13.02.2012
Kalter Entzug II
Jetzt:
„Ach, hier stecken Sie!"
Dr. Peter Babbis schreckte aus seinem Schlaf hoch, blinzelte irritiert und schob sich dann die komplett verrutschte Brille wieder richtig auf die Nase. Als sein Blick auf den Bildschirm des Laptops fiel, stöhnte er auf. „Oh nein!"
„Alles einsacken!" befahl eine Stimme hinter ihm.
Hinter ihm? Eine Stimme? Eine bekannte Stimme!
Peter fuhr herum und starrte Sergeant George Dorn mit großen Augen an, der mit einigen Erethianern das abgeschirmte Lagerhaus, das er zu seinem Labor gemacht hatte, betreten hatte. Die menschlichen Aliens machten sich gleich an die Arbeit und begannen, die drei auseinandergenommenen Planetenkiller in die Kisten zu packen, in denen er sie hergebracht hatte. Auch die rudimentär vorhandene Prothese für Dorns verlorenes Bein wanderte ohne weitere Umstände in eine Kiste.
„Was ... ?" Peter blickte sich irritiert um, kratzte sich am Kopf und gähnte.
Noch immer war er hundemüde, kein Wunder, nachdem er vier Tage lang mehr oder weniger komplett auf Schlaf verzichtet hatte. Aber was hier gerade vor sich ging ... ?
„Was ist hier los?" wandte er sich an seinen ehemaligen Teamkollegen.
Dorn schmunzelte. „Befehl vom Major", antwortete er in seiner gewohnt einsilbigen Art, schob seinen Rollstuhl näher an den Tisch heran und streckte seine Hand nach dem Laptop aus. „Daten?"
Peter starrte den Marine verwirrt an. „Befehl von wem?" fragte er irritiert. „Hier ist doch ... Aber ..."
„Die Daten? Hier drin?" wiederholte Dorn noch immer breit grinsend.
Peter blinzelte, begann an seinem Ohrläppchen zu zupfen. „Was? Äh, ja", antwortete er, erhob sich dann entrüstet, als der Marine den Laptop an sich zog und zusammenklappte. „Was soll das, Dorn? Für wen halten Sie sich denn eigentlich? Sie können mir doch nicht so einfach meine Forschungsarbeit wegnehmen? Wo sind wir hier denn? In einem Polizeistaat?"
Dorn grinste noch breiter. „Befehl vom Major. Sie sollen sich ausruhen, wir schaffen die Sachen in den Turm." Er nickte hinter sich.
„Was?" Peter starrte die Wand an, dann stemmte er die Hände in die Hüften, als er beobachtete, wie die Erethianer die Kiste mit den Planetenkillern zur Tür schafften. „Wir haben keinen Major in Vineta, Dorn! Wie kommen Sie dazu, so einen Unsinn zu behaupten?" herrschte er den alternden Militär an.
Aus Dorns Kehle kamen kleine, glucksende Laute. „Sie legen sich hin. Der Major wird sich ansehen, wie weit Sie sind und mithelfen", erklärte er, nachdem er sich wieder etwas beruhigt hatte.
„Welcher Major, verdammt noch mal?" herrschte Peter ihn an, beugte sich über ihn und versuchte, ihn niederzustarren. „Wenn Dr. Stross diesen Unsinn befohlen hat, können Sie mir das auch gern sagen. Aber einen Major haben wir nicht hier unten, also hören Sie mit diesem Quatsch auf, Dorn!"
„Wir hatten keinen Major hier, jetzt haben wir einen." Dorn lächelte ihn sehr zufrieden an.
Peter begriff, daß dies tatsächlich die Frage gewesen war, auf die der Marine die ganze Zeit abgezielt hatte. Nur konnte er wohl nicht schnell genug schalten.
Aber ...
Welcher Major? Auf der Prometheus gab es seines Wissens derer drei. Und bei Dethman und Barnes hatte er, ehrlich gesagt, nicht das Gefühl gehabt, als würden sie sich sonderlich für irgendwelche Forschungen interessieren. Blieb eigentlich nur noch ...
Peter riß die Augen auf und starrte Dorn groß an. „Soll das heißen, Vashtu ist wieder hier?" entfuhr es ihm endlich.
Der Marine grinste wieder breit, begann zu nicken. „Gestern abend angekommen", antwortete er, nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme.
Peter fühlte sich plötzlich übergangen. Warum erfuhr er erst jetzt etwas davon, wenn die Antikerin doch gestern schon angekommen war? Wieso hatte ihm das denn keiner mitgeteilt? Es wäre doch ein leichtes gewesen, ihn zu kontaktieren und ... War es nicht! Darum hatte er ja dieses Lagerhaus als Labor gewählt. Er war hier für den Funk nicht erreichbar.
Peter lehnte sich gegen den Tisch und stöhnte auf, das Gesicht hinter seinen Händen verbergend. „Ich Esel!"
„Ruhen Sie sich aus. Die Kleine hilft mit bei Ihren Sachen, verlassen Sie sich darauf." Dorn wendete den Rollstuhl und folgte den Erethianern hinaus. An der Tür hielt er noch einmal an und drehte sich um. „Heimdahl ist jetzt auch hier", gestand er Peter noch zu wissen, ehe er das Lagerhaus endgültig verließ.
Der junge Wissenschaftler ließ augenblicklich die Hände sinken und starrte dem Marine mit großen, ungläubigen Augen nach.
***
Vashtu hatte sich hinter dem großen Schreibtisch auf dem eigenartig geformten Stuhl niedergelassen und las einige Berichte, die Dorn ihr gegeben hatte. Stirnrunzelnd ging sie die einzelnen Daten durch.
Da würde sie alle wohl noch ein ganzes Stück Arbeit erwarten, wie sie das sah. Nicht nur, daß die Erethianer-Kinder sich offenbar immer öfter im gesperrten Forschungs-Sektor herumtrieben, auch was bei den Fremdwelteinsätzen so alles passiert und nicht auf Peters Mist gewachsen war, ließ sie das ganze mehr als skeptisch betrachten.
Wenn sie die bisherigen Schritte richtig interpretierte, hatte man versucht, so freundlich und offen wie möglich aufzutreten und auf diese Weise das Vertrauen der hier Lebenden zu gewinnen. Kein schlechter Ansatz, der bei den Erethianern ja auch bestens funktioniert hatte. Allerdings schienen die Welten, auf denen sich Sternentore befanden, regelmäßig von den Devi heimgesucht zu werden. Solche Erfahrungen wie bei der ersten Mission, die sie durchgeführt hatte, waren den anderen Teams erspart geblieben, womit auch feststehen dürfte, daß es sich bei den Sa'tiankern um eine böse Ausnahme gehandelt haben dürfte. Zumindest hoffte sie das.
Etwas anderes war dabei die Tatsache, daß die Devi sich offensichtlich wirklich ziemlich ... vermehrt hatten in der letzten Zeit, bevor sie hier gelandet waren. Kein guter Zeitpunkt, um sich hier irgendwo einzuführen, wie Vashtu fand. Die Devi betrachteten die Menschen als besseres Schlachtvieh, betrieben offensichtlich den Jagdsport - wußte sie nicht etwas ähnliches über die Wraith? - und rotteten ab und an ganze Planetenbevölkerungen ohne jeden offensichtlichen Grund aus. Hier unterschieden sie sich wirklich von den ihr bekannten Wraith, die zu diesem letzten Mittel nur griffen, wenn sich die Menschen gegen sie wandten. Den Devi dagegen schien es vollkommen gleichgültig, solange sie nur ihren Hunger stillen konnten.
Vor Vashtus innerem Auge tauchte wieder dieser gewaltige Kessel auf, den Frederics und sie in einem Gebäude der inzwischen zerstörten Stadt gefunden hatten. Unwillkürlich wurde ihr übel und sie vertrieb mit einem heftigen Kopfschütteln diese Erinnerung, die fast unmittelbar mit einer anderen, nicht weniger schmerzlichen gekoppelt war.
Sie lehnte sich auf dem Stuhl zurück und betrachtete sinnend den letzten Bericht, den sie gerade gelesen hatte.
Sie hatten ein Problem. Und dieses Problem betraf offensichtlich ihren Auftritt auf anderen Planeten. Sie sollte mit Stross darüber reden, auch wenn sie von vorn herein wußte, was die andere dazu sagen würde.
Vashtu seufzte. Wenn sie nicht beherzter und, leider auch, härter wurden, würden sie über kurz oder lang untergehen. Und daran hätte dann nicht die Prometheus schuld, sondern sie selbst. Sie mußten mit den gleichen Bandagen kämpfen, mit denen in dieser Galaxie wohl gefochten wurde. Denn zumindest auf den Planeten, die in das Stargate-Netzwerk eingebunden waren, herrschte offensichtlich ein reger Handel.
Vashtu nagte an ihrer Unterlippe und runzelte die Stirn.
Bisher hatte die oberste Devise gelautet, nichts von Vineta und den neuen Bewohnern zu erzählen. Dabei dürfte es wohl jedem Außenstehenden klar sein, daß auf diesem Planeten irgendetwas nicht so ganz mit rechten Dingen zuging. Wenn sie jetzt aber offen als die Erben ihres Volkes auftreten würden ... ? Wenn sie die verbotene Stadt in ihre Verhandlungen mit einbanden und darauf pochten, was sie getan hatten?
Vashtu dachte nach.
Natürlich wollten die meisten der anderen Bewohner dieser Galaxie nichts von den Lantianern wissen. Kein Wunder nach dem, was hier geschehen war, wenn man sie fragte. Andererseits aber schien ihnen etwas gelungen zu sein, was sonst noch kein, jetzt existierendes Volk zu stande gebracht hatte: sie hatten das Devi-Volk dieses Planeten komplett ausgelöscht. Es gab keinen mehr, der ihnen im Moment gefährlich werden konnte. Als Beweis könnten sie tatsächlich die Ruinen anführen.
Sie hatten, zumindest noch, effizientere Waffen als die meisten anderen Völker, mit denen man Kontakt gesucht hatte. Selbst die Sa'tianker waren an ihren Waffen interessiert gewesen, ebenso wie an dem Jumper.
Wenn sie all das anführten, wenn sie den anderen klar machten, daß sie es ernst meinten ...
Vashtu blickte wieder auf den Bildschirm vor sich.
Es wäre einen Versuch wert. Offensichtlich waren die neuen Bewohner Vinetas in der Lage, nicht nur zu beißen, sondern zu vernichten. Wenn sie das in einem Handel ins Feld führten, wenn sie ihren Auftritt änderten und härter wurden, würden sie vielleicht auch mehr Verbündete und Handelspartner finden.
Die Tür öffnete sich.
Vashtu riß sich aus ihren Gedanken, richtete sich wieder auf. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht, als sie den Asgard erkannte, der in das Büro trat und sich mit großen Augen umsah.
„Heimdahl, schön, dich zu sehen", begrüßte sie ihn.
Das schmächtige, kleine und grauhäutige Wesen trat vertraulich näher. Seinen großen, ausdrucksvollen Augen lag das Lächeln, das sein Gesicht nicht auszudrücken vermochte. „Ich habe sehr gut geschlafen und würde jetzt gern mit meiner Arbeit beginnen, Major Uruhk", sagte er in der typischen, emotionslosen Weise seiner Art. „Ich habe ..."
„Du solltest dich noch ein bißchen ausruhen", widersprach Vashtu sofort, blickte wieder auf den Bildschirm und öffnete die nächste Datei. „Im Moment gibt es leider noch recht wenig für dich zu tun. Aber das wird sich sicher schnell ändern. Ich habe Dorn angewiesen, uns die Forschungen von Dr. Babbis zur Verfügung zu stellen und herzuholen. Wir beide können erst einmal nicht dieses Gebäude verlassen, ehe der Schutzschild nicht hochgefahren ist und ich ihn modifiziert habe." Ein entschuldigendes Lächeln trat auf ihr Gesicht.
„Ich könnte auch das eine oder andere lernen", schlug Heimdahl vor. „Wenn ich einen Zugang zu den Rechnern bekomme. Ich beherrsche deine Sprache, Major Uruhk."
Vashtu nickte, öffnete die nächste Datei. „Das weiß ich. Die meisten Asgard können antikisch, und das fast so gut wie ..." Sie stockte, als sie ein leises Geräusch wahrnahm. Ihr Kopf ruckte automatisch herum.
Unwillkürlich sprang sie auf, als sie den Asgard beim Hauptrechner des militärischen Sektors stehen sah, wie er offensichtlich mittels der Kristalle einige Eingaben vornahm. „Heimdahl!" entfuhr es ihr entsetzt. Mit schnellen Schritten war sie bei ihm.
Der Asgard hatte den Kopf leicht zur Seite geneigt und las offensichtlich, was da gerade über den Bildschirm flimmerte.
Vashtu mußte sich bezwingen, um ihn nicht von dem Panel wegzureißen.
Sie war hier nicht die Verantwortliche, verdammt! Sie war im Moment nicht mehr als ein Flüchtling, noch dazu eine Fahnenflüchtige. Sie sollte froh sein, daß Stross ihr dieses Büro ...
Vashtus Augen wurden groß, als ihre Augen an einer bestimmten Eintragung hängenblieben. „Das gibt's doch nicht!" entfuhr es ihr, dann wechselte sie einen langen Blick mit dem Asgard. Doch Heimdahl schien nicht wirklich zu verstehen, worüber er da gerade gestolpert war. Voller Vertrauen zwinkerte er ihr zu.
Und in diesem Moment öffnete sich die Tür zu dem großen Büro noch einmal, und Dr. Stross trat ein. „Wir sind ... Major? Heimdahl!"
Vashtu hob abwehrend die Rechte, scrollte gedanklich weiter herunter. Unwillkürlich bewegte sich ihr Kopf mit dem Text, während ihre Augen noch immer geweitet waren.
„Was ist los, Major?" Stross trat näher, warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm. Dann stutzte auch sie. „Das ist ..."
„Das sind die vollständigen Auflistungen über alle Forschungen, die in Vineta durchgeführt wurden!" Vashtus Stimme klang wie aus weiter Ferne.
***
Eine Stunde später verließ die Antikerin, in einer deutlichen Hochstimmung, den Lift auf einer anderen Etage.
Endlich würde sie Antworten auf ihre dringenste Fragen erhalten: Wie gefährlich waren die tatsächlich durchgeführten Forschungen in Vineta wirklich gewesen? Gab es noch anderes, das sich, wie die Devi, zu einem Bummerang entwickeln konnte, rührten sie es an? Und, vielleicht auch, was hatte ihr Vater in der Stadt getan, ehe es hier zu was auch immer gekommen war?
Doch zunächst einmal wollte sie sich ansehen, was Peter angerichtet hatte während der letzten vierzehn Tage. Stross war zu ihr gekommen, um ihr mitzuteilen, daß Dorn sämtliche Forschungen und seine Ergebnisse hierher gebracht hatte, in das abgeschirmte Gebäude der militärischen Leitung. Zwar hatte Peter sich ein anderes, ebenfalls abgeschirmtes Gebäude für seine Forschungen gesucht, aber es gab dort keinen Lift, so daß sie sich der Gefahr ausgesetzt hätte, von den Scannern der Prometheus entdeckt zu werden, hätte sie es gewagt, die Zentrale zu verlassen.
Hoffentlich würde sich dieser Umstand bald beheben lassen. Zumindest aber in absehbarer Zeit.
Vashtu seufzte schwer, öffnete dann die Tür zu dem leerstehenden Büro in einem der unteren Etagen.
Wenn es nach ihr gegangen wäre, sie hätte die weiteren Forschungen auch in ihrer jetzigen Unterkunft weiter betreiben können, zumindest vom Platz her war das Büro des militärischen Leiters mehr als verschwenderisch und nahm über die Hälfte des obersten Stockwerkes ein. Sie wunderte sich allerdings, daß Dorn, der ja militärischer Leiter in Vineta war, diesen Raum nicht für sich selbst beanspruchte, sondern sich, laut Stross, mit einem wesentlich kleineren zufrieden gab.
Vashtu trat ein, den Blick schon fest auf das gerichtet, was sich vor ihr auf dem großen Schreibtisch ausbreitete.
Sehr gut, sobald sie Peters Daten gelesen hatte, würde sie weitermachen können und vielleicht auch schon Fortschritte erzielen, ehe er morgen oder übermorgen zurückkehrte an die Arbeit. Endlich wieder etwas sinnvolles tun statt sich mit Marschgepäck durch die Gegend scheuchen zu lassen!
„Kleines?"
Vashtu erstarrte mitten im Schritt und atmete einige Male tief ein. Ihr Herzschlag hatte sich unwillkürlich beschleunigt, als sie die Stimme gehört hatte. Dann aber erkannte sie sie auch und drehte sich langsam um.
Der Marine saß in seinem Rollstuhl neben der Tür und blickte sie amüsiert an. „Kann dich noch immer erschrecken, was?"
Auf Vashtus Gesicht erschien ein Lächeln. Sie ließ den Schreibtisch und trat zu ihrem ehemaligen Teammitglied. „George, wie geht es dir?" fragte sie, beugte sich zu ihm hinunter.
Dorn nickte mit geschürzten Lippen. Die Wärme in seinem Blick blieb, doch das Schmunzeln erlosch. „Ich wollte dich noch etwas fragen, ehe ich wieder an meine Arbeit gehe", begann er.
Vashtu nickte ernst. „Etwas schlimmes?"
Dorn schürzte wieder die Lippen, nickte dann zu einem kleineren Tisch hinüber. „Babbis hatte mir versprochen, eine Prothese anzufertigen für mein Bein", sagte er.
Vashtu wandte stirnrunzelnd den Kopf, richtete sich wieder auf und trat an den zweiten Tisch. Was darauf lag sah für sie allerdings nach allem anderen als nach einer Beinprothese aus. Eher wirkte es wie moderne Kunst. Vorsichtig griff sie danach und hob es hoch. Dann schüttelte sie den Kopf. „Peter muß wirklich sehr übermüdet sein", seufzte sie.
„Kannst du es richten?" Dorn war langsam an ihre Seite gefahren, sah jetzt wieder zu ihr auf. „Habe allmählich Schwielen am Hintern von dem ganzen Sitzen."
Vashtu lächelte gequält, nickte dann aber. „Komm heute abend wieder vorbei, dann passe ich sie dir an. Einverstanden?" Sie warf ihm einen fragenden Blick zu und sah, wie seine Augen zu leuchten begannen. „Aber besorg dir Krücken, George. Ohne die wird es nicht gehen. Besser für die erste Zeit zwei."
Das Lächeln erlosch, Begreifen trat statt dessen in seine Augen. Doch tapfer nickte er. „Gehe zu diesem Boyer. Netter Kerl", sagte er in seiner gewohnt einsilbigen Art.
„Tu das. Er wird dir vielleicht auch helfen können beim Laufen lernen."
Wieder musterte sie die Metallstangen, die Babbis irgendwie verschraubt hatte ohne auf die Anatomie des menschlichen Körpers zu achten. „Wird nicht sonderlich hübsch aussehen. Aber der praktische Nutzen ist im Moment höher, oder?"
Dorn berührte sie am Arm, ließ sie wieder den Kopf drehen und ihn forschend betrachten.
„Ich danke dir, Kleine ... Major", sagte der Marine mit Tränen in den Augen.
Vashtu nickte mit zusammengekniffenen Lippen. Auch sie fühlte eine gewisse feuchte Wärme in ihren Augen, doch sie würde die Tränen nicht fließen lassen.
„Dann sollte ich jetzt besser anfangen." Entschlossen wandte sie sich dem Tisch zu und begann, die ersten Verschraubungen zu lösen. Dennoch spürte sie genau, wann Dorn sie endlich allein ließ und atmete leise auf.
TBC ...
