27.03.2010

Becketts letzter Dienst IV

Vashtu lag nachdenklich da und zeichnete mit einem Finger seine Rippen nach, den Kopf auf seine Brust gelegt.
John streichelte sie zärtlich, jedoch nicht mehr fordernd. Seinen anderen Arm hatte er unter den Kopf geschoben. „Carson hat mir ziemlich zu denken gegeben", sagte er nach einer Weile.
Vashtus Kopf bewegte sich auf seiner Brust, als sie langsam nickte. „Kann ich mir denken", antwortete sie.
„Und er hatte recht. Du bist die perfekte Frau, zumindest soweit ich das bis jetzt sagen kann", fuhr er leise fort.
Sie hob den Kopf, sah ihm in die Augen. Ihre Stirn war nachdenklich gerunzelt. „Unsere Beziehung steht noch ganz am Anfang", entgegnete sie. „Wir wissen noch nicht, ob es wirklich funktionieren wird."
John sah sie an und begann zu lächeln. „An mir soll es nicht mehr liegen, Vash, glaub mir. Was du mir ..." Er setzte sich auf und zog sie sanft an sich. „Ich habe vom ersten Moment an gewußt, daß ich da etwas unvergleichliches erlebe, schon damals, in deinem Labor. Wie du durch dieses Fenster gesprungen bist ... Ich stand einfach nur da und konnte nichts, absolut gar nichts tun."
Sie zog eine Grimasse, ließ es dann aber zu, daß er sie an sich drückte. „Du hattest mich damals ziemlich aus dem Konzept gebracht, John", antwortete sie endlich wie auf eine Frage. „Ich hatte mein Auftauchen ein wenig anders geplant. Nicht mit so viel ... Aufsehen."
Er legte seine Wange an ihr Haar und schloß die Augen. „Aber so bist du eben. Immer mußt du Aufsehen erregen. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie es vor zehntausend Jahren gewesen ist. Der Rat war sicher nicht sonderlich erbaut von dir." Leise begann er zu lachen. „Nach allem, was ich weiß, war dein Volk etwas ... steif."
„Stimmt", antwortete sie trocken. „Umso schlimmer, was jetzt so alles herausgefunden wird, gerade über den Rat." Sie hob den Kopf und sah ihn an. „Ich weiß, ich bin nicht, was alle von jemandem wie mir erwarten. Ich war schon immer so, John, ich habe es nie ändern können." Sie runzelte die Stirn und sah ihn hilfesuchend an.
„Ich war auch schon immer so", entgegnete er und blinzelte ihr verschwörerisch zu. „Warum also nicht? Warum sollen immer alle mit den Wölfen heulen?"
„Hä?" Verständnislos blinzelte sie.
„Ein Sprichwort, Vash. Es bedeutet soviel wie, daß alle ... sich gleich verhalten. Irgendjemand muß manchmal aus der Reihe tanzen."

