17.09.2009

Vashtu IV

Author's Note: Sorry, momentan bin ich beruflich ziemlich eingespannt dadurch, daß ich quasi zwei Jobs nebeneinander mache und beim ersten noch mit den letzten Resten der Urlaubszeit (Vertretung wenn Not am Mann/Frau) zu kämpfen habe. Ich versuche, so regelmäßig wie möglich zu posten.


Einen Tag später

Weir betrat die Kommandozentrale, gerade als der Puddlejumper in den Torraum schwebte.
„Jumper 13 bereit", meldete eine weibliche Stimme über Funk.
Weir stutzte, lächelte dann. Sie trat an das Panel und fragte: „Na, Colonel, heute nicht Sie selbst am Steuer?"
Vashtu warf dem neben sich sitzenden Sheppard einen amüsierten Blick zu, doch der starrte nur dumpf aus dem Frontfenster.
„Heute nicht", antwortete sie für ihn, „er hat eine Wette verloren."
Weir im Kontrollraum nickte lächelnd. „Dann viel Glück. Und bringen Sie alle heil wieder zurück Vashtu." Sie beobachtete, wie der Puddlejumper im Tor verschwand, sich das Wurmloch kurz darauf auflöste.
Die Maschine nahm auf der anderen Seite des Tores Fahrt auf, die Antriebsdüsen fuhren aus. Ein kleiner, vorbeifliegender Meteorit, von der Größe eines Kiesels, schlug auf der Unterseite des Rumpfes ein. Dies jedoch bemerkte keiner der Insassen, da ein größerer Brocken rumpelnd über die Seite des Gleiters schrammte. Auch entging es ihnen, daß der erste die Außenhaut genug eindellte, daß sich im Inneren einige Kabel endgültig lösten, die schon vorher nur noch sehr lose in ihrer Verbindung gesteckt hatten.
„Geh in den Tarnmodus, für alle Fälle." Das war tatsächlich das erste, was Sheppard zu sagen hatte, seit er hatte mitansehen müssen, wie Vashtu sich auf den Pilotensitz niedergelassen hatte.
Natürlich traute er ihr das Fliegen zu. Sie hatte ihm ja erst vor kurzem gezeigt, zu was sie fähig war. Dennoch empfand er es als seine ureigenste Pflicht, die Gleiter selbst zu fliegen. Sein Pech, daß Weir ihn bei dieser kleinen Schummelei erwischt hatte.
Eine Klappe an der Seite öffnete sich, ein kurzer Arm ließ eine Apparatur herausschnellen.
Sheppard hob die Brauen.
„Wir können ihn brauchen, falls sich der Standort des Ladegerätes verschoben haben sollte", erklärte Vashtu, ließ das Gerät, einen Lebenszeichendetektor wie seinen, in ihre Brusttasche gleiten.
„Halten Sie es nicht für sehr gefährlich, daß nicht Sie am Steuer sitzen, Colonel?" fragte McKay.
Sheppard drehte sich zu seinem einzig verbliebenen Teammitglied um, bedachte ihn mit einem langen Blick. „Nein."
„John?"
Er wandte sich wieder nach vorn, betrachtete die, auf der Frontscheibe erschienene Darstellung. Ein Punkt, der rasch näherkam, blinkte.
„Könnte ein Wraith-Aufklärer sein."
Im nächsten Moment änderte sich die Anzeige. Sheppard war überrascht. Er konnte tatsächlich den Jäger sehen, der rasch auf sie zuhielt.
„Stimmt." Vashtus Stimme klang ausdruckslos.
„Er kann uns nicht wahrnehmen, solange wir im Tarnmodus sind. Flieg einfach weiter. Falls er uns zu nahe kommt, können wir immer noch ausweichen." Er beschloß, sie ein wenig leiden zu lassen. Auf keinen Fall wollte er jetzt und hier zugeben, daß er dieses Unterprogramm nicht kannte.
„Das ist wirklich interessant. Ich wußte gar nicht, daß man ranzoomen kann." McKays Stimme klang das erste Mal wirklich interessiert. Er sah über Vashtus Schulter hinweg, wie der Jäger immer näher kam.
Jetzt konnte man das Schiff auch mit bloßem Auge sehen.
„Könntest du die Waffensysteme übernehmen?" fragte Vashtu. „Nur für alle Fälle."
Sheppard, der sich wieder ertappt fühlte, nickte, konzentrierte sich kurz.
Augenblicklich teilte sich die Darstellung auf der Frontscheibe. Jetzt war er wirklich verblüfft.
Auf seiner Seite sah er die taktische Anzeige, konnte die Drohnen überprüfen und losschicken. Vashtus Seite dagegen zeigte immer noch eine schematische Darstellung ihres Kurses.
„Cool!"