05.02.2012
2.07 Kalter Entzug
Jetzt:
Es war ein beruhigendes Gefühl, die Stadt in der gewaltigen Höhle so zu sehen wie jetzt: Beleuchtet und mit zumindest ansatzweise Leben erfüllt. Die hohen Türme des zentralen Komplexes strömten in ihren Augen eine eigenartige Behaglichkeit aus, die sie an ihre Heimat erinnerten, die so weit entfernt war.
Major Vashtu Uruhk stand an den großen Fenstern der militärischen Kommandozentrale in einem, selbst in ihren Augen, gewaltigen Büro, das bisher nicht genutzt wurde. Die Arme überkreuzt blickte sie auf die Stadt hinunter. Und wieder, wie schon bei ihrem letzten Besuch hier, hatte sie das Gefühl, endlich zu irgendetwas zu gehören, nach Hause gekommen zu sein.
Nun ja, hoffentlich würde dieser „Ausflug" länger dauern als der letzte. Zumindest wenn es nach ihr ging. Und genau darum hatte sie sich auch in diesem Gebäude verschanzt, ebenso wie sie auch den Asgard Heimdahl hier untergebracht hatte.
Colonel Pendergast hätte sie nie im Leben wieder gehen lassen, und das wußte sie auch nach den Erfahrungen der letzten zwei Erdenwochen. Sie konnte zwar nicht sagen wie und warum, aber sie hatte das sichere Gefühl, er ahnte zumindest, daß sie mehr war, als sie ihn hatte wissen lassen. Es waren merkwürdige, nur teilweise in ihrer Erinnerung gespeicherte zwei Wochen. An andere Dinge entsann sie sich dagegen nur allzu gut: die begonnenen Gespräche, die eigenartigen Anweisungen, das Training. All das hatte ihr mehr als deutlich verraten, daß der Colonel, den sie eigentlich als vorgesetzten Offizier betrachten und seinen Befehlen folgen mußte, irgendetwas wenigstens ahnte, wenn er es nicht über irgendwelche dunklen und für sie nicht einsehbaren Kanäle tatsächlich herausgefunden hatte.
Ihr war keine andere Wahl mehr geblieben, wollte sie in Vineta, und in der Reichweite eines Sternentores bleiben. Und sie hatte fest damit gerechnet, daß Dr. Peter Babbis es in dieser Zeit zumindest geschafft hatte, den Schutzschild irgendwie mit Energie zu versorgen.
Doch als sie gestern am Abend angekommen war, hatte sie erfahren müssen, daß der junge Wissenschaftler sich gründlich überschätzt und verzettelt hatte. Ihr war keine andere Wahl geblieben, als sich so schnell wie möglich in einem abgeschirmten Gebäude zu verstecken, damit man ihr nicht nachjagen und das Geheimnis der Stadt unter der Planetenoberfläche lüften konnte.
Die Tür hinter ihr öffnete sich mit einem leisen, kaum wahrnehmbaren Zischen. Vashtu beobachtete in den spiegelnden Fenstern die Silhouette der Eintretenden, straffte sich und atmete tief ein.
„Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen, Major", begrüßte Dr. Anne Stross sie im freundlichen Ton.
Vashtu zögerte noch einen Moment, dann drehte sie sich um und lächelte. „Klar." Sie zwinkerte.
Stross nickte, stellte einen abgedeckten Teller auf dem großen Schreibtisch ab. „Ich hoffe, wir werden das Problem bald lösen können. Wenn ich auch nicht weiß, wie Sie den Schild dazu bringen wollen, Ihre ID nicht durchzulassen."
„Das ist die leichteste Übung, glauben Sie mir." Vashtu warf dem Teller einen halben Blick zu, verzog leicht angewidert das Gesicht. „Noch immer keine sinnvollen Handelspartner in Aussicht?" fragte sie.
Stross sah sie mit einem leicht resignierten Gesichtsausdruck an. „Wir hoffen, daß sich das bald ändern wird. Markham und die Erethianer sind ja gestern auch zurückgekommen." Sie lehnte sich gegen den Schreibtisch und blickte sie offen an. „Danea hat um eine Unterredung gebeten. Er meinte, er hätte sehr gute Neuigkeiten. Und was der Lieutenant über den Mond erzählt hat während der Expedition läßt mich hoffen. Sieht aus, als hätten wir zumindest eine Farm, und die ist nicht klein."
Vashtu nickte nachdenklich. „Aber wir haben nur einen Sack Saatgut", entgegnete sie. „Das wird für einen Farmplaneten nicht reichen, selbst wenn der nur ein Mond ist."
„Aber wir haben Hoffnung. Sergeant Williams ist mit seinem Team auf einem Planeten über Nacht geblieben. Und, soweit er mir vorhin sagen konnte, sieht es mit einer Handelsbeziehung gar nicht so schlecht aus. Die Omanier, so nennen sich die Bewohner von P1V-121, sind reichlich ausgedünnt worden durch die Devi und froh über jede helfende Hand, die sie kriegen können."
„Und sonst?" Vashtu hob fragend die Brauen. „Einmal abgesehen von dem Chaos, das Peter angerichtet hat? Ich meine ..."
Stross hob eine Hand. „Sie sind doch noch gar nicht richtig angekommen, Major", entgegnete sie amüsiert.
Vashtu runzelte die Stirn. „Ich bin seit gestern abend hier. Zeit genug, um mich auszuruhen und mir die Berichte anzusehen", sagte sie im bestimmten Tonfall. „Und was ich gelesen habe, hört sich bisher nicht allzu gut an. Die Menschen dieser Galaxie sind ziemlich mißtrauisch und schnell mit ihren Waffen zur Hand, viel zu schnell für meinen Geschmack. Außerdem scheinen die Devi ein ziemlich gewichtiges Problem darzustellen. Bisher ist nicht eine Welt betreten worden, die nicht von ihnen heimgesucht würde."
„Aber wir haben bisher keine andere Stadt gefunden, zumindest keine, die noch bewohnt wäre", wandte Stross ein.
„Noch nicht. Wieviele Welten haben Sie inzwischen erforscht? Zehn? Elf?" Vashtu schüttelte bedauernd den Kopf. „Soviel wußten wir bereits von den Erethianern. Und wenn Sie nachts einmal die Höhle verlassen, können Sie mehr Sterne sehen, als Sie zählen können. Die Gefahr ist nicht kleiner geworden." Sie seufzte. „Vielleicht hätte ich gar nicht zurückkommen sollen." Mutlos sanken ihre Schultern herab.
„Sie sind hier wichtig, Major! Und Sie sind jederzeit mehr als herzlich willkommen in Vineta!" Stross richtete sich wieder auf und funkelte sie an. „Sie haben bis jetzt mehr für diese Stadt getan als jeder andere. Wie könnte ich Ihnen da irgendeinen Vorwurf machen? Wofür denn überhaupt?"
Vashtu blickte unter ihren Ponyfransen wieder auf. „Im militärischen Sinne habe ich gestern abend eine Fahnenflucht begangen", sagte sie sehr ernst. „Ich habe mich Pendergasts Einflußbereich entzogen. Mit Hilfe, das gebe ich zu, aber ich habe es getan."
„Sie sind vor einem Irren geflohen, der im Moment noch am längeren Hebel sitzt, Major! Und, wenn Sie mich fragen, ich habe mich gewundert, wieviel Sie sich bis jetzt von Pendergast haben gefallen lassen. Er hat Sie verhört, Sie von allen anderen abgekanzelt und dann abgesondert, besonders von Ihrem Team, Ihnen sogar das Fliegen verboten und die F-302 wieder weggenommen, die er Ihnen erst zugesprochen hat. Was haben Sie denn das letzte Mal für Kämpfe mit ihm ausfechten müssen, damit er Sie noch einmal hier herunter ließ? Was haben wir für Kämpfe mit ihm ausfechten müssen deswegen?"
Vashtu biß sich auf die Lippen, drehte den Kopf und sah wieder zu den großen Fenstern hinaus.
„Barnes hat Ihnen geholfen, das haben Sie mir gestern gesagt", fuhr Stross fort, ließ sich gar nicht stören von ihrem offensichtlichen Desinteresse. „Major Barnes ist ein erfahrener Mann und hat schon einige Kriege hinter sich. Denken Sie denn wirklich, er hätte sich auf ein so riskantes Spiel eingelassen, wenn er nicht denken würde, Sie wären anderswo besser aufgehoben? Was, wenn Pendergast von Ihrem veränderten Genom erfährt? Er weiß doch ohnehin bereits, daß Sie eine Lantianerin sind!"
Vashtu versteifte sich unwillkürlich bei den letzten Worten.
Nein, das wollte sie auf gar keinen Fall herausfinden! Niemals sollte Pendergast erfahren, was wirklich in ihr steckte. Sie kannte die Reaktionen der meisten Militärs ohnehin schon mehr als gut: Der perfekte Krieger! Die Kampfmaschine!
Wieder biß sie sich auf die Lippen, begann dann an ihrer Unterlippe zu nagen.
Wenn der Colonel jemals herausfinden sollte, was mit ihr nicht stimmte, würde er sehr schwere Geschütze auffahren, um sie wieder zurück auf die Prometheus zu holen, und das wußte sie. Die Dimension, aus der Pendergast und die Atlanter stammten, war anders als die Erde, die sie kannte. Und, soviel hatte sie inzwischen herausgefunden, etwas, wie es ihm vielleicht vorschweben würde für sie, war laut den Direktiven vielleicht sogar erlaubt. Sie mit irgendetwas zu brechen und zu einem Werkzeug zu machen. Einem Werkzeug, wie sie es schon einmal gewesen war, und wie sie es niemals wieder sein wollte.
Vashtu schloß die Augen und drängte die Erinnerungen zurück. Jetzt waren andere Dinge wichtiger, viel wichtiger. Und an allererster Stelle stand der Erhalt der Stadt und das Überleben ihrer Bewohner. Und dazu würden sie Nahrung brauchen, vor allem Nahrung! Um Pendergast konnte sie sich immer noch kümmern, wenn er sich wieder meldete - sofern er das nicht schon getan hatte.
„Ich möchte, daß Sie mithelfen, Major. Ich möchte, daß Sie eine Stimme hier sind, so wie jeder Bewohner Vinetas eine Stimme ist. Auf keinen Fall möchte ich Sie in irgendeiner Weise benutzen. Und ich hoffe, inzwischen wissen Sie das auch", sagte Stross mit sanfter Stimme.
Vashtu öffnete die Augen wieder. Um einen Mundwinkel zuckte ein kleines Lächeln, als sie sich zu der anderen umdrehte und nickte. „Geht klar, Doc", sagte sie in einem lockereren Ton, als ihr zumute war.
Stross warf ihr einen fragenden Blick zu, doch sie reagierte nicht darauf. Sie hatte anderes, wichtigeres, zu tun.
***
15 Tage vor der Rückkehr:
„Major, ich bin überrascht. Wirklich überrascht! Sie können also doch auch einmal pünktlich sein."
Vashtu, die gerade aus ihrem Jumper gekommen war, verharrte mitten im Schritt, zwang sich, sich gerade und aufrecht hinzustellen und salutierte so stramm wie möglich. „Sir, melde mich zurück auf der Prometheus, wie abgesprochen."
Pendergast trat näher, nickte ihr mit kalten Augen zu. „Stehen Sie bequem, Major Uruhk", sagte er jovial.
Vashtu kam seiner Aufforderung sofort nach. Nicht, daß sie das militärische bequeme Stehen als wirklich bequem empfand. Aber sie wußte durchaus, was geschehen würde, sollte sie sich auch nur den kleinsten Fehler leisten.
Während sie auf weitere Anweisungen und Verhöhnungen wartete, beides würde mit absoluter Sicherheit kommen, so wie sie Pendergast kannte, ging ihr auf, daß er seinen üblichen Rattenschwanz aus Marines nicht mit sich herumschleifte. Statt der mindestens drei Männer hatte den Colonel heute nur einer begleitet. Einer allerdings, der ihr ebenfalls in alles andere als guter Erinnerung geblieben war: Sergeant Bates, der ihr die neue Kombination verpaßt hatte, die vorn und hinten nicht passen wollte.
„Nun, wie war es dort unten bei den Wissenschaftlern, Major?" wandte Pendergast sich wieder an sie. „Sind Sie nicht froh, wieder hier oben im richtigen Leben zu sein?"
Vashtu schluckte die Antwort, die ihr auf der Zunge lag, hinunter. Nein, diese würde sie ganz sicher nicht aussprechen. Allerdings blieb die Frage, was für den Colonel das wirkliche Leben war. In ihren Augen war Vineta ein gutes Stück näher an dieser Bezeichnung als die Prometheus es je wieder sein würde.
Aber Pendergast wußte weder etwas von Vineta noch von dem Sternentor, das sie irgendwie zumindest halbwegs geflickt hatte, auch wenn sie persönlich eher glaubte, es wäre besser, sie würden das Tor austauschen. Aber solange sie noch keinen leeren Planeten gefunden hatten ...
Vashtu riß sich aus ihren Gedanken. Sie war nicht mehr auf Erethia, sie war auf der Prometheus und mußte ein Schmierentheater aufführen, um Pendergast in Sicherheit zu wiegen. Auf keinen Fall durfte er Wind davon bekommen, was auf dem Planeten tatsächlich vor sich ging. Würde er es jemals herausfinden, würde keiner der neuen Bewohner der verbotenen Stadt ihres Volkes noch sonderlich viel Freude an Vineta haben.
„Ja, Sir", antwortete sie deshalb, warf sich in die Brust. „Bereit für neue Befehle, Sir."
Pendergast war vor ihr stehengeblieben und sah ihr tief in die Augen. Das tat er gern, wirklich sehr gern, war ihr schon einige Male aufgefallen. Was er allerdings glaubte, in ihren Augen lesen zu können, hatte sie noch nicht herausfinden können.
„Dann wird es Sie sicherlich freuen, daß ich mich entschlossen habe, den Kontakt zum Planeten abzubrechen. Sobald der Hyperantrieb repariert ist, sind wir weg, Major. Und Sie werden uns begleiten."
Vashtu fühlte, wie ihr schlagartig das Blut aus dem Gesicht wich.
Den Kontakt zum Planeten abbrechen? Den Hyperantrieb reparieren? Wußte dieser Idiot eigentlich, was er da sagte?
Pendergast grinste sie an, auf eine wölfische, gierige Art, die ihr überhaupt nicht gefallen wollte. Und ihr war sofort klar, daß ihre Reaktion mehr verraten hatte als sie gewollt hatte. Der Colonel wußte, daß sie gelogen hatte. Sicherlich hatte er das schon vorher gewußt, aber jetzt konnte er sich sicher sein, das es so war. Und daraus konnte er möglicherweise einen Hebel bauen, der sie auflaufen lassen würde.
„Das ist ... ein guter Gedanke, Sir", antwortete sie deshalb, auch wenn sie wußte, er würde diese Worte als die glatte Lüge bewerten, die sie auch tatsächlich war.
„Nun, dann hoffe ich, wir werden in den nächsten Tagen aufbrechen können." Pendergast wandte sich ab und schritt zurück zum Schott. Dann blieb er plötzlich, auf einer Höhe mit Bates, stehen, wechselte einen Blick mit dem Sergeant und drehte sich wieder zu ihr um. „Bates wird Sie zu Ihrem Quartier begleiten, Major, und Ihnen ein wenig Gesellschaft leisten. Sicher werden Sie Hunger haben, man wird Ihnen etwas bringen", erklärte er. Der Marine neben ihm nickte pflichtbewußt.
Vashtu fühlte sich mit einem Mal verraten, wenn sie auch nicht wußte, warum. Sie hatte nur das sichere Gefühl, daß all das hier von Anfang an inzeniert gewesen war und sie sich gerade in einem Netz fing, aus dem sie vielleicht nicht wieder herauskommen würde.
„Morgen um Null-Siebenhundert werden wir Ihren ausstehenden Leistungstest beginnen, Major. Kommen Sie ausgeruht", fuhr Pendergast fort.
Vashtu blinzelte. „Leistungstest, Sir?" fragte sie, hätte sich dann selbst ohrfeigen können. Der Colonel haßte Widerworte und Nachfragen. Und sie wußte das nur zu gut, hatte ihr beides bisher mehr als genug Ärger eingebracht.
Pendergast trat wieder einige Schritte näher, blieb dann aber stehen. „Ja, Major, Leistungstests", antwortete er mit einem schneidenden Unterton in der Stimme. „Sagen wir, in einigen Berichten wurde etwas ... eigenartig über Sie geschrieben und ich möchte jetzt endlich Gewißheit. Sergeant, begleiten Sie den Major auf ihr Quartier."
Der Marine salutierte und marschierte mit strammen Schritten zu ihr. „Mam?"
Vashtu sah Pendergast nach, der den Hangar nun endgültig verließ. Sie wußte, was er möglicherweise in den Berichten gefunden hatte, und sie wußte, auf was diese Berichte sich bezogen: Auf ihre erste Expedition nach Erethia, nachdem die größten Brände ausgebrannt waren. Einer der Marines schien nicht dichtgehalten zu haben.
Vashtu biß sich auf die Lippen, ging dann an Bates vorbei und trat vor das Schott, das sich hinter dem Colonel wieder geschlossen hatte. Einen Moment lang überlegte sie wirklich, ob sie den Sergeant nicht einfach vor das Tor laufen lassen und selbst wieder verschwinden sollte. Dann aber entschied sie sich. Es war besser, sich erst einmal zu fügen. Vielleicht würde sie auf diese Weise herausfinden, was Pendergast zu ahnen glaubte und wie dicht diese Ahnung an die Realität herankam.
TBC ...
29.01.2012
Aus dem Tagebuch eines Genies XI
5. Tag:
„Alles abflugbereit?"
Danea blickte etwas irritiert auf und sah einen sehr munteren, wenn auch recht besorgt wirkenden Lieutenant Markham hinten aus dem Jumper blicken. „Ich ... Ja, wir sind bereit", antwortete er, als er kurz in die Gesichter seiner beiden Begleiter gesehen hatte.
„Gut, dann bitte einsteigen, die Herrschaften." Markham versuchte sich an einem Lächeln, doch es wirkte gezwungen.
Danea richtete sich auf und schulterte seine letzte Tasche. Die Tasche mit dem kostbaren Inhalt, das wichtigste, neben der Eignung dieses Mondes für die Landwirtschaft.
Die beiden anderen Erethianer bestiegen vor ihm den kleinen Gleiter. Nachdenklich folgte Danea ihnen, drückte dann auf die Handsteuerung für die Heckluke und ging nach vorn in das Cockpit.
Markham saß bereits an den Kontrollen und ging offensichtlich noch irgendwelche Meldungen des Jumpers durch, dann begannen die Maschinen leise zu summen.
„Es war ein wirklich ereignisreicher Tag, nicht wahr?" Danea lächelte den jungen Militär aufmunternd an.
Markham nickte. „Diese ganze Expedition war ereignisreich", antwortete er. „Und wohl auch ziemlich einträglich, oder? Immerhin wissen wir jetzt, was wir wissen wollten."
„Stimmt." Danea nickte, warf noch einen Blick nach unten, ehe sie Atmosphäre des Mondes endgültig verließen. Ein eigenartiges Gefühl machte sich in ihm breit, doch er schwieg.
„Ich mache mir Sorgen. Wenn Babbis am Ende noch durchdreht ... Jedenfalls hoffe ich, du kannst das verstehen." Markham warf ihm wieder einen Blick zu.
Danea nickte. „Ich verstehe, und ich teile deine Gefühle", antwortete er. „Aber dennoch haben wir etwas gutes bewirkt."
„Das steht noch zu hoffen." Markham seufzte und schlug den Kurs für den Rückflug nach Erethia ein.