***

Vashtu lag unter ihm, gab leise, gurrende Laute des Wohlbehagens von sich, rührte sich aber ansonsten nicht.
Wie sie so dalag ... John fühlte, wie sich tief in ihm wieder etwas regte. Doch im Moment war er wie leergesaugt, er konnte schlichtweg nicht mehr, und sei ihr Körper auch noch so verführerisch. Außerdem empfand auch er sein sanftes Massieren als beruhigend, ebenso wie sie es wohl empfand.
>Seine Finger glitten ihren Körper entlang, ein Stück weiter nach unten. Vashtu holte tief Atem, er konnte fühlen, wie ihre Lungen sich unter seinen Händen hoben. Ihre Haut war einfach so herrlich weich ...
Er riß sich zurück, als er einen kleinen Stich in seinen Lenden fühlte, richtete sich noch ein wenig mehr auf und massierte weiter.
Samtig, anders konnte er diese Haut wirklich nicht bezeichnen. Einige wenige Muttermale hoben sich von der natürlichen Bläße ab, wie Schönheitspflästerchen. Aber nicht eine Narbe. Da war gar nichts
Wenn er bedachte, was er schon hatte einstecken müssen ... Sein Körper war deutlich gezeichnet. Aber offensichtlich halfen ihre Fremdzellen ihr nicht nur bei einer rascheren Heilung, sondern verhinderten auch die Narbenbildung. Wie sähe sie sonst wohl aus?
Er erinnerte sich an ihr erstes Zusammentreffen mit Kolya. Damals war sie mehrfach auch in den Rücken getroffen worden. Wahrscheinlich sähe sie ohne die Wraith-Zellen in ihrem Inneren sehr viel ... entstellter aus. „Sie verhindern auch Narben, stimmts?" fragte er nach einigem weiteren Nachdenken.
Vashtu hob halb den Kopf, den sie auf ihre Arme gebettet hatte. „Was?" Sie runzelte die Stirn.
„Die Fremdzellen verhindern, daß sich Narben bilden", wiederholte er, hielt mit seiner zärtlichen Massage inne.
„Nicht wirklich." Vashtu legte den Kopf zurück auf ihre Arme und schloß die Augen. „Sie verschwinden nur ziemlich schnell. Was aber nicht heißt, daß ich sie nicht bemerke. Manchmal ... es zieht manchmal in meinen Muskeln."
Er nickte, beugte sich wieder über sie, um ihr einen weiteren, zärtlichen Kuß zu geben. „Aber man sieht sie nicht", wisperte er. Vashtu schnurrte wohlig unter der Berührung seiner Lippen, doch sie machte keine Anstalten, sich herumzudrehen. „Du bist so schön, Vash", flüsterte er ihr ins Ohr. Ein leises Lächeln erschien auf ihren Lippen. Kurz blinzelte sie, schloß dann aber wieder die Augen. „Wenn du meinst ..."
Seine Hände fanden ihre Hinterbacken, kniffen hinein.
„Hey!" Sie hob den Kopf nun doch wieder, sah ihn scheel an. „Was soll das werden?"
Eine seiner Hände glitt zwischen ihre Schenkel. Sie atmete wieder tief ein. Vashtu stöhnte erregt auf.
Und in diesem Moment klopfte es an der Tür. John zog sofort seine Hand wieder zurück und richtete sich auf, um zwischen den Rolläden hindurch nach draußen zu sehen. Alles, was er erkennen konnte, war eine Gestalt in einer dicken Jacke, die vor der Tür stand, erneut zu klopfen begann.
„Mist!" entfuhr es ihm, als er sich aufrichtete.
Vashtu drehte sich nun doch um, rappelte sich auf die Ellenbogen. „Es wird wahrscheinlich wieder Cavanough sein", seufzte sie ergeben, blickte dann zu ihm auf. „John, kannst du ... ?"
Er richtete sich bereits auf und schlüpfte in seine Hose. „Ich mache das schon. Und du bleibst wo und wie du bist, Vash. Ich komme gleich wieder und würde gern weitermachen, wo wir unterbrochen wurden." Ein breites Grinsen legte sich auf ihr Gesicht, als sie nickte. „Gern." Er warf ihr eine Kußhand zu, schlüpfte in sein Hemd und schloß es nachlässig, während er die Schlafzimmertür hinter sich zuzog. Mit dem Fuß wischte er Vashtus dicke Winterjacke zur Seite, damit er die Tür öffnen konnte, dann drehte er den Schlüssel herum. Er steckte den Kopf in den Spalt und runzelte einen Moment irritiert die Stirn.
Vor ihm stand ein hochgewachsener Mann mit dunklem Haar, schlank und langgliedrig. Und für einen Moment dachte er ...
„Ja?" Ein wenig unwillig schüttelte er den Kopf.
Sein Gegenüber starrte ihn groß an, sah dann kurz den Gang rauf und wieder runter. „Ich ... äh ... entschuldigen Sie."
John wollte schon nicken, als sein Gegenüber weitersprach: „Ich muß mich wohl im Stockwerk geirrt haben. Ich wollte zu Major Uruhk."
Er stutzte. „Zu Vash?" fragte er irritiert, öffnete die Tür nun doch etwas mehr und baute sich im Zwischenraum auf. „Ich fürchte, sie ist gerade ... beschäftigt."
Sein Gegenüber musterte ihn von Kopf bis Fuß, dann schluckte er hart. „Dann müssen Sie ... äh ... Sie sind John?"
Mißtrauisch betrachtete er seinen Gegenüber, nickte dann aber. „Ja, der bin ich. Und Sie sind ... ?"
„Tom Finnigan." Ein unsicheres Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Ich ... äh ... wollte nicht stören. Vashtu wollte mit mir sprechen, und ich dachte, da ich gerade Zeit hatte ... ich hätte vorher anrufen sollen."
John nickte wieder. „Stimmt", gab er trocken zur Antwort und wartete.
Dieser Mann war ihm irgendwie ... unsympatisch. Und das lag sicher nicht nur daran, daß er wesentlich mehr Zeit mit Vashtu verbringen durfte als er. Nein, Eifersucht war es nicht, die er fühlte. Es war etwas anderes.
„Tja, dann ..." Finnigan zuckte etwas hilflos mit den Schultern, drehte sich dann nervös um. Seine Augen blickten unstet.
John warf nun auch einen mißtrauischen Blick nach draußen in den Innenhof, sah einmal aufmerksam in die Runde. Doch er konnte nichts wahrnehmen, also richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Gegenüber. „Soll ich ihr etwas ausrichten?"
„Oh!" Finnigan wandte ihm wieder seine Aufmerksamkeit zu. „Äh ... bemühen Sie sich nicht. Ich ... ich werde sie dann einfach anrufen, wenn ich ... äh." Er schloß den Mund.