„Er kommt immer näher. Willst du ihn abschießen?" Vashtu warf ihm einen Blick zu, den er erwiderte, gerade zu einer Antwort ansetzen wollte.
Da zuckte direkt vor ihrem Bug ein heller Lichtblitz auf.
Beide Augenpaare weiteten sich.
„Der Tarnmodus ..." flüsterte Sheppard.
„... ist zugeschaltet", ergänzte Vashtu. In ihrem Gesicht war mindestens ebenso große Überraschung zu sehen wie in seinem.
„Was ist das für eine Meldung?" rief McKay über ihre Schulter hinweg.
Ein weiterer Lichtblitz.
Wie in Zeitlupe drehten die beiden Piloten sich wieder nach vorn. Und beide sahen die Schriftzeichen, die rhythmisch rot aufleuchteten und sich über den gesamten Schirm zogen. Und dahinter, überlebensgroß wirkend, den Wraith-Jäger.
„Fehlfunktion!"
Sheppard war es, als könne er den anderen Piloten sehen, obgleich das unmöglich war. Die Energiewände eines Wraith-Jägers waren lichtundurchdringlich.
Vashtu reagierte als erste. Ehe der Jäger noch einmal schoß - und dieses Mal wahrscheinlich wirklich getroffen hätte, so dicht war er ihnen inzwischen gekommen - riß sie den Jumper herum und beschleunigte.
Sheppard konzentrierte sich wieder auf die Waffensysteme. Wenn er eine Drohne abschoß, könnte er den Wraith vielleicht mit einem Schlag eleminieren.
Die intelligente Antiker-Waffe löste sich tatsächlich aus ihrer Halterung, doch sie schoß nach vorn, statt nach hinten, traf einen umhertrudelnden Asteroiden.
„Auf den Wraith zielen. Um alles andere kümmere ich mich", knurrte Vashtu.
Der Jäger hatte ihre Verfolgung aufgenommen, raste hinter ihnen her.
„Vielleicht sollte der Colonel jetzt doch besser das Steuer übernehmen", schlug McKay vor.
„Keine Zeit." Sheppard sah ein kleines rotes Licht auf seiner Waffenanzeige blinken.
Das konnte doch einfach nicht wahr sein! Er konzentrierte sich darauf, erhielt eine weitere Meldung. Etwas mühsam las er sie sich durch und fühlte sein Herz einen Schlag aussetzen.
„Die Steuerung der Drohnen ist gestört, wie unsere Tarnung. Du mußtest ja auch unbedingt die 13 nehmen!"
Vashtu flog ein waghalsiges Manöver nach dem anderen, um dem ständigen Beschuß des Jägers auszuweichen. Sie hielt sich sehr gut, wenn Sheppard auch noch etwas anderes auf den Anzeigen lesen konnte.
„Du überhitzt die Triebwerke."
„Sie sollten das Steuer übernehmen, Sheppard", ließ McKay sich wieder vernehmen.
Vashtu jagte den Jäger weiter. „Funktioniert die Steuerung gar nicht mehr?"
„Colonel!"
„Keine Zeit, Rodney." Sheppard konzentrierte sich auf das, was er draußen sah.
Die Meteoriten nahmen immer mehr zu, die Bahn, die Vashtu flog, war einfach irrsinnig. Und vor ihnen ... Da tauchte etwas noch finsteres aus der Dunkelheit des Alls auf.
„Sir? Kann ich etwas tun?" ließ Johnson sich nun vernehmen.
„Sitzenbleiben und Klappe halten, alle beide." Wie aus einem Mund kam diese Anweisung aus zwei Kehlen.
Sie gewannen ein wenig Abstand zu dem Jäger. Der schoß immer noch auf sie, doch seine Strahlenwaffen verdampften nur auf ihrem Weg trudelnde Asteroiden, gaben ihnen damit etwas mehr Raum.
Sheppard mühte sich durch die Statusberichte des Jumpers, um den Fehler im System der Drohnen zu finden.
„Wir sind fast da. Vielleicht kann ich ein bißchen Abstand zwischen uns und den Wraith gewinnen. Viel nutzen wird es uns allerdings nicht", sagte Vashtu. Für eine Sekunde sah sie zu ihm hinüber, ehe sie sich wieder auf ihren waghalsigen Flug konzentrierte.
Sheppard fand endlich die richtige Meldung. „Die Steuerung läßt nur einen Geradeausflug der Drohnen zu." Frustriert lehnte er sich zurück, starrte aus dem Frontfenster.
So hatte er die Jumper noch nie geflogen. Er war sich nicht einmal sicher gewesen, ob das überhaupt möglich war.
