26.11.2009

Sturmfront II

Vashtu rappelte sich auf und bemerkte, wie sehr das DHD sie doch vor den Winden geschützt hatte, als eine Bö sie fast wieder umwarf. Sie machte Babbis ein Zeichen, kam wieder auf die Beine und rannte geduckt, an seiner Seite, zurück hinter das Stargate, wo sie zumindest noch ein wenig Schutz vor dem Sturmwind fanden.
„Das DHD ist vollkommen in Ordnung", rief sie ihm über das Tosen zu. „Daran liegt es nicht."
„Habe ich doch gesagt."
Vashtu verzog das Gesicht, blickte wieder zum Himmel hinauf. Tiefschwarze Wolken rasten über den Horizont auf sie zu, fast ständig erleuchtet durch die Blitze, die sich in ihnen sammelten.
„Welche Möglichkeiten haben wir noch?"
Babbis zuckte mit den Schultern. „Keine. Die Sturmfront ist zu breit, wir beide würden es nie schaffen, ihre Randzonen zu erreichen. Sie allein, wenn Sie Ihre Fremdzellen aktivieren, schon."
Sie blitzte ihn unwillig an. „Wir gehen zusammen oder gar nicht, verstanden?"
Babbis schüttelte den Kopf. „Dann werden wir beide getötet werden, Miss Uruhk. Tut mir leid, aber so ist es."
Sie lehnte sich gegen den Sockel des Tores und schlug den Kragen ihrer Hemdjacke hoch. „Was erwartet uns?"
„Oh, wenn der Wind uns nicht erledigt, können wir im extremen Starkregen ertrinken, vom Blitz getroffen, von riesigen Hagelkörnern erschlagen oder von Tornados zerfetzt werden. Sie können es sich gern aussuchen."
„Dann ziehe ich das Überleben vor, danke."
Der nächste Regenschauer prasselte auf sie nieder.
Mißmutig starrte sie vor sich hin.
„Das werden wir aber nicht, solange wir in uns in der Zerstörungszone aufhalten. Tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen, aber wir befinden uns hier in extremer Gefahr!"
Sie warf ihm einen Blick zu, kreuzte die Arme vor der Brust und kauerte sich noch mehr zusammen. „Wir können nicht vom Gate weg, solange nicht sicher ist, ob uns das SGC nicht hier herausholen kann."
Babbis tippte wieder auf seinem Palmtop herum, hielt es ihr hin. „Dann sollte das Center sich besser beeilen. Uns bleiben noch knapp 50 Minuten, ehe der Sturm uns erreicht."
Sie sah eine Uhr, die rückwärts in einem Countdown ablief, auf dem winzigen Bildschirm ticken. Verständnislos sah sie auf. „Soll das heißen ... ?"
Babbis nickte. „Das sind bis jetzt nur die Ausläufer."

***

„Das ergibt keinen Sinn!" Der Lieutenant warf den Ausdruck frustriert zur Seite. Wallace griff ihn sich und ging die Analyse noch einmal sehr sorgfältig durch.
„Sehen Sie irgendeine Form von Wurmloch?"
Wallace las sehr aufmerksam, sah dann schließlich wieder hoch und betrachtete das Tor. „Beide Gates sind aktiviert und können deshalb nicht angewählt werden. Hier steht nichts von einem Wurmloch", entgegnete er.
Der andere sah ihn entgeistert an. „Aber die Gates sind nur aktiviert, wenn ein Wurmloch zwischen ihnen existiert."
Wallace blinzelte, befeuchtete mit der Zunge seine Lippen und ging die Daten noch einmal durch. „Vielleicht nicht immer. Offensichtlich besteht noch eine gewisse Art von Verbindung zwischen uns und P4X-392, und genau darum sind beide Gates noch aktiviert. Das Wurmloch ist zusammengebrochen, das ist richtig, aber da scheint es noch irgendetwas zu geb..." Sein Kopf ruckte hoch. Konzentriert starrte er das Sternentor an. „Der Blitz!"
„Was?"
Wallace kam mit einem Ruck wieder auf die Beine. „Sie haben die enorme Energieleistung dieses Blitzes in den Daten nicht miteinbezogen. Sir, tut mir leid, aber auf einer Farm rechnet man jedes Jahr auch mit einem gewissen Ausfall. Diese extremen Werte, das war kein normaler Blitz."
„Das kann ich Ihnen bestätigen. Was da aus dem Tor kam, hat das gesamte Wurmloch ausgefüllt." Der Lieutenant nickte. „Aber der Blitz kann kein Wurmloch aufbauen, Dr. Wallace. Das ist unmöglich!"
Der junge Wissenschaftler blätterte noch einmal im Statusbericht, griff sich schließlich den Taschenrechner, der neben dem Lieutenant lag und begann zu rechnen.
„Das ist vollkommen unmöglich, Dr. Wallace. Tut mir leid."
„Ist es nicht!"

