieb, gerade als wir ihn benutzten. Danach war nur noch heilloses Chaos. Die Lebenserhaltung war ausgefallen, die Luft wurde immer stickiger. Markham brachte mich und ein paar andere in das Jumper-Lager. Pendergast schloß sich mit seinem Stab und jeder Menge Sauerstoffmasken auf der Brücke ein. Und dann tauchten Major Uruhk und Dr. Babbis plötzlich auf." Ein bitteres Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, ihr Blick glitt ab. „Ich hatte soetwas noch nie vorher gesehen, Sergeant. Sie arbeiteten gemeinsam, nein, der Major tat sogar den Hauptteil der Arbeit. Sie machten kein großes Federlesen, sie tauschten einfach die Generatoren aus und retteten so unser aller Leben. Und ich ... irgendwie habe ich Babbis von Anfang an um diesen engen Kontakt beneidet, ebenso wie Sie. Als wir hier ankamen, hoffte ich vom ersten Moment an, daß Major Uruhk bleiben und ... und daß sie die militärische Leitung übernehmen würde. Aber ..."
Ein Lächeln stahl sich auf Dorns Lippen. „Sie wird, Doc, sie wird." Er nickte wieder.
„Wie können Sie sich da so sicher sein?"
„Ich kenne dieses Mädchen." Der Marine drehte den Rollstuhl wieder in den Gang und rollte langsam weiter. „Aber Sie sollten ihr die ganze Geschichte erzählen, Doc. Alles, damit sie Sie auch besser versteht. Vash hat bemerkt, daß da irgendetwas im Hintergrund läuft, und auch, daß es mit ihr zusammenhängt und von Ihnen kommt. Sie ist sich nur nicht sicher, ob es gut für sie ist, was Sie da planen."
„Ich habe es ihr nicht gesagt, weil sie ständig abblockt, wenn es um diese Stadt geht", verteidigte Anne sich.
„Weil sie sich schon lange schuldig an den Devi fühlt, das wissen Sie auch. Sie hat diese Therapie letztendlich zum Laufen gebracht."
Gemeinsam betraten sie jetzt das Labor von Dr. Spitzbart.
Anne blieb erschaudernd stehen.
Sie hatte zwar nicht gesehen, wie diese schwarzen Würfel aktiviert wurden, aber sie hatte noch immer dieses Feuer vor Augen, das zehn Tage lang über den Planeten gewütet war. Sie wußte, was sie da anrichten konnten, wenn irgendetwas schief ging. Sie konnte nur hoffen, daß die Antikerin es auch wußte.
„Walter, wie weit bist du?" fragte sie, sich zusammenreißend. Und tatsächlich fühlte sie sich etwas besser nach dem, was sie Dorn gerade erzählt hatte.
Der deutsche Pysiker mit dem gewaltigen Schnurbart blickte auf und nickte. „Gib mir noch zwanzig Minuten, dann richten sie keinen Schaden mehr an."
Zwei Erethianer waren in einer Ecke damit beschäftigt, irgendetwas in Kisten zu stopfen, um diese aufzufüllen.
Anne atmete tief ein.
Hoffentlich klappte zumindest diesmal alles. Hoffentlich kamen die drei Leute zurück. Über alles andere konnten sie auch später reden.