Vashtu steuerte die Maschine auf den riesigen, finsteren Planeten zu, nutzte dabei jede Deckung, die sie finden konnte. „Es muß schnell gehen", sagte sie dabei, „erst einmal lassen wir die Scanner laufen, um herauszufinden, ob das Gerät überhaupt noch da ist, soweit auch der ursprüngliche Plan. Dann nehmen wir uns den Wraith vor, kehren zum Mond zurück und holen es. Wie hört sich das an?"
Sheppard nickte. „Hört sich vernünftig an, wenn du ihn uns solange vom Hals halten kannst, wie wir zum Scannen brauchen. Und ich benötige eine gute Zielvorgabe. Du mußt dich irgendwie hinter ihn bringen."
„Colonel, wir sollten nach Atlantis zurückkehren", entgegnete McKay. „Alles andere ist Wahnwitz."
Vashtu und Sheppard tauschten einen Blick.
Der Jumper flog um den Planeten herum, tauchte unter dessen Pol hindurch, den Wraith weit hinter sich gelassen. Doch was sie erwartete, war nicht, was sie gehofft hatten.
Vashtu ließ die Kontrollen los, starrte fassungslos auf das Bild, das sich ihnen bot.
Sheppard beugte sich vor, auf der Suche nach etwas, was nicht da war. Dann ging ihm allmählich etwas auf.
„Das kann nicht sein!" Vashtu schüttelte den Kopf, starrte auf das Trümmerfeld, das sich vor ihnen erstreckte. Vor zehntausend Jahren hatte es hier noch einen Mond gegeben. Einen Mond mit einem ZPM-Ladegerät.
„Aldebaran. Hier sollte Aldebaran sein", murmelte Sheppard, erntete einen halb fassungslosen, halb fragenden Blick und winkte ab. „Ich erklär's dir später."
Die Wucht der Explosion hatte sogar den Planeten getroffen. Ein gewaltiger Krater war in ihn geschlagen worden. Die Trümmer von Mond und dazugehörigem Planeten hatten sich im weiten Umkreis um letzteren in verschiedenen Umlaufbahnen gesammelt. Ein riesiges Gesteinsfeld umgab den Himmelskörper.
Sheppard konnte beinahe fühlen, wie Vashtu resignierte, und er konnte es nachvollziehen. Auch er hatte damit gerechnet, hier das Gerät vorzufinden und damit aller Energiesorgen für die Zukunft ledig zu sein.
„Laß mich ans Steuer. Ich fliege uns zurück", sagte er.
In diesem Moment nahm der Wraith-Jäger sie wieder unter Beschuß. Er kam von oben, schoß eine Salve nach der nächsten ab.
Vashtu reagierte instinktiv, ließ den Jumper absinken und zur Seite kippen. Dann beschleunigte sie wieder, hielt auf den Planeten zu.
Sheppard ließ sich in seinen Sitz zurücksinken, konzentrierte sich wieder auf die Waffensysteme, behielt aber auch ihren Kurs im Auge.
Vashtu fing den Jumper ab, brachte ihn in eine niedrige Umlaufbahn und raste über den Planeten hinweg. Nichts als tiefschwarz verbranntes Gestein starrte zu ihnen hoch.
„Wenn ich es schaffe, uns hinter ihn zu bringen, denkst du, du kannst ihn abschießen?" Sie schien sich schon wieder gefangen zu haben. Mit ernstem, konzentrierten Gesicht starrte sie auf die Anzeigen.
„Ich denke schon." Sheppard nickte.
„Sollten wir nicht zum Stargate zurück? Hier ist doch sowieso nichts mehr zu finden", schlug McKay vor.
„Wenn wir ihn nicht abschießen, schaffen wir es nicht bis zum Gate zurück", antwortete Vashtu. Mit einer winzigen Bewegung ließ sie den Jumper aus seiner Umlaufbahn aufsteigen. Der Jäger war immer noch hinter ihnen, schoß Salve auf Salve auf sie ab.
Sheppard ahnte, was sie vorhatte, machte sich bereit und aktivierte in Gedanken bereits eine Drohne.
Und tatsächlich nahm Vashtu urplötzlich den Schub weg. Sie sahen den Jäger, wie er im geringen Abstand über ihnen hinwegschoß, dann nahm sie die Verfolgung auf. Sheppard ließ die Drohne vorschießen. Doch ein Trümmerstück lag auf dem berechneten Kurs, die Drohne explodierte ohne Schaden anzurichten.
In einer engen Kurve setzte der Wraith sich wieder hinter sie.
Vashtu fluchte in einer fremden Sprache, riß das Steuer hart herum.
Besorgt beobachtete Sheppard wieder die Anzeigen. Inzwischen waren mehrere von ihnen bereits in den gelben Bereich gerutscht.
Dann ging ihm plötzlich auf, wohin ihr Kurs sie führen würde.
„Nicht in das Meteoritenfeld!"