„Wird besser sein im Moment", kommentierte John, richtete sich auf.

„Tja, dann ... einen schönen Tag noch." Finnigan drehte sich um und flüchtete geradezu zur Treppe, immer noch unsichere Blicke um sich werfend.

„John?"

Er sah dem anderen noch einen Moment lang sinnend nach, dann schloß er die Tür und drehte den Schlüssel um. Irgendetwas an diesem Mann war merkwürdig - und hatte ihm gründlich die Stimmung verdorben. Seufzend drehte John sich um und ging zurück ins Schlafzimmer.

***

Vashtu kuschelte sich näher an John heran und lächelte zufrieden. Wenn sie daran dachte, was sie möglicherweise verpaßt hätte, hätte sie nicht alles versucht, ihn auf ihre Seite zu ziehen.

Aber ... war es überhaupt nötig gewesen, was sie getan hatte? Hatte er nicht selbst gesagt, er sei vom ersten Augenblick an fasziniert von ihr gewesen?

John atmete tief ein. Sein Arm lag locker auf ihrer Hüfte. Als sie in sein Gesicht blickte, sah sie, daß er schlief. Und er sah im Moment wirklich sehr entspannt aus, so vollkommen anders, als sie ihn teilweise erlebt hatte.

Sanft strich sie über seine kratzige Wange, dann legte sie ihren Kopf wieder auf seinen Arm.

Carson hatte es als einziger gewußt, und er ...


***


„Du hast was getan?" Die Tasse klirrte, als Carson Beckett sie auf dem Tisch abstellte.

Vashtu saß in ihrem Ohrenbackensessel, die Beine angezogen und die Arme um die Schenkel geschlungen. Auf ihrer Stirn hatte sich eine breite Falte gebildet.

„Denkst du, ich hätte vorhersehen können, was geschah?" Sie seufzte schwer. „Ich ... ich weiß nicht, ob ich es ihm sagen soll. Es war alles damals so verwirrend für mich."

„Das hättest du niemals tun dürfen, Vashtu." Beckett beugte sich vor und starrte sie an. „Ich wußte nicht einmal, daß es möglich ist. Wie bist du denn auf diesen Gedanken gekommen."

Sie legte ihre Wange auf die Knie und starrte mit leerem Blick vor sich hin. „Ich dachte, wenn ich einen eurer Anführer auf meine Seite ziehe, kann ich mich euch anschließen. Darum legte ich die Pheromone aus an Stellen, an denen John vorbeikommen mußte."