***

„Wir müssen hier verschwinden!"
Vashtu schüttelte stur den Kopf und dachte nach.
Es gab eine Lösung, es gab immer eine Lösung! Sie übersahen irgendetwas. Da war etwas, und es lag direkt vor ihren Augen. Nur sahen sie es nicht. Sie konnte es fühlen.
„Hören Sie, wenn wir nicht zumindest versuchen, Deckung zu finden, werden wir in dreißig Minuten in unsere Einzelteile zerlegt."
Ein erster Hagelschauer ging auf sie nieder. Babbis hielt sich schützend einen seiner Laptops über den Schädel und beugte sich über sie. Sie sah, mit welcher Wucht der Sturm an ihm zerrte und packte unvermittelt seinen Arm.
„Wir gehen hier nicht weg, bis wir sicher sind, daß Cheyenne-Mountain uns nicht zurückholt. Wenn die jetzt ein Wurmloch öffnen, müssen wir so schnell es geht durch, sonst wird das Center komplett auf den Kopf gestellt", brüllte sie ihn an.
„Sie werden uns nicht rauswählen können. Wahrscheinlich hat der Stripe mehr Schaden angerichtet, als wir denken. Warum würden sie sich sonst soviel Zeit lassen?"
Vashtu preßte die Lippen aufeinander und biß darauf. Mit der freien Hand wischte sie sich über das nasse Gesicht.
„Wir müssen hier weg!"
Verstehen blitzte in ihren Augen auf. Sie öffnete den Mund etwas, sah Babbis einen Moment lang an, dann hob sie den Blick und blinzelte in den Himmel. Doch sie achtete weder auf die Hagelkörner, noch auf die Wolken oder das Wetterleuchten. Ihr Blick richtete sich auf das Tor, das sich über ihr erhob.
Mit einem Ruck zog sie Babbis zu sich. „Sie sagen, wir befinden uns mitten in der Zerstörungsschneise?"
Der Wissenschaftler nickte.
„Und Sie sagen, das hier sind immer noch die Ausläufer?"
Wieder ein Nicken.
Die Antikerin nickte nach oben. „Warum steht das Stargate dann immer noch?"
„Was?" Babbis sah sie entgeistert an.
Sie beugte sich dicht über sein Ohr, zog einmal kurz die Nase hoch und brüllte: „Ich frage mich, warum das Stargate die Zerstörungsschneise seit Jahrtausenden übersteht."
Verstehen blitzte in Babbis' Augen auf. „Sie meinen ..."
Vashtu nickte. „Wir haben etwas übersehen. Und wir können nur hoffen, daß der Stripe es nicht beschädigt hat. Hier muß es einen Schutzschild geben!"