Doch zu spät, Vashtu heizte den Jumper mitten in die vermeintlichen Mondtrümmer. Im halsbrecherischen Tempo rasten sie durch die träge dahintreibenen Gesteinsbrocken.
„Wähl das Tor an, wenn ich es sage." Ihre Stimme klang hart.
Sheppard starrte nach draußen. Noch immer war der Wraith dicht hinter ihnen.
Vashtu riß plötzlich den Jumper hoch, flog einen so engen Looping, daß Sheppard ihn nie für möglich gehalten hätte. Zum Glück gab es hier weniger Trümmer. Dafür konnte er jetzt hören, wie kleine Meteoriten auf die Außenhaut trafen.
Er schoß wieder, als er glaubte, in der richtigen Position zu sein. Die Drohne zischte dicht an dem Jäger vorbei und verpuffte an einem weiteren Gesteinsstück.
„Das ist Irrsinn!"
Vashtu raste weiter, mitten durch ein dichtes Feld von Asteroiden hindurch, den Wraith dicht auf den Fersen.
Sheppard atmete tief ein. „Du kommst zu schnell rein. Das kann der Autopilot niemals schaffen!"
„Jetzt!"
„Du bist zu schnell!"
„Wähl das verdammte Tor an!"
Vashtu beschleunigte weiter.
Sheppard sah das Stargate am Horizont auftauchen. Er preßte die Kiefer fest aufeinander und begann mit dem Wahlvorgang.
Der Jumper pendelte von einer Seite auf die andere. Kurz schrammte ein größeres Stück Gestein über eines der Triebwerke.
„Atlantis, Sheppard hier. Könnte etwas ungemütlich werden", meldete er über Funk. Dann fiel sein Blick auf die Anzeigen. Er erbleichte.
Die Anzeige für die Triebwerke leuchtete in einem tiefen Rot, und die Trägheitsdämpfung überschritt gerade den Übergang.
„Du bringst uns um!"
Vashtu schüttelte unwillig den Kopf. Ihr Blick war voll konzentriert auf das Gate gerichtet, und noch immer beschleunigte sie. Allerdings hatte sie jetzt ihre Ausweichmanöver eingestellt. Ein Energiestrahl des Wraith streifte den Jumper, ließ das kleine Schiff aufstöhnen.
„Noch so einen Treffer überstehen wir nicht", rief McKay. „Holen Sie endlich diese Verrückte vom Steuer, Sheppard!"
Das Tor raste auf sie zu. Am Rande registrierte Sheppard, daß er plötzlich nicht mehr die Kontrolle über die Waffen hatte, doch er kam nicht mehr dazu, sich zu fragen, was das zu bedeuten hatte. Jeden Moment mußte der Autopilot die letzten Meter zum Gate übernehmen.
Und genau in diesem Moment schaltete Vashtu die Triebwerke ganz ab und ruckte den Schalthebel zur Seite. Wie ein irdisches Fahrzeug riß es den Jumper herum, und Sheppard fühlte, wie er gegen die Seite gedrückt wurde. Die Trägheitsdämpfer funktionierten zwar noch, doch diese Wucht konnten selbst sie nicht aufhalten.
Das Tor verschwand aus seinem Blickfeld, statt dessen tauchte der Wraith-Jäger vor ihnen auf. Und in diesem Moment schoß eine Drohne an der Seite hervor. Der Jumper ruckte nach hinten, in das Feld des Autopiloten hinein und übernahm die Steuerung. Rückwärts glitt der kleine Gleiter in das Tor hinein.
Das letzte, was Sheppard sah, ehe sie in das Wurmloch gezogen wurden, war der explodierende Wraith-Jäger.

Plötzlich war es absolut still in der Kommandozentrale, alle Augen richteten sich auf die großen Fenster.
Weir, die sich gerade mit einem der Techniker unterhalten hatte, drehte sich um und sah den Puddlejumper mit der Nummer 13 an der Seite, wie er gerade noch im Torraum schwebte, sacht nach oben gezogen wurde. Der Gleiter schwebte falsch herum, mit dem Heck zur Treppe, als wolle er gerade abreisen und würde nicht ankommen. Beulen und Schrammen zierten die Außenhülle und an der Heckklappe befand sich ein häßlicher schwarzer Streifen.
„Wie ist der denn angekommen?" fragte endlich einer der Techniker.
Weir schüttelte ungläubig den Kopf. Sie traute Sheppard ja eine Menge zu, aber ... Da fiel ihr ein, als Jumper 13 losgeflogen war, hatte Vashtu am Steuer gesessen. Sollte die Antikerin etwa ... ?