Beckett ließ sich in das Sofa zurücksinken und seufzte schwer. „Wenn du ihm das jemals sagst, wirst du dir sicher keinen Freund machen. Er wird denken ..." Er stockte. „Aber ich dachte, die Gefühle von euch beiden seien echt?"

„Sind sie auch, zumindest meine." Vashtu nickte gedankenverloren. „Und seine dürften es inzwischen auch sein, nach mehr als einem Jahr, das wir getrennt waren. Ich stellte es damals sofort ein, als es mir selbst unheimlich wurde." Sie richtete sich wieder auf und drehte sich um. „Carson, was soll ich tun? Ich kann es ihm nicht sagen, ich hätte zuviel Angst, ihn wieder zu verlieren. Auf der anderen Seite aber wird es immer zwischen uns stehen."

Beckett schüttelte ungläubig den Kopf. „Vashtu, wie konntest du nur?" Wieder seufzte er. Sein Blick wurde nachdenklich.

„Ich hatte ihn nie gesehen, ich wußte nicht, worauf ich mich da einließ." Ihre Verteidigung war schwach, und sie wußte es. Doch es war die einzige Erklärung, die sie bis heute geben konnte. Sie hatte schlicht Angst gehabt vor den neuen Bewohnern von Atlantis. Angst davor, wieder eingesperrt und mißbraucht zu werden, keine Stimme zu haben, keine Akzeptanz. Wie zu der Zeit, als ihr Volk noch lebte.

„Du warst sehr vereinsamt", murmelte Beckett gedankenverloren. „Ich weiß nicht, ob du die Berichte kennst, die Dr. Heightmeyer damals über dich verfaßt hat."

Vashtu schüttelte den Kopf und sah den Mediziner hilflos an.

„Was du vor zehntausend Jahren erlebt hast, wird immer in deinem Geist bleiben, Vashtu. Du hast das Vertrauen damals so gründlich verloren, daß es vielleicht eine ebenso lange Zeit brauchen wird, bis es wiederhergestellt ist", erklärte Beckett ihr einfühlsam. „Dazu kam diese extrem lange Einsamkeit. Du sagst ja selbst, regelmäßig seist du aus der Stasis aufgewacht und hättest nachgesehen, ob sich irgendetwas geändert hatte. Ich denke, du wirst nicht sofort wieder zurückgekehrt sein in das Lager, oder?"

„Ich blieb jedesmal einige Tage wach, das stimmt. Ich mußte essen und zu Kräften kommen. Stasis ist für meinen Körper nicht gerade die Ideallösung, das wußte Janus auch. Darum ..." Sie schloß hilflos den Mund. „Aber darum geht es jetzt nicht! Ich muß irgendwie endlich herausfinden, ob Johns Gefühle mir gegenüber echt sind."

„Sind sie", antwortete Beckett trocken. „Und es geht um genau das. Es geht um deine Erfahrungen, Vashtu, und nur darum. Dir ist das Mißtrauen so gründlich eingeimpft worden von deinem eigenen Volk, daß du ... sehr wahrscheinlich gar nicht anders handeln konntest, oder?"

Sie kniff die Lippen aufeinander, nickte dann aber. „Es war ... Es kann sich niemand vorstellen, was ich damals erlebte. Ich weiß nicht, ob es bei euch heutzutage überhaupt möglich wäre, jemanden so gründlich zu ..." Sie stockte wieder und schüttelte den Kopf. „Als ich damals die Gentherapie durchgemacht hatte und mich dem Rat stellte, ließen sie mich zunächst für einige Zeit mit Enkil zusammen in die Brick sperren. Er ... er mußte sich ziemlich zusammenreißen, um mich nicht anzugreifen. Und ich hatte Angst, Angst vor meinem eigenen Bruder." Tränen stiegen in ihre Augen. „Ich wollte doch nur, daß wir uns endlich wehren, Carson! Ich wollte eine Möglichkeit aufzeigen, wie wir den Wraith Respekt beibringen konnten."