***

Wallace ging seine Berechnungen zum xtem Mal durch und notierte sich immer wieder seine Ergebnisse.
„Das kann nicht sein!" Der Lieutenant schüttelte den Kopf. „Irgendwo liegt ein Fehler, Dr. Wallace, und ..."
Die Tür öffnete sich und Landry trat ein. „Etwas neues?"
„Ich habe alles jetzt viermal nachgerechnet, Ihnen sogar ..." Wallace blickte auf und schloß den Mund. Seine Kiefer knallten mit einem dumpfen Laut aufeinander, als er den General sah.
Landry musterte ihn und runzelte die Stirn.
So kannte er Wallace gar nicht. Bisher hatte er den jungen Wissenschaftler immer als sehr schüchtern und zurückhaltend empfunden. Aber gerade ... Da war wilde Entschlossenheit in seinem Blick gewesen, und ein Mut, den man ihm sonst nicht zugetraut hätte.
„Sir, nichts neues. Tut mir leid", meldete der Lieutenant und schüttelte den Kopf. „Ich lasse noch einmal alle Statusberichte ..."
„Die wieder das gleiche sagen werden, verdammt!" Wallace richtete seine ganze Konzentration wieder auf einen Ausdruck, tippte mit einem Finger immer wieder darauf. Die Anwesenheit des SGC-Leiters schien er plötzlich wieder vergessen zu haben. „Ich habe Ihnen doch gesagt, was geschehen ist! Warum wollen Sie mir nicht glauben?"
Der Lieutenant warf Landry einen entschuldigenden Blick zu. „Tut mir leid, Sir."
Landry hob eine Hand und fixierte Wallace. „Was ist Ihrer Meinung nach geschehen, Dr. Wallace? Haben Sie vielleicht eine Lösung?"
Der junge Mann blickte auf, und Landry ging auf, wie jung er wirkte. Zwar war er gut sieben Jahre älter als Babbis, aber um sein Selbstbewußtsein schien es alles andere als gut bestellt. Und diese Unsicherheit verlieh ihm immer wieder das Aussehen eines Schuljungen.
„Ich ... ich ..." Nervös zuckte seine Hand zum Schreibtisch und stieß eine Kaffeetasse um. Klirrend fiel diese zu Boden und zerschellte. Wallace wurde puterrot. „Tut mir leid, Sir", murmelte er verlegen.
„Wie lautet Ihre Lösung, Dr. Wallace?" fragte Landry im ruhigen Ton.
„Der Blitz, Sir." Wallaces Stimme war kaum zu hören bei diesen Worten. „Die Energie des Megablitzes hat das Wurmloch zusammenbrechen lassen. Gleichzeitig aber hat er eine Verbindung zum Planeten hergestellt. Miss Uruhk und Dr. Babbis können zwar nicht hindurch, aber ..." Er stockte und verstummte dann.
„Aber?" Landry trat interessiert näher, während der Lieutenant wieder entschieden den Kopf schüttelte.
„Nun ..." Wallace nagte an seiner Unterlippe und trommelte mit den Fingern auf seinem Oberschenkel herum. „Wenn ich recht habe, dann ... dann müßten wir in Funkkontakt mit ihnen treten können."
„Vollkommener Unsinn!" Der Lieutenant schüttelte den Kopf.
„Haben wir das denn schon versucht?" wandte Landry ein.
Beide Männer blickten verständnislos auf. „Wie?"
„Haben wir versucht, ob wir in Kontakt mit ihnen treten können?"
Der Wissenschaftler und der Militär starrten sich verständnislos an, dann schüttelten sie die Köpfe.
„Dann versuchen wir es jetzt", entschied Landry.