Weir kümmerte sich nicht mehr um ihren vorhergehenden Gesprächspartner, marschierte los zur Treppe, um in den Hangar zu kommen.Kurz darauf betrat sie die Puddlejumper-Base und konnte beobachten, wie die Nummer 13 sanft landete. Auch hier standen einige Mechaniker ungläubig staunend und betrachteten das verbeulte Chassis. Mit einem widerstrebenden Stöhnen öffnete sich die Hecklucke und Johnson stürzte mit leichenblassem Gesicht heraus, beide Hände vor den Mund geschlagen. Weir konnte kurz darauf seine Würgelaute hören.
Was war passiert?
Als nächster verließ ein ebenfalls ziemlich blasser McKay den Jumper, aus dem jetzt zwei laute Stimmen zu hören waren. Weir trat näher.
„Was ist passiert?"
McKay sah sie leidend an, hielt sich den Magen. Dann kniff er die Lippen aufeinander und versuchte sich aufzurichten. „So eine Sheppard-Sache", antwortete er, nickte zurück. „Allerdings von der Antikerin."
Sheppard-Sache?
Weir lugte in den Jumper, sah die beiden Gestalten, wie sie sich gegenüberstanden.
„... Befehl gebe!" bellte Sheppards Stimme.
McKay winkte ab und ging.
Weir runzelte die Stirn und betrat zögernd den Jumper.
„Das nächste Mal lasse ich uns von dem Wraith atomisieren, wenn du so darauf bestehst!" Vashtu.
Die Leiterin der Expedition trat in den Durchgang zum Cockpit. Sheppard und die Antikerin standen sich in dem engen Raum gegenüber, beide die Arme vor der Brust gekreuzt, und blitzten sich wütend an.
„Ich habe gesagt, du sollst nicht in das Meteoritenfeld fliegen. Und was tust du? Natürlich fliegst du mitten rein." Sheppard reckte wütend den Hals.
„Wohin hätte ich denn sonst fliegen sollen? Dort hatten wir zumindest etwas Deckung. Außerdem war nicht ich es, die die Drohnen in die Felsen gejagt hat", gab Vashtu zurück.
„Wenn du Mitglied meines Teams sein willst, hast du dich meinen Befehlen zu fügen und nicht irgendwelche irrsinnigen Stunts aufzuführen. Was hast du dir davon versprochen? Das hätte das Gerät auch nicht zurückgebracht. Wir wären beinahe draufgegangen, falls dir das entgangen sein sollte!"
Vashtus Augen weiteten sich. Nun reckte auch sie den Hals, funkelte den, fast um einen Kopf größeren Sheppard an. „Ich weiß, wieviel die Jumper aushalten, John, ich bin sie oft genug geflogen. Ich wußte, was ich tue. Du hättest früher einwählen können, denn um alles konnte ich mich auch nicht kümmern!" Sie neigte leicht den Kopf, schob den Unterkiefer vor. „Und was heißt hier Mitglied deines Teams? Du wolltest mich doch dabei haben. Du hast mich doch gar nicht gefragt!"
„Du warst damit einverstanden!"
„Weil ich helfen wollte!"
„Danke, aber das nächste Mal brauchen wir deine Hilfe nicht!"
„Ihr würdet sie auch nicht bekommen!"
„Was geht hier vor?" mischte Weir sich ein.
Sheppard straffte sich, drehte sich, betont kontrolliert, zu ihr um. „Elizabeth, schön Sie zu sehen."
Weir sah forschend von einem zum anderen. „Sie hatten eine etwas ... ungewöhnliche Landung, wie ich mitansehen durfte. Woran lag das?"
Sheppards Kiefer mahlten. „Ein Wraith-Aufklärer war hinter uns her. Der Tarnmodus hat versagt und die Drohnen ließen sich nicht richtig steuern. Und was die Landung angeht ... Beinahe wäre sie schiefgegangen!" Wütend funkelte er die Antikerin an.
„Es war knapp, ja, aber schiefgegangen wäre sie nicht. Ich wollte den Wraith erledigen, da du das ja nicht geschafft hast", gab Vashtu zurück.
Weir hob eine Hand. „Dann darf ich wohl davon ausgehen, daß Sie das Ladegerät nicht mitgebracht haben?"
Beide schüttelten die Köpfe.
„Der Mond, auf dem es sich befunden hat, existiert nicht mehr", antwortete Vashtu zögernd.
Weir nickte nachdenklich.
„Wahrscheinlich habt ihr ihn auch noch in die Luft gejagt", knurrte Sheppard.
„Das ist ..."
„Das haben wir alle nicht gehört, Colonel", fiel Weir der Antikerin ins Wort, nickte ihr dann zu. „Vashtu, ich möchte, daß Sie sich zum Hauptcomputer begeben und dort nach den anderen beiden Geräten forschen. Colonel Sheppard, mit Ihnen möchte ich noch ein paar Worte wechseln."
Vashtu zögerte plötzlich, senkte betreten den Kopf.
Weir stutzte. „Stimmt etwas nicht?" fragte sie.