„Das weiß ich." Sanft legte er eine Hand auf ihre Schulter. „Und zumindest heutzutage stehst du mit deiner Einstellung nicht allein da. Aber das ändert nichts daran, daß du einen ziemlich großen Fehler begangen hast, als du dich uns ... als du aufgetaucht bist. Der Colonel hat inzwischen einiges hinter sich, das sein Mißtrauen erregte. Dir vertraut er. Wenn du ihm jetzt aber diese Geschichte erzählst, wirst du ... ihn wohl verlieren." Wieder seufzte er.

Vashtu ließ den Kopf wieder auf ihre Knie sinken und sah verzweifelt und leer auf den Tisch. „Es ist alles so kompliziert geworden damals, darum habe ich es ihm nie gesagt. Und jetzt ... Ich will ihn nicht verlieren, selbst wenn es immer noch an ... an meinem Fehler liegen sollte."

„Ich bin mir sicher, daß es das nicht tut", entgegnete Beckett. „Als du in der Geiselhaft gesessen hast, ist er fast wahnsinnig geworden aus Sorge um dich, Vashtu. Und wenn du deine Pheromon-Behandlung wirklich so schnell abgebrochen hast ..."

„Carson!" Ein entrüsteter Blick von ihr. „Ich wollte einen Fürsprecher, keinen Sklaven! Als ich bemerkte, daß es wohl ... zuviel wurde, habe ich sofort aufgehört damit."

Der Mediziner nickte wieder verständnisvoll. „Und wie war es in deinem Labor?"

Vashtu blinzelte verständnislos. „In meinem Labor?" echote sie.

„In den Berichten steht überall, daß ihr zwei euch damals gegenübergestanden seid und euch anstarrtet, als gäbe es den Rest der Welt nicht mehr. Erst dann bist du geflohen."

Sie zog die Brauen zusammen und versuchte sich zu erinnern. „Nein, da konnte ich meine Pheromone noch nicht ausschütten. Es wären zuviele gewesen." Sie erstarrte und richtete sich plötzlich kerzengerade auf. „Was habe ich da angerichtet?" entfuhr es ihr.

Beckett nickte. „Ganz genau, was hast du angerichtet. Du brauchtest die Pheromone gar nicht, eure genetische Verwandtschaft war schon mehr als genug", bestätigte er.

Vashtu fühlte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich. „Oh nein!" Sie wirbelte wieder herum und starrte den Mediziner an. „Es ist mehr als nur eine Verwandtschaft, Carson, um einiges mehr."

„Wie meinst du das?" Beckett rückte interessiert näher.

Vashtu atmete tief ein. „Zwischen John und mir besteht ein Band, ein ... etwas, das es früher bei meinem Volk schon gegeben hat. In abgeschwächter Form kommt es heute auch noch bei euch Menschen vor. Und ... Moment!" Sie hob die Hand und erstarrte. „Vor einigen Monaten spürte ich etwas. Einen Schmerz, einen tiefen Schmerz und grausame Angst ... Ich dachte ... es war ..." Sie schloß den Mund, ihre Augen wurden eiskalt. „Kolya!" Der Name war ein so haßerfülltes Zischen, daß es ihr selbst unheimlich wurde.

„Du hast gespürt, wie dem Colonel das Leben ... wie der Wraith ... ?" Beckett starrte sie entgeistert an.

Vashtus Blick irrte verzweifelt hin und her. „Da war mehr. Ich habe dem keine Beachtung geschenkt, weil es so schwach war. Da war ... Angst! Die Erde war in Gefahr, aber ..." Sie schüttelte verständnislos über sich selbst den Kopf. „Es existierte tatsächlich die ganze Zeit über, aber ich habe es nicht bemerkt. Was ... ?" Sie vergrub das Gesicht in den Händen und stöhnte tief auf. „Das kann doch nicht wahr sein!"

„Vor zwei Monaten kam der Colonel etwas verwirrt zum Dienst. Er sagte, er hätte einen merkwürdigen Alptraum gehabt", warf Beckett ein und beobachtete die Antikerin genau.

Vashtus Kopf ruckte hoch. „Vor zwei Monaten? Es war ... Was für einen Alptraum?" Sie drehte sich wieder herum.