***

Vashtu kauerte sich immer mehr zusammen. Der tosende Wind und der wieder einsetzende Regen wollten auch noch den letzten Rest Wärme aus ihrem Körper ziehen. Ihre Hand hatte sich in Babbis Arm verkrampft, doch der Wissenschaftler schien dies gar nicht zu bemerken. Er lag direkt neben ihr, seine Lippen waren blau und seine Augen halb geschlossen. Allmählich kamen ihr nun doch Zweifel, ob sie es lebend von diesem verdammten Planeten schaffen würden.
„Miss Uruhk? Können Sie mich hören?"
Sie blinzelte verständnislos und hob mit großer Anstrengung den Kopf. Nein, es war kein Wurmloch eingegangen. Sie begann, Stimmen zu hören.
„Miss Uruhk, SG-27-Teamleader", sagte die Stimme von General Landry wieder, begleitet von statischem Rauschen. „Können Sie mich hören? Melden Sie sich!"
Babbis drehte langsam den Kopf und sah sie an. Offenbar hatte er die gleiche Halluzination wie sie.
Die gleiche Halluzination?
„Sir?" Mit steifen Fingern hatte sie die Com-Taste ihres Funkgerätes gedrückt.
„Miss Uruhk, es tut gut, Ihre Stimme zu hören", sagte Landry deutlich erleichtert.
Verwirrt blickte sie sich wieder um. „Danke, Sir. Das gleiche behaupte ich auch. Aber ... wie ist das möglich?"
„Nun, wie es aussieht hat es einen Fehler mit dem Wurmloch gegeben. Sie werden sicher ebenfalls den Blitz gesehen haben, der mitten in den Ereignishorizont einschlug."
Sie nickte eifrig. „Ein Stripe, Sir. Ein Superblitz."
„Tja, wie es aussieht, hat dieser Stripe das Wurmloch zusammenbrechen lassen, aber die Verbindung wurde nicht gekappt. Wie geht es Ihnen?" fragte der General.
Vashtu blinzelte die Regentropfen aus den Augen und wischte sich mit der freien Hand das kurze Haar zurück. „Durchgefroren und naß bis auf die Haut, Sir. Dr. Babbis neben mir rechnet fest mit seinem Tod."
„Sie kennen doch die Devise, Miss Uruhk. Wir lassen niemanden zurück."
Sie nickte, ihre Gesicht verzog sich zu einem Lächeln.
„Wie ist die Lage bei Ihnen?"
Sie blinzelte in den Himmel hinauf. „Stürmisch, Sir. Eine Wettervorhersage möchte ich allerdings nicht treffen. Könnte nicht gut für uns aussehen."
„Dann halten Sie noch ein kleines bißchen aus. Wir arbeiten an einer Lösung. SGC Ende." Ein deutliches Knacken in der Leitung.
Vashtu und Babbis sahen sich groß an.

***

General Landry runzelte die Stirn. „Sie wollen was?"
Wallace und der Lieutenant sahen sich kurz an und nickten in plötzlicher stiller Eintracht. „Wir müssen das Gate entladen, um die Verbindung zu lösen", erklärte Wallace. „Durch die extremen Werte, als der Blitz durch das Wurmloch hier einschlug, brach dieses zwar zusammen, aber die Energiesignatur blieb bestehen. Darum können wir weder rauswählen noch angewählt werden. Es besteht immer noch eine Verbindung mit P4X-392, nur können wir diese nicht nutzen, um Miss Uruhk und Dr. Babbis zurückzuholen. Eines der Tore muß manuell entladen werden. Dann reißt die Verbindung automatisch ab und wir können neu wählen."
Landrys Blick glitt zu dem Lieutenant. „Und Sie bestätigen das?"
Der Militär nickte. „Wir haben alles mindestens dreimal überprüft, Sir. Die Daten stimmen. Wenn es uns gelingt, die Verbindung manuell zu trennen, können wir den Rest von SG-27 zurückholen."
Landry überlegte. „Was ist nötig, um das Gate zu entladen?"
„Wir brauchen ..." Der Lieutenant stockte, blickte etwas hilflos zu dem Wissenschaftler. Der zuckte mit den Schultern.
„Wir brauchen einen Blitzableiter, Sir."