***
89. Tag
Nachtrag:
Es steht zu hoffen, daß Markham und seine Expedition 7x204899 Die Sache mit Stross geht gut. Ich weiß nicht ... Dämmliche Berechnungen, nie stimmen sie so, wie ich sie haben will!
Was ich sagen wollte ist, daß diese Sache allmählich zur Ruhe kommt. Williams ist ein Trottel! Welche Auswirkung auf das Raum-Zeit-Kontinuum hat ein Wurmloch in eine andere Dimension? Ich denke, der Kaffe ist kalt, es sollte kein neuer aufgebraucht werden.
Vashtu Uruhk bleibt beim Schach. Ich meine, die Sache ist ein Devi. Und wenn ich die SG-Teams sehe, die sie verteilt hat, schaue ich auf Türme. Die PKs sind harmlose Kisten. Sie können lkµolm,öckvlä#äaögfdµztrkjcbvhgfdäldfg,cv.bm---zhtgd,f
Zur gleichen Zeit:
„Ein Jumper kommt!" Walshs Stimme klang aufgeregt.
Anne atmete erleichtert auf und stieg in den Lift, vor dem sie gerade gestanden hatte, um zu ihrem Quartier zu kommen. Doch jetzt war ihr Ziel ein anderes.
„Sagen Sie Markham, daß ich ihn auf der Stelle sprechen muß", sagte sie in ihr kleines Mikrofon. „Williams meinte, je eher er von diesem Planeten kommt, desto besser. Wenn Markham etwas wacher als Babbis ist, könnte er diesen Flug vielleicht übernehmen."
Keine Antwort.
Anne stieg stirnrunzelnd aus dem Lift und ging mit strammen Schritten den Gang hinunter. „Miss Walsh?" fragte sie schließlich. „Andrea, stimmt etwas nicht?"
„Ich ... äh ..." meldete die andere sich unversehens wieder. „Ich denke, das wird Sie interessieren, Dr. Stross."
Anne schüttelte verständnislos den Kopf. „Was ist los?"
„Es ist nicht Markham", antwortete Walsh nach einer Weile.
Anne stockte kurz in ihrem Schritt. „Was?"
Aber wer sollte sonst einen Puddlejumper nutzen? Und wie? Es gab schließlich nur drei ATA-Träger im näheren Umfeld. Einer von ihnen lag jetzt hoffentlich endlich in seinem Bett und holte den Schlaf der vergangenen vier Tage nach, der zweite befand sich vielleicht endlich auf dem Rückflug hierher und die andere saß in der Prometheus fest.
Anne schüttelte den Kopf, als sich eine leise Hoffnung in ihren Geist schleichen wollte. Sie beschleunigte ihre Schritte unwillkürlich und fühlte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann.
Das Schott der Pyramide schloß sich gerade wieder. Doch im Seitenelement öffnete sich dafür eine kleine Tür. Und aus dieser Tür kam ... ein kleines grauhäutiges Wesen, das sich mit großen Augen umsah.
Anne stockte im Schritt.
Ein ... der ... Heimdahl?
Das Interesse des Asgard richtete sich auf sie. Mit einer gemessen erscheinenden Geste neigte er den Kopf. Da kam eine zweite Gestalt aus dem Inneren der Pyramide.
Anne holte tief Atem, konnte einfach nicht glauben, was sich da vor ihren Augen abspielte. Und dennoch ...
„Dr. Stross, ich hoffe, Sie haben ein gemütliches Plätzchen für unseren neuen Freund und mich. Nach Möglichkeit einen, der abgeschirmt ist. Wir haben von Pendergast einen Jumper ... geliehen." Major Vashtu Uruhk grinste spitzbübisch und winkte mit dem Daumen in Richtung des Base. „Übrigens haben wir noch das eine oder andere mitgebracht, was vielleicht nützlich sein könnte."
Anne blinzelte noch immer ungläubig, dann begann sie das breite Grinsen mit einem erleichterten Lächeln zu erwidern.
Die Antikerin war wieder in Vineta!
ENDE
„Alles abflugbereit?"
Danea blickte etwas irritiert auf und sah einen sehr munteren, wenn auch recht besorgt wirkenden Lieutenant Markham hinten aus dem Jumper blicken. „Ich ... Ja, wir sind bereit", antwortete er, als er kurz in die Gesichter seiner beiden Begleiter gesehen hatte.
„Gut, dann bitte einsteigen, die Herrschaften." Markham versuchte sich an einem Lächeln, doch es wirkte gezwungen.
Danea richtete sich auf und schulterte seine letzte Tasche. Die Tasche mit dem kostbaren Inhalt, das wichtigste, neben der Eignung dieses Mondes für die Landwirtschaft.
Die beiden anderen Erethianer bestiegen vor ihm den kleinen Gleiter. Nachdenklich folgte Danea ihnen, drückte dann auf die Handsteuerung für die Heckluke und ging nach vorn in das Cockpit.
Markham saß bereits an den Kontrollen und ging offensichtlich noch irgendwelche Meldungen des Jumpers durch, dann begannen die Maschinen leise zu summen.
„Es war ein wirklich ereignisreicher Tag, nicht wahr?" Danea lächelte den jungen Militär aufmunternd an.
Markham nickte. „Diese ganze Expedition war ereignisreich", antwortete er. „Und wohl auch ziemlich einträglich, oder? Immerhin wissen wir jetzt, was wir wissen wollten."
„Stimmt." Danea nickte, warf noch einen Blick nach unten, ehe sie Atmosphäre des Mondes endgültig verließen. Ein eigenartiges Gefühl machte sich in ihm breit, doch er schwieg.
„Ich mache mir Sorgen. Wenn Babbis am Ende noch durchdreht ... Jedenfalls hoffe ich, du kannst das verstehen." Markham warf ihm wieder einen Blick zu.
Danea nickte. „Ich verstehe, und ich teile deine Gefühle", antwortete er. „Aber dennoch haben wir etwas gutes bewirkt."
„Das steht noch zu hoffen." Markham seufzte und schlug den Kurs für den Rückflug nach Erethia ein.
***
89. Tag
Nachtrag:
Es steht zu hoffen, daß Markham und seine Expedition 7x204899 Die Sache mit Stross geht gut. Ich weiß nicht ... Dämmliche Berechnungen, nie stimmen sie so, wie ich sie haben will!
Was ich sagen wollte ist, daß diese Sache allmählich zur Ruhe kommt. Williams ist ein Trottel! Welche Auswirkung auf das Raum-Zeit-Kontinuum hat ein Wurmloch in eine andere Dimension? Ich denke, der Kaffe ist kalt, es sollte kein neuer aufgebraucht werden.
Vashtu Uruhk bleibt beim Schach. Ich meine, die Sache ist ein Devi. Und wenn ich die SG-Teams sehe, die sie verteilt hat, schaue ich auf Türme. Die PKs sind harmlose Kisten. Sie können lkµolm,öckvlä#äaögfdµztrkjcbvhgfdäldfg,cv.bm---zhtgd,f
Zur gleichen Zeit:
„Ein Jumper kommt!" Walshs Stimme klang aufgeregt.
Anne atmete erleichtert auf und stieg in den Lift, vor dem sie gerade gestanden hatte, um zu ihrem Quartier zu kommen. Doch jetzt war ihr Ziel ein anderes.
„Sagen Sie Markham, daß ich ihn auf der Stelle sprechen muß", sagte sie in ihr kleines Mikrofon. „Williams meinte, je eher er von diesem Planeten kommt, desto besser. Wenn Markham etwas wacher als Babbis ist, könnte er diesen Flug vielleicht übernehmen."
Keine Antwort.
Anne stieg stirnrunzelnd aus dem Lift und ging mit strammen Schritten den Gang hinunter. „Miss Walsh?" fragte sie schließlich. „Andrea, stimmt etwas nicht?"
„Ich ... äh ..." meldete die andere sich unversehens wieder. „Ich denke, das wird Sie interessieren, Dr. Stross."
Anne schüttelte verständnislos den Kopf. „Was ist los?"
„Es ist nicht Markham", antwortete Walsh nach einer Weile.
Anne stockte kurz in ihrem Schritt. „Was?"
Aber wer sollte sonst einen Puddlejumper nutzen? Und wie? Es gab schließlich nur drei ATA-Träger im näheren Umfeld. Einer von ihnen lag jetzt hoffentlich endlich in seinem Bett und holte den Schlaf der vergangenen vier Tage nach, der zweite befand sich vielleicht endlich auf dem Rückflug hierher und die andere saß in der Prometheus fest.
Anne schüttelte den Kopf, als sich eine leise Hoffnung in ihren Geist schleichen wollte. Sie beschleunigte ihre Schritte unwillkürlich und fühlte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann.
Das Schott der Pyramide schloß sich gerade wieder. Doch im Seitenelement öffnete sich dafür eine kleine Tür. Und aus dieser Tür kam ... ein kleines grauhäutiges Wesen, das sich mit großen Augen umsah.
Anne stockte im Schritt.
Ein ... der ... Heimdahl?
Das Interesse des Asgard richtete sich auf sie. Mit einer gemessen erscheinenden Geste neigte er den Kopf. Da kam eine zweite Gestalt aus dem Inneren der Pyramide.
Anne holte tief Atem, konnte einfach nicht glauben, was sich da vor ihren Augen abspielte. Und dennoch ...
„Dr. Stross, ich hoffe, Sie haben ein gemütliches Plätzchen für unseren neuen Freund und mich. Nach Möglichkeit einen, der abgeschirmt ist. Wir haben von Pendergast einen Jumper ... geliehen." Major Vashtu Uruhk grinste spitzbübisch und winkte mit dem Daumen in Richtung des Base. „Übrigens haben wir noch das eine oder andere mitgebracht, was vielleicht nützlich sein könnte."
Anne blinzelte noch immer ungläubig, dann begann sie das breite Grinsen mit einem erleichterten Lächeln zu erwidern.
Die Antikerin war wieder in Vineta!
ENDE
22.01.2012
Aus dem Tagebuch eines Genies VIII
Was tatsächlich geschah:
Anne blickte auf, als sich die Tür zu ihrem Büro öffnete. Ein beinahe mütterliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sah, wer sich da Zutritt verschafft hatte.
„Dr. Babbis, ich hoffe, Sie hatten eine ruhigere Nacht als ich.", begrüßte sie ihren unverhofften Gast. Doch bereits ein Blick in dessen Gesicht, verhärmt wirkend und mit dunklen Schatten unter den Augen, beantwortete ihre Frage mehr als ausreichend.
Es wurde wirklich Zeit, daß Markham von seiner Expedition zurückkehrte, wurde ihr wieder klar. Babbis würde über kurz oder lang einfach umkippen, wenn er seine Tätigkeiten nicht etwas zurückschraubte. Er sah ja jetzt schon fast aus wie ein lebender Leichnam. Irgendwann, wenn nicht einer der beiden anderen ATA-Träger zurückkehrte, würde er vielleicht sogar noch Vineta in die Luft jagen mit seinen Forschungen an den Planetenkillern.
Babbis ließ sich schulterzuckend nieder, gähnte hinter vorgehaltener Hand. „Es wird gehen", nuschelte er und blinzelte.
Anne nickte nachdenklich und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. „Ich wollte Ihnen noch danken für Ihre Hilfe gestern. Ohne Sie hätte es wesentlich mehr Tote gegeben. Ich hoffe, das ist auch Ihnen klar."
„Wir brauchen einen Medizinmann." Babbis rieb sich ein Auge hinter der Brille. „Diese Antiker-Geräte zu benutzen ist anstrengend."
„Kann ich mir vorstellen." Anne lächelte mitfühlend.
Wenn er doch nur nicht so eine Nervensäge wäre - nun ja, zumindest meist. Heute schien er relativ umgänglich. Vielleicht einfach die Tatsache, daß er übermüdet war, vielleicht aber auch wurde ihm klar, daß es so nicht mehr lange weiterging.
„Ich kann Ihnen mitteilen, daß Lieutenant Markham bald zurückkehren wird", sagte sie. „Die Erforschung des Mondes ist so gut wie abgeschlossen. Er wollte eigentlich heute schon zurückkehren, aber es hatte sich da etwas ergeben, daß mich etwas unruhig werden ließ. Aber er wird spätestens in zwei Tagen zurück sein."
Babbis blickte fragend auf. „Sind Sie mit mir nicht zufrieden?" fragte er ungläubig.
„Doch, selbstverständlich." Anne lächelte wieder. „Aber ich sehe auch, daß dieser zusätzliche Dienst Ihnen sehr zusetzt. Außerdem halten ich es für besser, wenn Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren und nur im Notfall einspringen. Sie müssen doch selbst zugeben, daß dies jetzt nicht gerade der beste Umstand ist, oder?"
Er zuckte mit den Schultern. „Irgendetwas von ... der Prometheus?" Eine leise Hoffnung schlich sich in seine müden Augen bei diesen Worten.
Annes Lächeln verlosch. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Leider nein, tut mir leid. Nach meinen Informationen, die wir mittels der Planentenüberwachung der Antiker gewinnen, wird an dem Schiff gearbeitet. Ich kann nur hoffen, daß es Major Uruhk und auch den restlichen Leuten gelingt, sich abzusetzen, ehe die Prometheus startet. Wir brauchen jeden einzelnen von ihnen."
Babbis senkte betreten den Blick wieder, starrte leer auf ihren Schreibtisch.
Anne seufzte. „Ich möchte Sie heute nicht allzu sehr herumscheuchen, Dr. Babbis", wechselte sie das Thema. „Sergeant Williams möchte es noch einmal auf P1V-121 versuchen. Ich habe bereits mit ihm gesprochen. Er ist damit einverstanden, wenn Sie sein Team dort aussetzen und eine halbe Stunde warten. Dann aber kehren Sie zurück hierher. Nach sieben Stunden können Sie ihn abholen. Er meint, seine Leute würden solange durchhalten, selbst wenn sie auf Widerstand stoßen."
„Ich soll zurückkommen?" Babbis' Augen weiteten sich. „Aber ... warum?"
Anne seufzte wieder, lehnte sich zurück. „Weil mich das gestrige Szenario doch etwas unruhig gemacht hat, Dr. Babbis. Ich möchte, daß Sie, wenn Sie wieder in der Stadt sind, mit einem Sicherheitsteam die bewohnten und erreichbaren Bereiche absuchen und eventuelle Geräte, die uns gefährlich werden könnten, abschalten."
„Antikergeräte? Abschalten?" Ein höhnisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Sagten Sie gerade, ich soll Geräte der Lantianer abschalten?"
„Ich weiß, das wird vielleicht nicht ganz einfach", gab Anne zu. „Aber im Moment sehe ich keine andere Möglichkeit. Entweder Sie schalten die Energiefresser ab oder Sie lassen die betreffenden Gebäude oder Räumlichkeiten durch das Sicherheitsteam versiegeln."
„Versiegeln hört sich schon vernünftiger an." Babbis nickte nachdenklich.
„Falls Sie noch etwas Zeit erübrigen könnten, wäre die Reparatur des Tores ebenfalls ziemlich dringend. Sie haben recht, das Loch scheint bei jeder Einwahl zu wachsen", fuhr Anne fort.
Wieder ein ungläubiges Blinzeln. „Wirklich?" Er klang jetzt tatsächlich erstaunt.
Die Leiterin der verbotenen Stadt nickte. „Ja, wirklich. Miss Walsh und ich haben uns das ganze gestern noch einmal angesehen und einige Probeläufe gestartet. Der Krach wird immer stärker und das Einschußloch wächst, als würden winzige Teile des Naquadah bei jeder Etablierung in den Ereignishorizont gezogen."
Babbis rieb sich über das Gesicht, begann dann an seinem Ohrläppchen zu zupfen, eine Eigenart, die sie immer sehr irritierte.
„Möglicherweise haben Sie recht", befand er dann. „Die Energie, die durch ein Wurmloch entsteht, ist enorm. Dummerweise hat der Schütze, der für dieses Loch verantwortlich ist, genau die richtige Stelle getroffen. Bei jedem Wurmloch liegt es halb im Ereignishorizont."
Anne nickte und wartete geduldig. Sie war sicher, sie würde gleich einen Babbis erleben, wie ihn sonst nur Major Uruhk kannte, zumindest in dieser Dimension.
„Ich kann das nicht richtig im Kopf berechnen, aber wenn wir weiter so unverantwortlich oft das Tor benutzen, könnte es wirklich recht bald geschehen, daß wir aus dem Netzwerk wieder herausrutschen - oder vollkommen hineingezogen werden. Wenn das Wurmloch sich weiter ausdehnen und den gesamten Torraum miteinbeziehen kann, werden wir der Lage nicht mehr Herr werden. Und das bedeutet ... wir brauchen dringenst ein neues Sternentor. Vashtu, Verzeihung, Major Uruhk hat sich da wohl geirrt mit ihrer etwas unkonventionellen Art, das Loch zu verstopfen. Stahl ist nicht dazu gemacht, den Energien eines Wurmloches standzuhalten. Entweder wir finden reparaturfähiges Naquadah, das nicht angereichert wurde, oder ein neues Sternentor."
„Nun, wie auch immer. Wir sind im Moment wirklich auf das Gate angewiesen. Ich denke, das wissen Sie selbst auch. Oder möchten Sie länger als nötig von den Nährungsbreien abhängig sein."
Unwillig verzog Babbis das Gesicht, drehte sich dann um und starrte durch die großen Fenster nach draußen. „Wenn wir besser an das Loch herankämen, könnten wir es jederzeit wieder stopfen. Aber leider verfügt keiner von uns über die Fremdgene von Major Uruhk. Ihr dürfte es ein leichtes sein, den Prozeß zumindest etwas aufzuhalten."
„Ich vertraue da im Moment ganz auf Sie, Dr. Babbis. Wenn Sie möchten, können Sie ein Team zusammenstellen aus unseren Physikern, die Ihnen helfen", schlug Anne vor.
Babbis' Kopf ruckte zu ihr herum. „Sie wollen, daß ich ... ein Forschungsteam leite?" Schierer Unglauben lag in seiner Stimme.
Anne lächelte. „Machen Sie sich daran und holen sich die, die Sie brauchen, Dr. Babbis. Wie gesagt, wir brauchen das Tor."
***
Nachdem er Stross' Büro verlassen hatte, zögerte Peter. Eigentlich sollte er sofort zur Jumper-Base und Williams' Team so schnell wie möglich auf dem Planeten absetzen. Andererseits aber fühlte er sich schlapp wie nie zuvor in seinem Leben. Selbst Kaffee, nicht das es davon in Vineta viel gegeben hätte, zudem hielt die Leiterin über die mageren Vorräte, die Vashtu und Markham aus der Prometheus besorgt hatten, ihre Hand, half nicht mehr wirklich weiter. Aber vielleicht ...
Peter wandte sich in Richtung Krankenstation und marschierte los. Vielleicht hatte er ja Glück und diese Schwester Claudia hatte gerade Dienst. Sie würde ihm sicherlich etwas geben können, das ihn auch weiterhin wach hielt.
Erst als er schon auf halbem Weg die Treppen hinauf war, fiel ihm ein, daß er auch hätte einen der Lifte benutzen können. Irgendwie schien sein Gehirn auch nicht mehr zu arbeiten, wie es sollte, ging ihm auf. Andererseits würde ein bißchen Bewegung auch sicher ein bißchen guttun nach den vielen sitzenden und stehenden Tätigkeiten der vergangenen Tage. Auf jeden Fall meinte er, sich etwas munterer zu fühlen.
Schwester Claudia war nicht im Dienst, wie Peter schnell feststellte, nachdem er schließlich durch die Tür getreten war. Er fand nur diesen Oberpfleger, zumindest hielt der sich wohl für einen solchen, namens Marc, wenn er sich nicht irrte.