***

Peter hatte nervös beim Stargate Aufstellung genommen, irgendeine willkürliche Adresse eingegeben und einen Funkspruch durch das Wurmloch gesandt. Indem er seine Leitung offen und auf Senden ließ, konnte er ein paar Sekunden schinden, in denen das Tor geöffnet blieb, auch wenn offensichtlich nichts hindurchkam. Dann hatte er wieder irgendeinen Unsinn von sich gegeben und hoffte einfach nur, daß es damit genug der Mühe gewesen war.
Jetzt stand er in der Nähe des DHDs und wartete, so wie Vashtu es ihm gesagt hatte. Dabei glaubte er die ganze Zeit, daß er beobachtet wurde. Er spürte fremde Blicke auf sich ruhen, Blicke, die ihm alles andere als freundlich gesinnt zu sein schienen. Und das führte nicht gerade dazu, daß er sich wohler fühlte.
Irgendwo mußte auch der Erethianer stecken, soviel war ihm klar. Doch er wußte nicht wo. Das Sternentor war von einem Wald umgeben, in dem auch das Dorf der Sa'tianker lag und ebenfalls der Puddlejumper abgestellt war.
Was hatte Vashtu wohl mit dem Sa'tianker angestellt, den sie offensichtlich verhört hatte? Lebte der noch? Und wo war er? Wenn er herausgefunden hatte, wo sich ihr Jumper befand, um den es der Antikerin wohl im hohen Maße ging, dann ...
In diesem Moment öffnete sich ein Wurmloch.
Peter schrak zusammen und fuhr herum, gerade als einige Kisten durch den Ereignishorizont geschoben wurden.
Die Lieferung aus Vineta war da!
Er wußte nicht, ob er nun erleichtert oder erst recht besorgt sein sollte. Irgendwie hatte er gehofft, Dr. Stross werde sich gegen Vashtus Vorschlag sperren und verbieten, was immer sie plante. Aber da hatte er sich offensichtlich in der Leiterin Vinetas getäuscht.
Das Wurmloch fiel in sich zusammen.
Peter eilte zum Tor und betrachtete die Lieferung.
Hoffentlich hatte Spitzbart die Bomben entschärft. Denn ansonsten würden die Sa'tianker sie vielleicht sogar noch ins All pusten bei ihren Versuchen.
Auf der obersten Kiste standen, eng beieinander, zwei der schwarzen Würfel. Das mußten die beiden sein, die nicht entschärft worden waren.
Peter trat einen Schritt zurück und sah sich um.
Dann fiel ihm ein, daß er ein Ablenkungsmanöver starten sollte, wenn die Waffen hier angekommen waren, um die Sa'tianker von Danea abzulenken, der den zweiten Planetenkiller zum Jumper bringen sollte.
Ablenkungsmanöver. Er brauchte ein Ablenkungsmanöver. Aber was für eines?
„Hallo?" rief er in den Wald hinein. „Ich könnte ein bißchen Hilfe gebrauchen. Euer ... euer Boß will doch die Waffen von uns. Ich kann das nicht allein tragen."
Er wartete, wollte gerade wieder rufen, als sich drei Gestalten aus dem Unterholz lösten. Und in diesem Moment spürte er, wie die Muskeln in seinem Bein sich verhärteten.
„Au! Autsch!"
Peter griff nach seiner Wade und begann, auf einem Bein herumzuhüpfen.
Die Sa'tianker blieben irritiert stehen.
Er hob den Kopf, winkte dann, immer noch krampfte die Wade und er humpelte und sprang herum. „Nur ein Krampf, keine Angst. Nur ein Krampf."
Die Sa'tianker betrachteten ihn mißtrauisch, traten aber näher.
Endlich löste sich der Krampf. Peter richtete sich wieder auf, humpelte ein paar Schritte. Als er sich zu den Kisten umdrehte, um Anweisung zu geben, sah er, daß nur noch ein Planetenkiller auf dem Stapel stand. Verblüfft riß er die Augen auf.