***

„Nun, Miss Uruhk. Ich hätte da eine Bitte an Sie beide. Kann Babbis mithören?"
Der nickte nur. Seine Zähne klapperten.
„Ja, Sir, das kann er. Was sollen wir tun?"
Der Wind heulte durch das Stargate, irgendwo grollte der Donner.
„Der Stripe blockiert beide Tore, Miss Uruhk. Wir müssen diese Verbindung kappen, damit wir Sie beide wieder zurückholen können. Wir brauchen etwas, womit wir diese Entladung herbeiführen können."
„Einen Blitzableiter, Sir?" Vashtu hob die Brauen. Inzwischen mußte sie brüllen, um sich über den Lärm des Sturmes verständlich zu machen.
„Ja, Sie haben schon verstanden. Fällt Ihnen irgendetwas ein?" Die Störungen in der Übertragung wurden wieder stärker.
Vashtus Blick blieb an dem Laptop hängen, mit dem Babbis sich vorhin vor dem Hagel geschützt hatte. Er besaß ein Metallgehäuse. Vielleicht würde er auch leiten.
„Möglicherweise, Sir. Machen Sie sich bereit."
„Gut, wir warten."
„Was haben Sie vor?" ließ Babbis sich endlich vernehmen.
„Ich baue einen Blitzableiter, sobald ich Sie irgendwie gesichert habe." Vashtu kramte in den Taschen ihrer Hemdjacke und beförderte ein kurzes Stück Seil daraus hervor. „Binden Sie sich am DHD fest. Der Sturm ist inzwischen zu stark."
Babbis schüttelte den Kopf. „Ich helfe!"
Sie zögerte. Sie bezweifelte, daß Babbis wirklich helfen konnte. Der Wind toste inzwischen so stark um sie her, daß selbst sie Schwierigkeiten haben würde. Doch dann las sie die Entschlossenheit in seinem Gesicht.
„Also gut", brüllte sie über den Sturm hinweg. „Wir brauchen jedes bißchen Metall und Kabel, das wir finden können."
Babbis nickte, rappelte sich auf und wurde fast sofort wieder von den Beinen gefegt.

***

„Machen Sie sich bereit." Landry starrte das Gate an.
Hoffentlich würde es den beiden da draußen gelingen, was er von ihnen verlangt hatte. Aber die Zeit reichte einfach nicht, um den Blitzableiter des Komplexes bis hier herunter zu schalten. Ihnen war keine andere Wahl geblieben, so unwohl er sich dabei auch fühlte.

***

„Das Gehäuse leitet nicht!" kreischte Babbis.
Vashtu blinzelte das Wasser aus den Augen und betrachtete, was sie zusammengesammelt hatten. Gut drei Meter Kabelstränge, eine Rolle Isolierband und drei Laptops hatten sie in den Windschatten des DHDs retten können, ehe auch noch die letzten beiden Koffer mit Babbis' Ausrüstung ein Raub des Sturmes hatten werden können.
„Das Kabel reicht nicht", brüllte sie zurück. „Ich brauche noch mindestens zwei Meter, sonst findet die Entladung zu nahe am Tor statt und könnte das DHD zerstören."
Babbis' Augen zuckten ziellos umher und er schnippte mit den Fingern.
Vashtu schüttelte den Kopf und griff sich einen der Laptops.
„Was haben Sie vor?"
„In den Dingern gibt es doch Kabelverbindungen, oder?" Sie zückte ihr Messer und begann, am Gehäuse herumzuhebeln.
„Haben Sie eine Ahnung, wie teuer diese Rechner sind?"
„Fällt Ihnen was besseres ein?"
Babbis starrte sie einen Moment lang an, dann schüttelte er den Kopf, griff sich ebenfalls einen Laptop und tastete an seiner Überlebensweste herum.
„Wie lange noch?" brüllte Vashtu über den Sturm hinweg.
Kurz blickte Babbis auf seine Armbanduhr und blinzelte sich das Regenwasser aus den Augen. „Eine viertel Stunde."
Das würde knapp werden.