„Doc, was kann ich für Sie tun?" erkundigte der sich. In seinem Gesicht spiegelte sich eine durchwachte Nacht und auch der gestrige Tag noch deutlich wider.
„Ich brauche etwas, womit ich mich wach halten kann." Peter versuchte, sich so autoritär wie möglich zu geben, richtete sich auf und kreuzte die Arme vor der Brust.
Der Pfleger sandte einen langen Blick in Richtung der schmalen Betten, die zu einem gewissen Teil tatsächlich wieder leer waren.
„Ich muß arbeiten!" setzte der junge Wissenschaftler hinzu.
„Sie müssen auch einmal schlafen", entgegnete Marc bestimmt.
„Ich muß gleich Sergeant Williams und sein Team durch das Gate fliegen. Und wenn ich wiederkomme, habe ich einen eiligen Auftrag von Dr. Stross auszuführen. Ich habe keine Zeit, mich irgendwo hinzulegen. Also, ich brauche etwas, was mich wach hält."
Marc runzelte die Stirn, kreuzte nun ebenfalls die Arme vor der Brust. „Nicht von mir. Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, daß Sie sich hinlegen sollen. Wenn Sie das aus falsch verstandenem Stolz nicht tun, ist das nicht meine Sache."
„Falsch verstandener Stolz?" brauste Peter plötzlich auf. In ihm begann es zu brodeln. „Ich werde dringend gebraucht! Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, ich bin zur Zeit der einzige ATA-Träger, den wir haben! Ich kann es mir nicht leisten auszufallen! Also geben Sie mir schon endlich etwas!"
Der Pfleger musterte ihn wieder von Kopf bis Fuß, dann wandte er sich plötzlich ab und aktivierte sein Funkgerät.
Peter war kurz davor, vor Wut wirklich zu explodieren.
Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein? Jetzt glaubte er ihm nicht einmal? Das ging aber eindeutig zu weit!
Marc sprach leise in sein Funkgerät, warf ihm einige kurze Blicke zu und nickte immer wieder. Dabei verhärtete sich sein Gesicht immer mehr. Schließlich klopfte er wieder auf das winzige Gerät in seinem Ohr, drehte sich ganz Peter zu und nickte. „Also gut, kommen Sie mit", sagte er, wenn man seiner Stimme und seiner Haltung auch deutlich anmerkte, wie er tatsächlich zu dieser Sache stand.
Der junge Wissenschaftler blitzte ihn wütend an. „Habe ich es nicht gesagt?" fauchte er.
Marc ließ den Vorwurf an sich abprallen wie Wasser, marschierte zu einem kleinen Nebenraum und zückte einen Schlüssel. „Das ist das erste und letzte Mal", sagte er, während er die Tür öffnete. „Das nächste Mal stecke ich Sie in ein Bett."
„Das hätten Sie wohl gern, was?" brauste Peter auf.
Marc betrat den Raum, kehrte kurz darauf wieder zurück und hielt ihm eine kleine Schachtel mit Tabletten hin. „Mehr bekommen Sie von mir nicht. Die Spritzen rühre ich nicht an."
Peter warf dem Pfleger noch einen verächtlichen Blick zu, schnappte sich das Päckchen und rauschte davon.
Dem Kerl hatte er es aber gezeigt!
***
Williams und sein Team warteten tatsächlich bereits, als Peter um die Ecke kam, doch dieses Mal schien der Marine wesentlich ... milder gestimmt, woran auch immer das liegen mochte. Williams nickte ihm zu und wartete, bis er den Jumper betreten hatte, ehe er ihm folgte, wie auch der Rest der SG-Einheit.
Peter ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und konzentrierte sich. Kurz summten die Motoren, dann erlosch das Geräusch wieder. Statt dessen fuhr die taktische Hologrammanzeige hoch.
Der junge Wissenschaftler blinzelte, er konnte hören, wie die rechte Waffenplattform ausfuhr.
„Doc, ich denke, das haben Sie nicht gemeint, oder?" Williams klang unsicher.
Peter schluckte, schloß die Augen und konzentrierte sich darauf, die Drohnen wieder einzufahren. Kurz stotterte irgendetwas in seinem Geist, es war wie ein winziges Aufbegehren, dann summten die Triebwerke wieder, die Heckluke schloß sich.
Er atmete erleichtert auf und öffnete vorsichtig ein Auge.
Was war denn nur mit diesem Jumper los? Er hatte doch gar nicht ...
Eine Klappe zu seiner Linken öffnete sich, ein Energiedetektor wurde ausgefahren.
„Doc?"
Er fühlte Williams' Blick auf sich, wußte jetzt endgültig nicht mehr, was er tun sollte. Schließlich griff er hektisch nach dem Detektor und steckte ihn in eine nicht ganz volle Tasche seiner Überlebensweste. „Habe meinen verloren", kommentierte er sein Tun mit einem mitleidheischenden Grinsen und warf dem Marine einen kurzen Blick zu.
Der nickte, doch in seinem Gesicht war deutlich Skepsis zu lesen. Doch falls er etwas bemerkt hatte, schwieg er darüber.
„Dann mal los." Peter konzentrierte sich wieder auf das Fliegen.
Mit einem deutlichen Ruck hob der Puddlejumper ab, krachte dann zurück auf den Boden.
Ließ das künstliche Gen etwa nach? War das der Grund, aus dem der Gleiter heute nicht so auf ihn reagieren wollte, wie er es sollte?
Ja, so mußte es sein, sagte er sich, während er etwas wie einen deutlichen Protest in seinem Hirn wahrnahm. Die AI des Jumpers meldete sich bei ihm, doch aus den kryptischen Äußerungen wurde er nicht recht schlau. Jedenfalls schien das Gerät aber unbeschädigt, schon einmal etwas, wenn auch sicher nicht das, was er erwartet hatte.
Endlich hob der Jumper vom Boden ab und - Peter hielt unwillkürlich den Atem an - flog mit stotternden Triebwerken in Richtung Zentralturm.
„Ist der Jumper beschädigt?" erkundigte Williams sich.
Die Verbindungstür in den Lade- und Passagierraum glitt mit einem deutlichen Krachen zu. Peter zuckte zusammen.
„Äh, nein, offensichtlich nicht." Siedendheiß war ihm eingefallen, daß niemand von seiner Gentherapie wußte. Im Gegensatz zu Vashtu machte er ein kleines Geheimnis daraus, vor allem auch, weil diese Arten von Manipulation in der Dimension, in der sie sich jetzt befanden, nicht sonderlich angesehen waren. Vashtus aufgemotzter Genstrang half der Stadt, oder würde es vielleicht irgendwann tun, aber seine leicht veränderten Gene?
Der Jumper sackte unter ihm weg, er konnte ihn gerade noch auffangen, ehe sie in eines der Gebäude krachen konnten.
„Schon gut, ich werde es mir nachher ansehen. Muß irgendeine kleinere Fehlfunktion sein", beschwichtigte er blind Williams, doch der nickte nur, nach einem weiteren scheelen Blick auf ihn.
Das Schott zum Gateroom war noch geschlossen. Eigentlich sollte es sich, da es über ein ähnliches Feld wie das Tor verfügte, bei Annäherung öffnen, aber dieses Mal tat es das nicht.
Peter verzweifelte langsam.
Was ging hier vor? Warum ... ?
Endlich glitt das Schott zurück.
Er seufzte erleichtert, verringerte die Geschwindigkeit. Wieder verlor der Jumper an Höhe, diesmal so ruckhaft, daß kurzzeitig die Trägheitsdämpfer versagten und sie durchgeschüttelt wurden. Peter fluchte, zog die bockige Kiste wieder hoch. Zu spät fiel ihm Vashtus Warnung ein, da hatte er die Beleidigung bereits gedacht. Und die AI antwortete damit, daß sie noch mehr bockte. Jetzt wollten auch die Triebwerke wieder aussetzen.
„Verdammt, Babbis! Sie bringen uns um!" schrie Williams ihn plötzlich an. „Egal, was Stross gesagt hat, das kann nicht sein. Lassen Sie uns sofort aus dieser Kiste aussteigen!"
Peters Kopf ruckte hoch. „Was?"
Der Jumper flog endlich in den Gateroom hinein, pendelte sich, wenn auch widerstrebend vor dem Tor ein.
„Was hat Dr. Stross gesagt?" Er funkelte den Marine wütend an.
Williams sank in seinen Sitz zurück und fluchte leise. „Stellen Sie auf der Stelle den Jumper ab. Sie sind nicht in der Lage heute irgendetwas zu fliegen, verdammt!" herrschte er ihn an.
„Ich bin nicht in der Lage?"
Die Chevrons des Tores rasteten, eines nach dem anderen, ein, der Energieschild war hochgefahren, daß die Ematation den Jumper nicht zerstören konnte.
Williams nickte. „Stellen Sie den Gleiter ab, auf der Stelle!" wiederholte er.
Der Jumper glitt in das Feld des Autopiloten und wurde in das Wurmloch gezogen.
***
Anne betrat den Kontrollraum und sah stirnrunzelnd nach draußen zum Tor. „Ist Dr. Babbis noch nicht wieder zurück?" fragte sie nach einer Weile.
Walsh blickte von ihrer Arbeit auf, warf dann einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Nein", antwortete sie gedehnt, „ist er nicht."
Beide Frauen sahen sich einen Moment lang schweigend an, dann nickte Anne und trat an die großen Fenster.
Walsh wählte ein und schloß für alle Fälle den Schild, obwohl das eigentlich nicht nötig war. „Leitung offen", meldete sie dann und drückte die entsprechenden Befehle.
„Dr. Babbis? Hier ist Dr. Stross", begann Anne, beobachtete das Wurmloch. Der Knall war beinahe ohrenbetäubend gewesen, stellte sie seufzend fest. „Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
***
Nach dem Adrenalinstoß, den der Streit mit Williams ihm gebracht hatte, fühlte Peter sich noch ausgelaugter als vorher. Er war ... einfach nur leer, es gab schlichtweg nichts, was er tun konnte, abgesehen vom Warten.
Mit einem Rest klaren Verstandes zog er sein Palmtop aus der Tasche und stellte sich den Wecker, nachdem das SG-Team draußen verschwunden war. Dann lehnte er sich zurück, kreuzte die Arme vor der Brust und sah hinaus. Und sah hinaus. Und sah hinaus ...
Eine lustige Melodie zwitscherte durch den Jumper und riß ihn wieder aus dem Schlaf.
Peter blinzelte, tastete dann nach dem kleinen Handrechner und schaltete ihn ab, ehe er sich wieder in den Sitz kuschelte.
„Nur noch fünf Minuten ..." Dann war er auch schon wieder eingeschlafen.
„Dr. Babbis? Hier ist Stross. Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
Müde blinzelte er und wischte sich über den Mund. Ein Speichelfaden blieb in seinem Mundwinkel hängen.
Was?
„Dr. Babbis, ist etwas passiert? Hier Dr. Stross, können Sie mich hören?"
Wo kam das her? Er war doch ...
Plötzlich riß er die Augen auf, fuhr hoch und starrte wild um sich.
Nein, er war weder in seinem Quartier in Vineta, noch in seinem Apartment auf der Erde. Er saß vornübergesunken in einem Puddlejumper und sollte eigentlich ...
„Mist!"
„Dr. Babbis, melden Sie sich doch! Hallo?"
Stross! Vineta! Das Tor!
„Oh verdammt!"
Noch immer etwas desorientiert blickte er sich um, auf der Suche nach dem Ursprung der Stimme, die er hörte. Es brauchte ein bißchen, ehe er begriff, daß diese in seinem Ohr steckte, und daß er noch immer ein Funkgerät trug.
„Dr. Ba..."
„Hier Babbis", meldete er sich und dachte rasent schnell nach. „Ich hatte ein paar Probleme mit dem Jumper und habe mir ... äh, die Kristalle angesehen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen. Tut mir leid."
„Alles in Ordnung bei Ihnen? Walsh sagte ..."
„Ja, danke, jetzt müßte es wieder gehen. Äh, Williams hat sich noch nicht gemeldet. Ich denke, er ist wohl durchgekommen." Sein Blick fiel auf seine Armbanduhr. Unwillkürlich erstarrte er. Über eine Stunde war er jetzt schon auf dem Planeten. Eine Stunde! Was hätte er in dieser Zeit nicht schon alles tun können!
„Gut, dann kehren Sie jetzt bitte umgehend wieder zurück, Dr. Babbis. Es gibt noch einiges zu tun, wie Sie wissen."
Peter nickte und konzentrierte sich.
***
Anne tauschte wieder einen Blick mit Walsh. Die grinste.
„Vielleicht sollten Sie auch noch Williams kontaktieren, ohne daß Babbis was mitkriegt", schlug sie vor. „Interessieren würde es mich, warum die Waffen am Jumper aktiviert waren, als er abflog."
Anne bekam große Augen. „Sie waren was?"
Walsh nickte, brach die Verbindung ab und wartete. „Die Drohnenphalanx auf der rechten Seite war aktiviert und ausgefahren. Und wie der Jumper hier herein kam ... nun, entweder Dr. Babbis hatte wirklich Probleme oder er selbst war das Problem, was ich eher annehme."
Anne drehte sich wieder zum Tor um. „Gut, warten wir, bis Babbis zurück ist, dann nehmen wir sein Wurmloch", entschied sie mit gemischten Gefühlen. „Er hat viel zu wenig geschlafen in den letzten Tagen. Und der Dienst auf der Krankenstation gestern hat auch noch das Mark aus seinen Knochen gesaugt, wenn Sie mich fragen."
Walsh schaltete die Schilde zu, als das Tor sich wieder aktivierte. Kurz darauf kam die Bestätigung, sie ließ den ersten Schild fallen und beobachtete, wie der Jumper sich an diesem Ende des Wurmloches wieder materialisierte. Dann schaltete sie die betreffenden Leitungen.
„Hoffen wir, daß Williams nicht gerade mitten in einer Verhandlung steckt", sagte sie.
„Hoffen wir, daß er und sein Team überhaupt noch leben nach dem, was Babbis sich geleistet hat", entgegnete Anne besorgt, während der Jumper zum Schott hochschwebte und den Zentralturm Richtung Pyramide verließ.
***
Peter war einfach nur wütend. Anders konnte er seine Emotionen im Moment beim besten Willen nicht beschreiben.
Kaum daß er wieder in der Base gewesen war vor ein paar Stunden und eigentlich hatte den Lift zum Zentralturm nehmen wollen hatte Stross ihn kontaktiert und ihm mitgeteilt, daß nicht nur Williams mit seinem Team bis morgen warten wollte mit einer Rückkehr, sondern daß auch die Reparatur des Tores verschoben worden war auf den nächsten Tag. Eindringlich hatte sie ihm noch einmal veruscht klar zu machen, daß er Raubbau an seinem Körper betrieb - als würde er das nicht selbst wissen! - und ihn dann mit drei Militärangehörigen in die bewohnbaren Teile der Stadt geschickt. Und hier sollte er nach Energiefressern Ausschau halten und die Räume und auch Gebäude versiegeln lassen. Kein Wort mehr von einer Abschaltung, nein. Er sollte nur Detektor spielen und herumschnüffeln.
Nicht daß er im allgemeinen etwas gegen diesen Auftrag gehabt hätte, aber ...
„Geht es Ihnen gut, Doc?" fragte Watts, ein junger Lieutenant, der ihm mitgegeben worden war.
„Ja", knurrte Peter und marschierte weiter.
Er wußte selbst, daß er im Moment wohl nicht gerade wie das blühende Leben wirkte. Aber mußte man ihn auch noch mit der Nase darauf stoßen? Immerhin versah er innerhalb der Stadt einen sehr wichtigen Dienst, da konnte er es sich schlichtweg nicht leisten, sich auszuruhen. Zumindest solange nicht, wie Markham noch auf diesem verdammten Mond seinen Erholungsurlaub genoß.
Nun ja, zumindest damit würde wohl bald Schluß sein, wenn er sich recht erinnerte. Dabei, auch das mußte er zugeben, war gerade diese Erinnerung seltsam nebulös und wie in Watte gehüllt, wie fast alles, was heute geschah.
„Ihr Gerät piept", meldete Watts sich erneut.
Peter wollte gerade zu einer unwirschen Antwort ansetzen, als er bemerkte, daß der andere recht hatte. Verständnislos blinzelnd starrte er auf den kleinen Bildschirm des Energiedetektors, sah dann zu dem Gebäude hinauf, an dem sie gerade vorbeigelaufen waren. Mit einem Ruck drehte er sich schließlich um und lenkte seine Schritte zu der Eingangstür.
„Hier drin ist etwas", sagte er dabei, betrat neugierig das Gebäude und sah sich um. Doch auf den ersten Blick war nichts anderes festzustellen wie in allen anderen Gebäuden: Ein Flur, von dem Türen abzweigten. Ganz am Ende schimmerten die gläsernen Türen des Liftes.
Peter schürzte nachdenklich die Lippen, hob dann den Detektor.
Nein, der Lift war es definitiv nicht, um den er sich kümmern sollte.
„Machen Sie Meldung an Stross", wandte er sich an seine drei Begleiter, ohne jemand bestimmten dabei anzusprechen. „Ich schätze, wir haben hier etwas gefunden."
Wie auf der Jagd pirschte er sich in das Innere des Gebäudes, hielt den Detektor hoch und sondierte die Lage. Hinter der dritten Tür schien sich diese ominöse Energieverschwendung zu befinden.
„Mann, manchmal wünschte ich mir, ich könnte das auch!"
Peter hob unwillig den Kopf und starrte den jungen Marine nieder. „Sie wissen nicht, was Sie da denken", entgegnete er, öffnete dann die Tür.
Ein kleines Gerät stand ihm gegenüber auf einem Tisch. Schriftzeichen leuchteten auf seiner Oberfläche, die entfernt an einen Planetenkiller erinnerte.
Peter runzelte die Stirn, steckte den Detektor wieder ein und beugte sich über den Tisch, um, was auch immer es war, genauer zu mustern. Dann erhellte sich sein Gesicht sichtlich, als er die aufgeklappte Rückfront fand. Im Inneren des Gerätes schimmerten verschiedenfarbige Kristalle.
„Dürfte nicht allzu lange dauern", wandte er sich an Watts, umrundete den Tisch und beugte sich über die Öffnung des Gerätes.
„Dr. Stross meinte, wir sollten nicht ..."
„Ich kann dem Ding die Energie entziehen. Damit ist es dann nicht mehr mit unseren Generatoren verbunden und kann auch nichts weiter entladen." Befriedigt über diese einfache Lösung zog er einen Kristall aus seiner Halterung.
Plötzlich senkte sich deutliches Schweigen über den Raum, unterbrochen nur von einem gelegentlichen Klicken, als die Anzeigen auf dem Gerät sich veränderten.
„Äh, Doc ..." wandte Watts sich nervös an ihn. „Sind Sie sich wirklich sicher, daß Sie genau das vorhergesehen haben?"
Peter war nun doch verblüfft, wußte nicht so recht, was er jetzt tun sollte. Also steckte er den Kristall zurück in die Halterung.
Der Farbwechsel folgte jetzt schneller.
Watts wich unwillkürlich einen Schritt zurück. „Doc, das sieht aber nicht sehr gut aus", sagte er.
„Ich weiß. Einen Moment noch." Der nächste Kristall wurde ausprobiert, und wieder einmal wünschte er sich die Antikerin an seine Seite. Selbst wenn sie ein solches Gerät nicht kannte, könnte sie ihm doch helfen, indem sie die Schriftzeichen übersetzte.
„Mam, Dr. Babbis ..."
Peters Kopf ruckte hoch. Wütend funkelte er den Marine an, aktivierte dann selbst sein Funkgerät. „Dr. Stross, Babbis hier", meldete er sich, nahm sich den nächsten Kristall vor und zog ihn aus seiner Halterung - mit dem gleichen Ergebnis wie die beiden vorhergehenden Versuche. Der Farbwechsel erfolgte inzwischen unheimlich schnell. „Wir haben einen Ihrer Energiefresser gefunden. Dürfte nur ein paar Minuten dauern, bis ich ihn vom Netz genommen habe."