Die Antikerin nagte unsicher an ihrer Unterlippe. „Ich ... ich bin mir nicht sicher, ob ..." Sie stockte, straffte die Schultern und blickte auf. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt eine Zugriffsberechtigung habe. Gut möglich, daß der Rat meine Daten gelöscht hat."
„Was? Und das sagst du erst jetzt?" Sheppard schien, wie ein zorniger Raubvogel, über die kleinere Frau herfallen zu wollen. „Das setzt dem ganzen ja jetzt wirklich noch die Krone auf! Du weißt nicht, ob du in den Hauptcomputer überhaupt reinkommst und erzählst uns von den Dingern? Und dann setzt du uns fast noch in einen riesigen Felsbrocken? Hast du den Verstand verloren?"
Vashtu riß ihren Kopf herum und starrte ihn voller Wut an. „Ich dachte, das Gerät existiert noch, Lt. Colonel, sonst hätte ich nichts davon erzählt. Konnte ich denn ahnen, daß der Mond durch irgendetwas vernichtet wird?"
Sheppard hob die Hände und rang sie. Eine Vene an seinem Hals trat hervor vor unterdrückter Wut.
„Wir werden eine Lösung finden", versuchte Weir die beiden zu beruhigen. „Gehen Sie jetzt bitte, Vashtu. Melden Sie sich auf dem Kommandoposten. Vielleicht ..." Den Rest des Satzes ließ sie offen.
Die Antikerin starrte den Lt. Colonel noch einen Moment lang haßerfüllt an, dann ging sie hocherhobenen Hauptes an Weir vorbei und verließ den Jumper.
Sheppard sah ihr mit wütend zusammengezogenen Brauen nach.
Weir wandte sich wieder ihrem militärischem Leiter zu. „Und jetzt, Colonel, beruhigen Sie sich bitte und erzählen Sie mir, was da draußen passiert ist."

Vashtu zögerte, während Smithers ihr Platz am Hauptrechner schuf.
Sie wußte nicht, was passieren konnte, sollten ihre Daten tatsächlich gelöscht oder schlimmeres sein. Sie hatte keine Ahnung, ob man nicht doch noch eine Gefahr in ihr sah, daß man ihr damals sogar zugetraut hätte, sich zu befreien. Und wie weit hatte Janus interveniert?
Eine gewisse Trauer überkam sie, als sie an ihren alten Freund und Helfer dachte. Warum er ihr ausgerechnet jetzt in den Sinn kam, wußte sie nicht.
„Bitte", Smithers lächelte schüchtern.
Vashtu nickte stumm und trat an das Panel.
Warum hatte Sheppard nur so reagiert? Sie hatte doch nichts unrechtes getan. Es war schlicht zu knapp gewesen, um die Plätze zu tauschen. Sie fühlte sich einfach nur schlecht und falsch behandelt. Und ihre Mutlosigkeit nahm noch zu, als sie die Hände hob und die Kristalle bediente.
Sie erwartete nicht wirklich, daß irgendetwas geschah. Wahrscheinlich besaß sie so wenig Zugriff wie die Menschen von der Erde.
„Sei gegrüßt, Vashtu Uruhk", sagte eine bekannte Stimme.
Sie erstarrte, ihr Atem stockte.
Ein erstauntes Gemurmel erhob sich, alle Arbeitenden wichen etwas von ihren Plätzen zurück. Dann erhaschte sie einen ersten Blick auf ein Gesicht, ein bekanntes Gesicht!
Vashtu fuhr zum Hauptbildschirm hinter ihr herum.
Janus!
Er lächelte scheinbar auf sie hinunter, und auf jedem Bildschirm im Raum konnte sie sein Gesicht noch einmal sehen, mal schärfer, mal verwaschener.
„Du hast es also endlich gewagt, dich an den Rechner zu begeben. Ich habe gehofft, daß du das versuchen würdest", fuhr Janus fort.
Vashtu wurden die Knie weich, sie stützte sich mit beiden Händen schwer auf die Konsole und konnte den Blick nicht von dem verschwommenen Gesicht vor sich lösen.
„Aber ich hoffe ebenso, du tust es aus einen guten Grund und nicht wegen niedriger Instinkte. Ja, ich habe dir nicht alles gesagt, wie du inzwischen wahrscheinlich selbst hast herausfinden dürfen. Und daß du hier stehst, beweist mir, daß du meinen anderen Plan inzwischen kennst."
Unbewußt nickte sie.
Janus' Augen schienen sehr weich zu werden, sein Lächeln väterlich. „Die Menschen, die dir zur Flucht verholfen haben, erscheinen mir als wahre Erben unseres Wissens, Vashtu. Aus diesem Grund hoffe ich, du stehst ihnen mit deinem Rat und deinem Wissen zur Seite. Du warst eine der wenigen, die sich aktiv am Krieg beteiligt haben, wenn auch nicht immer im Namen unserer Führer. Doch deine Motive waren ehrlich, und darum habe ich dir auch geholfen."