***

„Sir, wir sind soweit." Die Stimme war kaum zu verstehen. Die Antikerin brüllte in ihr Funkgerät, doch gleichzeitig toste der Sturmwind in das kleine Mikro und statische Störungen knisterten.
Landry seufzte erleichtert. „Gut. Wir machen uns bereit für Ihre erneute Einwahl."
„Sir, mit Verlaub", mischte sich eine zweite Stimme ein, die von Babbis, „es ist Wahnsinn! Wer auch immer das Gate berührt, wird zu Toast werden. Sie sollten besser versuchen, den internen Blitzableiter zu verwenden."
„Das hätten wir auch, wenn wir genug Zeit gehabt hätten", entgegnete Landry. „Sie müssen vorsichtig sein und das beste hoffen."
„Ich werde das tun, Sir", brüllte nun wieder Vashtus verzerrte Stimme über den Lautsprecher. „Ich habe die höheren Überlebenschancen."
Landry nickte nur und blickte zu dem Notfallteam, das sich bereits im Gateroom eingefunden hatte.

***

Mühsam kämpfte Vashtu sich auf das Tor zu, rollte das Kabel hinter sich her.
„Sie sind wahnsinnig! Wenn das Gate tatsächlich noch geladen ist ..."
Sie schüttelte nur unwillig den Kopf. „Gehen Sie zum DHD und verstecken sich dort. Das wird wahrscheinlich einer der sichersten Orte sein, Babbis."
Der Wissenschaftler sah sie groß an. „Sie werden die volle Ladung abbekommen, wenn Sie das Tor berühren. Sie können sterben!"
Vashtu schluckte Regenwasser, prustete dann und schnaubte sich die Nasenlöcher frei. „Ich kann das überstehen, glauben Sie mir. Aber Sie sind ungeschützt, Babbis!"
Er sah sie zweifelnd an, dann nickte er.
„Wie lange noch?" brüllte sie ihn an.
„Nicht einmal fünf Minuten."
Sie kniff die Lippen fest aufeinander. „Gehen Sie zum DHD!"
Mühsam stapfte sie vorwärts, das Kabel weiter hinter sich herziehend.
Babbis hatte recht, und sie wußte es. Sie konnte durchaus sterben, wenn sie die volle Ladung erwischte. Sie mußte vorsichtig sein und hatte keine Zeit. Irgendwie mochte sie dieses Timing nicht sonderlich.
Vorsichtig näherte sie sich dem Tor, während wieder ein neuer Hagelschauer über ihr niederging und der Wind mit einer Macht an ihrem Körper riß, die sie niemals für möglich gehalten hatte. Der Himmel über ihr war inzwischen tintenschwarz, nur vom Wetterleuchten unsicher beleuchtet. Donner und Wind grollten um sie her und ließen ihre Ohren schmerzen.
Auf den Knien robbte sie bis vor das Gate, sah hoch.
Wenn es einen Schutzschild gab, hatte der sich bis jetzt nicht aktiviert. Und das bedeutete, entweder hatte sie sich geirrt, oder er war durch den Stripe beschädigt worden.
Ein bescheidener Tag in ihrem Leben!
Sie holte tief Atem, zog das Kabel an sich heran und zögerte noch einen Moment.
Wenn sie in Berührung mit der Spannung kam, würde sie die volle Wucht zu spüren bekommen. Entweder sie verbrannte auf der Stelle oder ihr Herz blieb stehen. Aber sie mußte es riskieren.
Noch einmal wischte sie sich mit der freien Hand über das Gesicht, dann hob sie die mit dem Kabel und drückte dieses fest gegen das Metall des Tores.
Ein Blitz schoß daraus hervor, traf ihre Hand und ließ sie vor Schmerz brüllen. Sie konnte fühlen, wie die Spannung sich in ihren Körper fraß und einen Weg nach draußen suchte.
Dann wurde ihr schwarz vor Augen.