„Dr. Babbis!" Stross' Stimme klang alles andere als erfreut. „Habe ich Ihnen keine klaren Anweisungen gegeben?"
„Doch. Aber dieses Ding braucht offensichtlich mehr Energie, als wir verkraften können." Der Kristall wurde wieder zurückgesteckt.
Wie konnte er dieses Gerät nur ausschalten? Irgendeine Möglichkeit mußte es doch einfach geben.
Peter schob sich die Brille wieder auf die Nasenwurzel zurück, entschied sich dann für den nächsten Kristall und zog ihn heraus.
Im gleichen Moment verloschen die Lichter, das Gerät war still.
Peter richtete sich, sehr zufrieden mit sich selbst, auf und rieb sich die Hände. „Dann auf zum nächsten Bösewicht", wandte er sich an Watts, der ihn ungläubig musterte.
„Sie werden gar nichts mehr tun, Dr. Babbis!" wütete Stross plötzlich in seinem Ohr los. „Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollten die Gebäude kontrollieren und versiegeln lassen. Wie kommen Sie denn überhaupt dazu, diese Befehle vollkommen zu ignorieren?"
War wohl doch kein so toller Einfall gewesen, wie?
„Ich habe ihn vom Netz genommen. Ich denke, das ist schon mehr als genug", verteidigte er sich lahm. Doch er konnte sich des Gefühles nicht erwehren, daß er gerade seinen nächsten Fehler in einer ziemlich langen Liste gemacht hatte.
TBC ...
Anne blickte auf, als sich die Tür zu ihrem Büro öffnete. Ein beinahe mütterliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie sah, wer sich da Zutritt verschafft hatte.
„Dr. Babbis, ich hoffe, Sie hatten eine ruhigere Nacht als ich.", begrüßte sie ihren unverhofften Gast. Doch bereits ein Blick in dessen Gesicht, verhärmt wirkend und mit dunklen Schatten unter den Augen, beantwortete ihre Frage mehr als ausreichend.
Es wurde wirklich Zeit, daß Markham von seiner Expedition zurückkehrte, wurde ihr wieder klar. Babbis würde über kurz oder lang einfach umkippen, wenn er seine Tätigkeiten nicht etwas zurückschraubte. Er sah ja jetzt schon fast aus wie ein lebender Leichnam. Irgendwann, wenn nicht einer der beiden anderen ATA-Träger zurückkehrte, würde er vielleicht sogar noch Vineta in die Luft jagen mit seinen Forschungen an den Planetenkillern.
Babbis ließ sich schulterzuckend nieder, gähnte hinter vorgehaltener Hand. „Es wird gehen", nuschelte er und blinzelte.
Anne nickte nachdenklich und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. „Ich wollte Ihnen noch danken für Ihre Hilfe gestern. Ohne Sie hätte es wesentlich mehr Tote gegeben. Ich hoffe, das ist auch Ihnen klar."
„Wir brauchen einen Medizinmann." Babbis rieb sich ein Auge hinter der Brille. „Diese Antiker-Geräte zu benutzen ist anstrengend."
„Kann ich mir vorstellen." Anne lächelte mitfühlend.
Wenn er doch nur nicht so eine Nervensäge wäre - nun ja, zumindest meist. Heute schien er relativ umgänglich. Vielleicht einfach die Tatsache, daß er übermüdet war, vielleicht aber auch wurde ihm klar, daß es so nicht mehr lange weiterging.
„Ich kann Ihnen mitteilen, daß Lieutenant Markham bald zurückkehren wird", sagte sie. „Die Erforschung des Mondes ist so gut wie abgeschlossen. Er wollte eigentlich heute schon zurückkehren, aber es hatte sich da etwas ergeben, daß mich etwas unruhig werden ließ. Aber er wird spätestens in zwei Tagen zurück sein."
Babbis blickte fragend auf. „Sind Sie mit mir nicht zufrieden?" fragte er ungläubig.
„Doch, selbstverständlich." Anne lächelte wieder. „Aber ich sehe auch, daß dieser zusätzliche Dienst Ihnen sehr zusetzt. Außerdem halten ich es für besser, wenn Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren und nur im Notfall einspringen. Sie müssen doch selbst zugeben, daß dies jetzt nicht gerade der beste Umstand ist, oder?"
Er zuckte mit den Schultern. „Irgendetwas von ... der Prometheus?" Eine leise Hoffnung schlich sich in seine müden Augen bei diesen Worten.
Annes Lächeln verlosch. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Leider nein, tut mir leid. Nach meinen Informationen, die wir mittels der Planentenüberwachung der Antiker gewinnen, wird an dem Schiff gearbeitet. Ich kann nur hoffen, daß es Major Uruhk und auch den restlichen Leuten gelingt, sich abzusetzen, ehe die Prometheus startet. Wir brauchen jeden einzelnen von ihnen."
Babbis senkte betreten den Blick wieder, starrte leer auf ihren Schreibtisch.
Anne seufzte. „Ich möchte Sie heute nicht allzu sehr herumscheuchen, Dr. Babbis", wechselte sie das Thema. „Sergeant Williams möchte es noch einmal auf P1V-121 versuchen. Ich habe bereits mit ihm gesprochen. Er ist damit einverstanden, wenn Sie sein Team dort aussetzen und eine halbe Stunde warten. Dann aber kehren Sie zurück hierher. Nach sieben Stunden können Sie ihn abholen. Er meint, seine Leute würden solange durchhalten, selbst wenn sie auf Widerstand stoßen."
„Ich soll zurückkommen?" Babbis' Augen weiteten sich. „Aber ... warum?"
Anne seufzte wieder, lehnte sich zurück. „Weil mich das gestrige Szenario doch etwas unruhig gemacht hat, Dr. Babbis. Ich möchte, daß Sie, wenn Sie wieder in der Stadt sind, mit einem Sicherheitsteam die bewohnten und erreichbaren Bereiche absuchen und eventuelle Geräte, die uns gefährlich werden könnten, abschalten."
„Antikergeräte? Abschalten?" Ein höhnisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Sagten Sie gerade, ich soll Geräte der Lantianer abschalten?"
„Ich weiß, das wird vielleicht nicht ganz einfach", gab Anne zu. „Aber im Moment sehe ich keine andere Möglichkeit. Entweder Sie schalten die Energiefresser ab oder Sie lassen die betreffenden Gebäude oder Räumlichkeiten durch das Sicherheitsteam versiegeln."
„Versiegeln hört sich schon vernünftiger an." Babbis nickte nachdenklich.
„Falls Sie noch etwas Zeit erübrigen könnten, wäre die Reparatur des Tores ebenfalls ziemlich dringend. Sie haben recht, das Loch scheint bei jeder Einwahl zu wachsen", fuhr Anne fort.
Wieder ein ungläubiges Blinzeln. „Wirklich?" Er klang jetzt tatsächlich erstaunt.
Die Leiterin der verbotenen Stadt nickte. „Ja, wirklich. Miss Walsh und ich haben uns das ganze gestern noch einmal angesehen und einige Probeläufe gestartet. Der Krach wird immer stärker und das Einschußloch wächst, als würden winzige Teile des Naquadah bei jeder Etablierung in den Ereignishorizont gezogen."
Babbis rieb sich über das Gesicht, begann dann an seinem Ohrläppchen zu zupfen, eine Eigenart, die sie immer sehr irritierte.
„Möglicherweise haben Sie recht", befand er dann. „Die Energie, die durch ein Wurmloch entsteht, ist enorm. Dummerweise hat der Schütze, der für dieses Loch verantwortlich ist, genau die richtige Stelle getroffen. Bei jedem Wurmloch liegt es halb im Ereignishorizont."
Anne nickte und wartete geduldig. Sie war sicher, sie würde gleich einen Babbis erleben, wie ihn sonst nur Major Uruhk kannte, zumindest in dieser Dimension.
„Ich kann das nicht richtig im Kopf berechnen, aber wenn wir weiter so unverantwortlich oft das Tor benutzen, könnte es wirklich recht bald geschehen, daß wir aus dem Netzwerk wieder herausrutschen - oder vollkommen hineingezogen werden. Wenn das Wurmloch sich weiter ausdehnen und den gesamten Torraum miteinbeziehen kann, werden wir der Lage nicht mehr Herr werden. Und das bedeutet ... wir brauchen dringenst ein neues Sternentor. Vashtu, Verzeihung, Major Uruhk hat sich da wohl geirrt mit ihrer etwas unkonventionellen Art, das Loch zu verstopfen. Stahl ist nicht dazu gemacht, den Energien eines Wurmloches standzuhalten. Entweder wir finden reparaturfähiges Naquadah, das nicht angereichert wurde, oder ein neues Sternentor."
„Nun, wie auch immer. Wir sind im Moment wirklich auf das Gate angewiesen. Ich denke, das wissen Sie selbst auch. Oder möchten Sie länger als nötig von den Nährungsbreien abhängig sein."
Unwillig verzog Babbis das Gesicht, drehte sich dann um und starrte durch die großen Fenster nach draußen. „Wenn wir besser an das Loch herankämen, könnten wir es jederzeit wieder stopfen. Aber leider verfügt keiner von uns über die Fremdgene von Major Uruhk. Ihr dürfte es ein leichtes sein, den Prozeß zumindest etwas aufzuhalten."
„Ich vertraue da im Moment ganz auf Sie, Dr. Babbis. Wenn Sie möchten, können Sie ein Team zusammenstellen aus unseren Physikern, die Ihnen helfen", schlug Anne vor.
Babbis' Kopf ruckte zu ihr herum. „Sie wollen, daß ich ... ein Forschungsteam leite?" Schierer Unglauben lag in seiner Stimme.
Anne lächelte. „Machen Sie sich daran und holen sich die, die Sie brauchen, Dr. Babbis. Wie gesagt, wir brauchen das Tor."
***
Nachdem er Stross' Büro verlassen hatte, zögerte Peter. Eigentlich sollte er sofort zur Jumper-Base und Williams' Team so schnell wie möglich auf dem Planeten absetzen. Andererseits aber fühlte er sich schlapp wie nie zuvor in seinem Leben. Selbst Kaffee, nicht das es davon in Vineta viel gegeben hätte, zudem hielt die Leiterin über die mageren Vorräte, die Vashtu und Markham aus der Prometheus besorgt hatten, ihre Hand, half nicht mehr wirklich weiter. Aber vielleicht ...
Peter wandte sich in Richtung Krankenstation und marschierte los. Vielleicht hatte er ja Glück und diese Schwester Claudia hatte gerade Dienst. Sie würde ihm sicherlich etwas geben können, das ihn auch weiterhin wach hielt.
Erst als er schon auf halbem Weg die Treppen hinauf war, fiel ihm ein, daß er auch hätte einen der Lifte benutzen können. Irgendwie schien sein Gehirn auch nicht mehr zu arbeiten, wie es sollte, ging ihm auf. Andererseits würde ein bißchen Bewegung auch sicher ein bißchen guttun nach den vielen sitzenden und stehenden Tätigkeiten der vergangenen Tage. Auf jeden Fall meinte er, sich etwas munterer zu fühlen.
Schwester Claudia war nicht im Dienst, wie Peter schnell feststellte, nachdem er schließlich durch die Tür getreten war. Er fand nur diesen Oberpfleger, zumindest hielt der sich wohl für einen solchen, namens Marc, wenn er sich nicht irrte.
„Doc, was kann ich für Sie tun?" erkundigte der sich. In seinem Gesicht spiegelte sich eine durchwachte Nacht und auch der gestrige Tag noch deutlich wider.
„Ich brauche etwas, womit ich mich wach halten kann." Peter versuchte, sich so autoritär wie möglich zu geben, richtete sich auf und kreuzte die Arme vor der Brust.
Der Pfleger sandte einen langen Blick in Richtung der schmalen Betten, die zu einem gewissen Teil tatsächlich wieder leer waren.
„Ich muß arbeiten!" setzte der junge Wissenschaftler hinzu.
„Sie müssen auch einmal schlafen", entgegnete Marc bestimmt.
„Ich muß gleich Sergeant Williams und sein Team durch das Gate fliegen. Und wenn ich wiederkomme, habe ich einen eiligen Auftrag von Dr. Stross auszuführen. Ich habe keine Zeit, mich irgendwo hinzulegen. Also, ich brauche etwas, was mich wach hält."
Marc runzelte die Stirn, kreuzte nun ebenfalls die Arme vor der Brust. „Nicht von mir. Ich habe Ihnen gestern schon gesagt, daß Sie sich hinlegen sollen. Wenn Sie das aus falsch verstandenem Stolz nicht tun, ist das nicht meine Sache."
„Falsch verstandener Stolz?" brauste Peter plötzlich auf. In ihm begann es zu brodeln. „Ich werde dringend gebraucht! Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, ich bin zur Zeit der einzige ATA-Träger, den wir haben! Ich kann es mir nicht leisten auszufallen! Also geben Sie mir schon endlich etwas!"
Der Pfleger musterte ihn wieder von Kopf bis Fuß, dann wandte er sich plötzlich ab und aktivierte sein Funkgerät.
Peter war kurz davor, vor Wut wirklich zu explodieren.
Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein? Jetzt glaubte er ihm nicht einmal? Das ging aber eindeutig zu weit!
Marc sprach leise in sein Funkgerät, warf ihm einige kurze Blicke zu und nickte immer wieder. Dabei verhärtete sich sein Gesicht immer mehr. Schließlich klopfte er wieder auf das winzige Gerät in seinem Ohr, drehte sich ganz Peter zu und nickte. „Also gut, kommen Sie mit", sagte er, wenn man seiner Stimme und seiner Haltung auch deutlich anmerkte, wie er tatsächlich zu dieser Sache stand.
Der junge Wissenschaftler blitzte ihn wütend an. „Habe ich es nicht gesagt?" fauchte er.
Marc ließ den Vorwurf an sich abprallen wie Wasser, marschierte zu einem kleinen Nebenraum und zückte einen Schlüssel. „Das ist das erste und letzte Mal", sagte er, während er die Tür öffnete. „Das nächste Mal stecke ich Sie in ein Bett."
„Das hätten Sie wohl gern, was?" brauste Peter auf.
Marc betrat den Raum, kehrte kurz darauf wieder zurück und hielt ihm eine kleine Schachtel mit Tabletten hin. „Mehr bekommen Sie von mir nicht. Die Spritzen rühre ich nicht an."
Peter warf dem Pfleger noch einen verächtlichen Blick zu, schnappte sich das Päckchen und rauschte davon.
Dem Kerl hatte er es aber gezeigt!
***
Williams und sein Team warteten tatsächlich bereits, als Peter um die Ecke kam, doch dieses Mal schien der Marine wesentlich ... milder gestimmt, woran auch immer das liegen mochte. Williams nickte ihm zu und wartete, bis er den Jumper betreten hatte, ehe er ihm folgte, wie auch der Rest der SG-Einheit.
Peter ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und konzentrierte sich. Kurz summten die Motoren, dann erlosch das Geräusch wieder. Statt dessen fuhr die taktische Hologrammanzeige hoch.
Der junge Wissenschaftler blinzelte, er konnte hören, wie die rechte Waffenplattform ausfuhr.
„Doc, ich denke, das haben Sie nicht gemeint, oder?" Williams klang unsicher.
Peter schluckte, schloß die Augen und konzentrierte sich darauf, die Drohnen wieder einzufahren. Kurz stotterte irgendetwas in seinem Geist, es war wie ein winziges Aufbegehren, dann summten die Triebwerke wieder, die Heckluke schloß sich.
Er atmete erleichtert auf und öffnete vorsichtig ein Auge.
Was war denn nur mit diesem Jumper los? Er hatte doch gar nicht ...
Eine Klappe zu seiner Linken öffnete sich, ein Energiedetektor wurde ausgefahren.
„Doc?"
Er fühlte Williams' Blick auf sich, wußte jetzt endgültig nicht mehr, was er tun sollte. Schließlich griff er hektisch nach dem Detektor und steckte ihn in eine nicht ganz volle Tasche seiner Überlebensweste. „Habe meinen verloren", kommentierte er sein Tun mit einem mitleidheischenden Grinsen und warf dem Marine einen kurzen Blick zu.
Der nickte, doch in seinem Gesicht war deutlich Skepsis zu lesen. Doch falls er etwas bemerkt hatte, schwieg er darüber.
„Dann mal los." Peter konzentrierte sich wieder auf das Fliegen.
Mit einem deutlichen Ruck hob der Puddlejumper ab, krachte dann zurück auf den Boden.
Ließ das künstliche Gen etwa nach? War das der Grund, aus dem der Gleiter heute nicht so auf ihn reagieren wollte, wie er es sollte?
Ja, so mußte es sein, sagte er sich, während er etwas wie einen deutlichen Protest in seinem Hirn wahrnahm. Die AI des Jumpers meldete sich bei ihm, doch aus den kryptischen Äußerungen wurde er nicht recht schlau. Jedenfalls schien das Gerät aber unbeschädigt, schon einmal etwas, wenn auch sicher nicht das, was er erwartet hatte.
Endlich hob der Jumper vom Boden ab und - Peter hielt unwillkürlich den Atem an - flog mit stotternden Triebwerken in Richtung Zentralturm.
„Ist der Jumper beschädigt?" erkundigte Williams sich.
Die Verbindungstür in den Lade- und Passagierraum glitt mit einem deutlichen Krachen zu. Peter zuckte zusammen.
„Äh, nein, offensichtlich nicht." Siedendheiß war ihm eingefallen, daß niemand von seiner Gentherapie wußte. Im Gegensatz zu Vashtu machte er ein kleines Geheimnis daraus, vor allem auch, weil diese Arten von Manipulation in der Dimension, in der sie sich jetzt befanden, nicht sonderlich angesehen waren. Vashtus aufgemotzter Genstrang half der Stadt, oder würde es vielleicht irgendwann tun, aber seine leicht veränderten Gene?
Der Jumper sackte unter ihm weg, er konnte ihn gerade noch auffangen, ehe sie in eines der Gebäude krachen konnten.
„Schon gut, ich werde es mir nachher ansehen. Muß irgendeine kleinere Fehlfunktion sein", beschwichtigte er blind Williams, doch der nickte nur, nach einem weiteren scheelen Blick auf ihn.
Das Schott zum Gateroom war noch geschlossen. Eigentlich sollte es sich, da es über ein ähnliches Feld wie das Tor verfügte, bei Annäherung öffnen, aber dieses Mal tat es das nicht.
Peter verzweifelte langsam.
Was ging hier vor? Warum ... ?
Endlich glitt das Schott zurück.
Er seufzte erleichtert, verringerte die Geschwindigkeit. Wieder verlor der Jumper an Höhe, diesmal so ruckhaft, daß kurzzeitig die Trägheitsdämpfer versagten und sie durchgeschüttelt wurden. Peter fluchte, zog die bockige Kiste wieder hoch. Zu spät fiel ihm Vashtus Warnung ein, da hatte er die Beleidigung bereits gedacht. Und die AI antwortete damit, daß sie noch mehr bockte. Jetzt wollten auch die Triebwerke wieder aussetzen.
„Verdammt, Babbis! Sie bringen uns um!" schrie Williams ihn plötzlich an. „Egal, was Stross gesagt hat, das kann nicht sein. Lassen Sie uns sofort aus dieser Kiste aussteigen!"
Peters Kopf ruckte hoch. „Was?"
Der Jumper flog endlich in den Gateroom hinein, pendelte sich, wenn auch widerstrebend vor dem Tor ein.
„Was hat Dr. Stross gesagt?" Er funkelte den Marine wütend an.