Ein Klumpen wuchs in ihrem Hals, ihre Lippen begannen zu beben.
„Wenn du hier stehst, werden wir uns niemals wiedersehen. Du wirst eine der letzten sein, die es von uns noch gibt. Du hast deine Wahl vielleicht zu früh getroffen, doch du hast sie getroffen und nichts kann sie jemals wieder rückgängig machen. Ich kann nur hoffen, du bereust es nicht inzwischen."
Weir und Sheppard betraten Seite an Seite den Raum, blieben stehen. Die Expeditionsleiterin atmete tief ein.
„Janus!"
Plötzlich ging es Vashtu auf, was ihr Überleben bedeutete. Sie begriff endlich wirklich, daß sie wahrscheinlich niemanden, den sie damals gekannt hatte, jemals wiedersehen würde. Ihr Vater, Enkil, Janus, der Rat, alle anderen Freunde und Bekannten, sie alle waren verschwunden und würden nie wieder zu ihr zurückkehren. Niemand war mehr übrig, niemand außer ihr.
Natürlich hatte sie gewußt, daß ihr Volk nicht mehr existierte. Doch jetzt erst verstand sie wirklich, was das für sie bedeutete. Und dieses Begreifen allein trieb ihr die Tränen in die Augen.
Sheppard sah, wie ihre Schultern sich krampfhaft hoben. Er konnte nicht anders, langsam drängte er sich an Weir vorbei und trat auf sie zu.
„Wie nicht anders zu erwarten war hat der Rat deine Zugänge gelöscht", erklärte Janus nun gerade. „Aber mir ist es gelungen, dir doch Berechtigung zu ermöglichen. Ein Zugangskristall sollte jetzt sein Versteck preisgeben. Ich gebe dir die absolute Macht über unsere Stadt, kleine Vashtu, wenn du sie denn willst. Aber du solltest bedenken, auch die Menschen haben eine Berechtigung, hier zu sein. Entscheide also selbst, willst du dir erneut Feinde schaffen oder dieses Mal auf Freundschaft und Vertrauen bauen."
Vashtus Lippen bebten und sie zitterte am ganzen Leib. Sie spürte, wie sich hinter ihr eine kleine, verborgene Klappe öffnete. Ohne ihre Augen von der unscharfen, immer wieder leicht ruckenden Darstellung ihres alten Freundes zu nehmen, griff sie instinktiv nach dem Kristall, der sich in ihre Handfläche schmiegte.
Sheppard tat vorsichtig einen letzten Schritt, stand jetzt direkt neben ihr. In seinem Gesicht spiegelten sich Hilflosigkeit und -bereitschaft.
Janus lächelte immer noch. „Ich vertraue dir, Vashtu, das habe ich schon immer getan. Du warst vielleicht zu früh für unser Volk gekommen, aber jedenfalls zu spät für unsere Zivilisation in dieser Galaxie. Vielleicht ist die Zeit der Menschen die richtige für dich, ich jedenfalls hoffe es nach dem, was ich erfahren habe."
Tränen rannen über Vashtus Wangen.
Sheppard sah es, hob langsam die Hand, doch er konnte sie ihr nicht wie geplant auf die Schulter legen. Es ging einfach nicht. So blieb er unverrichteter Dinge stehen, den Arm halb erhoben.
Janus' Gesicht wurde ernst. „Laß dich nicht von Dingen einnehmen, die niemals deine Ziele waren", mahnte er. „Denk an Enkil. Er hoffte auf die Lösung, doch für ihn kam sie zu spät. Laß du es nicht auch zu spät sein. Du kannst dich anpassen, glaube mir. Du bist jung genug und dein Geist noch offen. Tue nichts, was du später bereuen würdest. Dies sage ich dir auch im Namen deines Vaters. Sei wie du bist, die Menschen werden dich verstehen, davon bin ich überzeugt." Er schwieg, das Bild wurde einen Moment unscharf. „Ich muß dich jetzt verlassen, kleine Freundin, und ich fürchte, es wird für immer sein. In Gedanken bin ich bei dir, solange mein Leben währt. Ich hoffe, dir wird man eines zugestehen. Ich hoffe es wirklich. Leb wohl."
Sein Gesicht blieb noch einen Moment sichtbar, dann schaltete sich die Aufnahme ab.
Vashtu weinte stumm vor sich hin, ergeben von der Trauer um ihr Volk. So viele Erinnerungen stürzten auf sie ein, von einem Leben, daß sie nie wirklich geführt hatte. Immer war sie angeeckt, immer war ja jemand gewesen, der sie maßregelte. Doch war es ihr Volk, für daß sie zu kämpfen gewagt hatte. Und doch gab es auch positive Erinnerungen, an andere Antiker, an Geschehnisse, die sie längst vergessen zu haben glaubte. All das war verloren, für immer verloren.