***

„Miss Uruhk, können Sie mich hören?" Landry runzelte die Stirn und horchte. Nichts als Rauschen war seine Antwort. „Miss Uruhk?" fragte er noch einmal, dann drehte er sich zu dem Techniker um und sah ihn an.
„Gate frei. Einwahl von außen läuft", meldete der.
In schneller Folge rasteten die Chevrons ein, das Wurmloch öffnete sich.
„Kennung SG-27", meldete der Techniker.
Landry stand am Fenster der Kontrollzentrale und starrte hinaus in den Gateroom.
Den beiden war es tatsächlich gelungen, die Verbindung zu kappen. Die Frage war nur, konnten sie es noch schaffen, durch das Sternentor zu reisen, ehe der Sturm sie endgültig mitriß. Beide hatten sie die ganze Zeit in ihre Funkgeräte gebrüllt, ein deutliches Zeichen dafür, daß sie ihre eigenen Stimmen nicht mehr verstehen konnten.
Eine Gestalt tauchte aus dem Ereignishorizont auf. Eine gebeugte Gestalt, schlacksig und unbeholfen wirkend. Sie ging rückwärts und tief gebeugt, zerrte einen Körper hinter sich her. Regen prasselte aus dem Tor heraus, Sturmwind heulte durch den Gateroom.
„Wurmloch schließen!" brüllte Dr. Babbis, nachdem er die Antikerin endlich ganz aus dem Ereignishorizont herausgezogen hatte. Beinahe sofort brach die Verbindung ab. Der Alarmton änderte sich.
Babbis richtete sich schnaufend auf und blickte sich um. „Ihr Herz ist stehen geblieben."

***

Ein Niesen war das erste, was Landry hörte, als er die Krankenstation betrat. Schmunzelnd trat er an dem Sichtschutz vorbei und fand die drei männlichen Mitgliedern von SG-27 einträchtig um ein Bett versammelt.
„Naja, und dann habe ich mir die Diagnoseberichte angesehen", berichtete Wallace gerade der Gestalt im OP-Kittel, die auf der Pritsche lag.
„Ihnen geht es offensichtlich schon wieder recht gut, Miss Uruhk", meldete Landry sich zu Wort.
Die Antikerin blickte auf, verzog das Gesicht und zog die Nase hoch. „Das nächste Mal lasse ich Sie einen Blitzableiter in einem Sturm bauen, Sir", sagte sie heiser.
Landry trat an das Bett heran. „Aber Sie haben es geschafft, Miss Uruhk."
Sie nickte.
Wieder ein Niesen, dann ein deutlich hörbares Schnaufen. „Ich habe mir sicher eine Lungenentzündung geholt." Babbis' Stimme klang wehleidig.
Vashtu drückte ihren Kopf zurück in das Kissen. „Wann darf ich aufstehen, Sir?"
„Haben Sie eine dringende Verabredung?" Landry schmunzelte.
„Mir ist langweilig." Die Stimme der Antikerin klang düster.
Landry schmunzelte. „Nun, wenn es so ist. Ich kann Ihnen gern einen Rechner herbringen lassen. Dann können Sie Dr. Babbis bei seiner Doktorarbeit helfen."
Vashtu sah ihn mißtrauisch an. „Wie bitte?"
Hinter Landry erklang ein dumpfes Schnaufen. Der General nickte.
„Der Grund, warum Sie diesen Planeten besuchten, war die Doktorarbeit von Dr. Babbis. Sie wissen doch, daß er diesen Titel eigentlich noch nicht trägt."
Vashtu schürzte die Lippen und kreuzte die Arme vor der Brust. In ihren Augen stand etwas, was Landry im Moment nicht wirklich lesen wollte. Doch ihm war klar, daß Babbis in nächster Zeit ... Nun, einige weitere Erziehungsmaßnahmen würden ihm sicher nicht schaden.
„Wird schon, Mam", meldete Dorn sich zu Wort.
Dr. Marnie Evans, die Ärztin, die Vashtu betreute, kam heran. „So geht es aber nicht. Die Patientin ist noch zu schwach, um ... General, Sir, ich muß Sie leider bitten ..."
„Ich habe Hunger", ließ Vashtu sich plötzlich vernehmen. „Ich hätte gern ein dickes Steak mit Pommes frites und eine Riesen-Limo dazu."
„Ich ..." Marnie Evans blinzelte verständnislos. „Wir werden sehen, was wir tun können."
Landry klopfte der Antikerin auf den Arm. „Ich werde Ihnen Ihr Steak besorgen, Miss Uruhk, keine Sorge. Ruhen Sie sich jetzt etwas aus."
Sie verzog das Gesicht, winkte dann aber ihren beiden anderen Teammitgliedern, die sich dezent zurückziehen wollten.
Dann wandte sie sich wieder dem Leiter des SGC zu: „Wallace sagte mir, Sie hätten zugestimmt, daß er helfen durfte."
Landry zögerte, nickte dann aber. „Ich habe mich da an etwas erinnert und dachte, ich sollte vielleicht auf Sie hören."
Die Antikerin lächelte. „Danke, Sir."
„Ich habe zu danken, Miss Uruhk. Sie haben gute Arbeit geleistet, wirklich sehr gute Arbeit."
Babbis kam, im Schlepptau von Marnie Evans, wieder zurück und redete auf die Ärztin ein.
„Ach, Sir." Vashtu richtete sich auf und räusperte sich. Ihre Stimme klang immer noch rauh.
Landry hob fragend die Brauen und sah zu Babbis hinüber, der urplötzlich verstummt war.
Die Antikerin fixierte den Wissenschaftler sehr genau, während sie ihre nächsten Worte sprach: „Das nächste Mal, wenn Dr. Babbis eine Doktorarbeit schreiben möchte, warnen Sie mich bitte vor, Sir. Dann nehme ich mir Urlaub."
Babbis' Gesicht wurde puterrot.