Williams sank in seinen Sitz zurück und fluchte leise. „Stellen Sie auf der Stelle den Jumper ab. Sie sind nicht in der Lage heute irgendetwas zu fliegen, verdammt!" herrschte er ihn an.
„Ich bin nicht in der Lage?"
Die Chevrons des Tores rasteten, eines nach dem anderen, ein, der Energieschild war hochgefahren, daß die Ematation den Jumper nicht zerstören konnte.
Williams nickte. „Stellen Sie den Gleiter ab, auf der Stelle!" wiederholte er.
Der Jumper glitt in das Feld des Autopiloten und wurde in das Wurmloch gezogen.
***
Anne betrat den Kontrollraum und sah stirnrunzelnd nach draußen zum Tor. „Ist Dr. Babbis noch nicht wieder zurück?" fragte sie nach einer Weile.
Walsh blickte von ihrer Arbeit auf, warf dann einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Nein", antwortete sie gedehnt, „ist er nicht."
Beide Frauen sahen sich einen Moment lang schweigend an, dann nickte Anne und trat an die großen Fenster.
Walsh wählte ein und schloß für alle Fälle den Schild, obwohl das eigentlich nicht nötig war. „Leitung offen", meldete sie dann und drückte die entsprechenden Befehle.
„Dr. Babbis? Hier ist Dr. Stross", begann Anne, beobachtete das Wurmloch. Der Knall war beinahe ohrenbetäubend gewesen, stellte sie seufzend fest. „Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
***
Nach dem Adrenalinstoß, den der Streit mit Williams ihm gebracht hatte, fühlte Peter sich noch ausgelaugter als vorher. Er war ... einfach nur leer, es gab schlichtweg nichts, was er tun konnte, abgesehen vom Warten.
Mit einem Rest klaren Verstandes zog er sein Palmtop aus der Tasche und stellte sich den Wecker, nachdem das SG-Team draußen verschwunden war. Dann lehnte er sich zurück, kreuzte die Arme vor der Brust und sah hinaus. Und sah hinaus. Und sah hinaus ...
Eine lustige Melodie zwitscherte durch den Jumper und riß ihn wieder aus dem Schlaf.
Peter blinzelte, tastete dann nach dem kleinen Handrechner und schaltete ihn ab, ehe er sich wieder in den Sitz kuschelte.
„Nur noch fünf Minuten ..." Dann war er auch schon wieder eingeschlafen.
„Dr. Babbis? Hier ist Stross. Sie sind überfällig. Ist etwas passiert?"
Müde blinzelte er und wischte sich über den Mund. Ein Speichelfaden blieb in seinem Mundwinkel hängen.
Was?
„Dr. Babbis, ist etwas passiert? Hier Dr. Stross, können Sie mich hören?"
Wo kam das her? Er war doch ...
Plötzlich riß er die Augen auf, fuhr hoch und starrte wild um sich.
Nein, er war weder in seinem Quartier in Vineta, noch in seinem Apartment auf der Erde. Er saß vornübergesunken in einem Puddlejumper und sollte eigentlich ...
„Mist!"
„Dr. Babbis, melden Sie sich doch! Hallo?"
Stross! Vineta! Das Tor!
„Oh verdammt!"
Noch immer etwas desorientiert blickte er sich um, auf der Suche nach dem Ursprung der Stimme, die er hörte. Es brauchte ein bißchen, ehe er begriff, daß diese in seinem Ohr steckte, und daß er noch immer ein Funkgerät trug.
„Dr. Ba..."
„Hier Babbis", meldete er sich und dachte rasent schnell nach. „Ich hatte ein paar Probleme mit dem Jumper und habe mir ... äh, die Kristalle angesehen. Dabei habe ich wohl die Zeit vergessen. Tut mir leid."
„Alles in Ordnung bei Ihnen? Walsh sagte ..."
„Ja, danke, jetzt müßte es wieder gehen. Äh, Williams hat sich noch nicht gemeldet. Ich denke, er ist wohl durchgekommen." Sein Blick fiel auf seine Armbanduhr. Unwillkürlich erstarrte er. Über eine Stunde war er jetzt schon auf dem Planeten. Eine Stunde! Was hätte er in dieser Zeit nicht schon alles tun können!
„Gut, dann kehren Sie jetzt bitte umgehend wieder zurück, Dr. Babbis. Es gibt noch einiges zu tun, wie Sie wissen."
Peter nickte und konzentrierte sich.
***
Anne tauschte wieder einen Blick mit Walsh. Die grinste.
„Vielleicht sollten Sie auch noch Williams kontaktieren, ohne daß Babbis was mitkriegt", schlug sie vor. „Interessieren würde es mich, warum die Waffen am Jumper aktiviert waren, als er abflog."
Anne bekam große Augen. „Sie waren was?"
Walsh nickte, brach die Verbindung ab und wartete. „Die Drohnenphalanx auf der rechten Seite war aktiviert und ausgefahren. Und wie der Jumper hier herein kam ... nun, entweder Dr. Babbis hatte wirklich Probleme oder er selbst war das Problem, was ich eher annehme."
Anne drehte sich wieder zum Tor um. „Gut, warten wir, bis Babbis zurück ist, dann nehmen wir sein Wurmloch", entschied sie mit gemischten Gefühlen. „Er hat viel zu wenig geschlafen in den letzten Tagen. Und der Dienst auf der Krankenstation gestern hat auch noch das Mark aus seinen Knochen gesaugt, wenn Sie mich fragen."
Walsh schaltete die Schilde zu, als das Tor sich wieder aktivierte. Kurz darauf kam die Bestätigung, sie ließ den ersten Schild fallen und beobachtete, wie der Jumper sich an diesem Ende des Wurmloches wieder materialisierte. Dann schaltete sie die betreffenden Leitungen.
„Hoffen wir, daß Williams nicht gerade mitten in einer Verhandlung steckt", sagte sie.
„Hoffen wir, daß er und sein Team überhaupt noch leben nach dem, was Babbis sich geleistet hat", entgegnete Anne besorgt, während der Jumper zum Schott hochschwebte und den Zentralturm Richtung Pyramide verließ.
***
Peter war einfach nur wütend. Anders konnte er seine Emotionen im Moment beim besten Willen nicht beschreiben.
Kaum daß er wieder in der Base gewesen war vor ein paar Stunden und eigentlich hatte den Lift zum Zentralturm nehmen wollen hatte Stross ihn kontaktiert und ihm mitgeteilt, daß nicht nur Williams mit seinem Team bis morgen warten wollte mit einer Rückkehr, sondern daß auch die Reparatur des Tores verschoben worden war auf den nächsten Tag. Eindringlich hatte sie ihm noch einmal veruscht klar zu machen, daß er Raubbau an seinem Körper betrieb - als würde er das nicht selbst wissen! - und ihn dann mit drei Militärangehörigen in die bewohnbaren Teile der Stadt geschickt. Und hier sollte er nach Energiefressern Ausschau halten und die Räume und auch Gebäude versiegeln lassen. Kein Wort mehr von einer Abschaltung, nein. Er sollte nur Detektor spielen und herumschnüffeln.
Nicht daß er im allgemeinen etwas gegen diesen Auftrag gehabt hätte, aber ...
„Geht es Ihnen gut, Doc?" fragte Watts, ein junger Lieutenant, der ihm mitgegeben worden war.
„Ja", knurrte Peter und marschierte weiter.
Er wußte selbst, daß er im Moment wohl nicht gerade wie das blühende Leben wirkte. Aber mußte man ihn auch noch mit der Nase darauf stoßen? Immerhin versah er innerhalb der Stadt einen sehr wichtigen Dienst, da konnte er es sich schlichtweg nicht leisten, sich auszuruhen. Zumindest solange nicht, wie Markham noch auf diesem verdammten Mond seinen Erholungsurlaub genoß.
Nun ja, zumindest damit würde wohl bald Schluß sein, wenn er sich recht erinnerte. Dabei, auch das mußte er zugeben, war gerade diese Erinnerung seltsam nebulös und wie in Watte gehüllt, wie fast alles, was heute geschah.
„Ihr Gerät piept", meldete Watts sich erneut.
Peter wollte gerade zu einer unwirschen Antwort ansetzen, als er bemerkte, daß der andere recht hatte. Verständnislos blinzelnd starrte er auf den kleinen Bildschirm des Energiedetektors, sah dann zu dem Gebäude hinauf, an dem sie gerade vorbeigelaufen waren. Mit einem Ruck drehte er sich schließlich um und lenkte seine Schritte zu der Eingangstür.
„Hier drin ist etwas", sagte er dabei, betrat neugierig das Gebäude und sah sich um. Doch auf den ersten Blick war nichts anderes festzustellen wie in allen anderen Gebäuden: Ein Flur, von dem Türen abzweigten. Ganz am Ende schimmerten die gläsernen Türen des Liftes.
Peter schürzte nachdenklich die Lippen, hob dann den Detektor.
Nein, der Lift war es definitiv nicht, um den er sich kümmern sollte.
„Machen Sie Meldung an Stross", wandte er sich an seine drei Begleiter, ohne jemand bestimmten dabei anzusprechen. „Ich schätze, wir haben hier etwas gefunden."
Wie auf der Jagd pirschte er sich in das Innere des Gebäudes, hielt den Detektor hoch und sondierte die Lage. Hinter der dritten Tür schien sich diese ominöse Energieverschwendung zu befinden.
„Mann, manchmal wünschte ich mir, ich könnte das auch!"
Peter hob unwillig den Kopf und starrte den jungen Marine nieder. „Sie wissen nicht, was Sie da denken", entgegnete er, öffnete dann die Tür.
Ein kleines Gerät stand ihm gegenüber auf einem Tisch. Schriftzeichen leuchteten auf seiner Oberfläche, die entfernt an einen Planetenkiller erinnerte.
Peter runzelte die Stirn, steckte den Detektor wieder ein und beugte sich über den Tisch, um, was auch immer es war, genauer zu mustern. Dann erhellte sich sein Gesicht sichtlich, als er die aufgeklappte Rückfront fand. Im Inneren des Gerätes schimmerten verschiedenfarbige Kristalle.
„Dürfte nicht allzu lange dauern", wandte er sich an Watts, umrundete den Tisch und beugte sich über die Öffnung des Gerätes.
„Dr. Stross meinte, wir sollten nicht ..."
„Ich kann dem Ding die Energie entziehen. Damit ist es dann nicht mehr mit unseren Generatoren verbunden und kann auch nichts weiter entladen." Befriedigt über diese einfache Lösung zog er einen Kristall aus seiner Halterung.
Plötzlich senkte sich deutliches Schweigen über den Raum, unterbrochen nur von einem gelegentlichen Klicken, als die Anzeigen auf dem Gerät sich veränderten.
„Äh, Doc ..." wandte Watts sich nervös an ihn. „Sind Sie sich wirklich sicher, daß Sie genau das vorhergesehen haben?"
Peter war nun doch verblüfft, wußte nicht so recht, was er jetzt tun sollte. Also steckte er den Kristall zurück in die Halterung.
Der Farbwechsel folgte jetzt schneller.
Watts wich unwillkürlich einen Schritt zurück. „Doc, das sieht aber nicht sehr gut aus", sagte er.
„Ich weiß. Einen Moment noch." Der nächste Kristall wurde ausprobiert, und wieder einmal wünschte er sich die Antikerin an seine Seite. Selbst wenn sie ein solches Gerät nicht kannte, könnte sie ihm doch helfen, indem sie die Schriftzeichen übersetzte.
„Mam, Dr. Babbis ..."
Peters Kopf ruckte hoch. Wütend funkelte er den Marine an, aktivierte dann selbst sein Funkgerät. „Dr. Stross, Babbis hier", meldete er sich, nahm sich den nächsten Kristall vor und zog ihn aus seiner Halterung - mit dem gleichen Ergebnis wie die beiden vorhergehenden Versuche. Der Farbwechsel erfolgte inzwischen unheimlich schnell. „Wir haben einen Ihrer Energiefresser gefunden. Dürfte nur ein paar Minuten dauern, bis ich ihn vom Netz genommen habe."
„Dr. Babbis!" Stross' Stimme klang alles andere als erfreut. „Habe ich Ihnen keine klaren Anweisungen gegeben?"
„Doch. Aber dieses Ding braucht offensichtlich mehr Energie, als wir verkraften können." Der Kristall wurde wieder zurückgesteckt.
Wie konnte er dieses Gerät nur ausschalten? Irgendeine Möglichkeit mußte es doch einfach geben.
Peter schob sich die Brille wieder auf die Nasenwurzel zurück, entschied sich dann für den nächsten Kristall und zog ihn heraus.
Im gleichen Moment verloschen die Lichter, das Gerät war still.
Peter richtete sich, sehr zufrieden mit sich selbst, auf und rieb sich die Hände. „Dann auf zum nächsten Bösewicht", wandte er sich an Watts, der ihn ungläubig musterte.
„Sie werden gar nichts mehr tun, Dr. Babbis!" wütete Stross plötzlich in seinem Ohr los. „Ich habe Ihnen gesagt, Sie sollten die Gebäude kontrollieren und versiegeln lassen. Wie kommen Sie denn überhaupt dazu, diese Befehle vollkommen zu ignorieren?"
War wohl doch kein so toller Einfall gewesen, wie?
„Ich habe ihn vom Netz genommen. Ich denke, das ist schon mehr als genug", verteidigte er sich lahm. Doch er konnte sich des Gefühles nicht erwehren, daß er gerade seinen nächsten Fehler in einer ziemlich langen Liste gemacht hatte.
TBC ...
15.01.2012
Aus dem Tagebuch eines Genies VII
4. Tag:
„Es hat gestern einen ziemlich heftigen Unfall gegeben", sagte Markham leise, als er auch dem Zelt kam, in dem er allein übernachtete.
Danea wechselte einen Blick mit seinen beiden anderen Begleitern, dem alten Nabock und Jehnam, einem erfahrenen Jäger, wie auch er einer gewesen war, ehe die Fremden auftauchten.
Markham ließ sich am Feuer nieder und seufzte.
„Warum hast du uns das gestern nicht schon gesagt?" fragte Danea.
Der Lieutenant blickte wieder auf. „Weil die Erethianer nicht weiter betroffen zu sein scheinen, wie Dr. Stross mir sagte. Einer unserer Wissenschaftler kam um bei dem Versuch, irgendein Gerät abzuschalten. Das ganze Gebäude ist zerstört."
„Dann sollten wir so schnell wie möglich zurückkehren in die Stadt der Schöpfer. Wer weiß, was diese Explosion ausgelöst hat dort", wandte Nabock ein.
Markham rieb sich den Nacken, starrte in die Flammen ihres kleinen Lagerfeuers.
Danea ging auf, wie müde der Lieutenant wirkte. Er hatte sicher nicht sehr viel geschlafen in der letzten Nacht. Wahrscheinlich zuviel Sorgen, ging ihm auf.
„Nabock hat recht", wandte er ein.
Markham blickte wieder auf und sah ihn leidend an. „Dr. Stross meint, wir sollten hierbleiben, bis wir sicher sind, daß sich keine Devi hier herumtreiben und wir den Mond vollständig überprüft haben. Wie lange braucht ihr noch?"
„Hier sind keine Devi", entgegnete Nabock bestimmt.
Markham kniff die Lippen aufeinander und zog die Beine an, um seine Unterarme auf die Knie zu stützen. „Aber wir haben Ruinen gefunden."
„Die sind schon lange aufgegeben, Lieutenant Markham", entgegnete Danea. „Nabock hat recht. Wir sollten wirklich zurückkehren nach Vineta. Wir brauchen auch nicht mehr lange. Heute abend könnten wir fertig sein, wenn Dr. Stross meint, wir sollten uns hier erst alles ansehen."
„Es ist unverantwortlich von ihr, soetwas zu fordern!" Die Stimme des alten Erethianers klang verärgert.
Markham blickte zum Himmel hinauf und beobachtete, wie in der frühen Dämmerung die näherstehenden Planeten und Monde auftauchten aus der Nacht.
Danea konnte beinahe spüren, was in dem jungen Mann neben ihm vor sich ging. Und, er mußte zugeben, auch in seiner Brust stritten sich die Gefühle. Aber wahrscheinlich konnte er Markham nicht wirklich verstehen. Die Erethianer hatten kein Militär, und jeder einzelne seines Volkes handelte nach seinem eigenen Gewissen, nicht nach dem, was ihm vorgegeben worden war von anderen.
„Major Uruhk ist auch noch nicht wieder in Vineta", murmelte Markham nachdenklich und runzelte die Stirn. „Dr. Babbis ist wohl vollkommen überfordert mit der Situation."
„Ein Grund mehr, sofort zurückzukehren", wandte nun Jehnam ein.
„Nein." Danea schüttelte bestimmt den Kopf. „Wir sollten tun, was Dr. Stross wünscht. Wenn sie meint, die Lage sei ruhig genug, damit wir den Mond weiter erforschen können, sollten wir das auch tun."
Nabock versuchte, ihn niederzustarren, doch er gab nicht nach. Vielleicht wußte er nicht alles, aber er hatte zumindest genug Verstand, um nicht blind nach vorn zu stürmen, wie der zweite Älteste es jetzt von ihm verlangte.
„Ihr werdet heute fertig?" Markham senkte den Kopf wieder, sandte einen fragenden Blick in ihre kleine Runde.
Jehnam nickte. „Es ist nicht mehr viel zu tun. Eigentlich könnten wir gleich hierbleiben und beginnen, Felder anzulegen."
„Uns fällt sicher eine einfachere Lösung ein", wandte Markham ein, sah zu Danea hinüber. „Noch ein Jumperflug gefällig?"
Der junge Erethianer nickte lächelnd. „Gern", antwortete er.
Markham richtete sich ächzend wieder auf und streckte sich. „Dann sollten wir sehen, ob wir nicht noch ein bißchen Zeit herausschinden können. Dr. Stross möchte eine Antwort von uns allen. Darum halte ich es auch für besser, wenn wir unsere Arbeit beenden."
Danea stand auch auf und stellte sich an Markhams Seite. Auffordernd blickte er zu Jehnam hinüber, bis dieser nickte. Nur Nabock blieb stur, wie er nicht anders erwartet hatte.
„Ich wollte mir noch einmal die Ruinen der Devi ansehen", schlug Markham vor.
„Gut." Danea nickte, drehte sich dann um und folgte dem anderen zu dem einsamen Puddlejumper hinüber.
Ein Unfall in der verbotenen Stadt der Schöpfer. Kein Wunder, daß Nabock wieder eine Bedrohung sah. Seit Jahrtausenden fürchteten die Erethianer diese Stadt, und Danea waren die Verhandlungen mit den Menschen aus diesem weit entfernten Atlantis noch sehr gut im Gedächtnis geblieben. Auch er war nicht gerade begeistert von der Aussicht, ausgerechnet in der Stadt der verräterischen Schöpfer zu leben, aber er hatte zumindest als einer der ersten die Notwendigkeit erkannt.
Markham ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und schloß die Heckluke. „Inzwischen werde ich wohl immer besser, was?" Er zwinkerte Danea zu.
Der nickte. „Besser jedenfalls als Dr. Babbis."
„Das ist auch nicht schwer." Markham ließ den Jumper abheben und an Höhe gewinnen, während er die Geschwindigkeit erhöhte. „Mir macht das Schweigen der Prometheus Sorgen. Was, wenn Pendergast mit dem Rest von uns abhauen will?"
„Ihr sagtet, er könne nicht so schnell fliegen", wandte Danea ein.
„Aber er hat Geiseln, wenn er dahinter gekommen ist, was zwischen uns und seiner Mannschaft ablief."
„Denkt Dr. Stross das auch?"