Beckett sah sie sorgenvoll an. „Ich weiß es nicht genau. Ich war nur zufällig anwesend, um McKay ... Ist auch egal!" Er winkte ab. „John Sheppard sagte etwas von einem Alptraum, daß er kurz gemeint hätte, jemand, der ihm nahesteht, sei tot. Aber das könne nicht sein. Er war ... nun etwas verwirrt damals, sonst hätte er es mir wahrscheinlich nicht gesagt."

„Vor zwei Monaten war ich tot für einige Minuten." Vashtus Gesicht erstarrte. „Und ich wäre beinahe nicht wieder aufgewacht."

„Und du meinst, es sei dieses ... dieses Band zwischen euch?" Beckett wirkte skeptisch.

Vashtu nagte nachdenklich an ihrer Unterlippe, nickte dann. „Ja, das war es sicher. Wenn ich John fragen würde, würde er wahrscheinlich auch genau angeben können, wie mein Leben ... wie die Impfung wirkte, die ..." Sie schloß den Mund und spannte die Kiefer an.

„Du mußt dich irgendwann darüber aussprechen, Vashtu", gab Beckett sorgenvoll zu bedenken. „So kann es nicht mehr lange weitergehen. Du mutest dir zuviel zu."

„Wenn dieses Band tatsächlich so stark ist ..." Sie hörte gar nicht hin, war wieder in ihren Grübeleien versunken. „Dann brauche ich keine weiteren Fragen zu stellen. Dann ... dann ..." Ein Leuchten trat in ihre Augen und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Dann liebt er mich tatsächlich." Sie drehte sich wieder um und sah Beckett an. „Dann kann ich sicher sein, Carson."

Er nickte. „Das sagte ich doch schon. Du solltest dir nicht soviele Gedanken machen, Vashtu. Irgendwann werdet ihr zwei euch finden, glaube mir."


***


Vashtu wachte auf, wußte im ersten Moment selbst nicht, warum. Dann hörte sie das leise Klopfen an ihrer Wohnungstür.

John murmelte unwillig etwas im Schlaf. Seine Arme zogen sie kurz an sich und er atmete tief ein, dann erschlaffte sein Griff wieder.

Vashtu lächelte ihn glücklich an und hauchte einen Kuß auf seine rauhe Wange, dann verzog sie das Gesicht. Heute würde sie sicher dafür sorgen, daß er sich rasierte.

Wieder klopfte es.

Wer mochte das sein? Vielleicht wieder Tom?

Vashtu runzelte unwillig die Stirn, dann aber glitt sie so vorsichtig wie möglich vom Sofa herunter, um John nicht zu wecken. Mit einem etwas hilflosen Blick sah sie sich kurz nach ihren Sachen um, ehe sie sich eines von seinen Freizeithemden schnappte und überwarf.

Der sorgsam gebügelte Stapel lag unordentlich auf dem Boden, ihre Kleider waren überall verstreut und der Bügeltisch zusammengebrochen.

Vashtu seufzte, knöpfte sich das Hemd zu und fand ihren Slip, der am Rande des Tisches baumelte. Eilig streifte sie ihn sich über, dann lief sie mit nackten Füßen zur Wohnungstür und drehte den Schlüssel im Schloß. Als sie den Kopf durch die Öffnung steckte, sah sie, wie jemand gerade wieder die Treppe hinuntergehen wollte. Ein älterer Mann mit kurzem, grauen Haar.

„George?" rief sie ihm leise hinterher.

Dorn drehte sich um und sah sie mit einem väterlichen Lächeln an. „Ich wußte nicht, ob ihr schon wach seid. Darum ..." Er wies auf ihre Türschwelle, die noch immer leicht nach Johns After Shave duftete.

Vashtu senkte den Blick und fand einen Korb auf ihrer Fußmatte, der reichlich mit allerlei Lebensmitteln gefüllt war. Sie hob den Kopf wieder und starrte ihr Teammitglied ratlos an. „Danke", brachte sie überrascht hervor.

Dorn nickte grinsend. „Haben zusammengelegt. Wir dachten, ihr könntet es vielleicht gebrauchen", antwortete er auf die stumme Frage.

„Vash?"