ENDE

2 Kommentare:

  1. und weiter gehts ;)
    was ich vorhin übrigends vergessen habe: Der anfang hat mich an die SGA folge "Der Sturm" errinnert. Da als John die erdungsstation ausschalten sollte und er durch halb atlanits musste während die anderen bequem mit dem transporter "fahren" konnten ^^
    so aber jetzt zu teil zwei:
    Mensch das ist ja noch richtig spannend geworden! Aber ein lob an wallace!
    Ich glaub ohne ihn wären die nicht so schnell auf die lösung gekommen.
    Und die aktion nen blitzableiter zu bauen...hut ab!
    Bin froh, dass die beiden ihr abenteuer mehr oder weniger gut überstanden haben.
    und das ende :D da musste man ja auch direkt wieder schmunzeln.
    babbis am rumnörgeln, dass er bestimmt ne lungenentzündung hat und vashtu die nen stromschlag abbekommen hat fragt erst mal wann sie denn gehen kann weil ihr langweilig ist :D
    da musste ich auch wieder parallelen zu rodney und john ziehen ;)
    aber ich bin ja noch nicht fertig, jetzt folgt die nächste story die noch gelesen werden will...
    LG Sabrina

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  2. Du hast natürlich recht, beim Anfang und beim Ende habe ich mich durch SGA-Folgen "inspirieren" lassen. Um ehrlich zu sein, das wird noch öfter passieren, mal mehr, mal weniger deutlich. Viele Ideen sind mir beim Ansehen der Serie gekommen, insofern verzeih mir.
    Jaja, wenn sie nicht den guten Jim-Bob hätten *grins*. Er mit seinen Ernteausfällen. Andererseits stimmt es schon, ohne ihn wären sie sicher nicht so schnell auf des Rätsels Lösung gekommen.

    Ach, wenn du sehen könntest, mit was für einem breiten Grinsen (und müden Augen) ich hier gerade sitze. Dank dir!

    Bis denne
    Ramona

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