Sie wandte den Blick vom leeren Bildschirm ab, schloß einen Moment die Augen. Dann sah sie schemenhaft die Gestalt neben sich, die erhobene Hand, die kurz über ihrer Schulter in der Luft schwebte. Sie blickte auf, in das hilflose Gesicht von Sheppard.
Dann drehte sie sich um, sah Weir in der Tür stehen und sie mustern.
Ja, sie hatte ihr Volk verloren, sie würde niemanden je wiedersehen, den sie gekannt hatte. Aber, und das ging ihr jetzt plötzlich auf, all ihre Bemühungen waren umsonst gewesen. Sie hätte all das nicht tun brauchen, was sie getan hatte.
Vashtu begriff, sie hatte ein neues Volk gefunden, und zumindest einige aus diesem Volk boten ihr an, wonach sie sich schon ihr ganzes Leben gesehnt hatte. Und sie würde sich bemühen, dieses Angebot zu danken.
Ihr Blick glitt wieder zu Sheppard zurück. Sie lächelte hinter ihren Tränen und zeigte ihm den Kristall.

TBC ...

2 Kommentare:

  1. Halli hallooo ;)
    hilfe vashtu ist wahnsinnig :D fliegt die einfach so in ein meteorietenfeld hinein!
    aber das ist ja auch alles verdammt blöd gelaufen...der jumper ist eh schon ein wenig angeschlagen gewesen und dann funktionieren durch son blöden asteroiden auch noch die wichtigsen funktionen nicht mehr richtig (tarnung, drohnen...)
    aber da sieht man mal was für neue funktionen john durch vashtu entdeckt! wer weiß vielleicht hätte er es ja auch mal zufällig herausbekommen...irgendwann...
    aber das die ladestation geschrottet wurde ist ja auch zu blöd.
    Aldebaran? befand sich der planet den die aufgesucht haben im sternzeichen stier? und der aldebaran ist explodiert? wodurch der mond des planeten wo ja anscheind das ladegerät war zerstört wurde? also ich mein jetzt supernova und so ;)
    hey wenn meine schlussfolgerungen richtig sein sollten, dann hatte das referat, das ich mal gehalten habe sogar einen sinn :D
    wow...john war ja ziemlich wütend auf vashtu! aber scheinbat hat das ja nciht alzu lange angehalten und seine wut hat sich in luft aufgelöst, als er die nachhricht von janus mit angehört hat.
    schon erstaunlich, was janus so alles hinter dem rücken des rates angestellt hat ^^
    LG Sabrina

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  2. *lach* Auf einen so lieben (und ausführlichen *staun*) Kommentar muß ich doch gleich antworten.
    Zunächst die "Aldebaran"-Sache: Eine kleine Hommage an StarWars, übrigens wie auch der Flug durch Meteroidenfeld. Han Solo stellt genau diese Frage, nachdem sie eben mit dem Falcon in der Nähe von Leias Heimatwelt herauskommen.
    Ja, der Mond des Planeten ist zerstört worden, allerdings nicht durch eine Supernova (dann hätte der Mond sich ja in eine Sonne verwandeln müssen). Ich hatte mir die Theorie zusammengeschustert, daß das Ladegerät munter weiter arbeitete und dadurch der Kern doch instabil wurde. Ein Metereoidenschauer und das war's - Mond kaputt und sogar noch den Planeten mit geschrottet. Hey, das war jetzt das erste Mal, daß ich diese Theorie niederschreiben durfte! Kompliment, du bist eine aufmerksame Leserin - und ich hoffe, es stimmt zumindest ansatzweise mit deinem Referat überein. Und sowas wie ich hat sein Fachabi in Physik gebaut *flöt* ...
    Aber zurück zum Kommi: ich würde sagen, beide sind sauer aufeinander. Und sehr wahrscheinlich spielte da auch noch ein gewisser Adrenalinschub mit. Immerhin, die beiden hatten die ganze Zeit unter Strom gestanden. Und war doch letztendlich klar, daß John Vashtu nicht lange böse sein würde. Man kennt ihn doch.
    Ja, Janus steckt dahinter. Bei mir taucht er, mehr oder weniger indirekt, immer mal wieder auf und bringt meine Damen und Herren etwas aus dem Rhythmus mit seinen Ränken. In meiner Vorstellung kannte er die Familie Uruhk gut, und hatte irgendwie einen Narren an Vashtu gefressen (im Sinne von väterlichem Freund!).

    Schön, daß es dir gefällt und vielen Dank für den Kommentar!

    Bis denne
    Ramona

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