Sie richtete sich unwillkürlich auf, als sie John hinter sich wahrnahm.

Dorns Lächeln wurde zu einem Grinsen. Er nickte verständnisvoll. „Wollte nicht stören."

John lugte mit langem Hals um die Tür herum. „Guten Morgen, Sergeant", begrüßte er den Älteren.

„Colonel, Sir." Dorn salutierte kurz, dann stieg er die Treppe wieder hinunter.

Vashtu sah ihm nach, bis er im unteren Stockwerk verschwunden war.

„Netter Kerl", bemerkte John hinter ihr. „Ich mag ihn."

Sie nickte, noch immer überrascht von dieser Morgengabe, bückte sich nach dem Korb. „Ich mag ihn auch", sagte sie, hob den Korb an und drehte sich um. „Scheint, als hätten da einige Leute zusammengelegt im SGC." Ratlos betrachtete sie den Präsentkorb, der in durchsichtige Folie verpackt war.

„Endlich was zu essen! Ich dachte schon, wir beide verhungern irgendwann." John schloß die Tür hinter ihr, während sie den Korb in ihr Wohnzimmer trug und auf dem Tisch abstellte. Dann hockte sie sich davor auf den Boden und betrachtete das unverhoffte Geschenk nachdenklich.

„Du scheinst ziemlich gute Freunde zu haben, wenn sie sich so um dich kümmern."

Wieder stand John hinter ihr, sie konnte ihn sehr genau spüren. Als er sich zu ihr hinunterbeugte, hob sie den Kopf.

„Ich wußte gar nichts davon", sagte sie.

John zog sie wieder auf die Beine und schloß sie fest in seine Arme. Liebevoll betrachtete er sie. „Ein Grund mehr, dankbar zu sein", flüsterte er und küßte sie.

2 Kommentare:

  1. hey =)
    hatte ich schon gereviewed? hm...keine ahnung...egal ^^
    also mal wieder tolles kapitel =) das sind so zwei...kommen einfach nicht voneinander los...
    aber das von dorn war ja klasse :D bringt der denen erst mal nen fersskorb vorbei. wpher wusste der bitteschön, dass vashtus kühlschrank leergefegt ist? ^^
    und auf die begegnung von tom und john hab ich ja schon irgendwie ein bisschen gewartet. schön dass das wirklich noch passiert ist ;)
    ich glaub der ist jetzt auch erst einmal noch mehr durcheinander als zuvor sowieso schon :P ja...das nächste mal sollte er definitiv besser anrufen...
    aber wie kommt es, dass john tom nicht so wirklich mag? eifersüchtig? :P schließlich verbringt vashtu in der freizeit recht viel zeit mit tom und john sitzt auf atlantis fest ;)
    LG Sabrina

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  2. Nein, es lag zumindest kein Comment in der Moderation. Wobei blogger heute ein kleines bißchen Schluckauf zu haben scheint - ich hatte extremst Schwierigkeiten, deinen Comment zu veröffentlichen. Würde mich nicht wundern, wenn ein Vorgänger "gefressen" worden wäre ... Manchmal ist eben der Wurm drin.
    Okay, ja, das Treffen der beiden war überfällig, John und sein Beinahe-Doppelgänger. Hihi, der mußte einfach sein. Ich könnte jetzt einfach mit Eifersucht argumentieren, allerdings dichte ich John hier doch ein bißchen mehr Menschenkenntnis zu. Er "spürt" die Schwierigkeiten, die Tom noch machen könnte, daher die Abneigung. Hat man ja manchmal - und meist ist es besser, auf diese kleine Stimme im Inneren zu hören. Aber sowas muß man auf die harte Tour lernen, leider!
    *lach* Woher Dorn das weiß? Sagen wir, da kennt jemand seine Leaderin besser als die denkt. Die Auflösung kommt jedenfalls im nächsten Teil - dann erfährst du auch, WAS so alles in dem Korb drinsteckt. Ein paar Überraschungen gibts da noch *räusper*.
    Dank dir jedenfalls für dein Comment! Hast mir meinen Sonntag gerettet *freu*.

    Bis denne
    Ramona

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