Markham biß sich diesmal wirklich auf die Lippen. „Ich weiß nicht, wie weit Sie im Moment denkt. Dr. Babbis macht ihr da einige Schwierigkeiten. Zumindest mehr, als er bräuchte."
Der Jumper schoß über den, sich langsam erhellenden Himmel.
Danea lehnte sich nachdenklich zurück. „Aber angreifen wird er uns doch nicht, oder?" fragte er nach einer kleinen Weile.
„Ich denke eher nicht." Der Lieutenant reckte den Hals, als sie dem Wald mit den Ruinen näherkamen. Langsam senkte er den Jumper wieder ab, landete ihn schließlich nicht weit von den ersten Bäumen entfernt.
„Dann mal los." Mit wenig Enthusiasmus erhob er sich und ließ Danea den Vortritt, ehe er ihm folgte, sich seine Waffe greifend, die hinten auf einem der Sitze gelegen hatte.
Danea trat aus dem Jumper heraus und blickte sich aufmerksam um. Dann wurde er plötzlich auf etwas aufmerksam, senkte den Blick. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
***
88. Tag:
Unter welchen Bedingungen bricht der menschliche Körper zusammen? Wie erschöpft muß man sein, um einfach umzukippen und nicht mehr aufzustehen?
Ich weiß es nicht, aber ich glaube, allmählich stoße ich an die Grenzen des mir möglichen. Mein Verstand beginnt zu leiden, mein Körper folgt ihm, da er keine andere Wahl hat. Und das schlimmste ist, man läßt mir einfach keine Ruhe, um mich zu regenerieren. Ich bin hilflos dem ausgeliefert, was Stross und diese ganze atlantische Bande planen. Niemand nimmt mehr Rücksicht auf meine eigenen Bedürfnisse.
Dr. Babbis, fliegen Sie durch das Tor! Dr. Babbis, reparieren Sie das Tor! Dr. Babbis, aktivieren Sie dieses Gerät! Dr. Babbis, deaktivieren Sie jenes Gerät! Dr. Babbis, die Testreihen müssen fortgesetzt werden! Dr. Babbis, Sie müssen auf der Stelle herkommen! Dr. Babbis, bleiben Sie nur weg da!
So und noch anders geht es hier zu. Natürlich, ich bin der wichtigste Mann in der Stadt, wenn ich nicht hier wäre, wäre Vineta schon längst wieder stumm und tot. Aber selbst jemand wie ich braucht seine Ruhe, und seien es auch nur fünf Minuten, die man mir zugestehen sollte. Wenn mein Körper irgendwann nicht mehr kann, weiß ich, wem ich das zu verdanken habe.
Markham ist immer noch nicht zurück. Was, zum Kuckuck, macht der eigentlich so lange da oben? Der Handel ging um ein paar Tage, aber inzwischen sind es ... oh, doch erst der vierte Tag? Nun ja, es kommen mir mehr vor. Und ich kann nicht nachvollziehen, was er und die Erethianer da oben so lange treiben. Der Mond war begrünt, er hatte ein angenehmes Klima, was wollen sie denn noch mehr wissen? Oder legen sie schon Felder an? Mit einem Sack Saatgut sicher nicht die beste Idee.
Statt mich weiter an meinen Forschungen arbeiten zu lassen, zieht Stross mich immer weiter ab. Heute durfte ich, zusätzlich zu Williams' Team, durch die Stadt ziehen auf der Suche nach Energiefressern - als würde uns das mehr als ein bißchen Zeit erkaufen! Zudem kommt, daß ich letzte Nacht durchgearbeitet habe - Dorns Prothese ist so gut wie fertig. Zumindest ein Lichtblick in dieser Finsternis.
Vashtu, wo bist du, wenn man dich braucht? Und ich könnte dich im Moment wirklich sehr gut hier gebrauchen. Aber du sitzt weiter gemütlich in der Prometheus und grinst wahrscheinlich auf deine übliche Art zu uns hinunter, während du dich vielleicht sogar mit Pendergast endlich geeinigt hast. Noch ein Nebenbuhler! Hat dir deine Erfahrung mit diesem Psycho-Kerl nicht gereicht?
Ach, was schreibe ich da schon wieder? Ich sollte - Vashtu wird wiederkommen, das ist klar. Sie wird wiederkommen! Wenn sie jemand wirklich gut kennt, dann weiß er, daß sie nichts unversucht lassen wird, um wieder hierher zurückzukehren. Ihre Arbeit hier ist noch nicht erledigt. Und sie ist zu zuverlässig, um irgendetwas nur halb zu tun. Wenn sie noch nicht wieder hier ist, kann das eigentlich nur bedeuten, daß sie wieder irgendetwas mit Pendergast auszutragen hat. Ansonsten würde nichts sie davon abhalten, Vineta wieder zu betreten. Nur allein die Sache mit dem Forschungs-Sektor liegt ihr doch ziemlich schwer im Magen. Hoffentlich wird sie nie herausfinden ...
Ich sollte allmählich selbstständiger werden. Ich kann mich nicht immer auf Vashtu Uruhk verlassen und hoffen, daß sie mir helfen wird. Aber wenn nicht sie, wer dann? Wem kann ich hier denn noch vertrauen? Stross auf jeden Fall wohl nicht, im Gegenteil, sie scheucht mich doch herum wie ... Nun ja, ihr billiger Sklave bin ich nicht, darauf kann sie sich verlassen. Was auch immer sie mir jetzt antun wird, es wird noch Folgen haben, darauf kann sie sich verlassen!
Aber was können wir tun, wenn Vashtu nicht zurückkommt? Wie sollen wir uns dann weiter schützen? Ich weiß schließlich, was Stross mit ihr vorhat, und ich muß zugeben, ich halte es für eine sehr gute Idee. Vielleicht wird mir nicht jeder zustimmen, aber ... Militärische Leiterin, gleichberechtigt neben Stross stehen, in alle Entscheidungen der Stadt involviert sein? Wer würde sich das nicht wünschen? Und, vor allem, es würde sich einiges ändern, wäre Vashtu hier und auf diesem Posten. Niemand würde mich mehr herumscheuchen, auch Stross nicht. Vashtu hat Verständnis für meine Bedürfnisse. Sie würde das nicht zulassen.
Die Frage ist eher, weiß sie selbst, was sie will? Sie tut so viel, eigentlich jetzt schon alles. Sie auf diesen Posten zu setzen, würde das ganze nur offiziell machen. Die Frage ist, weiß Vashtu eigentlich, was sie bereits getan hat für Vineta? So ganz sicher bin ich mir da nämlich nicht. Sie gluckt noch immer, wenn es um die Stadt geht. Sie hat Angst vor etwas, nur weiß ich immer noch nicht, vor was genau. Aber ich bin sicher, irgendwann wird sie mir das sagen können - wenn sie von der Prometheus zurück ist. Ja! Ich bin ihr Vertrauter. Wenn sie nicht mir traut, wem dann?
Ich wünschte nur, es würde schneller gehen. Viel schneller. Wenn sie nur wieder hier wäre, wenn irgendjemand mit dem Gen hier wäre außer mir. Ich werde das nicht mehr lange durchhalten können.
TBC ...
„Es hat gestern einen ziemlich heftigen Unfall gegeben", sagte Markham leise, als er auch dem Zelt kam, in dem er allein übernachtete.
Danea wechselte einen Blick mit seinen beiden anderen Begleitern, dem alten Nabock und Jehnam, einem erfahrenen Jäger, wie auch er einer gewesen war, ehe die Fremden auftauchten.
Markham ließ sich am Feuer nieder und seufzte.
„Warum hast du uns das gestern nicht schon gesagt?" fragte Danea.
Der Lieutenant blickte wieder auf. „Weil die Erethianer nicht weiter betroffen zu sein scheinen, wie Dr. Stross mir sagte. Einer unserer Wissenschaftler kam um bei dem Versuch, irgendein Gerät abzuschalten. Das ganze Gebäude ist zerstört."
„Dann sollten wir so schnell wie möglich zurückkehren in die Stadt der Schöpfer. Wer weiß, was diese Explosion ausgelöst hat dort", wandte Nabock ein.
Markham rieb sich den Nacken, starrte in die Flammen ihres kleinen Lagerfeuers.
Danea ging auf, wie müde der Lieutenant wirkte. Er hatte sicher nicht sehr viel geschlafen in der letzten Nacht. Wahrscheinlich zuviel Sorgen, ging ihm auf.
„Nabock hat recht", wandte er ein.
Markham blickte wieder auf und sah ihn leidend an. „Dr. Stross meint, wir sollten hierbleiben, bis wir sicher sind, daß sich keine Devi hier herumtreiben und wir den Mond vollständig überprüft haben. Wie lange braucht ihr noch?"
„Hier sind keine Devi", entgegnete Nabock bestimmt.
Markham kniff die Lippen aufeinander und zog die Beine an, um seine Unterarme auf die Knie zu stützen. „Aber wir haben Ruinen gefunden."
„Die sind schon lange aufgegeben, Lieutenant Markham", entgegnete Danea. „Nabock hat recht. Wir sollten wirklich zurückkehren nach Vineta. Wir brauchen auch nicht mehr lange. Heute abend könnten wir fertig sein, wenn Dr. Stross meint, wir sollten uns hier erst alles ansehen."
„Es ist unverantwortlich von ihr, soetwas zu fordern!" Die Stimme des alten Erethianers klang verärgert.
Markham blickte zum Himmel hinauf und beobachtete, wie in der frühen Dämmerung die näherstehenden Planeten und Monde auftauchten aus der Nacht.
Danea konnte beinahe spüren, was in dem jungen Mann neben ihm vor sich ging. Und, er mußte zugeben, auch in seiner Brust stritten sich die Gefühle. Aber wahrscheinlich konnte er Markham nicht wirklich verstehen. Die Erethianer hatten kein Militär, und jeder einzelne seines Volkes handelte nach seinem eigenen Gewissen, nicht nach dem, was ihm vorgegeben worden war von anderen.
„Major Uruhk ist auch noch nicht wieder in Vineta", murmelte Markham nachdenklich und runzelte die Stirn. „Dr. Babbis ist wohl vollkommen überfordert mit der Situation."
„Ein Grund mehr, sofort zurückzukehren", wandte nun Jehnam ein.
„Nein." Danea schüttelte bestimmt den Kopf. „Wir sollten tun, was Dr. Stross wünscht. Wenn sie meint, die Lage sei ruhig genug, damit wir den Mond weiter erforschen können, sollten wir das auch tun."
Nabock versuchte, ihn niederzustarren, doch er gab nicht nach. Vielleicht wußte er nicht alles, aber er hatte zumindest genug Verstand, um nicht blind nach vorn zu stürmen, wie der zweite Älteste es jetzt von ihm verlangte.
„Ihr werdet heute fertig?" Markham senkte den Kopf wieder, sandte einen fragenden Blick in ihre kleine Runde.
Jehnam nickte. „Es ist nicht mehr viel zu tun. Eigentlich könnten wir gleich hierbleiben und beginnen, Felder anzulegen."
„Uns fällt sicher eine einfachere Lösung ein", wandte Markham ein, sah zu Danea hinüber. „Noch ein Jumperflug gefällig?"
Der junge Erethianer nickte lächelnd. „Gern", antwortete er.
Markham richtete sich ächzend wieder auf und streckte sich. „Dann sollten wir sehen, ob wir nicht noch ein bißchen Zeit herausschinden können. Dr. Stross möchte eine Antwort von uns allen. Darum halte ich es auch für besser, wenn wir unsere Arbeit beenden."
Danea stand auch auf und stellte sich an Markhams Seite. Auffordernd blickte er zu Jehnam hinüber, bis dieser nickte. Nur Nabock blieb stur, wie er nicht anders erwartet hatte.
„Ich wollte mir noch einmal die Ruinen der Devi ansehen", schlug Markham vor.
„Gut." Danea nickte, drehte sich dann um und folgte dem anderen zu dem einsamen Puddlejumper hinüber.
Ein Unfall in der verbotenen Stadt der Schöpfer. Kein Wunder, daß Nabock wieder eine Bedrohung sah. Seit Jahrtausenden fürchteten die Erethianer diese Stadt, und Danea waren die Verhandlungen mit den Menschen aus diesem weit entfernten Atlantis noch sehr gut im Gedächtnis geblieben. Auch er war nicht gerade begeistert von der Aussicht, ausgerechnet in der Stadt der verräterischen Schöpfer zu leben, aber er hatte zumindest als einer der ersten die Notwendigkeit erkannt.
Markham ließ sich auf dem Pilotensitz nieder und schloß die Heckluke. „Inzwischen werde ich wohl immer besser, was?" Er zwinkerte Danea zu.
Der nickte. „Besser jedenfalls als Dr. Babbis."
„Das ist auch nicht schwer." Markham ließ den Jumper abheben und an Höhe gewinnen, während er die Geschwindigkeit erhöhte. „Mir macht das Schweigen der Prometheus Sorgen. Was, wenn Pendergast mit dem Rest von uns abhauen will?"
„Ihr sagtet, er könne nicht so schnell fliegen", wandte Danea ein.
„Aber er hat Geiseln, wenn er dahinter gekommen ist, was zwischen uns und seiner Mannschaft ablief."
„Denkt Dr. Stross das auch?"
Markham biß sich diesmal wirklich auf die Lippen. „Ich weiß nicht, wie weit Sie im Moment denkt. Dr. Babbis macht ihr da einige Schwierigkeiten. Zumindest mehr, als er bräuchte."
Der Jumper schoß über den, sich langsam erhellenden Himmel.
Danea lehnte sich nachdenklich zurück. „Aber angreifen wird er uns doch nicht, oder?" fragte er nach einer kleinen Weile.
„Ich denke eher nicht." Der Lieutenant reckte den Hals, als sie dem Wald mit den Ruinen näherkamen. Langsam senkte er den Jumper wieder ab, landete ihn schließlich nicht weit von den ersten Bäumen entfernt.
„Dann mal los." Mit wenig Enthusiasmus erhob er sich und ließ Danea den Vortritt, ehe er ihm folgte, sich seine Waffe greifend, die hinten auf einem der Sitze gelegen hatte.
Danea trat aus dem Jumper heraus und blickte sich aufmerksam um. Dann wurde er plötzlich auf etwas aufmerksam, senkte den Blick. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
***
88. Tag:
Unter welchen Bedingungen bricht der menschliche Körper zusammen? Wie erschöpft muß man sein, um einfach umzukippen und nicht mehr aufzustehen?
Ich weiß es nicht, aber ich glaube, allmählich stoße ich an die Grenzen des mir möglichen. Mein Verstand beginnt zu leiden, mein Körper folgt ihm, da er keine andere Wahl hat. Und das schlimmste ist, man läßt mir einfach keine Ruhe, um mich zu regenerieren. Ich bin hilflos dem ausgeliefert, was Stross und diese ganze atlantische Bande planen. Niemand nimmt mehr Rücksicht auf meine eigenen Bedürfnisse.
Dr. Babbis, fliegen Sie durch das Tor! Dr. Babbis, reparieren Sie das Tor! Dr. Babbis, aktivieren Sie dieses Gerät! Dr. Babbis, deaktivieren Sie jenes Gerät! Dr. Babbis, die Testreihen müssen fortgesetzt werden! Dr. Babbis, Sie müssen auf der Stelle herkommen! Dr. Babbis, bleiben Sie nur weg da!
So und noch anders geht es hier zu. Natürlich, ich bin der wichtigste Mann in der Stadt, wenn ich nicht hier wäre, wäre Vineta schon längst wieder stumm und tot. Aber selbst jemand wie ich braucht seine Ruhe, und seien es auch nur fünf Minuten, die man mir zugestehen sollte. Wenn mein Körper irgendwann nicht mehr kann, weiß ich, wem ich das zu verdanken habe.
Markham ist immer noch nicht zurück. Was, zum Kuckuck, macht der eigentlich so lange da oben? Der Handel ging um ein paar Tage, aber inzwischen sind es ... oh, doch erst der vierte Tag? Nun ja, es kommen mir mehr vor. Und ich kann nicht nachvollziehen, was er und die Erethianer da oben so lange treiben. Der Mond war begrünt, er hatte ein angenehmes Klima, was wollen sie denn noch mehr wissen? Oder legen sie schon Felder an? Mit einem Sack Saatgut sicher nicht die beste Idee.
Statt mich weiter an meinen Forschungen arbeiten zu lassen, zieht Stross mich immer weiter ab. Heute durfte ich, zusätzlich zu Williams' Team, durch die Stadt ziehen auf der Suche nach Energiefressern - als würde uns das mehr als ein bißchen Zeit erkaufen! Zudem kommt, daß ich letzte Nacht durchgearbeitet habe - Dorns Prothese ist so gut wie fertig. Zumindest ein Lichtblick in dieser Finsternis.
Vashtu, wo bist du, wenn man dich braucht? Und ich könnte dich im Moment wirklich sehr gut hier gebrauchen. Aber du sitzt weiter gemütlich in der Prometheus und grinst wahrscheinlich auf deine übliche Art zu uns hinunter, während du dich vielleicht sogar mit Pendergast endlich geeinigt hast. Noch ein Nebenbuhler! Hat dir deine Erfahrung mit diesem Psycho-Kerl nicht gereicht?
Ach, was schreibe ich da schon wieder? Ich sollte - Vashtu wird wiederkommen, das ist klar. Sie wird wiederkommen! Wenn sie jemand wirklich gut kennt, dann weiß er, daß sie nichts unversucht lassen wird, um wieder hierher zurückzukehren. Ihre Arbeit hier ist noch nicht erledigt. Und sie ist zu zuverlässig, um irgendetwas nur halb zu tun. Wenn sie noch nicht wieder hier ist, kann das eigentlich nur bedeuten, daß sie wieder irgendetwas mit Pendergast auszutragen hat. Ansonsten würde nichts sie davon abhalten, Vineta wieder zu betreten. Nur allein die Sache mit dem Forschungs-Sektor liegt ihr doch ziemlich schwer im Magen. Hoffentlich wird sie nie herausfinden ...
Ich sollte allmählich selbstständiger werden. Ich kann mich nicht immer auf Vashtu Uruhk verlassen und hoffen, daß sie mir helfen wird. Aber wenn nicht sie, wer dann? Wem kann ich hier denn noch vertrauen? Stross auf jeden Fall wohl nicht, im Gegenteil, sie scheucht mich doch herum wie ... Nun ja, ihr billiger Sklave bin ich nicht, darauf kann sie sich verlassen. Was auch immer sie mir jetzt antun wird, es wird noch Folgen haben, darauf kann sie sich verlassen!
Aber was können wir tun, wenn Vashtu nicht zurückkommt? Wie sollen wir uns dann weiter schützen? Ich weiß schließlich, was Stross mit ihr vorhat, und ich muß zugeben, ich halte es für eine sehr gute Idee. Vielleicht wird mir nicht jeder zustimmen, aber ... Militärische Leiterin, gleichberechtigt neben Stross stehen, in alle Entscheidungen der Stadt involviert sein? Wer würde sich das nicht wünschen? Und, vor allem, es würde sich einiges ändern, wäre Vashtu hier und auf diesem Posten. Niemand würde mich mehr herumscheuchen, auch Stross nicht. Vashtu hat Verständnis für meine Bedürfnisse. Sie würde das nicht zulassen.
Die Frage ist eher, weiß sie selbst, was sie will? Sie tut so viel, eigentlich jetzt schon alles. Sie auf diesen Posten zu setzen, würde das ganze nur offiziell machen. Die Frage ist, weiß Vashtu eigentlich, was sie bereits getan hat für Vineta? So ganz sicher bin ich mir da nämlich nicht. Sie gluckt noch immer, wenn es um die Stadt geht. Sie hat Angst vor etwas, nur weiß ich immer noch nicht, vor was genau. Aber ich bin sicher, irgendwann wird sie mir das sagen können - wenn sie von der Prometheus zurück ist. Ja! Ich bin ihr Vertrauter. Wenn sie nicht mir traut, wem dann?