***

Vashtu wanderte über die Hauptstraße des kleinen Dorfes, sah sich an den verschiedenen Ständen um und fragte sich, wieviele Menschen den Sa'tiankern schon zum Opfer gefallen sein mußten, damit die ein so reiches Angebot präsentieren konnten. Und während sie sich das fragte, stieg kalte Wut in ihr auf.
Die Devi waren in ihren Augen eine andere Sache. Aber wenn ein Volk sich gegen das andere wandte, noch dazu, um dieses einem übermächtig wirkenden Feind auszuliefern, nein, da begann sie wirklich, an den heutigen Menschen zu zweifeln.
Sie konnte nur hoffen, daß sie mit den Sa'tiankern wirklich das schlimmste Beispiel aus dieser Galaxie auf Anhieb herausgepickt hatte und sie nicht noch mehr Überraschungen erwarten würden. Allerdings ...
Was dachte sie da schon wieder? Sie wollte hier weg, und das so schnell wie möglich! Sie wollte zurück auf die Erde, selbst der Stuhl auf Antarktica schien ihr nahezu ein Erholungsurlaub gegen das, was sie hier noch erwarten mochte. Außerdem ...
Sie konnte die Menschen in Vineta nicht allein lassen. Es ging nicht, und irgendwo tief in sich spürte sie eine Art Bindung. Stross schien ihr zu vertrauen, ein guter Teil der Wissenschaftler schien ihr zu vertrauen. Und auch der eine oder andere auf der Prometheus ... Wenn sie sich jetzt abseilte, würde es erst recht Ärger geben, und sie wußte es. Sie mußte Pendergast irgendwie aus dem Weg räumen, dann würde einiges vielleicht ein wenig leichter werden. Aber so?
Vashtu riß sich aus ihren Gedanken, als sie auf etwas aufmerksam wurde, besser auf jemanden: Ehlie!
Der Späher lungerte bei einer Hausecke herum und ließ sie nicht aus den Augen. Auch als sie sein Starren erwiderte, blieb er voll auf sie konzentriert.
Vashtu zögerte noch einen Moment, dann gab sie sich einen Ruck und marschierte zu dem Sa'tianker hinüber.
Ehlie schien jetzt doch aufmerksam zu werden. Er glitt zwischen die beiden Gebäude, an denen er gerade noch gestanden hatte. Vashtu beschleunigte ihre Schritte und folgte ihm, die Hand an der Beretta. Knapp hinter dem Gebäude, dort wo ein schmaler Streifen zwischen Häusern und Wald gerodet war, holte sie ihn ein.
Er stand mit dem Rücken gegen eines der Gebäude gelehnt und begegnete ihrem Blick kühl und mit einem kalten Lächeln.
„Was willst du?" Vashtu blieb stehen, so, daß sie mit ihrem Körper die Linke und auch den Waffengurt an ihrem Oberschenkel verbarg.
„Dir sagen, daß du nicht mehr lange zu leben hast ... Schöpferin!" zischte der Späher ihr zu.
Vashtu war nicht überrascht. Sie hatte geahnt, daß man hier wußte, was sie war. Sie hatte es ja selbst Stross gesagt. Jetzt bestätigte sich ihre Vermutung eben nur.
„Das werden wir noch sehen", antwortete sie gelassen.
„Die Devi sind bald hier, und Wi'an hat dein Schiff", fuhr Ehlie fort, ein grausames Glitzern in den Augen. „Du wirst nie wieder jemanden als Lügner betiteln, Schöpferin. Wir wissen, woher ihr gekommen seid, ihr habt es uns ja selbst gesagt."
„Aber ihr kennt die Gate-Adresse nicht", entgegnete Vashtu.
Jetzt allerdings war sie doch angespannt. Was sollte das heißen, Wi'an hatte den Jumper? Der Gleiter war die ganze Zeit getarnt gewesen, und sie hatte hier auch nichts gesehen, das in der Lage gewesen wäre, ihn von der Stelle zu bewegen.
Es überlief sie nun doch eiskalt, auch wenn sie sich weigerte, dem Sa'tianker ihre Gefühle zu zeigen.
Ehlie stieß sich von der Hauswand ab und trat dicht an sie heran. „Die wird sich herausfinden lassen. Soviele existierende Städte der Schöpfer gibt es nicht mehr", entgegnete er. „Dann werden wir auch den Rest deines Volkes den Devi geben, und dann ist vielleicht endlich Ruhe, wer weiß?"
„Das glaubst du doch selbst nicht", entgegnete sie. „Wo ist mein Schiff?"
Ehlie grinste wieder triumphierend. „Das wüßtest du gern, nicht wahr? Aber ich werde es dir nicht sagen, Schöpferin!"
Vashtu richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und funkelte den Sa'tianker an. „Ihr könnt mit dem Schiff sowieso nichts anfangen, Ehlie", entgegnete er. „Ihr braucht jemanden wie mich, der es für euch fliegt. So werdet ihr wenig Spaß daran haben, es sei denn als Kinderspielzeug."
„Wir werden einen Weg finden. Wir haben immer einen gefunden. Die Sa'tianker haben zehntausend Jahre überlebt, sie haben als Jagdwild gedient über sehr lange Zeit, nachdem die Stadt hier verlassen wurde. Wir werden auch die Rückkehr der Schöpfer überleben - als treue Verbündete der Devi!"
„Das einzige, was sie euch dafür geben werden, Ehlie, und das weißt du tief in dir auch, ist ein vorrangiger Platz in ihren Speisekammern. Ihr werdet eher als ich über einem ihrer Kessel hängen!" Vashtus Augen blitzten auf, das dunkle Braun wurde gelblich. Kurz schloß sie die Augen, als die Pupille sich ebenfalls veränderte. Ihr Gesicht erstarrte. „Denn mit einem hast du recht ... ich bin ihnen ähnlicher als du denkst!" Damit riß sie die Augen wieder auf.
Ehlie wurde blaß, wich nun doch wieder bis an die Hauswand zurück.
Vashtu folgte ihm, noch immer mit ihren unmenschlichen Augen, die sie auf ihn gerichtet hielt. „Ich bin sogar ihre Schöpferin, Ehlie", fuhr sie knurrend fort. „Durch mich sind die Devi entstanden. Sie werden mich nicht töten, sie werden mich anbeten!"
„Du ... du bist ..."
Vashtu packte zu, mit der schwächeren Rechten. Mit Hilfe der Wraith-Gene in sich gelang es ihr trotzdem, den Mann hochzureißen, daß seine Füße den Boden nicht mehr berührten. Ehlie zappelte hilflos in ihrem Griff, seine Hacken schlugen gegen die Hauswand.
„Ja, ich bin", zischte sie, neigte leicht den Kopf, so daß das Licht der Sonne auf ihre Augen traf ohne sie zu blenden. „Und du wirst mir jetzt auf der Stelle sagen, wo sich mein Schiff befindet, du Schleimbolzen!"
„Das weiß ich nicht!" ächzte der Sa'tianker mit schreckensgeweiteten Augen.
„Dann hast du ja etwas, was dir ganz schnell wieder einfallen sollte." Ein kühles Lächeln erschien auf ihren Lippen.

TBC ...