Ich wünschte nur, es würde schneller gehen. Viel schneller. Wenn sie nur wieder hier wäre, wenn irgendjemand mit dem Gen hier wäre außer mir. Ich werde das nicht mehr lange durchhalten können.
TBC ...
11.12.2011
Aus dem Tagebuch eines Genies VI
Was tatsächlich geschah:
„Keine, wie auch immer gearteten Alleingänge mehr Ihrerseits, Dr. Babbis. Kein weiteres Erforschen der Planetenkiller, kein Verschwinden in Bereiche, in denen wir Sie nicht erreichen können. Und lassen Sie, bei Gott, Ihre Gedanken bei sich, wenn Sie das nächste Mal in einem Jumper sitzen und in ein Gefecht geraten. Wir brauchen jede Drohne, die wir haben, solange wir nicht wissen, wie hoch die Bewaffnung des Stuhles ist." Anne sah Babbis streng an. „Haben Sie das jetzt endlich verstanden?"
Der junge Wissenschaftler starrte sie einen Moment lang mit beinahe erboster Miene an, dann aber nickte er. „Ja, ich habe verstanden."
Anne seufzte und lehnte sich zurück.
Sie konnte nur hoffen, daß zumindest diesmal ihre Worte auch Gehör gefunden hatten. Aber zumindest hatte sie einen Zeugen: Sergeant Williams saß auf dem zweiten Stuhl vor ihrem Schreibtisch, warf Babbis Blicke zu, die sie nicht deuten wollte. Jedenfalls waren sie alles andere als freundlich, soviel konnte sie immerhin guten Gewissens behaupten.
„Aber wenn ... Ich meine, ich könnte doch ..." Der junge Wissenschaftler schloß wieder den Mund auf eine Geste von ihr.
Hatte er am Ende tatsächlich ein schlechtes Gewissen?
Anne war überrascht. Was hatte Dorn Babbis gesagt, daß er plötzlich so kleinlaut wirkte? Es mußte auf jeden Fall ziemlich ... überzeugend gewesen sein, fand sie. Zumindest ein kleiner Fortschritt, wenigstens stand das zu hoffen.
Anne wandte sich jetzt an Williams: „Sie wollten noch einmal nach P1V-121 zurück, Sergeant?"
Der Marine nickte und beugte sich vor. „Vielleicht können wir die Sache mit den Omaniern wieder einrenken. Zumindest hoffe ich das, Mam. Ihr komisches Saatgut könnten wir jedenfalls mehr als gut gebrauchen, davon ist auch Leamura überzeugt. Sie meint, sie würde dieses Zeug kennen. Früher einmal hätten die Erethianer es angebaut und große Gewinne in einem Jahr erzielt."
Anne nickte, griff nach ihrem Datenpad und rief sich Markhams letzten Bericht auf den tragbaren Bildschirm. „Wie es aussieht, besitzt der Mond, wie auch der Planet Jahreszeiten. Falls die Omanier etwas haben, daß wir in einem Herbst pflanzen und nächstes Jahr ernten können ... immer her damit. Scheuen Sie sich nicht, ihnen anzubieten, was Sie können, Sergeant."
Williams nickte, stemmte sich hoch und warf Babbis wieder einen zweifelnden Blick zu. „Aber vielleicht ..." Er schloß den Mund, zuckte dann mit den Schultern. „Ich warte in der Pyramide auf Sie, Doc." Damit verließ er das Büro.
Babbis sah ihm kurz nach, dann machte er selbst Anstalten, sich zu erheben.
„Was ich Ihnen noch sagen wollte, Dr. Babbis", wandte Anne sich unvermittelt an ihn, ließ ihn wieder zurücksinken auf den Stuhl und sie ratlos betrachten, „der Auftrag für Sergeant Williams wird heute Ihre einzige Aufgabe zum Thema Flüge sein. Sie setzen ihn auf dem Planeten ab und kehren sofort zurück hierher, um die Reparatur des Gates fortzusetzen. Sie meinten wohl zu Miss Walsh, daß es zumindest noch möglich sein, nicht wahr?"
Babbis zuckte mit den Schultern. „Wenn Sie mich fragen, sollten wir das Gate so schnell wie möglich austauschen. Sobald wir eine leere Welt gefunden haben, meine ich."
Anne runzelte die Stirn. „Major Uruhk meinte, es könne noch eine Zeitlang halten. Sie würde gern ein intergalaktisches Tor suchen."
Babbis kniff kurz die Lippen aufeinander, begann an seinem Ohrläppchen zu zupfen. „Das Loch ist größer geworden, Dr. Stross", antwortete er endlich. „Und, wie ich es sehe, wird es mit jedem Gang durch das Tor weiter wachsen. Irgendwann kracht uns das Tor über den Köpfen zusammen, und ich möchte dann nicht gerade in einem Jumper sitzen. Tut mir leid, aber das ist die einzige Option, die ich sehe."
Anne beugte sich wieder vor, stützte sich mit beiden Ellenbogen auf ihrem Schreibtisch ab. „Und wie, denken Sie, sollten wir das Tor austauschen? Wir haben keine Öffnung, die auch nur annähernd groß genug wäre im Gateroom, um irgendein Sternentor hinein oder hinaus zu befördern."
Babbis' Gesicht rötete sich. „Das Schott ist nicht groß genug? Sind Sie sich da sicher?"
„Wie sollen wir ein Sternentor durch ein Sternentor transportieren, Dr. Babbis?" fuhr Anne fort.
Der begann wieder, nervös an seinem Ohrläppchen zu zupfen, zuckte schließlich mit den Schultern.
Anne nickte und lehnte sich wieder zurück. „Ich denke, sobald Major Uruhk wieder zurück ist, werden wir uns darüber einmal genauer unterhalten. Sie ist doch wohl diejenige, die Sie angeleitet hat, was die Technik von Sternentoren betrifft, oder nicht? Vielleicht fällt ihr eine Lösung ein."
Babbis kniff wieder die Lippen aufeinander, nickte dann aber. „Wie Sie meinen, Dr. Stross", knurrte er.
Anne war sich sicher, noch nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit mit dem jungen Wissenschaftler gewechselt zu haben. Aber im Moment, zumindest hoffte sie das, würde er wohl auf sie hören und sich nicht wieder irgendwohin verdrücken, sobald ein wenig Zeit war.
„Gut, dann sollten Sie jetzt Williams' Team durch das Tor bringen. Und, wie gesagt, sofortige Rückkehr nach dem Absetzen. Sie werden hier gebraucht, Dr. Babbis." Sie erhob sich, als auch er es tat.
In diesem Moment schrillte der Alarm los.
Anne zuckte sichtlich zusammen, aktivierte sofort ihr Funkgerät. „Was ist los?" Ihr Blick fiel automatisch auf das Stargate, doch dort war nichts festzustellen. Was auch immer da vorging, mit dem Tor hatte es wohl nichts zu tun.
„Eine Explosion im hinteren, privaten Bereich", antwortete Walshs Stimme. „Sieht wohl nicht gut aus. Wir brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können."
Anne nickte, warf Babbis einen auffordernden Blick zu, dann tippte sie wieder auf ihr Funkgerät, um Williams zu erreichen: „Tut mir leid, Sergeant, aber Ihre Reise werden Sie wohl noch ein bißchen verschieben müssen. Es gab einen Unfall. Dr. Babbis wird auf der Krankenstation gebraucht."
„Brauchen Sie Hilfe?" kam prompt die erwartete Frage.
Babbis warf ihr einen verblüfften Blick zu, rührte sich aber noch immer nicht.
Anne straffte die Schultern. „Ich bin mir nicht sicher, aber wenn Sie Zeit haben, kommen Sie hin. Wie es sich anhörte, haben wir einen Brand im hinteren Teil des öffentlichen Sektors."
„Verstanden." Williams klang plötzlich sehr geschäftsmäßig.
Anne sandte Babbis einen weiteren Blick, deaktivierte das Funkgerät und funkelte ihn schließlich an, als er noch immer nicht reagierte. „Worauf warten Sie denn noch, Dr. Babbis? Sofort in die Krankenstation mit Ihnen!"
Der junge Wissenschaftler blinzelte verständnislos. „Was ist los?" fragte er verblüfft.
„Ein Unfall, das ist los. Wie es aussieht, gibt es wohl Verletzte."
Babbis blinzelte wieder, drehte sich dann um und verließ wortlos ihr Büro.
Anne seufzte und schüttelte resignierend den Kopf. Sollte einer diesen Mann verstehen!
***
Marc Boyer war Krankenpfleger aus Leidenschaft und Berufung. Im Gegensatz zu vielen anderen seines Jahrgangs hatte er nie davon geträumt, irgendeinen gefährlichen Beruf auszuüben. Er hatte immer anderen helfen wollen - und zwar mit seinem Wissen um Medizin.
Aber was ihn erwartete, als er den Schauplatz der Explosion erreichte, darauf war er nicht wirklich gefaßt gewesen. Irgendwie erinnerte es ihn an seine kurze Zeit in New York, direkt nach dem 11. September. Was er damals gesehen hatte, hatte ihn mehr an einen Kriegsschauplatz erinnert als an ein Bombenattentat.
Flammen schossen aus dem niedrigen Gebäude, dessen eigentlichen Nutzen für die Stadt er nicht einmal zu ahnen wagte. Menschen mit leeren, verzweifelten Gesichtern, teils blutig, teils auch nur rußverschmiert, standen in träger Apathie herum und starrten einfach nur zum geöffneten Eingang hinüber, aus dem das Feuer gierig leckte. Mehr als genug Menschen lagen, teils verstümmelt, auf der Straße. Überall waren Blut und Trümmerteile.
Boyer winkte zwei andere Pfleger zu sich. „Die Verletzten nach Schwere einteilen. Sucht euch ein paar Leute, die euch helfen können, sie zur Krankenstation zu bringen", wies er sie an und beobachtete ein paar Erethianer, die bereits mit ersten Löscharbeiten beschäftigt waren.
„Was ist passiert?" rief ihm jemand zu.
Boyer drehte sich um und sah Dr. Stross auf sich zukommen. Etwas hilflos hob er die Schultern. „Ich weiß es nicht."
„Wir fanden ein Gerät, das eingeschaltet war." Einer der helfenden Erethianer war stehengeblieben, hatte seinen Wassereimer einem anderen gegeben. „Da wir wissen, wie sehr ihr um die Energie bangt, dachten wir, wir geben das weiter. Dr. Winston bot seine Hilfe an. Er ist immer noch da drin." Er wies mit dem Arm zu dem brennenden Gebäude.
Einige Militärangehörige kamen endlich zum Explosionsort, fügten sich sofort bei den Erethianern ein.
Stross atmete tief ein, klopfte dann auf das Funkgerät. „Andrea? Keine Gate-Reisen, solange wir das hier nicht unter Kontrolle haben", befahl sie dann.
„Wenn das Feuer einmal ausgebrannt ist, dürfte sich das ganze schnell erledigt haben", erklärte Boyer mit der Kraft seiner Erfahrung.
Stross warf ihm einen zweifelnden Blick zu. „Ich habe Dr. Babbis zur Krankenstation geschickt, Marc. Hoffentlich kann er helfen."
„Das wird er. Solange Dr. Grodin noch nicht hier ist, sind er und Markham unsere einzige Chance." Boyer zwang sich zu einem Lächeln. „Vor allem durch diese Heilungsgeräte der Antiker, die Babbis gefunden hat."
Stross drehte sich um, ihre angespannte Miene wurde etwas weicher, als sie den Mann im Rollstuhl sah, der, so schnell er konnte, zu ihnen kam.
„Habe noch ein paar Erethianer für die Hilfe organisiert", meldete der Marine.
Boyer nickte. „Wenn Sie nichts dagegen haben, gehe ich jetzt zur Krankenstation. Meines Wissens ist nur Miss Erhardt im Moment dort."
Stross nickte, wandte sich wieder Dorn zu und sprach hektisch auf ihn ein.
Boyer warf den beiden noch einen letzten Blick zu, dann machte er sich eilig daran, zur Krankenstation zu kommen.
Dort war er nicht wenig überrascht, Dr. Babbis vorzufinden, der sich bereits durch die Geräte der Antiker wühlte, die sie hier vorgefunden hatten. Nur ein geringer Teil war Boyer selbst zugänglich, der das ATA-Gen nicht in sich trug. Auf Babbis dagegen reagierten alle, wenn sie beide auch oft genug selbst über die Wirkungsweise rätselten.
„Nehmen Sie einfach das Handgerät, Doc", riet er dem jungen Mann, während bereits die ersten Verletzten eintrafen. „Das wird das beste sein."
Schwester Ehrhardt kam aus dem kleinen Nebenraum gehastet, den sie bis jetzt als Aufenthaltsraum nutzten. „Marc, ein Teil des Gebäudes ist eingestürzt! Die Helfer wurden ebenfalls verletzt."
Boyer fluchte leise, wandte sich dann wieder den ersten Schwerverletzten zu und begann sie einzuteilen, damit Babbis sich so schnell wie möglich an die Arbeit machen konnte.
„Aber ... was kann ich denn tun?" fragte der junge Wissenschaftler plötzlich.
Boyer schüttelte unwillig den Kopf. „Nehmen Sie dieses komische Handgerät, das Sie gefunden haben, und sehen Sie zu, daß sich die offenen Wunden schließen. Um alles andere kümmern wir uns", befahl er unwirsch, achtete gar nicht weiter auf den jungen Mann. „Claudia? Wir brauchen alles an Betten, was sich irgend finden läßt. Such dir ein paar Leute, die dir helfen können."
Die Krankenschwester nickte und verschwand wieder, diesmal allerdings durch die Eingangstür.
Boyer atmete tief ein, wandte sich dem nächsten Verletzten zu und begann diesen, so gut es eben ging, zu untersuchen.
„Doc, Sie sollten langsam in die Gänge kommen!" schnauzte er nach hinten, als die zweite Fuhre eintraf.
„Aber ..."
Boyer fuhr herum und sah einen blaßen Babbis mit riesengroßen, schreckensgeweiteten Augen hinter sich stehen. „Jetzt machen Sie endlich!" fuhr er den jungen Mann an.
„Ich kann aber kein Blut sehen", verteidigte der sich lahm.
„Dann sollten Sie es ganz schnell lernen!"
***
Peter fühlte sich ausgelaugt, als er endlich den letzten der Verletzten versorgt hatte. Überall schien immer noch Blut zu sein. Und er war sich sicher, er würde die nächsten Nächte Alpträume von abgetrennten Gliedmaßen und Schwerstverbrennungen haben. Irgendetwas würgte in seiner Kehle, doch das konnte kaum möglich sein, denn er hatte seit dem Morgen nichts mehr zu sich genommen.
Boyer und die anderen Pfleger, sowie die beiden Krankenschwestern und die Helfer, meist aus Dorns Sicherheitsteam, saßen mit leeren und rußgeschwärzten Gesichtern herum und starrten einfach nur vor sich hin.
„Wie spät ist es?" wagte Peter irgendwann zu fragen.
Boyer blinzelte zu ihm hinüber, in seinen Augen war pure Ungläubigkeit zu lesen. „Was?"
Peter hob den Arm und blickte auf seine Armbanduhr. Seufzend lehnte er sich gegen einen der Untersuchungstische und rieb sich den Nacken. „Sind jetzt wirklich alle versorgt?" fragte er schließlich.
Boyer musterte ihn immer noch, nickte dann aber. „Sieht so aus."
Peter ächzte, stieß sich von der Pritsche ab und humpelte Richtung Ausgang.
„Wo wollen Sie hin?"
„Ich muß noch das Stargate reparieren", wich der junge Wissenschaftler dem Pfleger aus und winkte ab.
„Sie sollten sich ebenfalls ausruhen, Dr. Babbis", wandte die deutsche Schwester ein.
Peter antwortete nicht, sondern öffnete müde die Tür und verließ die Krankenstation. Mittels des Liftes gelangte er erneut in den militärischen Sektor, schlich sich dort, todmüde wie er war, in das abgeschirmte Gebäude hinein.
Ihn erwartete noch Arbeit - aber andere als er gerade gesagt hatte. Ganz andere.
Den Planetenkillern warf er kaum einen Blick zu, sondern fuhr seinen Laptop hoch und begann, an einem anderen Problem zu arbeiten.
***
„Wo ist Dr. Babbis?" Anne sah sich sorgenvoll um.
Diese Explosion hatte eine nicht gerade geringe Lücke in die mageren Reihen der Bewohner von Vineta gerissen. Das Glück im Unglück war, zumindest soweit sie wußte, daß es nur einen Toten zu beklagen gab: Dr. Winston war der Explosion und den Flammen nicht entkommen, sondern hatte sein Ende in dem Raum gefunden, in dem dieses eigenartige Gerät gestanden hatte.
Boyer, der Pfleger, der zur Zeit die Leitung der Krankenstation inne hatte, erhob sich müde von seinem Schemel. „Er sagte, er müsse noch dringend das Stargate reparieren", antwortete er.
Anne runzelte die Stirn, aktivierte dann ihr Funkgerät. „Andrea, ist Dr. Babbis im Kontrollraum?"
„Nein", kam die prompte Antwort. „Hier ist er nicht aufgetaucht."
Anne holte tief Atem, drehte sich wieder zu den belegten Betten um und runzelte die Stirn. „Haben wir schwere Verluste?"
„Die meisten werden sich in ein paar Tagen wieder erholt haben, Dr. Stross", antwortete Boyer, trat an ihre Seite. „Dr. Babbis hat gute Arbeit geleistet, wenn auch äußerst zögernd."
„Zumindest einmal ..." seufzte Anne erleichtert und nickte. „Dann lassen wir ihn jetzt am besten ausruhen, was?"
Boyer sah sie lange und schweigend an, zuckte dann mit den Schultern. „Ich habe den Dienst erst einmal verdoppelt, nur für alle Fälle."
Anne nickte wieder.
Zumindest einmal hatte Babbis auf sie gehört, sie konnte es kaum glauben. Wo auch immer er sich jetzt gerade herumtrieb, sie hoffte nur, er ruhte sich etwas aus. Sie wußte von Major Uruhk, daß der Einsatz der Antiker-Geräte auf den ungeübten Geist sehr große Erschöpfung hervorrief. Und Babbis hatte sich, wie sie alle, nach diesem Tag wirklich eine Nacht voll Schlaf verdient.
„Eine gute Idee", wandte sie sich wieder an den Pfleger neben sich. „Leider konnten wir für Dr. Winston nichts mehr tun."
„Wie auch immer er auf die Idee kam, dieses Gerät selbst abzuschalten. Er hätte Dr. Babbis rufen sollen", wandte Boyer ein.
Auf Annes Stirn wuchs eine steile Falte.
Besser nicht daran denken, was hätte geschehen können, wenn Babbis auch noch in diese Explosion hineingeraten wäre. Damit wäre auch ihr letzter ATA-Träger außer Reichweite, einmal abgesehen von den Arbeiten, die er wohl durchführte, mit und ohne ihr Wissen. Wer konnte schon wissen, an was für Forschungen er immer saß.
„Wie sieht es mit dem Feuer aus?" erkundigte Boyer sich unvermittelt.
Anne schüttelte den Kopf. „Ist erloschen. Ich schätze, wir haben einen ganzen See in die Ruine gekippt. Aber hauptsache, es konnte sich nicht weiter ausbreiten."
Der Pfleger nickte. „Hoffentlich kommt Dr. Grodin bald herunter von der Prometheus." Seufzend beugte er sich etwas vor, die Hände in die Hüften gestemmt.
Hoffentlich, dachte Anne nur. Und hoffentlich auch die anderen, die sie so schmerzlich vermißte.
TBC ...
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